Eine hochkorrupte Regierung ist abgewählt worden. Liechtenstein zittert.
Die Weltwoche war sich ganz sicher. Sie stiess schon zum «Prosit auf Orbáns Sieg» an. War etwas vorschnell, in Wirklichkeit gab es eine krachende Niederlage für den Amtsinhaber.
Das ist übel für alle, die sich an seinen Futtertrögen gütlich taten. Da herrschten rustikale und einfache Sitten. Schliesslich bezog Ungarn Millionen und Milliarden von Fördergeldern aus EU-Töpfen. Die mussten natürlich ausgegeben werden, am besten bei regierungstreuen Unternehmern.
Nur ein Beispiel. Lőrinc Mészáros war früher Klempner im Heimatort Orbáns. Dann wurde er in kurzer Zeit einer der reichsten Männer Ungarns. Durch Arbeit im Schweisse des Angesichts?
Selten so gelacht.
Überteuerte Bauprojekte, Projekte mit beschränktem wirtschaftlichen Nutzen, Ausschreibungen, die massgeschneidert nur auf eine Firma passten, es handelte sich um ein ganzes System der Korruption und Abzocke.
Dabei gibt es aber immer das gleiche Problem. Gelder unrechtmässig abkassieren, das ist das eine. Die Gelder anschliessend sicher verstauen, das ist das andere.
Wetten, dass Typen wie Mészáros ihre unrechtmässig ergaunerten Vermögen ins Ausland gebracht haben. Als politisch exponierte Personen (PEPs) müssten sie eigentlich besonders genau unter die Lupe genommen werden, bevor man ihr Geld annimmt.
Das ist in Liechtenstein aber häufig reine Formsache. Ein ungarischer Korrupter bringt sein Geld in eine Stiftung ein. Der Stiftungsrat, obligatorisch ein liechtensteinischer Treuhänder, versichert gegenüber der Depotbank mit treuem Augenaufschlag, dass er sich persönlich über die Korrektheit des zu deponierenden Geldes schlau gemacht habe.
Da gehe alles mit rechten Dingen zu, allerdings möchte der beneficial owner doch gerne diskret im Hintergrund bleiben. In seinem Land lebe man gefährlich, wenn bekannt würde, dass man sein sauer verdientes Geld ins Ausland verbracht habe. Muss man verstehen.
So lagert eine unbekannte Summe von abgezweigten Staats- und EU-Geldern im Fürstentum. Kein Problem, dachten alle Beteiligten, dieser Orbán ist unkaputtbar, der bleibt noch lange an der Macht. War dann aber nix.
Erschwerend kommt hinzu, dass die neue Regierung im Parlament über eine Zweidrittelmehrheit verfügt. Das heisst, sie kann ungeniert neue Gesetze machen und alte abschaffen.
Ob sie weniger korrupt ist als ihre Vorgängerin, das wird sich weisen. Aber auf jeden Fall findet nun ein grosses Stühlerücken vor den Geldtrögen statt.
Schlimmer aber für Liechtenstein: natürlich will die neue Regierung genau wissen, wo denn all die veruntreuten Gelder abgeblieben sind.
Ungarn ist keine Grossmacht wie die USA. Aber ein gewisses Leverage hat das Land natürlich. Zudem möchte auch die EU brennend gerne wissen, wo ihre Subventionsmilliarden denn genau abgeblieben sind.
Teilweise in den tiefen Tresoren der fürstlichen Banken, natürlich. Und diese Gelder wird die neue Regierung zurückfordern.
Einerseits, um der ungarischen Öffentlichkeit zu zeigen, dass es ihr ernst ist mit ihren Wahlversprechen, die Korruption einzudämmen. Andererseits, um genügend Geld in der Kasse zu haben, damit die eigene Klientel befriedigt werden kann.
Auf jeden Fall tut sich hier ein neuerlicher Zombie-Trust-Skandal auf. Im kleineren Ausmass, aber nicht minder verheerend für das öffentliche Image des Ländle als seriöser Finanzplatz.






