Treuhänder & Stiftungen Liechtenstein
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Schlagwortarchiv für: Florian Fritsch

Liechtenstein – der ewige Nebenschauplatz der Wirtschaftskriminalität

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Obwohl der absolutistisch regierende Fürst sofort eingreifen könnte …

Wenn irgendwo ein internationaler Wirtschaftskrimi spielt, dauert es erstaunlich oft nicht lange, bis der Name Liechtenstein auftaucht. Stiftungen, Trusts, Holdinggesellschaften, verschachtelte Beteiligungen – und nicht selten auch Gerichte und Staatsanwaltschaft. Das Fürstentum mag gerade einmal 40’000 Einwohner zählen, als Schauplatz komplexer Vermögens- und Wirtschaftsstreitigkeiten gehört es seit Jahrzehnten jedoch zur internationalen Spitzenklasse.

Das jüngste Beispiel liefert der Fall um Markus Fuhrmann, Mitgründer von Delivery Hero und Gründer des Milliarden-Start-ups Gropyus. Im Zentrum steht ein Aktionärsbindungsvertrag, der nach Auffassung der liechtensteinischen Staatsanwaltschaft ohne Wissen und Zustimmung Fuhrmanns abgeschlossen worden sein soll. Der Vertrag hätte die Verpfändung eines Aktienpakets im Wert von mehr als 100 Millionen Euro an den zwielichtigen Florian Fritsch ermöglicht und dem stark verschuldeten Investor eine weitreichende Kontrollposition verschafft. Fritsch bezeichnete sich auch schon mal als der deutsche Benko, als das noch als Auszeichnung verstanden werden konnte. Natürlich ist auch Benko mit dem Fürstentum auf Du und Du.

Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb Anklage wegen mutmasslicher Untreue beziehungsweise Anstiftung dazu. Die Beschuldigten weisen sämtliche Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.

Die eigentliche Frage lautet jedoch: Weshalb landet ein solcher Fall überhaupt in Liechtenstein?

Die Antwort liegt im Geschäftsmodell des Landes. Seit Jahrzehnten wirbt das Fürstentum mit einer hochentwickelten Infrastruktur für Vermögensverwaltung. Stiftungen, Trusts und internationale Beteiligungsstrukturen gehören zum Kerngeschäft des Finanzplatzes. Tausende juristische Konstruktionen werden von Treuhändern verwaltet. Das ist legal – schafft aber gleichzeitig jene Komplexität, in der wirtschaftliche Machtkämpfe, Vermögensverschiebungen und undurchsichtige Vertragskonstruktionen besonders gut gedeihen können.

Der Fall Gropyus ist deshalb kein exotischer Einzelfall. Immer wieder taucht Liechtenstein auf, wenn internationale Vermögenskonflikte eskalieren. Die Liechtenstein-Affäre um gestohlene Bankdaten erschütterte Europa. Es folgten Auseinandersetzungen um Stiftungen, Trusts, Nachlässe, Oligarchengelder, Benko-Strukturen, Zombie-Trusts oder fragwürdige Treuhandkonstruktionen. Auch der Finanzplatz selbst musste sich wiederholt gegen den Vorwurf wehren, dass seine Dienstleistungen missbraucht würden.

Dabei geht es längst nicht mehr um das alte Klischee des Steuerparadieses. Heute liegt der Verdacht nahe, dass ein extrem spezialisierter Finanzplatz auch eine besondere Anziehungskraft auf komplizierte wirtschaftsrechtliche Konflikte entwickelt. Wo Milliardenvermögen in juristischen Konstruktionen organisiert werden, entstehen zwangsläufig auch milliardenschwere Streitigkeiten.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Die liechtensteinische Justiz muss Verfahren bearbeiten, deren wirtschaftliche Dimension in keinem Verhältnis zur Grösse des Landes steht. Internationale Investoren, Konzerne und Vermögensverwalter treffen auf ein kleines Justizsystem, das regelmässig mit hochkomplexen Fällen konfrontiert ist. Das erhöht den Druck auf Gerichte und Staatsanwaltschaft erheblich.

Die allzu oft die Flucht in überlange Verfahrensdauern antreten, wo Prozesse auch schon mal Jahre, sogar Jahrzehnte dauern können. Ausser, liechtensteinische Treuhänder sind beklagt. Dann geht der Freispruch fix.

Der Fall um Gropyus zeigt exemplarisch, wie eng die Verflechtung zwischen Finanzplatz und Justiz geworden ist. Es geht nicht bloss um einen Streit unter Investoren. Es geht um die Kontrolle über Unternehmensanteile im Wert von über 100 Millionen Euro, um Treuepflichten von Organen und um die Frage, ob wirtschaftliche Macht mithilfe juristischer Konstruktionen verschoben werden sollte.

Das Urteil steht noch aus. Ob die Vorwürfe der Anklage Bestand haben, wird das Gericht entscheiden. Unabhängig davon bleibt jedoch eine unbequeme Erkenntnis: Kaum ein anderer europäischer Staat taucht gemessen an seiner Grösse so häufig in internationalen Geschichten über milliardenschwere Wirtschaftskonflikte auf wie Liechtenstein. Das ist eine direkte Folge jenes Geschäftsmodells, auf dem der Wohlstand des Landes seit Jahrzehnten beruht.

27. Juli 2026/66 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-25-um-16.36.14.png 508 1197 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-27 12:00:012026-07-27 11:59:35Liechtenstein – der ewige Nebenschauplatz der Wirtschaftskriminalität

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