Wie viele Krisen kann der Finanzplatz Liechtenstein überleben?
Als der Fürstenbank LGT von einem ungetreuen Mitarbeiter die Daten von Tausenden von steuerhinterziehenden Deutschen entwendet wurden, war ziemlich Feuer im Dach.
LGT trennte sich von ihrem ganzen Treuhandbereich, die Anzahl der Stiftungen schnurrte auf weniger als 9000 zusammen. Diese Goldgrube war zugeschüttet. Aber das Geschäftsmodell diskret, vertrauenswürdig, mit Fürst und im Herzen Europas, das funktionierte weiter.
Allerdings nahm die Kadenz der Skandale um ungetreue Treuhänder und ihre Raubzüge durch ihnen anvertraute Stiftungen deutlich zu.
Aber auch dieser Brummton wäre zu überleben.
Allerdings kommt es inzwischen knüppeldick. Weiterhin gibt es kaum eine Geldquelle, so schmutzig oder kriminell sie auch sei, die nicht ihren Weg in die Verwaltung durch skrupellose liechtensteinische Treuhänder findet.
Venezuela, Iran, fast jeder Potentat, jeder Warlord, jeder Händler mit Blutdiamanten, Drogen oder Menschen, verstaut einen Teil seines Vermögens im Ländle.
Allerdings zog sich das Fürstentum damit den Zorn der mächtigsten Militärmacht der Welt zu. Denn zu forsch hatte man weiterhin die Vermögen von reichen Russen verwaltet. Sanktioniert, nicht sanktioniert, völlig egal. Als dann aber die USA mit ihrem Knüppel OFAC drohten und erste Treuhänder zu deren grossen Erstaunen auf ihre Sanktionsliste setzten, kam es zur Massenflucht.
Zurück blieben rund 800 Zombie-Trusts mit stinksauren russischen wirtschaftlich Berechtigten. Denn seit mehr als zwei Jahren kommen sie nicht mehr an ihre langsam zerfallenden Vermögenswerte in Form von Yachten, Flugzeugen oder Villen heran. Bis heute ist es dem Fürstentum nicht gelungen, eine Lösung dafür zu finden.
Während diese Untoten hässlich in der Landschaft herumstehen, kam es dann zum Einbruch ins Allerheiligste. Dem Finanzplatz kamen seine Kronjuwelen abhanden. Die vollständige Liste aller wirtschaftlich Berechtigten von Stiftungen, Trusts & Co. Der GAU, schlimmer geht es nicht.
Das Vertrauen ist futsch, denn wer möchte schon noch eine Stiftung in einem Land errichten, wo er befürchten muss, dass sein Name nicht diskret geschützt wird, sondern kinderleicht in unbefugte Hände geraten kann.
Denn Liechtenstein erbringt diese Dienstleistungen nicht besser oder billiger als andere Anbieter. Kleine Inseln im Meer, Singapur, Hongkong, Grossbritannien, dort passieren so Sachen nicht. Und wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, begibt sich dorthin wo kein Automatischer Informationsaustausch gilt, wo Anfragen aus dem Ausland prinzipiell nicht beantwortet werden: in die USA.
Nach Delaware oder Arizona oder Texas oder Florida. Da wird Diskretion bis heute grossgeschrieben, da gab es noch nie ein Datenleck.
Das sind schon mal drei schwere Schläge gegen den fürstlichen Finanzplatz. Skandale um das Kidnappen und Ausräumen von Stiftungen. Die 800 Zombie-Trusts. Die 31’000 abgesaugten Daten über Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Nationalität und Wohnsitz der Eigentümer aller Gefässe, die in erster Linie genau das verhindern sollen.
Aber damit nicht genug. Das Fürstenhaus ist nicht nur milliardenschwer, sondern auch stockkatholisch. Also hat Liechtenstein das strengste Abtreibungsverbot Europas. Und der Fürst sowie sein Stellvertreter auf Erden, Erbprinz Alois, haben mehrfach klar gemacht, dass sie selbst bei einem Volksmehr einer Legalisierung der Abtreibung niemals zustimmen werden.
Dafür haben sie schliesslich als absolutistische Herrscher ihr Vetorecht.
Nun hat das Parlament, um einer solchen Konfrontation bei Annahme einer hängigen Initiative auszuweichen, selbst den Initiativtext angenommen. Womit das Fürstenhaus das nun entweder zähneknirschend hinnehmen muss – oder aber die Legislative im Ländle desavouieren und dem Gesetz seine Zustimmung verweigern.
Womit unweigerlich zu allem Elend noch eine Staatskrise entstünde.
Denn die ohnehin wackelige Rechtsstaatlichkeit Liechtensteins mit einem Herrscher, der auch das letzte Wort bei der Ernennung von Richtern hat, wäre zusätzlich beschädigt.
All das zusammen kann zu nichts anderem als dem Untergang des Finanzplatzes führen.










