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Schlagwortarchiv für: Staatsfeiertag

Der Erbprinz als Hellseher

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Stiftungen

Wie es sich für einen Blaublüter gehört, hat er den grossen Überblick.

Der Finanzplatz Liechtenstein ächzt unter dem grössten Datenraub aller Zeiten im Ländle. Die Kronjuwelen, 31’000 Datensätze über alle Berechtigten an Stiftungen, Trusts, Anstalten und allem, was da unter äusserster Diskretion und vollständigem Vertrauen strikter Geheimhaltung unterliegen sollte, ist in den Händen von unbekannten Tätern.

Wie immer zeigte sich die fürstliche Regierung konsterniert und überrascht, hat aber immerhin bisher darauf verzichtet, von einem bedauerlichen Einzelfall zu sprechen. Dafür ist der Super-GAU, der zumindest das Geschäftsmodell der Treuhänder existenziell gefährdet, zu gross.

Als wäre das nicht schlimm genug, musste inzwischen zerknirscht eingestanden werden, dass der Einbruch und das Absaugen der streng vertraulichen Angaben kinderleicht war. Kein modernes Authenifizierungsprogramm, um einen Eindringling sofort zu stoppen. Keine real time Überwachung, die Datendiebe konnten stundenlang nach Lust und Laune von Hand alle Daten kopieren.

Schön für das Fürstentum, dass sie nicht auch noch gleichzeitig die Datenbank mit einem schwer zu knackenden Schloss versehen haben, um für die Öffnung gleich mal abzusahnen. Zerstören hätten sie wahrscheinlich auch können, bei diesem Dilettantismus ist nicht damit zu rechnen, dass der Inhalt ständig auf einen nicht mit dem Internet verbundenen Server gespiegelt wurde.

Hätten sie doch nur auf den Erbprinzen Alois gehört.

Der hatte nämlich anlässlich der «Ansprache seiner Durchlaucht Erbprinz von und zu Liechtenstein anlässlich des Staatsfeiertags am 15. August 2015» mit unvergleichlicher Weitsicht gesagt:

„Da sich die Sicherheitslage umfassend geändert hat, sollten wir auch unsere Sicherheitspolitik grundlegend überarbeiten. Bis vor nicht allzulanger Zeit war unsere Sicherheitspolitik weitgehend auf die traditionelle innere Sicherheit sowie den regionalen Katastrophenschutz fokussiert. In jüngerer Zeit haben wir uns zusätzlich mit der Cybersicherheit beschäftigt und auch in dieser Hinsicht Massnahmen getroffen.“

Um uns in die Nähe einer Majestätsbeleidigung zu begeben: worin bestand wohl diese Beschäftigung, und welche Massnahmen wurden ergriffen?

Es dürfte sich so abgespielt haben: Der Erbprinz legte die Sachlage seiner fürstlichen Regierung vor. Die stand stramm, machte einen Kratzfuss und sagte: «Ein sehr weiser Hinweis, Ihro Durchlaucht, wir werden uns dem umgehend widmen, sehr wohl, vielen Dank auch. Ohne Ihro Durchlaucht wären wir verloren.»

Dann wurde das heruntergereicht bis zum damals gerade ins Amt gekommenen IT-Chef Fabian Schmid. Als Schweizer zollte er aber den fürstlichen Bemerkungen wohl nicht die richtige Aufmerksamkeit. Fragte vielleicht bei der lokalen Klitsche nach, die die ganze IT-Infrastruktur vieler Amts-Webseiten mitsamt Sicherheit gebastelt hatte.

Die hatte zwar über Ihre Beziehungen einen gut bezahlten Auftrag an Land gezogen, war aber wohl nicht willig, allzu viel von diesem Geld auch auszugeben.

Sondern befleissigte sich des Landesmottos: Mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Ansonsten gilt immer: ist noch nie passiert, wird auch nie passieren, also wirklich. Wer wagte es schon, sich am Fürstentum zu vergreifen.

Und zack.

Während der sofort eingesetzte Krisenstab zwar angeblich «Tag und Nacht» an der Arbeit ist, besteht seine Kommunikationsleistung bislang aus zwei nichtssagenden Pressekonferenzen und der Überantwortung, der schönen Aufgabe, die Opfer des Datenraubs darüber zu informieren, an die «Rechtsträger». Also die Treuhänder. Muss ein Riesenspass gewesen sein.

Ansonsten ist allerdings der Kenntnisstand auch zwei Wochen nach dem Einbruch null. Täter, Verwendung der Daten, Aufklärung, wie das eigentlich möglich war? Sendepause, verkniffenes Schweigen.

In diesem Sinne morgen einen fröhlichen Staatsfeiertag, ein grandioses Fürstenfest.

Immerhin: die Wetteraussichten sind gut.

14. August 2026/47 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-12-um-17.08.49.png 579 1186 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-14 07:03:212026-08-12 17:09:49Der Erbprinz als Hellseher

Hoch die Flaschen

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale

Bald ist Mariä Himmelfahrt mit Untertanenbespassung im Ländle. Wir feiern schon voraus.

Staatsfeiertag in der Monarchie am 15. August: Das ist dieses Jahr ein Fest der Volksnähe – hinter Sicherheitsgittern.

Offiziell ist es der Tag der Begegnung zwischen Fürstenhaus und Volk. In der Realität gleicht die Veranstaltung zunehmend einer Mischung aus Hochsicherheitsevent, Hofzeremoniell und politischer Selbstvergewisserung.

Ausgerechnet jenes Land, das sich gerne als familiär, überschaubar und von besonderer Bürgernähe geprägt präsentiert, umgibt seinen wichtigsten Feiertag inzwischen mit Sicherheitsmassnahmen, die man eher bei internationalen Gipfeltreffen erwarten würde. Wer auf die Schlosswiese möchte, braucht ein persönliches Einladungsticket. Kontrollen gehören längst zum Ritual. Natürlich lässt sich das mit der allgemeinen Sicherheitslage erklären. Europa kennt den islamistischen Terror, Attentate auf Politiker und eine angespannte Weltlage.

Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack: Wenn selbst die Begegnung zwischen Fürst und Bevölkerung nur noch hinter Absperrungen und Zugangskontrollen möglich ist, wirkt das Bild der harmonischen Staatsfamilie plötzlich erstaunlich fragil.

Hinzu kommt eine weitere Frage: Wird Fürst Hans-Adam II. überhaupt erscheinen? Seit Jahren hat sich der Monarch weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und überlässt die repräsentativen Aufgaben seinem Sohn, Erbprinz Alois. Das ist verfassungsrechtlich korrekt. Dennoch wäre gerade der Staatsfeiertag jener Anlass, an dem sich das Staatsoberhaupt seinem Volk zeigen könnte. Sein Fernbleiben wäre deshalb mehr als eine Personalie. Es wäre ein weiteres Symbol für eine Monarchie, deren eigentliche Macht zwar unverändert gross ist, deren sichtbarstes Gesicht aber zunehmend verschwindet.

Der Erbprinz dürfte dagegen wie gewohnt auftreten und die bekannten Leitmotive beschwören: Verantwortung, Stabilität, Eigenverantwortung, internationale Unsicherheiten und den aussergewöhnlichen Erfolg Liechtensteins. Man wird hören, wie wichtig Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Vertrauen seien. Alles Begriffe, die in den letzten Jahren zunehmend beschädigt wurden.

Regierungschef Brigitte Haas dürfte den Blick stärker auf Wirtschaft, Staatsfinanzen und internationale Herausforderungen richten. Angesichts weltweiter Krisen, geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten bietet sich reichlich Stoff, um den erfolgreichen Kleinstaat als Insel der Stabilität zu präsentieren.

Nur gibt es Themen, die mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit unerwähnt bleiben dürften.

Zum Beispiel die rund 800 sogenannten Zombie-Trusts. Jene herrenlosen oder führungslosen Vermögensstrukturen, deren Existenz seit Jahren Fragen über die Qualität der Aufsicht und des Stiftungsstandorts aufwirft. Vielleicht entsenden deren wirtschaftlich Berechtigte ja eine Delegation auf die Schlosswiese. Sie hätte Gelegenheit, sich aus erster Hand anzuhören, wie hervorragend der Finanzplatz funktioniere. Sollte jemand fragen, weshalb hunderte solcher Konstrukte überhaupt entstehen konnten, dürfte allerdings rasch betretenes Schweigen einkehren.

Ebenso wenig ist zu erwarten, dass über die zahlreichen Wirtschaftsaffären gesprochen wird, die den Namen Liechtenstein regelmässig in internationale Schlagzeilen bringen. Stiftungen, Trusts, Vermögensstreitigkeiten, langwierige Gerichtsverfahren – all das gehört zwar zur Realität des Finanzplatzes, aber kaum zur Festtagskulisse.

So bleibt der Staatsfeiertag vor allem das, was er seit Jahren ist: ein perfekt inszenierter Anlass mit freundlichen Reden, patriotischer Musik, Apéro und – so es die Waldbrandgefahr zulässt – Feuerwerk. Die kritischen Fragen bleiben ausserhalb der Absperrgitter.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft des Tages. Nicht das Feuerwerk am Abend beeindruckt am meisten, sondern die erstaunliche Fähigkeit des Fürstentums, jedes Jahr aufs Neue eine makellose Fassade zu präsentieren. Dahinter jedoch existiert ein Staat, in dem manche Skandale seit Jahren unerledigt bleiben – und in dem selbst ein Volksfest nur noch mit Einladung und Sicherheitskontrolle funktioniert.

29. Juli 2026/69 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-13.44.52.png 592 1199 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-29 11:58:162026-07-29 11:58:38Hoch die Flaschen

Fürstliche Worte, hohle Worte

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein

Wenn Seine Durchlaucht, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, das Wort ergreift, wird das Klima geschädigt.

Denn heisse Luft, die ohne Sinn und Zweck ausgestossen wird, trägt zur Erderwärmung bei.

Die Präsentation ist edel, wie es sich gehört:

Wenn der absolutistische Alleinherrscher das Wort ergreift, sollten seine Untertanen gut zuhören. Besonders, wenn er am Nationalfeiertag so anhebt: «Der Staatsfeiertag ist immer auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, auf welchen Grundlagen und Werten unser Staat und unsere Gesellschaft aufgebaut sind.»

Das ist ein löblicher Ansatz. Leider schweift der Blaublütler dann in die Ferne, statt näherliegende Probleme zu adressieren: «Leider können wir uns immer weniger auf eine regelbasierte Weltordnung verlassen. Dies führt zu einer geänderten Sicherheitslage, schwierigeren Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen und kann dadurch auch Auswirkungen auf die weitere gedeihlichen Entwicklung unserer Gesellschaft haben.»

Sehr wahr. Statt nun aber auf drängende aktuelle Probleme im Ländle einzugehen, lobt der regierende Stellvertreter des Fürsten sich selbst und sein Volk: «Wir können stolz darauf sein, wie wir solche Herausforderungen bisher gemeinsam angegangen sind.»

Schon in seiner Rede anlässlich der Eröffnung des Landtags, wo er Parlament und Regierung den Tarif durchgibt, gab es lediglich Worthülsen und Durchhalteparolen:

«Der Sturm wird sich auch wieder einmal legen. Momentan ist es jedoch schwierig abzuschätzen, wie lange er noch dauern wird. Wenn es uns gelingt, in den wichtigsten Bereichen rechtzeitig die nötigen Massnahmen umzusetzen, können wir die Seetüchtigkeit und damit die Stabilität unseres Bootes erhöhen.»

Ist das unfreiwillige Komik? Realitätsverlust? Ist der Herrscher in seiner Trutzburg durch zu dicke Mauern von der Wirklichkeit getrennt?

Lassen seine Bediensteten schlechte Nachrichten nicht zu ihm durchdringen? Wird der Pressespiegel von Unangenehmem gesäubert, bevor man das Papier bügelt, damit es seine Hände nicht schwärzen möge, wenn er die Meldungen durchblättert?

Diese salbungsvollen Worte des Herrschers sind das eine. Dass das Liechtensteiner Boot schwer leckgeschlagen ist, ist das andere.

Wann gab es das letzte Mal positive Nachrichten aus dem Ländle? Dem Radio wurde der Stecker gezogen. Es gibt nur noch eine vollwertige Tageszeitung, die vierte Gewalt im Staat liegt am Boden.

Zu der nicht abreissenden Kette von Skandalen um enteignete, bestohlene Stifter und Begünstigte von Stiftungen kamen in letzter Zeit ganze Wellen von neuen Skandalen hinzu.

– Die USA setzen eine ganze Reihe von Liechtensteiner Treuhändern und Treuhandbuden auf die Sanktionsliste ihrer Todesschwadronen-Behörde Ofac. Verdacht der Beihilfe zur Umgehung von US-Sanktionen.

– Rund 800 Trusts sind herrenlos, seitdem ihre Treuhänder das Weite gesucht haben.

– Die USA, Russland, reiche Russen und viele Inhaber von Stiftungen sind sauer auf Liechtenstein.

– Viele reiche Anleger überlegen sich ernsthaft, ob sie ihr Geld in Liechtenstein anlegen – oder angelegt lassen sollen.

– Die fürstliche Justiz macht den Rechtsstaat Liechtenstein zum öffentlichen Gespött.

 

29. August 2025/46 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/08/Bildschirmfoto-2025-08-27-um-09.05.12.png 646 1196 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-08-29 07:43:102025-08-29 07:45:34Fürstliche Worte, hohle Worte

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