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Schlagwortarchiv für: UBS

Das Ende des Finanzplatzes

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Wie immer bei grossen Katastrophen: zuerst will’s keiner wahrhaben.

Vor knapp 20 Jahren musste Liechtenstein das Geschäftsmodell Stiftungen und Trusts als Schwarzgeldbunker aufgeben. Das tat weh. Der Erfinder und Profiteur Herbert Batliner machte einen unrühmlichen Abgang, die Anzahl dieser Konstrukte schnurrte gewaltig zusammen.

Der Finanzplatz und seine 130 Treuhänder haben’s überlebt. Mehr schlecht als recht, die Skandale um ungetreue Treuhänder reissen nicht ab. Ihnen passiert nichts, die fürstliche Justiz hält ihre schützende Hand über sie. Aber Reputation und Image nehmen Schaden. Doch es gilt weiterhin:

Ich bin Liechtensteiner, mir kann keiner.

Galt.

Inzwischen ist mehr als eine Woche seit dem grössten Datenklau in der Geschichte Liechtensteins vergangen. Nicht irgend etwas wurde gestohlen. Sondern die Kronjuwelen, das Herz des Finanzplatzes. Die vollständige Liste der wirtschaftlich berechtigten Personen an all den Stiftungen und Trusts und sonstigen Finanzvehikeln.

Die Behörden tun das, was sie immer tun. Was sie auch bei den 800 Zombie-Trusts tun. Betriebsamkeit vortäuschen und die Füsse still halten. In der Hoffnung: es geht vorbei.

Wird es aber nicht. Denn die Lage ist völlig klar. Der Finanzplatz Liechtenstein macht nichts besser als andere, aber vieles schlechter. Vermögensverwaltung: mittelmässig bis lausig, was die Performance betrifft. Servicefreundlichkeit: geht so, solange der Kunde nicht unangenehme Fragen über Kick-backs oder Retrozessionen stellt. Plus unverschämte Honorare und andere Bereicherungsmethoden der Treuhänder, die aus viel weniger Stiftungen immer noch das gleiche Einkommen wie in den golden Zeiten herausmelken wollen.

Das alles sind keine Gründe, wieso mehr als 500 Milliarden Vermögen in Liechtenstein gelagert oder verwaltet wird. Der einzige Grund dafür ist: Diskretion. Das Versprechen, dass der wirtschaftlich Berechtigte, der beneficial owner, nur im alleräussersten Notfall und nach zäher Gegenwehr geoutet wird. Aber im Normalfall niemals. Grosses Fürstenehrenwort, da können Sie dem Monarchen vertrauen.

Vertrauen ist sowieso das Fundament jedes Geldgeschäfts. Wer sein Vermögen fremden Händen überlässt, einem Treuhänder, einer Bank, muss vertrauen können, dass die diese Gelder oder Wertgegenstände sorglich, sorgfältig, treuhänderisch und vor allem diskret behandeln.

Vertrauen. Alles andere ist Geschwurbel, Schönsprech, PR-Geklimper.

Aber wem sämtliche 31’000 Datensätze über die wirklichen Eigentümer oder Nutzniesser aller Rechtsgefässe im Ländle abhanden kommen, der verliert alles Vertrauen. Schlagartig.

Das Ereignis macht alle Beteiligten und Betroffenen zunächst sprachlos, fassungslos. Weil es so unfassbar ist. Kundenverrat, mit dem sich die UBS im Steuerstreit mit den USA rettete, unschön. Aber damals hatte die UBS weltweit wohl über 15 Millionen Kunden; die Daten von rund 4000 Personen wurden an den US-Fiskus ausgeliefert. Das sind 0,03 Prozent.

In Liechtenstein kamen die Daten von 100 Prozent aller Kunden abhanden. 100 Prozent. Schlimmer geht es nicht.

Nach dem ersten Schreckmoment kommt die bittere Erkenntnis: das war’s. Das läutet das Ende des Finanzplatzes Liechtenstein ein. Denn ohne Vertrauen in die Diskretion gibt es keinen einzigen Grund, wieso jemand dort sein Vermögen verwalten lassen sollte.

Ländle und Fürst und Folklore und Tralala und die Burg und das Volksfest am 15. August, und die Berge und die putzigen Liechtensteiner? Na und? Das alles ist nicht mal ein besonders attraktives touristisches Ziel.

Aber weiterhin in der Limousine mit abgedunkelten Scheiben in die Tiefgarage der Bank oder des Treuhänders fahren, um dann sein dort gelagertes Geld zu streicheln? Und sich darüber freuen, dass das niemand weiss?

Vorbei, verweht, nie wieder.

Es ist der GAU. Ob die gestohlenen Daten an die Öffentlichkeit gelangen oder nicht. Ob sie für Erpressungen verwendet werden oder nicht. Ob sie mysteriös verschollen bleiben oder nicht. Ob sie vom Fürsten oder vom Staat zurückgekauft werden oder nicht: das Vertrauen ist ebenfalls gestohlen worden.

Und kehrt nie mehr zurück.

7. August 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-13.01.14.png 566 1192 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-07 07:00:102026-08-06 22:40:08Das Ende des Finanzplatzes

Ein ehrenwerter Liechtensteiner Banker

Allgemein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Was nur im Ländle möglich ist: die durchwachsene Karriere von Stephan Häberle.

Ihn hat es immer wieder aus der Kurve getragen. Häberle war fast überall. Bank Leu, UBS, Mitglied der Generaldirektion der LGT, dann knapp drei Jahre CEO bei der Centrum Bank in Liechtenstein. Etwas mehr als zwei Jahre CEO bei der MediBank AG. Dann CEO bei der Valartis Group, zwei Jahre.

Dann 2 Jahre und acht Monate CEO der Bank Alpinum AG, der Sherkati-Bank, die nach gröberen Problemen mit der Compliance notverkauft wurde, umfirmiert und schliesslich die Bücher deponierte.

Schliesslich Mitglied der Geschäftsleitung der MBaer Merchant Bank AG (3 Jahre 10 Monate bis 2024), die vor Kurzem von der Finma den Stecker gezogen bekam. Sie hatte Gelder aus dubiosen Quellen, vor allem aus dem Osten, angenommen, als ob es keine Geldwäschereigesetze gäbe.

Ein Stehaufmännchen. Inzwischen ist er auch schon mal als strategischer Berater bei der Privatbank Kaleidoskop.

«Inside Paradeplatz» bezeichnete ihn auch schon als den «Zwei-Jahres-CEO», weil viel länger dauerte seine Anstellung meistens nicht.

Wie ist es nur möglich, dass so ein Liechtenstein-Banker immer wieder nicht nur auf die Füsse fällt, sondern nach jedem Abgang wieder in einem Chefsessel landet?

Die Erklärung ist einfach, wenn man Liechtenstein versteht. Denn hier gilt im Banking: wenn es mich nicht in den Knast bringt, mach ich’s.

Dieses Prinzip ist eigentlich universell gültig, also auch in der Schweiz, in Deutschland oder in den USA.

Aber die Besonderheit des Finanzplatzes Liechtenstein ist: die Chance, im Knast zu enden, ist verschwindend gering.

Man denke nur an das Schicksal des Treuhänders Mario Staggl. Der half in seinen besseren Zeiten nicht nur Steuerhinterziehern wie Igor Olenicof, in komplexen Trust-Konstruktionen einen Notgroschen zu verstecken. Blöd allerdings, dass dessen UBS-Banker Bradley Birkenfeld auf seinen Arbeitgeber sauer wurde und beschloss, als Whistleblower die Fronten zu wechseln.

Damit leitete er den Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses ein und sorgte bei der UBS für eine Riesenbusse von 780 Millionen Dollar. Für Birkenfeld lohnte es sich gewaltig. Er kassierte über 100 Millionen Dollar Finderlohn vom US-Justizministerium. Da er allerdings nicht völlig ausgepackt hatte, was Grundlage für den Deal war, musste Birkenfeld eine Weile in den Knast. Konnte er aber verschmerzen.

Für Staggl ging’s bei dieser Gelegenheit ohne Knast ab. Er figurierte zwar auf der Most-Wanted-Liste des FBI, konnte sich aber einfach unter dem fürstlichen Schutzschirm in Liechtenstein verstecken.

Dadurch übermütig geworden, eröffnete er die Bar Esquire, wo sich alles, was Rang und Namen in der Finanzwelt Liechtenstein hatte, ein Stelldichein gab. Und er führte die beiden Treuhandgesellschaften Salamander Trust und New Haven Trust. Die dazugehörenden Konti verwaltete die Neue Bank in Vaduz.

Dass die nebenbei Auszahlungen mit zweifelhafter Begründung und mit der Unterschrift des längst verstorbenen Kompagnons von Staggl versehen, ausführte, nun ja, es ist halt Liechtenstein.

Dass sich Staggl kräftig an ihm anvertrauten Geldern vergriff, auch das ist Liechtenstein.

Dass damals der Anwalt der Bank, der frühere Regierungschef Mario Frick, gleichzeitig Verwaltungsrat in Staggls Familienstiftung war, in der Staggl sein Geld in Sicherheit gebracht hatte – Liechtenstein.

Dass der VR der Bank, der frühere Aussenminister Ernst Walch, gleichzeitig der Verteidiger von Staggl war – Liechtenstein.

Dass Staggl nach der Birkenfeld-Affäre und als von den USA gesuchter Verbrecher immer noch als Treuhänder amtieren durfte – Liechtenstein.

Dass Staggl einen Schaden von rund 30 Millionen Franken bei seinen Kunden anrichtete – Liechtenstein.

Dass am Schluss ein Prozess gegen ihn geführt wurde, das war dann nicht mehr Liechtenstein, sondern die Ausnahme. Ebenso, dass Staggl nicht mal ein Attest rettete, dass er wegen einer schweren Jugend eine narzisstische Persönlichkeitsstörung habe, sondern dass er 2019 zu sechs Jahren Knast verurteilt wurde – auch das war eher ungewöhnlich in Liechtenstein.

Angesichts solcher Zustände ist die wechselhafte Karriere von Häberle. nun wirklich in jeder Beziehung völlig normal – in Liechtenstein.

 

 

 

12. März 2026/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-10-um-16.32.27.png 859 1273 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-12 07:02:082026-03-10 16:39:35Ein ehrenwerter Liechtensteiner Banker

Maduro und die Liechtensteiner

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Untreuhänder

Wegducken, aussitzen, unschuldig tun. Das funktioniert aber nicht mehr.

Der Fall der Zombie-Trusts von reichen Russen reicht den halsstarrigen liechtensteinischen Treuhändern, ihren Bankgesellen, der Justiz und der Regierung offenbar nicht. Und dem Fürstenhaus ist’s wie immer egal, solange Geld verdient werden kann.

Erst zwei Jahre nach Beginn des Ukrainekriegs begannen Liechtensteiner Untreuhänder, massenhaft aus Trusts zu fliehen, die einen Bezug zu Russland haben. Ob der Besitzer von den USA sanktioniert ist oder völlig legal Besitzer der Vermögenswerte: völlig egal, nix wie weg.

Ohne einen Treuhänder aus dem Ländle läuft bei diesen Trusts nun gar nichts. Und die flüchtigen Untreuhänder, die sich zuvor dumm und krumm an der Verwaltung verdienten, weigern sich standhaft, die Rolle eines Liquidators zu übernehmen. Sie können dazu auch nicht gezwungen werden.

Also ist auch ein Jahr danach weiterhin alles unklar. Rund 800 Zombie-Trusts hängen in der Luft, sind handlungsunfähig, die in ihnen lagernden Vermögenswerte verfallen langsam, aber stetig.

Nach dem Kidnapping von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch die Trump-Regierung hat der Bundesrat nun offiziell angekündigt, dass er alle Vermögenswerte von Maduro oder seiner «Umgebung», die in der Schweiz lagern, sperrt.

Das tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft und ist auf eine Zeitdauer von vier Jahren angelegt. Rechtsstaatlich fragwürdig, denn bislang ist einzig erwiesen, dass die USA illegale Handlungen begangen haben. Für Maduro gälte eigentliche die Unschuldsvermutung.

Aber natürlich ist es heutzutage weise, in vorauseilendem Gehorsam die USA zu besänftigen. Sonst könnte Präsident Trump noch auf die Idee kommen, die Schweiz wieder mit hohen Strafzöllen zu bestrafen.

Um welche Summen es sich handelt, ist nicht bekannt.

Ebenfalls auf Gerüchteebene wurde bekannt, dass vor allem die UBS Kunden mit Kontakten zu Venezuela in den letzten Wochen dringlich dazu aufgefordert hat, sich eine andere Bankverbindung zu suchen.

Das dürfte wohl auch für andere Schweizer Banken gelten.

Und Liechtenstein?

Es ist sonnenklar, dass auch im Ländle hübsche Geldsummen mit venezolanischer Herkunft lagern. Schätzungen gehen davon aus, dass in den letzten Jahren vor allem aus den Öleinnahmen bis zu 300 Milliarden Dollar (!) abgezweigt wurden und in den Taschen korrupter Funktionäre landeten.

Die wiederum weise nach sicheren Aufbewahrungsmöglichkeiten suchten. Und was könnte (vermeintlich) sicherer sein als eine Finanzkonstruktion im Fürstentum, geschützt von einem verschwiegenen Treuhänder, der wiederum von der fürstlichen Justiz, der fürstlichen Bank LGT und schliesslich dem Fürsten selbst beschützt wird.

Also hört man bis heute nichts aus dem Ländle, was Ähnlichkeiten mit der Schweizer Massnahme hätte.

Das deutet darauf hin, dass auch hier der Finanzplatz Liechtenstein den gleichen Fehler macht wie immer.

Zuerst: wir haben damit nix zu tun.

Dann: Wir sind Liechtensteiner, uns kann keiner.

Schliesslich: au weia, nichts wie weg.

Allerdings erst dann, wenn’s zu spät ist.

Offensichtlich ist man auf dem Finanzplatz Liechtenstein zu blöd dafür, zu verstehen, dass die USA mit ihrem Zugriff auf alle Finanztransaktionen weltweit (via Swift oder was auch immer) genau wissen, welche Transaktionen mit wie viel Geld von welchen Konten in Liechtenstein in Dollar oder anderen Währungen ausgeführt werden.

Und wetten, dass es in den letzten Tagen grössere Fluchtbewegungen in noch sicherere Häfen gegeben hat?

Aber was wäre denn sicherer als Liechtenstein? Singapur, London, eine kleine Insel im Meer?

Aber nein. Am sichersten ist eine Überweisung nach Delaware, nach Houston oder nach Miami. Dort ist das Geld vor jedem Zugriff geschützt.

7. Januar 2026/39 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-05-um-13.31.30.png 1116 1874 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-07 07:07:522026-01-05 17:37:37Maduro und die Liechtensteiner

Und Liechtenstein?

Finanzplatz Liechtenstein, Treuhänder

Die Ofac klopft bei UBS an. Russenkonten. Und wie steht’s bei den Liechtensteiner Banken?

Banken und Treuhänder haben das gleiche Problem: Geldgier. Und Sondergewinn gibt es nie gratis, sondern immer nur mit erhöhtem Risiko. Ausser, wenn ein Liechtensteiner Untreuhänder eine Stiftung dekantiert oder einen Begünstigten über den Tisch zieht. Aber das wäre ein anderes Thema.

Hier geht es darum, dass Schweizer Medien berichten, dass die US-Behörde Ofac bei der Schweizer UBS angeklopft habe. Hintergrund ist eine US-Untersuchung von russischen Kunden, die die UBS von der verblichenen Credit Suisse übernommen hat.

Die Ofac (Office of Foreign Assets Control) ist die Überwaachungsbehörde für die Einhaltung von US-Sanktionen. Sie ist eine mächtige Dunkelkammer. Dunkelkammer, weil sie keinerlei demokratischer Kontrolle unterliegt und völlig willkürlich Entscheide treffen kann. Mächtig, weil das Auftauchen als Person oder Firma auf einer Sanktionsliste von ihr den gesellschaftlichen und finanziellen Ruin bedeutet. Denn niemand, keine Bank, keine Firma, keine Privatperson, will mit so einem Sanktionierten noch etwas zu tun haben – Angst vor Ansteckung.

Deshalb zuckt selbst eine so mächtige Bank wie UBS zusammen, wenn sich die Ofac bei ihr meldet. Und das hat sie, vermeldet Reuters, normalerweise gut informiert. Präventiv habe die UBS bereits angefangen, Konten mit ihr suspekt erscheinenden russischen Vermögenswerten zu sperren oder aufzulösen.

Denn wenn ein russischer Kontobesitzer von der Ofac auf ihre Sanktionsliste gesetzt wird, dann ist nicht nur er selbst tief im Schlamassel. Alle Finanzintermediäre, also nicht nur Banken, die mit ihm weiter Geschäfte machen, kommen selbst in Gefahr, ebenfalls sanktioniert zu werden. Und das ist nicht lustig. So kann die Ofac zum Beispiel die weitere Verwendung von US-Dollar untersagen. Denn diese Welt-Währung gehört den USA, jede Transaktion durchläuft eine Clearingstelle bei den Amis. Und ohne Dollarverkehr – immer noch Weltwährung Nummer eins – ist jedes Geldhaus innerhalb von 24 Stunden am Ende.

Nun schreibt Reuters, dass die UBS vollumfänglich mit allen US-Behörden kooperiere. Verständlich, denn vor dem Exitus drohen empfindliche und gewaltige Bussen, und die Schweizer Banken erinnern sich noch an den (teuren) Steuerstreit.

Und Liechtenstein?

Im Liechtensteinischen Bankenverband sind noch neun Banken organisiert. Die «Banque Havilland (Liechtenstein) AG» befindet sich bereits in «freiwilliger Liquidation». Finanzdienstleistungen machen über 21 Prozent der Liechtensteiner Bruttowertschöpfung aus und haben mit 37 Prozent den grössten Anteil an den fürstlichen Steuereinnahmen.

Rund 450 Milliarden Franken Kundenvermögen werden hier verwaltet. Wie behauptet der Verband so schön: «Neue Roadmap 2025 – Wachstum durch Nachhaltigkeit und Innovation». Das stammt allerdings von 2021; besonders aktuell scheint’s hier nicht zu und her zu gehen.

Bei der UBS machen die Russenvermögen vielleicht 4 Prozent aller Anlagen aus; zusammen mit der CS wäre das dann wohl ein zweistelliger Milliardenbetrag. Nun sei die Ofac «zunehmend frustriert», lässt sie durchblicken, dass die Schweiz nicht genug dafür tue, sanktionierte Russen rauszuschmeissen.

Wenn man davon ausgeht, dass in Liechtenstein prozentual mehr Russengelder liegen, weil das Ländle geldgierig sich auch nach der Annexion der Krim dafür hergab, russische Gelder aufzunehmen und gewinnbringend zu verwalten, sprechen wir da wohl von vielleicht 45 Milliarden Franken oder mehr.

Und was macht Liechtenstein in dieser Angelegenheit? Trötzeln, wie man so schön sagt. Höchste Kreise beschweren sich darüber, dass doch tatsächlich erste Liechtensteiner Treuhänder auf der Liste sanktionierter Personen der Ofac gelandet sind. Das sei ungeheuerlich, die müssten da sofort runter, wir munter gekräht.

Da überschätzt Liechtenstein, vielleicht geblendet vom Reichtum und der Huld des Fürschten, seine Macht ein wenig. Das BIP Liechtensteins betrug 2022 ganze 7,37 Milliarden US-Dollar. Das der USA 27,4 Billionen, 27’400 Milliarden. Ach, und die Militärausgaben der USA lagen 2023 bei 916 Milliarden Dollar. Diejenigen Liechtensteins – bei null, mangels eigenem Militär.

Denn seit über 140 Jahren hat Liechtenstein keine Armee, dazu auch keinen Flugplatz, keinen Hafen und nicht mal eine eigene Autobahn.

Sollten also die USA ernsthaft böse werden, wäre das wohl das Ende von Wohlstand, Finanzplatz und Geldscheffeln. Aber bislang nimmt man das im Ländle gelassen. Zumindest vordergründig.

18. November 2024/1 Kommentar/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-17-um-17.57.47.png 512 782 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-18 06:23:432024-11-17 18:03:03Und Liechtenstein?

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