Unrühmliches Schicksal eines rumreichen Konstrukts.
Wer sein Vermögen vor seinen Erben schützen will, bringt es nach Liechtenstein. Wer seine Erben vor seinem Vermögen schützen will, offenbar auch.
Der Fall des Bastille Trust ist eine dieser Geschichten, bei denen man irgendwann nicht mehr weiss, ob man sich in einem Rechtsstaat, einem Roman von Kafka oder in einer besonders schwarzen Folge von «Succession» befindet.
Am Anfang steht Luis Adalberto Facundo Gómez del Campo Bacardí, Grossaktionär des Rum-Konzerns Bacardí. 2003 wird in Liechtenstein der Bastille Trust errichtet. Darin steckt der eigentliche Schatz: über die Anstalten Rantex und Arateo gehaltene Aktien von Bacardí Ltd. – insgesamt 1’404’222 Stück. Der Anteil wurde in Gerichtsakten mit rund sechs Prozent und damals ungefähr einer halben Milliarde Dollar bewertet.
Gedacht war die Konstruktion als Nachfolgeinstrument zugunsten seiner Frau Monika Bacardí und insbesondere seiner einzigen Tochter Maria Luisa.
Dann bemerkte Bacardí offenbar, was für ein hübsches Instrument er geschaffen hatte: Zwei seiner drei Treuhänder konnten ihn überstimmen.
2004 wollte er deshalb raus.
Ein Urteil des Supreme Court der Bahamas rekonstruiert den Vorgang bemerkenswert deutlich: Bacardi wollte den Bastille Trust widerrufen und die Aktien auf die eigens gegründete Baron’s Court Holdings Ltd. übertragen. Die beiden anderen Trustees, Ernst Walch und Louis Mudry, wiesen Bacardí Ltd. jedoch an, seinen Weisungen nicht zu folgen. Bacardí verlangte ihren Rücktritt. Sie weigerten sich. Am 29. Oktober 2004 zog Bacardí vor Gericht.
Das ist der Moment, an dem die Geschichte ihren besonderen Liechtensteiner Duft entwickelt.
Der Mann, dessen Vermögen im Trust steckte, wollte die Treuhänder loswerden. Die Treuhänder blieben.
Im Januar 2005 starb Bacardí.
Und der Trust lebte.
2006 kam es dann knüppeldick. Das Fürstliche Landgericht setzte Louis Mudry, Ernst Walch, WalPart Trust, John Iglehart und Facundo Luis Bacardí als Treuhänder ab. Das ist keine Behauptung der Witwe, sondern steht im Urteil.
Besonders appetitlich ist ein weiteres Detail aus dem Verfahren: Für den Bastille Trust wurde vom Juli 2003 bis Anfang 2005 zunächst keine Buchhaltung geführt.
Bei einem Gebrauchtwagenhändler wäre das ungewöhnlich. Bei einer Struktur mit Bacardí-Aktien im dreistelligen Millionenwert darf man es wohl unter «innovatives Asset Management» verbuchen.
Damit hätte die Geschichte enden können.
Natürlich tat sie das nicht.
2009 wurde Monika Bacardí selbst zusammen mit professionellen Treuhändern in die Verwaltung des Bastille Trust eingesetzt. Danach entbrannte über Jahre ein immer groteskerer Kampf darüber, wer den Trust kontrolliert, wie der letzte Wille Luis Bacardís auszulegen sei und wann seine Tochter tatsächlich über das Vermögen verfügen dürfe.
2019 wurde Maria Luisa volljährig. Gerade jetzt hätte man erwarten können, dass sich der Nebel lichtet.
Stattdessen wurde er dichter.
Nach Darstellung von Mutter und Tochter sollten gestaffelt Teile der aufgelaufenen und laufenden Dividenden verfügbar werden. Die Trustees vertreten eine andere Interpretation. Der heutige Treuhänder Bernhard Lorenz erklärte gegenüber der «Zeit», der Trust solle Maria Luisa schrittweise an das Vermögen heranführen. Nach einer später veröffentlichten Darstellung erhält sie Millionen an Dividenden, während die Aktien selbst weiterhin im Trust gebunden bleiben.
2020 eskalierte der Krieg endgültig. Monika und Maria Luisa Bacardí erhoben schwerste Vorwürfe gegen Beteiligte und sprachen sogar von einem «kriminellen Netzwerk».
Monika Bacardí verlor schliesslich ihre Stellung als Treuhänderin; im Handelsregister ist ihr Ausscheiden dokumentiert. 2022 trat Daniel Tschikof als Treuhänder hinzu. Bernhard Lorenz ist weiterhin eingetragen; noch im Juli 2025 wurde eine Änderung seiner Staatsangehörigkeitsangabe publiziert. Der Bastille Trust existiert also weiterhin.
Und damit sind wir in der Gegenwart.
Mehr als zwanzig Jahre nach seiner Errichtung lebt die Konstruktion weiter.
Der Mann, um dessen Willen es angeblich geht, ist seit 2005 tot. Seine Tochter ist längst erwachsen. Mehrere Generationen von Anwälten, Treuhändern und Gerichten haben sich mit der Konstruktion beschäftigt. Prozesse liefen oder laufen in mehreren Jurisdiktionen. Der wirtschaftliche Wert des Aktienpakets wurde inzwischen auf Hunderte Millionen Dollar beziffert.
Und über allem schwebt die geradezu philosophische Frage:
Wem dient eigentlich ein Trust, wenn derjenige, der ihn errichtete, ihn noch zu Lebzeiten wieder loswerden wollte, seine Witwe seit Jahren dagegen kämpft und seine erwachsene Tochter weiterhin nicht frei über die Aktien verfügen kann?
Die Trustees haben darauf eine Antwort: Sie vollstrecken den Willen des Verstorbenen und schützen die Begünstigte.
Monika und Maria Luisa Bacardí sagen das Gegenteil.
Vielleicht liegt genau darin das Geschäftsgeheimnis des liechtensteinischen Treuhandwesens.
Ein normaler Mensch stirbt irgendwann.
Ein Trust hat dieses Problem nicht.







