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Schlagwortarchiv für: Signa

Wann stürzt die Goldgrube ein?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Skandale, Stiftungen

Wie Liechtensteins Treuhänder Milliarden verwalten – und ständig am Abgrund balancieren.

Liechtenstein zählt knapp 41’000 Einwohner. Gleichzeitig lagern oder werden im Fürstentum Vermögen verwaltet, deren Grössenordnung sich auf mehrere hundert Milliarden Franken beläuft. Je nach Berechnung – Banken, Fonds, Treuhandstrukturen und weitere Vermögenswerte zusammengenommen – bewegt sich die Summe deutlich über einer halben Billion Franken. Damit verwaltet das Land ein Vielfaches seines eigenen Bruttoinlandprodukts.

Das Geschäftsmodell ist seit Jahrzehnten dasselbe: Vermögen schützen, verschieben, strukturieren, vererben. Die juristischen Werkzeuge heissen Stiftung, Trust oder Anstalt. Nach aussen klingt das nach seriöser Vermögensplanung. Tatsächlich handelt es sich um Konstruktionen, die höchste Diskretion und komplexe Eigentumsverhältnisse ermöglichen. Genau deshalb sind sie bei ehrlichen Unternehmerfamilien ebenso beliebt wie bei Personen, die ihre Vermögensverhältnisse möglichst undurchsichtig gestalten möchten.

Wie gross der Anteil von Geldern aus kriminellen Quellen ist, weiss niemand. Niemand kann es wissen. Das ist gerade der Zweck vieler dieser Konstruktionen. Die Behörden betonen zwar regelmässig, dass die Geldwäschereivorschriften streng seien und internationale Standards eingehalten würden. Dennoch taucht Liechtenstein seit Jahrzehnten immer wieder in internationalen Steuer-, Korruptions-, Betrugs- und Sanktionsaffären auf. Das bedeutet keineswegs, dass sämtliche verwalteten Vermögen dubios wären. Aber es zeigt, dass ein erheblicher Teil des Geschäftsmodells von maximaler Verschwiegenheit lebt – und genau diese Verschwiegenheit zieht zwangsläufig auch problematische Kunden an.

Im Zentrum dieses Systems stehen die Treuhänder. Rund 130 zugelassene Treuhänder verfügen über die Lizenz, Stiftungen, Trusts, Anstalten und Gesellschaften zu errichten und zu verwalten. Rechnet man die zehntausenden aktiven Rechtsträger auf diese Zahl herunter, betreut jeder einzelne im Durchschnitt mehrere hundert Strukturen. Das entspricht Vermögenswerten in Milliardenhöhe pro Berufsträger.

Entsprechend attraktiv sind die Erträge. Die Gründung einer Stiftung kostet rasch mehrere tausend Franken. Hinzu kommen jährliche Verwaltungs-, Domizil-, Buchhaltungs- und Beratungsgebühren. Je nach Komplexität liegen diese oft zwischen einigen tausend und mehreren zehntausend Franken pro Jahr. Bei grossen internationalen Vermögen sind auch sechsstellige Honorare keineswegs aussergewöhnlich. Selbst konservativ gerechnet dürfte ein durchschnittlicher Treuhänder jährlich Gebühreneinnahmen im Millionenbereich generieren.

Natürlich ist das ungleich verteilt. Es gibt die kleinen Fische wie ein Philipp Wanger, der durch das Kapern einer einzigen Stiftung sich seit Jahren ein vorher nie erzieltes Monatseinkommen von über 75’000 Franken zugeschanzt hat. Und es gibt die grossen Haifische wie das Allgemeine Treuhandunternehmen, die Confida AG, die Trevisa Treuhand-Anstalt, dann Marxer & Partner, First Advisory Group und so weiter.

Wo enorme Vermögen verwaltet werden, entstehen zwangsläufig enorme Risiken. Ein Treuhänder bewegt sich permanent auf einer juristischen Gratwanderung. Er muss wirtschaftlich Berechtigte identifizieren, Geldwäschereivorschriften einhalten, Sanktionen beachten und gleichzeitig die Interessen seiner Klienten vertreten. Gerät ein Mandant wegen Betrugs, Korruption, Steuerdelikten oder Insolvenz ins Visier der Behörden, landet häufig auch der Treuhänder im Scheinwerferlicht. Nicht jeder wird strafrechtlich belangt – doch der Reputationsschaden kann existenzbedrohend sein.

Das spektakulärste aktuelle Beispiel liefert René Benko. Nach dem Zusammenbruch seines Signa-Imperiums tobt inzwischen ein internationaler Kampf um Stiftungen und Vermögenswerte. Ermittler, Insolvenzverwalter und Gläubiger versuchen zu klären, wer tatsächlich über welche Vermögen verfügte und ob Stiftungsstrukturen dazu dienten, Werte dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Auch Liechtenstein spielt in diesem Geflecht erneut eine prominente Rolle. Der Fall zeigt exemplarisch, weshalb Stiftungen zwar hervorragende Instrumente legaler Vermögensplanung sein können – im Ernstfall aber ebenso zum Schauplatz milliardenschwerer juristischer Schlachten werden.

Liechtenstein präsentiert sich gerne als blitzblanker Finanzplatz mit höchsten Compliance-Standards. Wer vom Geschäft mit maximaler Diskretion lebt, darf sich nicht wundern, wenn früher oder später auch jene anklopfen, die vor allem eines suchen – einen möglichst dichten Nebel um ihr Vermögen.

Und andere anklopfen, die auf der Suche nach Raubgut, gestohlenen oder hinterzogenen Vermögenswerten sind. Im absolutistisch regierten Unrechtsstaat Liechtenstein kein leichtes Unterfangen.

3. August 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-01-um-13.21.55.png 551 1227 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-03 08:55:322026-08-03 08:55:40Wann stürzt die Goldgrube ein?

Bing, bong, Benko

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein

Liechtenstein macht sich wieder einmal lächerlich.

Der Fall René Benko entwickelt sich zunehmend zu einem Lackmustest für die Glaubwürdigkeit des liechtensteinischen Rechtsstaats. Und dieser Test fällt bislang unerquicklich aus.

Während in Österreich Insolvenzverwalter, Staatsanwälte und Ermittlungsbehörden versuchen, die Trümmer des Signa-Imperiums zu sichten, drängt sich in Liechtenstein ein ganz anderer Eindruck auf: Hier gilt vor allem die Devise, bloss keine unangenehmen Fragen zu stellen.

Dabei gäbe es davon mehr als genug.

Wie konnte ein derart weitverzweigtes Geflecht aus Stiftungen, Gesellschaften und Vermögensstrukturen über Jahre funktionieren, ohne dass die zuständigen Aufsichts- und Kontrollinstanzen genauer hinsahen? Weshalb herrscht eine derartige Zurückhaltung bei der Offenlegung von Informationen? Und warum entsteht immer wieder der Eindruck, dass der Schutz des Finanzplatzes höher gewichtet wird als die rückhaltlose Aufklärung?

Liechtenstein verweist gerne auf seine hohen Standards bei der Geldwäschereibekämpfung, seine internationale Vernetzung und seine moderne Gesetzgebung. Die Hochglanzbroschüren sind schnell zur Hand. Weniger präsent ist hingegen die Frage, wie diese Standards in der Praxis durchgesetzt werden, wenn ein prominenter Fall die Elite des Finanzplatzes berührt.

Denn Benko war kein unbeschriebenes Blatt. Schon lange vor dem spektakulären Zusammenbruch von Signa wurden kritische Stimmen laut. Die Konstruktionen waren komplex, die Risiken erheblich, die Intransparenz frappant. Trotzdem schien niemand ernsthaft Anlass zu sehen, die Alarmglocken zu läuten.

Nun droht das bekannte Drehbuch: Man bedauert die Entwicklung, verweist auf laufende Verfahren und betont, dass man keine Stellung nehmen könne. Die Verantwortung diffundiert in einem Nebel aus Zuständigkeiten. Die Finanzmarktaufsicht prüft. Die Justiz untersucht. Die Politik schweigt. Und die Treuhandbranche erklärt, von all dem nichts geahnt zu haben.

Doch genau diese Kultur des Wegschauens ist das eigentliche Problem.

Ein Finanzplatz lebt vom Vertrauen. Vertrauen entsteht aber nicht durch Selbstlob, sondern durch die Bereitschaft, Missstände schonungslos offenzulegen – auch dann, wenn es den eigenen Reihen schadet. Wer hingegen den Eindruck erweckt, schützend die Wagenburg zu schliessen, beschädigt letztlich den Ruf des gesamten Standorts.

Liechtenstein steht deshalb vor einer Richtungsentscheidung. Will das Land ein moderner Rechtsstaat sein, der gleiche Massstäbe für alle anwendet? Oder bleibt es beim alten Reflex, wonach für Fürstenhaus, Finanzplatz und ihre Dienstleister andere Regeln gelten als für gewöhnliche Bürger?

Der Fall Benko wird diese Frage nicht verschwinden lassen. Im Gegenteil: Mit jedem weiteren Monat, in dem der Eindruck mangelnder Transparenz bestehen bleibt, wächst der Verdacht, dass Aufklärung nur so weit erwünscht ist, wie sie die Grundfesten des Systems nicht erschüttert.

Vielleicht liegt darin die grösste Gefahr. Nicht, dass ein einzelner Unternehmer scheitert. Sondern dass eine ganze Jurisdiktion den Eindruck erweckt, sie sei nicht in der Lage – oder nicht willens –, aus einem offensichtlichen Debakel die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Es ist ja kein Wunder, dass Benko die Ingbe-Stiftung und die Arual-Stiftung im Dunstkreis des Fürsten angesiedelt hat. Also erhebt sich die Frage: handelt es sich offenkundig um Tarnkonstrukte nach liechtensteinischer Art, um die Kontrolle Benkos zu verschleiern, kann dann der Insolvenzverwalter darauf Zugriff nehmen?

Wer Rechtsstaatlichkeit predigt, muss sie gerade dann praktizieren, wenn es unbequem wird.

Fortsetzung folgt.

16. Juni 2026/56 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-22.02.00.png 595 1199 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-16 07:04:582026-06-15 22:02:50Bing, bong, Benko

Der Liechtensteiner Benko-Skandal

Allgemein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Immer neue Sumpfblasen aus dem Krater, den der gescheiterte Wunderwuzzi hinterliess.

René Benko war nicht nur der typische Hasardeur, der ein Kartenhaus immer höher türmte, bis es zusammenkrachte und leichtgläubigen Gläubigern Milliardenverluste bescherte.

Er wusste auch, wo man in Europa sein Geld am besten verstaut und versteckt. Grossbritannien, Schweiz, Andorra? Ach was, das Fürstentum bietet normalerweise Schirm und Schutz.

Das gilt sogar für den mit Abstand grössten Skandal, den Fall der Bacardí-Witwe, die seit Jahren vergeblich darum kämpft, Zugriff auf ihrer Tochter gehörende mehr als 800 Millionen Dollar zu erlangen.

Nun ist der tiefe Fall Benkos finanziell noch etwas grösser und erregt auch anhaltend internationale Aufmerksamkeit. Dumme Lage, mal wieder.

Gerade wurde gegen den erbitterten Widerstand Benkos (und seiner Anwälte) die Kleinigkeit von 16 Millionen Euro in zwei Schliessfächern in Liechtenstein entdeckt, wie news.at und Spiegel übereinstimmend berichten. Die Öffnung sei unter notarieller Aufsicht erfolgt. Da kann man beim Ruf der fürstlichen Notare nur hoffen, dass nichts wegkam.

14 Millionen davon gab es in Goldbarren, der Rest war Bargeld. Diese Schliessfächer gehören der Ingbe-Stiftung mit Sitz in Schaan. Das sind offenbar die letzten Überbleibsel von mehr als 100 Millionen Euro, die aus dem Signa-Imperium Benkos in diese Stiftung flossen.

Interessant dabei ist die Struktur der Stiftung. Wie immer im Ländle herrscht über sie ein Stiftungsrat. Seine Mitglieder heissen Robert Schimanko, Michael Hagen und René B. Ott. Die Begünstigten sind, soweit eurierbar ,Benkos Mutter Ingeborg Benko und weitere Familienmitglieder wie Nathalie Benko, des Wunderwuzzis Noch-Frau.

Da sie sich inzwischen von ihm scheiden lässt, dürfte er diese Begünstigung wohl bereuen. Aber Benko selbst ist natürlich nicht Begünstigter, weswegen er behaupten kann, dass das Geld gar nicht ihm gehöre und daher auch nicht in die Konkursmasse.

Der Stiftungsrat ist so zusammengesetzt, wie es sich für eine Schwiemel-Stiftung nach Fürstenart gehört. Schimanko ist österreichischer Staatsbürger, Bankier und langjähriger Freund und Geschäftspartner von Benko. Also sein Vertrauensmann in der Stiftung.

Hagen und Ott sind zwei typische liechtensteinische Treuhänder und Multi-Stiftungsräte, beides Eingeborene mit Wohnsitz in Vaduz.

Sie betreiben das übliche Geschäft mit den üblichen Worthülsen auf seiner Homepage:

Im Verwaltungsrat tummeln sich die üblichen Verdächtigen: René B. Ott, Martin Batliner, Michael Hagen und Simon Ott, der auch schon im Stiftungsrat von Ingbe sass.

Batliner hingegen ist als Stiftungsrat der Hartlaub-Stiftung in einen üblen Rechtsstreit verwickelt, weil er zusammen mit seinem Kumpanen Philipp Wanger den Stiftungspräsidenten rauskübelte, ihm sogar die Begünstigung absprechen wollte und sich seit Jahren dafür mit Stiftungsgeldern fürstlich honorieren lässt.

So passt in Liechtenstein immer alles zusammen.

Während Ott und Hagen auf ihrer Webseite den üblichen Schmus bringen, verdienen sie sich seit Jahren dumm und krumm an der Verwaltung der Ingbe-Stiftung.

Natürlich hatte Benko noch weitere Stiftungen am Laufen, darunter die Laura Privatstiftung, von anderen sind nur bruchstückhaft Informationen bekannt.

Was aber bekannt ist: immer wieder tauchen Hagen und Ott als Stiftungsräte auf, sowie Schimanko als Vertrauter Benkos.

Nachdem nun diese Schliessfächer aufgeflogen sind, darf sich der Konkursverwalter die nächsten Jahre mit den Stiftungsräten darum prügeln, ob dieses Geld Benkos Gläubigern zugute kommen wird oder nicht.

Da fürstliche Gerichte prinzipiell auf der Seite von fürstlichen Treuhändern auf dem fürstlichen Finanzplatz stehen, wird das langwierig und nicht unbedingt erfolgreich werden. Aber kostenintensiv.

Wobei sich hier die Treuhänder, so wie Batliner und Wanger in ihrem Fall, beste und skrupellose anwaltliche Vertretung gönnen. Geld spielt keine Rolle, die Stiftung zahlt …

 

7. Mai 2026/35 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-06-um-12.06.32.png 641 971 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-07 07:07:272026-05-06 12:07:42Der Liechtensteiner Benko-Skandal

Liechtensteins Benko

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Stiftungen

Wie der Wunderwutzi das Fürstentum für sein Kartenhaus benützte.

Da soll noch einer sagen, liechtensteinische Stiftungen seien nur zur Geldaufbewahrung zweckdienlich. Abgesehen davon, dass der Stifter immer in Gefahr steht, dass ihm ein geldgieriger Untreuhänder sein Vermögen stibitzt – man kann diese Gefässe auch viel ingeniöser verwenden.

Im Milliardenloch, das der Zusammenbruch des Benko-Imperiums hinterlassen hat, kommen immer mehr Bestandteile ans Tageslicht, die belegen, wie geschickt er liechtensteinische Gefässe dafür verwendet hat, doppelte Böden und Absicherungen in sein Kartenhaus einzubauen.

Grafisch dargestellt, sieht es ungefähr so aus:

Die Idee dahinter: SIGNA ist das Firmengeflecht an der Front gegen aussen. Kontrolliert wird sie von Stiftungen, die in Österreich und vor allem in Liechtenstein domiziliert sind. Sollte es irgendwo wackeln, dann ist vor allem die Laura Privatstiftung und die INGBE Stiftung mit Geld wohlgefüllt – an das allfällige Gläubiger nur schwer oder gar nicht herankommen können.

So der Plan.

Allerdings hätte sich Benko vielleicht nicht mit arabischen Scheichs einlassen sollen. Die haben zwar viel Geld, sind aber nicht so blöd wie andere Investoren in sein Kartenhaus.

Nachdem SIGNA Bankrott erklärt hatte und auch Benko Privatinsolvenz angemeldet hatte, meinte er eigentlich, dass das Geld in der INGBE Stiftung, über die seine Mutter gebot, unantastbar sei und dafür sorgen würde, dass er dennoch seinen gewohnten Lebensstil aufrecht erhalten könnte.

Schon der Hasardeur Staggl hatte einige Millionen vor seinen Gläubigern in einer extra zu diesem Zweck gegründeten Familienstiftung verstaut. Solche Konstrukte sind in Liechtenstein eigentlich unantastbar. Ausser von innen, wenn ein Treuhänder als Stiftungsrat geldgierig wird. Aber das ist ein anderes Thema.

So residierte Benko noch eine ganze Weile in seiner Protzvilla, obwohl er offiziell pleite war. Ätsch, dachte er, das alles wird von meinen Stiftungen bezahlt, mit denen ich aber offiziell gar nichts zu tun habe. Da wird der Fürscht und seine Justiz schon dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

So kann man sich täuschen. Zwei Schiedsgerichtsentscheidungen aus der Schweiz, die der Staatsfonds Mubadala von Abu Dhabi erreicht hatte, sprachen ihm Ansprüche von über 700 Millionen Euro zu. Na und, dachte Benko wohl im ersten Moment, die sollen sich hinten anstellen in die Reihe der Gläubiger, die insgesamt Milliardenforderungen gegen SIGNA haben – und wohl in die Röhre schauen werden.

Dsa war aber der Irrtum seines Lebens. Also abgesehen von allen anderen Irrtümern, die zu seiner Pleite führten. Denn die Scheichs wussten auch, dass bei SIGNA im Zweifelsfall nichts zu holen war. Also erreichten sie, dass auch die Laura Privatstiftung in Regress genommen werden konnte.

Die Familie Benko Privatstiftung war zwar auch pleite, weil in ihr die inzwischen wertlosen SIGNA-Anteile lagern. Aber die Laura und die INGBE Stiftung waren durchaus noch flüssig. Und vermeintlich unantastbar.

Aber die Scheichs hatten bei ihren Krediten darauf bestanden, dass nicht SIGNA der Gläubiger sei, sondern René Benko persönlich. damit war der Weg kürzer, um an die Gelder in den noch flüssigen Stiftungen zu gelangen.

Und, das ist doch einigermassen Neuland, sowohl Österreich wie Liechtenstein waren bereit, entsprechende Gelder in diesen Stiftungen zu sperren – und dann an die Scheichs auszuzahlen.

Die sind offenbar noch cleverere Geschäftsleute als Benko. Denn während die übrigen Gläubiger auf die Verwertung der kleinen Masse warten, die noch in der SIGNA liegt, haben die Scheichs immerhin eine grosse Scheibe, mit Zins und Zinseszins 680 Millionen Euro, für sich bereits abgeschnitten.

Und alle Stiftungsbesitzer im Ländle, die bisher meinten, da sei ihr Geld vor Forderungen von Gläubigern gegenüber anderen Firmen in ihrem Besitz sicher, müssen sich das nochmal gut überlegen.

Denn sicher ist im Ländle überhaupt nichts mehr.

16. März 2026/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-14-um-16.28.28.png 800 1320 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-16 05:00:422026-03-14 16:33:35Liechtensteins Benko

Benko in der Räuberhöhle

Allgemein

Früher war’s die Schweiz, heute ist’s Liechtenstein.

Nicht nur in Bondfilmen gibt es die Szene, wo ein schmieriger Schweizer Banker vorkommt, der völlig moralfrei schmutzige Geldtransaktionen durchführt. Solange seine Kommission dafür stimmt, nimmt er gerne jedes Risiko.

Das war einmal.

Schweiz, das Paradies für Schwarzgeld, das war einmal. Liechtenstein, das Paradies für Schwarzgeld, auch das war einmal. Seit der Fürstenbank dank eines verräterischen Angestellten Kundendaten abhanden kamen, die nicht zuletzt zur Verhaftung des damaligen Postchefs Zumwinkel in Deutschland führten, musste Liechtenstein umdenken. Zumwinkel hatte – wie viele andere – Schwarzgeld im Ländle geparkt. Dfür bekam er zwei Jahre Knast, als Promibonus allerdings nur bedingt.

Liechtenstein schloss sich dem AIA an, seither ist’s nicht unöglich, aber etwas schwieriger mit Schwarzgeld. Die Liechtensteiner Treuhänder trugen eine Weile Trauer, Geschäftsmodell futsch. Dann wurden sie recht fuchsig, denn die Zahl Liechtensteiner Stiftungen schnurrte von rund 35’000 auf unter 9000 zusammen. So ein Mist.

Also dachten die Treuhänder um. Denn was können sie schon? Eine Stiftung errichten, einen Stiftungszweck aus dem Stehsatz nehmen, sich selbst als Stiftungsrat einsetzen – und kassieren. Mehr ist da nicht. Dann halt Klasse statt Masse, sollte doch gelacht sein.

Daher sollte in jedem zeitgemässen Bondfilm ein schmieriger Liechtensteiner Treuhänder auftreten, vielleicht erkennbar am dezent getragenen fürstlich liechtensteinischen Verdienstorden (in der Ordensbandversion rot mit zwei blauen Streifen). Der bietet dann Hand dafür, zum Beispiel einen Notgroschen zu verstauen.

Kein Wunder, dass auch der Name René Benko im Zusammenhang mit Liechtenstein auftaucht. Der abgetakelte Wunderwuzzi ist bekanntlich inzwischen pleite. Genauer: Signa Holding? Insolvenz. Signa Prime Collection und Signa Development Selection? Zahlungsunfähig. René Benko selbst? Meldete Mitte März seine Pleite als privater Unternehmer an.

Man könnte direkt Mitleid mit ihm haben: laut eigenen Angaben verfüge er nur mehr über monatliche Nettoeinnahmen von 3700 Euro und sei ansonsten finanziell von seiner Mutter abhängig. Schluchz.

Die Familie Benko Privatstiftung in Innsbruck? Angemeldet beim Konkursgericht, mit 854 Millionen Euro überschuldet. Die Laura Privatstiftung: nicht mehr liquide. Ausserdem wollen arabische Investoren eine schlappe Milliarde von ihr.

Muss Benko also wirklich am von der Mutter gereichten Hungertuch nagen? I wo, öis leiwand, wie da der Österreicher sagt. Denn es gibt zum Glück doch Liechtenstein. Und dort die ganz diskrete INGBE-Stiftung. Gegründet von einer diskreten Treuhandanstalt im diskreten Fürstentum. Wie News und Krone herausfanden, sassen Stand 2018 zwei diskrete Liechtensteiner Rechtsanwälte im Stiftungsrat, im Beirat Eduardo Lehmann, unangenehm aufgefallen als Chef der in einen Geldwäschereiskandal verwickelten und untergegangenen Falcon Bank (Fall 1MDB).

Hier war die Hauptstifterin Benkos Mutter, er trat als Nebenstifter auf. Da er selbst als Vorbestrafter nicht mehr aktiv geschäften durfte, waren die Begünstigten seine minderjährigen Kinder und seine Mutter.

Nun hat die INGBE-Stiftung einen unschlagbaren Vorteil gegenüber ihren verlumpten Schwestern in Österreich. Sie hat jede Menge Geld. Alleine bei der fürstlichen LGT, der VP Bank und der Liechtensteinischen Landesbank lagerten im Sommer 2022 Goldbestände im Wert von rund 45 Millionen Euro.

Dann noch ein paar Notgroschen in bar, so alles in allem weitere 23 Millionen bei den gleichen Banken. Dazu kamen dann laut diesen Recherchen weitere Notgroschen; diese INGBE-Stiftung verkaufte Mitte August 2023 für über 46 Millionen Signa-Prime-Aktien an die Signa Holding. Dabei war die Unternehmensgruppe damals schon in schweren Turbulenzen.

Besonderen Wert legte Benko offenbar auch darauf, dass seine prächtige Villa Eden am Gardasee aus dem Strudel der Signa-Konkurse kam. Also kaufte sie kurzerhand die INGBE-Stiftung der Signa Holding ab. Für lau, denn das wurde mit offenen Forderungen aufgerechnet.

All das ist natürlich in der diskreten Räuberhöhle Liechtenstein möglich.

Allerdings ist nun doch die Frage, ob es Liechtenstein nicht wieder so ergeht wie zu Zeiten, als es ein Schwarzgeldparadies war. Denn heutzutage sind solche Murksereien um einen drohenden Konkurs herum nicht mehr so gerne gesehen. Die Wirtschaft- und Korruptionsstaatsanwaltschaft aus Wien wird wohl demnächst ans mächtige Portal der Fürstenburg klopfen.

Dort wird sie seine Durchlaucht, der herrschende Erbprinz, gerne an die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft weiterleiten, mit einem Kratzfuss und Küss die Hand, gnä Frau in Richtung der Leiterin Ilse-Maria Vrabl-Sanda.

Ob die sich dann allerdings mit der üblichen Verzögerungstaktik der Liechtensteiner Justiz abspeisen lassen wird, darf doch sehr bezweifelt werden. Die Methode mauern, aussitzen, verzögern bis zum St. Nimmerleinstag wird hier nicht funktionieren.

Und eines ist in einer Räuberhöhle klar: es gibt mehr als einen Schatz zu heben, der hier verstaut und versteckt wurde.

14. April 2024/13 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/04/Bildschirmfoto-2024-04-14-um-16.42.37.png 239 356 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-04-14 17:17:052024-04-15 23:06:28Benko in der Räuberhöhle

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