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Schlagwortarchiv für: Ukraine

Dunkelschwarze Wolken über Liechtenstein

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Stiftungen

Der Finanzplatz hat nur Probleme, keine Lösungen.

Liechtenstein gilt seit Jahrzehnten als diskreter, hochspezialisierter Finanzplatz mit globaler Ausstrahlung. Stiftungen, Trusts und massgeschneiderte Vermögensstrukturen haben dem Fürstentum einen Ruf als Aufbewahrungsstätte für Gelder jeglicher Herkunft verschafft.

Doch hinter dieser Erfolgsgeschichte mehren sich Risiken, die sowohl aus dem Inland stammen wie auch aus einem zunehmend komplexen internationalen Umfeld.

Am deutlichsten zeigt sich dies im Umgang mit geopolitischen Spannungen. Die Sanktionen im Zuge des Ukraine-Kriegs haben den Finanzplatz direkt getroffen. Treuhänder sahen sich gezwungen, Mandate niederzulegen, aus Angst, selbst in internationale Sanktionsregime hineingezogen zu werden. Hunderte von Strukturen stehen ohne Betreuung da. Diese Entwicklung offenbart eine zentrale Schwäche: Liechtenstein ist stark von globalen Vermögensströmen abhängig und damit exponiert gegenüber politischen Entscheidungen großer Wirtschaftsmächte, insbesondere der USA. Nicht nur tatsächliche Regelverstöße, sondern bereits das Risiko, ins Visier zu geraten, kann wirtschaftliche Aktivität lähmen.

Hinzu kommt ein strukturelles Reputationsrisiko. Die Branche ist klein – rund 130 lizenzierte Treuhänder tragen einen wesentlichen Teil des Finanzplatzes. In einem solchen Umfeld haben Einzelfälle ein überproportionales Gewicht. Spektakuläre Betrugs- oder Veruntreuungsfälle kommen immer wieder vor und prägen die öffentliche Wahrnehmung nachhaltig.

Da das Geschäftsmodell im Kern auf Vertrauen basiert, kann ein einzelner Skandal den Ruf eines ganzen Standorts beschädigen. Von einer Kette von Skandalen ganz zu schweigen.

Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck kontinuierlich. Liechtenstein hat sich als angeblich sauberer und regelkonformer Finanzplatz positioniert. Doch diese Strategie hat ihren Preis. Die Anforderungen an Compliance, Dokumentation und Sorgfaltspflichten wachsen stetig.

Viele Marktteilnehmer reagieren mit einem vorsorglichen Rückzug aus potenziell riskanten Mandaten – selbst dann, wenn diese rechtlich zulässig wären. Diese sogenannte Overcompliance führt dazu, dass Geschäftsmöglichkeiten verloren gehen und das Geschäftsmodell defensiver wird. So stehen bis zu 800 Zombie-Trusts einsam und verloren herum, während sich die Besitzer ärgern.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt im Kern des Erfolgsmodells selbst. Stiftungen und ähnliche Strukturen stehen international zunehmend unter politischem und regulatorischem Druck. Transparenzregister, strengere Offenlegungspflichten und eine kritischere Haltung gegenüber grenzüberschreitenden Vermögensstrukturen verändern die Rahmenbedingungen grundlegend. Liechtenstein hat sich zwar angepasst, bleibt jedoch stark von genau diesen Konstruktionen abhängig.

Auch personell ist der Finanzplatz verletzlicher, als es die verwalteten Vermögen vermuten lassen. Know-how konzentriert sich auf wenige Spezialisten, während die Anforderungen gleichzeitig steigen. Ein einzelner Treuhänder betreut oft eine Vielzahl komplexer Mandate. Fällt eine Schlüsselperson aus, kann dies unmittelbare Auswirkungen auf zahlreiche Strukturen haben. Der Fachkräftemangel verschärft diese Problematik zusätzlich.

Schliesslich steht Liechtenstein im Wettbewerb mit grösseren und breiter aufgestellten Finanzplätzen wie der Schweiz oder Luxemburg sowie mit aufstrebenden Zentren in Asien und dem Nahen Osten. Dem Fürstentum fehlt die Diversifikation, um externe Schocks abzufedern.

Geopolitik, internationale Regulierung und globale Wahrnehmung bestimmen zunehmend die Spielregeln. Der Finanzplatz ist damit sowohl durch eigene Schwächen gefährdet wie auch durch seine tiefe Einbindung in ein sich wandelndes internationales System.

26. März 2026/16 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-24-um-15.54.57.png 809 1318 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-26 07:12:502026-03-24 16:01:04Dunkelschwarze Wolken über Liechtenstein

Und die ukrainischen Zombie-Trusts?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Stiftungen, Treuhänder

Das Fürstentum und das korrupteste Land Europas.

Gerade wurde der ehemalige ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko bei einem Fluchtversuch verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit anderen Kriminellen über 100 Millionen Dollar abgezweigt zu haben.

Sogar der Leiter des ukrainischen Präsidialamts und engster Vertrauter von Präsident Selinskyj legte sein Amt kürzlich nieder. Ermittler hatten die Räumlichkeiten von Andrij Jermak durchsucht, auch er steht unter Korruptionsverdacht.

Die Ukraine ist der wohl tiefste und grösste Korruptionssumpf, den man sich vorstellen kann. Präsident Selenskyj selbst kam nur mit tatkräftiger Mithilfe des Oligarchen Ihor Kolomojskyj an die Macht. Der nützte sein Geld und seinen Medienkonzern, in dem Selenskyj in seinem vorherigen Leben als Schauspieler und Produzent gearbeitet hatte, um seinen Zögling ins höchste Amt zu hieven.

Selenskyj bedankte sich dafür, indem er eine Amnestie für Kolomojyskyj erliess. Später zeigte er sich aber undankbar und schmiss seinen ehemaligen Förderer in den Knast. Vorwurf: Betrug und Geldwäsche.

So geht es in der Ukraine zu und her. Insgesamt sollen alleine seit Beginn des russischen Überfalls schätzungsweise 300 Milliarden Dollar westlicher Hilfe oder ukrainischer Ressourcen abgezweigt worden sein.

Ein gigantischer Betrag, und der muss ja irgendwie und irgendwo verstaut, versteckt, sicher aufbewahrt werden.

Bekanntlich war und ist Liechtenstein Aufbewahrungsort für russische Gelder. Das ist deren Besitzern allerdings nicht gut bekommen.

Denn nachdem das Fürstentum jahrelang willig und ohne grosse Skrupel die Vermögen von reichen Russen aufbewahrte, verwaltete und sich daran dumm und krumm verdiente, knickte das Ländle unter dem Druck der USA und der EU ein und fror Hunderte solcher Trusts ein. Beziehungsweise ihre Verwalter, die bekannten Treuhänder, suchten eilig das Weite.

Seither stehen diese Vehikel als Untote, als nicht verwaltete Zombie-Trusts blöd rum, während die fürstliche Regierung versucht, das Problem einfach auszusitzen und als einzige Aktion beschlossen hat, dass für diese Zombies die normalen Richtlinien für die Liquidation einer Stiftung oder eines Trusts nicht gelten.

Erstaunlich ruhig ist es allerdings, was das Vorhandensein von ukrainischen Korruptionsgeldern in Liechtenstein betrifft. Der an der Flucht gehinderte Ex-Energieminister hat enge Verbindungen zur Schweiz; dort lebt seine Familie, seine Kinder gehen auf sehr teure Schweizer Privatschulen in der Nähe von Genf.

Dort kostet ein Schulsemester mehr, als ein ukrainischer Minister in drei Jahren verdient. Denn offiziell beträgt das Gehalt des Energieministers rund 3100 $ im Monat. Lange Zeit fiel dieser Widerspruch niemandem auf, bis der Minister offensichtlich in Ungnade fiel – oder als Sündenbock hinhalten musste.

Es ist also auf der Hand liegend, dass Haluschtschenko auch Liechtenstein benützt hat, um sein Korruptionsgeld sicher aufzubewahren. So wie viele andere ukrainische Politiker, Oligarchen und Kriegsgewinnler. Die brauchen sowieso Geldverstecke im Ausland, wenn ihre Familienmitglieder sich dem Militärdienst durch Flucht ins Ausland entziehen. Wenn das mit dem Schmieren in der Ukraine nicht geklappt hat.

Allerdings gibt es keine vergleichbaren Druckversuche wie bei Russengeldern.

Also ärgern sich die Treuhänder, die Vermögen von reichen Russen verwaltet haben. Sie kassieren zwar weiterhin, aber einige Kollegen wanderten bereits auf die sozial tödliche Sanktionsliste der US-Behörde Ofac.

Während ihre Kollegen, die genauso zweifelhafte ukrainische Vermögen verwalten, überlegen auf sie herablächeln.

Dabei gibt es den Begriff PEP, Politically Exposed Person. Das sind Personen, die ein öffentliches Amt ausüben oder ausgeübt haben und bei denen ein erhöhtes Korruption- und Geldwäscherisiko vermutet wird. Bei ihnen wäre eigentlich eine Enhanced Due Diligence, eine erhöhte Sorgfaltspflicht, vorgeschrieben.

Aber doch nicht beim westlichen Verbündeten Ukraine, freuen sich die Liechtensteiner Treuhänder. Bis auch hier der Blitz einschlägt; spätestens, wenn in der Ukraine der Kampf gegen die Korruption so intensiv aufgenommen wird wie der Kampf gegen die russischen Invasoren.

Dann wird es blitzartig noch viel, viel mehr Zombie-Trusts geben. Nur in Blaugelb diesmal.

19. Februar 2026/27 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-18-um-15.16.31.png 599 921 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-02-19 07:03:022026-02-18 16:07:09Und die ukrainischen Zombie-Trusts?

From Russia, with love

Allgemein, Fürstentum Liechtenstein, Untreuhänder

In der Räuberhöhle Liechtenstein ist alles möglich.

Wenn man Fürscht, putzig, Ländle, bieder und jö beiseite wischt, bleibt als Kern im Finanzbereich des Fürstentums nur eins: Geldgier. Reine, nackte Geldgier.

Denn die grösste Rolls-Royce-Sammlung der Welt, Multimillionen kann man sich als seriöser Treuhänder niemals zusammenraffen, wenn man nicht skrupellos ist und dem Prinzip anhängt: bringt’s mich nicht in den Knast, mache ich’s.

Nachdem das Geschäftsmodell Schwarzgeldbunker in die Luft geflogen war, warfen sich viele Untreuhänder auf eine neue Klientel: reiche Russen.

Die hatten sich ihr Vermögen in den wilden Zeiten des Umbruchs in der Ex-Sowjetunion zusammengerafft und waren sich sicher, dass sie es in Sicherheit bringen mussten, bevor das russische Regime unter Putin es ihnen wegnehmen würde.

Malta, Zypern, kleine Inseln im Meer – und Liechtenstein. Da wehte dann plötzlich ein anderer Wind im Ländle, und was vorher unvorstellbar war, fasste das Vaterland in trockene Worte:

«Verbindungen von Treuhänder zu russischen Geheimdiensten: Es sei wichtig, «das Missbrauchspotenzial der auf dem Finanzplatz angebotenen Dienstleistungen anzuerkennen», so das Finanzministerium.»

Denn es ging und geht nicht nur um das ertragreiche Lagern von Russengeldern in Liechtenstein. Sondern es gibt ja noch mehr Möglichkeiten, auf diesem Gebiet Geld zu verdienen. Wenn man keine Skrupel kennt und sich eigentlich sicher ist, dass einem von der fürstlichen Justiz keinerlei Gefahr droht.

Das ist so, aber dann gibt es auch noch die Amis mit ihrer Sanktionsbehörde Ofac. Wer auf deren Liste kommt, hat gesellschaftlichen Selbstmord begangen.

«Missbrauchspotenzial anerkennen», meinte die fürstliche Regierung. Unfreiwillig saukomisch.

So schrieb das Vaterland vor zwei Jahren:

«Die Vorwürfe, die das US-Finanzministerium vor vier Wochen erhob, haben es in sich: Ein Vaduzer Treuhandbüro soll Teil eines Netzwerks gewesen sein, mit dem sich russische Geheimdienste Halbleiter- und Nanotechnologie-Equipment beschafften. Und aufgrund dieser mutmasslichen Geheimdienst-Verbindungen setzte die OFAC – die amerikanische Sanktionsbehörde – das Treuhandbüro sowie dessen mittlerweile zurückgetretenen Direktor am 19. Mai auf die Sanktionsliste.»

Hoppla.

Dann erfolgte das übliche Liechtensteinern. Natürlich seien die Vorwürfe völlig unbegründet, behauptete das Treuhandbüro. Wir sagen nix, sagte die Treuhandkammer. Einzelfall, bedauerlicher Einzelfall, sagte die Regierung.

Allerdings: «Neben der Reaktion von Regierung und Behörden stellt sich aber auch die Frage, wie die Treuhandbranche mit diesem Fall umgeht. Immerhin ist es bereits das zweite Mal, dass ein Treuhandbüro und dessen Geschäftsführer im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg von den USA sanktioniert wird», fügte das Vaterland mutig hinzu.

Also gut, dann halt kein Einzelfall, sondern zwei Einzelfälle.

Wobei dieser Skandal bereits vor zwei Jahren aufpoppte. Haben die Treuhänder damals was draus gelernt?

Wegen der Vorwürfe und der internationalen Sanktionen gegen russische Oligarchen und vermutete Russland-Netzwerke gerät die Treuhandbranche in Liechtenstein zunehmend unter Druck. Viele Treuhänder haben Geschäftsbeziehungen mit russisch-vermuteten Klienten beendet.

Das fand aber erst ab Spätherbst 2024 statt, also mehr als ein Jahr später. Obwohl es längst absehbar war, dass die USA immer allergischer auf Versuche reagierten, ihre Embargopolitik gegenüber Russland zu unterlaufen und die Gelder von sanktionierten russischen Oligarchen aufzubewahren.

Aber da siegte in Liechtenstein wieder mal die Geldgier und übersteuerte alle Vorsicht. Bis es dann urplötzlich zu einem Massenexodus von Treuhändern aus Trust-Konstruktionen kam.

Was dann international Schlagzeilen machte, Stichwort Zombie-Trusts.

Mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Dieses Lied singen die Treuhänder sogar noch, wenn sie am Untergehen sind. Denn dermassen viele Schläge, eine solche Abfolge von reputationsverlust und Imageschaden, das wird der Finanzplatz Liechtenstein als angeblich sicherer Ort für das Aufbewahren grosser Vermögen – Herkunft egal – nicht überleben.

Eigentlich ist auch er selbst ein Zombie. Nur hat er es noch nicht gemerkt.

2. Dezember 2025/30 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/12/Bildschirmfoto-2025-12-01-um-18.39.28.png 1116 1598 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-12-02 07:11:562025-12-01 18:40:43From Russia, with love

Wohin fliessen Korruptionsgelder?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Untreuhänder

Bestechung, Erpressung, Vorteilsnahme. Business as usual in der Ukraine.

Gerade erschüttert ein weiterer Korruptionsskandal die Ukraine. Das ist weiter nichts Besonderes, sondern ein ständiger Begleiter des dortigen Wirtschaftslebens.

Schliesslich gilt die Ukraine als das korrupteste Land Europas, und diesen Ruf hat sich das Land unredlich erarbeitet.

Nicht zum ersten Mal reicht dieser Skandal bis in die engste Umgebung des ukrainischen Präsidenten Selenskjy. Der offensichtlich nur verbal dagegen vorgeht, während sein Herrschaftssystem darauf aufgebaut ist.

Die Behörden zur Korruptionsbekämpfung verzeichnen jährlich bis zu 11’000 Straftaten. Natürlich nur solche, die aufgedeckt werden.

Dabei geht es um erkleckliche Summen. Zum Beispiel um 40 Millionen US-Dollar bei der Beschaffung von Mörsergranaten. 17 Millionen bei Lebensmittelverträgen für die Truppen. Rund 100 Millionen im Energiesektor. Alleine im Verteidigungsministerium wurden Schäden durch Korruption in der Höhe von über 250 Millionen Dollar aufgelistet – in einem einzigen Jahr.

Bei Korruption geht es immer um Geld. Um Geld, das abgezweigt, veruntreut wird. Ist das Verbrechen geschehen, hat der Verbrecher allerdings noch ein Problem: wohin mit dem Korruptionsgewinn?

Das Geld im korrupten Land selbst aufzubewahren – das wäre keine gute Idee. Bei grösseren Beträgen handelt es sich auch nicht um Cash, sondern um elektronische Geldbewegungen, und nicht einmal in der Ukraine ist es so einfach, sich eine Million, von zehn Millionen ganz zu schweigen, auszahlen zu lassen. Und erst noch in Dollar.

Also muss ein sicherer Hafen gefunden werden, ein Finanzplatz, der nicht allzu weit weg ist und sich zudem wie einige Inseln im Meer nicht der besonderen Aufmerksamkeit der USA erfreut. Wo Diskretion immer noch hochgehalten wird. Wo die wichtigsten Banken einem absolutistisch herrschenden Fürsten gehören.

Genau, da bietet sich Liechtenstein an.

Nur: wie viele ukrainische Gelder hier verstaut sind, entzieht sich jeder direkten Kenntnis. Denn:

  • Liechtenstein führt keine öffentliche Statistik nach Nationalität der Vermögensinhaber.

  • Trust- und Stiftungsstrukturen machen Herkunft/Beneficial Owner oft nicht öffentlich sichtbar.

Ausser, es käme mal zu Beschlagnahme oder der Einleitung von Strafverfahren. Bei ukrainischen Geldern? Oh ja, da gibt es einen Fall. Einen einzigen. Aus dem Jahr 2014, da wurden 27 Millionen des abgesägten Herrschers Yanukovych eingefroren.

Und sonst? Nichts. Null. Nada.

Also kann man sich einer Zahl nur auf Umwegen nähern. Der Fall von 800 Zombie-Trusts, voll mit Russengeldern, ergab eine Gesamtsumme von rund 20 Milliarden Dollar.

Hierbei ist zu bedenken, dass das Verstauen von russischen Geldern seit der Okkupation der Krim und vor allem seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine ziemlich schwierig geworden ist. Liechtenstein gehörte zu den letzten Finanzplätzen, die solche Vermögenswerte mit offenen Armen empfangen haben.

Aber die Annahme von ukrainischen Geldern, schliesslich ein Verbündeter des Westens, das ist eine ganz andere Nummer. Die läuft weiterhin nach dem Prinzip: na und?

Da gewinnt immer noch die Geldgier. Denn bei der Verstauung, Verwaltung und Verschleierung von grösseren Summen verdienen sich alle Beteiligten eine goldene Nase. Weil sie wissen, dass der Besitzer keinerlei Möglichkeiten hat, sich juristisch gegen Abzocke zu wehren.

Denn dann würde er sich ja outen. Abgesehen davon, dass er weiss, dass er vor der fürstlichen Unrechtssprechung keine Chance hätte.

Noch viel weniger geht ein Gang an die Öffentlichkeit. Wie sähe das denn aus: ich habe durch Korruption zehn Millionen Dollar verdient, die nach Liechtenstein transferiert, und jetzt werden mir immer grössere Scheiben davon abgeschnitten?

Geht auch schlecht …

25. November 2025/50 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/11/Bildschirmfoto-2025-11-24-um-18.26.09.png 583 925 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-11-25 06:56:212025-11-24 18:27:56Wohin fliessen Korruptionsgelder?

Wieso immer Liechtenstein?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

In der Eigenwerbung ist das Ländle blitzsauber. Aber in Wirklichkeit …

Früher war es so, dass in jedem James-Bond-Film unbedingt ein Schweizer Banker vorkommen musste. Der war dann servil-schmierig, bot Hand zu allerlei schmutzigen Geschäften – und kümmert sich amoralisch lediglich um die korrekte Verbuchung aus üblen Geschäften entstandener Gelder.

Wenn James Bond mit der Zeit geht, müsste es inzwischen aber ein Liechtensteiner Banker sein, die neue Ausgabe des Gnoms. Denn merkwürdigerweise poppt der Name Liechtenstein (fast) überall auf, wenn es um lusche Geschäfte, um zweifelhafte Transaktionen, um Verstösse gegen Gesetz und Ordnung, gegen Sanktionen, gegen Anstand und gesunden Menschenverstand geht.

Da wäre zum Beispiel der Fall René Benko. Der ehemalige Wunderwuzzi frönt offensichtlich trotz der Totalpleite seiner Unternehmungen mit Mulitmillionenschäden für alle Investoren weiterhin seinem mondänen Lebensstil. Ermöglicht wird das, indem eine vorsorgliche eingerichtete Liechtensteiner Stiftung, mit der Benko natürlich überhaupt nichts zu tun hat, alles finanziert.

Früher war das etwas anders. Wie die Kronen Zeitung herausgefunden hat, war und ist Benko ein begeisterter Jägersmann, der natürlich auch solche Jagden irgendwo in Europa zum Networking, zum Verfeinern seines Beziehungsnetzes verwendete. Das ging dann so:

«In der Hochzeit seiner mittlerweile finanzmaroden Signa-Gruppe setzte der Finanzjongleur ganz gezielt auf Jagdeinladungen, um sein Netzwerk zu erweitern. Die Signa Holding unterhielt Jagden im Burgenland und in Tirol, der Jagdbetrieb wurde Anfang Dezember 2023 eingestellt.

Benko war über Jahre fixer Bestandteil einer elitären Jagdrunde, die es regelmäßig nach Ungarn, Tschechien oder in die rumänischen Karpaten zog. Man reiste standesgemäß im Privatjet und absolvierte die letzten Meter mitunter im Helikopter, um auch wildere Tiere wie etwa Bären vor die Flinten zu bekommen. Organisiert wurden diese Runden von einem Liechtensteiner Unternehmer.

Währenddessen expandiert die Fürstenbank LGT fröhlich ins Ausland und kaufte gerade von der Commonwealth Bank of Australia, der grössten Bank des Landes, das Private-Advice-Geschäft mit sehr vermögenden Kunden ab. Da ist zu hoffen, dass die LGT inzwischen stark in ihre IT-Sicherheit investiert hat. Denn schliesslich war es ein ehemaliger Mitarbeiter der Fürstenbank, der zeigte, wie man kinderleicht Kundendaten kopieren und an den deutschen Fiskus verkaufen kann. Der Anfang der deutschen Steueraffäre und das Ende des Stiftungsmodells Schwarzgeldbunker.

Typisch Liechtenstein ist auch das: einerseits lagern im Ländle Multimillionen russischer Oligarchen. Bei deren verwaltung haben sich schon einige geldgierige Treuhänder die Finger verbrannt und sind selbst auf die US-Sanktionsliste der Ofac geraten. Andererseits lagern im Ländle auch Multimillionen ukrainischer Oligarchen, die die dort in Sicherheit gebracht haben.

Aber: Fast alle Abgeordneten im Liechtensteiner Parlament haben sich für den Verpflichtungskredit in der Höhe von 8,8 Millionen Franken zum Wiederaufbau der Ukraine ausgesprochen. Das ist nett von den Parlamentariern, aber nicht ganz uneigennützig, denn das Vaterland berichtet, dass diverse Parlamentarier darauf bestanden, «dass das Geld in liechtensteinische Projekte investiert werden, mit denen der Ukraine geholfen werden kann, weshalb sie Kooperationen mit einheimischen Unternehmen vorschlugen».

Also wahre Hilfe als Selbsthilfe.

Die meisten Flecken auf der nicht mehr so weissen Weste des Ländles hinterlassen aber ohne Zweifel die Treuhänder. Obwohl nur knapp 140 an der Zahl, sorgen sie inzwischen dafür. dass sogar Schweizer Banken und Vermögensverwalter auf Distanz zu Liechtenstein gehen. Viele Schweizer Banken lassen mehr oder minder offen wissen, dass sie keine «Stiftungslösungen» in Liechtenstein mehr anbieten.

Hinter vorgehaltener Hand wird herumgebogen, dass die ewige Liechtensteiner Behauptung bei jedem neuen Skandal, dass es sich dabei nur um bedauerliche Einzelfälle handle, schlichtweg gelogen sei. Methoden wie Dekantieren, das Herauskübeln von Stiftungsräten aus der eigenen Stiftung, das sei inzwischen systemisch geworden.

Daher gehen Schweizer Banker und Vermögensverwalter sogar noch einen Schritt weiter und empfehlen ihren Kunden, allenfalls in Liechtenstein existierende Stiftungen aufzulösen und das Geld anderswo in Sicherheit zu bringen.

Dafür reicht eigentlich schon ein Schuhkarton; abgesehen von Brand oder Einbruch kann dort dem Geld nichts passieren. Ganz im Gegensatz zu Liechtenstein, wo ein übergriffiger Treuhänder gerne mal ins Stiftungsvermögen greift.

Er weiss sich dabei auch relativ sicher und geschützt, denn die fürstliche Justiz lässt sich in solchen Fällen nicht mal zum Jagen tragen. Kein ausreichender Anfangsverdacht, Strafanzeige abgeschmettert.

Im nächsten James-Bond-Film wäre es doch mal eine putzige Wendung, wenn der Oberschurke nach Liechtenstein fährt, um sich dort um sein gebunkertes Geld zu kümmern. Worauf ihm sein Liechtensteiner Treuhänder mit treudoofem Augenaufschlag mitteilt, dass es da nichts mehr zu kümmern gäbe: das Geld sei weg.

Was dann allerdings den Schurken zu eher drastischen Massnahmen greifen lässt. Aber das wäre ja nur im Film.

2. Dezember 2024/11 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/12/Bildschirmfoto-2024-12-01-um-17.46.25.png 407 691 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-12-02 07:32:182024-12-01 17:52:51Wieso immer Liechtenstein?

Russengelder im Ländle

Allgemein

Keinen Fettnapf auslassen, wenn’s was zu verdienen gibt.

Das ist die Devise der Treuhänderkaste in Liechtenstein. Am besten praktiziert von den Untreuhändern. Schon seit der Annexion der Krim durch Russland war eigentlich klar, dass Finanzhäuser mit der Aufbewahrung von Geldern reicher Russen Probleme mit den USA kriegen könnten.

Pah, sagten da viele Liechtensteiner Treuhänder, auch an russischen Vermögen lässt sich schliesslich gutes Geld verdienen. Dann kam die Invasion  Russlands der Ukraine, und die USA (sowie die EU) begannen mit ihrem Sanktionsregime. Pah, sagten immer noch genügend Treuhänder, «no risk, no fun». Jetzt kann man ja an der Verwaltung von Russengeldern richtig Geld verdienen.

Dann fuhr der US-Blitz mal wieder ein. Wir sprechen hier wohlgemerkt nur von einzelnen schwarzen Schafen, und die sind halt schwarz, weil so ein Blitzschlag schon etwas die Oberfläche ankokelt.

Da gab es bis vor Kurzem die Audax Consulting Trust Establishment, LMG Lighthouse Trust Reg und die One Asset Management AG. Die üblichen Fantasienamen Liechtensteiner Geldmachfirmen. Mit den drei Unternehmen sind die Treuhänder Anton Wyss und Alexander Lins verbunden. Die wurden – natürlich sowohl überraschend wie unschuldig – vom US-Finanzministerium sanktioniert.

Und schwups, schon sind die zur Tätigkeit nötigen Bewilligungen der fürstlichen Finanzmarktaufsicht FMA erloschen. Und die Treuhänderbewilligung von Wyss sowie die «kleine Treuhänderbewilligung» von Lins sind ebenfalls weg. Alles im Übrigen völlig freiwillig.

Aber, blöd, damit verfügen die drei Firmen und die beiden Betroffenen können nun keine Finanzdienstleistungen für andere und damit in erster Linie für sich selbst erbringen. Zuvor waren das selbstverständlich ausschliesslich legale Geschäfte.

Wieso das US-Finanzministerium auf die Idee kommen konnte, hier sei Beihilfe zum Umgehen von Sanktionen geleistet worden, wird von den betroffenen vehement abgestritten. Mit dem für Liechtensteiner Treuhändern artentypischen treuehrlichen Augenaufschlag behaupten die beiden, dass sie sich bei den Kundenbeziehungen an alle gesetzlichen Vorschriften gehalten und höchste Sorgfaltsstandards an­gewendet hätten.

Ein bissl blöd ist schon, dass Anton Wyss auch noch bis Juni Vizepräsident der liechtensteinischen Treuhandkammer war. Also des hochwohllöblichen Vereins, der diesen Blog von einem sackteuren Zürcher Medienanwalt einklagen liess. Es ginge da um Ehrverletzung, Beschimpfung, Beleidigung, halt alles, was Ehrenmänner wie Wyss natürlich nicht auf sich sitzen lassen können.

«Einen Zusammenhang zwischen unseren Tätigkeiten und den aktuellen schrecklichen Ereignissen in der Ukraine zu konstruieren, ist irreführend», meinte Wyss in seiner Stellungnahme. Denn unschuldig ist schliesslich unschuldig, nicht wahr.

Ist ja auch eine Frechheit.

Aber Liechtensteiner Treuhänder neigen immer etwas zu Übertreibungen. So behaupten die beiden Schlingel in ihrer Stellungnahme, sie würden sich nun eilig mit den amerikanischen Behörden in Verbindung setzen, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Bekanntlich ist das US-Finanzministerium immer gerne bereit, auf Wunsch solche Sanktionen sofort zurückzunehmen.

Am besten mit einer Einladung zur Inauguration des neuen US-Präsidenten verbunden, und «so sorry about that». Man muss schon sagen, die Chuzpe und Unverfrorenheit Liechtensteiner Treuhänder übertrifft so schnell keiner. Sie sind halt durch ihre eigene Justiz etwas verwöhnt. Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein fürstliches Gericht einen Liechtensteiner Treuhänder sanktionieren würde.

Nun ist aber Wyss ab 20. September gleich reihenweise von VR-Mandaten zurückgetreten. Artique Business Establishment, Bullys Establishment, CPT Holding, Casa Mia Properties, R.H. Capital AG, Regatta Holding, Snowdrop Capital, selbst die Foundation Light for Children muss nun ohne ihn auskommen. Insgesamt 20 VR-Mandate futsch. Aber sobald seine Unschuld erwiesen ist …

23. September 2024/17 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-03-um-15.30.09.png 804 995 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-09-23 17:35:042024-09-24 17:29:11Russengelder im Ländle

Kleines Liechtenstein ganz gross

Allgemein

Eigentlich bestimmt scheint’s der Fürst die Aussenpolitik. Oder so.

Es ist eines der vielen Privilegien des Fürstenhauses, nicht nur zeremoniell, sondern auch inhaltlich die Aussenpolitik des Zwergstaats zu bestimmen. Da wäre nun der herrschende Erprinz Alois gefordert. Der überlässt solche Sachen aber lieber seinen Untertanen.

So ist Regierungschef Daniel Risch schwer auf Achse. Gerade war er in Berlin, wovon die Weltmedien umfangreich Kenntnis nahmen. Oder auch nicht. Auf jeden Fall traf er sich am Dienstag mit der Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd.

Dass die Frau kurz vor der Bürgenstock-Konferenz noch Zeit für sowas hat, erstaunlich. Auf jeden Fall liess das «Ministerium für Präsidiales und Finanzen» verlauten, dass es bei diesem Gipfeltreffen von zwei Schwergewichten der Politik um Gewichtiges ging.

«Themen waren die Sicherheitslage in Europa, der Stand der Vorbereitungen des Ukraine-Friedensgipfels auf dem Bürgenstock und die aktuellen Herausforderungen sowie die gute Zusammenarbeit der beiden Länder im Bereich der Cyber-Sicherheit.»

Aber nicht nur das, es ging den ganzen Tag weiter. «Am Abend begrüssten Regierungschef Daniel Risch und Regierungsrätin Graziella Marok-Wachter an der Liechtensteinischen Botschaft Bern Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie hochrangige Vertreterinnen und Vertretern aus der Bundesverwaltung zum traditionellen Empfang.»

War das schon alles? Aber nein: «Zudem nutzten die beiden Regierungsmitglieder den Nachmittag um sich im Swiss Bike Park mit Thomas Binggeli, Gründer der Fahrradmarken Thömus, Stromer und Twinner, über die Trends und Zukunftsthemen im Bereich Mobilität zu unterhalten.»

Damit dürften alle Mobilitätsproblemen in Liechtenstein gelöst sein. Aber auch das «Ministerium für Äusseres, Bildung und Sport» hat etwas zu vermelden. Wieso es zum Velogipfel in der Schweiz nicht eingeladen wurde? Nein, Liechtenstein nahm «auch an der dritten Konferenz für den Wiederaufbau der Ukraine in Berlin» teil.

Angesichts von 2000 angereisten Gästen dürfte aber der Appell von Regierungsrätin Dominique Hasler eher ungehört verhallt sein: «Dabei betonte Liechtenstein, dass es den Beitrag aller verbündeten Staaten braucht, um die Unterstützung der Ukraine weiter zu verstärken.»

Und was tut denn das reiche Ländle, um seinen Beitrag zu leisten? Nun, die Weltöffentlichkeit hielt den Atem an, als Folgendes bekannt wurde: «Zudem informierte Regierungsrätin Hasler, dass Liechtenstein derzeit eine Vorlage zur Beteiligung des Landes am Wiederaufbau erarbeitet.» Das nennt man rasches Handeln, angesichts der Dauer des dortigen Krieges.

Ist das alles? Keinesfalls: «Bereits bisher unterstützte Liechtenstein Hilfsprojekte in der Ukraine mit rund 4 Millionen Schweizer Franken.»

Vier Millionen Franken. Hm, bei einem geschätzten Vermögen des Fürstenhauses von konservativen 10 Milliarden Franken (wobei Schlösser und Kunstsammlungen sehr schwer zu bewerten sind, ausser, dass es sich um immense Summen handelt), also bei 10 Milliarden Franken sind 4 Millionen, Moment, 0,04 Prozent.

Bei geschätzten Wiederaufbaukosten von mindestens 500 Milliarden Dollar für die Ukraine wären diese 4 Millionen dann, da muss das Komma aber weit nach links rutschen, 0,0008 Prozent, oder gerundet 0,00 Prozent.

Da kann man nur sagen: Wenn es nicht ums eigene Portemonnaie geht, ist die Hilfsbereitschaft Liechtensteins eher überschaubar. Sehr überschaubar. Nur unter der Lupe erkennbar.

12. Juni 2024/13 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/Bildschirmfoto-2024-06-12-um-16.26.41.png 647 970 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-06-12 16:32:582024-09-17 11:53:12Kleines Liechtenstein ganz gross

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