Selbstdarstellung hui. Wirklichkeit mehr pfui.
Prinz Max von und zu Liechtenstein ist Chef der fürstliche LGT-Gruppe. In einem Interview mit dem deutschen Handelsblatt warnt er vor zunehmender Staatsverschuldung. Und er warnt davor, dass Banken Staatsanleihen als risikolos einbuchen dürfen, ohne dafür Eigenkapital vorhalten zu müssen.
Das Handelsblatt flötet: «Liechtenstein gilt ebenso wie die Schweiz bei vermögenden Anlegern als sicherer Investitionsort, weil das Land keine Staatsverschuldung aufweist.» Das ist wahr, aber was der Prinz nicht sagt: Liechtensteiner Privathaushalte sind Schuldenvizeeuropameister. Im Schnitt ist die Verschuldung mehr als doppelt so hoch wie das verfügbare Jahreseinkommen. Die Verschuldungsquote liegt damit bei 226 Prozent des verfügbaren Einkommens oder bei 120 Prozent des BIP.
Da diese Schulden vor allem durch Hypotheken entstanden sind, haben hier auch die Liechtensteiner Banken ein Klumpenrisiko. Vor allem, wenn die Zinsen steigen und/oder die Immobilienpreise sinken und entsprechend viele Häusle-Besitzer den Schuldendienst nicht mehr stemmen oder keinen Nachschuss auf den gesunkenen Wert leisten können.
Ein anderer Schönschwätzer ist der Liechtenstein Finance e.V. Das «ist ein privatrechtlich organisierter Verein, dessen Mitglieder die Regierung des Fürstentums Liechtenstein und die liechtensteinischen Finanzplatzverbände sind. Zweck des Vereins ist es, das Profil des liechtensteinischen Finanzplatzes im In- und Ausland durch Informationsarbeit zu den Besonderheiten und Stärken des Standortes zu schärfen.»
Ein löbliches Ziel. Der Verein will mit Gerüchten, Mythen und Vorurteilen aufräumen. Als Mythos 1 hat der Verein identifiziert: «Der Fürst herrscht über Liechtenstein!»
Dagegen stellt der Verein ein klares «das stimmt nicht!» Es gebe da eine «parlamentarisch-demokratische Grundlage». Und noch idyllischer: Volk und Fürst regieren das Land gemeinsam. Also wenn schon Fürst und Volk. Dass der Fürst die Regierung absetzen, das Parlament auflösen kann, auch schon damit drohte, ins Exil zu gehen, wenn das Volk nicht so abstimme, wie es dem Fürsten gefällt – das vergisst der Verein zu erwähnen.
«Mythos widerlegt», behauptet der Verein am Schluss triumphierend. Nun ja, wenn man ungefähr 90 Prozent der Wirklichkeit ausblendet …
Will man sich anhören, wie auch die angeblichen Mythen, dass Liechtenstein ausländisches Geld horte, sein Finanzplatz nicht richtig kontrolliert werde oder sein Finanzplatz nur aus Banken und Treuhändern bestehen, «widerlegt» werden?
Aber stattdessen macht es wohl mehr Sinn, sich zu fragen, wieso denn in Liechtenstein die Selbstdarstellung und die Wirklichkeit so sehr auseinanderklaffen. Aber wahrscheinlich sind genau diese vielen blinden Flecke eine der Ursachen dafür, dass immer wieder und unablässig Finanzskandale das Ländle erschüttern. Dass vor allem die Treuhänder viel dafür tun, dass das Image Liechtensteins nicht das beste ist. Dass auch der Fürstenhof (bislang) keinen Anlass sieht, hier einzugreifen und dem Wildwuchs von Geldgier ein Ende zu bereiten.
Wie flötet Liechtenstein Finance auf seiner Webseite: «Denken in Generationen durch strikte Anwendung international anerkannter Rechts- und Steuerstandards». Schön wär’s. Man muss nicht einmal eine Generation zurückgehen, um sich daran zu erinnern, dass Liechtenstein nur zähneknirschend und mit üblen Vergleichen zum Dritten Reich bereit war, mit der deutschen Steuerfahndung zusammenzuarbeiten.
Um sich dann nochmals zähneknirschend dem AIA anzuschliessen. Und aktuell läuft Liechtenstein, wenn es so weitermacht, in den Hammer der USA; deren «big stick»-Organisation OFAC hat bereits Witterung aufgenommen, weil allzu viele Liechtensteiner Treuhänder den Wegfall der Schwarzgeldbunker damit kompensiert haben, dass sie reichen Russen dabei helfen, als beneficial owner ihrer Besitztümer zu verschwinden.
Wenn Wirklichkeit und Selbstwahrnehmung dermassen auseinanderklaffen, dann kracht’s irgendwann gewaltig, wenn solche Illusionsfantasiewelten an der Wirklichkeit zerschellen.
Dabei hätte es der Fürstenhof, der auf überhaupt nichts im Ländle Rücksicht nehmen muss, es längst in der Hand, wirklich in Generationen zu denken und die USP des Ländles endlich auszuspielen. Kann doch nicht so schwer sein, mit einigen wildgewordenen Untreuhändern fertigzuwerden.










