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Schlagwortarchiv für: LLB

MBaer und Liechtenstein

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale

Ähnlichkeiten wären rein zufällig. Oder eben nicht.

Selten hat eine Schweizer Bank einen so heissen Reifen gefahren wie die MBaer. 2018 vom Urenkel des Gründer der Bank Bär ins Leben gerufen, wurde ihr vor Kurzem der Stecker gezogen.

Zuerst wurde sie wegen Geldwäsche für den Iran und Russland vom US-Finanzsystem ausgeschlossen. Dann wachte tatsächliche auch die FINMA auf und entzog ihr die Banklizenz. Laut FINMA wiesen satte 80 Prozent aller Geschäftsbeziehungen «erhöhte Risiken» auf, 98 Prozent (!) der Vermögenswerte stammten von «Hochrisikokunden».

Da braucht es schon ziemlichen Todesmut, um eine Bank so zu führen. Auf der anderen Seite: Michael Bär und die anderen leitenden Figuren der Bank sind nach erbitterter Gegenwehr abgesprungen und müssen sicherlich nicht darben. Etwas anders sieht es bei den Kunden aus.

Und dann gibt es, worauf die SonntagsZeitung zu recht hinweist, die türkische Halkbank. Die wurde 2019 in den USA wegen systematischer Geldwäsche und Umgehung von Sanktionen in der Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar angeklagt. Sie wehrte sich mit dem Argument, dass sie eine Staatsbank sei und daher immun.

Wunder über Wunder: ein US-Bundesgericht verkündete gerade die Aussetzung der Strafverfolgung, die liege nicht im Interesse der USA. Es gibt allerdings kaum Zweifel an der Schuld der Bank, genauso wenig wie daran, dass der türkische Machthaber Erdogan vom Schalten und Walten der Bank wusste.

Aber eben, es gibt Entscheidungen im Rahmen des Rechtsstaats, und es gibt politische Entscheidungen. Und die USA wollen die Türkei als Verbündeten behalten.

Währenddessen dürfen bei der Mbaer nur Gelder bis zu 100’000 Franken ausbezahlt werden. Überweisungen nur auf ein anderes Bankkonto in der Schweiz oder in Liechtenstein.

Womit wir beim Fürstentum wären. MBaer hat nicht zuletzt vermutete Geldwäsche für den Iran den Kopf gekostet. Denn auch Banden wie die Revolutionswächter oder die ganze Führungsschicht des Mullahstaats müssen ja irgendwie ihren Geldhaushalt regulieren, und da sprechen wir nicht von Peanuts.

Auf der anderen Seite weiss jede Bank: no risk, no fun. Kommen bei der Abwicklung von Geldverkehr oder der Aufbewahrung von Geld die Themen Geldwäsche oder Sanktionen ins Spiel, dann wird es für den Kunden teuer. Gebühren von 10 Prozent, 20 Prozent, 30 Prozent sind keine Seltenheit, eine Traumrendite.

Allerdings wird der Traum zum Alptraum, wenn die Behörden der Bank auf die Schliche kommen. Dann helfen nur noch gute Beziehungen.

Wie steht es damit in Liechtenstein? Die LGT ist faktisch Staatsbank, sie gehört dem Fürschten, und der ist der Staat. Die LLB ist ein staatliches Institut, sie gehört zur Hälfte dem Land Liechtenstein und zur anderen Hälfte dem Fürschten. Also auch ihm.

Kann man davon ausgehen, nachdem schon die Ländle-Bank Alpinum engste Beziehungen zum Iran unterhielt, genauso wie der in St. Gallen domizilierte stinkreiche Sherkati-Clan, dass das Fürstentum und sein Finanzsystem völlig sauber von iranischen Geldern ist?

Wer das glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.

Noch ist nichts aufgepoppt im Ländle. Dass die dortige fürstliche Bankenaufsicht FMA bei fürstlichen Banken ganz genau hinschaut: wer das glaubt, glaubt an den Weihnachtsmann.

Es ist anzunehmen, dass nicht nur in der LGT oder der LLB hektisch Nachtschichten eingeschaltet werden, um zu überprüfen, wie tief die Verwicklungen mit iranischen Geldern ist.

Nur: in den guten alten Zeiten konnte das zentrale Kontenbuch geschnetzelt, gerübelt, verbrannt werden. Und dann galt: was, wir? Womit? Mit wem? Niemals, Ehrenwort.

Heute aber hinterlässt alles, einfach alles seine digitalen Spuren, und die sind nicht löschbar.

Und ob dann auch der Fürscht sagen kann, dass seine Staatsbanken immun vor Strafverfolgung seien? Wobei doch eher anzunehmen ist, dass Präsident Trump im Fall der Fälle sagen würde: Who the fuck is this Prince of what? Of Liechtenstein? What’s that?

17. März 2026/40 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-15-um-18.08.52.png 835 1323 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-17 05:00:022026-03-15 18:16:17MBaer und Liechtenstein

Was wäre, wenn …

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein

… Donald Trump richtig auf Liechtenstein sauer wird?

Inzwischen weiss die Welt: es ist keine gute Idee, den US-Präsidenten zu ärgern. Im Mindestfall bekommt man Strafzölle aufgebrummt, in der Höhe von bis zu 100 Prozent.

Nehmen wir also an, dem Fürsten wäre das irgendwie gelungen. Am ehesten dadurch, dass sich weiterhin eine beeindruckend hohe Zahl von liechtensteinischen Treuhändern um die US-Sanktionen foutieren. Das hat bekanntlich bereits dazu geführt, dass üperproportional viele von ihnen selbst auf der Sanktionsliste der US-Behörde Ofac gelandet sind.

Ein gescheiterter Kandidat für das Amt des Regierungschefs hatte vollmundig angekündigt, dass das natürlich nicht gehe und er in einer seiner ersten Amtshandlungen bei Trump intervenieren werde, dass der diese Massnahmen sofort rückgängig machen solle. Wie man weiss, reagiert Trump auf solche Forderungen oder Anliegen sehr ungnädig.

Das musste schon die Schweizer Finanzministerin erfahren, die meinte, dank eines besonderen Drahts könne sie Trump am Telefon erklären, wieso seine Zollpläne gegenüber der Schweiz falsch seien.

Nehmen wir also an, diesem Kandidaten wäre es doch gelungen, die Wahlen zu gewinnen. Also hätte er zum Telefonhörer gegriffen, denn es ist eher unwahrscheinlich, dass sich Trump die Zeit nehmen würde, den Liechtensteiner Regierungschef persönlich zu empfangen.

Unterstützt durch einen Übersetzer hätte der dann Trump dazu aufgefordert, seine falschen und ungerechten Sanktionen gegen blitzsaubere und anständige Treuhänder des Fürsten sofort aufzuheben. Denn so ginge das ja wirklich nicht.

Wahrscheinlich hätte sich der Regierungschef dann einen Moment lang gewundert, wieso sein Gesprächspartner kommentarlos den Hörer aufgelegt hatte. Wahrscheinlich gibt er gleich die entsprechenden Anweisungen, hätte der Liechtensteiner gedacht.

Stattdessen wäre er kurz darauf mit der Ankündigung überrascht worden, dass die USA per sofort 100 Prozent Zusatzzölle auf den Import aller Liechtensteiner Produkte erhöben. Dann hätte man dem Präsidenten allerdings erklärt, dass die 500 Millionen Franken, für die das Ländle in die USA exportiert, doch Pipifax seien.

Also hätte Trump kurz überlegt und seine Berater gefragt, was denn Liechtenstein, diesem «shithole», wie er gesagt haben soll, richtig wehtäte. Einer kam auf die nahtliegende und clevere Idee: na, ein Ausschluss vom Dollarclearing wäre ziemlich schädlich. Nachdem man Trump erklärt hatte, was das bedeutet, nämlich schlichtweg den Tod aller liechtensteinischen Banken innerhalb von 48 Stunden, schlug der begeistert mit der Faust auf den Tisch und sagte: let’s do it.

Kurz nach Verkündigung dieser Massnahmen läutete das Handy des Regierungschefs Sturm. Die LGT, die LLB und alle anderen Banken des Ländle riefen ihn an und tobten dermassen, dass er ein ganz rotes Ohr bekam. Er wollte schon entnervt das Handy abschalten, als er eine ihm wohlbekannte Nummer aufleuchten sah.

Er nahm unwillkürlich Haltung an und sagte: «Seine Durchlaucht, mein lieber Fürst, was verschafft mir die Ehre Ihres Anrufs?»

Allerdings musste er dann auch hier das Handy auf Armlänge von seinem Ohr weghalten, denn auch der Fürscht geruhte in seinem Zorn, seine Stimmbänder gewaltig zu strapazieren.

«Jawoll, mein Fürst», stammelte der Regierungschef, «ich werde mich sofort darum bemühen, ihr untertänigster Diener.»

Dann wählte er mit zitternden Fingern die Nummer des persönlichen Assistenten von Präsident Trump. «Ich muss ihn sofort sprechen», jammerte er mit seinem kläglichen Englisch ins Handy, «es geht um Leben oder Tod».

«Ach was», antwortete der Assistent cool, «der Präsident ist auf dem Golfplatz und möchte unter keinen Umständen gestört werden. Rufen Sie doch morgen nochmal an, oder besser, übermorgen».

Das war der Moment, wo sich zum ersten Mal in der Geschichte Liechtensteins ein amtierender Regierungschef aus dem Fenster stürzte.

6. März 2026/47 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-01-um-18.54.27.png 781 1309 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-06 07:07:122026-03-01 18:58:44Was wäre, wenn …

Jetzt auch noch der Iran

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Treuhänder

Es kommt knüppeldick für das Fürstentum.

Zuerst die Russengelder. Die liessen 800 Zombie-Trusts zurück, die bis heute als Untote über den Finanzplatz Liechtenstein wanken. Nicht liquidiert, aber auch nicht lebendig. Einzige Massnahme: diesen Zustand bis in alle Ewigkeit verlängern. Typisch Liechtenstein.

Dann kam Venezuela. Der korrupte Führungsclan hatte Multimillionen in Liechtenstein deponiert oder durch Liechtenstein transferiert. In Dollar, aber auch in Gold. Einzige Massnahme bislang: Schwamm drüber, einfach nicht drin rumrühren, bitte.

Ein eher kleiner Klacks ist Kuba. Die Insel hatte nie die ganz grossen Raubgelder zu verstecken, aber ein paar Millionen dürften sicherlich auch in Liechtenstein versteckt sein.

Und jetzt der Iran. Hier geht es wie im Fall Venezuelas wieder um Milliarden, die über die Jahre aus den Öleinnahmen abgezweigt und im Ausland versteckt wurden.

Da poppen die Namen um Ali Shakarchi und und Yousef Sherkati auf. Zwei iranische Geschäftsleute, die über Imperien von Firmen und Holdingstrukturen gebieten. Sherkati besass bis 2021 die liechtensteinische Bank Alpinum in Vaduz. Anschliessend musste er das Geldinstitut verkaufen.

Dem Käufer brachte sie allerdings auch kein Glück. Der österreichische Unternehmer Günther Walcher nannte sie in Sora Bank um, im Frühjahr 2023 gab das Institut die Banklizenz zurück und ging in freiwillige Liquidation.

Die Famie Sherkati betreibt allerdings von St. Gallen aus weiterhin ein riesiges Firmengeflecht.

Aber auch unabhängig von diesen Geschäftsleuten haben natürlich Mullahs und Mitglieder der Revolutionsgarden, die nicht völlig ihr Schicksal in die Hand Allahs legen wollen, dafür gesorgt, dass im Fall der Fälle im Ausland ein Notgroschen auf sie wartet.

Kleine Inseln im grossen Weltmeer, das sind immer beliebte Anlaufstellen dafür. Oder Andorra, Guernsey, San Marino oder eben das Fürstentum gleich neben der Schweiz. Das strahlt doch Biederkeit, Sicherheit und Seriosität aus. Und hat erst noch einen gläubigen Fürsten.

Der glaubt zwar nicht an Allah, aber niemand ist perfekt.

Also ist davon auszugehen, dass einige Dutzend, wenn nicht Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden abgezweigter iranischer Gelder im Ländle lagern.

Wie immer und überhaupt profitabel verwaltet von den geldgierigen Treuhändern, die für den Erhalt ihres Lebensstils und ihres Berufsmottos «arbeite so wenig wie möglich, kassiere so viel wie möglich» keine Skrupel kennen.

Doch schon jetzt sind diverse Iraner auf den Sanktionslisten der US-Behörde Ofac. Während sich die ersten Bombardements zu einem veritablen Krieg entwickeln, intensivieren die USA natürlich ihre Anstrengungen, möglichst viel iranisches Geld im Ausland zu blockieren.

Und bekanntlich sind ihre Methoden dabei nicht gerade zimperlich, wie auch Liechtenstein schon bitter erfahren musste.

Um den USA willig Auskunft zu erteilen und um iranische Vermögenswerte arretieren zu lassen, genügt wie immer der dezente Hinweis, dass die beiden Fürstenbanken LGT und LLB doch sicher gerne weiterexistieren möchten.

Dem kann von den USA blitzartig ein Ende bereitet werden, wenn sie die Banken vom Dollarclearing ausschliessen, also vom Handel mit Dollar. Das dürfen die USA, denn sie sind Besitzer der Währung.

Da immer noch rund 80 Prozent aller Finanztransaktionen weltweit in Dollar stattfinden, ist jede Bank innert 24 Stunden tot, die nicht mehr daran teilnehmen kann.

Selbst wenn der Besitzer ein Fürst ist.

3. März 2026/48 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-02-28-um-15.19.52.png 826 1318 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-03-03 07:06:142026-03-04 11:46:40Jetzt auch noch der Iran

Die hohe Kunst des Diebstahls nach Fürstenart

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Stiftungen

Banküberfall? Betrug? Unterschlagung? Kinderkram im Vergleich zum Fürstentum.

Ein Bankräuber, ein Betrüger oder jemand, der unterschlägt, alle diese Gangster müssen einigen Aufwand betreiben, laufen dabei ein nicht unbeträchtliches Risiko, und wenn sie erwischt werden, müssen sie die Beute herausrücken und einige Jahre im Knast verbringen.

Denn in einem Rechtsstaat sind Polizei und Justiz dazu da, die Enteigneten zu beschützen und die Diebe zu sanktionieren.

Das ist im Fürstentum alles etwas anders. Ganz anders.

Zunächst einmal ist der Aufwand, um sich in den Besitz von fremden Eigentum zu setzen, unvergleichlich kleiner. Es reicht völlig, Treuhänder zu sein, als solcher als Stiftungsrat zu amtieren, und Jackpot.

Nur ganz blöde Exemplare greifen dann direkt in den ihnen anvertrauten Geldtopf. Das sind Verzweiflungstaten in höchster Not, wenn zum Beispiel die brasilianische Geliebte ultimativ weitere Zuwendungen fordert. Oder wenn man unbedingt seine Rolls-Royce-Sammlung up to date halten will.

Der clevere Treuhänder macht das ganz anders. Er entledigt sich zuerst der Begünstigten und allfällig nicht in Komplizenschaft mit ihm verbundenen Stiftungsräte. Dann kann er unkontrolliert und ungehemmt schalten und walten, wie es ihm gefällt. Denn mit dem Wegfall der Begünstigung entfällt natürlich auch das Informationsrecht.

Dieser Zustand kann problemlos mehrere Jahre, viele Jahre so andauern. Bis die Stiftung ausgeplündert ist oder die Begünstigten, was aber die Ausnahme ist, sich ihren Status und damit das Informationsrecht zurückerobert haben.

Aber auch das ist nur in Ausnahmefällen so. Selbst wenn das Informationsrecht wieder in Kraft ist, was soll der Begünstigte schon gross machen, wenn er einfach nicht informiert wird? Unter irgend einem Vorwand oder auch ohne.

Er kann höchstens das machen, was er schon vorher tat. Hier kommen wir zur Besonderheit des Diebstahls nach Fürstenart. Ausserhalb des Fürstentums gibt es eine Justiz, die zwar auch nicht immer perfekt arbeitet, aber auf jeden Fall nicht auf der Seite der Diebe steht, sondern die Bestohlenen normalerweise beschützt.

Die liechtensteinische Justiz funktioniert ganz anders. Alle Richter wissen, dass sie ihre Anstellung und das damit verbundene üppige Gehalt der Huld des Fürsten, bzw. seines Stellvertreters auf Erden, Erbprinz Alois, verdanken. Und wiedergewählt werden wollen, wobei der Fürst die Hälfte der Stimmen plus den Stichentscheid auf seiner Seite hat.

Es ist allgemein bekannt, dass das Fürstenhaus die zwei grössten Banken des Ländle betreibt (LGT und LLB) und somit am Wohlergehen der Treuhänder höchlichst interessiert ist.

Wird ein Treuhänder zum Untreuhänder, dann wendet sich der Betrogene natürlich an die Strafverfolgungsorgane. Die Staatsanwaltschaft kann gar nicht mehr zählen, wie viele Nichtanhandnahmeverfügungen mangels Anfangsverdacht sie schon ausgestellt hat.

Daraufhin wendet sich der Bestohlene an die Zivilgerichte. Die fällen Urteile gegen ihn mit Windeseile. Geht es um die Beurteilung seiner Anliegen, also zum Beispiel die Wiedereinsetzung als Begünstigter oder sein Informationsrecht, dann legt im Vergleich eine Schnecke ein rasantes Tempo vor.

Für jeden Entscheid vergehen Monate, Jahre, viele Monate, viele Jahre. In jeder Instanz, wohlgemerkt. Und ist mal die oberste Stufe der Leiter erreicht, was nur in den seltenen Fällen vorkommt, dass der Betrogene noch finanzielle Mittel hat, dann wird der Fall auch gerne wieder zur Neubeurteilung nach unten durchgereicht.

Und schon kann das Spiel wieder von vorne beginnen.

Kriminelles Handeln, das von der Justiz gedeckt und unterstützt wird, das ist in Kerneuropa absolut einmalig. Das ist der Sonderfall Liechtenstein.

Unverständlich, dass es immer noch tollkühne Stifter gibt, die in diesem Unrechtsstaat ihre Stiftung zu vermeintlich treuen Händen übergeben wollen. Und sich in diesem Moment endgültig vom in ihr enthaltenen Vermögen verabschieden sollten. Das machst vielleicht den Trennungsschmerz leichter.

26. Februar 2026/23 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-24-um-17.01.02.png 789 1328 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-02-26 07:08:322026-02-24 17:03:49Die hohe Kunst des Diebstahls nach Fürstenart

Fürstliches Landrecht

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale

Liechtenstein plus Justiz gleich Skandal.

Dort, wo man sein Geld deponiert, sollten zwei Dinge garantiert sein. Das Vermögen wird sicher verwahrt. Und bei möglichen Streitigkeiten gibt es Rechtssicherheit durch ein funktionierendes Justizsystem.

An beidem hapert es im Fürstentum Liechtenstein beträchtlich.

Dafür gibt es gleich ein Büschel von Gründen.

Erstens ist es um Rechtsstaatlichkeit immer schütter bestellt, wenn es einen absolutistisch regierenden Herrscher gibt, der Legislative, Exekutive und Judikative beherrscht. Also im Ernst- und Zweifelsfall schalten und walten kann, wie er gerade lustig ist.

Zweitens ist es um die Sicherheit des zu treuen Händen überantworteten Geld schütter bestellt, wenn der Treuhänder immer wieder in die Geldtöpfe langt und meins und seins nicht unterscheiden kann. Wenn das keine Einzelfälle sind, sondern ein systematisch-kriminelles Vorgehen immer nach dem gleichen Schema, dann ist höchste Vorsicht geboten.

Wenn die Justiz Absurditäten wie den «blossen Anschein einer möglichen Interessenkollision» erfindet, dann sollte man sein Geld so schnell wie möglich abziehen – wenn man kann.

Aber damit ist noch nicht alles aufgezählt, was Liechtenstein zu einem Unrechtsstaat, einer Räuberhöhle mit fürstlicher Fassade macht.

Dass rund 800 Zombie-Trusts ans Licht gekommen sind, die seit inzwischen anderthalb Jahren herrenlos als Untote herumstehen und langsam vor die Hunde gehen, ist ein klares und unübersehbares Indiz, dass die Mär des bedauerlichen Einzelfalls schlichtweg eine Lüge ist, die durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird.

Nun ist es aber so, dass selbst in Liechtenstein mit seiner absonderlichen fürstlichen Justiz eigentlich in einem solchen Fall Handlungsbedarf besteht. Denn ein Trust oder eine Stiftung kann nicht einfach beliebig lang inaktiv, aber doch irgendwie existent sein. Eben ein merkwürdiges Leben als Zombie führen. Nicht richtig lebendig, aber auch nicht richtig tot.

Für solche Fälle, dass die notwendigen Organe, also die Stiftungsräte, verlustig gegangen sind, gibt es eigentlich gesetzliche Regelungen. Es wird ein Zwangsverwalter oder Liquidator eingesetzt, der den Untoten zur letzten Ruhe bettet, also ihn liquidiert, auflöst, abwickelt.

Nachdem aber diverse fürstliche Treuhänder unangenehme Begegnungen mit der US-Sanktionsbehörde Ofac hatten, die ihre bürgerliche Existenz aufs schwerste beeinträchtigt, lassen sich auch mit guten Worten und verlockenden Geldsummen keine Liechtensteiner Treuhänder finden, die so tollkühn wären, hier einzuspringen.

Nun könnte der Fürst, beziehungsweise der regierende Erbprinz Alois, geruhen, zwangsweise einen solchen Treuhänder einzusetzen. Den braucht es leider, denn zwecks Einkommenssteigerung ist mindestens ein Liechtensteiner obligatorisch.

Aber natürlich will das die fürstliche Regentschaft ihren Untertanen nicht antun, in der unendlichen Güte, die das Haus von und zu Liechtenstein schon immer ausgezeichnet hat.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, dass die fürstlichen Banken LGT und LLB an der Lagerung und Verwaltung der stillgelegten Vermögenswerte von schätzungsweise 20 Milliarden Dollar weiterhin nett verdienen.

Aber selbst in Liechtenstein, wo Prozesse gerne auch mal viele Jahre dauern können, wenn sie gegen einen Einheimischen angestrengt werden, muss da irgendwas passieren.

Dafür wurde schliesslich extra eine Task Force, eine Steuerungsgruppe eingesetzt, die ruhelos eine Lösung für dieses eklige Problem findet sollte. Die tagte sicherlich ohne Unterlass und wälzte und verwarf unzählige Lösungsmöglichkeiten.

Also was tun? Wahrscheinlich hatte es Sportler in dieser Task Force, denen der Begriff Time out geläufig ist. Zum Beispiel beim Basketball kann das verlangt werden, um die Taktik anzupassen oder um sich zu regenerieren.

Heissa, das ist doch die Lösung. Also hat Liechtenstein die entsprechenden Vorschriften im Handelsregister «angepasst». Das bedeutet, dass Verfahren für verwaiste Trust-Strukturen einfach eingefroren werden können. Für unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Keine Zwangsliquidation mehr, super. Zudem kann ein sogenannter «Kurator» eingesetzt werden, der mit behördlicher Genehmigung einzelne Massnahmen zur Vermögenssicherung ergreifen darf und somit hoffentlich vom Bannstrahl der Ofac verschont bleibt.

Das ist weltexklusiv eine einmalige Anwendung vom reinsten fürstlichen «was nicht passt, wird passend gemacht»-Landrecht.

Willkürlich, absurd, spricht einem Rechtsstaat Hohn. Wenn eine vorgeschriebene gesetzliche Massnahme – die Liquidation – aus Schiss nicht durchgeführt werden kann, dann lässt man’s einfach.

In der Hoffnung, dass dem Fürschten oder sonst jemanden irgendwann irgendwas einfallen wird. Sagenhaft.

23. Februar 2026/21 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-20-um-17.00.30.png 592 936 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-02-23 07:02:012026-02-20 17:06:37Fürstliches Landrecht

Das organisierte Bereichern

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder, Untreuhänder

Das kleine Ländle mit grosser krimineller Energie.

Die Treuhänder- und Untreuhänderblase in Liechtenstein umfasst rund 130 Personen mit Treuhand-Lizenz. Die Zahl schwankt immer ein wenig, abhängig davon, wie viele gerade im Knast sitzen oder Probleme mit der US-Sanktionsbehörde Ofac haben.

Dazu gibt es rund 220 Treuhand-/Trust-Firmen mit insgesamt ca. 2500 Beschäftigten, die alle denkbaren (und wohl auch manche undenkbaren) Dienstleistungen anbieten.

Da gibt es grosse und kleine Fische. Die drei grössten sind das Allgemeine Treuunternehmen (ATU), Kaiser Partner und die First Adisory Group, die aus Herbert Batliners Firma hervorgegangen ist.

Batliner verkörperte idealtypisch den Liechtensteiner Treuhänder. Er erfand die Familienstiftung als Steuervermeidungsvehikel. Er war hoch angesehen und dekoriert (die Liste seiner Orden umfasst 28 Einträge, darunter das Grosskreuz des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens). Er war Präsident des Staatsgerichtshofs und Präsident der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP). Schon sein Vater war 40 Jahre lang Direktor der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) gewesen.

Der «Kammerherr seiner Heiligkeit» (gemeint ist der Papst) raffte ein Vermögen von geschätzten 200 Millionen Franken zusammen. Aber seine Karriere endete unrühmlich. Die deutsche Staatsanwaltschaft war hinter ihm her, wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in der Höhe von mindestens 250 Millionen. Aus dieser Bredouille entkam er mit der Zahlung von läppischen 2 Millionen Euro.

Übler war eine andere Affäre des «Fürstlichen Kommerzialrats» Batliner. Er nutzte die Demenz einer alten, aber reichen Witwe aus und liess sich von ihr 10 Millionen für «geleistete Dienste» schenken. Dafür wurde er tatsächlich und sogar in Liechtenstein verurteilt. Ein bitteres Ende einer grossartigen Karriere.

Geschäftsmodell Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Geschäftsmodell Ausnützen kinderloser Witwen, die nicht so genau darauf achten, was sie unterschreiben. Geschäftsmodell Aneignen der ganzen Stiftung. Geschäftsmodell Informationsverweigerung und Abzocken der Stiftung mit ungeheuerlichen Honoraren.

Eigentlich ist der Beruf des Treuhänders nicht aussergewöhnlich lukrativ. Es geht hier im Allgemeinen um Durchschnittsgehälter von bis zu 150’000 Franken im Jahr. Denn die Tätigkeit ist auch nicht besonders fordernd. Eine Stiftungsurkunde aus dem Stehsatz nehmen und leicht anpassen. Darauf achten, dass weiter hinten ein paar Fussangeln eingebaut sind, mit denen man im Notfall einen aufsässigen Begünstigten mit Hilfe der fürstlichen Justiz rauspfeffern kann.

Und dann im Netzwerk mit Vermögensverwaltern und Liechtensteiner Fürstenbanken anlegen und verwalten und missbrauchen.

Denn Batliner war und ist natürlich nicht der Einzige, der es als Treuhänder zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht hat. Immer wieder poppen Fälle von unglaublicher Bereicherung auf. Wie konnte sich Norbert Steeger die grösste Rolls-Royce-Sammlung der Welt leisten, für die er eigens ein wahres Mausoleum baute? Wie konnte Mario Staggl, der Betreiber der Szenebar Esquire, über Jahre hinweg Millionen aus den ihm anvertrauten Stiftungen abzweigen?

Liebestolle Treuhänder, die das ihnen anvertraute Geld ihrer Geliebten nachschmeissen, Ein-Mann-Buden, die sich plötzlich einen Porsche Taycan leisten können, weil sie sich selbst Honorare über 75’000 Franken und mehr auszahlen – pro Monate, versteht sich, und über Jahre hinweg –, die Millionärsdichte unter fürstlichen Treuhändern ist erschreckend hoch.

Es ist völlig logisch und auf der Hand liegend, dass es sich dabei nicht um bedauerliche Einzelfälle handelt. Auch die Existenz von 800 russischen Zombie-Trusts, die seit über anderthalb Jahren führerlos als Untote herumstehen, beweist, wie skrupellos hier vorgegangen wird.

Immer nach zwei Devisen. Wenn’s mich nicht in den Knast bringt, nach‘ ich’s. Das müsste dann aber auch ganz blöd laufen. Die zweite: mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Nachdem das Steuerhinterziehungsmodell Familienstiftung unter internationalem Druck implodiert war, wollten die Liechtensteiner Treuhänder doch tatsächlich, dass man ihnen gesetzliche Immunität vor Strafverfolgung zusicherte. Sie hätten doch schliesslich im Rahmen der fürstlichen Rechtsprechung gehandelt.

Geld scheffeln, das ist die wahre Lieblingsbeschäftigung der Treuhänder, die sie mehr oder minder geschickt hinter der Maske des biederen, anständigen gläubigen Menschen verbergen.

Aber diese Maske fällt immer öfter, die Skandale jagen sich. Eigentlich wäre ein Umdenken angesagt, um den Ruf des Geldaufbewahrungsplatzes Liechtenstein nicht noch vollständig zu ruinieren.

Aber von liebgewonnenen Gewohnheiten, die in Fleisch und Blut übergegangen sind, trennt man sich halt sehr, sehr ungern.

20. Februar 2026/49 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-19-um-20.56.04.png 611 938 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-02-20 07:12:302026-02-19 20:58:09Das organisierte Bereichern

Wieso nicht den Fürsten stürzen?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder, Untreuhänder

In Europa gibt es keine absolutistischen Herrscher mehr. Mit einer Ausnahme.

Es gibt die lustig Kolumne «Frag die WoZ». Her handelt die linke Wochenzeitung aktuelle Fragen ab, die sie sich selbst stellt. Die neuste: «Was spricht gegen eine militärische Intervention zur Befreiung Liechtensteins?»

Dsa ist eine sehr gute Frage. Die hier mit Humor abgehandelt wird. Denn es ist tatsächlich realistisch, dass die Schweizer Armee mit den Verteidigungskräften Liechtensteins fertigwerden würden. Die bestehen schliesslich aus Grössenordnung 80 Polizisten, die höchstwahrscheinlich keinen nennenswerten Widerstand leisten würden.

Aber warum sollte die Schweiz das tun? Weil es gerade in Mode ist? Nun, im Fall Liechtensteins, ähnlich wie bei Venezuela, gibt es durchaus einige Gründe dafür.

Die WoZ zählt sie auf: «Zum einen sind die Liechtensteiner:innen im Verschleiern von Schwarzgeld, im Erfinden lustiger Finanzkonstrukte und im liebevollen Verstecken diskreter Konten von Autokraten und Mafiosi bekanntlich fast noch gewitzter als wir. Durch die Übernahme des Liechtensteiner Bankensektors liesse sich sicher der eine oder andere Trick abgucken. Ausserdem ist es auch eine Frage des nationalen Stolzes, sich in Sachen Geldwäscherei nicht vom benachbarten Zwergstaat übertrumpfen zu lassen.»

Aber die Zeitung hat noch mehr Argumente auf Lager: «Zum anderen ist da der Fürst mit seinem leidigen katholischen Gedöns. Ja, es nervt, wenn Grosskonzerne mit Lobbygeldern bürgerliche Politiker:innen kaufen und die Demokratie pervertieren. Aber noch schlimmer ist ein stockkonservativer Monarch, der parlamentarische Entscheide nach Gutdünken aushebelt. Ein Mann, der wie im Mittelalter geschniegelt in seinem Schloss auf einer Klippe sitzt und seinen Unter­tan:in­nen seinen Willen aufzwingt. Im Vergleich wirkt das englische Königshaus wie ein autonomes Kulturzentrum. Tatsächlich kippte Seine Durchlaucht Fürst von und zu Liechtenstein 2011 mit seinem Vetorecht einen parlamentarischen Entscheid zur Legalisierung von Abtreibung.»

Nun kommen wir zum unrealistischen Teil der Überlegungen:

«Letztlich sprechen zwei Gründe gegen eine Invasion: Erstens wollen die Liechtensteiner:innen sie wohl nicht. Zweitens riskieren wir beim Zustand unserer Truppen einen jahrelangen Abnutzungskrieg gegen achtzig Polizist:innen.»

Sagen wir so: es gibt sicherlich einige Liechtensteiner, die nicht von ihrem Fürsten befreit werden wollen. Alle Teilhaber am Finanzplatz zum Beispiel. Denn die wissen, dass das Fürstenhaus seine schützende Hand über ihr Treiben hält.

Sie wissen auch, dass sie auf die fürstliche Justiz zählen können, sollten Klagen wegen all den Schweinereien eintreffen, die sie sich zu schulden lassen kommen.

Blöd ist höchstens, dass diverse fürstliche Treuhänder das Ländle nicht mehr verlassen können. Denn da Liechtenstein keine Untertanen ausliefert, sind sie hier sicher vor ausländischer Verfolgung. Allerdings ist dadurch der Lebensradius arg eingeschränkt.

Dann wollen die meisten Richter, Staatsanwälte und Justizangestellte natürlich nicht, dass in Liechtenstein rechtsstaatliche Zustände eingeführt würden.Daran sind sie nicht gewöhnt, für ordentliche Gerichtsverfahren wären sie untauglich und würden arbeitslos.

Insbesondere die rund 130 Treuhänder und Untreuhänder wären absolut gegen eine Befreiung vom Absolutismus. Denn nur er garantiert ihnen, dass sie weiterhin ungeniert, skrupellos und geldgierig ihren Geschäften nachgehen können.

Würde Liechtenstein vom Fürstenhaus befreit, das schliesslich mit absolutistischer Machtfülle regiert, die Regierung zum Teufel jagen kann, das Parlament auflösen, das Veto gegen jedes Gesetz einlegen und auch verordnen, dass Strafuntersuchungen eingestellt werden, wäre das höchstwahrscheinlich auch das Ende der Fürstenbanken LGT und LLB.

Für den normalen Untertan würde sich allerdings nicht viel ändern. Er kann das Wort «Fürscht» aus seinem Wortschatz streichen und endlich mal die Trutzburg ob Vaduz besichtigen.

Ein schöner Plan. Leider unverwirklichter. Schade auch.

30. Januar 2026/45 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-29-um-18.14.17.png 596 931 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-30 07:03:402026-01-30 09:27:28Wieso nicht den Fürsten stürzen?

Bröckelnde Fassade

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz

Alles heil im Ländle? Nein, Unheil droht.

Die Zahl schwerwiegender, detailliert belegter Vorwürfe gegen das liechtensteinische Justiz‑ und Finanzsystem hat inzwischen eine Schwelle überschritten, jenseits derer jede weitere Beschwichtigung zur gezielten Realitätsverweigerung wird. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nicht mehr, ob Liechtenstein ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, sondern wie lange der Anspruch eines rechtsstaatlich verlässlichen Finanzplatzes noch ohne offenen Gesichtsverlust aufrechterhalten werden kann.

Was sich derzeit offenbart, ist kein Konjunkturphänomen medialer Aufmerksamkeit, sondern das Sichtbarwerden eines Problems, das über Jahre – teils über Jahrzehnte – hinweg stabil reproduziert wurde.

Immer mehr Betroffene treten nun erstmals an die Öffentlichkeit und zeichnen ein bemerkenswert konsistentes Bild: Sie berichten von Strukturen, Entscheidungsabläufen und Machtkonstellationen, die sich jeder Erklärung als zufällige Fehlentwicklung entziehen. Die wiederkehrenden Muster lassen nicht den Schluss auf vereinzelte Irrtümer, sondern auf systemische Fehlfunktionen zu.

Der Verdacht liegt nahe, dass in Liechtenstein rechtsstaatliche Prinzipien nicht als verbindliche Leitplanken gelten, sondern als flexible Ressource, deren Geltung im Einzelfall verhandelbar erscheint – abhängig von Person, Netzwerkzugehörigkeit und wirtschaftlicher Relevanz.

Besonders beunruhigend ist dabei die zunehmende Evidenz dauerhaft verfestigter personeller und institutioneller Verflechtungen zwischen Treuhändern, Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten. Es verdichtet sich der Eindruck eines hochgradig routinierten, personell überschaubaren und nach aussen hermetisch abgeschotteten Systems, das zentrale Funktionen von Kontrolle, Korrektiv und Verantwortlichkeit systematisch neutralisiert.

In einem derart geschlossenen Gefüge verlieren rechtsstaatliche Sicherungen zwangsläufig ihre Wirksamkeit – nicht durch offenen Rechtsbruch, sondern durch permanente informelle Steuerung.

Während Geschädigten reflexartig der Verweis auf angeblich „bedauerliche Einzelfälle“ präsentiert wird, wächst parallel die Wahrnehmung, dass ein klar identifizierbarer Kreis von Akteuren über Jahre hinweg von genau diesem Zustand profitiert hat. Das Narrativ des isolierten Fehlers wirkt dabei längst wie eine Schutzbehauptung, deren eigentliche Funktion weniger Aufklärung als Abschirmung ist. Je häufiger sie bemüht wird, desto offensichtlicher wird, dass es nicht um Einzelfälle, sondern um die Stabilisierung eines Systems ohne effektive externe Kontrolle geht.

Der Abstand zwischen dem offiziellen Selbstbild Liechtensteins – geprägt von Rechtsstaatlichkeit, Integrität und Transparenz – und den übereinstimmenden Schilderungen zahlreicher Betroffener ist inzwischen so eklatant, dass er sich weder mit Loyalitätsappellen noch mit institutioneller Selbstvergewisserung überbrücken lässt.

Wo demokratische und rechtsstaatliche Kontrollmechanismen faktisch ins Leere laufen, degenerieren Rechtsschutz und Gewaltenteilung zu formalen Kulissen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Reformen notwendig sind, sondern ob das bestehende System überhaupt noch willens und fähig ist, sich selbst wirksam infrage zu stellen.

Hier ist die dritte Stufe einer Treppe erklommen wurde. Vom Einzelfall zum systematischen Missbrauch hin zu einem systemischen Problem.

Eine Lösung ist nicht mal am Horizont in Sicht. Hier ist das Fürstentum Opfer seiner Komplizenschaft zwischen Fürstenjustiz und dem Wirken des Finanzplatzes.

In der Absenz eines Rechtsstaats haben sich Methoden wie in einer Räuberhöhle breitgemacht. Ein Korrektiv ist nicht in Sicht.

Die sich skrupellos bereichernden Akteure auf dem Finanzplatz werden sicher nicht freiwillig davon lassen. Die Justiz hat sich diskreditiert und fällt als Ordnungsmacht aus.

Bliebe noch einer. In einem absolutistisch-mittelalterlich regierten Staat hätte der allmächtige Fürst, bzw. sein Stellvertreter auf Erden, Erbprinz Alois, die Macht, mit einem Federstrich all diesem Treiben ein Ende zu setzen.

Durchaus auch im eigenen Interesse, denn die Fürstenbanken LGT und LLB stecken bis über beide Ohren in diesen trüben Geschäften.

Wagt er es?

28. Januar 2026/54 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-26-um-18.24.51.png 573 931 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-28 06:57:562026-01-26 18:26:18Bröckelnde Fassade

Ein Sumpfbläschen

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale

Identec Group und Sun Contracting AG. Zwei Millionengräber aus Liechtenstein.

Die Identec Group AG hat ihre Sitz in Vaduz. Sie emittierte Aktien und Obligationen über ihren Liechtenstein-Ansatz an Hunderte Anleger, vorrangig in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland. Diese Papiere wurden mit stark positiven Renditeaussichten beworben, die konnten aber nicht erfüllt werden.

Die Sun Contracting AG hat ihren Sitz in Balzers und ist Muttergesellschaft einer Unternehmensgruppe. Auch hier wurden Anleihen und Produkte Anlegern in der Schweiz, Österreich und Deutschland verkauft. Als nachhaltige Anlage mit stabilen Renditen.

Beide Firmen sind pleite. Konkurs. In Liquidation. Sie hinterlassen Hunderte von geprellten Anlegern, oft finanztechnische Laien. Der Gesamtschaden liegt in Millionenhöhe.

Gegen beide Buden laufen oder liefen Strafverfahren in Liechtenstein und in Österreich, Unter anderem wegen möglicher Täuschung von Anlegern. Gegen Verantwortliche der Sun Contracting Gruppe laufen Ermittlungen der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) u. a. wegen Betrugs- und Bilanzvorwürfen.

Die Identec Group AG und die Sun Contracting AG sind (bzw. waren) über ihren rechtlichen Sitz in Liechtenstein unmittelbar mit dem Fürstentum verbunden, was sich in Firmenregistrierung, Insolvenzverfahren und rechtlichen Auseinandersetzungen widerspiegelt.

Es gab aber auch eine ganz direkte Verbindung mit dem Fürstenhaus: Prinz Michael sass in ihrem Verwaltungsrat.

Michael Karl Maria Josef (* Michael Karl Alfred Maria Felix Moritz Prinz von und zu Liechtenstein) ist auch in der Geschäftsleitung beim Industrie- und Handelskontor Ets. in Vaduz.

Zudem war der Prinz lange Jahre im Vorstand der Liechtensteinischen Treuhandkammer. Also des Aufsichtsorgans über Geschäftsleute wie ihn, die in Verwaltungsräten von Finanzfirmen Einsitz nehmen.

Gegen die Vermittler der beiden Pleitefirmen laufen inzwischen Strafverfahren. Denn hier muss mit einiger krimineller Energie vorgegangen worden sein.

Letztlich mit einem der ältesten Tricks in der Branche: einem Renditeversprechen. Einem Versprechen das zudem deutlich über den marktüblichen Zinsen lag.

Was fast immer darauf hinweist: hier entsteht ein Schneeballsystem. Die Verzinsung von ersten Einlagen wird mit Hilfe von neuen Einlagen getätigt. Allerdings erwirtschaften diese neuen Anlagen nicht nur keine Erträge, sie werden auch in der Substanz ausgehöhlt.

Das müsste eigentlich jedem VR klar sein, insbesondere, wenn er wie Prinz Michael offenbar über solide finanztechnische Kenntnisse verfügt. Denn er beglückt auch die Welt regelmässig mit ökonomischen Analysen.

Und diese Koryphäe will nicht gemerkt haben, dass er im VR einer Schwindelfirma sitzt?

Im Gegensatz zu den Geschäftsleitungen, Finanzintermediären und Anlageberatern muss der Prinz allerdings keine Strafverfolgung befürchten.

Oder hat man schon jemals davon gehört, dass in Liechtenstein ein Prinz und Mitglied der erweiterten fürstlichen Familie vor Gericht stand? Kein fürstlicher Richter würde das wagen, dessen Tun im Gerichtssaal jeweils von einem mässig gelungenen Schwarzweiss-Porträt des Fürschten Hans Adam II. himself im Profil streng überwacht wird.

Denn neben den grossen Skandalen, die zuletzt gehäuft das Fürstentum erschüttern, laufen die Kleinskandale natürlich im Windschatten mit.

Sozusagen kleine Sumpfblasen im grossen Sumpf Finanzplatz Liechtenstein. Wo Prinzen und andere Mitglieder der umfangreichen fürstlichen Familie ihre Finger in allerlei Geschäften haben. Ganz zu schweigen von den Fürstenbanken LGT und LLB.

Auch diese Blasen werden erst verschwinden, wenn der ganze Sumpf trockengelegt ist. Damit wird bereits langsam, aber stetig begonnen.

19. Januar 2026/49 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-17-um-21.10.16.png 496 934 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-19 07:12:052026-01-17 21:20:51Ein Sumpfbläschen

Das Schicksal von Geldbunkern

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein, Stiftungen

Ist das gleiche wie das von Geldwaschmaschinen.

Es ist ganz einfach. Aus illegalen Geschäften gewonnene Profite wollen sicher deponiert, weissgewaschen und angelegt werden.

Völlig egal, ob es sich um Korruptionsgelder, Profite aus Menschen- und Waffenhandel, aus Drogengeschäften, dem Handel mit Blutdiamanten, aus Entführung und Erpressung oder aus der Ausbeutung der eigenen Bevölkerung handelt.

Das weltweite BIP betrug 2024 rund 111 Billionen US-Dollar. Davon werden schätzungsweise aus rein kriminellen Aktionen und Schwarzmärkten ca. 1,5 bis 5 Prozent gewonnen.

Nehmen wir den Mittelwert von 3 Prozent, sind das 3,33 Billionen Dollar. Oder 3’330 Milliarden. Im Vergleich dazu: das BIP der Schweiz betrug 2025 schätzungsweise 1000 Milliarden. Liechtenstein; rund 9,4 Milliarden.

Nimmt man noch die Schattenwirtschaft zu nicht offiziell abgeschöpften und versteuerten Geldern hinzu, sind wir bereits bei einem Anteil von rund 10 Prozent am weltweiten Bruttoinlandprodukt.

Das sind dann gigantische 11,1 Billionen, die jedes Jahr verstaut, gewaschen und angelegt werden wollen.

Die grössten für Geldwäsche geeigneten Finanzzentren sind New York City, London, Singapur und neuerdings auch Dubai. Die sichersten Plätze für Shell Companies, also für Tarnkonstruktionen, um diese Gelder zu verwalten, sind Miami, Connecticut, Delaware und Texas.

Aber es braucht auch Dienstleister, die danach diskret Transaktionen abwickeln, am besten in einem Finanzplatz, wo nicht viele Fragen gestellt werden und der eine grosse Stabilität und Sicherheit bietet.

Wo zudem Muttergesellschaften, also Holdings ihr Domizil haben können, weil der Beneficial Owner hinter dem Verwalter und seinem Amtsgeheimnis verschwindet. Und wo die Justiz sich im Zweifelsfall immer auf die Seite dieser Verwalter schlägt.

Also in einem Wort: Liechtenstein.

Nun wirken diese Geldbunker auf den ersten Blick so stabil wie das Matterhorn und Fort Knox zusammen.

Der täuscht aber wie meist.

Selbst bei einem vergleichsweise Pipifax-Betrag wie bei den Geldbunkern des Pleitiers René Benko genügte äusserer Druck von einem Zwerg wie Österreich, damit sie zunächst einmal gesperrt wurden. Nicht mehr handlungsfähig sind, wie 800 Zombie-Trusts.

Das Gleiche passiert mit venezolanischen Korruptionsgeldern und steht iranischen illegalen Geldern bevor.

Denn die Zeiten, als sich die Liechtensteiner mit unschuldiger Miene und biederem Getue davonschleichen konnten, sind vorbei. Nur haben sie das vom Fürschten abwärts noch nicht so richtig gemerkt.

Am einfachsten ist der Geldbunker über die ihn verwaltende Bank zu knacken. Selbst wenn noch so viele Treuhänder und Holdings vorgeschaltet sind, für Transaktionen und Aufbewahrung braucht es ein Geldhaus.

Ist das Konstrukt erst mal enttarnt, braucht es nur noch eine scharfe Drohung gegen die Bank – Dollarclearing! – schon schmilzt das Matterhorn unter der Sonne, und Fort Knox öffnet seine Tore.

Und was passiert mit einem Finanzplatz, der Diskretion, Vertrauen und Seriosität verloren hat, seine Fähigkeit, Geld beliebiger Herkunft sicher und unantastbar aufzubewahren und für happige Kosten zu verwalten?

Genau, er verwandelt sich in eine Ruine. Denn welcher Besitzer von illegalen Geldern will schon befürchten müssen, dass sein im Schweisse des Angesichts zusammengeraubtes Geld auch ihm geraubt wird?

Da sind nun die Liechtensteiner Treuhänder und Untreuhänder zwischen Hammer und Amboss. Geben sie die Gelder preis und machen sich mit qualmenden Socken vom Acker wie bei den Zombie-Trusts, dann sind die Besitzer sauer. Und da gibt es viele, bei denen man unter allen Umständen vermeiden sollte, dass die auf einen sauer werden.

Tut das der Treuhänder nicht, läuft er Gefahr, dass die USA oder die EU auf ihn sauer werden und ihn auf ihre berüchtigten Sanktionslisten setzen. Das ist zumindest der soziale Tod. Bankkonten gesperrt, keine Geschäfte mehr, das Ansehen eines Parias, der eine ansteckende Krankheit hat.

Auch die Fürstenbanken LGT oder LLB sind vor dem Schicksal nicht gefeit, dass ihnen das Dollarclearing entzogen wird. Also die Möglichkeit, in der wichtigsten Währung der Welt geschäften zu dürfen. Damit würden sie ebenfalls zu gemiedenen Parias mit Ansteckungsgefahr.

Düster. Düster die Zukunft des Finanzplatzes Liechtenstein.

16. Januar 2026/64 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-14-um-19.53.27.png 911 1484 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-16 07:09:282026-01-15 17:32:44Das Schicksal von Geldbunkern
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