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Schlagwortarchiv für: Reputation

Liechtenstein im Schatten

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Wenn die Finanzskandale das einzige Problem wären …

Es gibt beunruhigend viele dunkle Wolken, die über dem Fürstentum hängen.

Eine kurze Auflistung:

1. Wohnungsnot und hohe Preise
Extrem knapper Wohnraum, stark steigende Mieten und Immobilienpreise – Einheimische werden zunehmend verdrängt.

2. Abhängigkeit vom Ausland
Wirtschaftlich stark von der Schweiz und der EU abhängig, politisch aber ohne Mitspracherechte in zentralen Entscheidungen.

3. Verkehrsbelastung
Täglicher Pendlerstrom aus dem Ausland überlastet Straßen und Infrastruktur, Alternativen sind begrenzt.

4. Demografischer Druck
Alternde Bevölkerung, Fachkräftemangel und steigende Sozialkosten.

Das sind die begleitenden Gewitterwolken, aber die grosse, schwere, lastende Wolke trägt den Namen Finanzplatz.

Der hat eine Vergangenheit und eine Gegenwart.

Die Vergangenheit besteht aus den goldenen Zeiten, als Zehntausende von Stiftungen gegründet wurden. Die besondere Regelung in Liechtenstein, dass solche Stiftungen – im Gegensatz beispielsweise zur Schweiz – privatnützig sein können, brachte viele wohlhabende Menschen dazu, damit ihren Finanzhaushalt oder denjenigen ihrer Familie zu regeln.

Als Beifang war nicht unwillkommen, dass die steuerlichen Belastungen in Liechtenstein sehr überschaubar sind. Eine Ertragssteuer von 12,5 Prozent, wobei es kein riesiges Problem ist, die Erträge zu optimieren, sprich minimieren. Dann kommen noch die Verwaltungskosten hinzu, an denen sich die fürstlichen Treuhänder fürstlich bereicherten.

Und natürlich wäre es keinem dieser Treuhänder in den Sinn gekommen, nach der Herkunft der Gelder oder nach ihrem steuerlichen Zustand zu fragen.

Diese Steueroase endete dann im grossen Katzenjammer genannt Steueraffäre anno 2008. Begleitet wurde das durch immer wieder aufpoppende Skandale im Zusammenhang mit Geldwäscherei, Verbindungen zu allen kriminellen Organisationen der Welt und der skrupellosen Entgegennahme von schmutzigen Geldern.

Nachdem das Geschäftsmodell Stiftung als Steuervermeidungsvehikel unter Druck aus dem Ausland in die Luft geflogen war, beteuerte Liechtenstein eins ums andere Mal, dass man daraus gelernt habe, nun ein sauberer Finanzplatz werden möchte, die sogenannte Weissgeldstrategie.

Dass das reine Lippenbekenntnisse waren und sind, wurde spätestens seit dem Skandal um sogenannte Zombie-Trusts offenkundig. Immer mal wieder hatte zuvor ein liechtensteinischer Treuhänder seine Position als verwaltender Stiftungsrat blitzartig aufgegeben und die Stiftung wie eine heisse Kartoffel fallenlassen.

Jeweils dann, wenn ein ausländischer Staat, häufig die USA, auf den Tisch haute und mit drakonischen Massnahmen drohte.

Aber Liechtensteiner Treuhänder sind harthörig, ihre Geldgier übersteuert häufig die Vernunft. So hielten sie tapfer an ihren Funktionen in Stiftungen reicher Russen fest, selbst als einige von ihnen bereits von den USA auf die OFAC-Sanktionsliste gesetzt worden waren. Das bedeutet den sozialen Tod.

Als dann aber auch noch die Finanzmarktaufsicht geruhte, auf die Selbstverständlichkeit hinzuweisen, dass man die Finger von der Verwaltung von Geldern sanktionierter Russen lassen sollte, begann die ungeordnete Massenflucht.

Seither sind Hunderte von Stiftungen und Trusts verwaist, handlungsunfähig.

Diese Entwicklung hat zweierlei Effekte: Zum einen stellt sie eine reputationelle Belastung dar, weil regulatorische Unsicherheiten internationale Kunden verunsichern können; zum anderen ist sie ein wirtschaftliches Risiko für Liechtensteins Finanzdienstleister und Treuhand-Branche, da ungelöste Rechts- und Managementfragen über Gerichts- und Verwaltungsprozesse hinaus operieren.

Das Fürstentum versucht, mit Notfall-Steuerungsgruppen und Gesetzesanpassungen gegenzusteuern, steht aber zwischen dem Druck grosser Wirtschaftsmächte (insbesondere der USA) und der Erwartung internationaler Finanzpartner, Regelkonformität strikt umzusetzen.

Wie beim Geschäftsmodell Steuerhinterziehung durch Stiftungen ist nun das Geschäftsmodell Russengelder verstecken explodiert. Zur operativ-rechtlichen Krise – mehr als ein Jahr nach der Massenflucht ist Liechtenstein noch nichts eingefallen, wie das Problem gelöst werden könnte – kommt auch die wiederholte Erkenntnis, dass «sauberer Finanzplatz» ein reines Lippenbekenntnis ist.

Erschwerend kommt hinzu: nach den Russen-Geldern ist vor den Venezuela- und Iran-Geldern. Und natürlich kommt Liechtenstein auch prominent im Milliardenskandal des Hochstaplers René Benko vor.

Hier aber mit einer Besonderheit. Während sonst von der fürstlichen Justiz alle Attacken auf Stiftungen abgeschmettert werden, wurden hier unter internationalem Druck zwei Finanzvehikel Benkos stillgelegt.

Das gibt natürlich vielen Reichen viel zu denken. Das Image Liechtensteins als diskrete Burg für stille Vermögensverwaltung ist nicht nur angekratzt, sondern liegt in Trümmern.

23. Januar 2026/52 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-22-um-17.06.26.png 603 925 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-23 07:07:482026-01-23 11:08:15Liechtenstein im Schatten

Mehr Aufsicht im Treuhandbereich?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein

Während Chaos und Skandale wüten, wird Kosmetik betrieben.

Zombie-Trusts, Skandale um enteignete Stifter, beraubte Begünstigte, parteiliche Urteile der Fürstenjustiz, schwere Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsgarantie?

Ach was, alles bösartige Verleumdungen von Neidern, die es Liechtenstein nicht gönnen, dass es dem Fürstentum so gut geht. Und die nicht sehen, dass man sich stetig bemüht, alles noch viel besser zu machen.

Zum Beispiel soll die Aufsicht im Treuhandsektor gestärkt werden, dazu ist eine Vernehmlassung unterwegs. Wie vermeldet das Vaterland staatstragend:

«Damit soll der Schutz der Kunden sowie der Treuhänder und Treuhandgesellschaften in Liechtenstein nachhaltig gestärkt werden und damit die professionelle Reputation des liechtensteinischen Treuhandsektors gewahrt bleiben. Mit der Modernisierung wird auch auf aktuelle geopolitische Entwicklungen reagiert und die Stabilität und internationale Reputation des liechtensteinischen Finanzplatzes weiter gestärkt.»

Gewahrt bleiben, weiter gestärkt werden? In welcher Traumwelt leben die Liechtensteiner? Die sogenannte professionelle Reputation ist schwer beschädigt, seitdem ungetreue Treuhänder bei rund 800 Trusts von einem Tag auf den anderen Fersengeld gegeben haben. Und die Finanzvehikel seither als Zombies herumwanken.

Was soll da weiter gestärkt werden, wo doch die Schwäche aller Beteiligten offensichtlich ist.

Das betreffe insbesondere die Finanzmarktaufsicht (FMA), damit diese ihre Aufsichtsfunktion noch umfassender und wirksamer wahrnehmen kann. Insbesondere sollen die bestehenden Anforderungen an die Vertrauenswürdigkeit als Bewilligungsvoraussetzung zur Tätigkeit im Treuhandbereich erweitert und präzisiert werden.

Die FMA hat ihre Aufsichtspflicht noch nie umfassend oder wirksam wahrgenommen. Sie hat jahrelang zugeschaut, wie Stiftungen als Schwarzgeldbunker missbraucht wurden. Sie hat jahrelang zugeschaut, wie nach der Explosion dieses Geschäftsmodells Russengelder  ohne besondere Prüfung entgegen genommen wurden.

Sie hat erst zweieinhalb Jahre nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine eine sogenannte Null-Toleranz-Politik bezüglich russischer Vermögen ausgerufen.

Und die Vertrauenswürdigkeit als Voraussetzung der Bewilligung, als Treuhänder sich eine goldene Nase verdienen zu dürfen? Wie vertrauenswürdig diese Treuhänder sind, zeigt nicht zuletzt eine nicht abreissende Kette von Skandalen. Wobei hier die Öffentlichkeit nur die Spitze des Eisbergs sieht.

Viele Griffe in mit fremden Geld gefüllte Kassen, unverschämte Honorarnoten, die Verweigerung jeglicher Auskünfte an Verwandte oder Erben eines verstorbenen Stifters – all das wird am liebsten unter dem Deckel gehalten oder von der fürstlichen Justiz abgeräumt.

Ein Finanzplatz, auf dem plötzlich rund 20 Milliarden Dollar herrenlos herumliegen, der muss nicht seine Reputation weiter stärken. Der muss die Trümmer seines Ansehens wieder zusammenkleben, ernsthafte Anstrengungen unternehmen, wieder Vertrauen herzustellen.

Denn wer möchte schon sein Vermögen einem Finanzplatz anvertrauen, wo es plötzlich, ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung arretiert, enteignet, eingefroren, jeglichem Zugriff entzogen werden kann?

Ohne die geringste Möglichkeit, gegen diesen eklatanten Verstoss gegen die Eigentumsgarantie wenigstens juristisch vorgehen zu können.

Gegen eine Sippenhaftung übelster Art. Denn unter den Besitzern der 800 enteigneten Zombie-Trusts gibt es garantiert eine ganze Anzahl, die keinerlei Sanktionen unterliegen und eigentlich rechtmässige Besitzer ihres Trusts sind und waren.

Diese fröhliche Ankündigung einer angeblichen Reputationssteigerung mit kosmetischen Massnahmen beweist, wie realitätsfern Behörden, Parlament, Regierung und das Fürstenhaus im Ländle sind.

8. Oktober 2025/42 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/09/Bildschirmfoto-2025-09-24-um-19.23.42.png 1196 1882 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-10-08 06:19:412025-09-24 19:24:50Mehr Aufsicht im Treuhandbereich?

Sichtweisen der Zombie-Trusts

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale, Treuhänder

Rund 20 Milliarden Dollar hängen in der Luft? Je nun.

Es gibt verschiedene Sichtweisen auf diesen Skandal.

  1. Rund 800 enteignete Besitzer sind stinksauer. Ob sanktioniert oder nicht: auch reiche Russen haben ein Recht auf Eigentumsgarantie. Halten aber öffentlich die Füsse still. Das liegt an Sichtweise zwei.
  2. Geschieht denen ganz recht. Russe, reich, das kann nur einen Grund haben: es ist kriminelles Geld, unredlich erworben, höchstwahrscheinlich durch Putin-Nähe. Also sollte man es am besten der Ukraine übergeben.
  3. War da was? Dieser Ansicht sind die deutschsprachigen Medien, auch in der Schweiz. Von Liechtenstein ganz zu schweigen. Das hier einfach im Handstreich Eigentum enteignet wird, nun ja, kann doch passieren, ist kein Anlass zur Berichterstattung
  4. Da war eigentlich nix. Dieser Ansicht sind die Autoritäten Liechtensteins, angefangen beim Fürst und seinem Erbprinzen Alois. Die Regierungschefin Brigitte Haas ergänzt mit Gottvertrauen, dass doch bei 99,9 Prozent aller Trusts alles mit rechten Dingen zugehe.
  5. Geld her. Dieser Ansicht sind die betroffenen Russen und die russische Regierung. Aber auch die US-Regierung, die rechtsimperialistisch die Sanktionen ihrer Todes-Behörde OFAC weltweit durchsetzen will. Und kann. Die EU höselet hinterher und verkündet sogar noch weitreichendere Sanktionen.
  6. Erst mal ein Komitee einberufen, das Lösungen suchen soll. Und dann erst mal einfach nichts tun. Denn so eine Lösungssuche kann dauern. Vor allem, wenn kein Liechtensteiner Treuhänder sich die Hände an einem dieser Zombie-Trusts verbrennen will. Also Tee trinken und den Fürsten hochleben lassen. Dieser Ansicht ist die liechtensteinische Regierung.
  7. Das hat uns noch gefehlt. Also Kopf einziehen, wegducken, abwarten. Das wird schon irgendwie vorbeigehen. Währenddessen lobhudeln wir einfach weiter die Sicherheit, die Diskretion, die Eigenttumsgarantie, den Rechtsstaat Liechtenstein. Diese Meinung vertreten die Treuhänder, die Untreuhänder und die Liechtensteinische Treuhandkammer.
  8. Wir haben schon immer gesagt, dass die Sanktionen strikt einzuhalten sind. Wirklich wahr. Diese Ansicht vertritt die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht (FMA). Ohne aber erklären zu können, wieso sich niemand an diesen Befehl gehalten hat. Und wieso sie bei Nichteinhaltung keine Sanktionen ergriffen hat. Denn diese Trusts sind ja nicht in den letzten Monaten vom Himmel gefallen.
  9. Was machen diese geldgierigen Finanzleute schon wieder, meint die liechtensteinische Bevölkerung. Ohne aber eine Plattform zu haben, um ihrem zunehmendem Unwillen Ausdruck zu verleihen.
  10. Ich, mein Geld in Liechtenstein anlegen? In einer Stiftung? Einem Trust? Ich bin doch nicht bescheuert. Das meint die internationale Community von reichen und ultrareichen Leuten, die aufgrund weitverzweigter wirtschaftlicher Verwicklungen nach einem Gefäss suchen, in dem sie dieses Konglomerat sicher unterbringen und verwalten lassen können.

Die einigermassen seriösen Treuhänder im Ländle (Zahl unbekannt) sind stinksauer auf ihre geldgierigen Kollegen, deren Lebensmotto zu sein scheint: no risk, no fun. Nachdem das Geschäftsmodell Schwarzgelderbunker implodiert ist, kann es doch nicht sein, dass die Anschaffung des neusten Porsches oder Ferraris nicht mehr möglich ist, mangels Einnahmen. Meinen die.

Während der kleine Fleck Liechtenstein äusserlich ruhig und gelassen wirken will, die Mehrheit seiner Bevölkerung weiterhin ihrem Broterwerb nachgeht, tobt hinter den Kulissen nicht nur der russische Bär.

Krisensitzungen, Brainstorming, wer war das, wie gross ist der potenzielle Schaden? Finanziell und in Bezug auf Reputation und Image? Wie lange können wir noch beruhigende Geräusche machen und sonst nichts? Aber vor allem: wie kriegen wir die Kuh vom Eis? Wie lösen wir das Problem? Welche Optionen haben wir, möglichst unbeschädigt aus diesem Schlamassel herauszukommen?

Da ist guter Rat wirklich teuer. Aber man wird nicht Millionär oder Milliardär, wenn man nicht geizig ist.

22. August 2025/42 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-24-um-21.04.20.png 908 1708 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-08-22 07:13:272025-07-24 21:13:44Sichtweisen der Zombie-Trusts

FMA: «Schwere Reputationsriskien»

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Stiftungen, Treuhänder

Die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht kritisiert und sanktioniert.

Eigentlich ist es die Aufgabe dieser fürstlichen Behörde, möglichst alles weichzuspülen und in rosaroten Farben anzumalen.

Umso erstaunlicher, dass die FMA in ihrem Jahresbericht zu harschen Worten greift:

«Die Nichteinhaltung ausländischer Sanktionen birgt schwerwiegende Reputationsrisiken sowie operationelle und rechtliche Risiken für den jeweiligen Beaufsichtigten und alle, die mit diesem in Geschäftsbeziehung stehen.»

Hoppla.

Und wer’s noch nicht verstanden hat, hier wird nachgedoppelt: «Im Jahr 2024 gab es neuerlich Sanktionierungen liechtensteinischer Treuhänder und eines verbundenen Vermögensverwaltungsunternehmens. Diese Sanktionierungen sind schädlich für die Reputation des Finanzmarktes Liechtenstein und seiner Marktteilnehmer.»

Die FMA habe im Verlauf des Jahres 2024 insgesamt 34 Verwaltung- oder Verwaltungsstrafverfahren durchgeführt und dabei in 18 Verfahren «rechtskräftige Bussen» in der Höhe von insgesamt Fr.  971’500.- verhängt, plus weitere 60’000, die noch nicht definitiv sind. Zudem konnten 84 Verfahren abgeschlossen werden.

Über eine Million Bussen, das ist für einen relativ kleinen Finanzplatz wie Liechtenstein ein gröberer Betrag. Das  – mitsamt den warnenden Worten der FMA – zeugt davon, dass im Ländle weiterhin einen eher lockerer Umgang beim Befolgen von Sanktionen oder Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes herrschen.

Es ist ja auch verständlich. Die rund 130 Treuhänder (und vor allem die Untreuhänder unter ihnen) leiden immer noch darunter, dass das Geschäftsmodell Schwarzgeldbunker implodiert ist, seit Liechtenstein nicht ganz freiwillig dem Automatischen Informationsaustausch (AIA) beigetreten ist.

Das führte zu einem dramatischen Rückgang der Anzahl von Stiftungen. Und natürlich wollen die Treuhänder (und vor allem die Untreuhänder) ihren gewohnten Lebensstil nicht aufgeben. Das ist gar nicht so einfach, denn ausser dem Errichten von Stiftungen (und dem anschliessenden Abkassieren) haben sie ja nichts gelernt.

Daher greifen sie immer häufiger zu kriminellen Methoden wie dem Dekantieren oder dem Usurpieren von Stiftungen, um ungehemmt in die Geldtöpfe greifen zu können.

Normalerweise werden sie dabei von der fürstlichen Justiz geschützt, die Verfahren gegen sie unendlich in die Länge zieht und nur ungern mal ein Urteil fällt, das dann sowieso weitergezogen werden kann. In diesem Leiterspiel können problemlos zwei, drei, fünf, zehn Jahre oder mehr vergehen.

Aber offensichtlich sind einige Treuhänder so verzweifelt (und dumm), dass sie sich so ungeschickt anstellen, dass die Finanzmarkaufsicht nicht umhin kann, Bussen zu verhängen.

Unklar ist dabei, ob diese Bussen den Gewinn aufwiegen oder als Kollateralschaden abgeschrieben werden können. Von weiteren Sanktionen (wie beispielsweise dem Entzug der Treuhänderlizenz) ist allerdings nichts bekannt. Was bedeutet, dass es die FMA doch bei einem Klaps auf die Finger bewenden lässt.

Vor allem die Verstösse gegen US-Sanktionen gegen Russland, russische Oligarchen und verstaute Russenvermögen, an denen Liechtensteiner beteiligt sind, sind aber ein Spiel mit dem Feuer.

So ist Liechtenstein längst auf dem Radar der US-Sanktionsbehörde Ofac aufgetaucht. Und sich diese beinahe allmächtige US-Truppe zum Feind zu machen, das ist für den einzelnen Geschäftsmann wie auch für ganze Staaten keine gute Idee.

Aber offenbar ist das Fürstenhaus zu Vaduz der Auffassung, dass an den dicken Mauern seiner Trutzburg auch solche Angriffe abprallen werden. Das dürfte allerdings ein Irrtum sein, für den der Finanzplatz Liechtenstein noch teuer bezahlen wird.

23. April 2025/31 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-22-um-08.59.56.png 926 1704 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-04-23 06:01:042025-04-22 09:20:22FMA: «Schwere Reputationsriskien»

Justiz: einen Kopf kürzer

Fürstenjustiz
Liechtenstein will die dritte Instanz abschaffen. Keine gute Idee.

Die Fürstenjustiz im Ländle hat so ihre Besonderheiten, um nicht zu sagen Sonderlichkeiten. Sie unterscheidet streng zwischen Einheimischen und artfremden Ausländern. Sie ist mit teilweise zweifelhaften und nicht sehr kompetenten Richtern besetzt, von denen alle aber das Plazet von ganz oben brauchen.

Nein, nicht von Gott, aber fast: vom Fürsten.

Bislang hat Liechtenstein, wie eigentlich alle zivilisierten Staaten, im Justizsystem drei Instanzen. Das Fürstliche Landgericht, dann das Fürstliche Obergericht und schliesslich der Fürstliche Oberste Gerichtshof. Dabei ist die Arbeitsteilung wie zum Beispiel in der Schweiz klar.

Das Landgericht ist mehr so das Heim von Dorfrichter Adam aus dem «Zerbrochenen Krug» von Kleist. Hier wird recht rustikal Recht gesprochen. Ziemlich schnell, wenn es um die Anliegen von Liechtensteinern geht. Eher gemächlich, wenn ein Usländer, ein Ausländer, ein Anliegen hat.

Das Obergericht prüft diese Entscheide und bringt manchmal, nicht immer, notwenige Korrekturen an. Oder aber, es weist den Fall nochmals an Landgericht zurück, worauf dann das Leiterspielchen von vorne beginnt.

Und schliesslich der Oberste Gerichtshof, so etwas wie das Bundesgericht in der Schweiz. Er geht nicht mehr materiell auf die Urteile der unteren Instanzen ein, sondern prüft alleine, ob allen gesetzlichen Vorschriften Genüge getan wurde. Dazu braucht er doch geballten juristischen Sachverstand, was in Liechtenstein durchaus segensreich sein kann.

Nun plant aber die Regierung, dieses dreistufige System zu köpfen. Das bedeutet, die oberste Instanz ersatzlos zu streichen. Womit Gerichtsverfahren nur mehr über zwei Instanzen laufen würden. Ein solches Prinzip kennt in Europa bislang nur Malta. Und Malta ist nicht gerade ein leuchtender Rechtsstaat.

Das sieht auch Anwalt Gerhard Lorenz im «Vaterland» genauso. Er übt schwere Kritik an diesem Vorhaben. Er sagt in einem Interview einige bedenkenswerte Dinge:

«Die Reputation, die die liechtensteinische Justiz im In- und im Ausland geniesst, hängt sehr stark mit dem Obersten Gerichtshof zusammen.»

Für ihn hat er eine imminent wichtige Rolle, die er so erklärt: «Da muss man sich nur einmal die Schriftsätze der Rechtsanwälte anschauen. Sie mäandern oft dahin und befassen sich mit einer Vielzahl von Fragen – und zwar im Beweis-, Verfahrens- und Rechtsbereich. Darum brauchen wir zwingend eine dritte Instanz: Sie prüft nur noch die Rechtslage und hat primär die Funktion, zu prüfen, ob das materielle Recht richtig angewendet wurde.»

Sollte das wegfallen befürchtet er, dass «es auf jeden Fall zu einer Schwächung des Justizsystems kommen» werde.

Die Kernaussage des Liechtensteiner Rechtsanwalts:

«Das Kapital aus dem Ausland wird auf liechtensteinischen Konten angelegt oder landet in Rechtsstrukturen beziehungsweise Versicherungspolicen. Im Gegenzug dafür erwarten die ausländischen Kunden und Investoren eine Justiz, die eine hohe Qualität bietet und dem europäischen Standard entspricht.»

Und was befürchtet er, wenn dieser Vorschlag der Regierung vom Landtag angenommen wird:

«Die Folgen werden zwar nicht sofort spürbar sein – aber sie werden wie ein schleichendes Gift wirken.»

Das ist wohlgemerkt nicht einer der vielen ausländischen Investoren in Stiftungen und andere Gefässe, die mit der Liechtensteiner Justiz zum zweiten Mal schlechte Erfahrungen machten, nachdem sie von einem Untreuhänder aufs Kreuz gelegt worden waren.

Sondern das ist die pointierte Fachmeinung eines Anwalts, der es auch nicht scheut, sich damit bei seinen Kollegen im sehr überschaubaren Ländle unbeliebt zu machen. Denn so eine nebenamtliche Richerstelle ist für viele Rechtsanwälte und Treuhänder eine schöne zusätzliche Einnahmequelle, wenn ihr eigentliches Business mangels Erfolg oder Fähigkeit nicht so rund läuft.

Daher würden sie auch nie öffentlich eine Kritik am fürstlichen Justizsystem wagen, geschweige denn am weisen Ratschluss der Landesregierung.

Aber es ist sonnenklar: die Abschaffung der dritten Instanz, ganz im Gegensatz zu den Gepflogenheiten aller zivilisierten europäischen Länder, würde ausländische Geldanleger zusätzlich verunsichern. Denn viele von ihnen haben die Erfahrung gemacht, dass es in Liechtenstein gar nicht genug Instanzen geben kann …

9. Juni 2024/14 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/Bildschirmfoto-2024-06-09-um-15.18.29.png 817 1007 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-06-09 15:24:482024-11-14 09:39:12Justiz: einen Kopf kürzer

Grand Casino Liechtenstein

Allgemein

Nein, es ist nicht nur das reale Casino gleichen Namens gemeint.

Im Casino (GCLI) wurde ein «Low Budget Montag» angeboten. Das richte sich vor allem an «Poker-Einsteiger». Verlockend: für ein Startgeld von 60 Franken garantierte das GCLI ein Preisgeld von Fr. 2000.-

Und noch schöner: die letztlich Summe von Fr. 2050.- wurde an die Top 9 ausgeschüttet, da die Spieler sich darauf einigten, «drei Bubble-Trospflaster von je 60 Franken auszuschütten». Der Sieger erhielt stolze 575 Franken, der Zweite noch 465 Franken.

Allerdings entzieht es sich unserer Kenntnis, was ein Bubble-Trostpflaster ist. und Low Budget war die Veranstaltung tatsächlich, wenn der Sieger mit 575 Franken vom Platz ging. Dafür würde manch Liechtensteiner Treuhänder höchstens eine Viertelstunde arbeiten und 50 Minuten aufschreiben. Denn eine ganze Stunde wird ungern unter 600 Franken verrechnet.

In etwas mehr als drei Stunden hätte ein Treuhänder so bereits das gesamte Preisgeld dieses Low Budget-Anlasses kassiert. das käme ihm allerdings auch ziemlich low Budget vor, denn es gibt Treuhänder, die sich bei einem einzigen Mandat bis zu 75’000 Franken abschneiden. Im Monat versteht sich.

Und über viele, viele Monate hinweg, denn die Verwaltung einer Stiftung kann ja so anstrengend sein. Vor allem dann, wenn es keinerlei Aufsicht mehr gibt, keine Kontrollinstanz, die überprüfen könnte, ob diese exorbitanten Beträge tatsächlich verdient oder nur eingesackt werden.

Man muss sich halt schon etwas nach der Decke strecken, wenn man nicht nur die grösste Rolls-Royce-Sammlung der Welt aufbauen möchte, sondern für sie auch noch ein eigentliches Mausoleum errichten, in dem man die Preziosen anschauen und streicheln kann.

Die Liechtensteiner Treuhandkammer spricht bei solchem Tun, wenn sie überhaupt spricht, von Einzelfällen. Bedauerlich zwar, aber das komme doch in den besten Familien vor, ein schwarzes Schaf gebe es immer. Oder fast immer.

Aber die unablässige Reihe von kleineren und grösseren Skandalen? Wobei natürlich nur diejenigen bekannt werden, in denen das Opfer den Mut hatte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gibt allerdings viele Geschröpfte, die sich schlichtweg schämen, vor Publikum zuzugeben, dass man sie dermassen plump über den Tisch gezogen hat. Über den Löffel balbiert. Abgezockt und ausgezogen hat.

Die Schwierigkeit für viele potenzielle Kunden des Finanzplatzes Liechtenstein besteht darin: wie erkenne ich einen seriösen Treuhänder, wie unterscheide ich ihn von einem unseriösen Untreuhänder?

Der Untreuhänder hat sich ja kein Post-it auf die Stirn geklebt, auf dem steht: Vorsicht, geldgieriger Mensch. Denn wie im Fürstenhaus ist natürlich auch auf dem Finanzplatz das Reputationsmanagement alles. Keine übertrieben luxuriösen Büros. Mehr Marke bodenständig, bieder, bescheiden.

Dazu eine staatsmännische (seltener staatsfrauliche) Miene, gewichtiges Nicken, wenn der potenzielle Kunde seine Wünsche vorträgt. Betonung, dass der Kunde sich genau den richtigen Treuhänder für seine Stiftung ausgesucht habe; ach, die solle den Kindern und Kindeskindern zugute kommen? Wie schön, lächelt der Treuhänder sanft, er selber habe ja auch Nachkommen, das sei eine fantastische Idee. Dass er eheliche und uneheliche Sprösslinge hat, muss er dem Kunden ja nicht auf die Nase binden.

Dann noch schnell ein paar technische Fragen, von welchem Betrag sprechen wir hier? Ist es weniger als eine Million, ist das Gespräch meistens beendet. Sind es mehr als 50, kommt durchaus Stimmung auf und der Treuhänder erkundigt sich, ob man das Gespräch nicht bei einem Mittagessen fortsetzen wolle. Ab 100 Millionen wird dann noch Hotel und Luxusrestaurant angeboten, Escort-Service auf Wunsch.

Dann noch so nebenbei wie möglich die Frage, woher denn das Geld stamme; AIA, Sie wissen schon, und dann, mit dem Gestus «ehe ich’s vergesse», die Gebührenordnung. Je nach Betrag stellt der Treuhänder dann auch noch einen Rabatt in Aussicht («darf ich eigentlich gar nicht machen, aber für Sie eine Ausnahme»).

Dabei ist das alles bereits voraus einkalkuliert. Und schon ist ein neuer Stifter ins Netz gegangen und wird nach allen Regeln Liechtensteiner Kunst gemolken. Wenn er Schwein hat.

4. Juni 2024/33 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/Bildschirmfoto-2024-06-04-um-17.46.15.png 656 1008 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-06-04 17:51:072024-09-17 11:53:13Grand Casino Liechtenstein

Wenn das der Fürst wüsste

Allgemein

Wer absolutistisch über alles im Ländle herrscht, ist auch für alles verantwortlich.

Es ist nicht so, dass es dem Fürsten und dem Fürstenhaus Liechtenstein und dem herrschenden Erbpinzen Alois an Macht gebrechen würde.

Ganz im Gegenteil. Sie erfreuen sich eines in Europa einmaligen Zustands. Wenn das Volk etwas beschliessen könnte, was ihnen nicht gefällt: sie drohen mit Exil, Abgang, und tschüss. Da erstarrt das Volk und wagt keine Widerworte.

Wenn die Regierung etwas beschliessen sollte, was ihnen nicht behagt: der Fürst kann die Regierung entlassen, feuern. Damit es nie so weit kommt, wird nur Regierungsmitglied, wer huldvoll vom Fürsten dazu ernannt wurde.

Wenn das Parlament etwas beschliessen sollte, was den höchsten Unwillen erregt: dann wird es halt zugesperrt, aufgelöst, heimgeschickt. Auf das ein neues gewählt werde, das sich zu benehmen weiss.

Sollte die fürstliche Gerichtsbarkeit etwas tun, was dem Rechtsverständnis des Fürsten widerspricht: undenkbar, denn der Fürst hat zunächst den Stichentscheid bei der Auswahl neuer Richter, wobei genau die Hälfte der Auswählenden sowieso schon von ihm bestimmt wurde. Da ist es dann doch ausgeschlossen, dass jemand Richter im Ländle wird, der sich nicht der fürstlichen Gnade erfreut.

Das ist schön für den Fürsten, denn das ist einmalig in Europa. Und all diese Machtmittel, das ist noch schöner, musste der Fürst noch nie anwenden. Also gut, mit dem Exil hat er einmal gedroht, aber dann kuschte das Volk auch sofort.

Und wer eine Volksinitiative plant, erkundigt sich zuerst einmal beim herrschenden Erbprinzen, ob deren allfällige Annahme auf sein Durchlauchtigstes Wohlwollen treffen würde. Runzelt er da nämlich die Stirn, wissen die Initianten, dass sie sich die Mühe der Unterschriftensammlung und des Abstimmungskampfes sparen können. Denn ohne die höchste Unterschrift tritt sowieso nichts in Kraft im Fürstentum.

Das ist wirklich schön für das Fürstenhaus, bloss hat es einen kleinen Nachteil. Unter diesem Nachteil leiden alle absolutistischen Herrscher. Denn wer über alles herrscht, ist auch für alles verantwortlich, was in seinem Herrschaftsbereich passiert.

Denn absolute Herrschaft bedeutet absolute Verantwortung.

Natürlich ist der Fürst nicht für jeden kleinen Ladendiebstahl verantwortlich, für jeden betrunkenen Autofahrer, der eine Laterne fällt. Er ist auch nicht für inneneheliche Streitigkeiten seiner Untertanen verantwortlich, zudem wurde ja das Recht der ersten Nacht schon längst abgeschafft.

Oder er ist für all das indirekt verantwortlich, indem sein Polizeisystem, seine Gerichte, seine Strafverfolgungsbehörden das Mögliche und mitteleuropäisch Übliche tun, solche Verstösse oder Straftaten nach Möglichkeit zu verhindern. Oder aber, sollten sie dennoch geschehen, mit der ganzen Härte des Gesetzes zu verfolgen und zu bestrafen.

Natürlich kann sich ein Fürst auch nicht selbst um alles kümmern, sonst käme er ja gar nicht zum Herrschen. Aber sollte doch besorgt sein, dass die ihm zudienenden Staatsorgane im zivilisatorischen Normbereich von Zentraleuropa agieren.

Wenn sich beispielsweise die Fälle häufen, in denen Treuhänder gar nicht so treue Hände haben, sondern eher lange Finger machen – auch wenn es nur eine Minderheit ist –, dann muss der Fürst dafür sorgen, dass dem ein Riegel geschoben wird.

Denn sonst spricht sich das herum, erscheinen Berichte in den Medien, leidet das schöne Geschäft mit den Stiftungen, das auch die fürstliche Schatulle zu füllen hilft.

Da fragt man sich dann schon, wieso der Fürst dem so lange zuschaut, wie hier einige Treuhänder Schindluder treiben.

16. Mai 2024/4 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-16-um-20.09.56.png 736 1012 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-05-16 20:14:392024-05-17 09:56:34Wenn das der Fürst wüsste

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