Schlimmer geht’s nicht: alle 31’000 Datensätze über die Besitzer der Stiftungen & Co. geklaut.
Die Regierungschefin Brigitte Haas machte am Sonntag ein Gesicht, als habe man ihr zuvor in der fürstlichen Trutzburg die Folterkammer gezeigt. Was vielleicht auch geschehen war. Denn unter ihrer Verantwortung wurde so ziemlich das Wertvollste geklaut, was unbedingt geheimzuhalten war.
Die Namen, Anschriften, Nationalitäten und das Alter von allen sogenannten «wirtschaftlich Berechtigten» an allen diskreten Finanzkonstrukten, mit denen Liechtenstein reiche Ausländer anzieht. Die kommen nicht ins Fürstenland, weil hier die Vermögensverwalter und Anlageberater so viel besser sind als im Umland.
Im Gegenteil, meistens ist die Performance mies, und die Treuhänder, die obligatorisch im Leitungsgremium dieser Vehikel Einsitz nehmen, schneiden sich dicke Scheiben ab. Für ihre aufreibende Tätigkeit, die meistens aus nichts anderem besteht, als eine übersichtliche Steuererklärung abzufertigen und ansonsten die Fantasie walten zu lassen, wie man auf ein fettes Verwaltungshonorar kommt.
Die grosse, vierfache USP Liechtensteins war: Rechtsstaat, sicher, seriös und diskret.
Rechtsstaat? Nach einer nicht abreissenden Kette von Skandalen, bei denen Untreuhänder die Besitzer oder Begünstigten von Stiftungen um ihr Eigentum brachten und von der Fürstenjustiz geschützt wurden: in Trümmern.
Sicher? Nachdem rund 800 Zombie-Trusts als Untote herumstehen, weil sie von ihren Treuhändern fluchtartig im Stich gelassen wurden und die Besitzer seit fast zwei Jahren nicht mehr an ihr Eigentum kommen: unsicher.
Seriös? In einer absolutistisch regierten Monarchie könnte der Fürscht, bzw. der herrschende Erbprinz Alois, mit einem Federstrich diesen Auswüchsen ein Ende bereiten. Tut er aber nicht, weil die Fürstenbanken LGT und LLB auch davon profitieren. Unseriös.
Und nun noch die Diskretion im Eimer. Es ist passiert, was niemals hätte passieren dürfen. Alle Informationen über die wahren Besitzer von allen 23’000 aktuell existierenden und sogar von 8000 eigentlich aufgelassenen und gelöschten Rechtsträgern befinden sich in unbefugten Händen. Indiskreter geht’s nicht.
Wie war ein solcher Datenklau im Allerheiligsten nur möglich? Da diese Datenbank für jeden Treuhänder und viele Ämter offen zugänglich war, liegt der Verdacht nahe, dass mal wieder an der IT-Sicherheit gespart wurde und nichts verhinderte, dass alle Daten offenbar in der Nacht auf Donnerstag letzter Woche abgegriffen wurden.
Als sich das bis zur Regierung und – viel wichtiger – bis ins fürstliche Schloss durchgesprochen hatte, dürften dort aber die dicken Wände gewackelt haben. Also standen vier Vertreter der Landesführung wie begossene Pudel vor den Medien und lamentierten. Die Regierungschefin hätte sicher am liebsten gesagt:
Meine Name ist Haas, ich weiss von nichts.
Man kann Kunden beklauen, misshandeln, ausnützen, bescheissen, abzocken oder belügen. Aber eines darf man als Finanzplatz wie Liechtenstein nicht: die strikt vertraulichen Kundendaten verlieren.
Wie oft hat in den letzten Jahren ein liechtensteinischer Fürstentreuhänder mit treuem Augenaufschlag auf eine entsprechende Frage geantwortet: Aber nein, niemals. Diese Kunden-CD, die der Fürstenbank LGT abhanden kam, das war einmaliger, unerhörter Vorgang, ausgeführt von einem skrupellosen Dieb innerhalb der Bank.
Seither haben wir viel dazugelernt, und wenn etwas stabil und sicher wie die fürstliche Burg im Ländle ist, dann der Datenschutz, was unsere geschätzten Kunden betrifft.
Den armen dazu abgestellten Fürstenbeamten dürften die Ohren klingen, als sie ihrer Pflicht nachgingen, die Betroffenen vor der Medienkonferenz am Sonntagabend zu informieren.
Nun ist es aber sicher so, dass sie nicht alle erreichten. Also dürften einige Besitzer von Stiftungen oder Trusts die Nachricht aus den Medien erfahren haben.
Nun kommt das Sahnehäubchen. Es ist durchaus denkbar, dass es sich hier um eine Racheaktion von einigen Besitzern der Zombie-Trust handelt, die damit ihr Missfallen über die Untätigkeit des Fürstentums ausdrücken wollen.
Was passiert dann wohl, wenn nun mindestens 21’000 Besitzer, viele sehr, sehr reich, und einige sehe, sehr skrupellos, auf diese unglaubliche Unfähigkeit Liechtensteins reagieren werden?
Da muss man sich dort, trotz Sommerhitze, die grosse Rüstung anziehen. Denn das wird sehr, sehr unangenehm.

