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Schlagwortarchiv für: Veruntreuung

Der Rolls-Royce unter den Skandalen

Allgemein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Liechtenstein übertrifft sich wieder selbst.

So etwas kann nur im Fürstentum passieren. Die Story ist dermassen unglaublich, dass zunächst versichert werden muss: alles ist wahr, nichts ist erfunden.

Es geht um den liechtensteinischen Rechtsanwalt, Treuhänder, Honorargeneralkonsul der Republik Nordmazedonien und Träger des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens.

Es geht um den ehemaligen Besitzer der wohl grössten Rolls-Royce-Sammlung der Welt.

Es geht um den Besitzer eines Tresors in Übergrösse, den er brauchte, um seine Rolls-Sammlung ausstellen zu können, um das Stabiq Treasure House (6000 m2).

Es geht um Razzien und Hausdurchsuchungen, die seit 2020 immer wieder bei Norbert Seeger stattfanden. Die letzte überlebende Fürstenzeitung nennt ihn scheu nur den «sogenannte Oldtimer-Treuhänder».

Die Vorwürfe gegen ihn sind selbst für Liechtensteiner Verhältnisse happig. Mutmassliche Veruntreuung von Kundengeldern in Millionenhöhe. Überhöhte Honorarnoten, Verdacht der Beihilfe zur Geldwäscherei.

Also eigentlich business as usual im Ländle, müsste man sagen.

Aber die Staatsanwaltschaft sagt nun:

«Dem Beschuldigten werden das Verbrechen der Untreue in 26 Fällen, das Vergehen der Veruntreuung in zwei Fällen sowie das Verbrechen der Geldwäscherei zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklage von einem Gesamtschaden von mehr als 20 Millionen Franken aus.»

Die Rolls-Sammlung ist längst versteigert, der Treuhänder wehrt sich allerdings mit Händen und Füssen gegen die Anklage. Er erhob gegen sie Einsprache, die aber Anfang September abgeschmettert wurde.

So hat es die Staatsanwaltschaft also nach fünfjährigem Brüten endlich geschafft, eine Anklage zusammenzuschustern. Aber auch dagegen geht der Treuhänder vor, wie sein Anwalt dem «Vaterland» verrät:

«Bis es zu einer Verhandlung vor dem Kriminalgericht kommt, könnte es dennoch einige Zeit dauern. Denn wie Alexander Amann, Anwalt des Beschuldigten, gegenüber dem «Vaterland» erklärt, wird sein Mandant mittels Individualbeschwerde an den Staatsgerichtshof (StGH) weiter gegen die Anklageschrift vorgehen.

Gerügt werde die Verletzung seines Rechts auf ein faires Verfahren nach Art. 6 EMRK und anderer Grundrechtsverletzungen. Trotz des sehr umfangreichen Akts seien seinem Mandanten lediglich 14 Tage für einen Einspruch gegen die Anklageschrift zugebilligt worden, so Amann. Vorgängig werde sein Mandant zudem einen Antrag auf aufschiebende Wirkung und einstweilige Massnahmen einbringen.»

In anderen Fällen hätten «Vorwürfe in ähnlichen Sachverhaltskonstellationen» mit der Einstellung der Verfahren durch die Staatsanwaltschaft geendet, behauptet sein Anwalt. Und überhaupt: «Nicht zuletzt ist auch die behauptete Schadenssumme völlig aus der Luft gegriffen».

Die Entrüstung ist verständlich.

Höchstwahrscheinlich hat der Träger des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens doch einfach nur das gemacht, was Liechtensteiner Treuhänder und Untreuhänder halt so machen. Sie scheffeln Geld. Legal, halblegal, illegal, scheissegal.

Sie dekantieren, veruntreuen, kassieren absurd hohe Honorare, garnieren Kick-backs, Retrozessionen und Kommissionen. Und wenn alles nicht hilft, greifen sie auch schon mal ins Kässeli ihnen anvertrauter Gelder. Oder sie leisten Beihilfe zur Geldwäsche, wovon immerhin 800 herrenlos herumstehende Zombie-Trusts Zeugnis ablegen.

Also hat Seeger subjektiv gesehen völlig recht. In ähnlichen «Sachverhaltskonstruktionen» kam es regelmässig zu Einstellungen der Verfahren. Wieso dann bei ihm nicht?

Das ist doch ungerecht.

Und normalerweise dauern solche Untersuchungen und Verfahren nur dann endlos, wenn die Fürstenjustiz einen Liechtensteiner Treuhänder gegen natürlich ungerechtfertigte Klagen eines enteigneten Stifters oder Begünstigten einer Stiftung verteidigt.

Nun geht sie aber einmal doch tatsächlich gegen einen Treuhänder vor. Kein Wunder, dass da die Staatsanwaltschaft zum Jagen getragen werden muss und vor jeder Amtshandlung eine gewichtige Pause einlegt.

In der ewigen Hoffnung, dass sich das Problem doch bitte schön in Luft auflösen sollte. Oder biologisch lösen, schliesslich ist Seeger schon 72 Jahre alt.

Aber leider, leider, irgendwann muss es immerhin zu einer Anklage kommen.

Aber zu einem Prozess, gar zu einem Urteil? Himmels willen, ob das der Erbprinz Alois noch erleben wird?

 

 

19. Oktober 2025/16 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-17-um-18.17.12.png 626 1038 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-10-19 07:02:582025-10-17 18:51:27Der Rolls-Royce unter den Skandalen

Die Geldmelkmaschine

Allgemein

Anwalt in Liechtenstein müsste man sein. Dann kann man Geld à gogo kassieren.

Da wird jeder, der seine Brötchen mit anwaltlicher Tätigkeit verdient, grün vor Neid. Denn in Liechtenstein haben Anwälte eine neue Art des Bankomaten entdeckt.

Das ist eine Maschine, die beliebige Mengen Geld ausspuckt. Denn die Quelle, wo es herkommt, sprudelt unablässig; sie ist auch wohlgefüllt. 10’000 Franken, 50’000 Franken, 100’000 Franken, kein Problem; Geld kommt.

Wie das geht? Nun, es braucht nur einige, wenige Vorbereitungen und Handgriffe. Und das geht so. Zunächst muss ein Liechtensteiner Untreuhänder den Stiftungsratspräsidenten rauskübeln. Das geht mit Hilfe der Liechtensteiner Justiz problemlos und schnell. Selbst wenn es keine Handhabe dafür gibt, etwas erfinden lässt sich immer. Und sei es der «blosse Anschein einer möglichen Interessenskollision».

Was das sein soll? Weiss niemand, ist auch egal, auf jeden Fall reicht das; der Begünstigte und Stiftungsratspräsident ist weg. Dann gibt es noch einen zweiten Handgriff. Denn als Begünstigter hat er immer noch Einblick in die Verschwendung, Pardon, Verwendung des Stiftungsvermögens. Also muss er auch noch in dieser Funktion weg. Das geht mit Hilfe der Liechtensteiner Justiz problemlos und schnell. Denn natürlich wehrt er sich gegen diese illegale Absetzung – und damit hat er in der Logik Liechtensteins seine Begünstigung verwirkt.

So, nun stehen die Geldtöpfe der Stiftung dem oder den Untreuhändern offen und zur Verfügung. Also greifen sie mit beiden Händen hinein und erfinden Dienstleistungen und Handreichungen à gogo, um sich die eigenen Taschen zu füllen.

Jetzt kommt der Clou des Ganzen. Auch dagegen wehrt sich natürlich der rechtmässige Begünstigte und Verwalter der Stiftung mit allen Mitteln.

Also braucht die Stiftung natürlich einen Anwalt. Am besten einen möglichst skrupellosen und einschlägig bekannten.

Der ballert nun aus allen Rohren auf den ausgeschlossenen ehemaligen Begünstigten. Der Rechtsverdreher schüttet das Gericht (und seinen Widersacher) mit Anträgen, angeblichen Beweisen, Rechtsschriften so zu, dass für das Ausdrucken halbe Wälder abgeholzt werden müssen.

Denn der Anwalt weiss: jede Seite kann er für 1000 Franken verrechnen, jeden Gerichtstag für 17’500. Denn die beiden Untreuhänder, die das gestohlene Geld verwalten, haben kein Problem, ihm fremdes Geld nachzuwerfen. Schliesslich wehrt er sich ja auch für sie.

Aber damit nicht genug, denn so richtig auslastend ist das noch nicht. Wieso also nicht Nebenfronten eröffnen; eine Zivilklage hier, eine Strafanzeige dort. Und immer schön nachlegen. Es gibt zwar selten Strafanzeigen, bei denen der Anzeiger 2000 Seiten Papier produziert, aber wenn jede Seite auf seinem Konto einen Tausender landen lässt, wieso nicht.

Der absurde Wahnsinn ist also: der Enteignete und Entrechtete, der ehemalige Stiftungsratspräsident und Begünstigte, muss erleben, dass er mit seinem eigenen Geld bekämpft wird. Dass seine eigene Stiftung die Gegenwehr gegen ihn bezahlt.

Dass mit dem ihm zustehenden Vermögen weitere Prozesse angeleiert werden, um ihm das Leben zusätzlich schwer zu machen. Ihn zu zermürben und finanziell ausbluten zu lassen.

In jedem anderen zivilisierten Land der Welt würde das die Justiz nicht dulden und als rechtsmissbräuchlich stoppen. Sie würde solchen Untreuhändern einen staatlichen Kontrolleur vor die Nase setzen, der ihre Ausgaben auf das Nötige beschränken würde, bis geklärt ist, ob sie zu recht oder zu Unrecht den wirklichen Besitzer der Stiftung vertrieben haben.

Aber doch nicht in Liechtenstein.

Und der Fürscht, der absolutistische Herrscher, der diesen Unfug, diesen Missbrauch, diese Sauerei sofort abstellen könnte, tut nichts.

Keiner tut was, während das Image von Liechtenstein als Rechtsstaat und sicherer Hort für Geldanlagen und Stiftungen den Bach runtergeht.

 

14. November 2024/15 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-13-um-17.38.31.png 527 904 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-14 07:43:542024-11-13 17:45:33Die Geldmelkmaschine

Staggl, der typische Untreuhänder

Allgemein

Im Treuhändersumpf steigen immer wieder besonders grosse Blasen auf – und platzen.

Es war ein harter Schlag für das Nachtleben der Liechtensteiner High Society, als die Bar Esquire die Pforten schliessen musste. Das war 2018 ein Kollateralschaden des Groundings des Treuhänders Mario Staggl.

Der war über Jahre hinweg gut vernetzt im Liechtensteiner Finanzsumpf, wo jeder jeden kennt und die Devise gilt «leben und leben lassen». Aber von irgendwas muss man auch leben, und seit das Batliner-Geschäftsmodell des Schwarzgeldverstauens geplatzt war und der Automatische Informationsaustausch diese munter sprudelnden Einnahmequelle verstopft hatte, wurden die Methoden der Untreuhänder ruppiger, um ihren gewohnten Lebensstil aufrecht erhalten zu können.

Staggl ist dabei ein typisches Beispiel von einem, der wie eine Spinne im Beziehungsnetz sass:

So versuchte damals die «Bilanz», das Imperium Staggl darzustellen. Statt wie eine Spinne im Netz sass der dann in Untersuchungshaft in einer der wenigen Zellen des fürstlichen Kerkers und war weitgehend geständig. Untreue, Veruntreuung, schwerer Betrug, die Deliktsumme belief sich auf bis zu 30 Millionen Franken.

Seine Kundengelder parkierte Staggl in zwei Treuhandgesellschaften, deren Konti lagen bei der Neuen Bank in Vaduz. Den Inhalt verwendete Staggl über Jahre hinweg zur Finanzierung seines privaten Lebensstils. Den Kunden gegenüber tarnte er seine Abhebungen damit, dass er ihnen statt Kontoauszügen selbst erstellte Excel-Tabellen zustellte.

Die Quittung vom fürstlichen Strafgericht: sechseinhalb Jahre Knast. Ein psychologisches Gutachten, das Staggl eine schwere Kindheit und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigte, nützte auch nichts mehr. Vom angerichteten Schaden sahen die Betrogenen aber kaum mehr etwas. Sie dürften höchstens 2 Millionen zurückgekriegt haben.

Denn, Sahnehäubchen, Staggl hatte noch rechtzeitig Immobilien und andere Werte in eine Familienstiftung verschoben, um sie dem Zugriff der Justiz zu entziehen. Auch das geht im Fürstenstaat Liechtenstein.

Staggl war schon früher verhaltensauffällig geworden. Die USA hatten ihn zusammen mit dem UBS-Banker Bradley Birkenfeld der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Birkenfeld war als Whistleblower entscheidend daran beteiligt, das Schweizer Bankgeheimnis zu schleifen. Weil er nicht alles auspackte, kam er auch in den Knast, durfte sich aber an einem Finderlohn von über 100 Millionen Dollar erfreuen.

So gnädig war das Schicksal mit Staggl nicht, der kann seit 2008 Liechtenstein nicht mehr verlassen, weil er für die USA als flüchtig gilt und zur Fahndung ausgeschrieben ist. Was aber damals die fürstliche Finanzmarktaufsicht nicht daran hinderte, ihm weiterhin das nötige Attest für eine Tätigkeit als Treuhänder auszustellen. Beihilfe zur Steuerhinterziehung, das ist im Ländle ein Kavaliersdelikt, weniger schlimm als das Überfahren einer roten Ampel.

Aber die Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit dürfte Staggl während seines Knastaufenthalts nicht gross stören, immerhin.

Ein weiterer Einzelfall? Keineswegs. UNTREUHAENDER.LI wird in lockerer Serie weitere Höhepunkte im Schaffen Liechtensteiner Untreuhänder schildern.

30. Januar 2024/0 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/01/Bildschirmfoto-2024-01-29-um-11.16.53.png 845 1015 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-01-30 07:08:182024-01-31 06:52:26Staggl, der typische Untreuhänder

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