Der verstorbene Modegigant Valentino hinterlässt sein Vermögen einer Liechtensteiner Stiftung. Schlechte Idee.
Schon wieder gibt es eine multimillionenschwere Stiftung im Fürstentum. Sie heisst Valentino Garavani – Giancarlo Giammetti Foundation und hat ihren Sitz in Vaduz.
Der mit 93 Jahren verstorbene Valentino hat keine Erben; sein Gesamtvermögen wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Gut, dass der geniale Couturier nicht mehr erleben muss, was mit dieser Stiftung passieren könnte. Wenn in Liechtenstein das passiert, was häufig passiert. Missbrauch, Abzockerei und sogar reiner Diebstahl.
Die Voraussetzungen sind ideal. Der Stifter ist verstorben, es gibt keine bekannten Begünstigten, sondern die Stiftung soll eine Art Sammelgefäss für seine Immobilien, Kunstwerke und sein Vermögen sein.
Wie bei jeder Stiftung ist das beherrschende Organ der Stiftungsrat. In ihm sitzen Giancarlo Giammetti, der langjährige Geschäftspartner Valentinos. Dazu Ronald Feijen, enger Vertrauter Valentinos, Marc André Bonnant, Genfer Anwalt und Testamentsvollstrecker, Grégoire Bordier, Präsident der Vereinigung der Schweizer Privatbanken und Teilhaber von Bordier & Cie. und der Genfer Anwalt Matteo Pedrazzini. Wahrscheinlich deswegen, weil Valentino sein Testament an seinem Wohnsitz in Gstaad abfasste und es somit dem Schweizer Recht unterstellte.
Das nützt aber alles nicht viel, denn in einer liechtensteinischen Stiftung muss obligatorisch ein dazu autorisierter Anwalt oder Treuhänder aus dem Ländle Einsitz nehmen. Das hatte der Fürst schon vor langer Zeit so bestimmt, damit seinen Anwälten und Treuhändern eine lukrative Geldquelle zur Verfügung steht, aus der sie exorbitante Honorarnoten saugen können, die in keinerlei Verhältnis zu ihrer Tätigkeit stehen.
In diesem Fall handelt es sich um den liechtensteinischen Rechtsanwalt Dr. Peter Goop. Er ist einer der vielen im Ländle bestens vernetzten Multistiftungsräte. Da sieht man allerdings nur die Spitze des Eisbergs, weil es dem Fürsten auch beliebte zu verfügen, dass Familienstiftungen und Trusts nicht öffentlich einsehbar sind, also niemand weiss, wer hier im Stiftungsrat sitzt.
Im Fall Goop ist immerhin bekannt, dass er auch Präsident des Stiftungsrats der Maiores Stiftung ist, ausserdem war er Stiftungsrat und dann Liquidator der Valüna Stiftung. Benecare Foundation, Beneficentia Stiftung, Samina Stiftung, wo sich auch Prinz Niklaus von und zu Liechtenstein die Ehre gibt. Sein eigenes Familienvermögen verwaltet er in der Sammlung Adulf Peter Goop Stiftung, benannt nach seinem verstorbenen Vater.
Verbandelt ist Goop unter anderem mit Stefan Wenaweser. Der Partner der bekannt-berüchtigten Kanzlei Marxer & Partner ist zudem öffentlicher Notar und Präsident der Liechtensteinischen Treuhandkammer. Dass ihm vorgeworfen wird, in einem Prozess Akten aus dem Gericht entwendet und sie erst unter Androhung von Zwangsmassnahmen wieder zurückgegeben zu haben, solche Kavaliersdelikte haben im Fürstentum noch niemandem geschadet.
Ob der Sachverstand der fünf Nicht-Liechtensteiner ausreicht, um eine allfällige Usurpation der Stiftung zu verhindern?
Das wäre Business as usual in der Räuberhöhle Liechtenstein. Zunächst einmal könnte Goop in Frage stellen, wer hier Begünstigter ist. Und gleichzeitig sämtliche Informationsrechte kappen. Im sicheren Wissen, dass ein Prozess gegen diese Entscheidung vor den fürstlichen Gerichten Jahre dauern wird.
Sollten nun die übrigen Stiftungsräte protestieren, lassen sich leicht Vorwände finden, um sie ihres Amtes zu entheben. Wären sie auch Begünstigte, was zum teil anzunehmen ist, gibt es den bewährten «blossen Anschein einer möglichen Interessenskollision». Es kommt praktisch nie vor, dass ein fürstliches Gericht einen solchen Antrag eines fürstlichen Treuhänders abweist.
Und schwups, schon wäre Goop zumindest für einige Jahre der nicht mehr rechenschaftspflichtige Alleinherrscher in dieser Stiftung. Und niemand würde erfahren, wie er sich viele Millionen in den eigenen Geldbeutel schaufelt.
Das wäre dann neben dem Bacardí-Skandal, dem Skandal um die Asturion und die Hartlaub Stiftung und neben den verwaisten rund 800 Zombie-Trusts einfach neu der Valentino-Skandal. Na und, sagen da die Liechtensteiner, uns kann keiner.







