Ein Mischkonzern mit einem Antrieb: Geldgier. Und einem Ziel: Bereicherung. Teil I.
Um den Finanzplatz Liechenstein zu verstehen, muss man vom Einzelfall ins Allgemeine gehen. Denn Liechtenstein ist keine Ansammlung von Einzelfällen, von schwarzen Schafen, von Ausnahmen, von bedauerlichen Einzeltätern.
Liechtensteins Geldwirtschaft funktioniert wie eine kriminelle Vereinigung. Oder wie ein Geldstaubsauger. Ein Konglomerat ist in der Natur ein aus verkitteten Geröllen bestehendes Sedimentgestein, das hübsch zum Anschauen ist.

Im Wirtschaftsleben ist ein Konglomerat ein Unternehmen, in dem Untergesellschaften verschiedenen geschäftlichen Aktivitäten nachgehen, die aber einem gemeinsamen Ziel untergeordnet sind. Genau so ist das im Fall Liechtenstein. Hier haben die Teile des Konglomerats folgende Aufgaben:
- Reputationsmanagement. Dafür ist in erster Linie das Fürstenhaus zuständig, aber auch die Abteilung Tourismus. Hier geht es um die Imagepflege, die Liechtenstein als putzige Monarchie darstellen will, ein kleines Alpenparadies, in dem Fürst und Volk es sich gemeinsam gutgehen lassen. Und wo niemand ein Wässerchen trüben kann, sondern alle seriöse Schaffer sind. So wie bei den Werkzeugen von Hilti.
- Rechtsstaatmanagement. Dafür ist in erster Linie die fürstliche Justiz zuständig. Ihre verschiedenen Instanzen, die ganzen Organe der Rechtspflege sollen den Eindruck erwecken, dass es in Liechtenstein einen regelbasierten Rechtsstaat gibt, in dem jeder, der meint, ihm sei ein Unrecht geschehen, sämtliche juristischen Mittel offenstehen, damit ein weises Gericht, notfalls unterstützt von einer hartnäckigen Staatsanwaltschaft diese Verletzung eines Rechtsgrundsatzes heilen kann.
- Bankenmanagement. Die Liechtensteiner Banken, zuvorderst die fürstliche LGT, wollen den Eindruck erwecken, das sie grosse Tradition, Stabilität und Seriosität mit moderner IT-Struktur und ausgeklügelten Anlagestrategien verbinden.
- Stiftungsmanagement. errichten Sie eine Stiftung in Liechtenstein. Das ist ungebrochen der Schlachtruf vieler Teilnehmer am Finanzplatz Liechtenstein. Dabei überschlägt man sich, die unzähligen Vorteile einer solchen Einrichtung, die Sicherheit, die Seriosität, die generationenübergreifende Kontinuität zu betonen. So stabil wie das Matterhorn, so nobel wie das Fürstenhaus, so uneinnehmbar wie die Trutzburg ob Vaduz.
- Demokratiemanagement. Ein Parlament, eine Regierung bemühen sich nach Kräften auszustrahlen, dass Liechtenstein eine lebendige Demokratie mit Wahlen, Volksrechten, Debatten, Initiativen und einer Dominanz des Souveräns ist, wo fast wie in der alteN Eidgenossenschaft noch Auge in Auge politisiert wird.
Das alles ergibt zusammen einen schönen Schein. Einen schönen Anschein. Ein völlig verlogenes Zerrbild der Realität. Denn viel näher an der Wirklichkeit des Finanzplatzes liegt, dass es sich um eine Räuberhöhle handelt, in der organisierte Kriminalität herrscht. Und wo alle Teilnehmer ihren Beitrag dazu leisten, dass das Geschäft, möglichst viel Profit bei möglichst kleinem Risiko und unter Vermeidung jeglicher Rechtsstaatlichkeit, brummt und gedeiht.
Das kommt zum Vorschein, wenn man an dieser Oberfläche kratzt. Wobei die Oberfläche, trotz allen Versuchen, nachzupolieren, immer mehr Beulen, Kratzer und hässliche Flecken bekommt. Denn dahinter lauert ziemlich viel Übles.
Was alles, das folgt in Teil II.










