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Schlagwortarchiv für: VwbP

Im Fürstentum brennt es

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Aufruhr im Fürstenhaus, mangelnde Aufsicht, und dann noch der Datenklau.

Liechtenstein ist ein erstaunliches Land. Anderswo braucht man für einen ordentlichen Skandal korrupte Politiker, verschwundene Millionen oder wenigstens eine kleine Regierungskrise.

Im Ländle genügt inzwischen der normale Betrieb.

Beginnen wir ganz oben. Im Fürstenhaus herrscht Aufruhr. Im August wurde das Hausgesetz reformiert. Frauen erhielten mehr Rechte, darunter Stimmrechte, und für künftig geborene Nachkommen wurde die absolute Primogenitur eingeführt. Klingt nach einem beherzten Sprung vom 18. ins 20. Jahrhundert.

Dummerweise enthält das Paket noch anderes.

Familienmitglieder werfen Erbprinz Alois vor, mit der Reform seine Stellung bei Fragen wie Titeln, Wappen und Zugehörigkeit zum Fürstenhaus gestärkt und interne Kontrollmöglichkeiten geschwächt zu haben. Rund ein Drittel der stimmberechtigten Prinzen votierte laut Financial Times dagegen; Kritiker stellen sogar das Abstimmungsverfahren infrage. Das Fürstenhaus weist den Vorwurf einer Machtausweitung zurück.

Nun erwägen Mitglieder der Familie rechtliche Schritte. Sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird als mögliche spätere Station genannt.

Das wäre hübsch: Das Fürstenhaus jenes Staates, dessen Staatsoberhaupt ohnehin über für europäische Verhältnisse aussergewöhnliche verfassungsmässige Befugnisse verfügt, streitet vor Gericht darüber, ob der zukünftige Fürst innerhalb seiner eigenen Familie zu mächtig geworden sei.

Liechtenstein schafft eben Probleme, für die andere Länder nicht einmal die Staatsform besitzen.

Ein paar Stockwerke tiefer sorgt derweil die Finanzmarktaufsicht FMA für Unterhaltung.

Die Vaduzer TGI AG bot unter anderem Produkte mit den schönen Namen «Customer Basic 2 %», «Sales Premium» und «Sofortrabatt» an. Nach Feststellung der FMA handelte es sich dabei um Einlagengeschäft – allerdings ohne die dafür notwendige Bewilligung. Am 26. Mai verfügte die Aufsicht deshalb die sofortige Einstellung von Vertrieb und öffentlichem Angebot. Die FMA betonte später ausdrücklich, sie habe weder das Geschäftsmodell noch einzelne Produkte von TGI genehmigt oder gutgeheissen.

Damit war die Sache natürlich nicht erledigt. Wir sind schliesslich in Liechtenstein.

TGI legte Beschwerde ein. Die FMA-Beschwerdekommission gewährte dieser in einem begrenzten Punkt aufschiebende Wirkung: beim weiteren Halten bereits entgegengenommener Einlagen. Über die materielle Rechtmässigkeit ist damit ausdrücklich noch nicht entschieden. Das Verbot, die beanstandeten Produkte weiter zu vertreiben und öffentlich anzubieten, bleibt bestehen.

Das ist zunächst einmal funktionierende Aufsicht. Interessanter wird die Frage, wie lange solche Geschäfte betrieben werden konnten, bevor die Aufsicht einschritt, und was Behörden und Aufsicht wann über das Geschäftsmodell wussten. Genau dort beginnt die journalistisch interessante Geschichte.

Und dann wäre da noch der grösste Datendiebstahl des Landes.

Ende Juli wurden aus dem staatlichen VwbP Daten von rund 31’000 Rechtsträgern kopiert. Die Regierung räumte später eine fehlerhafte Berechtigungslogik ein, über die wiederholte API-Abfragen möglich waren.

Am 31. August kündigte sie eine zusätzliche externe Untersuchung an – ausdrücklich auch von Beschaffung, Steuerung und Verwaltung der IT-Systeme.

Seither ist es bemerkenswert still geworden.

Vielleicht gehört auch das zum liechtensteinischen Krisenmanagement.

Wenn es im Fürstenhaus kracht, die Finanzaufsicht unerlaubte Geschäfte stoppen muss und 31’000 Datensätze verschwinden, gibt es zwei Möglichkeiten.

Aufklären.

Oder hoffen, dass bald wieder alle schweigen. Und Schlamm, Pardon, Schwamm drüber.

7. Oktober 2026/42 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-28-um-17.08.07.png 610 1529 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-10-07 07:07:152026-09-28 17:08:40Im Fürstentum brennt es

Immer schlimmer

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Stiftungen, Treuhänder

Je genauer man den Datenraub anschaut, desto dilettantischer wird alles.

31’000 Datensätze über die wirtschaftlich Berechtigten an allen Stiftungen, Trusts & Co. von Liechtenstein. Die Kronjuwelen, die geheimsten der geheimen Daten. Geklaut. Kinderleicht. Ungestört.

Der GAU. Das Ende des Finanzplatzes, wie wir ihn kennen.

Denn wer will schon sein Vermögen ins Fürstentum tragen, wenn er damit rechnen muss, dass dort nicht Diskretion und Verschwiegenheit herrschen. Sondern blanker Dilettantismus.

Dafür ist die Seite symbolisch, die erscheint, wenn man in der fürstlichen Landesverwaltung nach dem Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen (VwbP) sucht. Nicht mal ein Statthalter, nicht mal ein Hinweis, dass zurzeit das Verzeichnis offline ist.

An anderer Stelle findet man das hier:

Diese Seite ist zuletzt am 1. Juli 2026 aktualisiert worden, einen Monat vor dem Datenraub.

Aber das ist nur die Oberfläche des Skandals. Weiterhin ist unbekannt, wer die Täter waren, was sie mit den gestohlenen Daten anfangen wollen und ob es Lösegeldverhandlungen gibt.

Dabei wird immer offenkundiger, wieso es so kinderleicht war, in dieses angeblich streng geheime und vertrauliche Verzeichnis einzubrechen. Besser gesagt: hineinzuspazieren.

Aus dem einfachen Grund, weil das eigentlich jeder kann. Denn die Einträge haben durch die sogenannten «Rechtsträger» zu erfolgen. Also nicht etwa durch die Stifter oder Begünstigten, sondern durch ihre Vertreter, im Normalfall ein liechtensteinischer Treuhänder.

Also haben alle Treuhänder Zugang zu dieser Plattform, womit sie löchriger wird als ein Schweizer Käse. Aber das ist nicht alles.

Fürstliche Treuhänder sind nicht dafür bekannt, dass sie sich überanstrengen. Im Gegenteil, ihre Devise ist: wenig Arbeit, viel Geld. Also haben sie erreicht, dass nicht mal nur sie selbst in diesem Verzeichnis herumfuhrwerken dürfen.

Sondern sie können auch einen Stellvertreter dafür ernennen, beispielsweise einen Buchhalter. Also hat der Rechtsträger Zugang. Von ihm damit beauftragte Personen ebenfalls. Die Löcher werden scheunentorgross.

Wobei der Rechtsträger verantwortlich für die Richtigkeit des Inhalts ist. Mit anderen Worten: staatlich wird nicht nachgeprüft, ob die im Verzeichnis enthaltenen Angaben richtig sind – oder falsch.

Am Schluss ist es amtlich. Es findet aber keinerlei amtliche Überprüfung statt. Und obwohl die Verantwortung beim «Rechtsträger» bleibt, kann der beliebig viele andere Personen dazu autorisieren, in dieser Datenbank herumzufummeln.

Theoretisch natürlich nur in dem Konto, für das er zuständig ist.

Aber wie der Einbruch beweist, ist es kinderleicht, diese Sicherung auszuschalten und in alle Datensätze Einblick zu nehmen. Um sie dann gemütlich über Stunden hinweg abzusaugen.

Eigentlich verständlich, dass sich Fürst, Regierung und Krisenstab bis heute weigern, bekannt zu geben, wer diesen Schrott programmiert hat und wer für die IT-Sicherheit zuständig ist.

Dabei verdichten sich die Indizien, dass es sich um die liechtensteinische Bude Aviita handelt.

Die dürfte – wie in Liechtenstein üblich – auf dem kurzem Amtsweg zu diesem lukrativen Auftrag gekommen sein. Wohl deshalb weigert sich das Fürstentum auch, wenigstens Angaben dazu zu machen, wie dieser Auftrag ausgeschrieben wurde und welche Ansprüche an Sicherheitsmassnahmen gestellt wurden.

Gegen diesen Dilettantismus ist ein Selbstbedienungsladen geradezu eine Hochsicherheitszone, bei der diverse Massnahmen verhindern sollen, dass zu viel Ware abhanden kommt.

Dafür sorgen diverse Mittel. Videoüberwachung, Kontrolle durch das Personal, Alarmschranken am Ausgang und noch ein paar weitere Tricks.

Anders beim Geheimsten, was Liechtenstein zu schützen hätte. Da gilt offenbar auch die Devise eines Selbstbedienungsladens.

Hereinspaziert, bedienen Sie sich. Und keine Angst, lassen Sie sich nur Zeit dabei. Und befürchten Sie keinerlei Kontrollen am Ausgang.

4. September 2026/36 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-16.27.48.png 786 1226 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-09-04 07:03:382026-09-03 17:01:24Immer schlimmer

Zum Jagen tragen

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Jetzt wird endlich untersucht, wer den Schlamassel angerichtet hat.

Einen Monat nach dem grössten Datenraub in der Geschichte Liechtensteins bekommt die Aufarbeitung eine neue Richtung. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Hacker. Sondern um Verantwortung.

Es brauchte gerade einmal einen Monat. Dann scheint auch der liechtensteinischen Regierung aufgefallen zu sein, dass man den Diebstahl der Daten von rund 31’000 Rechtsträgern nicht mit ein paar Sicherheitsprüfungen, einem Krisenstab und beharrlichem Schweigen erledigen kann.

Nun soll eine internationale Firma ran. Nicht irgendein lokaler IT-Dienstleister, nicht nochmals diejenigen, die bislang untersucht haben. Eine externe Untersuchung soll den Cyberangriff auf das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP) nochmals durchleuchten.

Das eigentlich Interessante daran: Der Auftrag geht weit über die Frage hinaus, wie die unbekannten Täter in das System gelangten. Geplant sind ein «Incident Review», ein Audit weiterer staatlicher Systeme mit sensiblen Daten – und eine Überprüfung von Beschaffung, Steuerung und Verwaltung der IT-Systeme. Angebote werden derzeit eingeholt.

Hoppla.

Damit bekommt die Affäre eine neue Dimension. Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr bloss: Wer waren die Hacker?

Sondern: Wer hat diesen Schlamassel angerichtet?

Wer entwickelte das VwbP? Wer vergab die Aufträge? Nach welchen Kriterien? Wer überprüfte die Sicherheit? Gab es Penetrationstests? Wer nahm das System ab? Wer überwachte es anschliessend? Und vor allem: Wer war dafür verantwortlich, dass ausgerechnet die Kronjuwelen des liechtensteinischen Geschäftsmodells offenbar nicht ausreichend geschützt waren?

Immerhin weiss man inzwischen, was verloren ging. Die Täter kopierten Daten von rund 31’000 Gesellschaften, Stiftungen, Trusts und anderen Rechtsträgern. Dazu gehören Namen, Geburtsdaten, Staatsangehörigkeit und Wohnsitzstaat der wirtschaftlich Berechtigten sowie die entscheidende Verbindung zwischen diesen Personen und ihren liechtensteinischen Vehikeln.

Was man auch nach einem Monat nicht weiss, ist fast alles andere.

Die Täterschaft: unbekannt. Das Motiv: unbekannt. Der Verbleib der Daten: unbekannt. Ein Missbrauch: bislang nicht festgestellt. Das angebliche «potenzielle Einfallstor»: nicht näher erklärt.

Anfang August hiess es noch vollmundig, es habe sich um einen «gezielten Angriff auf hohem technischem Niveau» auf eine «hochkomplexe Sicherheitsstruktur» gehandelt.

Nun lässt die Regierung ausgerechnet diese Sicherheitsstruktur mitsamt Beschaffung und Organisation extern untersuchen.

Das kann man auch so übersetzen: Man möchte inzwischen selbst wissen, was eigentlich schiefgelaufen ist.

Währenddessen kehrt Liechtensteins Verwaltung nur im Schneckentempo zur Normalität zurück. Vorsorglich abgeschaltete Systeme wurden zusätzlichen Sicherheitsprüfungen unterzogen; die Grundbuchsoftware Terris soll am 2. September wieder hochgefahren werden. Weitere Systeme sollen folgen.

Nach einem Monat Datenaffäre bleibt damit ein bemerkenswertes Bild.

Die Täter sind verschwunden. Die Daten sind verschwunden. Die Verantwortlichkeiten sind unklar. Und jetzt sucht Liechtenstein eine internationale Firma, die herausfinden soll, ob nicht nur Hacker, sondern womöglich auch Beschaffung, Kontrolle und staatliches IT-Management Teil des Problems waren.

Das bedeutet auch, dass der zähe Widerstand der für das Desaster Verantwortlichen möglicherweise niedergekämpft wird. Denn innerhalb der fürstlichen Verwaltung bis hinauf zur fürstlichen Regierung gibt es Schuldige. Natürlich auch ausserhalb, höchstwahrscheinlich handelt es sich da um die IT-Bude Aviita.

Wie es sich für die Räuberhöhle Liechtenstein gehört, findet hinter den Kulissen sicherlich ein Treten, Beissen und Würgen statt. Denn wer am Schluss den Schwarzen Peter bekommt, auf den kommen hübsche Forderungen zu. Schadenersatz, Haftung, Kompensation.

Das ist immerhin ein Fortschritt.

Bislang untersuchte Liechtenstein einen Cyberangriff.

Jetzt beginnt es endlich, sich selbst zu untersuchen.

2. September 2026/57 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-01-um-13.04.24.png 573 1231 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-09-02 07:02:342026-09-01 13:06:04Zum Jagen tragen

Das Fürsten-Geheimnis

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Wäre es ein Roman, niemand würde es glauben.

Es ist inzwischen ein ganzer Monat seit dem grössten Datenraub in der Geschichte des Fürstentums Liechtenstein vergangen. Die Kronjuwelen kamen abhanden. Das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen an sämtlich Stiftungen, Trusts und all den anderen angeblich diskreten Geldaufbewahrungsvehikeln.

Auf der extra eingerichteten Webseite herrscht Schweigen. Seit dem 19. August gibt es nichts Neues. Und auch bis dahin waren die Informationen spärlich und oftmals falsch. Denn der Einbruch war kinderleicht, ein Spaziergang.

Inzwischen wird es immer bedrückender, was man alles nicht weiss. Es gibt anscheinend

  • keinen Täter,
  • keine Tätergruppe,
  • kein Lösegeld,
  • kein Bekennerschreiben,
  • keine bekannte Veröffentlichung der Daten,
  • keine erkennbare kommerzielle Verwertung,
  • keine Reaktion der 31’000 betroffenen Opfer,
  • keine Erkenntnisse aufgrund der Fahndung.

Dafür gibt es jede Menge Vernebelungstaktik. Denn eines ist klar: das ist nicht nur das Ende des diskreten, vertrauenswürdigen und verschiedenen Finanzplatzes Ländle. Das wird zudem ziemlich teuer, wenn Haftungsfragen, Schadenersatz usw. in den Raum gestellt werden.

Da ist nicht nur wichtig: Wer war das, wer hat’s gestohlen? Sondern auch: Wer war das, wer hat’s zu verantworten, dass die geheimsten Daten Liechtensteins einfach mal so geklaut werden konnten?

Da schwafelte die Regierung zuerst von einem «gezielten Angriff auf hohem technischem Niveau auf eine hochkomplexe Sicherheitsstruktur». Um dann kleinlaut einzuräumen: Der Zugriff wurde durch eine «fehlerhafte Logik zur Überprüfung der Berechtigungen» ermöglicht.

Oder auf Deutsch: einen Fake Account einrichten, anschliessend ungeniert und ungestört über Stunden Daten absaugen.

Seit Tagen verdichten sich die Gerüchte, dass die Liechtensteiner Bude Aviita für dieses Desaster verantwortlich ist. Ihr CEO Viktor Frick liess es bislang nur zu einem lauwarmen Dementi kommen. Aviita sei Softwarehersteller, entwickle Software und warte diese durch Updates; Kundendaten würden grundsätzlich nicht auf Aviita-Systemen gehalten.

Das hatte auch niemand behauptet. Alter Trick: was bestreiten, was gar nicht gesagt wird. Denn das ist kein Dementi der entscheidenden Frage: Hat Aviita das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen entwickelt und gewartet und seine Sicherheit garantiert?

Oder konkreter: Wer hat das VwbP ausgeschrieben, wer hat es programmiert, wer hat die API/Berechtigungslogik konzipiert, wer war für Wartung und Security verantwortlich, welche Penetrationstests wurden vor Inbetriebnahme und danach durchgeführt – und weshalb weigert sich die Regierung, den Auftragnehmer zu nennen?

Offensichtlich hat die fürstliche Regierung inzwischen gemerkt, dass auf einheimische Buden kein Verlass ist – und um ausländische Hilfe gebeten.

Interessant ist zudem ein typisch liechtensteinisches Phänomen: nix wie weg, wenn irgendwo die Hütte brennt. In den Medien wurde zu recht bemerkt, dass es enge Beziehungen zwischen Aviita und der Treuhand-Mega-Bude First Advisory gibt. Die hat bekanntlich das Treuhandgeschäft der Fürstenbank LGT übernommen, nachdem es dort zu einem Riesen-Datenklau kam.

Und Aviita nennt unter anderem stolz die First Advisory als Kunden. Für den ähnliche Arbeiten ausgeführt wurden wie sie zur Erstellung dieses Verzeichnisses nötig sind.

Aber inzwischen lässt First Advisory via das Sprachrohr Vaterland verlauten, dass es überhaupt keine «engen Verbindungen» mit Aviita gebe.

Das ist die typische Schwiemelei im Ländle. Schlägt der Blitz ein, wird zunächst überall eisern geschwiegen. In der Hoffnung, dass das Gewitter schon vorbeigehe.

Geht es nicht vorbei, werden windige Statements abgegeben. Zieht sich die Schlinge um den Hals von Aviita enger, will plötzlich der Grosskunde First Advisory nichts mehr von Verbindungen mit der Software-Bude wissen.

Interessant dürften lautstarke Gespräche hinter den Kulissen sein. Zunächst einmal das Gebrüll, das den Treuhändern entgegenschallte, als sie ihre Kunden informieren mussten, dass bedauerlicherweise das Allerheiligste abhanden gekommen ist.

Dann das Gebrüll, als es intern darum ging und geht: wer ist für das Schlamassel mit dieser Amateur-IT-Sicherheit verantwortlich? Innerhalb der Regierung, innerhalb der Behörde und auch ausserhalb.

Schliesslich fragen nun viele Treuhänder und Treuhandbuden in Liechtenstein, die ebenfalls Software von Adviita verwenden, dort an, wie sicher denn eigentlich ihre IT sei. Ob man da auch einfach mal so reinspazieren und sämtliche Kundendaten klauen könnte.

Aber der ganz grosse weisse Elefant im Raum, an dem vorbeigeschwafelt oder geschwiegen wird, ist: Wer war das? Mit welchen Motiven?

 

 

 

31. August 2026/45 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-30-um-18.48.44.png 584 1232 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-31 07:03:132026-08-30 18:50:17Das Fürsten-Geheimnis

Liechtenstein modern?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Stiftungen

Nun ja, halt auf Fürstenart.

Das Fürstentum vermeldet stolz: «»LiBot» unterstützt neu auf der gesamten Webseite der Landesverwaltung.» Was ist denn das, und was unterstützt der?

«LiBot beantwortet rund um die Uhr häufig gestellte Fragen zu den Inhalten der Website und führt schnell zu den gewünschten Informationen. So wird der digitale Zugang zu Leistungen und Angeboten der Landesverwaltung noch einfacher und komfortabler.»

Wunderbar, man geht in der Anpreisung sogar noch weiter: «Ein KI-gestütztes Modell unterstützt dabei, verständliche und möglichst präzise Antworten zu generieren.»

Dann gibt man vielleicht ein wenig zu viel Gas, aber die Begeisterung ist unverkennbar: «Damit stärkt die Landesverwaltung ihren Servicegedanken und bietet einen modernen, niederschwelligen Zugang zu Informationen – jederzeit und unkompliziert. Das Projekt unterstreicht das Engagement für eine zeitgemässe, serviceorientierte und agile Verwaltung.»

Na, da wollte untreuhaender.li doch gleich mal ausprobieren, wie sich das mit dem niederschwelligen, zeitgemässen und serviceorientierten Zugang zu präzisen Antworten verhält.

Erste Frage: Welche Bedenken gibt es bezüglich der Errichtung einer Stiftung in Liechtenstein?

Antwort: «Zu Bedenken selbst finde ich in den bereitgestellten Unterlagen keine direkten Ausführungen. Allgemein wird betont, dass Stiftungen keinen gesetz- oder sittenwidrigen Zweck verfolgen dürfen und Aufsichts- bzw. Eintragungspflichten einzuhalten sind.»

Für gesetzes- und sittenwidrige Zwecke sorgen dann allenfalls die Untreuhänder, wenn sie sich dicke Scheiben vom Stiftungsvermögen abschneiden.

Dann eine kleine Fangfrage: Kann man eine Stiftung zur Steuerersparnis nutzen?

Aber darauf fällt der Chatbot nicht herein: «Zu dieser Frage liegen mir in den bereitgestellten Informationen keine ausreichenden Angaben vor. Bitte wenden Sie sich an die zuständige Amtsstelle, die Steuerverwaltung.»

Also ab durch die Mitte: «Wohin kann man sich wenden, wenn man von einem liechtensteinischen Stiftungsrat und Treuhänder betrogen wird?»

Antwort (nach längerem Nachdenken): «Zuständig ist das Amt für Justiz, Bereich Stiftungsaufsicht und Geldwäschereiprävention: Amt für Justiz, Stiftungsaufsicht und Geldwäschereiprävention, Giessenstrasse 3, Postfach 684, 9490 Vaduz».

Das war nun nicht so ganz die gewünschte, präzise Antwort, also nochmal: «Wo kann ein Begünstigter die Auskunftspflicht des Stiftungsrats einfordern?»

Wieder längeres Nachdenken, anschliessend ist der Bot ungefähr so auskunftsfreudig wie ein liechtensteinischer Untreuhänder: «Zu dieser Frage liegen mir in den bereitgestellten Informationen keine ausreichenden Angaben vor. Bitte wenden Sie sich an die zuständige Amtsstelle, z.B. das Amt für Justiz, Stiftungsaufsicht und Geldwäschereiprävention, Giessenstrasse 3, 9490 Vaduz.»

Dann doch mal was anderes, gleich oben einsteigen: Wie kann ich mit dem Fürstenhaus in Kontakt treten?

Da verschluckt sich der Chatbot fast, macht eine lange Pause (wahrscheinlich musste er sich zuerst verbeugen und einen Kratzfuss machen: «Zu dieser Frage liegen mir in den bereitgestellten Informationen keine ausreichenden Angaben vor. Bitte wenden Sie sich an die Regierungskanzlei (info.rk@llv.li, Tel. +423 236 60 30) oder an die Information und Kommunikation der Regierung (office@regierung.li).»

Was da die Regierungskanzlei oder gar die Kommunikationsabteilung bewirken könnte, die doch wenn schon Befehlsempfänger der Trutzburg sind?

Wieder was anderes: Wie finde ich heraus, wer der beneficial owner einer Stiftung, eines Trusts oder einer Anstalt ist?

«Informationen zu wirtschaftlich berechtigten Personen (beneficial owners) sind im Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen von Rechtsträgern (VwbP) hinterlegt. Zuständig ist das Amt für Justiz, Stiftungsaufsicht und Geldwäschereiprävention (info.vwb.aju@llv.li).»

Immerhin, kann man da sagen. Allerdings verschweigt der fürstliche Chatbot eine wesentliche Tatsache: dieses Verzeichnis ist keinesfalls öffentlich zugänglich. Behörden und «Sorgfaltspflichtige» wie Banken, Anwälte und Treuhänder haben Zugriff. Alle anderen haben einen Antrag (kostenpflichtig) zu stellen. Kriegen dann Auskunft – oder auch nicht.

Grundsätzlich gilt: gewisse Daten von Gründern oder Protektoren werden nicht offengelegt.

Somit ist der grossartig angepriesene LiBot einfach eine computergestützte Vernebelungsmaschine. Die sich bestens in die liechtensteinische Informationspolitik einpasst: am liebsten gar nichts sagen. Und wenn, dann nur unter Zwang und in höchster Not.

28. Mai 2026/16 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-26-um-15.50.15.png 547 1134 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-28 07:02:032026-05-26 15:54:46Liechtenstein modern?

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