Zehn Tage seit dem grössten Datenklau aller Zeiten. War da was?
Nichts Neues im Ländle. Der Krisenstab Liechtensteins arbeite angeblich Tag und Nacht an der Bewältigung des Diebstahls von 31’000 hochsensible Datensätzen. Sie enthalten die Identikationsmerkmale aller Besitzer oder Nutzer von Stiftungen und Trusts & Co. Die wurden – mit welchen ehrenhaften oder kriminellen Motiven auch immer – eingerichtet, weil der Stifter auf die Diskretion und den Schutz des Fürstentums vertraute.
War ein schwerer Fehler, wurden sie alle eines Schlechteren belehrt.
Inzwischen schweigen auch die Medien, nachdem eine kleine Welle der Berichterstattung durch sie schwappte. Einzig die NZZaS hat gestern den Skandal aufgegriffen, aber doch eher mit Weichspüler und ohne zu deutlich auf das krachenden Versagen aller Sicherheitsmassnahmen und die Auswirkungen auf die Betroffenen hinzuweisen.
Es fehlt auch jede Kritik daran, dass es seit inzwischen zehn Tagen nicht gelungen ist, bei der Untersuchung oder der Identifikation der Räuber auch nur einen Schritt weiterzukommen.
Die NZZaS zitiert die Regierungschefin des Fürsten Brigitte Haas: ««Wir kennen bis jetzt weder die Täter noch deren Motiv», sagt sie etwas nervös.» Das sei «auch für uns sehr unbefriedigend.»» Es darf gelacht werden. Ausser, man ist ein Betroffener.
Was weiss man, laut NZZaS? «Derweil schiessen die Spekulationen ins Kraut. Mit jedem Tag wächst die Vermutung, es handle sich nicht um «normale Verbrecher», sondern um staatliche Akteure. So halten auch politisch exponierte Personen Stiftungen in Liechtenstein, beispielsweise bunkerten Russen gerne ihr Vermögen in Stiftungen im «Ländle».»
Ach was. Aber nicht nur Russen, sondern – neben durchaus ehrenhaften Betreibern – auch aller Abschaum aus der ganzen Welt.
Aber bislang: keine Lösegeldforderung, keine Veröffentlichung im Darknet, kein Verkaufsangebot, keine Erpressung von Opfern. So viel man weiss.
Bemerkenswert ist, dass auch andere staatliche Systeme abgeschaltet wurden. Das Zentrale Kontenregister, Intax, das eMWST-Portal und das Justizsystem Lides. Sicherheitsüberprüfung, wiegelt der Krisenstab ab, es gebe keine Hinweise, dass auch diese Plattformen betroffen seien.
Das vielleicht nicht. Aber es ist ein weiterer Hinweis, wie lausig die IT-Sicherheit gehandhabt wurde. Denn solche ziemlich wichtigen Systeme schaltet man nur ab, wenn die gleiche Authentifizierung, Infrastruktur und die gleichen Schnittstellen verwendet wurden.
Der IT-Verantwortliche Fabian Schmid sagt dazu nur, dass das ganze System, zumindest das gestohlene Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP), von einer liechtensteinischen KMU mitsamt IT-Sicherheit betrieben worden sei. Den Namen nennt er allerdings nicht. Seine Arbeitsplatzsicherheit scheint hingegen sehr gefährdet.
Es gibt eine erstaunlich grosse Anzahl solcher Buden, ein rundes Dutzend. Darunter erscheinen KYBERNIA, Rocksolid, sl.one, Speedcom und Interum als besonders geeignet, Rocksolid nennt zudem ausdrücklich den Finanz-und Treuhandbereich als Kundschaft.
Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.
Allerdings könnte ein Outing den Ruin der Bude bedeuten, denn wer will sich schon von solchen Versagern eine delikate IT-Plattform basteln lassen, in die man offensichtlich kinderleicht durch das Eröffnen eines neuen Fake-Accounts einsteigen kann. Wer will schon zugeben müssen, dass alle State of the art Schutzmechanismen nicht existieren. Sonst hätten die Hacker nicht ungestört stundenlang herumfuhrwerken und alle Daten absaugen können.
Oder aber, das scheiterte an der Knausrigkeit der Fürstenregierung. Denn das kostet. Allerdings im Unterhalt nur wenige Millionen im Jahr, wie auf Inside Paradeplatz erläutert wurde. Ein Klacks, angesichts eines Milliarden-Staatshaushalts und eines milliardenschweren Fürsten.
Auf der anderen Seite verdienen sich die Treuhänder dusselig mit dem Unterhalt und der verwaltung dieser Konstrukte. Nehmen wir an, nur 20’000 davon seien aktiv. Alleine so kämen wir bei durchschnittlichen Administrationskosten von lediglich 10’000 Franken auf 200 Millionen jährlich. Erklecklich.
Aber eben, die Geldgier ist gross im Ländle. die Bereitschaft Geld für Sinnvolles auszugeben, ist klein.

