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Schlagwortarchiv für: unbekannte Täter

Das Debakel von Vaduz

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Zuerst war es ein hochprofessioneller Cyberangriff. Nun war offenbar schlicht die Tür offen. Und wer durch sie spazierte, weiss man immer noch nicht.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» nennt es ein Debakel. Das trifft die Sache ziemlich genau.

Nachdem Liechtenstein der wohl grösste Datenraub seiner Geschichte widerfuhr, legte sich die Regierung zunächst mächtig ins Zeug. Nicht etwa bei der Erklärung, wie 31’000 Datensätze über wirtschaftlich Berechtigte an Stiftungen, Trusts, Anstalten und Firmen entwendet werden konnten. Sondern bei der Wortwahl.

Ein «gezielter Angriff auf hohem technischem Niveau» sei es gewesen. Und der habe sich gegen eine «hochkomplexe Sicherheitsstruktur» gerichtet, verkündete die Regierung am 4. August.

Das klang beruhigend. Gegen Cyber-Einsteins kann halt auch das kleine Liechtenstein nichts ausrichten. Da ist selbst der milliardenschwere Fürscht in seiner Trutzburg macht- und hilflos.

Nun ist die Untersuchung abgeschlossen. Und plötzlich klingt die Sache deutlich weniger nach «Mission Impossible».

Die Ursache sei eine «fehlerhafte Logik zur Überprüfung der Berechtigungen» gewesen. Dadurch habe der Angreifer die API-Schnittstelle mittels wiederholter Einzelanfragen ausnutzen können. Amtsleiter Fabian Schmid stellt sogar ausdrücklich klar: Es habe sich nicht um eine klassische Software-Schwachstelle gehandelt.

Interessant ist allerdings, dass er noch im Amt ist. Als Hauptverantwortlicher für dieses Desaster.

Auf Deutsch übersetzt: Offenbar musste niemand eine digitale Festung stürmen. Das System prüfte nicht richtig, wer was sehen durfte. Und über die Programmierschnittstelle konnten Daten automatisiert abgefragt werden.

Datensatz für Datensatz.

31’000 Mal.

Das wirft eine noch unangenehmere Frage auf. Wo war eigentlich die Überwachung? Wenn ein Benutzer Tausende und Abertausende Datensätze absaugt, sollte bei einer Datenbank dieser Sensibilität irgendwann eine rote Lampe aufleuchten.

Tat sie offenbar nicht.

Jetzt sollen nämlich, so die Regierung, die «Überwachungs- und Erkennungsmechanismen» ausgebaut werden. Zudem soll eine eID zur Identitätsprüfung vorgeschaltet werden.

Hinterher ist man immer schlauer. Oder weniger geizig. Denn moderne IT-Sicherheit kostet halt. Bei einem Staatsbudget von einer Milliarde und einem steinreichen Fürsten mit Fürstenbank wäre das allerdings ein Klacks gewesen.

Was das Fürstentum jetzt ankündigt, das ist ungefähr so, als würde eine Bank nach dem Ausräumen ihres Tresors bekanntgeben, künftig wolle man genauer hinschauen, wenn jemand 31’000 Mal mit einer Schubkarre durch die Eingangshalle fährt.

Dabei bleiben die entscheidenden Fragen unbeantwortet.

Wer hat diese Berechtigungslogik programmiert? Wer hat sie getestet? Wer hat sie abgenommen? Welches Unternehmen entwickelte und betreute die Plattform? Wer war für die IT-Sicherheit verantwortlich?

Die Regierung verweigert dazu weiterhin Auskunft.

Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit: Man weiss bis heute nicht, wer die Täter sind.

Es gibt keine öffentlich bekannte Tätergruppe. Kein bekanntes Motiv. Keine bekannte Erpressungsforderung. Keine Erklärung, was mit den Daten geschehen soll. Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt, Rechtshilfeersuchen wurden ins Ausland verschickt.

Damit ist die Bilanz bemerkenswert.

Die Täter sind unbekannt. Die gestohlenen Daten sind weg. Der verantwortliche externe Dienstleister bleibt geheim. Das angeblich hochkomplex gesicherte System hatte einen Fehler in der Berechtigungslogik. Und offenbar bemerkte niemand rechtzeitig den massenhaften Datenabfluss.

Aus Angst wurden sogar noch weitere amtliche Plattformen abgeschaltet, darunter sogar das Handelsregister. Sie sollen in den kommenden Wochen wieder online gehen. Vielleicht.

Was für Versager. Die geheimsten Daten liegen offen und sind in unbekannter Hand. Verkniffen geschwiegen und geheimgehalten werden hingegen die Schuldigen und die Resultate der Suche nach den Tätern, angeblich Tag und und Nacht. Wer’s glaubt.

Aber wenigstens weiss Liechtenstein inzwischen, wie man das nennt.

Debakel. Desaster. Katastrophe. Verstrauensverlust. Ende Gelände Treuhänder-Finanzplatz.

21. August 2026/45 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-19-um-17.42.49.png 1188 2352 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-21 07:00:352026-08-19 18:46:15Das Debakel von Vaduz

Super-GAU im Fürstentum

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Schlimmer geht’s nicht: alle 31’000 Datensätze über die Besitzer der Stiftungen & Co. geklaut.

Die Regierungschefin Brigitte Haas machte am Sonntag ein Gesicht, als habe man ihr zuvor in der fürstlichen Trutzburg die Folterkammer gezeigt. Was vielleicht auch geschehen war. Denn unter ihrer Verantwortung wurde so ziemlich das Wertvollste geklaut, was unbedingt geheimzuhalten war.

Die Namen, Anschriften, Nationalitäten und das Alter von allen sogenannten «wirtschaftlich Berechtigten» an allen diskreten Finanzkonstrukten, mit denen Liechtenstein reiche Ausländer anzieht. Die kommen nicht ins Fürstenland, weil hier die Vermögensverwalter und Anlageberater so viel besser sind als im Umland.

Im Gegenteil, meistens ist die Performance mies, und die Treuhänder, die obligatorisch im Leitungsgremium dieser Vehikel Einsitz nehmen, schneiden sich dicke Scheiben ab. Für ihre aufreibende Tätigkeit, die meistens aus nichts anderem besteht, als eine übersichtliche Steuererklärung abzufertigen und ansonsten die Fantasie walten zu lassen, wie man auf ein fettes Verwaltungshonorar kommt.

Die grosse, vierfache USP Liechtensteins war: Rechtsstaat, sicher, seriös und diskret.

Rechtsstaat? Nach einer nicht abreissenden Kette von Skandalen, bei denen Untreuhänder die Besitzer oder Begünstigten von Stiftungen um ihr Eigentum brachten und von der Fürstenjustiz geschützt wurden: in Trümmern.

Sicher? Nachdem rund 800 Zombie-Trusts als Untote herumstehen, weil sie von ihren Treuhändern fluchtartig im Stich gelassen wurden und die Besitzer seit fast zwei Jahren nicht mehr an ihr Eigentum kommen: unsicher.

Seriös? In einer absolutistisch regierten Monarchie könnte der Fürscht, bzw. der herrschende Erbprinz Alois, mit einem Federstrich diesen Auswüchsen ein Ende bereiten. Tut er aber nicht, weil die Fürstenbanken LGT und LLB auch davon profitieren. Unseriös.

Und nun noch die Diskretion im Eimer. Es ist passiert, was niemals hätte passieren dürfen. Alle Informationen über die wahren Besitzer von allen 23’000 aktuell existierenden und sogar von 8000 eigentlich aufgelassenen und gelöschten Rechtsträgern befinden sich in unbefugten Händen. Indiskreter geht’s nicht.

Wie war ein solcher Datenklau im Allerheiligsten nur möglich? Da diese Datenbank für jeden Treuhänder und viele Ämter offen zugänglich war, liegt der Verdacht nahe, dass mal wieder an der IT-Sicherheit gespart wurde und nichts verhinderte, dass alle Daten offenbar in der Nacht auf Donnerstag letzter Woche abgegriffen wurden.

Als sich das bis zur Regierung und – viel wichtiger – bis ins fürstliche Schloss durchgesprochen hatte, dürften dort aber die dicken Wände gewackelt haben. Also standen vier Vertreter der Landesführung wie begossene Pudel vor den Medien und lamentierten. Die Regierungschefin hätte sicher am liebsten gesagt:

Meine Name ist Haas, ich weiss von nichts.

Man kann Kunden beklauen, misshandeln, ausnützen, bescheissen, abzocken oder belügen. Aber eines darf man als Finanzplatz wie Liechtenstein nicht: die strikt vertraulichen Kundendaten verlieren.

Wie oft hat in den letzten Jahren ein liechtensteinischer Fürstentreuhänder mit treuem Augenaufschlag auf eine entsprechende Frage geantwortet: Aber nein, niemals. Diese Kunden-CD, die der Fürstenbank LGT abhanden kam, das war einmaliger, unerhörter Vorgang, ausgeführt von einem skrupellosen Dieb innerhalb der Bank.

Seither haben wir viel dazugelernt, und wenn etwas stabil und sicher wie die fürstliche Burg im Ländle ist, dann der Datenschutz, was unsere geschätzten Kunden betrifft.

Den armen dazu abgestellten Fürstenbeamten dürften die Ohren klingen, als sie ihrer Pflicht nachgingen, die Betroffenen vor der Medienkonferenz am Sonntagabend zu informieren.

Nun ist es aber sicher so, dass sie nicht alle erreichten. Also dürften einige Besitzer von Stiftungen oder Trusts die Nachricht aus den Medien erfahren haben.

Nun kommt das Sahnehäubchen. Es ist durchaus denkbar, dass es sich hier um eine Racheaktion von einigen Besitzern der Zombie-Trust handelt, die damit ihr Missfallen über die Untätigkeit des Fürstentums ausdrücken wollen.

Was passiert dann wohl, wenn nun mindestens 21’000 Besitzer, viele sehr, sehr reich, und einige sehe, sehr skrupellos, auf diese unglaubliche Unfähigkeit Liechtensteins reagieren werden?

Da muss man sich dort, trotz Sommerhitze, die grosse Rüstung anziehen. Denn das wird sehr, sehr unangenehm.

4. August 2026/47 Kommentare/von Treuhänder
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