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Das Debakel von Vaduz

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Zuerst war es ein hochprofessioneller Cyberangriff. Nun war offenbar schlicht die Tür offen. Und wer durch sie spazierte, weiss man immer noch nicht.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» nennt es ein Debakel. Das trifft die Sache ziemlich genau.

Nachdem Liechtenstein der wohl grösste Datenraub seiner Geschichte widerfuhr, legte sich die Regierung zunächst mächtig ins Zeug. Nicht etwa bei der Erklärung, wie 31’000 Datensätze über wirtschaftlich Berechtigte an Stiftungen, Trusts, Anstalten und Firmen entwendet werden konnten. Sondern bei der Wortwahl.

Ein «gezielter Angriff auf hohem technischem Niveau» sei es gewesen. Und der habe sich gegen eine «hochkomplexe Sicherheitsstruktur» gerichtet, verkündete die Regierung am 4. August.

Das klang beruhigend. Gegen Cyber-Einsteins kann halt auch das kleine Liechtenstein nichts ausrichten. Da ist selbst der milliardenschwere Fürscht in seiner Trutzburg macht- und hilflos.

Nun ist die Untersuchung abgeschlossen. Und plötzlich klingt die Sache deutlich weniger nach «Mission Impossible».

Die Ursache sei eine «fehlerhafte Logik zur Überprüfung der Berechtigungen» gewesen. Dadurch habe der Angreifer die API-Schnittstelle mittels wiederholter Einzelanfragen ausnutzen können. Amtsleiter Fabian Schmid stellt sogar ausdrücklich klar: Es habe sich nicht um eine klassische Software-Schwachstelle gehandelt.

Interessant ist allerdings, dass er noch im Amt ist. Als Hauptverantwortlicher für dieses Desaster.

Auf Deutsch übersetzt: Offenbar musste niemand eine digitale Festung stürmen. Das System prüfte nicht richtig, wer was sehen durfte. Und über die Programmierschnittstelle konnten Daten automatisiert abgefragt werden.

Datensatz für Datensatz.

31’000 Mal.

Das wirft eine noch unangenehmere Frage auf. Wo war eigentlich die Überwachung? Wenn ein Benutzer Tausende und Abertausende Datensätze absaugt, sollte bei einer Datenbank dieser Sensibilität irgendwann eine rote Lampe aufleuchten.

Tat sie offenbar nicht.

Jetzt sollen nämlich, so die Regierung, die «Überwachungs- und Erkennungsmechanismen» ausgebaut werden. Zudem soll eine eID zur Identitätsprüfung vorgeschaltet werden.

Hinterher ist man immer schlauer. Oder weniger geizig. Denn moderne IT-Sicherheit kostet halt. Bei einem Staatsbudget von einer Milliarde und einem steinreichen Fürsten mit Fürstenbank wäre das allerdings ein Klacks gewesen.

Was das Fürstentum jetzt ankündigt, das ist ungefähr so, als würde eine Bank nach dem Ausräumen ihres Tresors bekanntgeben, künftig wolle man genauer hinschauen, wenn jemand 31’000 Mal mit einer Schubkarre durch die Eingangshalle fährt.

Dabei bleiben die entscheidenden Fragen unbeantwortet.

Wer hat diese Berechtigungslogik programmiert? Wer hat sie getestet? Wer hat sie abgenommen? Welches Unternehmen entwickelte und betreute die Plattform? Wer war für die IT-Sicherheit verantwortlich?

Die Regierung verweigert dazu weiterhin Auskunft.

Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit: Man weiss bis heute nicht, wer die Täter sind.

Es gibt keine öffentlich bekannte Tätergruppe. Kein bekanntes Motiv. Keine bekannte Erpressungsforderung. Keine Erklärung, was mit den Daten geschehen soll. Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt, Rechtshilfeersuchen wurden ins Ausland verschickt.

Damit ist die Bilanz bemerkenswert.

Die Täter sind unbekannt. Die gestohlenen Daten sind weg. Der verantwortliche externe Dienstleister bleibt geheim. Das angeblich hochkomplex gesicherte System hatte einen Fehler in der Berechtigungslogik. Und offenbar bemerkte niemand rechtzeitig den massenhaften Datenabfluss.

Aus Angst wurden sogar noch weitere amtliche Plattformen abgeschaltet, darunter sogar das Handelsregister. Sie sollen in den kommenden Wochen wieder online gehen. Vielleicht.

Was für Versager. Die geheimsten Daten liegen offen und sind in unbekannter Hand. Verkniffen geschwiegen und geheimgehalten werden hingegen die Schuldigen und die Resultate der Suche nach den Tätern, angeblich Tag und und Nacht. Wer’s glaubt.

Aber wenigstens weiss Liechtenstein inzwischen, wie man das nennt.

Debakel. Desaster. Katastrophe. Verstrauensverlust. Ende Gelände Treuhänder-Finanzplatz.

21. August 2026/45 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-19-um-17.42.49.png 1188 2352 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-21 07:00:352026-08-19 18:46:15Das Debakel von Vaduz

Frauen an die Macht

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Am Fürstenfest wurde für Ablenkung gesorgt.

Das Ländle erlebt gerade seine grösste Krise seit der Erfindung von Stiftungen als diskretes Versteck für Geld jeder Art. Sauber bis schmutzig, ehrlich verdient und versteuert oder Gewinn aus allen üblen Geschäften der Welt.

Der Treuhänder nimmt’s, verstaut’s und versteckt’s – gegen ein hübsches Honorar, versteht sich. Aber jetzt wurden alle 31’000 intimste Daten über diese Konstrukte geklaut. Mit einem kinderleichten Einbruch.

Oberpeinlich und der Super-GAU. Weg ist das ertrauen in den Finanzplatz.

Unter diesen traurigen Vorzeichen musste Liechtenstein das Fürstenfest begehen. Brütend heiss war’s; der Erbprinz mit Familie mischte sich nur gut bewacht unters ausgewählte Volk.

Während früher der Zutritt frei war, musste man diesmal eine Einladung lösen und wurde scharf kontrolliert, bevor man sich seiner Durchlaucht allenfalls nähern durfte.

Sätze wie «eine Bombenstimmung hier» sollte man tunlichst unterlassen. Was früher ein lockeres Volksfest war, glich diesmal eher einem Hochsicherheitstrakt. Die Tickets waren schnell ausverkauft. Die stolzen Besitzer mussten sich einer Taschenkontrolle am Eingang unterziehen. Sämtliche Zufahrtsstrassen waren gesperrt und mit Pollern gesichert.

Die paar liechtensteinischen Polizisten reichten natürlich nicht aus. Landespolizei auch Bereitschaftspolizei und Gemeindepolizeien. Hinzu kamen Kräfte aus dem Ausland: Kantonspolizei St. Gallen, österreichische Polizeikräfte aus Vorarlberg und das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit mussten zu Hilfe eilen.

Der Fürscht hatte sich erwartungsgemäss dispensiert. War zwar Kaiserwetter, aber angeblich viel zu heiss für ihn. Also musste Erbprinz Alois wieder die obligate Rede halten. Immerhin, wo er recht hat, hat er recht: Er erinnerte daran, dass er bereits am Staatsfeiertag 2025 angesichts der veränderten Sicherheitslage und der rasanten Digitalisierung eine grundlegende Überarbeitung der liechtensteinischen Sicherheitspolitik gefordert habe.

Aber eben, wenn man nicht mal auf den absolutistischen Herrscher hört, was soll er da machen. Der Einsatz des Folterkellers in der Trutzburg ist leider nicht mehr möglich.

Daher redete er nicht lange um den heissen Brei herum:

«Wie der jüngst erfolgte Cyberangriff auf das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen deutlich gezeigt hat, sind insbesondere digitale Angriffe auf die Infrastruktur unseres Landes sehr reale Bedrohungen.»

Unglaublich, zuerst dieser Weitblick, nun die schonungslose Analyse.

überhaupt sei «hybride Kriegsführung eine reale Gefahr, fügte er hinzu. Ob er wohl auch diesen Blog damit meint?

Aanschliessend das übliche langweilige Rhabarber: Liechtensteins Erfolg beruhe auf Verlässlichkeit, Diplomatie, langfristigen Beziehungen und Anpassungsfähigkeit. Entscheidungen dürften nicht nur kurzfristig betrachtet werden; Volk, Landtag, Regierung und Fürstenhaus seien unterschiedliche Säulen des Staates. Fortschritt und Kontinuität müssten miteinander verbunden werden.

Aber, der Knaller, schon einen Tag vorher hatte das Fürstenhaus geruht, eine Abkehr von einer uralten Tradition zu vermelden: neu können auch weibliche erstgeborene Fürst, bzw. Fürstin werden. Das gab es noch nie, das ist erschütternd, das ist modern.

Nun ja, das dürfte allenfalls in dreissig Jahren oder so erstmals der Fall sein. Und soll davon ablenken, dass der Erbprinz präventiv sein Veto angekündigt hat, sollte die Volksabstimmung über die Aufhebung des archaischen Abtreibungsverbots positiv ausgehen.

Nicht mit ihm stellt er klar, ihr Untertanen dürft abstimmen, wie ihr wollt. Wir sind schliesslich angeblich eine Demokratie. Aber wenn mir das Resultat nicht passt, dann könnt ihr’s vergessen mit Volkswillen und so.

Sicher dachte der Erbrpinz dabei: wenn ich den Skandal mit den gestohlenen Nutzerdaten nur auch so einfach aus der Welt schaffen könnte.

So feierte man eher gedrückt, und viele Schweissperlen, vor allem von Treuhändern, waren nicht der Hitze geschuldet. Sondern der nackten Angst.

17. August 2026/51 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-16-um-18.09.30.png 1106 2372 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-17 07:03:412026-08-16 18:12:01Frauen an die Macht

Grabesruhe im Fürstentum

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Zehn Tage seit dem grössten Datenklau aller Zeiten. War da was?

Nichts Neues im Ländle. Der Krisenstab Liechtensteins arbeite angeblich Tag und Nacht an der Bewältigung des Diebstahls von 31’000 hochsensible Datensätzen. Sie enthalten die Identikationsmerkmale aller Besitzer oder Nutzer von Stiftungen und Trusts & Co. Die wurden – mit welchen ehrenhaften oder kriminellen Motiven auch immer – eingerichtet, weil der Stifter auf die Diskretion und den Schutz des Fürstentums vertraute.

War ein schwerer Fehler, wurden sie alle eines Schlechteren belehrt.

Inzwischen schweigen auch die Medien, nachdem eine kleine Welle der Berichterstattung durch sie schwappte. Einzig die NZZaS hat gestern den Skandal aufgegriffen, aber doch eher mit Weichspüler und ohne zu deutlich auf das krachenden Versagen aller Sicherheitsmassnahmen und die Auswirkungen auf die Betroffenen hinzuweisen.

Es fehlt auch jede Kritik daran, dass es seit inzwischen zehn Tagen nicht gelungen ist, bei der Untersuchung oder der Identifikation der Räuber auch nur einen Schritt weiterzukommen.

Die NZZaS zitiert die Regierungschefin des Fürsten Brigitte Haas: ««Wir kennen bis jetzt weder die Täter noch deren Motiv», sagt sie etwas nervös.» Das sei «auch für uns sehr unbefriedigend.»» Es darf gelacht werden. Ausser, man ist ein Betroffener.

Was weiss man, laut NZZaS? «Derweil schiessen die Spekulationen ins Kraut. Mit jedem Tag wächst die Vermutung, es handle sich nicht um «normale Verbrecher», sondern um staatliche Akteure. So halten auch politisch exponierte Personen Stiftungen in Liechtenstein, beispielsweise bunkerten Russen gerne ihr Vermögen in Stiftungen im «Ländle».»

Ach was. Aber nicht nur Russen, sondern – neben durchaus ehrenhaften Betreibern – auch aller Abschaum aus der ganzen Welt.

Aber bislang: keine Lösegeldforderung, keine Veröffentlichung im Darknet, kein Verkaufsangebot, keine Erpressung von Opfern. So viel man weiss.

Bemerkenswert ist, dass auch andere staatliche Systeme abgeschaltet wurden. Das Zentrale Kontenregister, Intax, das eMWST-Portal und das Justizsystem Lides. Sicherheitsüberprüfung, wiegelt der Krisenstab ab, es gebe keine Hinweise, dass auch diese Plattformen betroffen seien.

Das vielleicht nicht. Aber es ist ein weiterer Hinweis, wie lausig die IT-Sicherheit gehandhabt wurde. Denn solche ziemlich wichtigen Systeme schaltet man nur ab, wenn die gleiche Authentifizierung, Infrastruktur und die gleichen Schnittstellen verwendet wurden.

Der IT-Verantwortliche Fabian Schmid sagt dazu nur, dass das ganze System, zumindest das gestohlene Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP), von einer liechtensteinischen KMU mitsamt IT-Sicherheit betrieben worden sei. Den Namen nennt er allerdings nicht. Seine Arbeitsplatzsicherheit scheint hingegen sehr gefährdet.

Es gibt eine erstaunlich grosse Anzahl solcher Buden, ein rundes Dutzend. Darunter erscheinen KYBERNIA, Rocksolid, sl.one, Speedcom und Interum als besonders geeignet, Rocksolid nennt zudem ausdrücklich den Finanz-und Treuhandbereich als Kundschaft.

Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Allerdings könnte ein Outing den Ruin der Bude bedeuten, denn wer will sich schon von solchen Versagern eine delikate IT-Plattform basteln lassen, in die man offensichtlich kinderleicht durch das Eröffnen eines neuen Fake-Accounts einsteigen kann. Wer will schon zugeben müssen, dass alle State of the art Schutzmechanismen nicht existieren. Sonst hätten die Hacker nicht ungestört stundenlang herumfuhrwerken und alle Daten absaugen können.

Oder aber, das scheiterte an der Knausrigkeit der Fürstenregierung. Denn das kostet. Allerdings im Unterhalt nur wenige Millionen im Jahr, wie auf Inside Paradeplatz erläutert wurde. Ein Klacks, angesichts eines Milliarden-Staatshaushalts und eines milliardenschweren Fürsten.

Auf der anderen Seite verdienen sich die Treuhänder dusselig mit dem Unterhalt und der verwaltung dieser Konstrukte. Nehmen wir an, nur 20’000 davon seien aktiv. Alleine so kämen wir bei durchschnittlichen Administrationskosten von lediglich 10’000 Franken auf 200 Millionen jährlich. Erklecklich.

Aber eben, die Geldgier ist gross im Ländle. die Bereitschaft Geld für Sinnvolles auszugeben, ist klein.

10. August 2026/51 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-09-um-16.19.10.png 505 1197 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-10 07:02:592026-08-09 22:20:45Grabesruhe im Fürstentum

Das Ende des Finanzplatzes

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Wie immer bei grossen Katastrophen: zuerst will’s keiner wahrhaben.

Vor knapp 20 Jahren musste Liechtenstein das Geschäftsmodell Stiftungen und Trusts als Schwarzgeldbunker aufgeben. Das tat weh. Der Erfinder und Profiteur Herbert Batliner machte einen unrühmlichen Abgang, die Anzahl dieser Konstrukte schnurrte gewaltig zusammen.

Der Finanzplatz und seine 130 Treuhänder haben’s überlebt. Mehr schlecht als recht, die Skandale um ungetreue Treuhänder reissen nicht ab. Ihnen passiert nichts, die fürstliche Justiz hält ihre schützende Hand über sie. Aber Reputation und Image nehmen Schaden. Doch es gilt weiterhin:

Ich bin Liechtensteiner, mir kann keiner.

Galt.

Inzwischen ist mehr als eine Woche seit dem grössten Datenklau in der Geschichte Liechtensteins vergangen. Nicht irgend etwas wurde gestohlen. Sondern die Kronjuwelen, das Herz des Finanzplatzes. Die vollständige Liste der wirtschaftlich berechtigten Personen an all den Stiftungen und Trusts und sonstigen Finanzvehikeln.

Die Behörden tun das, was sie immer tun. Was sie auch bei den 800 Zombie-Trusts tun. Betriebsamkeit vortäuschen und die Füsse still halten. In der Hoffnung: es geht vorbei.

Wird es aber nicht. Denn die Lage ist völlig klar. Der Finanzplatz Liechtenstein macht nichts besser als andere, aber vieles schlechter. Vermögensverwaltung: mittelmässig bis lausig, was die Performance betrifft. Servicefreundlichkeit: geht so, solange der Kunde nicht unangenehme Fragen über Kick-backs oder Retrozessionen stellt. Plus unverschämte Honorare und andere Bereicherungsmethoden der Treuhänder, die aus viel weniger Stiftungen immer noch das gleiche Einkommen wie in den golden Zeiten herausmelken wollen.

Das alles sind keine Gründe, wieso mehr als 500 Milliarden Vermögen in Liechtenstein gelagert oder verwaltet wird. Der einzige Grund dafür ist: Diskretion. Das Versprechen, dass der wirtschaftlich Berechtigte, der beneficial owner, nur im alleräussersten Notfall und nach zäher Gegenwehr geoutet wird. Aber im Normalfall niemals. Grosses Fürstenehrenwort, da können Sie dem Monarchen vertrauen.

Vertrauen ist sowieso das Fundament jedes Geldgeschäfts. Wer sein Vermögen fremden Händen überlässt, einem Treuhänder, einer Bank, muss vertrauen können, dass die diese Gelder oder Wertgegenstände sorglich, sorgfältig, treuhänderisch und vor allem diskret behandeln.

Vertrauen. Alles andere ist Geschwurbel, Schönsprech, PR-Geklimper.

Aber wem sämtliche 31’000 Datensätze über die wirklichen Eigentümer oder Nutzniesser aller Rechtsgefässe im Ländle abhanden kommen, der verliert alles Vertrauen. Schlagartig.

Das Ereignis macht alle Beteiligten und Betroffenen zunächst sprachlos, fassungslos. Weil es so unfassbar ist. Kundenverrat, mit dem sich die UBS im Steuerstreit mit den USA rettete, unschön. Aber damals hatte die UBS weltweit wohl über 15 Millionen Kunden; die Daten von rund 4000 Personen wurden an den US-Fiskus ausgeliefert. Das sind 0,03 Prozent.

In Liechtenstein kamen die Daten von 100 Prozent aller Kunden abhanden. 100 Prozent. Schlimmer geht es nicht.

Nach dem ersten Schreckmoment kommt die bittere Erkenntnis: das war’s. Das läutet das Ende des Finanzplatzes Liechtenstein ein. Denn ohne Vertrauen in die Diskretion gibt es keinen einzigen Grund, wieso jemand dort sein Vermögen verwalten lassen sollte.

Ländle und Fürst und Folklore und Tralala und die Burg und das Volksfest am 15. August, und die Berge und die putzigen Liechtensteiner? Na und? Das alles ist nicht mal ein besonders attraktives touristisches Ziel.

Aber weiterhin in der Limousine mit abgedunkelten Scheiben in die Tiefgarage der Bank oder des Treuhänders fahren, um dann sein dort gelagertes Geld zu streicheln? Und sich darüber freuen, dass das niemand weiss?

Vorbei, verweht, nie wieder.

Es ist der GAU. Ob die gestohlenen Daten an die Öffentlichkeit gelangen oder nicht. Ob sie für Erpressungen verwendet werden oder nicht. Ob sie mysteriös verschollen bleiben oder nicht. Ob sie vom Fürsten oder vom Staat zurückgekauft werden oder nicht: das Vertrauen ist ebenfalls gestohlen worden.

Und kehrt nie mehr zurück.

7. August 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-13.01.14.png 566 1192 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-07 07:00:102026-08-06 22:40:08Das Ende des Finanzplatzes

Liechtenstein – der ewige Nebenschauplatz der Wirtschaftskriminalität

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Obwohl der absolutistisch regierende Fürst sofort eingreifen könnte …

Wenn irgendwo ein internationaler Wirtschaftskrimi spielt, dauert es erstaunlich oft nicht lange, bis der Name Liechtenstein auftaucht. Stiftungen, Trusts, Holdinggesellschaften, verschachtelte Beteiligungen – und nicht selten auch Gerichte und Staatsanwaltschaft. Das Fürstentum mag gerade einmal 40’000 Einwohner zählen, als Schauplatz komplexer Vermögens- und Wirtschaftsstreitigkeiten gehört es seit Jahrzehnten jedoch zur internationalen Spitzenklasse.

Das jüngste Beispiel liefert der Fall um Markus Fuhrmann, Mitgründer von Delivery Hero und Gründer des Milliarden-Start-ups Gropyus. Im Zentrum steht ein Aktionärsbindungsvertrag, der nach Auffassung der liechtensteinischen Staatsanwaltschaft ohne Wissen und Zustimmung Fuhrmanns abgeschlossen worden sein soll. Der Vertrag hätte die Verpfändung eines Aktienpakets im Wert von mehr als 100 Millionen Euro an den zwielichtigen Florian Fritsch ermöglicht und dem stark verschuldeten Investor eine weitreichende Kontrollposition verschafft. Fritsch bezeichnete sich auch schon mal als der deutsche Benko, als das noch als Auszeichnung verstanden werden konnte. Natürlich ist auch Benko mit dem Fürstentum auf Du und Du.

Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb Anklage wegen mutmasslicher Untreue beziehungsweise Anstiftung dazu. Die Beschuldigten weisen sämtliche Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.

Die eigentliche Frage lautet jedoch: Weshalb landet ein solcher Fall überhaupt in Liechtenstein?

Die Antwort liegt im Geschäftsmodell des Landes. Seit Jahrzehnten wirbt das Fürstentum mit einer hochentwickelten Infrastruktur für Vermögensverwaltung. Stiftungen, Trusts und internationale Beteiligungsstrukturen gehören zum Kerngeschäft des Finanzplatzes. Tausende juristische Konstruktionen werden von Treuhändern verwaltet. Das ist legal – schafft aber gleichzeitig jene Komplexität, in der wirtschaftliche Machtkämpfe, Vermögensverschiebungen und undurchsichtige Vertragskonstruktionen besonders gut gedeihen können.

Der Fall Gropyus ist deshalb kein exotischer Einzelfall. Immer wieder taucht Liechtenstein auf, wenn internationale Vermögenskonflikte eskalieren. Die Liechtenstein-Affäre um gestohlene Bankdaten erschütterte Europa. Es folgten Auseinandersetzungen um Stiftungen, Trusts, Nachlässe, Oligarchengelder, Benko-Strukturen, Zombie-Trusts oder fragwürdige Treuhandkonstruktionen. Auch der Finanzplatz selbst musste sich wiederholt gegen den Vorwurf wehren, dass seine Dienstleistungen missbraucht würden.

Dabei geht es längst nicht mehr um das alte Klischee des Steuerparadieses. Heute liegt der Verdacht nahe, dass ein extrem spezialisierter Finanzplatz auch eine besondere Anziehungskraft auf komplizierte wirtschaftsrechtliche Konflikte entwickelt. Wo Milliardenvermögen in juristischen Konstruktionen organisiert werden, entstehen zwangsläufig auch milliardenschwere Streitigkeiten.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Die liechtensteinische Justiz muss Verfahren bearbeiten, deren wirtschaftliche Dimension in keinem Verhältnis zur Grösse des Landes steht. Internationale Investoren, Konzerne und Vermögensverwalter treffen auf ein kleines Justizsystem, das regelmässig mit hochkomplexen Fällen konfrontiert ist. Das erhöht den Druck auf Gerichte und Staatsanwaltschaft erheblich.

Die allzu oft die Flucht in überlange Verfahrensdauern antreten, wo Prozesse auch schon mal Jahre, sogar Jahrzehnte dauern können. Ausser, liechtensteinische Treuhänder sind beklagt. Dann geht der Freispruch fix.

Der Fall um Gropyus zeigt exemplarisch, wie eng die Verflechtung zwischen Finanzplatz und Justiz geworden ist. Es geht nicht bloss um einen Streit unter Investoren. Es geht um die Kontrolle über Unternehmensanteile im Wert von über 100 Millionen Euro, um Treuepflichten von Organen und um die Frage, ob wirtschaftliche Macht mithilfe juristischer Konstruktionen verschoben werden sollte.

Das Urteil steht noch aus. Ob die Vorwürfe der Anklage Bestand haben, wird das Gericht entscheiden. Unabhängig davon bleibt jedoch eine unbequeme Erkenntnis: Kaum ein anderer europäischer Staat taucht gemessen an seiner Grösse so häufig in internationalen Geschichten über milliardenschwere Wirtschaftskonflikte auf wie Liechtenstein. Das ist eine direkte Folge jenes Geschäftsmodells, auf dem der Wohlstand des Landes seit Jahrzehnten beruht.

27. Juli 2026/66 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-25-um-16.36.14.png 508 1197 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-27 12:00:012026-07-27 11:59:35Liechtenstein – der ewige Nebenschauplatz der Wirtschaftskriminalität

Moral nach Fürstenart

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Wenn es keine öffentliche Empörung gibt, verfault ein Staatswesen. Vor allem eine Monarchie wie Liechtenstein.

Es gibt Skandale, die weit über den konkreten Anlass hinausreichen. Weil sie ein Grundproblem offenlegen: die erstaunliche Bereitschaft mancher Eliten, Regeln für alle anderen zu predigen – und für sich selbst Ausnahmen zu beanspruchen.

Der Fall des deutschen CDU-Politikers Jens Spahn ist dafür ein Paradebeispiel. Politisch verteidigte er das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland. Gleichzeitig erfüllte er sich den Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutterschaft in den USA – einem Verfahren also, das er den Bürgern seines eigenen Landes verwehren will. Juristisch mag das zulässig gewesen sein. Politisch ist es ein Offenbarungseid. Wer Gesetze erlässt, sollte wenigstens den Anstand besitzen, selbst nach ihnen zu leben. Alles andere heisst Doppelmoral.

Doch wer glaubt, das sei ein deutsches Problem, sollte einen Blick nach Liechtenstein werfen.

Dort existiert eine Berufsgruppe, deren Existenzberechtigung auf einem einzigen Wort beruht: Treue. Rund 130 Treuhänder verwalten Vermögen, Trusts und Stiftungen im Auftrag ihrer Kunden. Das Geschäftsmodell lebt vom Versprechen absoluter Verlässlichkeit. Wer Millionen oder gar Milliarden anvertraut, erwartet Schutz – nicht Misstrauen.

Dennoch haben in den vergangenen Jahren immer wieder spektakuläre Streitfälle und Skandale den Finanzplatz erschüttert. Veruntreuung, Selbstbereicherung, Entrechtung von Begünstigten oder undurchsichtige Konstruktionen. Der Fall der sogenannten „Zombie-Trusts“ mit Hunderten jahrelang führungslos gewordenen Trusts wurde zum Sinnbild eines Systems, das grundlegende Aufsichtsprobleme offenbart.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob es Missstände gibt. Missstände existieren überall. Entscheidend ist vielmehr, wie ein Staat darauf reagiert.

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Kritiker werfen der fürstlichen Justiz seit Jahren wohlbegründet vor, gegenüber des Treuhandsektors zu zurückhaltend zu agieren. Bedrückend ist der Eindruck, dass die öffentliche Empörung erstaunlich leise bleibt. Während in anderen Ländern Untersuchungsausschüsse, Medienkampagnen oder politische Rücktritte folgen würden, herrscht in Liechtenstein oft bemerkenswerte Gelassenheit.

Warum?

Ist es die wirtschaftliche Bedeutung des Finanzplatzes? Ist es die Überschaubarkeit des Landes, in dem jeder jeden kennt? Oder spielt auch die aussergewöhnliche Machtstellung des Fürstenhauses eine Rolle, das innerhalb Europas nach wie vor über verfassungsmäßige Kompetenzen verfügt, die in parlamentarischen Demokratien undenkbar wären?

Niemand wird ernsthaft behaupten, Liechtenstein sei eine Diktatur. Aber ebenso wenig lässt sich bestreiten, dass politische und institutionelle Macht dort stärker konzentriert ist als in den meisten europäischen Staaten. Wo Macht konzentriert ist, wächst zwangsläufig die Versuchung zur Selbstabschottung. Und wo wirtschaftliche Eliten, Politik und Institutionen eng miteinander verflochten erscheinen, sinkt häufig die Bereitschaft, laut Kritik zu üben.

Demokratie lebt jedoch nicht von Ehrfurcht. Sie lebt vom Widerspruch.

Wer Milliardenvermögen verwaltet, muss sich schärfster öffentlicher Kontrolle stellen. Wer richterliche Unabhängigkeit beansprucht, muss sich kritischen Fragen gefallen lassen. Und wer den Rechtsstaat beschwört, darf nicht den Eindruck entstehen lassen, dass für einflussreiche Kreise andere Massstäbe gelten als für gewöhnliche Bürger.

Im Ländle hätte der Fürst die Allmacht, per Dekret sofort durchzugreifen und diesen Wildwuchs zu beschneiden. Wieso tut er das nicht? Im Ländle könnte die Öffentlichkeit Druck aufbauen und ein Durchgreifen fordern. Wieso geschieht das nicht? Ist es eine stillschweigende Komplizenschaft?

Das eigentliche Problem ist deshalb gar nicht der einzelne Skandal. Sondern die erstaunliche Ruhe, mit der immer neue Vorwürfe an einem Land abperlen, das seinen internationalen Erfolg auf Vertrauen gegründet hat. Vertrauen ist der wertvollste Rohstoff eines Finanzplatzes. Geht es verloren, nützen auch die schönsten Hochglanzbroschüren nichts mehr.

24. Juli 2026/55 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-22-um-09.37.01.png 613 1198 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-24 12:02:062026-07-22 09:37:50Moral nach Fürstenart

Die zwei Geschwindigkeiten der fürstlichen Justiz

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Stiftungen, Treuhänder

Schneckentempo oder Sprint. Kommt darauf an, auf welcher Seite der Treuhänder steht.

Es gibt im Fürstentum Liechtenstein eine auffällige Asymmetrie, die sich durch zahlreiche Stiftungs- und Trustverfahren zieht. Sie betrifft nicht den Inhalt der Urteile, sondern deren Tempo. Und dieses Tempo entscheidet oft schon über den Ausgang eines Konflikts.

Wer als Begünstigter, Stifter oder Verwalter den Interessen eines mächtigen Treuhänders im Weg steht, erlebt häufig eine Justiz im Sprint. Geht es hingegen darum, einen Treuhänder wegen offensichtlicher Pflichtverletzungen oder Interessenkonflikten aus seinem Amt zu entfernen, verwandelt sich dieselbe Justiz in einen Marathonläufer. Aus Wochen werden Monate, aus Monaten Jahre. Am Ende ist es häufig so, dass Zeit selbst zur wirkungsvollsten Waffe geworden ist.

Sogar zu einer tödlichen, wenn die Urteilsfindung aus biologischen Gründen überflüssig wird, weil der Kläger verstorben ist.

Das Problem ist offensichtlich. In einer Stiftung verwaltet der Treuhänder Vermögen anderer. Er verfügt über Informationen, trifft Anlageentscheide, bestimmt den Zugang zu Unterlagen und beeinflusst die Kommunikation mit den Begünstigten. Je länger er im Amt bleibt, desto stärker verfestigt sich seine Position. Ein Verfahren, das sich über Jahre hinzieht, ist deshalb niemals neutral. Es verschafft dem Amtsinhaber einen erheblichen faktischen Vorteil. Von seinen ungestörten exorbitante Einkünften ganz zu schweigen.

Demgegenüber stehen Verfahren, in denen Begünstigte oder andere Beteiligte durch einstweilige Anordnungen oder rasche Entscheide ihre Position verlieren. Wer als unbequem gilt oder gegen einen Treuhänder opponiert, kann innerhalb kurzer Zeit aus Funktionen entfernt oder mit gerichtlichen Verfügungen konfrontiert werden. Bis sämtliche Instanzen entschieden haben, vergeht mitunter nur ein Bruchteil jener Zeit, die später benötigt wird, um Vorwürfe gegen den Treuhänder selbst überhaupt materiell zu prüfen.

Ein immer wieder diskutiertes Beispiel sind Verfahren um die Absetzung von Stiftungsorganen oder Treuhändern. Während entsprechende Gesuche oft jahrelang hängig bleiben, arbeitet die Zeit zugunsten des Angegriffenen. Er verwaltet weiterhin Vermögen, entscheidet über Auskünfte, finanziert seine Verteidigung vielfach indirekt aus Stiftungsmitteln und kann vollendete Tatsachen schaffen. Selbst wenn sich Vorwürfe später als berechtigt erweisen sollten, ist der Schaden längst eingetreten.

Genau hier liegt das rechtsstaatliche Problem. Gerechtigkeit besteht nicht nur aus richtigen Urteilen. Sie verlangt auch eine angemessene Verfahrensdauer. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat wiederholt betont, dass überlange Verfahren den Anspruch auf ein faires Verfahren verletzen können. Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich auch für Liechtenstein.

Niemand verlangt, dass komplizierte Stiftungsverfahren über Nacht entschieden werden. Internationale Vermögensstrukturen sind komplex, Sachverhalte oft grenzüberschreitend. Doch dieselbe Komplexität müsste für alle Beteiligten gelten. Wenn Verfahren gegen Begünstigte in Rekordtempo abgewickelt werden können, während Verfahren gegen Treuhänder jahrelang liegen bleiben, entsteht zwangsläufig der Eindruck einer doppelten Geschwindigkeit. Einer parteilichen, fürstlichen Unrechtsjustiz.

Die Folge ist verheerend. Das Vertrauen in den Rechtsstaat schwindet. Begünstigte fragen sich, ob sie überhaupt noch eine realistische Chance besitzen, sich gegen übermächtige Verwalter zur Wehr zu setzen. Internationale Investoren beobachten aufmerksam, ob Eigentumsrechte tatsächlich wirksam geschützt werden oder ob sie lediglich auf dem Papier bestehen.

Eine Justiz, die den Faktor Zeit ungleich verteilt, entscheidet nicht nur durch ihre Urteile. Sie entscheidet bereits dadurch, wann sie urteilt. Und manchmal ist das der entscheidendere Richterspruch.

15. Juli 2026/44 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-13-um-19.02.34.png 571 1201 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-15 07:01:272026-07-13 19:03:09Die zwei Geschwindigkeiten der fürstlichen Justiz

Massgeschneidert in den Abgrund

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Der verstorbene Modegigant Valentino hinterlässt sein Vermögen einer Liechtensteiner Stiftung. Schlechte Idee.

Schon wieder gibt es eine multimillionenschwere Stiftung im Fürstentum. Sie heisst Valentino Garavani – Giancarlo Giammetti Foundation und hat ihren Sitz in Vaduz.

Der mit 93 Jahren verstorbene Valentino hat keine Erben; sein Gesamtvermögen wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Gut, dass der geniale Couturier nicht mehr erleben muss, was mit dieser Stiftung passieren könnte. Wenn in Liechtenstein das passiert, was häufig passiert. Missbrauch, Abzockerei und sogar reiner Diebstahl.

Die Voraussetzungen sind ideal. Der Stifter ist verstorben, es gibt keine bekannten Begünstigten, sondern die Stiftung soll eine Art Sammelgefäss für seine Immobilien, Kunstwerke und sein Vermögen sein.

Wie bei jeder Stiftung ist das beherrschende Organ der Stiftungsrat. In ihm sitzen Giancarlo Giammetti, der langjährige Geschäftspartner Valentinos. Dazu Ronald Feijen, enger Vertrauter Valentinos, Marc André Bonnant, Genfer Anwalt und Testamentsvollstrecker, Grégoire Bordier, Präsident der Vereinigung der Schweizer Privatbanken und Teilhaber von Bordier & Cie. und der Genfer Anwalt Matteo Pedrazzini. Wahrscheinlich deswegen, weil Valentino sein Testament an seinem Wohnsitz in Gstaad abfasste und es somit dem Schweizer Recht unterstellte.

Das nützt aber alles nicht viel, denn in einer liechtensteinischen Stiftung muss obligatorisch ein dazu autorisierter Anwalt oder Treuhänder aus dem Ländle Einsitz nehmen. Das hatte der Fürst schon vor langer Zeit so bestimmt, damit seinen Anwälten und Treuhändern eine lukrative Geldquelle zur Verfügung steht, aus der sie exorbitante Honorarnoten saugen können, die in keinerlei Verhältnis zu ihrer Tätigkeit stehen.

In diesem Fall handelt es sich um den liechtensteinischen Rechtsanwalt Dr. Peter Goop. Er ist einer der vielen im Ländle bestens vernetzten Multistiftungsräte. Da sieht man allerdings nur die Spitze des Eisbergs, weil es dem Fürsten auch beliebte zu verfügen, dass Familienstiftungen und Trusts nicht öffentlich einsehbar sind, also niemand weiss, wer hier im Stiftungsrat sitzt.

Im Fall Goop ist immerhin bekannt, dass er auch Präsident des Stiftungsrats der Maiores Stiftung ist, ausserdem war er Stiftungsrat und dann Liquidator der Valüna Stiftung. Benecare Foundation, Beneficentia Stiftung, Samina Stiftung, wo sich auch Prinz Niklaus von und zu Liechtenstein die Ehre gibt. Sein eigenes Familienvermögen verwaltet er in der Sammlung Adulf Peter Goop Stiftung, benannt nach seinem verstorbenen Vater.

Verbandelt ist Goop unter anderem mit Stefan Wenaweser. Der Partner der bekannt-berüchtigten Kanzlei Marxer & Partner ist zudem öffentlicher Notar und Präsident der Liechtensteinischen Treuhandkammer. Dass ihm vorgeworfen wird, in einem Prozess Akten aus dem Gericht entwendet und sie erst unter Androhung von Zwangsmassnahmen wieder zurückgegeben zu haben, solche Kavaliersdelikte haben im Fürstentum noch niemandem geschadet.

Ob der Sachverstand der fünf Nicht-Liechtensteiner ausreicht, um eine allfällige Usurpation der Stiftung zu verhindern?

Das wäre Business as usual in der Räuberhöhle Liechtenstein. Zunächst einmal könnte Goop in Frage stellen, wer hier Begünstigter ist. Und gleichzeitig sämtliche Informationsrechte kappen. Im sicheren Wissen, dass ein Prozess gegen diese Entscheidung vor den fürstlichen Gerichten Jahre dauern wird.

Sollten nun die übrigen Stiftungsräte protestieren, lassen sich leicht Vorwände finden, um sie ihres Amtes zu entheben. Wären sie auch Begünstigte, was zum teil anzunehmen ist, gibt es den bewährten «blossen Anschein einer möglichen Interessenskollision». Es kommt praktisch nie vor, dass ein fürstliches Gericht einen solchen Antrag eines fürstlichen Treuhänders abweist.

Und schwups, schon wäre Goop zumindest für einige Jahre der nicht mehr rechenschaftspflichtige Alleinherrscher in dieser Stiftung. Und niemand würde erfahren, wie er sich viele Millionen in den eigenen Geldbeutel schaufelt.

Das wäre dann neben dem Bacardí-Skandal, dem Skandal um die Asturion und die Hartlaub Stiftung und neben den verwaisten rund 800 Zombie-Trusts einfach neu der Valentino-Skandal. Na und, sagen da die Liechtensteiner, uns kann keiner.

13. Juli 2026/44 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-15.25.34.png 619 1198 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-13 07:02:182026-07-10 15:28:45Massgeschneidert in den Abgrund

Sauer wie Essig

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Ein Balsamico-Skandal mit Verbindungen zu Liechtenstein.

Das Angebot ist, nun ja, etwas speziell. Der Edelessig Balsamico wird in Eichenfässern gelagert und gereift. Nicht irgendwo, sondern in den Kellern des Jungfraujochs.

«Eine edle Essenz, gefangen in schützenden Eichenfässern, gereift in den Tiefen des Ewigen Eises der Schweizer Alpen», schwadroniert die Firma auf ihrer edel gemachten Webseite. Wer will da nicht zugreifen, wenn er sich einen «Tropfen Ewigkeit» ergattern kann.

Mehr als ein Tropfen, 30-Liter-Fässer stehen zum Verkauf. Für schlappe 12’000 Franken. Zunächst sollen sie mal fünf Jahre ruhen. Danach kann der Essigbesitzer die Reifung fortsetzen, sich das Fass liefern lassen oder die Firma beauftragen, es weiterzuverkaufen.

Man errät es: eine alternative Geldanlage mit hoher Rendite und niedrigem Risiko. Denn wer braucht schon keinen Balsamico in der Küche.

Allerdings ist es hier so wie häufig bei solchen exotischen Geldanlagen. Schöne Worte, eine edle Webseite und schmackhafte Versprechen sind das eine. Die Wirklichkeit ist eine andere. Oder wie das Thuner Tagblatt grossartig titelt: «Essig auf dem Joch: Käufer sind sauer».

Denn viele warten zum Teil schon seit Jahren auf die versprochene Rückzahlung ihrer Investition. Und versuchen, oft vergeblich, mit der Essigfirma Kontakt aufzunehmen. Das ist nicht so einfach, denn sie residiert – wo sonst – im Fürstentum Liechtenstein.

Dazu schreibt der Investigativjournalist Philippe Miller auf seiner Webseite «Warning Trading«:

«Die Gesellschaft Baerg Marti (Liechtenstein) AG ist seit dem 1. September 2014 im liechtensteinischen Handelsregister eingetragen und weist ein besonders intransparentes Profil auf. Trotz ihres mehr als elfjährigen Bestehens sind über ihre tatsächliche Geschäftstätigkeit, ihren Umsatz oder ihre Mitarbeiterzahl kaum öffentliche Informationen verfügbar. Als Tätigkeitsbereich wird sogar «keine bekannten Informationen» angegeben, was für Beobachter der Wirtschaft einen ersten Warnhinweis darstellt.

Liechtenstein gilt historisch als ein Finanzplatz mit geringer Transparenz, insbesondere aufgrund seiner Attraktivität für Offshore-Strukturen und private Stiftungen.»

Im fürstlichen Handelsregister sind zwar drei Personen aufgeführt, die mit dieser Firma in Kontakt stehen: Michael Istvan Töröcsik, Dominik Eggenberger und Annette Plummer. Das ist die für Liechtenstein typische Mischung. Töröcsik ist Mitglied des VR und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift. Er taucht auch noch als VR der Firma Beyond Barrell (Europe) AG auf.  Auch diese in Liechtenstein domizilierte Bude verfügt über eine edle Webseite:

Hier kann man eine Flasche oder auch gleich ein ganzes Fass kaufen, wenn man sich das Problem mit dem Balsamico-Essig schönsaufen will.

Als zweiter VR erscheint der Liechtensteiner Treuhänder Eggenberger, wie üblich mit zahlreichen Verwaltungsrats- und Stiftungsmandaten ausgestattet. Er ist in der Geschäftsleitung und Partner des Treuhandbüros Presanta AG mit 50 Mitarbeitern in Schaan:

Mit diesem sympathischen Herren möchte man gerne mal ein Gläschen Rum kippen.

Die Dritte im Bunde, Plummer, ist ansonsten ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Die Baerg Marti AG existiert seit 2014, über ihren Geschäftszweck ist in öffentlichen Verzeichnissen nichts bekannt. Wirtschaftlich Berechtigte, Umsatz, Bilanzsumme, Mitarbeiterzahl, Jahresabschlüsse, Aktionärsstruktur: aber bitte, wir sind hier im diskreten Fürstentum, wo solche Angaben nur sehr ungern und höchstens unter Zwang erfolgen.

Wie soll es mit dem Balsamico und seinen sauren Besitzern weitergehen? Einzelne bekamen ein Schreiben der Firma, dass nicht so drängeln sollen. Sie könnten sich das Fass für 500 Franken nach Hause liefern lassen. Da nicht allzu viele Kunden unbedingt ein 30-Liter-Fass in der Küche oder im Keller lagern wollen, gäbe es noch die zweite Option, die Lagerung für 2’200 Franken um fünf Jahre zu verlängern.

Das mache den Inhalt des Fasses noch wertvoller, die Rendite noch attraktiver. Tamedia ist es gelungen, den Essiglagerer zu einer Stellungnahme zu bewegen:

«Baerg Marti hat seinen Kunden zu keinem Zeitpunkt eine Wertentwicklung oder eine fixe Rendite, einen Markt für den Weiterverkauf oder einen erfolgreichen Weiterverkauf an Dritte garantiert.»

Zudem befände sich das Unternehmen in einer Umbauphase, da müssten diverse interne Abläufe überprüft werden.

Natürlich kann man jedem Kunden, der in eine so exotische Sache mit einem in Liechtenstein domizilierten Geschäftspartner investiert, ein gewisses Eigenverschulden vorwerfen.

Auf der anderen Seite ist es so, dass solche Buden eigentlich nur auf kleinen Inseln im Meer, weit weg von Europa – oder in seinem Herzen, nämlich in Liechtenstein – existieren. Wobei: der Fürst hätte in den tiefen Kellern seiner Trutzburg doch sicherlich noch ein Plätzchen für so ein Fass.

8. Juli 2026/31 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-11.17.40.png 605 1438 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-08 07:03:152026-07-07 13:48:44Sauer wie Essig

Kontrolldefizit, neu nur anders

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Am 1. Juli ist das neue Trustrecht im Fürstentum in Kraft getreten. Wie immer ein Gebastel auf Druck von aussen.

Kurz vor ihrem 100. Geburtstag unterzieht Liechtenstein sein Trustrecht einer Generalüberholung. Offiziell soll die Reform den Finanzplatz stärken und die Governance verbessern. Tatsächlich liest sich die Gesetzesrevision aber auch wie ein spätes Eingeständnis, dass das bisherige System gravierende Schwächen aufwies – Schwächen, die in internationalen Streitigkeiten um Trusts, Begünstigte und treuwidrig handelnde Trustee immer deutlicher zutage traten.

Die Regierung verkauft die Reform als Modernisierung. Kritiker sehen darin dagegen vor allem den Versuch, jahrelange strukturelle Mängel zu kaschieren, die Liechtensteins Ruf als internationaler Truststandort zunehmend belasteten.

Die wichtigste Neuerung ist die Einführung eines sogenannten Informationsberechtigten. Bislang konnten Begünstigte eines Trusts – insbesondere bei Ermessens-Trusts – unter Umständen weder Einsicht in Unterlagen verlangen noch den Trustee wirksam gerichtlich kontrollieren. Nach der Reform soll künftig eine ausdrücklich bezeichnete Person diese Kontrollfunktion übernehmen. Sie erhält umfassende Auskunfts- und Einsichtsrechte sowie die Möglichkeit, gerichtliche Aufsichtsverfahren einzuleiten.

Gerade diese Änderung wirft aber Fragen auf. Denn anstatt die Rechte der wirtschaftlich Betroffenen – der Begünstigten – zu stärken, verlagert das Gesetz die Kontrolle auf eine dritte Person. Diese kann durchaus unabhängig sein, sie kann aber ebenso vom Trustgründer bestimmt worden sein. Ob dadurch tatsächlich mehr Transparenz entsteht oder lediglich eine weitere Ebene zwischen Trustee und Begünstigten geschaffen wird, wird erst die Praxis zeigen.

Auch die übrigen Governance-Regeln werden deutlich verschärft. Trustee müssen umfangreicher dokumentieren, Auskünfte erteilen und ihre Tätigkeit nachvollziehbar machen. Das klingt selbstverständlich. Gleichzeitig stellt sich jedoch die unbequeme Frage, weshalb all diese Instrumente erst jetzt eingeführt werden. Wenn heute zusätzliche Kontrollmechanismen als notwendig gelten, bedeutet das zwangsläufig, dass sie bislang fehlten.

Die Reform reagiert damit indirekt auf eine jahrelange Kritik internationaler Anwälte und Prozessparteien. Immer wieder wurde beanstandet, Begünstigte hätten kaum Möglichkeiten gehabt, sich gegen intransparente oder pflichtwidrige Trustee zur Wehr zu setzen. Dass der Gesetzgeber nun genau diese Lücken schliesst, kann schwerlich als bloss technische Anpassung dargestellt werden.

Besonders bemerkenswert ist zudem der Paradigmenwechsel im liechtensteinischen Trustrecht. Traditionell stehen im angelsächsischen Trustrecht die Begünstigten im Zentrum der Kontrolle des Trustees. Liechtenstein entfernt sich mit dem neuen Modell bewusst von diesem Ansatz. Künftig soll nicht mehr zwingend der Begünstigte selbst die Kontrollrechte ausüben, sondern der Informationsberechtigte als eigens geschaffene Instanz. Ob dieses Modell international Akzeptanz findet, ist fraglich.

Für gemeinnützige Trusts werden zusätzlich Aufsicht und Revision ausgebaut. Sie werden künftig stärker nach dem Vorbild gemeinnütziger Stiftungen überwacht. Dagegen bleiben das Stiftungsrecht selbst sowie die liechtensteinische Anstalt weitgehend unverändert. Das überrascht kaum.

Die eigentliche politische Botschaft der Reform liegt deshalb weniger in den einzelnen Gesetzesartikeln als in ihrer Existenz. Jahrzehntelang galt das liechtensteinische Trustrecht als angeblich grossartiges Erfolgsmodell. Nun räumt der Gesetzgeber selbst ein, dass zentrale Kontrollmechanismen fehlten und nachgebessert werden müssen. Die Reform ist deshalb zweifellos eine Modernisierung – zugleich aber auch ein spätes Eingeständnis, dass der bisherige Rechtsrahmen den Anforderungen an Transparenz und Governance nicht mehr genügte.

Entscheidend war wie immer gewaltiger Druck. Bis heute hängen rund 800 Zombie-Trusts in der Twilight Zone. Nachdem ihre Verwalter aus Angst vor US-Sanktionen feige die Flucht ergriffen, sind sie Untote – handlungsunfähig, sie können weder agieren, noch abgewickelt werden. Ihre Besitzer, grösstenteils Russen, haben seit Jahren keinen Zugang mehr; Immobilien, Yachten, Flugzeuge, andere Besitztümer zerfallen mangels Unterhalt.

Daran ändert auch dieses neue Trustrecht nichts. Die Skandale bei Stiftungen und Anstalten werden sowieso nicht abreissen. Eine peinliche Veranstaltung.

1. Juli 2026/64 Kommentare/von Treuhänder
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