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Schlagwortarchiv für: Ofac

Muss Liechtenstein zittern?

Allgemein

Die ersten Blitze aus den USA sind schon eingeschlagen. Kommt nun das Gewitter?

Eigentlich möchten Fürst, Treuhänder und Untreuhänder nur eins: in aller Ruhe ihren geraden und ihren krummen Geschäften nachgehen. Ein wenig Geld verstecken hier, ein wenig Geld wegnehmen da. Sich um Recht und Ordnung nur dann kümmern, wenn das nicht gerade hinderlich im Weg steht.

Also mit einem Wort: Business as usual.

Dabei steckt allen Mitspielern auf dem Finanzplatz Liechtenstein noch in den Knochen, wie das von Herbert Batliner selig erfundene tolle Stiftungs-Konstrukt den Bach runterging. Der Steuerhinterzieher kommt, kriegt eine Stiftung verpasst, der Treuhänder sahnt ab, der Begünstigte meckert nicht, und wenn doch, wird er mit dem dezenten Hinweis auf eine mögliche Anzeige bei seinem Fiskus ruhiggestellt.

Vorbei, kaputt nie wieder. Seit dem Automatischen Informationsaustausch AIA geht das leider nicht mehr. Schade auch. Aber wo ein Weg verschlossen wird, geht immer woanders ein neues Türchen auf. In diesem Fall stand dahinter ein reicher Russe. Viele reiche Russen. Und viele russische Firmen. Die alle wollten vorausschauend Geschäftsbeziehungen aufbauen, hinter denen sie selbst verschwanden.

Was eignet sich dafür besser als eine Liechtensteiner Stiftung? Eben. Also gingen die Treuhänder wieder emsig ans Werk, bastelten Stiftungen und kassierten kräftig ab.

Dass die USA und die EU eine Sanktionsreihe nach der anderen beschlossen, was soll’s. Sich mündlich damit völlig einverstanden erklären, das reicht doch, meinte das Ländle.

Dass die USA mit immer schärferen Worten darauf hinwiesen, dass sie Umgehungen ihrer Sanktionen nicht weiter hinnehmen würden – ach ja, Liechtenstein ist klein, sein Herz ist rein.

So schauten die dummen Treuhänder zu, wie sich schon wieder dunkle Gewitterwolken über dem Ländle zusammenbrauten. Und schon schlugen die ersten Blitze ein. Ausgerechnet der gerade abtretende Vizepräsident der Liechtenischen Treuhandkammer Anton Wyss und auch Alexander Lins erwischte es. Geschäfte mit sanktionierten Russen, donnerten die Amis. Niemals, keiften die beiden zurück, gaben aber vorsichtshalber ihre Treuhandlizenz ab.

Ist damit wieder Ruhe im Laden, haben sich die Amis beruhigt? Sieht nicht danach aus. Diesmal wanderten zwei Schweizer Anwälte auf die neuste Sanktionsliste des Ofac, der US-Dunkelkammer für das Fertigmachen von Personen und Firmen.

Die Schweiz habe Lücken in ihren Gesetzen, was Schlupflöcher für sanktionierte russischen Personen und Firmen offenliesse, behauptet der US-Botschafter in Bern. Und fordert die Eidgenossen dringlich auf, sie zu schliessen.

Was hat das mit Liechtenstein zu tun? Sehr viel, denn die gleichen Tricks wie in der Schweiz werden hier auch angewendet. Tarngesellschaft, der Beneficial Owner wird so gut wie möglich versteckt; hübsche Konstrukte werden entwickelt, wo die Stiftungstruktur mal kurz nach Panama verlagert wird, um dann doch letztlich von einem Liechtensteiner Treuhänder kontrolliert zu werden.

Der wiederum als Frontmann für seine russischen Kunden dient. Und bislang dachte: mir kann keiner, der Fürst wird mich sicherlich beschützen.

Der Fürst ist reich und mächtig, mit einem milliardenschweren Privatvermögen, Steuerbefreiung in Liechtenstein und absolutistischer Gewalt. Das verführt zu Überheblichkeit.

Aber wenn die Amis mal richtig böse werden, und das sind sie langsam, weil die Sanktionen kaum etwas bis nichts nützen, dann gibt es nur eins: ihnen das zu geben, was sie wollen. Nämlich alle Daten und Informationen zu russischen Kunden unter der Obhut Liechtensteins.

Wird das Ländle diesem Ansinnen stattgeben? Obwohl damit schon wieder eine lukrative Einnahmequelle wegfällt? Bislang sieht es ganz so aus, als wollte die Liechtensteinische Regierung, gelenkt vom Fürstenhaus, das Sache aussitzen. Nach der Devise: wird dann im Fall nicht so schlimm werden.

Was die letzte US-Aktion in der vergleichsweise mächtigeren Schweiz bedeutet, ist jedem Liechtensteiner Treuhänder klar. Wenn die USA im Ernstfall auch mit der Schweiz Schlitten fahren, dann tun sie das mit einem auf den Rücken gebundenen Arm. Geradezu ein Klacks dagegen ist wirtschaftlich-militärisch Liechtenstein. Wie sollte sich das Ländle auch gegen US-Imperialismus wehren?

Anders als mit Gottesfurcht und Vertrauen in den Fürschten.

 

2. November 2024/20 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-01-um-14.50.53.png 605 916 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-02 08:01:152024-11-01 15:13:23Muss Liechtenstein zittern?

Will sich Liechtenstein mit der Ofac anlegen?

Allgemein

Die Treuhänder halten sich offenbar für unkaputtbar.

Wyss & Partner figuriert immer noch auf der ehrbaren Liste der ehrbaren Liechtensteiner Treuhänder. Obwohl Partner Wyss seine Treuhänderlizenz zurückgegeben hat, nachdem er auf die schwarze Liste der US-Behörde Ofac gekommen ist. Und dabei war Wyss auch noch bis vor Kurzem Vizepräsident der Treuhandkammer. Also ein besonders ehrbares Exemplar der Spezies Treuhänder.

Aber gut, der aktuelle Präsident der Treuhandkammer Stefan Wenaweser hat seine Eignung für diese ehrenvolle Position schon damit unter Beweis gestellt, dass er Dokumente aus Gerichtsakten stahl und sie erst Wochen später und nach zwei Hausdurchsuchungen wieder zurückgab.

Offenbar gilt hier das Prinzip: solches Verhalten beweist, dass die Person für höhere Weihen prädestiniert ist.

Der Eintrag von Treuhänder Wyss auf der Ofac-Sanktionsliste.

Allerdings sind sich die Liechtensteiner Treuhänder und Untreuhänder (und auch ihr Fürscht) vielleicht nicht richtig bewusst, was die Ofac ist. Denn es gibt immerhin 23 Personen und Firmen aus Liechtenstein, die auf dieser Sanktionsliste stehen, mit einer Ausnahme alle wegen Verstössen gegen Russland-Sanktionen.

Aber was ist die Ofac? Das steht für Office of Foreign Assets Control. Die Behörde ist Teil des Schatzamtes und dort dem „Untersekretär für Terrorismus und finanzieller Geheimdienst“ unterstellt.

Die hier kontrollierten aktuell 38 Sanktionsprogramme, von „Afghanistan related sanctions“ bis „Yemen sanctions“, werden durch „Anordnung des Präsidenten“ beschlossen.

Dieses Exekutivrecht stammt aus den Zeiten des Trading with the Enemy Act von 1917. Eine Massnahme aus dem Ersten Weltkrieg, mit welcher der Präsident die Möglichkeit bekam, ohne Federlesen US-Bürgern oder -Firmen zu verbieten, mit feindlichen Staaten Geschäftsbeziehungen zu unterhalten.

Der grösste Blattschuss gelang der OFAC gegen die französische Bank BNP Paribas. Eine runde Milliarde musste das Geldhaus abliefern, auch wegen Verstössen gegen Iran-Sanktionen.

Einem gesellschaftlichen Todesurteil gleich kommt ein Eintrag auf die „Specially Designated National List“. Rund 12’000 Firmen und Einzelpersonen stehen auf dieser Liste, 2’482 Seiten umfasst sie im PDF-Format, für jeden einsehbar.

Dass zum Beispiel Dimitri Medwedew auf Seite 1288 draufsteht, ist nachvollziehbar. Wieso aber der Engländer John M. oder der Mexikaner L.M. darauf geraten sind?

Auch in der Schweiz befinden sich ein paar Dutzend Firmen und Personen auf dieser Sanktionsliste. Von der … AG in Zug über B., J. bis zur … in Genf.

Und eben, 23 Einträge spuckt die Liste aus, wenn man nach Liechtenstein sucht. Ziemlich viel für so ein kleines Ländle. Aber wie auch immer: all diesen Unglücklichen ist eines gemein: Sie sind erledigt.

Ist es eine Firma, kann sie sofort die Bücher deponieren. Ihre Bankkonten werden blockiert und gekündigt, sie kann von einem Tag auf den anderen keine Überweisungen mehr ausführen, keine Miete, keine Löhne, keine Darlehenszinsen mehr zahlen.

Sie wird zum Paria, niemand will mehr etwas mit dem Unternehmen zu tun haben – zu gross ist die Angst vor Ansteckungsgefahr.

Genau gleich verhält es sich mit Einzelpersonen, die auf diese Liste geraten. Haben sie nicht Bargeld gehortet, kommen sie in gröbste finanzielle Schwierigkeiten.

Ihre Kreditkarten funktionieren von einem Moment auf den nächsten nicht mehr, Fluggesellschaften akzeptieren sie nicht mehr als Passagier.

Sie sind von einem Augenblick auf den nächsten mitten in Kafkas Prozess geraten. Ähnlich wie dort reagiert die Ofac nicht einmal auf Anschreiben. Es ist kein einziger Fall bekannt, dass es jemals jemand geschafft haben sollte, von dieser Liste wieder runterzukommen. Ausser vielleicht, indem ein „Lösegeld“ in exorbitanter Höhe bezahlt wurde.

Man kann also sagen, dass die Ofac nicht viel anders vorgeht als Liechtensteiner Untreuhänder. Gegen die ist meistens Widerstand auch zwecklos, Liechtensteiner Gerichte vertagen Prozesse, wenn es gegen einen Einheimischen geht, gerne auf das Jahr irgendwann und irgendwo hinter dem Zeithorizont.

Allerdings jaulen Liechtensteiner Treuhänder kräftig auf, wenn sie von dem Ofac gebissen werden. Das empfinden sie dann als furchtbar ungerecht. Aber so ist halt die etwas verschobene Wahrnehmung der Wirklichkeit und der Welt im Fürstenland.

17. Oktober 2024/23 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-16-um-16.37.45.png 389 695 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-10-17 09:12:022024-10-16 16:39:18Will sich Liechtenstein mit der Ofac anlegen?

Märchenstunde der FMA

Allgemein

Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein FMA fantasiert auf ihrer Webseite.

Schöner Schein ist alles. So schreibt die FMA zum Thema Treuhänder und Treuhandgesellschaften:

«Im Zuge der Totalrevision des Treuhändergesetzes wurde eine wirksame, effiziente und international anerkannte Aufsicht über den Treuhandsektor geschaffen. Allfällige Missbräuche können somit noch wirkungsvoller bekämpft werden.»

Besonderen Wert werde dabei auf «Kundenschutz» gelegt. Dafür arbeite die FMA «mit zuständigen Stellen» wie den Gerichten, der Staatsanwaltschaft, der Financial Intelligence Unit (FIU) und der Treuhandkammer zusammen.

Dabei ist die FMA ganz scharf bei der Kontrolle: «Besteht der begründete Verdacht, dass eine Person unbefugt eine Treuhändertätigkeit geschäftsmässig ausübt oder die Berufsbezeichnung „Treuhänder“ oder eine gleichbedeutende Berufs- oder Geschäftsbezeichnung unberechtigt führt, leitet die FMA ein Aufsichtsverfahren zur Feststellung des Sachverhalts ein.»

Weiter in der Märchenstunde: «Treuhänder und Treuhandgesellschaften haben ihre Tätigkeit nach Massgabe der Standesregeln sorgfältig, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse ihrer Kunden auszuüben sowie durch ihr Verhalten das Ansehen des Berufsstandes zu wahren.»

Tun sie das nicht, mei, mei, tritt eine «von der Plenarversammlung der Treuhandkammer bestellte Untersuchungsperson» in Aktion. Sie führe Untersuchungen durch und übe die Funktion eines Anklägers bei der Standeskommission aus.

Das ist nun echt lustig und typisch Ländle. Also die Treuhandkammer selbst bestimmt eine «Untersuchungsperson», die dann ein Mitglied der Treuhandkammer untersucht. Das ist ungefähr so, wie wenn man einen Dieb damit beauftragen würde, das diebische Verhalten eines anderen zu untersuchen.

Bei Übertretungen können Bussen bis zu 100’000 Franken ausgesprochen werden. Das wird natürlich einen Untreuhänder schwer beeindrucken, wenn der sich mal wieder in Millionenhöhe aus einer Stiftungskasse bedient hat oder durch Dekantieren gleich den ganzen Inhalt in sein eigenes Gefäss umgoss.

Merkwürdigerweise hat aber all diese strenge und rigorose Aufsicht durch die FMA nicht verhindern können, dass sogar ein Vizepräsident der Treuhandkammer blitzartig zurücktrat und sogar seine Lizenz als Treuhänder abgab, weil ihn die US-Behörde Ofac auf eine Sanktionsliste setzte, weil er reichen und sanktionierten Russen beim Verstecken ihrer Vermögen geholfen haben soll. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung.

Der amtierende Präsident der Treuhandkammer, was offenbar dem scharfen Auge der FMA entgangen ist, wurde sogar dabei ertappt, wie er Gerichtsakten stahl und erst unter Druck wieder zurückgab. Aber das sind in Liechtenstein alles Kavaliersdelikte, nicht der Rede wert und auch keinesfalls ausreichend, um bestraft zu werden.

Einen nicht unwichtigen Punkt lässt die FMA allerdings aus. Nämlich das Gebiet, wo es die meisten Probleme im Treuhandwesen Liechtensteins gibt: Die Finanzmarktaufsicht «ist insbesondere nicht zuständig für zivilrechtliche Streitigkeiten zwischen Treuhändern oder Treuhandgesellschaften und ihren Kunden».

Also für das Thema, das mit Abstand die meisten Streitigkeiten und Konflikte auslöst. Aber ausgerechnet da sagt die FMA: sorry, wenn Sie von einem Treuhänder beklaut wurden, dann wenden Sie sich doch vertrauensvoll an die Staatsanwaltschaft und die Gerichte Liechtensteins. Die werden Sie dann abfertigen. Aber wir haben damit nichts zu schaffen.

Damit werden die weihevollen Worte über eine wirksame, effiziente und gar «international anerkannte Aufsicht» über die Untreuhänder ad absurdum geführt. Sie ist übrigens nicht international anerkannt, weil das Treiben der Treuhänder international Aufsehen erregt und Kopfschütteln auslöst.

Die Aufsicht der FMA ist so wirkungsvoll, dass immer mehr Kundenberater beispielsweise von Schweizer Finanzinstituten oder Vermögensberater ihren Kunden raten, sich keinesfalls via Stiftung in die Hände von Liechtensteiner Treuhändern zu begeben. Die Gefahr, dass das Geld dann weg ist, ist einfach zu gross.

11. Oktober 2024/28 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-10-um-21.03.30.png 489 853 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-10-11 06:44:272024-10-10 21:08:05Märchenstunde der FMA

«Solche Ereignisse sind negativ»

Allgemein

Wenn der Liechtensteiner Regierungschef  echt besorgt ist …

Sicherlich in Absprache mit seinem obersten Vorgesetzten, der ihn feuern könnte, sollte er in Ungnade fallen, hat der Liechtensteiner Regierungschef Daniel Risch zu kommentieren geruht: «Für den Finanzplatz sind solche Ereignisse negativ, im spezifischen Fall in besonderem Masse.»

Das sieht sogar Susan Schneider-Köder, Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Treuhandkammer, ähnlich:

«Die Treuhandkammer hat die aktuellen Listungen der liechtensteinischen Treuhandgesellschaften und Treuhänder besorgt zur Kenntnis genommen. Die Listungen sind selbstverständlich für die Branche und den Finanzplatz negativ.»

Ja was ist denn da wieder Blödes passiert? Business as usal ist passiert, muss man sagen. Das US-Office of Foreign Assets Control (Ofac) hat drei Liechtensteiner Treuhandbüros und drei damit verbundene Personen auf seine Sanktionsliste gesetzt.

Um die Tragweite zu verstehen, muss man zunächst verstehen, was das Ofac eigentlich ist. Kurz gefasst: wer auf dessen Radarschirm erscheint, kann eigentlich jede Hoffnung fahren lassen. Die etwas längere Erklärung:

Die Behörde ist Teil des Schatzamtes und dort dem «Untersekretär für Terrorismus und finanzieller – Geheimdienst» unterstellt. Die 26 Sanktionsprogramme, von «Balkan related sanctions» bis «Zimbabwe sanctions», werden durch «Anordnung des Präsidenten» beschlossen. Dieses Exekutivrecht stammt aus den Zeiten des Trading with the Enemy Act von 1917. Eine Massnahme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, mit welcher der Präsident die Möglichkeit bekam, ohne Federlesen US-Bürgern oder -Firmen zu verbieten, mit feindlichen Staaten Geschäftsbeziehungen zu unterhalten.

Unter der Rubrik «Specially Designated Nationals» sind Personen mit Namen, Wohnsitz und Passnummer aufgeführt, mit denen kein US-Bürger Geschäftsbeziehungen unterhalten darf. Dann gibt es eine «Liste von ausländischen Sanktionsumgehern», ebenfalls mit Namen und Anschrift aufgeführt, ebenfalls als Paria stigmatisiert.

Erschwerend kommt hinzu: auf die Liste kommt man relativ schnell und leicht. Runter eigentlich nie mehr. Wer auf ihr aufgeführt ist, hat kein lustiges Leben mehr. Wer nachschauen will; bitte sehr.

Denn vom Ofac sanktioniert zu sein, das ist so wie eine ansteckende und nicht heilbare Krankheit zu haben. Banken wollen keinen Kontakt mehr mit dieser Person oder Firma. Transaktionen werden nicht mehr ausgeführt, Kreditkarten funktionieren nicht mehr. Fluggesellschaften verweigern die Beförderung. Jeder Grenzübertritt gestaltet sich als Hindernislauf. Wer seine Miete nicht mehr zahlen kann, fliegt raus. Usw.

Genau das ist also drei Liechtensteiner Treuhändern passiert, die mit treuem Augenaufschlag beteuern, dass es sich dabei um einen gravierenden Irrtum handele, sie sich keiner Schuld bewusst sind und niemals nicht geholfen hätten, Sanktionen gegen Russland oder reiche Russen zu umgehen.

Allerdings weiss das Liechtensteiner «Vaterland»: «Seit April 2023 haben die USA insgesamt zwölf Einrichtungen (Gesellschaften, Firmen, Stiftungen) und acht Personen wegen mutmasslicher Russland-Kontakte sanktioniert.»

Dass es nun auch den flugs von seinem Amt zurückgetreten Vizepräsidenten der Liechtensteinischen Treuhandkammer Anton Wyss erwischt hat, peinlich.

In wohl jedem anderen Land der Welt würden nun die Alarmsirenen scheppern, würde hektische Betriebsamkeit entfaltet. In Liechtenstein sieht man das alles entschieden ruhiger und gemächlicher. So ist dem Regierungschef Risch immerhin zu entlocken, dass «die Diskussion, in welchen Bereichen die regulatorische und aufsichtsrechtliche Grundlage weiter verbessert werden muss, an Fahrt aufnehmen müssen» wird.

Allerdings bedeutet Fahrt aufnehmen wohl, dass sich Bewegungen eines Faultiers von Ultrazeitlupe in Zeitlupe verwandeln, allerdings auch nur für kurze Zeit, bis erschöpft innegehalten wird.

Liechtenstein, Russengelder, Beihilfe zur Umgehung von US-Sanktionen gegen Russland oder Russen? Verschleierung von Besitzverhältnissen? Aber nein, das sähe der Fürscht gar nicht gerne.

Und ist dann Wyss wegen dieses kleinen Malheurs als Vizepräsident der Treuhandkammer zurückgetreten? Dazu nochmals Schneider-Köder: «Wir möchten richtigstellen, dass sich Herr Wyss nach 15 Jahren erfolgreicher Tätigkeit im Vorstand der Treuhandkammer nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung gestellt hat.»

Also gibt es doch gar keinen Grund für Aufregung oder gar Hektik. Die Treuhandkammer, vom Präsidium abwärts, besteht ausschliesslich aus ehrenwerten Vertretern der Zunft, eine wahrlich ehrenwerte Gesellschaft. Und wer etwas anderes behauptet – wie untreuhaender.li – wird wegen Beleidigung, Verleumdung, Verunglimpfung, Herabwürdigung, überhaupt wegen allem Schlechten und Schlimmen verklagt. Noch unter der Vizepräsidentschaft des sanktionierten Wyss.

Es ist verblüffend: die Lernfähigkeit in den Kammern der fürstlichen Trutzburg ist äusserst beschränkt. Dass es auf der Welt stärkere Mächte als Seine Durchlaucht geben könnte, geht im Ländle offenbar kaum jemanden in den Schädel rein. Dabei müssen die USA nicht mal mit Drohnen oder anderem Kriegsgerät winken. Sie haben die ultimative finanzielle Massenvernichtungswaffe in der Hand. Verbieten sie Liechtensteiner Finanzhäusern und -intermediären die Verwendung des US-Dollar (und das dürfen und können die USA), dann ist der Finanzplatz Liechtenstein so tot wie Fürst Anton Florian, der erste regierende Fürst des Reichsfürstentums Liechtenstein.

Sich totstellen nützt allerdings nicht einmal dem Faultier. Noch viel weniger dem Finanzplatz Liechtenstein.

 

1. Oktober 2024/23 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/09/Bildschirmfoto-2024-09-30-um-18.16.07.png 567 881 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-10-01 10:14:412024-09-30 18:35:11«Solche Ereignisse sind negativ»

Das Fürstentum und die Sanktionen

Allgemein

Non olet, sagt man gerne in Liechtenstein. Bis man erwischt wird.

Liechtenstein war eines der ersten Länder in Europa, das sich den US-Sanktionen gegen Russland anschloss. Bis Ende 2023 hatten die USA 723 Sanktionen erlassen. Das ist ein Klacks gegen die EU, die hat es auf 1’435 gebracht. Rekordhalter ist die Schweiz, die mehr oder minder unbesehen alle Sanktionen von USA und EU übernimmt und daher stolze 1’971 befolgt.

Nun arbeitet Liechtenstein nach diversen Skandalen, meistens verursacht von seinen Treuhändern, intensiv daran, sich als sauberen Finanzplatz zu präsentieren. Reiche Russen, auch das Umfeld des Präsidenten und sogar Putin selbst, versuchen schon seit Langem, aus Sicherheitsgründen die beneficial Owner, also die eigentlichen Besitzer ihrer Reichtümer, Yachten, Immobilien, Goldreserven und Bankkonten, zu verschleiern. Mit doppelter Kraft tun sie das seit dem Februar 2022.

Dafür eignet sich unter anderem prima ein Tarnkonstrukt in Liechtenstein, betrieben von einem verschwiegenen und dem Anwaltsgeheimnis verpflichteten Treuhänder. Non olet, sagt der sich, Geld stinkt nicht, unabhängig davon, wo es herkommt.

Schliesslich bedeutete das Ende des Geschäftsmodells Schwargeldbunker einen schmerzlichen Rückgang der zu betreuenden Stiftungen. Wer in den guten alten Zeiten bei Hunderten Verwaltungsgebühren und andere Einnahmen abgreifen konnte, sitzt nun ziemlich auf dem Trockenen – mit ein paar Dutzend oder sogar noch weniger.

Daher schreibt die «Süddeutsche Zeitung» ganz richtig, dass diese Sanktionen Liechtensteiner Treuhändern überhaupt nicht gefallen, «die seit Langem reichen und zweifelhaften russischen Kunden willig zu Diensten sind». Noch schlimmer:

«In annähernd jedem Liechtensteiner Schwarzgeld- und Geldwäscheskandal der Vergangenheit waren Treuhänder verwickelt. Und seit Monaten wird ein Fall nach dem anderen bekannt, wo Treuhänder aus dem Fürstentum russischen Oligarchen und mutmaßlich sogar Wladimir Putin persönlich dabei halfen, ausländische Vermögenswerte zu tarnen.»

Selbstverständlich, da sind wir ganz sicher, waren das alles Einzelfälle, Ausnahmen, schwarze Schafe, während (fast) alle Liechtensteiner Treuhänder katholisch-fromm nur lautere und saubere Geschäfte betreiben.

Nun hat aber in Liechtenstein auch der Blitz eingeschlagen. In den USA ist die Behörde OFAC im Finanzministerium für die Umsetzung und Kontrolle der Einhaltung der Sanktionen zuständig. Und die kennt kein Pardon; wer einmal auf ihrer öffentlich einsehbaren Liste steht, ist verloren. Keiner will mehr etwas mit den dort Aufgelisteten zu tun haben, zu gross ist die Angst vor den USA.

OFAC wirft der Ruggeller Firma Sequoia Treuhand Trust vor, sie unterhalte laut SZ «enge geschäftliche Verwicklungen in den innersten Kreis des russischen Machthabers Wladimir Putin». Konkret: Das OFAC wirft Sequoia vor, «Luxusimmobilien, die in Verbindung mit dem Oligarchen stehen, verwaltet» zu haben. Usmanow gilt als einer der reichsten Männer Russlands und ebenfalls als persönlicher Freund Putins. Seit 2022 steht sein Name auf westlichen Sanktionslisten.»

Wie es sich für Liechtenstein gehört, gab sich Squoia «überrascht» und versprach schnellstmögliche Aufklärung, denn man könne sich so etwas gar nicht vorstellen. Besonders peinlich für das Ländle ist, dass es mal wieder einen Honoratioren erwischt hat. Denn der Geschäftsführer von Sequoia sass bis 2018 im Verwaltungsrat der Liechtensteiner Landesbank, die staatlich erste Adresse im Ländle.

Nicht zuletzt deswegen hielten es die Liechtensteiner Behörden lange Zeit nicht für nötig, hier genauer hinzuschauen, obwohl schon längst die Gerüchte anschwollen, dass die Sequoia sich im Dunstkreis von Gennadi Timtschenko und Amischer Usmanov bewegte, die wiederum dem russischen Kremlherrscher nahe stehen.

Gut möglich, dass Liechtenstein den gleichen Fehler wie beim Steuerstreit wiederholt. Auch damals liess es seine Treuhänder um den famosen Herbert Batliner lange, zu lange wirken und werkeln und lustige Sachen sagen wie die, dass ihn der steuerliche Zustand ihm anvertrauter Guthaben nicht interessiere und nichts angehe.

Dann ging das System Batliner mit Getöse unter, das Fürstentum schwor auf Weissgeldstrategie und trat dem Automatischen Informationsaustausch bei.

Seither ist es viel schwerer, in Liechtenstein Schwarzgelder zu bunkern. Aber wenn ein schummriges Geschäftsmodell wegfällt, muss ein neues her. Und da meinten offensichtlich einige Treuhänder – Einzelfälle, schwarze Schafe –, dass Geschäfte mit russischen Oligarchen doch ein guter Ersatz sei. Diskrete Kundschaft, meckert nicht bei turmhohen Verwaltungsgebühren und mickrigem Ertrag, alles wäre super, wenn man nicht immer so viel Wodka saufen müsste.

Das ging auf die Leber, aber nun haben die Treuhänder ein viel gröberes Problem.

Und das Image «sauberer Finanzplatz» hat einen weiteren Tolggen ins Reinheft gekriegt. Erstaunlich, dass die fürstliche Regierung, die fürstliche Justiz, die fürstliche Strafverfolgungsbehörde und schliesslich der Fürst selbst und seine Durchlaucht der herrschenden Erbprinz Alois auch hier wieder zu lange zuschauen.

3. Mai 2024/7 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-03-um-15.30.09.png 804 995 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-05-03 16:02:582024-05-04 10:16:24Das Fürstentum und die Sanktionen

USA schauen auf Liechtenstein

Allgemein

Das Ländle lässt weiterhin keinen Fettnapf aus.

Der Stiftungssumpf, genauer das Walten von Untreuhändern, das ist ein Problem in Liechtenstein. Dass die fürstliche Justiz diesem Treiben mehr oder minder wohlwollend zusieht, ist ein anderes Problem. Dass die Treuhandkammer nicht gegen solche Nestbeschmutzer vorgeht, sondern diesem Blog hier drohen lässt, das ist kein Problem, sondern einfach Ausdruck arroganter Verblendung.

Aber ein weiteres, ganz grosses Problem ist das Verhältnis zu den USA. Mit einzelnen Stiftern oder Begünstigten kann Liechtenstein ruppig umspringen, da verfügt das Ländle über mehr Ressourcen, Macht und die Unantastbarkeit eines Fürstenhofs, der absolutistisch regiert.

Aber gegenüber den USA ist Liechtenstein, auch wenn man das nicht gerne sieht oder hört, ein Zwerg. Nein, eher ein Floh. Da flötet die Liechtensteinische Landesverwaltung:

«Liechtenstein und die USA sind vereint durch ihr Bekenntnis zu einer internationalen Ordnung, die auf den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und den Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte und einer freien Gesellschaft beruht. Beide Länder verbindet ein langjähriges gemeinsames Engagement gegen Bedrohungen dieser Grundlagen.»

Wie weit dieses Bekenntnis wohl geht? Wie flötet die fürstliche Landesverwaltung weiter: «Darüber hinaus besteht eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität, Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche und Steuerbetrug.»

Hingegen meinte der Fürstliche Verwaltungsgerichtshof in einem endgültigen Urteil vom Januar 2013, dass ein Entscheid des fürstlichen Steueramts, Bankdaten im Rahmen eines Amtshilfegesuchs an die USA weiterzuleiten, die den Verdacht auf Steuerhinterziehung erhoben, «ersatzlos aufzuheben» sei. Das haben die USA sicherlich freudig erregt zur Kenntnis genommen.

Gut das mag nun Schnee von gestern sein. Aber nach dem Steuerstreit ist vor den Sanktionen gegen Russland. Und wo ein Wille ist, ist doch auch immer ein Weg, sagt man sich in Liechtenstein. Besonders, wenn man zum Kreis der Einflussreichen und Mächtigen im Ländle gehört. Da dachte schon mancher: mir kann keiner.

Umso schockierter war dann die Herrscherschicht im Ländle, als die USA ohne Federlesens die Geschäftsleitung und den «konzessionierten Treuhänder und Vermögensverwalter» Sequoia Treuhand Trust auf die Sanktionsliste der Ofac setzte. Das steht für «Office of foreign Assets Control». Das ist eine US-Behörde, die seit 1917 verhindern soll, dass Geschäfte mit Feinden der USA getätigt werden. Und da die USA der Ansicht sind, dass ihre Gesetze überall auf der Welt gelten, wenden sie sie auch im Ländle an – ob das dem Fürsten passt oder nicht.

Sequoia, passend nach dem Mammutbaum genannt, war bereits in den Panama-Papers aufgepoppt. Nun lautet aber der Vorwurf, es sein Beihilfe zur Umgehung der US-Sanktionen gegen Russland geleistet worden. Und da versteht der Weltpolizist keinen Spass.

Nun hatte Liechtenstein schon zwei Tage vor Bern im Februar 2022 bekannt gegeben, dass man die Sanktionen der EU vollständig nachvollziehen werde. Allerdings blockierte das Ländle dann nur einen Peanuts-Betrag an russischen Vermögenswerten.

Schliesslich gab es traditionell immer gute Beziehungen zwischen Liechtenstein und Russland. Zwei Regierungschefs, Markus Büchel und Klaus Tschütscher, übernahmen nach ihrem Abgang aus der Politik das Amt des Honorarkonsuls der Russischen Föderation. Tschütscher trat von diesem Amt dann nach der russischen Invasion 2022 zurück.

Sequoia ihrerseits gab die Bewilligung als Vermögensverwalter zurück. Ob das allerdings reicht, um die Amis zu besänftigen? Schliesslich wird vermutet, dass via Liechtensteiner Stiftungen Milliardenbeträge an Oligarchenvermögen verwaltet, verheimlicht und versteckt werden.

22. April 2024/5 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/04/Bildschirmfoto-2024-04-22-um-15.34.45.png 554 666 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-04-22 15:39:002024-04-23 12:41:53USA schauen auf Liechtenstein
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