Denn die Mehrheit im Ländle sind doch rechtschaffene Leute …
Früher war es so, dass der Schweizer im Ausland gerne mit den üblichen Klischees konfrontiert wurde: Heidi, Berge, Schoggi – und die Gnomen. Die skrupellosen und gewissenlosen, aber stets korrekt gekleideten Schweizer Banker. Seriös, humorlos, rechtschaffen. Aber gleichzeitig völlig skrupellos in der Annahme von Geldern.
Schwarzgeld, Drogengeld, Diktatorengeld, Geld aus schmutzigen Geschäften, von Kriminellen geraubtes Geld, Juden aus dem Mund gebrochenes Gold, nachdem sie vergast wurden? Ach, nehmen, nicht hinschauen. Gold sieht doch immer aus wie Gold, vor allem, nachdem es eingeschmolzen wurde.
Da galt die alte Regel der US-Army gegenüber schwulen Soldaten: don’t ask, don’t tell. Auch die Überprüfung der Personalien eines neuen Kontoinhabers wurde mit einem flüchtigen Blick auf irgend ein Ausweispapier mit mindestens einem Stempel drauf erledigt.
Für solche, die das Maximum an Diskretion wollten, gab es noch das Nummernkonto. Das war zwar nicht herrenlos, aber den Namen des Besitzers kannte nur ein ganz kleiner Kreis der Bankmitarbeiter. Und immer schützte das Bankgeheimnis alle Schweinereien.
Bundesrat Merz machte sich unsterblich mit der Bemerkung, dass man sich daran die Zähne ausbeissen werde. Stabil wie das Matterhorn, aus Granit wie das Gotthard-Massiv. Und siehe da, als die USA zubissen und mit freundlicher Hilfe der UBS verschwand das Bankgeheimnis klaglos und spurlos. Vorbei die Zeiten, als in fast jedem Bond-Film ein schmierig-beflissener Schweizer Banker auftauchte, der mal gerne eine Überweisung bestätigt haben wollte, und vielen Dank auch.
Es hat Liechtenstein viel Arbeit gekostet, diese Position des letzten Fürstentums zu übernehmen, in dem beispielsweise bei Russengeldern bis heute nicht genau hingeschaut wird. Ist doch Win-win. Der reiche Russe kann sein Geld sicher verstauen, der Liechtensteiner Untreuhänder verdient sich dumm und dämlich, weil sein Kunde kaum öffentlich aufheulen wird, wenn er ihn ausnimmt wie eine Weihnachtsgans.
Notfalls hilft die fürstliche Justiz, die Interessen zu wahren. Des Treuhänders, versteht sich. Ist halt etwas komplizierter geworden als früher, auf die Stiftung wird eine Holding gepfropft, die wiederum wird von einer sich im Unendlichen verlierenden Kette von anderen Konstrukten beherrscht. Wer dem nachgehen wollte, wird um den ganzen Erdball über kleine Inseln im Meer gejagt, bis er aufgibt. Und der Treuhänder wird sicher nicht genau nachfragen. Ausserdem ist er geschützt durchs Anwaltsgeheimnis.
Schönes Spiel, wenn einer immer gewinnt, wie im Casino.
Aber dann diese Medien. Zerren einen bedauerlichen Einzelfall nach dem anderen ans Tageslicht und schütten völlig unverdient böse Worte über das gute Fürstentum. Das seien keine Einzelfälle, sondern systemisch.
Deutschland benützte sogar geklaute Kundendaten aus Liechtenstein, ausgerechnet aus der Fürstenbank LGT. Da wurde damals der Fürscht Hans-Adam II. aber richtig ranzig, das seien ja Methoden, die an die dunkle deutsche Vergangenheit erinnerten. Wo allerdings der Gründer berühmten Werkzeugfabrik Hilti fanatischer Anhänger der braunen Pest war. Das ist auch so eine üble Geschichte, die wirklich nicht immer wieder aufgewärmt werden muss. Schlamm drüber.
Aber: wie empfindet das eigentlich die Mehrheit der aufrecht schaffenden und werkelnden Liechtensteiner? Dass das öffentliche Image des Landes so schwarz ist wie seine Nummernschilder? Wenn er im Ausland darauf angesprochen wird, was für Schweinereien sich eigentlich der Finanzplatz Liechtensteins erlaubt? Wieso da die Justiz nicht durchgreife, die Regierung, der Fürst selbst? Gut, der ist inzwischen entschuldigt, aber es gibt doch den herrschenden Kornprinzen Alois?
Das muss doch wehtun. Selber hat man nicht die Hände in den fremden Geldtöpfen, «ich bin klein, mein Herz ist rein» nützt auch nicht viel als Gegenwehr. Oh, ein Liechtensteiner. Der ist doch nicht nur Fürstenknecht, sondern auch einer, dessen Banken und Treuhänder jede Menge Sauereien machen. Ob er da nicht mal beim Fürsten vorstellig werden könne, der ist doch absolutistischer Herrscher und könnte den Unfug mit einem strengen Blick plus fürstlichem Erlass beenden.
Wenn ihr nicht willig seid, dann gehe ich ins Exil. Hat bei seinemVater doch auch geklappt, als der die Gefahr sah, dass seine Verfassungsreform, die ihm noch mehr Macht gab, vom nicht so untertänigen Stimmvolk hätte abgelehnt werden können. Ging dann aber nochmal gut, nun muss er weiter in seiner Trutzburg ob Vaduz sitzen, statt in einem schönen Palast in Wien. Hat er halt davon.
Mein Name ist Hase, ich weiss von nichts, auch das schützt nicht vor bösen Kritiken oder Blicken. Aber wo ist sie nur, des Volkes Stimme, die sich erhebt und sagt: das muss endlich aufhören, es kann doch nicht sein, dass eine Handvoll Banken und zwei Hände voll Treuhänder unsere Reputation als aufrecht schaffende Werktätige so beschmutzen.
Ja, wo ist sie nur? Oder herrscht doch klammheimliche Komplizenschaft, weil jeder jeden kennt, Nestbeschmutzer gar nicht gerne gesehen werden und irgendwo in der näheren Verwandtschaft mindestens einer in einer Bank oder gar als Treuhänder arbeitet?

