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Schlagwortarchiv für: Harry Gstöhl

Im Fürstentum ist der Teufel los

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Treuhänder, Untreuhänder

Und dabei ist Liechtenstein stockkatholisch …

Krach im Fürstenhaus, mittelalterliches Abtreibungsrecht, 31’000 ausgespähte Rechtsträger, Zombie-Trusts und kriminelle Treuhänder. Im Ländle funktioniert eigentlich nur noch eines: die organisierte Verantwortungslosigkeit.

Liechtenstein ist ein bemerkenswertes Staatswesen. Auf gerade einmal 160 Quadratkilometern produziert es eine Skandaldichte, für die andere Länder mindestens zehnmal so viel Fläche benötigen.

Ganz oben kracht es im Fürstenhaus. Erbprinz Alois modernisierte im August das Hausgesetz. Künftig dürfen auch Frauen den Thron besteigen. Allerdings gilt die neue Erbfolge nur für künftig geborene Nachkommen seiner Kinder. Zwei Prinzen protestierten gegen die Reform, sogar eine Klage steht im Raum. Ein hübsches Schauspiel: Ausgerechnet die Familie, die über einem demokratischen Rechtsstaat thront, streitet über ihre eigenen Mitwirkungsrechte. Und über das Privileg, wer dereinst über die Untertanen herrschen darf.

Die haben ganz andere Probleme. Zum Beispiel das Abtreibungsverbot. Während in zivilisierten Ländern die Selbstbestimmung der Frau als Grundrecht gilt, hält Liechtenstein an seiner strafrechtlichen Bevormundung fest. Schon 2011 drohte Erbprinz Alois mit seinem Veto gegen eine Liberalisierung. Im Ländle entscheidet im Zweifelsfall nicht die Frau über ihren Körper, sondern der fürstliche Wille über das Gesetz.

immerhin ist das Recht auf die erste Nacht abgeschafft.

Derweil hat der Finanzplatz ein Betriebsunfällchen erlitten. Daten von rund 31’000 Rechtsträgern wurden aus dem Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen gestohlen. Einschliesslich hochsensibler Angaben über die Menschen hinter Stiftungen, Trusts und Gesellschaften.

Für einen Finanzplatz, dessen Geschäftsmodell wesentlich auf Diskretion beruht, ein Super-GAU. Wer hat die IT entwickelt? Wer die Sicherheit überprüft? Wie konnte eine solche Massenabfrage gelingen? Wer trägt die Verantwortung?

Antworten sind Mangelware. Stattdessen amtliches Schweigen, unterbrochen von Beschwichtigungen. Die Regierung scheint zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst. Am besten ein ganzer Urwald.

Dann wären da noch Hunderte Zombie-Strukturen, nach Schätzungen bis zu 800. Stiftungen, Trusts und Anstalten, die nach den Russland-Sanktionen ohne handlungsfähige Organe dastehen. Die Treuhänder, die zuvor jahrelang prächtig an diesen Konstruktionen verdienten, entdeckten plötzlich ihre Fluchtinstinkte. Die Finanzmarktaufsicht FMA hat ein Problem, die Regierung sucht Lösungen. Die Vermögen bleiben, die Verwalter verschwinden.

Womit wir bei der eigentlichen Spezialität des Finanzplatzes wären: Treuhänder, die fremdes Vermögen als Einladung zur Selbstbedienung missverstehen.

Drei Beispiele gefällig?

Harry Gstöhl, einst sogar Präsident des Staatsgerichtshofs, wurde wegen schwerer Untreue, Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei zu insgesamt acht Jahren Haft verurteilt. Rund 42 Millionen Franken Deliktsumme.

Mario Staggl, liechtensteinischer Treuhänder, wurde in den USA im Zusammenhang mit dem Olenicoff-Komplex wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung verurteilt. Auch er steht für die dunkle Seite der Vermögensverwaltung.

Der Fall der Bacardí-Stiftung Bastille illustriert eine andere Variante: jahrelange Auseinandersetzungen um Stifterwillen, Begünstigtenrechte und die Kontrolle über das Stiftungsvermögen. Ein Lehrstück darüber, wie schwierig es werden kann, Treuhandorgane wirksam zu kontrollieren.

Hier geht es um eine runde Milliarde, die in dieser Stiftung steckt. Während die vom Stifter vorgesehenen Begünstigten ratsgekübelt wurden, kassieren die verwaltenden Untreuhänder unkontrolliert Millionen. Und zahlen ihre Verteidigung gegen die berechtigten Ansprüche aus dem Stiftungsvermögen. Ein reiner Hohn auf einen Rechtsstaat.

Natürlich sind nicht alle Treuhänder schwarze Schafe. Aber Liechtenstein hat eine erstaunlich leistungsfähige Schafzucht. Und ein System, in dem selbst Begünstigte jahrelang prozessieren müssen, um ihre Rechte durchzusetzen.

Das Gesamtbild: Ein Fürstenhaus im Clinch, ein antiquiertes Strafrecht, ein löchriger Datenschutz, herrenlose Vermögensstrukturen und ein Finanzplatz mit bemerkenswerten Schwierigkeiten bei der Selbstreinigung.

Liechtenstein nennt das Stabilität.

Man könnte es auch einen Saustall mit Schlossbeleuchtung nennen.

9. Oktober 2026/24 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-17.05.24.png 516 1270 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-10-09 07:02:572026-10-08 17:05:54Im Fürstentum ist der Teufel los

Die schwarzen Schafe sind die Herde

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Liechtenstein hat ein erstaunliches Schafproblem.

Wann immer ein Treuhänder Millionen veruntreut, Begünstigte aus einer Stiftung gedrängt werden, Vermögen verschwinden oder ausländische Behörden einschreiten, trabt zuverlässig das «schwarze Schaf» durchs Fürstentum.

Einzelfall. Bedauerlich. Hat mit dem Finanzplatz nichts zu tun.

Das Problem: Irgendwann besteht die Herde nur noch aus schwarzen Schafen.

Nehmen wir Harry Gstöhl. Treuhänder, Rechtsanwalt, Präsident des Staatsgerichtshofs, Vorsitzender der Treuhänder-Prüfungskommission – näher kann man dem liechtensteinischen Establishment kaum kommen. Dann wurde er wegen schwerer Untreue, schweren gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei zu insgesamt acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Ein schwarzes Schaf mit bemerkenswert guten Beziehungen zum Schäferhund.

Oder Mario Staggl: sechseinhalb Jahre Haft wegen Untreue, gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei. Zuvor dokumentierte bereits der US-Senat seine Rolle bei Offshore-Konstruktionen des amerikanischen Milliardärs Igor Olenicoff.

Zwei schwarze Schafe. Natürlich.

Dann gibt es den Perry-Komplex. Die Familie des verstorbenen israelischen Unternehmers Israel Perry kämpft seit Jahren um ein in Liechtenstein verwaltetes Milliardenvermögen. Im Zentrum stehen Treuhandstrukturen, Kontrolle über Vermögen und Millionen an Gebühren. Hier handelt es sich um umstrittene Vorwürfe, nicht um rechtskräftig festgestellte Straftaten. Genau deshalb wäre eine schnelle, transparente und unabhängige Justiz entscheidend.

Ähnlich im Bacardí-Komplex. Witwe und Tochter von Lord Luis Bacardí werfen Liechtensteiner Treuhändern seit Jahren vor, sie um die Kontrolle über ein Vermögen von Hunderten Millionen gebracht zu haben. Die ZEIT beschrieb 2023 den jahrelangen Kampf um ein mehr als 700 Millionen Dollar schweres Erbe, auf das die Familie keinen Zugriff erhält. Wieder dieselbe Bühne: Trust, Treuhänder, gigantisches Vermögen, liechtensteinische Gerichte.

Und Hartlaub: Ein langjähriger Stiftungsrat wurde wegen des «blossen Anscheins eines möglichen Interessenskonflikts» abberufen. Das Fürstliche Obergericht bestätigte die Entscheidung. Wieder geht es um die Kontrolle eines dreistelligen Millionenvermögens.

Und über diesem Biotop wacht ausgerechnet die Treuhandkammer.

Deren ehemaliger Vizepräsident Anton Wyss landete 2024 auf der amerikanischen Sanktionsliste. Das US-Finanzministerium wirft ihm und Alexander Lins Geschäfte mit sanktionierten Russen vor; beide bestreiten die Anschuldigungen. Besonders hübsch: Die Treuhandkammer selbst erklärt, die Einhaltung gerade der amerikanischen OFAC-Sanktionen sei für Liechtensteins Finanzintermediäre von entscheidender Bedeutung.

An der Spitze der Kammer steht inzwischen Stefan Wenaweser. Und auch da wird es grotesk: 2011 bestätigte der leitende Staatsanwalt, dass ein Liechtensteiner Anwalt bei einer Akteneinsicht Unterlagen ohne Wissen und Zustimmung des zuständigen Richters aus einem Rechtshilfeakt entfernte. Die Dokumente tauchten erst Wochen später wieder auf; es wurde wegen des Verdachts der Urkunden- beziehungsweise Beweismittelunterdrückung ermittelt.

Das alles wäre schon bemerkenswert genug. Aber das System kontrolliert sich auch noch teilweise selbst. Die Treuhandkammer ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, sämtliche zugelassenen Treuhänder gehören ihr an; zu ihren Aufgaben gehört ausdrücklich die Überwachung der Pflichten des Berufsstandes. Sie verfügt über eigene Disziplinarorgane.

Und nun kommt der entscheidende Punkt.

Ein System, in dem dieselben kleinen beruflichen Kreise Vermögen verwalten, sich berufsständisch kontrollieren, vor denselben Gerichten auftreten und sich in immer neuen Millionenskandalen begegnen, produziert nicht bloss Einzelfälle. Es produziert strukturell die Möglichkeit des Missbrauchs.

Selbst die Regierung hat inzwischen Handlungsbedarf erkannt. In ihrer Reform des Treuhändergesetzes begründete sie neue Aufsichtsinstrumente ausdrücklich mit Sanktionsrisiken und der Gefahr von Reputationsschäden für Land und Berufsstand.

Allerdings sorgt die Fürstenjustiz weiterhin mit allen Mitteln dafür, dass fehlbare Untreuhänder nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Das schwarze Schaf ist deshalb die bequemste Legende des Finanzplatzes.

Gstöhl war ein Einzelfall. Staggl war ein Einzelfall. Perry ist ein Einzelfall. Bacardi ist ein Einzelfall. Hartlaub ist ein Einzelfall. Ein sanktionierter ehemaliger Kammer-Vizepräsident ist ein Einzelfall. Der Aktenskandal ist ein Einzelfall.

Natürlich.

Vielleicht sind das tatsächlich alles Einzelfälle.

Aber eben einzelne Fälle desselben Systems.

Und irgendwann ist nicht mehr das schwarze Schaf erklärungsbedürftig.

Sondern die Herde.

18. September 2026/62 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-16.11.01.png 510 1230 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-09-18 07:04:072026-09-16 16:12:13Die schwarzen Schafe sind die Herde

Treuhänder in Trutzburgen

Allgemein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Unterhalb eines militärischen Erstschlags ist kaum an sie heranzukommen.

Der liechtensteinische Treuhänder ist eine fast sakrosankte Figur. Ein Hybrid aus Priester, Bankier, Türsteher und Schattenherrscher über Milliardenvermögen. Wer ihm Geld anvertraut, übergibt oft nicht nur Vermögen, sondern auch Kontrolle, Transparenz und im schlimmsten Fall jede reale Möglichkeit, sich jemals wieder erfolgreich zu wehren.

Denn bevor ein liechtensteinischer Treuhänder tatsächlich strafrechtlich oder zivilrechtlich haftbar gemacht wird, müssen erst Schutzmauern durchbrochen werden, die höher sind als die Alpenkulisse rund um Vaduz.

Die erste Schutzmauer ist die Konstruktion selbst. Stiftungen und Trusts sind absichtlich so gebaut, dass Eigentum, Kontrolle und wirtschaftlicher Nutzen voneinander getrennt werden. Der Treuhänder sitzt als Stiftungsrat am längsten Hebel. Die Begünstigten hingegen haben oft nur eingeschränkte Informationsrechte – wenn überhaupt. Selbst Fachpublikationen weisen darauf hin, dass diese Rechte eingeschränkt oder ganz verweigert werden können. Nach der Devise: wenn’s dir nicht passt, klag mich doch ein. Viel Spass mit der Fürstenjustiz.

Die zweite Schutzmauer ist die Diskretion. Privatnützige Stiftungen müssen häufig nicht öffentlich registriert werden, sondern lediglich „hinterlegt“. Die wirklich entscheidenden Dokumente bleiben geheim. Selbst die Identität von Stiftern und Begünstigten kann verborgen bleiben.

Die dritte Schutzmauer ist strukturell: Der Treuhänder kontrolliert vielfach die Informationsflüsse selbst. Er entscheidet, welche Unterlagen herausgegeben werden, welche Fragen beantwortet werden und wann ein Begünstigter überhaupt erfahren darf, dass er entrechtet wurde. Wer dagegen prozessieren will, kämpft oft gegen eine Blackbox.

Dann folgt die vierte Schutzmauer: die Kosten. Wer gegen einen liechtensteinischen Stiftungsrat vorgeht, braucht spezialisierte Anwälte, jahrelange Geduld und enorme finanzielle Ressourcen. Der Treuhänder bezahlt seine Verteidigung oft indirekt mit Mitteln der Stiftung selbst – also letztlich mit dem Geld jener Personen, die gegen ihn klagen.

Die fünfte Schutzmauer ist die juristische Kultur des Landes. Liechtenstein lebt vom Finanzplatz. Treuhänder sind kein Randphänomen, sondern Teil des Machtgefüges. Sie sitzen in Verwaltungsräten, Netzwerken, Verbänden und verfügen über beste Verbindungen in Politik und Justiz. Kritik daran gibt es seit Jahren. Selbst GRECO hielt fest, dass liechtensteinische Gesellschaften und Stiftungen weiterhin „für kriminelle Zwecke verwendet“ würden.

Und trotzdem: Verurteilungen? Fast Fehlanzeige.

Der bekannteste Fall bleibt jener des ehemaligen Treuhänders Harry Gstöhl. Er wurde wegen Veruntreuung verurteilt, nachdem er Zugriff auf Stiftungskonten missbraucht haben soll. Der Fall war deshalb bemerkenswert, weil er eben nicht im üblichen Nebel aus Vergleichen, Schweigen und komplizierten Zivilverfahren endete, sondern tatsächlich im Gefängnis.

Daneben existieren einzelne Verfahren wegen mutmasslichen Missbrauchs von Stiftungen oder Untreuehandlungen durch Stiftungsräte. Doch häufig enden solche Prozesse mit Freisprüchen, Verjährungen oder jahrelangen Auseinandersetzungen ohne klare Konsequenzen. Noch 2025 wurden Treuhänder trotz massiver Vorwürfe freigesprochen – verbunden lediglich mit gerichtlicher Kritik.

Und genau darin liegt das eigentliche Problem des Systems.

Zurzeit gesellen sich zu zum allegrössten Skandal um die Bacardí-Witwe, der seit Jahren der Zugriff auf fast eine Milliarde Dollar in einer Stiftung verweigert wird, die 800 Zombie-Fonds mit Milliarden an Russengeldern.

Nicht, dass jeder liechtensteinische Treuhänder kriminell wäre. Aber ein skrupelloser Treuhänder findet in Liechtenstein ideale Bedingungen vor: maximale Intransparenz, minimale Kontrolle, enorme Machtfülle und ein System, das Konflikte bevorzugt intern verwaltet, statt sie brutal offenzulegen.

Der ehrliche Treuhänder schützt Vermögen.

Der skrupellose schützt vor allem sich selbst.

22. Mai 2026/41 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-13.44.16.png 513 1191 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-22 07:02:282026-05-20 13:51:57Treuhänder in Trutzburgen

Das Ländle der Spinnennetze

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Untreuhänder

Jeder kennt jeden: das ist schlecht.

In Liechtenstein sind nicht nur die Amtswege kurz. In einer so kleinen Finanzszene kennt jeder jeden. Jeder weiss, dass er mal mit jedem beliebigen anderen Mitspieler zusammenspannen wird.

Als dessen VR, Stiftungsrat, Vermögensverwalter, Vermittler oder gar Partner.

Also kann es eigentlich keine Nestbeschmutzer geben. Mitwirkende, die doch noch ihr Gewissen entdecken und bei all den Schweinereien, die in Liechtensteins Finanzwelt täglich passieren, nicht mehr länger mitmachen wollen.

Wie eng diese Spinnennetze sind, sei an einem Fall illustriert, der zwar schon ein Weilchen zurückliegt. Aber dennoch symptomatisch ist und alles enthält, was diesen Finanzplatz so anrüchig macht.

Symbol dafür ist die längst geschlossene Bar «Esquire». Der langjährige Treffpunkt der lokalen High Society war ein Kollateralschaden  in einem Finanzskandal.

Mario Staggl ist ein besonders unappetitliches Exemplar in Liechtensteins Treuhändersumpf. Das erste Mal schlug er in der Öffentlichkeit auf, als der Steuerhinterziehungsskandal um den US-Amerikaner Igor Olenicoff platzte. Zusammen mit dem UBS-Banker Bradley Birkenfeld wurde Staggl vorgeworfen, für vermögende US-Kunden rund 200 Millionen Franken zu verstecken.

Das war 2009, seither gilt Staggl für die USA als flüchtig, weil er sich nicht den Anklagepunkten gestellt hatte.

Es war für ihn ratsam, Liechtenstein nicht zu verlassen. Das war ihm dann auch lange Jahre nicht möglich. Denn 2018 explodierte ein neuer Skandal um Staggl. Er benutzte jahrelang ihm anvertraute Kundengelder, um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren.

Dazu gehörte auch die Bar «Esquire».

Der geschätzte Schaden lag bei rund 20 bis 30 Millionen Franken, rund 60 Anleger waren betroffen.

2019 wurde Staggl zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein grosser Teil der Schadensumme war unwiederbringlich verloren. Ausserdem hatte Staggl ein Teil seines Privatvermögens in eine Stiftung transferiert und so dem Zugriff seiner Gläubiger entzogen. Im Gegensatz zum Fall Benko schützte das die fürstliche Justiz.

Da anzunehmen ist, dass sich Staggl in der Haft vorbildlich verhielt, ist davon auszugehen, dass er sich inzwischen wieder auf freiem Fuss befindet.

Aber in diesem Fall ist er einfach die Spinne im Netz, ohne das seine Taten gar nicht möglich gewesen wären. In welchem Netz?

Damals schrieb die «Bilanz»:

«Besonders brisant: Staggls Mutter Gertrud Frick soll Minderheitsaktionärin der Neuen Bank sein. Der frühere Aussen​minister des Landes, Ernst Walch, ist VR der Bank und amtet gleichzeitig als Verteidiger von Staggl. Und der Anwalt der Bank, der frühere Regierungschef Mario Frick, ist Verwaltungsrat in Staggls Familienstiftung. Dorthin hat der Treuhänder seine Immobilen vor dem Zugriff der Justiz in Sicherheit gebracht.

«Wir dachten, Liechtenstein sei einer der sichersten Orte der Welt», sagt Ian Burns, Protektor des geschädigten Aspasia Trusts. «Leider ist das Gegenteil der Fall.»»

Die Neue Bank verwaltete die Treuhandkonten und sah nichts Aussergewöhnliches darin, dass Staggl immer mal wieder für private Auslagen, so für die Anschaffung eines Bentley, in diese Geldtöpfe griff.

Blieb dann alles sozusagen in der Familie. Die Mutter war Minderheitsaktionärin der Bank, ein ehemaliges Regierungsmitglied war VR und amtete gleichzeitig als Staggls Verteidiger, ein anderer als Stiftungsrat.

Zwar kassierte Staggl dann doch eine happige Gefängnisstrafe. Aber bei dieser Schadenssumme, dem Entzug von Geldern aus der Konkursmasse und dieser kriminellen Energie Staggls hätte sie noch viel höher ausfallen müssen.

Oder nehmen wir den noch skandalöseren Fall des «Fürstlichen Justizrats» und ehemaligen Präsidenten des Staatsgerichtshofs Liechtensteins. Der Träger dieser Ehrentitels und höchster Richter im Ländle Harry Gstöhl wurde 2017 und 2018 in zwei Verfahren zu insgesamt acht Jahren Knast verurteilt.

Untreue, schwerer gewerbsmäßigen Betrug, Veruntreuung und Geldwäsche. Er schädigte rund 30 Mandaten um eine Deliktsumme von 42 Millionen Franken. Auch sie ist unwiederbringlich verloren, viele seiner Kunden standen anschliessend vor dem Nichts.

Besonders pikant war, dass Gstöhl Millionen in eine Schwindelkonstruktion eines Kosmetikunternehmens in Italien investierte. Um die Ansprüche seiner brasilianischen Geliebten zu erfüllen. Das Geld war dann weg – sie auch.

In solchen emotionalen und hormonellen Wallungen schweben höchste fürstliche Würdenträger und Richter im Ländle.

Gstöhl wehrte sich mit allen juristischen Mitteln gegen den Vollzug dieser Strafen. Obwohl er ein Geständnis abgelegt hatte, kritisierte er vor allem ihre Höhe.

Daher ist zurzeit nicht bekannt, ob er sich im Knast befindet, den Gefängnisaufenthalt angetreten oder bereits beendet hat.

Verständlich, dass auch Gstöhl enttäuscht war, dass die fürstliche Justiz sich ihm gegenüber so hartherzig zeigte. Man stelle sich nur vor, der fürstliche Staatsanwalt ermittelt gegen den ehemalig höchsten Richter und Träger einer Ehrentitels.

Aber wie Staggl hatte Gstöhl halt zu ungestüm und unverfroren in die Geldtöpfe gegriffen.

Wird das eleganter gemacht, beispielsweise durch Dekantieren oder durch das Rausschmeissen von störenden Stiftungsräten, um sich anschliessend bis zu 100’000 Franken Honorar pro Monat zu spendieren – dann ist die Fürstenjustiz gerne bereit, ihre Kollegen Untreuhänder zu beschützen.

21. Januar 2026/25 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-19-um-16.42.56.png 559 876 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-01-21 07:07:082026-01-19 16:45:31Das Ländle der Spinnennetze

In Liechtenstein steht die Zeit still

Allgemein

Der Beweis: eine Zeitreise in das Jahr 2018.

Ein paar Schlagzeilen von damals:

«Bilanz»-Autor Marc Kowalski beginnt seinen Bericht launig:

«Die Vorhänge sind zugezogen, die Aussentische mit Planen abgedeckt, die Grünpflanzen welken bereits: Die Bar Esquire, lange Jahre der Hotspot von Vaduz und Treffpunkt der lokalen High Society, ist für immer geschlossen. Der Konkurs der Szenebar ist ein Kollateralschaden aus einem Finanzskandal, der gerade Liechtenstein erschüttert. Ihr Pächter, der 53-jährige Treuhänder Mario Staggl, sitzt in Untersuchungshaft.»

Der Mann hatte sich aus Stiftungsvermögen bedient, und dafür sogar die Unterschrift eines Toten verwendet. Fiel niemandem auf im Ländle. Schliesslich war Staggl, nicht nur als Betreiber der Bar Esquire, bestens vernetzt.

Das kommt halt davon, wenn Liechtenstein ein Land der kurzen Amtswege ist, wo vor allem in der Finanzbranche eigentlich jeder jeden kennt, jeder jedem einen Gefallen schuldet – und allen gemein ist, dass man ja den Deckel draufhält, was auch immer passieren mag.

Dabei ist Staggl einschlägig bekannt. Er half dem Whistleblower Bradley Birkenfeld, bis 2018 Vermögenswerte des US-Milliardärs Igor Olenicoff zu verstauen. Vor den diversen Steuerskandalen Business as usual in Liechtenstein. Die US-Justiz setzte Staggl auf ihre Fahndungsliste; pah, sagte die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht und attestierte Staggl weiterhin die Fähigkeit, als Treuhänder zu amtieren.

Vielleicht gehörten solche Sachen damals dazu, um einen Eignungstest zu bestehen. Allerdings knickte dann Liechtenstein kräftig ein, als die USA und auch Deutschland kräftig Druck machten. Da musste sogar der Fürscht einsehen, dass er zwar absolutistisch über das Ländle regiert und herrscht, aber selbst für den Multimilliardär gibt es dann doch Kräfte, die stärker sind als er.

Auch die eigentlich behäbige und durchaus bankenfreundliche FAZ titelte im gleichen Jahr:

Aber die Zustände in Liechtenstein beschrieb die FAZ eher unfreundlich:

«Seit Jahren erschüttern Betrugsskandale den Finanzplatz Liechtenstein. Treuhänder betrügen ihre Kunden um Millionen. Doch während die Finanzaufsicht schärfere Kontrollen fordert, wiegelt die Regierung ab.»

Sie widmet sich in erster Linie dem Fall Harry Gstöhl. Der war bereits 2017 wegen Untreue, schweren Betrugs und sogar Geldwäsche zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Aber das war nur eine Anklage von mehreren, mit denen sich die fürstliche Justiz zu befassen hatte.

Und zwei Jahre später doppelte der «Tages-Anzeiger» nach, allerdings mit der hauseigenen Vorsicht:

Nach dem ehemaligen Präsidenten des Liechtensteiner Staatsgerichts, der nebenbei als Treuhänder tätig war, 40 Millionen veruntreute und acht Jahre in den Knast wanderte, neben Mario Staggl, der nicht zuletzt seinen Bentley von seinen Kunden bezahlen liess (allerdings unfreiwillig) , war das damals ein weiterer Skandal der Treuhänderzunft. Ein weiterer Untreuhänder.

Also genauer gesagt ein schwarzes Schaf in einer blütenweissen Herde. So sehen sich die Liechtensteiner Treuhänder gerne selbst.

Nun könnte man meinen, dass seit 2018, seit 2020 doch sicherlich viel passiert ist, das solche Schweinerein unmöglich macht, zumindest erschwert. Das Gegenteil ist der Fall. Denn die damaligen Skandale führten dazu, dass die Lieblingsbeschäftigung der Treuhänder, Stiftungen am Laufmeter gründen, um Schwarzgeld zu bunkern, implodierte. Die Zahl dieser Stiftungen ging dramatisch zurück – die Zahl der Treuhänder blieb gleich. Also viel weniger Geldquellen, gleicher Geldbedarf.

Eine solche Situation bewirkt, dass sich Treuhänder immer unverfrorener aus den verbliebenen Stiftungen bedienten. Der Fall Bacardí, wo es um mehr als eine Milliarde US-Dollar geht, ist dabei nur die Spitze eines Eisbergs. Clevere Untreuhänder greifen natürlich nicht einfach in die Kasse, in der Hoffnung, dass das schon nicht rauskommt.

Sie tun das erst dann, wenn sie sämtliche Kontrollen – wie beispielsweise den Stifter und die Begünstigten – ausgeschaltet haben. Erst dann wird ungeniert zugelangt – in der nicht unberechtigten Hoffnung, dass die fürstliche Justiz schon nicht so unanständig sein wird, einen treublickenden Liechtensteiner Biedermann wegen ein paar Kleinigkeiten wie das Abzügeln von Millionen aus Stiftungsvermögen oder das Verschleudern dieses Vermögens ernsthaft zu belangen.

Was damals Schwarzgelder waren, sind heutzutage Gelder reicher Russen, die Liechtenstein bis vor Kurzem gerne entgegennahm. Denn wie weiland bei den Schwarzgeldern kann man diesen Kunden ungeniert Honorarnoten schreiben, bei denen jeder normale Kunde laut aufschreien würde. Aber von Sanktionen geplagte Oligarchen zahlen gerne, wenn dafür ihr Vermögen in Ruhe gelassen wird.

Allerdings setzten auch hier vor allem die USA, aber auch die EU, immer mehr Druck auf, dass sich Liechtenstein auch hier nicht nur verbal an all die beschlossenen Sanktionen halten soll. Noch ist Liechtenstein harthörig; wie damals der Fürscht meint auch der regierende Erbprinz Alois, dass das schon nicht so schlimm werde. Noch …

15. Oktober 2024/15 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-14-um-14.50.00.png 770 897 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-10-15 08:17:102024-10-14 15:09:15In Liechtenstein steht die Zeit still

Kleine Ordenskunde

Allgemein

Der Fürst von Liechtenstein kann vielfältig seine Huld erweisen.

Obwohl das Ländle doch eher klein ist und eine bescheidene Anzahl Bewohner hat, ist es in der Titel- und Ordensverleihung ganz gross. Verliehen werden sie natürlich, what else, einzig vom Fürsten, bzw. dessen herrschendem Erbprinzen Alois.

Da hätten wir mal die Titel. Dazu gehören Fürstlicher Rat, Fürstlicher Justizrat, Fürstlicher Kommerzienrat, Fürstlicher Studienrat oder Geistlicher Rat. Dann gibt es natürlich auch noch die Adelstitel, allerdings weiss da die Webseite des Fürstenhauses, dass die «mit dem Prädikat „von“ sowie die Titel „Baron“ und „Graf“ sehr selten verliehen werden. Letztmals wurde ein solcher Titel 1979 verliehen.»

Aber natürlich kann der Fürst besonders verdienten Zeitgenossen auch Orden an die Brust heften. Da wäre mal der “Verdienstorden», der seinerseits sechs Grade umfasst:

  • Gross-Stern des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens
  • Grosskreuz mit Brillanten des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens
  • Grosskreuz des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens
  • Komturkreuz mit dem Stern des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens
  • Komturkreuz des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens
  • Ritterkreuz des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens

Eine Nummer kleiner ist dann das «Verdienstzeichen». Aber zurück zu den richtigen Orden. Die kommen nicht nur mit Masche und viel Dekoration, sondern auch mit entsprechenden Titeln. Da wäre mal der „Komtur des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens mit dem Stern“ . Der Ritterkreuzträger darf sich noch „Ritter des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens“ nennen.

Der neuste Zugang in der Ordenspracht ist übrigens das Grosskreuz mit Brillanten. Das ist seit 1960 ein Ordenskreuz mit in Brillanten ausgelegter Initiale «L» am Schulterband, silberner Bruststern, ebenfalls mit in Brillanten ausgelegter Initiale «L». Macht doch schon was her.

Zu den Trägern des fürstlich Liechtensteinische Verdienstordens gehören überraschungsfrei der Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein sowie Hans-Adam II. Ebenfalls damit schmücken dürfen sich Marie von und zu Liechtenstein und Niklaus von und zu Liechtenstein. Auch der ehemalige Bundespräsident Österreichs, Heinz Fischer, darf das Teil stolz auf der Brust tragen. Ebenso der amtierende Bundespräsident Alexander Van der Bellen, habe die Ehre. Und natürlich war die verstorbene Fürstin Gina von und zu Liechtenstein ebenfalls Ordensträgerin.

Allerdings, so muss man leider sagen, sind Ordensträger deswegen auch nicht gleich bessere Menschen. So war Herbert Batliner selig geradezu ein Sammler von Orden. Er trug den Königlich Belgischen Leopoldsorden, das Komturkreuz des Fürstlichen Liechtensteiner Verdienstordens und auch noch das Grosskreuz. Ebenfalls das Komturkreuz des Päpstlichen Silvesterordens mit Stern.

Dazu durfte er sich noch Kammerherr seiner Heiligkeit nennen, nachdem er die Orgel der Sixtinischen Kapelle gestiftet hatte. Allerdings ging dann das System Batliner, Schwarzgeldbunkern leicht gemacht, den Bach runter; die deutsche Justiz ermittelte wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in der Höhe von 250 Millionen Euro. Das Verfahren wurde gegen Geldauflage von zwei Millionen eingestellt. Sehr unschön war dann, dass er dazu verurteilt wurde, 1,2 Millionen Franken zurückzuzahlen. Er hatte sich unrechtmässig am Vermögen einer unter Demenz leidenden Witwe vergriffen.

Auch der Treuhänder Harry Gstöhl trug stolz den Ehrentitel «Fürstlicher Justizrat», war gar zwölf lange Jahre Präsident des Staatsgerichtshofs, die oberste Instanz im Ländle. Bis er zu sechs Jahren Knast wegen schweren Betrugs, Untreue und Geldwäsche verurteilt wurde.

Und dann brach die Steueraffäre über die ganze Treuhänderzunft herein, die zuvor noch tapfer lobbyiert hatte, dass sie schlichtweg über dem Gesetz stehen sollte; “weder Kunden noch Treuhänder werden kriminalisiert», forderten sie nassforsch – und wurden damit abgeschmettert.

Und schliesslich hält Angelika Moosleithner-Batliner – nomen est omen – das Erbe ihres Vaters in hohen Ehren.

Aber natürlich sind das nur die wenigen Schwarzen Schafe in einer grossen Herde von ordensbehängten weissen Schafen.

 

11. Juni 2024/11 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/Bildschirmfoto-2024-06-11-um-16.05.25.png 716 1007 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-06-11 16:14:402024-09-17 11:53:13Kleine Ordenskunde

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