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Schlagwortarchiv für: Medienlandschaft

Wie Liechtensteiner die Welt sehen

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Zumindest die Medienwelt …

Gerald Hosp und Patrick Böhler hatten Gelegenheit, in der NZZ zu behaupten:

«Von Liechtensteins Medienlandschaft lernen.»

Zunächst: wer sind denn die beiden Geistesriesen?

«Gerald Hosp ist Geschäftsführer der Denkwerkstatt Stiftung Zukunft.li; Patrick Böhler ist Gründer des Medienforschungsunternehmens Gazzetta.»

Ob es wohl eine Rolle spielt, dass es sich bei Gazzetta um ein von Zukunft.li unterstütztes Projekt handelt? Ob es wohl eine Rolle spielt, dass Zukunft.li sich zwar als unabhängige Denkwerkstatt bezeichnet. Aber ausschliesslich von privaten Förderern und Unternehmen finanziert wird?

Wer ist das wohl? Um die Unabhängigkeit zu überprüfen, wären die Namen von Geldgebern durchaus interessant. Aber hallo, wir sind hier in Liechtenstein. Da dankt die Stiftung zwar ihren «langjährigen und treuen Förderern», Namen nennen will sie allerdings nicht.

Während Zukunft.li häufig mehr Transparenz in Politik, Verwaltung und Medien fordert, bleibt die Herkunft der finanziellen Mittel ihrer eigenen Förderer weitgehend intransparent.

Gut, aber das ist halt der übliche Sumpf im Ländle, über den Konfetti gestreut wird und alle Beteiligten sagen: Sumpf? Was für ein Sumpf? Hier ist kein Sumpf.

Aber welche Gedankenblitze lassen die beiden völlig unabhängigen – auch voneinander natürlich auch – Herren über die Leser der NZZ niedergehen?

Sie wollen, nach der Ablehnung der 200-Franken-Initiative in der Schweiz, der Frage nachgehen: «Was sollen öffentliche Medien leisten und für wen?» Das ist unbestreitbar eine gute Frage. Eine Antwort gaben die Liechtensteiner Stimmbürger, sie haben sich «im Oktober 2024 mit 55,4 Prozent für die Aufhebung des Rundfunkgesetzes ausgesprochen».

Warum sie damit das Ende des Radio Liechtenstein besiegelten, darüber verlieren die beiden Herren kein Wort. Ob es wohl daran gelegen sein könnte, dass die Steuerzahler nicht länger einen Fürstenfunk finanzieren wollten? Oder der richtigen Ansicht waren, dass ein Multimilliardär das fehlende Geld doch problemlos aus der Kasse für Pipifax und Ähnliches einschiessen könnte. Denn der Fürst, sowie sein Statthalter auf Erden, sind schätzungsweise eine zweistellige Milliardenzahl wert. Wobei ihre Kunstsammlung fast unschätzbar ist.

Aber gut, Reiche sind meistens geizig, das ist bekannt und gilt auch für den Fürschten. Aber nach dem Ableben des Radios und nachdem das Volksblatt Ende 2023 die Schraube machte, bleibt eigentlich nur noch das Vaduzer Medienhaus übrig, das die einzige Tageszeitung «Vaterland» herausgibt.

Dieses Medienhaus gehört wiederum der «Stiftung Vaterländische Union«, die wiederum mit der gleichnamigen Partei eng verbandelt ist. Es wäre nicht Liechtenstein, wenn die Parteizeitung ebenfalls 2023 nicht ein Redaktionsstatut eingeführt hätte, dass die redaktionelle Unabhängigkeit behauptet.

Das ist ungefähr so glaubhaft wie dass im Hause Ringier der Hausherr Ringier keinesfalls in die Belange der Redaktion der glücklichen «Blick»-Familie eingreifen würde. Wobei er das nur äusserst selten tun muss, so wie der Coninx-Vertreter Pietro Supino bei Tamedia. Denn vorauseilender Gehorsam ist die beste Arbeitsplatzgarantie für Journalisten im Rahmen der allgemeinen Sparmassnahmen.

Was fällt denn nun den beiden Herren ein, wovon andere sogar lernen könnten? «So soll das Vaduzer Medienhaus, Verlegerin des Leitmediums «Vaterland», von einer Stiftung mit breiter gesellschaftlicher Trägerschaft übernommen werden, um das Medium zu entpolitisieren, das noch im Besitz einer Partei ist. Die Medienförderung soll zudem demokratisiert werden: Bei diesem Modell verteilt die Bevölkerung und nicht eine Bürokratie die Fördersumme auf die einzelnen Medienunternehmen. Jeder und jede wird zum Medienförderer. Der Einfluss eines dominanten Mediums wird gedämpft.»

Das hört sich wunderbar geschwollen an. Lässt man aber die Luft raus, bedeutet dieses «Modell», dass alle mitreden könnten – was immer bedeutet, dass niemand mitreden kann.

Statt dass eine parteipolitisch gebundene Stiftung die Monopolzeitung herausgibt, was wenigstens keinen Zweifel offenlässt, wer hier das Sagen hat, soll eine Pseudomasse («jeder und jede wird zum Medienförderer«) Inhalt und Kurs bestimmen. Dass es dabei keine Unfälle, sprich kritische Artikel über die heiligen Kühe Liechtensteins gibt, gilt noch Folgendes: «Gerade auf lokaler und regionaler Ebene bedarf es einer Verschränkung zwischen privater Initiative, wenn nötig philanthropischem Geld und auch klug eingesetzten öffentlichen Mitteln.»

Am Schluss dann noch etwas zur Erheiterung: «Vielmehr gilt es, private Initiative zu stützen und Lücken zu benennen, damit Journalismus das liefert, was er sollte: konkreten Nutzen für seine Nutzerschaft.»

Nur mal so aus Spass: wenn der konkrete Nutzen für die Leserschaft darin bestünde, den unsäglichen Filz im Finanzplatz zu kritisieren, das Zusammenspiel zwischen räuberischen Treuhändern, geldgierigen Bankern und willigen Gerichten, wäre das unter einer solchen Trägerschaft möglich?

Bitte nicht zu laut lachen.

2. Juni 2026/52 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-01-um-21.32.26.png 479 1034 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-02 07:03:102026-06-01 21:37:27Wie Liechtensteiner die Welt sehen

Geschwurbeltes in der NZZ

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Stiftungen

Das Fürstentum Liechtenstein blendet (fast) alle.

Der absolutistisch regierte Kleinstaat bräuchte eigentlich als einzig denkbares Kontrollorgan eine starke Medienlandschaft. Denn Regierung, Parlament und Justiz sind unter der Knute des Fürstenhauses und würden es nie wagen, eine Entscheidung der Blaublüter in Frage zu stellen.

Nun hat aber das Liechtensteiner Volksblatt 2023 die Schraube gemacht. Seither herrscht als Tageszeitung monopolartig das Vaterland. 2025 wurde Radio Liechtenstein der Stecker gezogen. Der Fürst war nicht bereit, dem Fürstenfunk etwas Geld zur Verfügung zu stellen. Was ihm nicht mal in der Portokasse aufgefallen wäre.

Also weniger Konkurrenz, weniger investigativer Journalismus, schwächere Kontrollfunktion. So ist beispielsweise vom anhaltenden Skandal der rund 800 Zombie-Trusts im Ländle kaum etwas zu lesen oder zu hören.

Aber Gerald Hosp und Patrick Böhler schwärmen als Gastkommentatoren in der NZZ: «Von Liechtensteins Medienlandschaft lernen». Das sollten sie auch, denn Hosp ist der Geschäftsführer der Stiftung Zukunft.li, Böhler gehört das Medienforschungsunternehmen Gazzetta. Das sei ein von Tallinn und New York aus operierendes Büro, von dem noch niemand etwas gehört hat.

Diese beiden unabhängigen Koryphäen behaupten: «Für Liechtenstein hat sich die Denkfabrik Zukunft.li sechzehn unterschiedliche Modelle angeschaut.» Wunderbar.

Von diesen 16 Modellen hat eines obsiegt:

«Die Empfehlungen sind auf den Kleinstaat zugeschnitten: So soll das Vaduzer Medienhaus, Verlegerin des Leitmediums «Vaterland», von einer Stiftung mit breiter gesellschaftlicher Trägerschaft übernommen werden, um das Medium zu entpolitisieren, das noch im Besitz einer Partei ist. Die Medienförderung soll zudem demokratisiert werden: Bei diesem Modell verteilt die Bevölkerung und nicht eine Bürokratie die Fördersumme auf die einzelnen Medienunternehmen. Jeder und jede wird zum Medienförderer.»

Es gibt dabei nur ein, zwei, viele kleine Probleme. Wie viele Opfer aus leidvoller Erfahrung wissen, ist eine Stiftung in Liechtenstein eigentlich nie eine gute Idee. Denn die Stiftungsräte bestimmen und beherrschen – nach Gutdünken und im eigenen Interesse.

Die Errichtung einer Stiftung bedeutet überhaupt nicht, dass dadurch redaktionelle Neutralität und Unabhängigkeit geschaffen wird. Natürlich gibt es ideologische Prägungen (wir lieben den Fürsten), Netzwerke und Seilschaften, strategische Interessen.

Abgesehen davon, dass beispielsweise Mäzene hinter den Kulissen Einfluss nehmen können, bleiben viele Fragen offen. Wer entscheidet? Wer haftet? Wer kontrolliert die publizistische Linie, wer bestimmt, welche Themen behandelt und welche nicht mal mit der Beisszange angefasst werden? Wer kann korrigieren, wenn etwas schiefläuft?

Kommt noch staatliche Förderung dazu, ist ein solches Modell eigentlich  schlimmer und untauglicher als der klar ausgewiesene Besitz einer Tageszeitung durch eine Partei. Da weiss der Leser, woher der Wind weht.

In einem Kleinstaat wie Liechtenstein sind Politik, Wirtschaft, Verbände, Fürstenhaus und Medien nicht nur personell eng verbunden. Wenn diese Eliten im Stiftungsrat sitzen, dann gute Nacht kritischer Journalismus.

Wieso sollte dann eine Stiftung Pressefreiheit befördern, wenn das Medienmonopol bestehen bleibt und keinerlei Medienvielfalt entstünde.

Wenn schon, wäre ein Genossenschaftsmodell oder andere Formen der Organisation in Frage, die verhindern könnten, dass die gleichen Machteliten wie vorher den Inhalt bestimmen – und gebeugten Hauptes untertänig dem Fürstenhaus zujubeln.

Dass Liechtensteiner Wasserträger gerne aus dem bestehenden medialen Elend im Ländle geradezu tollkühn die Behauptung sorgen, man könne von der Medienpolitik im Fürstentum lernen, das ist das eine.

Wieso allerdings die NZZ einen solchen Unsinn publiziert, das ist das andere, die medienpolitisch interessantere Frage.

29. April 2026/19 Kommentare/von Treuhänder
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