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Schlagwortarchiv für: US-Sanktionen

Das Liechtensteiner Drecksspiel

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Stiftungen, Treuhänder

Das Fürstentum geht raffinierter als die Schweiz mit Russengeldern um.

Die offizielle Erzählung ist in beiden Ländern ähnlich: Man halte sich strikt an Sanktionen, kämpfe gegen Geldwäscherei und habe die Zeiten des diskreten Wegschauens längst hinter sich gelassen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt zwei sehr unterschiedliche Modelle im Umgang mit russischem Vermögen – und zwei sehr unterschiedliche Grade an politischem Willen.

Die Schweiz inszeniert sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs als resolute Vollstreckerin westlicher Sanktionen. Milliarden wurden eingefroren, Oligarchen-Villen in Zürich, Genf oder im Engadin geraten ins Visier, und die Behörden verweisen regelmässig auf die enge Abstimmung mit der Europäische Union. Doch hinter dieser Fassade zeigt sich ein anderes Bild: Die Schweiz bleibt ein Land der juristischen Spitzfindigkeiten. Vermögen wird nicht beschlagnahmt, sondern eingefroren – ein entscheidender Unterschied. Denn eingefroren heisst: Eigentum bleibt Eigentum. Mit genügend Zeit, Geld und Anwälten lässt sich fast jede Sanktion zumindest verzögern. Der Rechtsstaat funktioniert – und genau darin liegt seine Schwäche.

Ganz anders – oder präziser: raffinierter – operiert Liechtenstein. Der Kleinstaat hat sich den Sanktionen ebenfalls angeschlossen und koordiniert sich mit internationalen Gremien wie der FATF. Doch Liechtenstein ist kein Ort, an dem Geld einfach liegt. Es ist ein Ort, an dem Geld verschwindet – in Konstruktionen, die so komplex sind, dass selbst Behörden Mühe haben, sie zu durchschauen.

Und hier betreten wir die eigentliche Grauzone: die sogenannten „Zombie-Trusts“. Das sind Strukturen, die formal noch existieren, faktisch aber herrenlos wirken. Der ursprüngliche wirtschaftlich Berechtigte ist verschwunden, sanktioniert oder nicht mehr greifbar. Begünstigte sind unklar, Dokumentationen lückenhaft, Verantwortlichkeiten diffus. Was bleibt, ist ein juristischer Körper ohne klar identifizierbaren Kopf – ein Zombie eben.

Diese Konstrukte sind kein Betriebsunfall, sondern ein systemisches Nebenprodukt. Sie entstehen dort, wo maximale Diskretion auf minimale Transparenz trifft. Und sie sind ein ideales Vehikel für genau jene Vermögen, die politisch unerwünscht geworden sind. Während die Schweiz russische Gelder einfriert, sorgt Liechtenstein dafür, dass manche dieser Gelder gar nicht mehr eindeutig „russisch“ sind. Sie gehören plötzlich einer Stiftung, einem Trust, einer Struktur – und niemandem zugleich.

Das Resultat ist ein perfider Unterschied: In der Schweiz weiss man zumindest, welches Vermögen blockiert ist. In Liechtenstein weiss man oft nicht einmal mehr, wem es gehört. Für Sanktionen ist das fatal. Denn was nicht eindeutig zugeordnet werden kann, kann auch nicht wirksam sanktioniert werden.

Besonders heikel wird es, wenn solche Zombie-Trusts weiter verwaltet werden. Treuhänder kassieren Gebühren, Anwälte sichern die Konstrukte ab, und der Staat? Der verweist auf die Komplexität der Fälle. Es ist ein System, das sich selbst stabilisiert – selbst dann, wenn der ursprüngliche Zweck längst obsolet geworden ist.

Am Ende zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Die Schweiz bietet Rechtsstaatlichkeit, die Zeit schafft. Liechtenstein bietet Strukturen, die Realität auflösen. Beide Modelle schützen Vermögen – aber Liechtenstein hebt das Spiel auf eine neue Ebene. Dort geht es nicht mehr darum, Geld zu verstecken. Sondern darum, es ungreifbar, unangreifbar zu machen.

18. Mai 2026/24 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-17-um-21.16.42.png 537 1174 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-18 07:01:412026-05-17 21:17:38Das Liechtensteiner Drecksspiel

From Russia, with love

Allgemein, Fürstentum Liechtenstein, Untreuhänder

In der Räuberhöhle Liechtenstein ist alles möglich.

Wenn man Fürscht, putzig, Ländle, bieder und jö beiseite wischt, bleibt als Kern im Finanzbereich des Fürstentums nur eins: Geldgier. Reine, nackte Geldgier.

Denn die grösste Rolls-Royce-Sammlung der Welt, Multimillionen kann man sich als seriöser Treuhänder niemals zusammenraffen, wenn man nicht skrupellos ist und dem Prinzip anhängt: bringt’s mich nicht in den Knast, mache ich’s.

Nachdem das Geschäftsmodell Schwarzgeldbunker in die Luft geflogen war, warfen sich viele Untreuhänder auf eine neue Klientel: reiche Russen.

Die hatten sich ihr Vermögen in den wilden Zeiten des Umbruchs in der Ex-Sowjetunion zusammengerafft und waren sich sicher, dass sie es in Sicherheit bringen mussten, bevor das russische Regime unter Putin es ihnen wegnehmen würde.

Malta, Zypern, kleine Inseln im Meer – und Liechtenstein. Da wehte dann plötzlich ein anderer Wind im Ländle, und was vorher unvorstellbar war, fasste das Vaterland in trockene Worte:

«Verbindungen von Treuhänder zu russischen Geheimdiensten: Es sei wichtig, «das Missbrauchspotenzial der auf dem Finanzplatz angebotenen Dienstleistungen anzuerkennen», so das Finanzministerium.»

Denn es ging und geht nicht nur um das ertragreiche Lagern von Russengeldern in Liechtenstein. Sondern es gibt ja noch mehr Möglichkeiten, auf diesem Gebiet Geld zu verdienen. Wenn man keine Skrupel kennt und sich eigentlich sicher ist, dass einem von der fürstlichen Justiz keinerlei Gefahr droht.

Das ist so, aber dann gibt es auch noch die Amis mit ihrer Sanktionsbehörde Ofac. Wer auf deren Liste kommt, hat gesellschaftlichen Selbstmord begangen.

«Missbrauchspotenzial anerkennen», meinte die fürstliche Regierung. Unfreiwillig saukomisch.

So schrieb das Vaterland vor zwei Jahren:

«Die Vorwürfe, die das US-Finanzministerium vor vier Wochen erhob, haben es in sich: Ein Vaduzer Treuhandbüro soll Teil eines Netzwerks gewesen sein, mit dem sich russische Geheimdienste Halbleiter- und Nanotechnologie-Equipment beschafften. Und aufgrund dieser mutmasslichen Geheimdienst-Verbindungen setzte die OFAC – die amerikanische Sanktionsbehörde – das Treuhandbüro sowie dessen mittlerweile zurückgetretenen Direktor am 19. Mai auf die Sanktionsliste.»

Hoppla.

Dann erfolgte das übliche Liechtensteinern. Natürlich seien die Vorwürfe völlig unbegründet, behauptete das Treuhandbüro. Wir sagen nix, sagte die Treuhandkammer. Einzelfall, bedauerlicher Einzelfall, sagte die Regierung.

Allerdings: «Neben der Reaktion von Regierung und Behörden stellt sich aber auch die Frage, wie die Treuhandbranche mit diesem Fall umgeht. Immerhin ist es bereits das zweite Mal, dass ein Treuhandbüro und dessen Geschäftsführer im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg von den USA sanktioniert wird», fügte das Vaterland mutig hinzu.

Also gut, dann halt kein Einzelfall, sondern zwei Einzelfälle.

Wobei dieser Skandal bereits vor zwei Jahren aufpoppte. Haben die Treuhänder damals was draus gelernt?

Wegen der Vorwürfe und der internationalen Sanktionen gegen russische Oligarchen und vermutete Russland-Netzwerke gerät die Treuhandbranche in Liechtenstein zunehmend unter Druck. Viele Treuhänder haben Geschäftsbeziehungen mit russisch-vermuteten Klienten beendet.

Das fand aber erst ab Spätherbst 2024 statt, also mehr als ein Jahr später. Obwohl es längst absehbar war, dass die USA immer allergischer auf Versuche reagierten, ihre Embargopolitik gegenüber Russland zu unterlaufen und die Gelder von sanktionierten russischen Oligarchen aufzubewahren.

Aber da siegte in Liechtenstein wieder mal die Geldgier und übersteuerte alle Vorsicht. Bis es dann urplötzlich zu einem Massenexodus von Treuhändern aus Trust-Konstruktionen kam.

Was dann international Schlagzeilen machte, Stichwort Zombie-Trusts.

Mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Dieses Lied singen die Treuhänder sogar noch, wenn sie am Untergehen sind. Denn dermassen viele Schläge, eine solche Abfolge von reputationsverlust und Imageschaden, das wird der Finanzplatz Liechtenstein als angeblich sicherer Ort für das Aufbewahren grosser Vermögen – Herkunft egal – nicht überleben.

Eigentlich ist auch er selbst ein Zombie. Nur hat er es noch nicht gemerkt.

2. Dezember 2025/30 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/12/Bildschirmfoto-2025-12-01-um-18.39.28.png 1116 1598 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-12-02 07:11:562025-12-01 18:40:43From Russia, with love

Wann explodiert Liechtenstein?

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Untreuhänder

Was heute noch stabil erscheint, kann morgen schon in die Luft fliegen.

Ein kühner Vergleich, aber nicht unangebracht. In Syrien herrschte ein Diktator, dem noch vor wenigen Jahren keiner eine Überlebenschance gegeben hätte.

Aber siehe da, mit grausamen Methoden gewann er wieder die Überhand, zumindest über weite Teile seines Landes, immerhin Zweidrittel. Und dann erschien alles wieder gefestigt und sicher, Baschar al-Assad hat wieder die Sache im eisernen Griff, Widerstand gibt es zwar noch, aber er schien hoffnungslos.

Und siehe da, im November 2024 begann eine Grossoffensive der Rebellen in der Provinz Idlib. Ach ja, schon wieder todesmutige Fundamentalisten, die überzeugt sind, nach dem Märtyrertod von 72 Jungfrauen empfangen zu werden. Wie blöd, dass sie tatsächlich sterben, aber dann kommt doch nichts danach. Aber das wird das übliche Ende sein, dachten alle. Dachte al-Assad und seine Kamarilla, seine Armee, sein Geheimdienst, seine Lakaien, all die, die von seinem Regime profitierten.

Sie blieben in ihren Villen sitzen und waren fest überzeugt, dass der morgige Tag die Kunde von einer neuerlichen Niederlage bringen würde. Und die grössten Probleme des Lebens darin bestünden, wie man ihn möglichst angenehm verbringen könnte.

Ende November ging’s los, und in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember floh al-Assad kurz vor der Einnahme der Hauptstadt Damaskus mit seinem Privatflieger. Heimlich, ohne jemandem etwas davon vorher zu sagen. Da sassen dann seine Verbündeten weiterhin in ihren Villen, seine Militärs in den Kasernen und dachten immer noch: das darf doch nicht wahr sein, kann nicht sein. In etwas mehr als einer Woche zerfällt ein ganzer Machtapparat zu Staub?

Dann wurden viele von ihnen entweder in ihren Villen oder beim untauglichen Fluchtversuch erwischt und massakriert.

Natürlich ist Liechtenstein nicht Syrien, natürlich hat der Fürst keine Kriegsverbrechen begangen. Natürlich wurde hier kein Giftgas eingesetzt, schliesslich ist Syrien zwar eine alte Kulturnation, aber Liechtenstein ist nicht nur alt, sondern auch zivilisiert.

Aber auch hier herrscht ein absolutistischer Monarch mit Erbfolge, der über eine Pseudodemokratie gebietet, dessen fürstliche Justiz nicht Recht spricht, sondern Fürstenrecht.

Hier werden Finanzverbrechen begangen, ohne Zahl und systemisch und skrupellos. Hier herrscht kein Rechtsstaat mit Checks and Balances und Gewaltenteilung. Und wenn der fehlt, regiert Faustrecht und Willkür, eingekleidet in parlamentarisches Geschwätz, wichtiges Regierungshandeln und ellenlange Urteile, die sich auf gültige Gesetze beziehen und die notfalls so umbiegen, wie es den Interessen des Finanzplatzes Liechtenstein dient.

Natürlich steht in Liechtenstein nicht nur die Trutzburg über Vaduz felsenfest verankert im Gestein, auch alle Institutionen erscheinen stabil, sicher, unverrückbar.

Es treten auch keine Fundamentalisten an, um das zu ändern. Aber, es tritt die grösste Militär- und Wirtschaftsmacht der Welt an. Denn neben den vielen Schwindeleien, die sich Untreuhänder und Banken und der ganze Finanzplatz leisten, haben sie den Fehler gemacht, eine mindestens zweistellige Milliardenzahl von Russengeldern zu bunkern, die niemand anders mehr mit der Beisszange angefasst hätte.

Das finden die USA gar nicht komisch, und sie haben einen Big Stick, der wirkungsmächtiger ist als der Todesmut von fanatischen Islamisten. Der heisst Ofac, das ist die US-Behörde, die dafür da ist, US-Sanktionen durchzusetzen, Sanktionsbrecher zu bestrafen. Überall auf der Welt, und zu der gehört Liechtenstein.

Erste Warnschüsse wurden schon abgegeben, eine relativ hohe Zahl von Treuhändern und Treuhandgesellschaften des Ländle stehen bereits auf der Sanktionsliste. Dass ein Banker namens Birkenfeld auch Liechtenstein benützte, um seinem US-Mandanten Schutz vor dem US-Fiskus zu bieten, haben die USA nicht vergessen. Ebenso wenig, dass Liechtenstein natürlich den Haupttäter nicht auslieferte, obwohl er sogar auf der Most-Wanted-Liste stand.

Nichts gelernt, der unterlegene, vom Fürsten protegierte Kandidat für höchste Regierungsamt erregte sich sogar öffentlich darüber, was den USA eigentlich einfalle, und mal im Amt, würde er schon dafür sorgen, dass die Amis einsehen, welchen Fehler sie machen, seriöse und gesetzestreue Treuhänder einfach so ungerecht zu behandeln.

Obwohl Präsident Trump auch zu dieser Lösung neigt, ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass die US-Regierung ihren Unwillen über dieses Treiben mit einer militärischen Intervention Ausdruck verleihen würde. Obwohl Liechtenstein keine Armee hat.

Aber mal kurz die wirtschaftlichen Daumenschrauben anziehen – und alles, was zurzeit noch so stabil, unzerstörbar, sicher erscheint, wäre auf einen Schlag weg. Wenn’s ganz blöd läuft, müsste der Fürst endlich seine Drohung wahr machen, und nach Wien ins Exil gehen.

28. Februar 2025/32 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/02/Bildschirmfoto-2025-02-27-um-21.46.12.png 567 886 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-02-28 06:23:262025-02-28 08:10:15Wann explodiert Liechtenstein?

Alles nur Einzelfälle

Allgemein

Liechtenstein hat bäriges Glück. Nur ein weiteres schwarzes Schaf erwischt.

So vermeldete das Liechtensteiner «Vaterland». Denn es ist ja doch eine Crux mit diesen US-Sanktionen. Da gibt es zum Beispiel die Sentimare Enterprises Limited: Eine Gesellschaft mit Sitz in Zypern mit Verbindung nach Liechtenstein. Denn ihr Direktor, bzw. Verwaltungsrat, ist doch tatsächlich ein Treuhänder mit Sitz im beschaulichen Triesen.

Nun behaupten die USA, diese Sentimare habe Russland geholfen, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Und sie deshalb auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Das ist das Todesurteil für diese Gesellschaft, und auch alle Personen, die mit ihr verwickelt sind, schweben in höchster Gefahr.

Deshalb versicherte der Liechtensteiner Treuhänder der Zeitung, dass er bereits am 21. Juni 2024 als Verwaltungsrat der Sentimare zurückgetreten sei und daher nicht mehr handlungsbefugt. Blöd nur: die Sanktion erfolgte bereits am 12. Juni, ganze neun Tage, bevor der Treuhänder sein Mandat niederlegte.

Allerdings gibt es noch mehr Verwicklungen mit Liechtenstein, wie das Vaterland schreibt:

«Der Grund für die Strafmassnahmen gegen die Sentimare ist, dass gemäss US-Regierung die zypriotische Gesellschaft in Verbindung mit vier liechtensteinischen Stiftungen, die ebenfalls im Juni sanktioniert wurden,  steht: die Cafar, die Natwin, die Paloma und die Spero Foundation. Und diese vier Stiftungen sollen wiederum mit dem russischen Oligarchen Wladimir Potanin verknüpft sein.»

Dieser Potanin wiederum soll ein stinkreicher Russe sein, der als Vertrauter Putins gilt. Die vier ebenfalls sanktionierten Liechtensteiner Stiftungen werden von einem anderen Treuhandbüro in Vaduz betreut. Auch das lässt eilig ausrichten, dass es schon seit 2023 nicht mehr dafür zuständig sei, diese Stiftungen auch nicht mehr in dieser Kanzlei ihren Sitz hätten.

Und all das taten die gesetzesfürjhtigen Treuhänder, obwohl keine dieser Stiftungen oder Firmen in der EU oder in Liechtenstein irgendwelchen Sanktionen unterliegt.

Also muss man doch festhalten: es gibt halt immer wieder einzelne schwarze Schafe in einer Herde von weissen. Niemals nicht würden sich Liechtensteiner Treuhänder dazu hergeben, Handlangerdienste bei der Umgehung von US-Sanktionen zu leisten. Oder gar direkt russischen Oligarchen wie Potanin zur Hand zu gehen.

Denn die meisten Liechtensteiner Treuhänder und Untreuhänder haben eine starke Kaviar-Allergie, und Wodka vertragen sie auch überhaupt nicht. Auf Yachten, selbst auf ganz grossen, werden sie regelmässig seekrank. Und wenn sie nur schon den Namen Putin hören, wird’s ihnen ganz anders.

Tarnkonstruktionen? Beihilfe zur Umgehung der US-Sanktionen? Handlangerdienste für russische Oligarchen? Errichtung von komplexen Stiftungskonstrukten zwecks Verschleierung des Beneficial Owners? Verflechtungen mit Zypern, Malta oder einer der vielen kleinen Inseln in der Karibik?

Niemals nicht. Und wenn, dann strikt legal. Und im Zweifelsfall hat der Liechtensteiner Treuhänder gar nicht gewusst, was sich in diesen Konstrukten abspielt. Und als er’s erfuhr, als der Blitz der Sanktion einschlug, hat er sich auch sofort getrennt – und eine letzte saftige Honorarnote eingereicht.

Aber die Treuhandkammer hat schon recht: bedauerliche Einzelfälle. Nur Übelmeinende können behaupten, dass die ganze Schafherde von Untreuhändern schwarz sei, mit einigen wenigen weissen Einsprengseln. Und wenn selbst der Vizepräsident dieser noblen Vereinigung blitzartig zurücktrat, bzw. nicht mehr kandidierte, als die frechen Amis ihm doch ebenfalls die Verwicklung in Umgehungsgeschäfte und Tarnskonstruktionen vorwarfen: blöder Zufall auch, und es gilt dann die Unschuldsvermutung, im Fall.

Problem nur: die USA pfeifen auf solche formaljuristischen Spitzfindigkeiten. Stellen sie fest, dass weder Fürst noch Vaterland in Liechtenstein aus den ersten Warnschüssen etwas gelernt haben, dann werden sie flächendeckend das Feuer eröffnen. Und das wird dann recht hässlich für Fürst und Bankenland. Und erst recht für die Treuhänderbande.

5. November 2024/15 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-04-um-22.40.55.png 384 698 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-05 09:37:382024-11-04 23:10:26Alles nur Einzelfälle

Muss Liechtenstein zittern?

Allgemein

Die ersten Blitze aus den USA sind schon eingeschlagen. Kommt nun das Gewitter?

Eigentlich möchten Fürst, Treuhänder und Untreuhänder nur eins: in aller Ruhe ihren geraden und ihren krummen Geschäften nachgehen. Ein wenig Geld verstecken hier, ein wenig Geld wegnehmen da. Sich um Recht und Ordnung nur dann kümmern, wenn das nicht gerade hinderlich im Weg steht.

Also mit einem Wort: Business as usual.

Dabei steckt allen Mitspielern auf dem Finanzplatz Liechtenstein noch in den Knochen, wie das von Herbert Batliner selig erfundene tolle Stiftungs-Konstrukt den Bach runterging. Der Steuerhinterzieher kommt, kriegt eine Stiftung verpasst, der Treuhänder sahnt ab, der Begünstigte meckert nicht, und wenn doch, wird er mit dem dezenten Hinweis auf eine mögliche Anzeige bei seinem Fiskus ruhiggestellt.

Vorbei, kaputt nie wieder. Seit dem Automatischen Informationsaustausch AIA geht das leider nicht mehr. Schade auch. Aber wo ein Weg verschlossen wird, geht immer woanders ein neues Türchen auf. In diesem Fall stand dahinter ein reicher Russe. Viele reiche Russen. Und viele russische Firmen. Die alle wollten vorausschauend Geschäftsbeziehungen aufbauen, hinter denen sie selbst verschwanden.

Was eignet sich dafür besser als eine Liechtensteiner Stiftung? Eben. Also gingen die Treuhänder wieder emsig ans Werk, bastelten Stiftungen und kassierten kräftig ab.

Dass die USA und die EU eine Sanktionsreihe nach der anderen beschlossen, was soll’s. Sich mündlich damit völlig einverstanden erklären, das reicht doch, meinte das Ländle.

Dass die USA mit immer schärferen Worten darauf hinwiesen, dass sie Umgehungen ihrer Sanktionen nicht weiter hinnehmen würden – ach ja, Liechtenstein ist klein, sein Herz ist rein.

So schauten die dummen Treuhänder zu, wie sich schon wieder dunkle Gewitterwolken über dem Ländle zusammenbrauten. Und schon schlugen die ersten Blitze ein. Ausgerechnet der gerade abtretende Vizepräsident der Liechtenischen Treuhandkammer Anton Wyss und auch Alexander Lins erwischte es. Geschäfte mit sanktionierten Russen, donnerten die Amis. Niemals, keiften die beiden zurück, gaben aber vorsichtshalber ihre Treuhandlizenz ab.

Ist damit wieder Ruhe im Laden, haben sich die Amis beruhigt? Sieht nicht danach aus. Diesmal wanderten zwei Schweizer Anwälte auf die neuste Sanktionsliste des Ofac, der US-Dunkelkammer für das Fertigmachen von Personen und Firmen.

Die Schweiz habe Lücken in ihren Gesetzen, was Schlupflöcher für sanktionierte russischen Personen und Firmen offenliesse, behauptet der US-Botschafter in Bern. Und fordert die Eidgenossen dringlich auf, sie zu schliessen.

Was hat das mit Liechtenstein zu tun? Sehr viel, denn die gleichen Tricks wie in der Schweiz werden hier auch angewendet. Tarngesellschaft, der Beneficial Owner wird so gut wie möglich versteckt; hübsche Konstrukte werden entwickelt, wo die Stiftungstruktur mal kurz nach Panama verlagert wird, um dann doch letztlich von einem Liechtensteiner Treuhänder kontrolliert zu werden.

Der wiederum als Frontmann für seine russischen Kunden dient. Und bislang dachte: mir kann keiner, der Fürst wird mich sicherlich beschützen.

Der Fürst ist reich und mächtig, mit einem milliardenschweren Privatvermögen, Steuerbefreiung in Liechtenstein und absolutistischer Gewalt. Das verführt zu Überheblichkeit.

Aber wenn die Amis mal richtig böse werden, und das sind sie langsam, weil die Sanktionen kaum etwas bis nichts nützen, dann gibt es nur eins: ihnen das zu geben, was sie wollen. Nämlich alle Daten und Informationen zu russischen Kunden unter der Obhut Liechtensteins.

Wird das Ländle diesem Ansinnen stattgeben? Obwohl damit schon wieder eine lukrative Einnahmequelle wegfällt? Bislang sieht es ganz so aus, als wollte die Liechtensteinische Regierung, gelenkt vom Fürstenhaus, das Sache aussitzen. Nach der Devise: wird dann im Fall nicht so schlimm werden.

Was die letzte US-Aktion in der vergleichsweise mächtigeren Schweiz bedeutet, ist jedem Liechtensteiner Treuhänder klar. Wenn die USA im Ernstfall auch mit der Schweiz Schlitten fahren, dann tun sie das mit einem auf den Rücken gebundenen Arm. Geradezu ein Klacks dagegen ist wirtschaftlich-militärisch Liechtenstein. Wie sollte sich das Ländle auch gegen US-Imperialismus wehren?

Anders als mit Gottesfurcht und Vertrauen in den Fürschten.

 

2. November 2024/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-01-um-14.50.53.png 605 916 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-02 08:01:152024-11-01 15:13:23Muss Liechtenstein zittern?

Russengelder im Ländle

Allgemein

Keinen Fettnapf auslassen, wenn’s was zu verdienen gibt.

Das ist die Devise der Treuhänderkaste in Liechtenstein. Am besten praktiziert von den Untreuhändern. Schon seit der Annexion der Krim durch Russland war eigentlich klar, dass Finanzhäuser mit der Aufbewahrung von Geldern reicher Russen Probleme mit den USA kriegen könnten.

Pah, sagten da viele Liechtensteiner Treuhänder, auch an russischen Vermögen lässt sich schliesslich gutes Geld verdienen. Dann kam die Invasion  Russlands der Ukraine, und die USA (sowie die EU) begannen mit ihrem Sanktionsregime. Pah, sagten immer noch genügend Treuhänder, «no risk, no fun». Jetzt kann man ja an der Verwaltung von Russengeldern richtig Geld verdienen.

Dann fuhr der US-Blitz mal wieder ein. Wir sprechen hier wohlgemerkt nur von einzelnen schwarzen Schafen, und die sind halt schwarz, weil so ein Blitzschlag schon etwas die Oberfläche ankokelt.

Da gab es bis vor Kurzem die Audax Consulting Trust Establishment, LMG Lighthouse Trust Reg und die One Asset Management AG. Die üblichen Fantasienamen Liechtensteiner Geldmachfirmen. Mit den drei Unternehmen sind die Treuhänder Anton Wyss und Alexander Lins verbunden. Die wurden – natürlich sowohl überraschend wie unschuldig – vom US-Finanzministerium sanktioniert.

Und schwups, schon sind die zur Tätigkeit nötigen Bewilligungen der fürstlichen Finanzmarktaufsicht FMA erloschen. Und die Treuhänderbewilligung von Wyss sowie die «kleine Treuhänderbewilligung» von Lins sind ebenfalls weg. Alles im Übrigen völlig freiwillig.

Aber, blöd, damit verfügen die drei Firmen und die beiden Betroffenen können nun keine Finanzdienstleistungen für andere und damit in erster Linie für sich selbst erbringen. Zuvor waren das selbstverständlich ausschliesslich legale Geschäfte.

Wieso das US-Finanzministerium auf die Idee kommen konnte, hier sei Beihilfe zum Umgehen von Sanktionen geleistet worden, wird von den betroffenen vehement abgestritten. Mit dem für Liechtensteiner Treuhändern artentypischen treuehrlichen Augenaufschlag behaupten die beiden, dass sie sich bei den Kundenbeziehungen an alle gesetzlichen Vorschriften gehalten und höchste Sorgfaltsstandards an­gewendet hätten.

Ein bissl blöd ist schon, dass Anton Wyss auch noch bis Juni Vizepräsident der liechtensteinischen Treuhandkammer war. Also des hochwohllöblichen Vereins, der diesen Blog von einem sackteuren Zürcher Medienanwalt einklagen liess. Es ginge da um Ehrverletzung, Beschimpfung, Beleidigung, halt alles, was Ehrenmänner wie Wyss natürlich nicht auf sich sitzen lassen können.

«Einen Zusammenhang zwischen unseren Tätigkeiten und den aktuellen schrecklichen Ereignissen in der Ukraine zu konstruieren, ist irreführend», meinte Wyss in seiner Stellungnahme. Denn unschuldig ist schliesslich unschuldig, nicht wahr.

Ist ja auch eine Frechheit.

Aber Liechtensteiner Treuhänder neigen immer etwas zu Übertreibungen. So behaupten die beiden Schlingel in ihrer Stellungnahme, sie würden sich nun eilig mit den amerikanischen Behörden in Verbindung setzen, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Bekanntlich ist das US-Finanzministerium immer gerne bereit, auf Wunsch solche Sanktionen sofort zurückzunehmen.

Am besten mit einer Einladung zur Inauguration des neuen US-Präsidenten verbunden, und «so sorry about that». Man muss schon sagen, die Chuzpe und Unverfrorenheit Liechtensteiner Treuhänder übertrifft so schnell keiner. Sie sind halt durch ihre eigene Justiz etwas verwöhnt. Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein fürstliches Gericht einen Liechtensteiner Treuhänder sanktionieren würde.

Nun ist aber Wyss ab 20. September gleich reihenweise von VR-Mandaten zurückgetreten. Artique Business Establishment, Bullys Establishment, CPT Holding, Casa Mia Properties, R.H. Capital AG, Regatta Holding, Snowdrop Capital, selbst die Foundation Light for Children muss nun ohne ihn auskommen. Insgesamt 20 VR-Mandate futsch. Aber sobald seine Unschuld erwiesen ist …

23. September 2024/17 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-03-um-15.30.09.png 804 995 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-09-23 17:35:042024-09-24 17:29:11Russengelder im Ländle

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Allgemein

Das Verhältnis des Fürstenhauses zu den Medien ist nicht das beste.

Eigentlich fängt es ganz gut an. Auf der durchlauchtigen Webseite speziell für Medien gibt sich das Fürstenhaus Liechtenstein volksnah und zeigt überhaupt keine Öffentlichkeitsscheu. «Ausgewählte Publikationen des Fürstenhauses sowie Hinweise zu Medienanfragen» locken hier.

Der Besucher hat die freie Wahl zwischen «Ansprachen, Medienmitteilungen oder Interviews». Die sind vielleicht nicht alle taufrisch; die letzte Ansprache zur Landtagseröffnung stammt vom 19. Januar 2024, die letzte Medienmitteilung verkündet das Ableben S.D. Prinz Constantin von und zu Liechtenstein, über dessen Ursache bis heute nichts Genaues bekannt ist. Und das letzte Interview S.D. des Erbprinzen hat er huldvoll anlässlich des Staatsfeiertags 2023 gegeben.

Schliesslich gibt es auch noch Publikationen, darunter «Hans-Adam II., Fürst von Liechtenstein – Eine Biographie», oder «Der Staat im dritten Jahrtausend» direkt aus der Feder von Hans-Adam II. Die 2. korrigierte und verbesserte Auflage stammt allerdings von 2014, umfasst 240 Seiten und kostet fürstliche 49.80. Die van Eck Verlagsanstalt bietet ansonsten noch Kinderbilderbücher an, darunter das allerliebste «Lisa und Max – Das Fürstenfest». Empfehlenswert auch «Der Golfschwung. More Lost Balls – wenn Golfer ihre Bälle suchen».

Wer aber eher nach aktuellen Informationen dürstet, kann sich hierhin wenden:

Das ist sehr zuvorkommend vom Fürstenhaus, dass auch S.D. Fürst Hans-Adam II. hier zur Verfügung steht, der sich eigentlich schon seit vielen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und die Amtsgeschäfte seinem ältesten Sohn übergab.

Aber oh je, wenn der wissbegierige Journalist das Formular ausfüllen möchte, dass es für eine «Akkreditierung für Journalisten (Printmedien)» braucht, im Unterschied zum Formular für «Fotografen, TV- und Radioteams», dann passiert das hier:

 

Immerhin diskriminierungsfrei bekommen Fotografen oder TV-Teams die gleiche Seite zu sehen. Aber, die fürstliche Burg sieht nur von aussen etwas unnahbar aus, sie bietet dann schon jede Menge Kontaktmöglichkeiten:

Hier ist immerhin das Sekretariat des Fürsten, des Erbprinzen sowie die «Fürstlich liechtensteinische Kabinettskanzlei» erreichbar, und sogar die Schlossverwaltung kann kontaktiert werden, wenn «Anfragen rund um den Unterhalt und den Betrieb von Schloss Vaduz und seiner Umgebung» hätte. Wobei uns beim besten Willen keine solche einfällt.

Man muss leider sagen: ein freundlicher Empfang auf der Homepage des Fürstenhauses, aber dann wird das Angebot doch etwas dünn. Könnte es etwa sein, dass die Durchlauchten keine grosse Lust haben, sich mit Medienvertretern abzugeben?

Dabei gäbe es doch durchaus einige Fragen; zum Beispiel über das bunte oder aschgraue Treiben der Liechtensteiner Treuhänder, über die unablässige Reihe von Skandalen auf dem Finanzplatz Liechtenstein, über die Verwicklung Liechtensteins in die Verwaltung von russischen vermögen, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Aber ob dazu die Schlossverwaltung oder die Sekretariate Auskunft geben mögen?

 

17. Mai 2024/25 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-17-um-09.48.56.png 557 1105 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-05-17 09:56:242024-05-21 06:30:43Kein Anschluss unter dieser Nummer

Das Fürstentum und die Sanktionen

Allgemein

Non olet, sagt man gerne in Liechtenstein. Bis man erwischt wird.

Liechtenstein war eines der ersten Länder in Europa, das sich den US-Sanktionen gegen Russland anschloss. Bis Ende 2023 hatten die USA 723 Sanktionen erlassen. Das ist ein Klacks gegen die EU, die hat es auf 1’435 gebracht. Rekordhalter ist die Schweiz, die mehr oder minder unbesehen alle Sanktionen von USA und EU übernimmt und daher stolze 1’971 befolgt.

Nun arbeitet Liechtenstein nach diversen Skandalen, meistens verursacht von seinen Treuhändern, intensiv daran, sich als sauberen Finanzplatz zu präsentieren. Reiche Russen, auch das Umfeld des Präsidenten und sogar Putin selbst, versuchen schon seit Langem, aus Sicherheitsgründen die beneficial Owner, also die eigentlichen Besitzer ihrer Reichtümer, Yachten, Immobilien, Goldreserven und Bankkonten, zu verschleiern. Mit doppelter Kraft tun sie das seit dem Februar 2022.

Dafür eignet sich unter anderem prima ein Tarnkonstrukt in Liechtenstein, betrieben von einem verschwiegenen und dem Anwaltsgeheimnis verpflichteten Treuhänder. Non olet, sagt der sich, Geld stinkt nicht, unabhängig davon, wo es herkommt.

Schliesslich bedeutete das Ende des Geschäftsmodells Schwargeldbunker einen schmerzlichen Rückgang der zu betreuenden Stiftungen. Wer in den guten alten Zeiten bei Hunderten Verwaltungsgebühren und andere Einnahmen abgreifen konnte, sitzt nun ziemlich auf dem Trockenen – mit ein paar Dutzend oder sogar noch weniger.

Daher schreibt die «Süddeutsche Zeitung» ganz richtig, dass diese Sanktionen Liechtensteiner Treuhändern überhaupt nicht gefallen, «die seit Langem reichen und zweifelhaften russischen Kunden willig zu Diensten sind». Noch schlimmer:

«In annähernd jedem Liechtensteiner Schwarzgeld- und Geldwäscheskandal der Vergangenheit waren Treuhänder verwickelt. Und seit Monaten wird ein Fall nach dem anderen bekannt, wo Treuhänder aus dem Fürstentum russischen Oligarchen und mutmaßlich sogar Wladimir Putin persönlich dabei halfen, ausländische Vermögenswerte zu tarnen.»

Selbstverständlich, da sind wir ganz sicher, waren das alles Einzelfälle, Ausnahmen, schwarze Schafe, während (fast) alle Liechtensteiner Treuhänder katholisch-fromm nur lautere und saubere Geschäfte betreiben.

Nun hat aber in Liechtenstein auch der Blitz eingeschlagen. In den USA ist die Behörde OFAC im Finanzministerium für die Umsetzung und Kontrolle der Einhaltung der Sanktionen zuständig. Und die kennt kein Pardon; wer einmal auf ihrer öffentlich einsehbaren Liste steht, ist verloren. Keiner will mehr etwas mit den dort Aufgelisteten zu tun haben, zu gross ist die Angst vor den USA.

OFAC wirft der Ruggeller Firma Sequoia Treuhand Trust vor, sie unterhalte laut SZ «enge geschäftliche Verwicklungen in den innersten Kreis des russischen Machthabers Wladimir Putin». Konkret: Das OFAC wirft Sequoia vor, «Luxusimmobilien, die in Verbindung mit dem Oligarchen stehen, verwaltet» zu haben. Usmanow gilt als einer der reichsten Männer Russlands und ebenfalls als persönlicher Freund Putins. Seit 2022 steht sein Name auf westlichen Sanktionslisten.»

Wie es sich für Liechtenstein gehört, gab sich Squoia «überrascht» und versprach schnellstmögliche Aufklärung, denn man könne sich so etwas gar nicht vorstellen. Besonders peinlich für das Ländle ist, dass es mal wieder einen Honoratioren erwischt hat. Denn der Geschäftsführer von Sequoia sass bis 2018 im Verwaltungsrat der Liechtensteiner Landesbank, die staatlich erste Adresse im Ländle.

Nicht zuletzt deswegen hielten es die Liechtensteiner Behörden lange Zeit nicht für nötig, hier genauer hinzuschauen, obwohl schon längst die Gerüchte anschwollen, dass die Sequoia sich im Dunstkreis von Gennadi Timtschenko und Amischer Usmanov bewegte, die wiederum dem russischen Kremlherrscher nahe stehen.

Gut möglich, dass Liechtenstein den gleichen Fehler wie beim Steuerstreit wiederholt. Auch damals liess es seine Treuhänder um den famosen Herbert Batliner lange, zu lange wirken und werkeln und lustige Sachen sagen wie die, dass ihn der steuerliche Zustand ihm anvertrauter Guthaben nicht interessiere und nichts angehe.

Dann ging das System Batliner mit Getöse unter, das Fürstentum schwor auf Weissgeldstrategie und trat dem Automatischen Informationsaustausch bei.

Seither ist es viel schwerer, in Liechtenstein Schwarzgelder zu bunkern. Aber wenn ein schummriges Geschäftsmodell wegfällt, muss ein neues her. Und da meinten offensichtlich einige Treuhänder – Einzelfälle, schwarze Schafe –, dass Geschäfte mit russischen Oligarchen doch ein guter Ersatz sei. Diskrete Kundschaft, meckert nicht bei turmhohen Verwaltungsgebühren und mickrigem Ertrag, alles wäre super, wenn man nicht immer so viel Wodka saufen müsste.

Das ging auf die Leber, aber nun haben die Treuhänder ein viel gröberes Problem.

Und das Image «sauberer Finanzplatz» hat einen weiteren Tolggen ins Reinheft gekriegt. Erstaunlich, dass die fürstliche Regierung, die fürstliche Justiz, die fürstliche Strafverfolgungsbehörde und schliesslich der Fürst selbst und seine Durchlaucht der herrschenden Erbprinz Alois auch hier wieder zu lange zuschauen.

3. Mai 2024/7 Kommentare/von Treuhänder
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