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Schlagwortarchiv für: Veto

Keine Gnade mit der Demokratie

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein

Liechtenstein ist ein absolutistisches Relikt aus dunklen Zeiten.

Wie kann man sein Geld einem mittelalterlichen Fürstentum mitten in Europa anvertrauen? Wo kein Rechtsstaat existiert, sondern reine Willkür, eine parteiische fürstliche Justiz und reine Willkür.

Jüngstes Beispiel: die Debatte um den Schwangerschaftsabbruch. Was in den meisten zivilisierten Staaten Mitteleuropas längst gesetzlich erlaubt ist, steht im Fürstentum unter schwerer Strafe. Bis zu einem Jahr Gefängnis droht Frauen, die gegen das Abtreibungsverbot verstossen. Noch absurder: Ärzte dürfen Frauen in Not nicht einmal informieren oder beraten. Immerhin sind seit 2015 im Ausland durchgeführte Abtreibungen im Fürstentum straffrei.

Finsteres Mittelalter.

Das wollen die Untertanen des Fürstenhauses endlich ändern. Das ist aber gar nicht so einfach. Vor 15 Jahren stimmte Liechtenstein schon mal über eine Abtreibungsinitiative ab. Allerdings hatte der herrschende Erbprinz Alois bereits im Vorfeld angekündigt, dass er sein Veto einlegen werde, sollte sie angenommen werden. Dementsprechend knapp fiel dann das Ergebnis aus: 52 Prozent der Untertanen stimmten gehorsam dagegen, viele gingen allerdings aus Protest gar nicht erst abstimmen.

Nun unternimmt ein Initiativkomitee einen neuen Anlauf und will die für eine Abstimmung nötigen Unterschriften sammeln. Diesmal greift der absolutistische Herrscher allerdings schon jetzt ein und kündigt wieder sein Veto an, sollte die Initiative zustande kommen und sollte eine Mehrheit seiner Untertanen dafür stimmen.

Das machte der stockkatholische Erbprinz Alois in einem Interview mit seiner Untertanenzeitung Vaterland klar. Er sehe das «zentrale Rechtsgut des Lebensschutzes» nicht gewährleistet.

In allen übrigen zivilisierten Staaten Europas, auch in denen, die noch formell Monarchien sind, dürfte der Monarch eine solche Meinung auch äussern. Und wäre selbstverständlich berechtigt, gegen ein solches Vorhaben zu stimmen. Nach dem schönen Prinzip seit der Aufklärung: one man, one vote.

Aber doch nicht in Liechtenstein. Hier gilt die fürstliche Regel: meine Untertanen, fälschlich als Souverän bezeichnet, dürfen gerne über alles abstimmen. Solange sie so stimmen, wie es dem Erbprinzen passt.

Schon sein Vater Hans-Adam II. hatte damit gedroht, die fürstliche Trutzburg ob Vaduz zu verlassen und ins Exil zu gehen, sollten ihm seine Untertanen nicht noch mehr absolutistische Macht zugestehen. Was sie dann verängstigt auch taten.

Diese unbeschränkte Macht bezieht sich nicht nur auf die Ergebnisse von Abstimmungen. Sollte es die Regierung von Fürstens Gnaden wagen, eine Entscheidung zu treffen, die auf höchstes Unwohlsein trifft, dann kann sie zum Teufel gejagt werden. Sollte das Parlament ein Gesetz beschliessen, das dem Herrscher nicht passt, kann er es auflösen. Sollte ein Richter ein Urteil fällen, das den Interessen des Fürstenhauses oder der fürstlichen Banken widerspricht, dann kann der Fürst diesen Richter einfach nicht mehr wiederwählend, denn er ist das Zünglein an der Waage dabei.

Natürlich kommt das alles faktisch nie vor. Parlament, Regierung und Richter wissen, wo der Hammer hängt. Der Souverän weiss auch, dass er nur so lange souverän ist, wie seine Meinung mit der des Fürstenhauses übereinstimmt.

Das alles sind absurd-anachronistische Zustände. Nackte Machtausübung, verkleidet in folkloristische Hochzeiten und huldvolle Empfänge am Nationalfeiertag, wo sich der Erbprinz hemdsärmelig, aber vorsichtshalber von Bodyguards begleitet, unters Volk mischt.

Wobei er versucht, es vergessen zu machen, dass es sich bei den Liechtensteinern nicht etwa um selbstbestimmte Staatsbürger handelt, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen dürfen.

Sondern es sind Untertanen, Fürstenknechte, gehorsame Diener.

Nicht nur der Fall des Abtreibungsverbots ist im Ländle überfällig. Auch dem Fürstenhaus müsste eine Grenze gezogen werden. Damit auch Liechtenstein endlich im 21. Jahrhundert ankommt.

 

22. Juni 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.05.42.png 565 1201 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-22 07:03:112026-06-19 12:10:38Keine Gnade mit der Demokratie

Wie Jan Böhmermann Liechtenstein liebt

Allgemein

Der deutsche Satiriker ist nicht unumstritten. Aber sein Porträt Liechtensteins ist sehenswert.

Besonders interessant dabei: wenn sich Böhmermann in seiner ZDF-Sendung «Magazin Royale» über Liechtenstein lustig macht, und das ziemlich bösartig, dann gibt es keinen Mucks aus dem Ländle. Keinen Protest, keine diplomatische Note, nicht mal eine Klageschrift. Es wird auch nicht mit dem Einmarsch des Liechtensteiner Heers gedroht. Ach so, gibt’s ja gar nicht.

Dabei lädt Böhmermann eine gesunde Portion Häme ab.

Das ist richtig unfair, denn Hans-Adam II. hat doch die Regierungsgeschäfte längst seinem Sohn, Erbrinz Alois, übergeben.

Aber auch an dem mäkelt Böhmermann rum. Der habe doch tatsächlich absolutistische Macht, sagt der Komiker, obwohl das nicht komisch, dafür wahr ist.

Aber bevor sich Hans-Adam II. von der Ausübung der Macht zurückzog, verschaffte er sich – und seinem Erbprinzen – noch schnell noch mehr Macht. Und das Volk, tief erschüttert von der fürstlichen Drohung, ansonsten nach Wien abzuschwirren, stimmte untertänig zu.

Und das haben die fürstlichen Untertanen davon. Da sind die Fürschten ganz resolut:

Das ist eben gelebte Demokratie à la Liechtenstein. Als über eine Initiative abgestimmt wurde, die dem Erbprinzen nicht passte, machte er die Stimmbürger darauf aufmerksam, dass er im Fall eine Annahme sowieso sein Veto dagegen einlegen würde, also wozu überhaupt abstimmen, nicht wahr.

Dieses Vetorecht würde der Fürscht selbstverständlich auch benützen, wenn es eine Initiative geben sollte, die sein Vetorecht abschaffen wollte. Denn wo käme man da in einer absolutistischen Despotie auch hin.

Dann macht Böhmermann noch einen Ausflug in die tiefbraune Vergangenheit des grössten Unternehmens Liechtenstein, bekannt für seine knallroten Werkzeugkoffer mit Hilti drauf.

Aber alles Ungemach ist vergessen, wenn das Fürstenhaus huldvoll seinen Untertanen zuwinkt. Denn schliesslich eint Fürscht und Volk eines:

Und das ist Geld, Geld scheffeln, denn wozu ist der Fürscht Besitzer der grössten Bank Liechtensteins LGT, berühmt geworden durch den grossen deutschen Schwarzgeldskandal.

Aber Reputationsmanagement ist alles; wer denkt denn an so was oder an die üblen Machenschaften, der Untreuhänder, wenn Fürst und Volk zur Melodie von «Heil dir im Siegerkranz» die Liechtensteiner Nationalhymne inbrünstig intonieren:

Wer mitsingen will:

«Hoch lebe Liechtenstein,
Blühend am deutschen Rhein,
Glücklich und treu.
Hoch leb’ der Fürst vom Land,
Hoch unser Vaterland,
Durch Bruderliebe Band
Vereint und frei.»

Hoppla, das war noch die alte Version, seit 1963 heisst es unverfänglicher «blühend am jungen Rhein». Na, dann «hoch leb‘ der Fürst vom Land», nicht wahr.

14. Oktober 2024/15 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-13-um-17.56.45.png 538 1058 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-10-14 07:12:282024-10-13 18:51:46Wie Jan Böhmermann Liechtenstein liebt

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