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Das Einmaleins der Abzocke

Allgemein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Treuhänder sein ist nicht schwer. Und ertragreich.

Eine einschlägige Ausbildung, und schon kann man zur Treuhänderprüfung in Liechtenstein antreten. Organisiert von der liechtensteinischen Treuhandkammer, eine Organisation, die es selbst mit Seriosität und Korrektheit nicht so genau nimmt.

So musste ihr vorletzter Präsident sein Amt fluchtartig verlassen, weil er auf die Sanktionsliste der US-Behörde OFAC geraten war. Natürlich zu unrecht und völlig unschuldig.

Spass beiseite.

Bei der Prüfung geht es ein wenig um Gesellschaft- und Steuerrecht, dazu Compliance. Besteht heutzutage jede bessere KI.

Dazu braucht es noch einen einwandfreien Leumund, keine relevanten Strafregistereinträge und den Geschäftssitz in Liechtenstein. Und schon kann’s losgehen mit dem Treuhändern.

Theoretisch haben die Treuhänder eine hohe rechtliche Verantwortung, so in Sachen Geldwäscheprävention oder Steuertransparenz. Dazu sollten sie internationale Standards (OECD, FATF) einhalten.

Praktisch kümmert sie das alles nicht gross, denn es steht dem eigentlich Zweck der Tätigkeit entgegen: Geld scheffeln mit  einem überschaubaren Aufwand.

Da sind solche Verantwortlichkeiten schon mal ein guter Vorwand, um exorbitante Honorarnoten zu rechtfertigen. Denn was da alles beachtet werden muss, gerne wird auch noch ein Fachgutachten beigezogen. Das zieht ein befreundeter Anwalt oder Finanzberater aus dem Stehsatz, anschliessend teilt er sich mit dem Treuhänder die finanzielle Beute.

Das gleiche Prinzip gilt für die Zusammenarbeit mit Banken. Denn schliesslich muss das Stiftungsvermögen ja irgendwo aufbewahrt werden, und was bietet sich da besser an die fürstlichen Banken LGT oder LLB? Eben.

Hier kommen dann noch Kick-backs, Retrozessionen, Provisionen und wie geldwerte Zuwendungen sonst noch heissen, obendrauf.

Gerne investiert der Treuhänder auch ihm anvertraute Gelder in den Firmen von Freunden und Bekannten. Das damit verbundene Risiko lässt er sich natürlich unter dem Tisch mit Zuwendung gen oberhalb des vereinbarten und meist lächerlichen Zinssatzes vergüten.

Geht das Investment in die Hose, macht also die Firma des Freundes oder Bekannten die Schraube, dann war das natürlich unvorhersehbar, erfolgte das Investment in bestem Treu und Glauben.

Oder aber, noch einfacher, die Firma wurde schlichtweg dafür gegründet, dass in sie investiert wird, das Geld verschwindet und die Bude bankrott erklärt. Schon wieder eine fette Beute, die geteilt werden kann.

Nur ganz blöde Treuhänder, nebenbei, greifen direkt in die Geldtöpfe der ihnen anvertrauten Vermögen. Sie tun das, um beispielsweise die unersättlichen Bedürfnisse einer brasilianischen Geliebten zu befriedigen. Das Geld ist dann weg, die Geliebte natürlich auch.

Manchmal verlieren die Treuhänder auch den Überblick, weil getreue Buchführung ist nicht so ihre Sache. Sollte es Abflüsse geben, die über das normale Mass hinausgehen, hoffen sie immer darauf, das mit einigen geschickten Spekulationen wieder reinholen zu können.

Kann klappen, muss nicht klappen.

Das wären allerdings erst mal die legalen bis halb-legalen Methoden zur Bereicherung.

Dazu kommt ein ganzes Bündel von Zugriffen, die in jedem normalen Rechtsstaat schwer sanktioniert würden. Allerdings nicht oder nur äusserst ungern von der fürstlichen Justiz.

Der Todesfall des Treugebers oder Stifters ist immer Anlass zu kleinen Freudentänzen des Treuhänders. Denn gegenüber den Erben kann er sich taub und blind stellen. Ich? Ich hätte irgendwas mit einer Stiftung ihres Verstorbenen zu tun? Tut mir Leid, das Anwaltsgeheimnis verbietet mir jede Auskunft.

Beliebt ist auch: da schaue ich gleich nach. Oh, ich sehe gerade, die Stiftung verfügt ja über gar kein Vermögen mehr. Wo das abgeblieben ist? Keine Ahnung. wahrscheinlich haben es die Begünstigten verjubelt.

Dann gibt es noch viele weitere Methoden, für die es nicht mehr als skrupellose Anwälte und rechtlose fürstliche Richter braucht.

Wer sich freiwillig heute noch in diese Räuberhöhle begibt, ist wahrlich selber schuld.

16. April 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.29.48.png 649 1288 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-04-16 07:12:362026-04-13 16:40:04Das Einmaleins der Abzocke

Der Iran und das Ländle

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Treuhänder

Kaum ein Finanzplatz ist so exponiert wie das Fürstentum.

Es war absehbar: die «Friedensverhandlungen» zwischen den USA und dem Iran wurden ergebnislos abgebrochen. Das bedeutet, dass alle Zeichen wieder auf Eskalation stehen.

Und da die Trump-Regierung im direkten Schlagabtausch nicht gerade viele Punkte macht, werden die USA sicher versuchen, auf allen Ebenen den Iran zu isolieren und zusätzlich zu sanktionieren und zu schikanieren.

Da bieten sich zwei Hebel an. Die Ölexporte des Irans und die Finanzströme.

Mit dem Öl hat Liechtenstein nicht viel zu tun. Aber mit Finanzströmen umso mehr. Und da gibt es die Verwicklungen mit dem Sherkati-Clan. Eine Unternehmerfamilie mit iranischen Wurzeln und Geschäften in Richtung Osteuropa und Asien, inklusive Iran. Also Hochrisikogebiete für jeden Finanzplatz.

Die Familie um den Patriarchen Yousef Sherkati residiert zwar in St. Gallen. Dort gebietet er über ein weit verzweigtes Holdings- und Beteiligungsnetzwerk von rund 100 Firmen um die Transinvest Holding AG.

Transport und Logistik, Rohstoff- und Warenhandel sowie internationale Lieferketten sind das Hauptgeschäft.

Dazu diente unter anderem bis 2022 die Bank Alpinum im Ländle, im Familienbesitz. Die Bank bekam immer mehr Reputationsprobleme mit grenzüberschreitenden Strukturen und wirtschaftlich schwer durchschaubaren Kunden. Sogar die eher verschmachte Finanzmarkaufsicht (FMA) Liechtensteins machte Druck.

Also gab die Familie Sherkati auf, die Bank wurde in Sora Bank umbenannt. Das nützte aber auch nichts, 2023 wurde ihr die Banklizenz entzogen, das Ende.

Aber nicht das Ende der Verwicklungen mit dem Sherkati-Clan und Liechtenstein. Da gibt es zum Beispiel das SHAR Establishment. Das ist eine Anstalt nach Liechtensteinischem Recht.

Das sind Finanzvehikel, die dazu dienen, als Holding- oder Beteiligungsgesellschaft Vermögenswerte zu verwalten. Diskret und intransparent. Zwar tauchen Familienmitglieder im Verwaltungsrat auf, aber was diese Anstalt genau macht, weiss niemand. Auch die beneficial owner sind im Dunklen.

Das ist dann das Geschäftsmodell. Zuerst wird operativ Geld verdient (Transport, Handel). Dann wird das Kapital und die Gewinne in Holdings und Anstalten gebündelt. So werden die Beteiligungen verschachtelt und die Risiken verteilt. Zudem haben solche Konstrukte den Vorteil, dass sie als Netzwerk aus rechtlich separaten Einheiten bestehen.

Das bedeutet, sie sind hoch flexibel und schwer durchschaubar. Das bedeutet: wenn irgendwo der Blitz einschlägt, dann betrifft das nur ein kleines Segment in einem grossen Bauwerk.

Also beste Voraussetzungen, sowohl im Osten wie in Asien Geschäfte zu treiben, die den USA sicherlich nicht gefallen.

Nun haben die USA, wenn sie wollen, den Durchgriff auf so ziemlich alle Informationen im weltweiten Finanzhaushalt. Überweisungen, Geldströme, wer geschäftet mit wem, wer verdient woran. Da gibt es einfach nichts, was diskret und geheim abgewickelt werden kann.

Das SHAR Establishment als Beispiel zeigt, dass der Sherkati-Clan aus dem Untergang seiner Bank gelernt hat. Eine Bank hat ein deutlich sichtbares Profil und erregt Aufmerksamkeit. Dazu muss sie immer strengeren Compliance-Vorshriften (KYC, Geldwäsche, Beachtung von Sanktionen) genügen.

Das ist bei einer Anstalt viel lockerer.

Das sagen sich sicherlich die übrigen Liechtensteiner Banken, die ja sicherlich Kunden und Vermögen der Alpinum Bank übernommen haben. Und weiterhin dafür benützt werden, als Clearingstelle und Drehscheibe für die weiterhin florierenden Geschäfte der iranischen Familie zu dienen.

Allerdings steigt inzwischen das Risiko überproportional, dass das nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch das Missfallen der USA erregt.

Aber wie die 800 Zombie-Trusts mit russischen Besitzern zeigen: erst in höchster Not geben fürstliche Treuhänder ertragreiche Geschäfte auf. Nur ganz starker Druck der FMA überwältigt ihre Geldgier.

Das dürfte beim Iran ähnlich sein …

13. April 2026/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-12-um-19.30.36.png 767 1293 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-04-13 07:02:302026-04-12 19:32:54Der Iran und das Ländle

Hingerichtet nach Fürstenart

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

In Liechtenstein herrscht nicht das Recht, sondern reine Willkür.

Eigentlich haben Gerichte eine einfache Aufgabe: sie sprechen Recht. Sie legen die gültigen Gesetze in einem konkreten Fall möglichst korrekt und nach Treu und Glauben aus.

Damit regeln sie Streitfälle und vermitteln allen das Gefühl, dass jeder geschützt wird, wenn seine Rechte verletzt wurden. So ist das in den meisten Staaten Zentraleuropas. Aber leider nicht im Fürstentum.

Auf den ersten Blick sieht hier alles nach Rechtsstaat aus. In Zivil- und Strafverfahren gibt es drei Instanzen. Das fürstliche Landgericht, das fürstliche Obergericht und den fürstlichen Obersten Gerichtshof. Dazu noch den Verwaltungsgerichtshof und den Staatsgerichtshof.

Allerdings muss hier schon das Wort «fürstlich» leisen Argwohn wecken. Der verstärkt sich ungemein, wenn man weiss, wie Urteile verkündet werden:

«Im Namen des Fürsten und des Volkes».

Dazu noch in dieser Reihenfolge.

Der Argwohn verdichtet sich zum klaren Verdacht, wenn man weiss, wie Richter in Liechtenstein zu ihrem Amt kommen. Dorthin werden sie von einem Richterauswahlgremium befördert. Darin sind paritätisch Vertreter des Fürsten und des Landtags plus Regierung vertreten. Im Zweifelsfall hat der Fürst Stichentscheid – und ernennt dann den Richter.

Der weiss also von Anfang an sehr genau, wem er dienen sollte. Dem Recht? Nun ja, solange das nicht mit den Interessen des Fürstenhauses kollidieren würde.

Zum Gehorsam trägt auch bei, dass alle Richter nur für eine Periode von fünf Jahren gewählt werden. Durch die regelmässige Wiederwahl (oder eben Nicht-Wahl) wird zusätzlich sichergestellt, dass der Richter ein willfähriges Werkzeug des Monarchen ist.

Und schliesslich sind die meisten Richter nicht vollamtlich angestellt, sondern nur nebenamtlich. Kassieren aber so um die 1000 Franken pro Sitzungstag. Die wenigen vollamtlichen Richter kassieren bis zu 200’000 Franken im Jahr.

Das ist im Vergleich zu Österreich, wo die meisten herkommen, ein wahrhaft fürstliches Gehalt, das niemand gerne aufs Spiel setzen möchte. Dort beträgt das Einstiegsgehalt eines Richters um die 5000 Euro – brutto. Das kassiert der gleiche Richter im Ländle mit lediglich drei Sitzungstagen.

Zudem hat er als Teilzeitrichter noch Gelegenheit, als Anwalt oder Treuhänder noch mehr Geld hereinzuschaufeln.

Daraus ergibt sich die absurde Situation, dass ein Richter über einen Kollegen urteilen muss, der sich beispielsweise als Treuhänder dem Volkssport in Liechtenstein hingegeben hat: einen Begünstigten einer Stiftung übers Ohr hauen.

Will sich da der Richter wirklich bei seinen Kollegen – und beim Fürsten – unbeliebt machen, indem er den Treuhänder nach Recht und Gesetz verurteilt? Auf die Gefahr hin, dass die Treuhandkammer dann beim regierenden Erbprinzen interveniert und auf diesen skandalösen Vorfall hinweist.

Wiederwahl ade.

Zudem gibt es insgesamt nur rund 25 bis 30 Richter in allen Instanzen. Also wenige Posten stehen vielen gierigen Bewerbern gegenüber.

Und schliesslich verwendet die geschändete Justitia im Fürstentum noch einen weiteren Trick, um mühsam eine rechtsstaatliche Fassade aufrecht zu erhalten. Es kann, selten, ganz selten, sogar sein, dass ein fürstliches Landgericht tatsächlich Recht spricht – auch wenn das zum Nachteil eines geldgierigen Treuhänders sein sollte.

Aber der muss sich nicht gross grämen. Solche Fehlurteile werden dann routiniert von der nächsten Instanz korrigiert. Vom fürstlichen Obergericht oder spätestens vom fürstlichen Obersten Gerichtshof.

Dann ist wieder Recht in Unrecht verkehrt und somit alles in Ordnung in diesem scheinheiligen Ländle, wo Urteile nicht richten, sondern hinrichten.

 

7. April 2026/23 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png 0 0 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-04-07 07:02:542026-04-06 16:34:11Hingerichtet nach Fürstenart

Geld ins Ländle, Geld weg?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Scheine wegen des schönen Scheins ins Fürstentum bringen?

Liechtenstein gilt seit Jahrzehnten als einer der diskretesten und stabilsten Finanzplätze Europas. Banken wie die LGT Group oder die VP Bank verwalten Milliardenvermögen internationaler Kunden. Doch hinter dem Image von Sicherheit und Kontinuität stehen für Vermögensbesitzer auch reale Risiken.

Zunächst ist das regulatorische Risiko zu nennen. Liechtenstein hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark internationalisiert und steht heute unter dem Einfluss globaler Transparenzstandards. Abkommen wie der automatische Informationsaustausch (AIA) – getragen von Organisationen wie der OECD – haben das klassische Bankgeheimnis faktisch beendet. Für Anleger bedeutet das: Vermögen im Fürstentum ist längst nicht mehr „unsichtbar“. Wer steuerlich nicht sauber aufgestellt ist, läuft Gefahr, nachträglich in den Fokus nationaler Steuerbehörden zu geraten.

Eng damit verbunden ist das steuerliche Risiko. Liechtenstein selbst erhebt vergleichsweise moderate Steuern, doch entscheidend ist stets die steuerliche Behandlung im Heimatland des Investors. Doppelbesteuerungsabkommen reduzieren zwar Konflikte, aber sie sind komplex und interpretationsanfällig. Fehler in der Strukturierung – etwa bei Stiftungen oder Trusts – können zu erheblichen Nachforderungen oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen führen.

Ein weiterer Aspekt ist das Reputationsrisiko. Obwohl Liechtenstein heute als „weisse Jurisdiktion“ gilt und internationale Standards erfüllt, haftet dem Finanzplatz historisch ein Ruf als Steueroase an. Für vermögende Privatpersonen oder Unternehmer kann allein die Verbindung zu einem Offshore-Finanzplatz negative öffentliche Wahrnehmung erzeugen – insbesondere in Zeiten wachsender Sensibilität für Steuertransparenz.

Auch das politisch-rechtliche Risiko ist nicht zu vernachlässigen. Liechtenstein ist politisch stabil, eng mit der Schweiz verbunden und Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Dennoch bleibt es ein Kleinstaat. Seine regulatorische Ausrichtung ist stark von externen Entwicklungen abhängig – insbesondere von der Europäischen Union. Änderungen in EU-Richtlinien oder internationalem Druck können sich daher überproportional schnell auf den Finanzplatz auswirken.

Hinzu kommt das klassische Marktrisiko, das unabhängig vom Standort besteht. Vermögen, das über liechtensteinische Banken verwaltet wird, ist häufig global investiert – in Aktien, Anleihen, Immobilien oder alternative Anlagen. Die Risiken dieser Märkte – von Zinsschwankungen bis zu geopolitischen Krisen – bleiben vollständig beim Anleger. Der Standort Liechtenstein bietet keinen Schutz vor Verlusten aus Fehlallokationen oder volatilen Märkten.

Ein oft unterschätzter Punkt ist das Strukturierungsrisiko. Liechtenstein ist bekannt für komplexe Vehikel wie Stiftungen und Anstalten. Diese können erhebliche Vorteile bieten, etwa in der Nachlassplanung oder Vermögenssicherung. Gleichzeitig sind sie juristisch anspruchsvoll. Fehler in der Gestaltung, mangelnde Dokumentation oder unklare Begünstigtenregelungen können zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen – teilweise über mehrere Jurisdiktionen hinweg.

Schließlich bleibt das Bankenrisiko selbst. Auch wenn liechtensteinische Institute als solide gelten und strengen Aufsichtsregeln unterliegen, sind sie nicht immun gegen Krisen. Einlagen sind zwar geschützt, doch große Vermögen überschreiten häufig die Sicherungsgrenzen deutlich.

Liechtenstein ist kein risikofreier Hafen, sondern ein  Finanzplatz ohne Rechtssicherheit und mit systemischen Risiken. Insbesondere die Tatsache, dass alle Richter von fürstlichen Gnaden amtieren und die Gerichte notorisch im Interesse von liechtensteinischen Treuhändern oder Bankern urteilen, macht ein weiteres Risikopotenzial aus.

31. März 2026/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-27-um-18.07.33.png 753 1326 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-31 07:02:402026-03-27 18:13:41Geld ins Ländle, Geld weg?

Gier frisst Hirn

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Eigentlich wüssten es die Treuhänder besser. Aber …

Liechtensteins Treuhänder geben sich gern als Hüter von Diskretion, Stabilität und juristischer Präzision. In der Aussendarstellung dominieren Begriffe wie „Vertrauen“, „Verantwortung“ und „Langfristigkeit“. Doch hinter dieser sorgfältig gepflegten Fassade zeigt sich ein weniger schmeichelhaftes Bild: ein Geschäftsmodell, das in weiten Teilen von Opportunismus, Gebührenmaximierung und systematischer Intransparenz geprägt ist.

Der Kern des Problems liegt im Anreizsystem. Treuhänder verdienen nicht an Einfachheit, sondern an Komplexität. Je verschachtelter eine Struktur, je undurchsichtiger ein Vermögensgeflecht, desto höher der Beratungsaufwand – und damit die Rechnung. Es ist ein System, das nicht darauf ausgelegt ist, Klarheit zu schaffen, sondern sie zu vermeiden.

Transparenz wäre geschäftsschädigend.

Dabei wird gern argumentiert, man handle im Rahmen des Gesetzes. Formal mag das stimmen. Doch genau darin liegt die eigentliche Brisanz: Die Grenze zwischen legaler Gestaltung und moralischer Verantwortung wird systematisch bis zum Äussersten ausgereizt. Was möglich ist, wird gemacht. Nicht weil es sinnvoll oder gesellschaftlich vertretbar wäre, sondern weil es sich lohnt.

Besonders deutlich wird diese Haltung im Umgang mit internationalen Kunden. Vermögen aus politisch instabilen Regionen, aus Grauzonen der globalen Wirtschaft oder aus fragwürdigen Quellen finden seit Jahrzehnte ihren Weg in liechtensteinische Strukturen. Offiziell natürlich stets geprüft, kontrolliert und abgesichert. Inoffiziell jedoch oft ein Geschäft mit kalkuliertem Risiko – solange die Honorare stimmen.

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben diese Praxis unfreiwillig offengelegt. Kaum drohten Sanktionen oder Reputationsschäden, zogen sich zahlreiche Treuhänder abrupt aus Mandaten zurück. Nicht aus plötzlicher moralischer Einsicht, sondern aus Selbstschutz. Die gleiche Kundschaft, die zuvor willkommen war, wurde über Nacht zur Belastung. Loyalität endet dort, wo das eigene Risiko beginnt.

Hinzu kommt ein strukturelles Machtgefälle. Die Branche ist klein, eng vernetzt und weitgehend abgeschottet. Kritik dringt selten nach aussen, interne Kontrolle bleibt begrenzt. Wer Teil des Systems ist, hat wenig Interesse daran, es grundlegend zu hinterfragen. Wer es verlässt, verliert Zugang zu einem lukrativen Netzwerk. Diese Dynamik begünstigt eine Kultur des Wegsehens.

Gleichzeitig wird die Verantwortung gern externalisiert. Man verweist auf internationale Kunden, auf globale Entwicklungen, auf regulatorische Vorgaben. Doch die Realität ist einfacher: Ohne die aktive Mitwirkung der Treuhänder gäbe es viele dieser Strukturen schlicht nicht. Sie sind nicht neutrale Dienstleister, sondern zentrale Architekten eines Systems, das Vermögen abschirmt, verschiebt und in vielen Fällen der öffentlichen Kontrolle entzieht.

Das vielleicht grösste Problem ist jedoch die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Realität. Während man sich als verlässlicher Partner in einer komplexen Welt inszeniert, basiert ein erheblicher Teil des Geschäfts auf der systematischen Ausnutzung genau dieser Komplexität. Vertrauen wird eingefordert, ohne dass echte Transparenz geboten wird.

Liechtensteins Finanzplatz steht heute unter wachsendem Druck. Regulatoren schauen genauer hin, internationale Standards werden verschärft, die Toleranz gegenüber intransparenten Strukturen sinkt. Doch solange das Geschäftsmodell auf Maximierung von Gebühren durch maximale Verschachtelung basiert, bleibt die Versuchung gross, die Grenzen weiter auszudehnen.

Am Ende stellt sich eine einfache Frage: Geht es um verantwortungsvolle Vermögensverwaltung – oder primär um die Optimierung eigener Erträge? Die bisherige Praxis der Branche gibt eine klare Antwort: Geldgier frisst Hirn und Vernunft.

27. März 2026/38 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-24-um-17.00.38.png 809 1318 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-27 07:01:092026-03-24 17:29:45Gier frisst Hirn

Wohin flieht das Geld?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Wenn man es nicht im Koffer mit sich tragen kann: natürlich nach Liechtenstein.

Grössere Summen müssen überwiesen werden. Zur Illustration: ein Stapel von 10 Millionen Dollar in 100-Dollar-Scheinen (was faktisch die grösste Stückelung ist) wäre rund 11 Meter hoch. Von Parterre bis zum Dach eines mindestens dreistöckigen Gebäudes.

Geht also nicht. 10 Millionen in Gold wären so rund 6 Goldbarren, über 70 kg. Auch nicht gerade handlich.

Ein gutes Versteck wäre eine Kryptowährung wie Bitcoin. Nur hat die den Nachteil, dass sie extrem volatil ist, also gigantischen Wertschwankungen unterworfen.

Da bleibt also nur das gute, alte Bankkonto.

Wer’s gern zentral und mit fürstlichem Schutz möchte, kann sich nur für Liechtenstein entscheiden.

Dort gibt es allerdings offiziell eine «Null-Toleranz-Politik» gegen Geldwäsche, funktioniert der AIA, prüfen Banken intensiv die Herkunft von Geldern (KYC), werden Verdachtsmeldungen ernst genommen und international kooperiert (FIU).

Aber Liechtenstein behauptet ja auch, ein Rechtsstaat zu sein, obwohl seine Richter von der fürstlichen Gnade abhängen und ständig Urteile gefällt werden, bei denen es jedem Juristen ausserhalb des Ländle die Nackenhaare aufstellt («blosser Anschein einer möglichen Interessenkollision»).

Also alles wie Trompetengold glänzende Märchen.

Gerade im Finanzwesen gilt: etwas geht immer. Man muss es nur geschickter und aufwendiger herstellen als in den guten, alten Zeiten, als eine Stiftung ein sicherer Bunker für Gelder jeglicher Herkunft war.

Das ist sie natürlich immer noch. Aber der reiche Russe, der reiche Venezolaner, der reiche Iraner, die können nicht mehr einfach ein paar Millionen direkt auf die kontoführende Bank ihrer Stiftung in Liechtenstein überweisen. Und sollten sie es versuchen, würde die Bank das Geld nicht annehmen.

Aber dann gäbe es ein klärendes Gespräch mit dem fürstlichen Treuhänder, der als Stiftungsrat das Schicksal dieser Stiftung bestimmt. Der erklärt dann dem Stifter oder dem Begünstigten, dass es so heutzutage halt leider nicht mehr geht.

Aber auf die nahtliegende Frage «wie denn dann?» hat er natürlich eine Antwort parat, schliesslich ist das nach wie vor sein Geschäftsmodell.

Der Treuhänder erklärt es anschaulich an einem Zwiebelmodell. Heutzutage können solche Geldflüsse nicht mehr direkt erfolgen. Sondern sie müssen ein paar Umwege über eine Holding-Struktur nehmen. Je nach Sicherheitsbedürfnis des Überweisenden hat diese Struktur mehrere oder sogar viele Schichten.

Irgendwo kommt in dieser Zwiebel das Geld an. Wird von einem lokalen Treuhänder entgegen genommen, der gegenüber seiner Bank für die Seriosität des Überweisenden einsteht. Schon ist er der Absender der nächsten Überweisung an einen anderen Trust oder eine andere Stiftung. Deren Treuhänder macht genau das Gleiche.

Schliesslich landet das Geld auf diese Art über beliebig viele Stationen in Liechtenstein. Im Konto eines Trusts oder einer Stiftung bei der Fürstenbank LGT oder der Halb-Fürstenbank LLB oder einem der anderen Geldinstitute des Ländle.

Auch dort sagt dann der liechtensteinische Treuhänder mit treuem Augenaufschlag, dass er persönlich für die Seriosität des Absenders garantiere, schliesslich kenne er seinen Kollegen in Singapur oder auf einer kleinen Insel im Meer schon lange und habe keinerlei Zweifel, dass das Geld anständig und sauber sei.

So einfach funktioniert das. Ausser, der Blitz schlägt ein wie bei den über 800 Zombie-Trusts. Die müssen aber geradezu fahrlässig konstruiert gewesen sein, dass sich der eigentliche beneficial owner so einfach ausfindig machen liess.

Daher ist davon auszugehen, dass es noch viele weitere solcher Trusts von reichen Russen gibt, die noch nicht entdeckt wurden. Wie von reichen Venezolanern oder Iranern.

Denn während die Bewirtschaftung einer normalen Stiftung trotz allen Anstrengungen des Treuhänders normalerweise eher überschaubare Einkünfte generiert, ist bei einem so aufwendigen Zirkus wie das Verschieben von Geld über viele Stationen ein Obolus von insgesamt mindestens 10 Prozent fällig.

Leicht verdientes Geld. Bis es wieder kracht.

24. März 2026/40 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-23-um-15.56.21.png 719 1320 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-24 07:02:522026-03-23 16:01:39Wohin flieht das Geld?

Iranische Geldflüsse ins Ländle?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Auch der neue iranische Führer Mojtaba Khamenei hat Kontakte in Liechtenstein.

Im Iran wird ein geistlicher oder militärischer Führer nach dem anderen liquidiert. Nach dem frühen Tod des obersten Ayatollahs Khamenei hat nun dessen Sohn Mojtaba seine Position übernommen. Und damit auch die Herrschaft über ein weltverzweigtes Imperium von Geldanlagen.

Der Iran Human Rights Monitor schreibt:

«Neben seiner Rolle im Sicherheitsbereich und in der Politik ist ein weitverzweigtes Finanznetzwerk, das sich Berichten zufolge in den letzten zwei Jahrzehnten innerhalb und außerhalb Irans entwickelt hat, eine der wichtigsten Dimensionen der Macht Mujtaba Khameneis. Dieses Netzwerk umfasst internationale Investitionen, Luxusimmobilien und Bankvermögen.»

Insgesamt gehen Schätzungen von einem Gesamtwert von mindestens 3 Milliarden US-Dollar aus. In erster Linie soll es sich dabei um diverse Luxusimmobilien in London, Hotels in Frankfurt a.M., das Schloss Hotel bei Kitzbühel, Liegenschaften auf Mallorca, in Dubai und in Toronto handeln, unter anderem.

Natürlich müssen dieses Vermögen und vor allem auch die Geldflüsse über Bankverbindungen gemanagt werden. Dazu dienen wie immer in solchen Fällen Mantelgesellschaften, bei denen mit komplexen Strukturen der eigentliche Beneficial Owner, also der wirklich Begünstigte und Inhaber, versteckt wird.

Dort arbeiten Intermediäre als weitere Schutzschicht, zum Beispiel der iranische Geschäftsmann Ali Anasari, der aber jede Beziehung zu Khamenei abstreitet. Beide tauchen in diversen Sanktionslisten auf.

Natürlich dienen diese Strukturen auch dazu, Einkünfte aus Ölexporten in die internationalen Finanzmärkte einzuspeisen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Finanzkonstrukten und Bankkonten in verschiedenen Ländern.

Dazu gehören Grossbritannien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Schweiz – und Liechtenstein.

Logisch. Denn wo es Extraprofite gibt, da ist Liechtenstein dabei. Steuerhinterziehung, Blutgelder, Diktatorengelder, Oligarchengelder, Geldwäsche, Schiebereien, Verstecke bauen, Überweisungen so ausführen, dass Absender und Empfänger verschleiert werden – keine Dienstleistung, die nicht angeboten wird.

Besonders, wenn es eben nicht um Kleckerbeträge, sondern um Dutzende, Hunderte von Millionen geht. Und via die ehemalige Bank Alpinum wurden jahrelang Geldgeschäfte mit dem Iran abgewickelt.

Inzwischen ist das alles natürlich ziemlich heikel geworden. Bloss: seit der Digitalisierung ist es fast unmöglich, alle Spuren auch in der Vergangenheit zu verwischen. Irgendwo in den Weiten des Internets gibt es immer eine Kopie, eine SWIFT-Angabe, ein Clearing, eine verdächtige Bewegung, die mit Suchmaschinen wie denjenigen, die Palantir baut, beim Durchforsten von Big Data gnadenlos gefunden werden.

Ausserdem ist zu vermuten, wenn man die Geldgier von liechtensteinischen Treuhändern, Vermögensverwaltern und Intermediären kennt, dass bis vor Ausbruch des Irankriegs noch kräftig Geld herumgeschoben wurde.

Inzwischen sind in allen Ländle-Banken Krisenstäbe dabei, schwitzend die Archive zu durchforschen, welche verräterischen Spuren es da geben könnte, und ob es möglich ist, die vollständig wegzukriegen. Da werden Harddisks mit dem Hammer bearbeitet, Server zu Kleinholz gehämmert, ganze Papierberge geshreddert.

Und dann gibt es ja immer noch den früher mal ruppig entlassenen Mitarbeiter, der schlau genug war, ein wenig Material mitgehen zu lassen, für den Fall der Fälle in der Zukunft, dass er das mal gewinnbringend einsetzen kann.

Obwohl die Temperaturen nur langsam steigen, wird im Fürstentum an vielen Orten kräftig geschwitzt.

20. März 2026/51 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-18-um-16.13.01.png 842 1323 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-20 05:00:082026-03-18 16:18:21Iranische Geldflüsse ins Ländle?

Ein ehrenwerter Liechtensteiner Banker

Allgemein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Was nur im Ländle möglich ist: die durchwachsene Karriere von Stephan Häberle.

Ihn hat es immer wieder aus der Kurve getragen. Häberle war fast überall. Bank Leu, UBS, Mitglied der Generaldirektion der LGT, dann knapp drei Jahre CEO bei der Centrum Bank in Liechtenstein. Etwas mehr als zwei Jahre CEO bei der MediBank AG. Dann CEO bei der Valartis Group, zwei Jahre.

Dann 2 Jahre und acht Monate CEO der Bank Alpinum AG, der Sherkati-Bank, die nach gröberen Problemen mit der Compliance notverkauft wurde, umfirmiert und schliesslich die Bücher deponierte.

Schliesslich Mitglied der Geschäftsleitung der MBaer Merchant Bank AG (3 Jahre 10 Monate bis 2024), die vor Kurzem von der Finma den Stecker gezogen bekam. Sie hatte Gelder aus dubiosen Quellen, vor allem aus dem Osten, angenommen, als ob es keine Geldwäschereigesetze gäbe.

Ein Stehaufmännchen. Inzwischen ist er auch schon mal als strategischer Berater bei der Privatbank Kaleidoskop.

«Inside Paradeplatz» bezeichnete ihn auch schon als den «Zwei-Jahres-CEO», weil viel länger dauerte seine Anstellung meistens nicht.

Wie ist es nur möglich, dass so ein Liechtenstein-Banker immer wieder nicht nur auf die Füsse fällt, sondern nach jedem Abgang wieder in einem Chefsessel landet?

Die Erklärung ist einfach, wenn man Liechtenstein versteht. Denn hier gilt im Banking: wenn es mich nicht in den Knast bringt, mach ich’s.

Dieses Prinzip ist eigentlich universell gültig, also auch in der Schweiz, in Deutschland oder in den USA.

Aber die Besonderheit des Finanzplatzes Liechtenstein ist: die Chance, im Knast zu enden, ist verschwindend gering.

Man denke nur an das Schicksal des Treuhänders Mario Staggl. Der half in seinen besseren Zeiten nicht nur Steuerhinterziehern wie Igor Olenicof, in komplexen Trust-Konstruktionen einen Notgroschen zu verstecken. Blöd allerdings, dass dessen UBS-Banker Bradley Birkenfeld auf seinen Arbeitgeber sauer wurde und beschloss, als Whistleblower die Fronten zu wechseln.

Damit leitete er den Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses ein und sorgte bei der UBS für eine Riesenbusse von 780 Millionen Dollar. Für Birkenfeld lohnte es sich gewaltig. Er kassierte über 100 Millionen Dollar Finderlohn vom US-Justizministerium. Da er allerdings nicht völlig ausgepackt hatte, was Grundlage für den Deal war, musste Birkenfeld eine Weile in den Knast. Konnte er aber verschmerzen.

Für Staggl ging’s bei dieser Gelegenheit ohne Knast ab. Er figurierte zwar auf der Most-Wanted-Liste des FBI, konnte sich aber einfach unter dem fürstlichen Schutzschirm in Liechtenstein verstecken.

Dadurch übermütig geworden, eröffnete er die Bar Esquire, wo sich alles, was Rang und Namen in der Finanzwelt Liechtenstein hatte, ein Stelldichein gab. Und er führte die beiden Treuhandgesellschaften Salamander Trust und New Haven Trust. Die dazugehörenden Konti verwaltete die Neue Bank in Vaduz.

Dass die nebenbei Auszahlungen mit zweifelhafter Begründung und mit der Unterschrift des längst verstorbenen Kompagnons von Staggl versehen, ausführte, nun ja, es ist halt Liechtenstein.

Dass sich Staggl kräftig an ihm anvertrauten Geldern vergriff, auch das ist Liechtenstein.

Dass damals der Anwalt der Bank, der frühere Regierungschef Mario Frick, gleichzeitig Verwaltungsrat in Staggls Familienstiftung war, in der Staggl sein Geld in Sicherheit gebracht hatte – Liechtenstein.

Dass der VR der Bank, der frühere Aussenminister Ernst Walch, gleichzeitig der Verteidiger von Staggl war – Liechtenstein.

Dass Staggl nach der Birkenfeld-Affäre und als von den USA gesuchter Verbrecher immer noch als Treuhänder amtieren durfte – Liechtenstein.

Dass Staggl einen Schaden von rund 30 Millionen Franken bei seinen Kunden anrichtete – Liechtenstein.

Dass am Schluss ein Prozess gegen ihn geführt wurde, das war dann nicht mehr Liechtenstein, sondern die Ausnahme. Ebenso, dass Staggl nicht mal ein Attest rettete, dass er wegen einer schweren Jugend eine narzisstische Persönlichkeitsstörung habe, sondern dass er 2019 zu sechs Jahren Knast verurteilt wurde – auch das war eher ungewöhnlich in Liechtenstein.

Angesichts solcher Zustände ist die wechselhafte Karriere von Häberle. nun wirklich in jeder Beziehung völlig normal – in Liechtenstein.

 

 

 

12. März 2026/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-10-um-16.32.27.png 859 1273 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-12 07:02:082026-03-10 16:39:35Ein ehrenwerter Liechtensteiner Banker

Also doch Alchemie aus Liechtenstein

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Gold kaufen, aber billig? Die tgi AG aus Vaduz will es möglich machen.

Der Brachialkomiker Oliver Pocher gibt sich für (fast) alles her. Hier für einen Werbespot der Firma tgi:

Was wohl 50 gr Gold heute kosten, fragt er rhetorisch. «Ich sag’s euch: 7000 Euro, circa.» Dann wendet er sich an den tgi-Präsidenten Helmut Kaltenegger. «2000 Euro», sagt der cool. Wahnsinn.

Haben die Kalteneggers doch eine Methode entdeckt, aus minderen Metallen Gold zu machen, das Traumziel aller Alchemisten? Aber nein, der Trick sei ein anderer. Man zahle sofort den vollen Marktpreis für das Gold, bekomme dann drei Jahre lang 2 Prozent Rabatt pro Monat, damit werde das Gold bei Lieferung am Schluss eben 72 Prozent billiger.

Laut Webseite sollen bereits 35’000 Kunden davon profitieren und hätten 70 Millionen Euro ausgeschüttet bekommen. Das wären dann allerdings schlappe 2000 Euro pro Investor.

Also wenn das eine Vertrauensperson wie Pocher anpreist, zwei Vertrauenspersonen wie die Kalteneggers persönlich dafür einstehen, es eben keine wundersame Goldvermehrung ist, sondern drei Jahre lang aus dem einbehaltenen Geld mehr Gold gemacht wird und das dann als Rabatt weitergegeben wird, wieso sind es erst 35’000 Kunden?

Das sind berechtigte Fragen.

Wie seriös ist wohl die tgi AG? Auch eine berechtigte Frage. Nun, sie wollte den Eindruck erwähnen, sie stünde unter Aufsicht der fürstlichen Finanzkontrolle FMA, sei also eine Art Bank, viel mehr als ein blosser Goldhändler.

Daraufhin sah sich die FMA genötigt, im Herbst 2025 eine «Warnung» zu veröffentlichen, dass die tgi AG keinesfalls über eine aufsichtsrechtliche Bewilligung oder Registrierung verfüge und somit auch nicht durch die FMA überwacht werde.

Darauf reagierte die tgi mit einer «Klarstellung»:

Das ist clever. Die Bude dementiert nun selbst, was sie zuvor in Werbevideos angedeutet hatte.

Wer kein Komiker ist oder Pocher heisst, muss sich allerdings über ein paar Dinge klar werden:

– Wie sollen diese Rabatte durch Goldhandel entstehen, der normalerweise kleine Margen hat?
– Wer erinnert sich nicht an den deutschen Goldhändler PIM Gold, der 2019 pleite ging und rund 2000 Anleger rasiert zurückliess
– Die übliche Vertriebsstruktur über «Empfehlungen» oder Netzwerke
– Intransparenz bei der wirtschaftlichen Grundlage, kaum Finanzberichte oder unabhängige Audits

Nun tut tgi das, was solche Firmen tun, wenn sie kritisiert werden. Wer auch nur das Wort Schneeballsystem in den Mund nimmt, wird sofort eingeklagt. Obwohl es völlig schleierhaft ist, wie tgi jedes Jahr garantiert 20 bis 30 Prozent Rendite erwirtschaften könnte. Ausser, es würde Neugeld zur Begleichung von Altschulden verwendet.

Auf jeden Fall würde bei einem seriösen Finanzplatz die Aufsicht nicht nur mit dem Zeigefinger wackeln, sondern zwecks Aufrechterhaltung des Ansehens rasch eine vertiefte Untersuchung des Gebarens dieser Firma durchführen. Der Anfangsverdacht auf mögliche Straftaten sollte wohl vorhanden sein.

Sie könnte mit den Kalteneggers anfangen, die sich für eine Reality-TV-Show auf Puls 4 hergeben: «Die Kalteneggers – Eine Familie wie im Goldrausch», mit einem glamourösen Lebensstil angeben und auch schon mal eine Anklage wegen schwerem Betrugs einfingen. Die endete dann vor dem Straflandgericht Wien mit Freisprüchen.

Nun gilt gerade im Fürstentum das Prinzip: wer hier auf ein Versprechen hereinfällt, ist selber schuld. Das ist bekanntlich auch das Geschäftsprinzip der meisten Treuhänder, die in dieser rechtsfreien Räuberhöhle praktizieren und reihenweise ihre Mandanten ausnehmen.

Und neben vielen anderen internationalen Skandalen zucken auch im Ländle viele zusammen, wenn der Name des Wunderwuzzis René Benko erwähnt wird.

Aber ob der Finanzplatz insgesamt, angefangen bei den Fürstenbanken LGT und LLB, noch viele weitere Skandale einfach wegstecken kann?

 

9. März 2026/30 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-08-um-13.05.18.png 381 668 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-09 07:12:402026-03-09 09:52:12Also doch Alchemie aus Liechtenstein

Bank Frick: typisch Liechtenstein

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Stiftungen, Treuhänder

In der Finanzwelt Liechtenstein stinkt’s eigentlich überall.

Gerade machen Gerüchte die Runde, dass die Bank Frick im Ländle nach einem neuen Besitzer Ausschau hält. Sie ist eine der kleineren Banken im Fürstentum mit etwas mehr als 5 Milliarden Franken verwaltetem Vermögen.

Sie fährt einen besonders heissen Reifen im Banking, indem sie sich darauf spezialisiert hat, Anlaufstelle für Finanzintermediäre zu sein. Damit holt sie sich jede Menge Risiko in ihr Haus in Balzers, denn dass liechtensteinische Intermediäre nur lupenreine Geschäfte machen, ihre Kunden mit höchster Sorgfalt überprüfen und niemals verdächtiges Geld bewegen würden – diese Märchen glaubt natürlich keiner.

Als wäre das nicht genug potenzieller Ärger, möchte die Bank auch international präsent sein und hat dafür eine Filiale in Dubai eröffnet.

Als wäre das nicht genug potenzieller Ärger, bietet sie sich für Kryptogeschäfte aller Art an. Der zentrale Kritikpunkt hier ist weniger „Krypto an sich“, sondern das Risikoprofil, das damit ins Haus geholt wird: höhere Betrugsanfälligkeit, komplexe Herkunftsnachweise, schnell bewegte Zahlungsströme, mehr „High-Risk“-Kundensegmente. Genau diese Aspekte sind ein Grund, weshalb viele Banken Krypto meiden (Geldwäscherei-/Terrorfinanzierungsrisiken).

Wer als regulierte Bank „Zugang“ zur Kryptoökonomie verkauft, verkauft implizit auch permanente Erklärungsarbeit – und lebt mit dem Risiko, dass ein Skandal im Umfeld (Kunden/Projekt/Exchange) auf die Bank abstrahlt, selbst wenn formell alles regelkonform war.

Potenzieller Verkäufer ist die Kuno Frick Family Foundation. Diese Konstruktion hat einen speziellen Grund. Denn bei der Bank Frick ist etwas passiert, was selbst für Liechtenstein aussergewöhnlich ist.

Am 7. April 2014 wurde Jürgen Frick, der damalige Geschäftsführer der Bank, in der Tiefgarage des Bankgebäudes erschossen. Als er morgens ankam, lauerte der Täter bereits auf ihn und gab mehrere tödliche Schüsse ab.

Bilder der Videoüberwachung belegten schnell, dass es sich bei dem mutmasslichen Täter um einen Jürgen Hermann gehandelt hat.

Hermann hatte in der Vergangenheit wirtschaftliche Auseinandersetzungen und Konflikte mit dem liechtensteinischen Finanzplatz und speziell mit der Bank Frick geführt. Er machte Frick und andere Institutionen für den Finanzverlust seines eigenen Fonds verantwortlich.

2010 hatte er eine Klage gegen Frick und weitere Instanzen eingereicht, die vom Fürstlichen Obersten Gerichtshof und sämtlichen Instanzen abgewiesen wurde.

Hier sind wir wieder im bekannten Fahrwasser. Jemand macht ein Liechtensteiner Geldhaus für Verluste verantwortlich. Das weist jegliche Schuld von sich. Darauf versucht der Betroffene, vor Gericht sein Recht zu erstreiten. Und wird überall abgeschmettert.

Das heisst natürlich nicht, dass Hermann mit seinen Forderungen recht hatte. Noch viel weniger entschuldigt es sein Verhalten, das schon im Vorfeld der Tat immer auffälliger würde. So hatte er sich bereits Anzeigen wegen Drohung, Nötigung und schwerer Erpressung eingehandelt.

Nach der Tat flüchtete Hermann, sein Auto wurde kurz danach aufgefunden. Handschriftliche Notizen darin liessen sich als mögliches Geständnis interpretieren, auch äusserte er Selbstmordgedanken.

Seine Leiche wurde dann Monate später im Bodensee gefunden, sie wies eine Schusswunde auf, was auf Suizid hinwies.

Die Bank Frick wurde erst 1998 von Kuno Frick senior gegründet, einem liechtensteinischen Treuhänder. Nachdem sie eine Weile einen südafrikanischen Minderheitsaktionär hatte, wurde sie 2021 wieder zu hundert Prozent in den Besitz der Familienstiftung überführt.

Also für die wenigen Jahre der Existenz eine abenteuerliche Geschichte der Bank. Ertragsvolatilität, Eigentümerfragen, Regulatorik im Kryptobereich, operative Herausforderungen und lokale Standortfragen: eine ganze Menge von Fragezeichen rund um die Bank.

Dazu die explosive Mischung von einem Treuhänder gegründet, dessen Nachfolger erschossen wurde, während die Bank sich für Finanzintermediäre zur Verfügung stellt und sich im Hochrisikobereich Kryptogeschäfte engagiert.

Da dürfte ein allfälliger neuer Besitzer seine helle Freude daran haben.

5. März 2026/23 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-01-um-18.07.59.png 781 1309 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-05 07:03:032026-03-01 18:10:21Bank Frick: typisch Liechtenstein
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