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Schlagwortarchiv für: Erbprinz Alois

Der Untergang

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Wie viele Krisen kann der Finanzplatz Liechtenstein überleben?

Als der Fürstenbank LGT von einem ungetreuen Mitarbeiter die Daten von Tausenden von steuerhinterziehenden Deutschen entwendet wurden, war ziemlich Feuer im Dach.

LGT trennte sich von ihrem ganzen Treuhandbereich, die Anzahl der Stiftungen schnurrte auf weniger als 9000 zusammen. Diese Goldgrube war zugeschüttet. Aber das Geschäftsmodell diskret, vertrauenswürdig, mit Fürst und im Herzen Europas, das funktionierte weiter.

Allerdings nahm die Kadenz der Skandale um ungetreue Treuhänder und ihre Raubzüge durch ihnen anvertraute Stiftungen deutlich zu.

Aber auch dieser Brummton wäre zu überleben.

Allerdings kommt es inzwischen knüppeldick. Weiterhin gibt es kaum eine Geldquelle, so schmutzig oder kriminell sie auch sei, die nicht ihren Weg in die Verwaltung durch skrupellose liechtensteinische Treuhänder findet.

Venezuela, Iran, fast jeder Potentat, jeder Warlord, jeder Händler mit Blutdiamanten, Drogen oder Menschen, verstaut einen Teil seines Vermögens im Ländle.

Allerdings zog sich das Fürstentum damit den Zorn der mächtigsten Militärmacht der Welt zu. Denn zu forsch hatte man weiterhin die Vermögen von reichen Russen verwaltet. Sanktioniert, nicht sanktioniert, völlig egal. Als dann aber die USA mit ihrem Knüppel OFAC drohten und erste Treuhänder zu deren grossen Erstaunen auf ihre Sanktionsliste setzten, kam es zur Massenflucht.

Zurück blieben rund 800 Zombie-Trusts mit stinksauren russischen wirtschaftlich Berechtigten. Denn seit mehr als zwei Jahren kommen sie nicht mehr an ihre langsam zerfallenden Vermögenswerte in Form von Yachten, Flugzeugen oder Villen heran. Bis heute ist es dem Fürstentum nicht gelungen, eine Lösung dafür zu finden.

Während diese Untoten hässlich in der Landschaft herumstehen, kam es dann zum Einbruch ins Allerheiligste. Dem Finanzplatz kamen seine Kronjuwelen abhanden. Die vollständige Liste aller wirtschaftlich Berechtigten von Stiftungen, Trusts & Co. Der GAU, schlimmer geht es nicht.

Das Vertrauen ist futsch, denn wer möchte schon noch eine Stiftung in einem Land errichten, wo er befürchten muss, dass sein Name nicht diskret geschützt wird, sondern kinderleicht in unbefugte Hände geraten kann.

Denn Liechtenstein erbringt diese Dienstleistungen nicht besser oder billiger als andere Anbieter. Kleine Inseln im Meer, Singapur, Hongkong, Grossbritannien, dort passieren so Sachen nicht. Und wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, begibt sich dorthin wo kein Automatischer Informationsaustausch gilt, wo Anfragen aus dem Ausland prinzipiell nicht beantwortet werden: in die USA.

Nach Delaware oder Arizona oder Texas oder Florida. Da wird Diskretion bis heute grossgeschrieben, da gab es noch nie ein Datenleck.

Das sind schon mal drei schwere Schläge gegen den fürstlichen Finanzplatz. Skandale um das Kidnappen und Ausräumen von Stiftungen. Die 800 Zombie-Trusts. Die 31’000 abgesaugten Daten über Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Nationalität und Wohnsitz der Eigentümer aller Gefässe, die in erster Linie genau das verhindern sollen.

Aber damit nicht genug. Das Fürstenhaus ist nicht nur milliardenschwer, sondern auch stockkatholisch. Also hat Liechtenstein das strengste Abtreibungsverbot Europas. Und der Fürst sowie sein Stellvertreter auf Erden, Erbprinz Alois, haben mehrfach klar gemacht, dass sie selbst bei einem Volksmehr einer Legalisierung der Abtreibung niemals zustimmen werden.

Dafür haben sie schliesslich als absolutistische Herrscher ihr Vetorecht.

Nun hat das Parlament, um einer solchen Konfrontation bei Annahme einer hängigen Initiative auszuweichen, selbst den Initiativtext angenommen. Womit das Fürstenhaus das nun entweder zähneknirschend hinnehmen muss – oder aber die Legislative im Ländle desavouieren und dem Gesetz seine Zustimmung verweigern.

Womit unweigerlich zu allem Elend noch eine Staatskrise entstünde.

Denn die ohnehin wackelige Rechtsstaatlichkeit Liechtensteins mit einem Herrscher, der auch das letzte Wort bei der Ernennung von Richtern hat, wäre zusätzlich beschädigt.

All das zusammen kann zu nichts anderem als dem Untergang des Finanzplatzes führen.

 

11. September 2026/41 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-09-um-14.59.09.png 463 1231 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-09-11 07:02:222026-09-09 15:03:01Der Untergang

Schamlos

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

So muss man das Verhalten des Fürstentums beim Datenklau inzwischen nennen.

Peinlich war gestern, schamlos ist heute. Denn allen Beteiligten und Verantwortlichen muss jegliches Schamgefühl abgehen. Inzwischen ist knapp ein Monat seit dem grössten Datenraub in Liechtenstein vergangen.

Die Kronjuwelen, die 31’000 Adressen von wirtschaftlich Berechtigten an all den schönen Konstrukten wie Stiftung, Trust, Anstalt & Co. wurden abgesaugt. Das ist peinlich.

Der Einbruch in den angeblich hochgesicherten Datentresor war kinderleicht. Ein Spaziergang. Mit gefälschten Account rein, dann stundenlang ungestört stöbern und kopieren. Nix

«gezielter Angriff auf hohem technischen Niveau auf eine komplexe Sicherheitsstruktur».

Die Datendiebe brauchten nicht mal einen Dietrich. Ein paar Tastenklicks genügten. Das ist peinlich.

Diskretion, Vertrauen, Verlässlichkeit, moderne Sicherheitssysteme? Alles futsch, der Super-GAU fürs Ländle. Das ist mehr als peinlich.

Seit dem Datenraub soll ein Krisenstab angeblich Tag und Nacht an der Arbeit sein. Ab hier wird’s schamlos. Denn offensichtlich ist er ungefähr so wirkungsvoll wie der Krisenstab, der sich seit inzwischen fast zwei Jahren um Lösungen für die 800 Zombie-Trusts bemühen soll.  Bislang vergeblich, denn kein Liechtensteiner Treuhänder will sich auch nur als Liquidator daran die Finger verbrennen.

Der neue Krisenstab sieht inzwischen auch ziemlich alt aus. Denn auf der extra aufgeschalteten Seite der Regierung über den Daten-GAU stammt die letzte Mitteilung vom 19. August. Seither ist peinliches und schamloses Schweigen.

Vermutungen über die Täter, über deren Absichten, über den Verbleib der raubkopierten Daten? Nichts.

Dafür hat es die letzte Meldung in sich. Denn sie behauptet, die Sicherheitsanalyse sei inzwischen abgeschlossen. Wunderbar. Aber dann kann das ja wohl kein Argument mehr sein, um Auskünfte über die Verantwortlichen für dieses Desaster mit Hinweis auf die anhaltenden Untersuchungen zu verweigern. Oder nicht?

Denn mangels neuen Erkenntnissen kann über die Täterschaft nur spekuliert werden. Allerdings kann dabei Logik nützlich sein. Wären es Kriminelle mit finanziellen Absichten, dann wäre schon längst ein Angebot im Darknet erschienen. Wäre es ein staatlicher Geheimdienst eines Konkurrenten von Liechtenstein, würde schon längst irgend ein Hehlerkollektiv von Journalisten die Liechtenstein Leaks heraustrompeten.

Also bleiben ja wohl nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist es ein Insider. Also ein saurer fürstlicher Treuhänder, dem sein Platz an den Futtertrögen abspenstig gemacht wurde. Und der sich sagte: also gut, wenn ich mich nicht mehr dumm und krumm verdienen darf, dann ihr auch nicht.

Oder aber, es sind grantige Besitzer der Zombie-Trusts, die aufgegeben haben, im Unrechtsstaat Liechtenstein über legale Wege endlich wieder an ihre Besitztümer zu kommen. Denn nicht nur das Fürstentum ist schamlos, einige seiner Kunden sind es auch.

Aber richtig schamfrei wird es, wenn es um die offizielle Weigerung geht, zuzugeben, was inzwischen selbst das fürstliche Vaterland öffentlich vermutet: dass die liechtensteinische Bude Aviita dafür verantwortlich ist, die dank bester Beziehungen via First Advisory an diese lukrativen Aufträge herankam.

In einem Rechtsstaat gäbe es keinen Grund mehr, der Öffentlichkeit gegenüber jegliche Auskünfte zu verweigern, wer diese Plattform, diese Plattformen entwickelt hat, wer für die Sicherheit verantwortlich ist und wer die üblichen Prüfungen vor Inbetriebnahme durchgeführt hat.

Denn natürlich kann das teuer werden. Schadenersatz, Haftung, Genugtuung, da gibt es genügend Opfer, die aus ehrenhaften oder weniger ehrenhaften Gründen stocksauer sind, dass sich ihre Namen und Adressen in unbefugten Händen befinden.

Unglaublich, aber wahr: statt hier die Öffentlichkeit zu informieren, wie es geboten wäre, schweigt die fürstliche Regierung. Schweigt der Fürst. Schweigt der herrschende Erbprinz Alois.

Schamlos.

Wobei die Frage ist, ob Blaublüter auch rot werden können.

 

28. August 2026/55 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-17.20.42.png 491 1228 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-28 07:00:142026-08-27 17:23:02Schamlos

Frauen an die Macht

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Treuhänder

Am Fürstenfest wurde für Ablenkung gesorgt.

Das Ländle erlebt gerade seine grösste Krise seit der Erfindung von Stiftungen als diskretes Versteck für Geld jeder Art. Sauber bis schmutzig, ehrlich verdient und versteuert oder Gewinn aus allen üblen Geschäften der Welt.

Der Treuhänder nimmt’s, verstaut’s und versteckt’s – gegen ein hübsches Honorar, versteht sich. Aber jetzt wurden alle 31’000 intimste Daten über diese Konstrukte geklaut. Mit einem kinderleichten Einbruch.

Oberpeinlich und der Super-GAU. Weg ist das ertrauen in den Finanzplatz.

Unter diesen traurigen Vorzeichen musste Liechtenstein das Fürstenfest begehen. Brütend heiss war’s; der Erbprinz mit Familie mischte sich nur gut bewacht unters ausgewählte Volk.

Während früher der Zutritt frei war, musste man diesmal eine Einladung lösen und wurde scharf kontrolliert, bevor man sich seiner Durchlaucht allenfalls nähern durfte.

Sätze wie «eine Bombenstimmung hier» sollte man tunlichst unterlassen. Was früher ein lockeres Volksfest war, glich diesmal eher einem Hochsicherheitstrakt. Die Tickets waren schnell ausverkauft. Die stolzen Besitzer mussten sich einer Taschenkontrolle am Eingang unterziehen. Sämtliche Zufahrtsstrassen waren gesperrt und mit Pollern gesichert.

Die paar liechtensteinischen Polizisten reichten natürlich nicht aus. Landespolizei auch Bereitschaftspolizei und Gemeindepolizeien. Hinzu kamen Kräfte aus dem Ausland: Kantonspolizei St. Gallen, österreichische Polizeikräfte aus Vorarlberg und das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit mussten zu Hilfe eilen.

Der Fürscht hatte sich erwartungsgemäss dispensiert. War zwar Kaiserwetter, aber angeblich viel zu heiss für ihn. Also musste Erbprinz Alois wieder die obligate Rede halten. Immerhin, wo er recht hat, hat er recht: Er erinnerte daran, dass er bereits am Staatsfeiertag 2025 angesichts der veränderten Sicherheitslage und der rasanten Digitalisierung eine grundlegende Überarbeitung der liechtensteinischen Sicherheitspolitik gefordert habe.

Aber eben, wenn man nicht mal auf den absolutistischen Herrscher hört, was soll er da machen. Der Einsatz des Folterkellers in der Trutzburg ist leider nicht mehr möglich.

Daher redete er nicht lange um den heissen Brei herum:

«Wie der jüngst erfolgte Cyberangriff auf das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen deutlich gezeigt hat, sind insbesondere digitale Angriffe auf die Infrastruktur unseres Landes sehr reale Bedrohungen.»

Unglaublich, zuerst dieser Weitblick, nun die schonungslose Analyse.

überhaupt sei «hybride Kriegsführung eine reale Gefahr, fügte er hinzu. Ob er wohl auch diesen Blog damit meint?

Aanschliessend das übliche langweilige Rhabarber: Liechtensteins Erfolg beruhe auf Verlässlichkeit, Diplomatie, langfristigen Beziehungen und Anpassungsfähigkeit. Entscheidungen dürften nicht nur kurzfristig betrachtet werden; Volk, Landtag, Regierung und Fürstenhaus seien unterschiedliche Säulen des Staates. Fortschritt und Kontinuität müssten miteinander verbunden werden.

Aber, der Knaller, schon einen Tag vorher hatte das Fürstenhaus geruht, eine Abkehr von einer uralten Tradition zu vermelden: neu können auch weibliche erstgeborene Fürst, bzw. Fürstin werden. Das gab es noch nie, das ist erschütternd, das ist modern.

Nun ja, das dürfte allenfalls in dreissig Jahren oder so erstmals der Fall sein. Und soll davon ablenken, dass der Erbprinz präventiv sein Veto angekündigt hat, sollte die Volksabstimmung über die Aufhebung des archaischen Abtreibungsverbots positiv ausgehen.

Nicht mit ihm stellt er klar, ihr Untertanen dürft abstimmen, wie ihr wollt. Wir sind schliesslich angeblich eine Demokratie. Aber wenn mir das Resultat nicht passt, dann könnt ihr’s vergessen mit Volkswillen und so.

Sicher dachte der Erbrpinz dabei: wenn ich den Skandal mit den gestohlenen Nutzerdaten nur auch so einfach aus der Welt schaffen könnte.

So feierte man eher gedrückt, und viele Schweissperlen, vor allem von Treuhändern, waren nicht der Hitze geschuldet. Sondern der nackten Angst.

17. August 2026/51 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-16-um-18.09.30.png 1106 2372 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-17 07:03:412026-08-16 18:12:01Frauen an die Macht

Der Erbprinz als Hellseher

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Stiftungen

Wie es sich für einen Blaublüter gehört, hat er den grossen Überblick.

Der Finanzplatz Liechtenstein ächzt unter dem grössten Datenraub aller Zeiten im Ländle. Die Kronjuwelen, 31’000 Datensätze über alle Berechtigten an Stiftungen, Trusts, Anstalten und allem, was da unter äusserster Diskretion und vollständigem Vertrauen strikter Geheimhaltung unterliegen sollte, ist in den Händen von unbekannten Tätern.

Wie immer zeigte sich die fürstliche Regierung konsterniert und überrascht, hat aber immerhin bisher darauf verzichtet, von einem bedauerlichen Einzelfall zu sprechen. Dafür ist der Super-GAU, der zumindest das Geschäftsmodell der Treuhänder existenziell gefährdet, zu gross.

Als wäre das nicht schlimm genug, musste inzwischen zerknirscht eingestanden werden, dass der Einbruch und das Absaugen der streng vertraulichen Angaben kinderleicht war. Kein modernes Authenifizierungsprogramm, um einen Eindringling sofort zu stoppen. Keine real time Überwachung, die Datendiebe konnten stundenlang nach Lust und Laune von Hand alle Daten kopieren.

Schön für das Fürstentum, dass sie nicht auch noch gleichzeitig die Datenbank mit einem schwer zu knackenden Schloss versehen haben, um für die Öffnung gleich mal abzusahnen. Zerstören hätten sie wahrscheinlich auch können, bei diesem Dilettantismus ist nicht damit zu rechnen, dass der Inhalt ständig auf einen nicht mit dem Internet verbundenen Server gespiegelt wurde.

Hätten sie doch nur auf den Erbprinzen Alois gehört.

Der hatte nämlich anlässlich der «Ansprache seiner Durchlaucht Erbprinz von und zu Liechtenstein anlässlich des Staatsfeiertags am 15. August 2015» mit unvergleichlicher Weitsicht gesagt:

„Da sich die Sicherheitslage umfassend geändert hat, sollten wir auch unsere Sicherheitspolitik grundlegend überarbeiten. Bis vor nicht allzulanger Zeit war unsere Sicherheitspolitik weitgehend auf die traditionelle innere Sicherheit sowie den regionalen Katastrophenschutz fokussiert. In jüngerer Zeit haben wir uns zusätzlich mit der Cybersicherheit beschäftigt und auch in dieser Hinsicht Massnahmen getroffen.“

Um uns in die Nähe einer Majestätsbeleidigung zu begeben: worin bestand wohl diese Beschäftigung, und welche Massnahmen wurden ergriffen?

Es dürfte sich so abgespielt haben: Der Erbprinz legte die Sachlage seiner fürstlichen Regierung vor. Die stand stramm, machte einen Kratzfuss und sagte: «Ein sehr weiser Hinweis, Ihro Durchlaucht, wir werden uns dem umgehend widmen, sehr wohl, vielen Dank auch. Ohne Ihro Durchlaucht wären wir verloren.»

Dann wurde das heruntergereicht bis zum damals gerade ins Amt gekommenen IT-Chef Fabian Schmid. Als Schweizer zollte er aber den fürstlichen Bemerkungen wohl nicht die richtige Aufmerksamkeit. Fragte vielleicht bei der lokalen Klitsche nach, die die ganze IT-Infrastruktur vieler Amts-Webseiten mitsamt Sicherheit gebastelt hatte.

Die hatte zwar über Ihre Beziehungen einen gut bezahlten Auftrag an Land gezogen, war aber wohl nicht willig, allzu viel von diesem Geld auch auszugeben.

Sondern befleissigte sich des Landesmottos: Mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Ansonsten gilt immer: ist noch nie passiert, wird auch nie passieren, also wirklich. Wer wagte es schon, sich am Fürstentum zu vergreifen.

Und zack.

Während der sofort eingesetzte Krisenstab zwar angeblich «Tag und Nacht» an der Arbeit ist, besteht seine Kommunikationsleistung bislang aus zwei nichtssagenden Pressekonferenzen und der Überantwortung, der schönen Aufgabe, die Opfer des Datenraubs darüber zu informieren, an die «Rechtsträger». Also die Treuhänder. Muss ein Riesenspass gewesen sein.

Ansonsten ist allerdings der Kenntnisstand auch zwei Wochen nach dem Einbruch null. Täter, Verwendung der Daten, Aufklärung, wie das eigentlich möglich war? Sendepause, verkniffenes Schweigen.

In diesem Sinne morgen einen fröhlichen Staatsfeiertag, ein grandioses Fürstenfest.

Immerhin: die Wetteraussichten sind gut.

14. August 2026/47 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-12-um-17.08.49.png 579 1186 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-14 07:03:212026-08-12 17:09:49Der Erbprinz als Hellseher

Aus, vorbei, Ende Gelände

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Die Treuhänder im Ländle wollen es noch nicht wahrhaben: ihr Geschäftsmodell ist am Ende.

Naturgemäss gibt es nur Schätzungen, wie viel Geld in Konstrukten wie Stiftungen, Trusts, Anstalten etc. im Fürstentum Liechtenstein gebunkert sind.

Darunter gibt es sicherlich einen Prozentsatz von völlig legalen, ordentlich erworbenen (und versteuerten) Vermögen. Die werden hier gelagert, wie beispielsweise in der Stiftung der Birkenstock-Familie, um ein Gefäss zu haben, mit dem komplizierte Finanzverhältnisse in einer verästelten Familie, die in verschiedenen Ländern und Steuersystemen lebt, zusammengefasst und organisiert werden können. Oder zur Nachlassplanung bei grossen Vermögen mit diversen Anspruchsgruppen und speziellen Wünschen des Erblassers.

Das ist der helle Teil. Und dann gibt es den dunklen und schliesslich den rabenschwarzen.

Der dunkle Teil besteht aus Vermögen, die aus welchen Gründen auch immer das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Das kann noch halbwegs ehrenhaft sein, wenn beispielsweise eine reiche Person in der Dritten Welt nicht damit auffallen will, über ein dickes Bankkonto zu verfügen. Denn das steigert die Gefahr einer Entführung mit Lösegelderpressung ungemein. Und diese Gangster arbeiten natürlich mit Bankangestellten zusammen.

Also wird das Geld nach Panama – oder Liechtenstein transferiert. Mit dem hübschen Nebeneffekt, dass keine Steuern fällig sind.

Aber dann gibt es noch den rabenschwarzen Teil. Gelder aus Diktaturen, aus Unrechtsstaaten wie Venezuela oder Iran oder all den Regimes in Afrika, Lateinamerika und Asien. Gelder aus dem Handel mit Blutdiamanten, Gelder von Warlords, Drogenbaronen, Menschenhändlern, Gelder von all dem Abschaum der Menschheit.

Hier ist von gigantischen Beträgen die Rede. Alleine die organisierte Schwerkriminalität ist laut Schätzungen der UNO für 1,5 Prozent des Welt-BIP zuständig. Das wären rund 1,8 Billionen US-Dollar, 1800 Milliarden. Nimmt man sämtliche kriminellen Aktivitäten, sprechen wir von mindestens 2 bis zu 5 Prozent des Welt-BIP. Also von 2,4 bis 6 Billionen.

Von diesen gigantischen Beträgen ist garantiert ein unbekannter Prozentsatz in Liechtenstein gelandet. Allen Schwüren zum Trotz, dass man einen sauberen Finanzplatz wolle und von Gebräuchen der Vergangenheit Abstand genommen hätte.

Denn es gibt einen Faktor, der all das übersteuert, auch das Risiko, erwischt zu werden: reine Geldgier.

Aber hier gibt es ein Problem. Wird der Anwalt oder Treuhänder von einer staatlichen Stelle erwischt, dann gibt es in Liechtenstein von der Fürstenjustiz höchstens einen Klaps auf die Finger. In den letzten 15 Jahren gab es zwischen 10 bis 20 Strafverfahren, eine reine Schätzung. Verurteilungen? Eine niedrige, einstellige Zahl.

Aber: Wie werden schwerkriminelle Begünstigte einer solchen Tarnkonstruktion reagieren, wenn sie erfahren, dass ihre Namen und alle nötigen Merkmale zur Identifikation gestohlen wurden und sich nun ihrerseits in den Händen von Cyber-Kriminellen befinden? Wie werden sie erst reagieren, wenn sie mit einer Erpressung kontaktiert werden? Mit einer Forderung, deren Höhe sich nach dem in ihrer liechtensteinischen Konstruktion lagernden Vermögenswerten richtet.

Wen werden sie dafür verantwortlich machen? Richtig, den Treuhänder oder Anwalt, der ihnen mit heiligen Schwüren versicherte, dass Diskretion in Liechtenstein oberste Maxime ist, der Schutz der Anonymität vollkommen, das alles so sicher und stabil wie die fürstliche Trutzburg ob Vaduz sei.

Und nun das.

Im Weiteren werden sie Behörden, Regierung und schliesslich den absolutistisch regierenden Landesherrn verantwortlich machen. Also den Fürsten und seinen regierenden Erbprinzen Alois.

Eigentlich möchte niemand den Zorn solcher finsterer Gestalten auf sich ziehen. Nicht von einem, und erst recht nicht von Dutzenden, Hunderten.

Die 130 Treuhänder dürften inzwischen schlaflose Nächte haben – und aufschrecken, wenn sie im Garten ein verdächtiges Geräusch hören. Allerdings: Profis machen keine verdächtigen Geräusche. Plötzlich sind sie lautlos da, und dann ist’s zu spät.

6. August 2026/27 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-04-um-12.06.38.png 534 1191 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-06 07:02:312026-08-04 13:13:47Aus, vorbei, Ende Gelände

Keine Gnade mit der Demokratie

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Fürstentum Liechtenstein

Liechtenstein ist ein absolutistisches Relikt aus dunklen Zeiten.

Wie kann man sein Geld einem mittelalterlichen Fürstentum mitten in Europa anvertrauen? Wo kein Rechtsstaat existiert, sondern reine Willkür, eine parteiische fürstliche Justiz und reine Willkür.

Jüngstes Beispiel: die Debatte um den Schwangerschaftsabbruch. Was in den meisten zivilisierten Staaten Mitteleuropas längst gesetzlich erlaubt ist, steht im Fürstentum unter schwerer Strafe. Bis zu einem Jahr Gefängnis droht Frauen, die gegen das Abtreibungsverbot verstossen. Noch absurder: Ärzte dürfen Frauen in Not nicht einmal informieren oder beraten. Immerhin sind seit 2015 im Ausland durchgeführte Abtreibungen im Fürstentum straffrei.

Finsteres Mittelalter.

Das wollen die Untertanen des Fürstenhauses endlich ändern. Das ist aber gar nicht so einfach. Vor 15 Jahren stimmte Liechtenstein schon mal über eine Abtreibungsinitiative ab. Allerdings hatte der herrschende Erbprinz Alois bereits im Vorfeld angekündigt, dass er sein Veto einlegen werde, sollte sie angenommen werden. Dementsprechend knapp fiel dann das Ergebnis aus: 52 Prozent der Untertanen stimmten gehorsam dagegen, viele gingen allerdings aus Protest gar nicht erst abstimmen.

Nun unternimmt ein Initiativkomitee einen neuen Anlauf und will die für eine Abstimmung nötigen Unterschriften sammeln. Diesmal greift der absolutistische Herrscher allerdings schon jetzt ein und kündigt wieder sein Veto an, sollte die Initiative zustande kommen und sollte eine Mehrheit seiner Untertanen dafür stimmen.

Das machte der stockkatholische Erbprinz Alois in einem Interview mit seiner Untertanenzeitung Vaterland klar. Er sehe das «zentrale Rechtsgut des Lebensschutzes» nicht gewährleistet.

In allen übrigen zivilisierten Staaten Europas, auch in denen, die noch formell Monarchien sind, dürfte der Monarch eine solche Meinung auch äussern. Und wäre selbstverständlich berechtigt, gegen ein solches Vorhaben zu stimmen. Nach dem schönen Prinzip seit der Aufklärung: one man, one vote.

Aber doch nicht in Liechtenstein. Hier gilt die fürstliche Regel: meine Untertanen, fälschlich als Souverän bezeichnet, dürfen gerne über alles abstimmen. Solange sie so stimmen, wie es dem Erbprinzen passt.

Schon sein Vater Hans-Adam II. hatte damit gedroht, die fürstliche Trutzburg ob Vaduz zu verlassen und ins Exil zu gehen, sollten ihm seine Untertanen nicht noch mehr absolutistische Macht zugestehen. Was sie dann verängstigt auch taten.

Diese unbeschränkte Macht bezieht sich nicht nur auf die Ergebnisse von Abstimmungen. Sollte es die Regierung von Fürstens Gnaden wagen, eine Entscheidung zu treffen, die auf höchstes Unwohlsein trifft, dann kann sie zum Teufel gejagt werden. Sollte das Parlament ein Gesetz beschliessen, das dem Herrscher nicht passt, kann er es auflösen. Sollte ein Richter ein Urteil fällen, das den Interessen des Fürstenhauses oder der fürstlichen Banken widerspricht, dann kann der Fürst diesen Richter einfach nicht mehr wiederwählend, denn er ist das Zünglein an der Waage dabei.

Natürlich kommt das alles faktisch nie vor. Parlament, Regierung und Richter wissen, wo der Hammer hängt. Der Souverän weiss auch, dass er nur so lange souverän ist, wie seine Meinung mit der des Fürstenhauses übereinstimmt.

Das alles sind absurd-anachronistische Zustände. Nackte Machtausübung, verkleidet in folkloristische Hochzeiten und huldvolle Empfänge am Nationalfeiertag, wo sich der Erbprinz hemdsärmelig, aber vorsichtshalber von Bodyguards begleitet, unters Volk mischt.

Wobei er versucht, es vergessen zu machen, dass es sich bei den Liechtensteinern nicht etwa um selbstbestimmte Staatsbürger handelt, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen dürfen.

Sondern es sind Untertanen, Fürstenknechte, gehorsame Diener.

Nicht nur der Fall des Abtreibungsverbots ist im Ländle überfällig. Auch dem Fürstenhaus müsste eine Grenze gezogen werden. Damit auch Liechtenstein endlich im 21. Jahrhundert ankommt.

 

22. Juni 2026/53 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.05.42.png 565 1201 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-22 07:03:112026-06-19 12:10:38Keine Gnade mit der Demokratie

Benimmregeln bei Blaublütern

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein

Falls Sie einmal in die Verlegenheit kommen sollten, jemandem aus dem Fürstenhaus zu begegnen.

Zunächst ist natürlich die korrekte Anrede von grosser Wichtigkeit. Beim Fürsten und seinem Stellvertreter auf Erden handelt es sich zweimal um «Eure Durchlaucht». Das kann man abwandeln in «Grüss Gott, Durchlaucht». Dabei ist zu hoffen, dass weder Hans-Adam II. noch Erbprinz Alois denken: ach, da könnte man Durchlaucht auch weglassen.

Diese Anrede Durchlaucht gilt übrigens für alle Mitglieder der fürstlichen Familie. Also genauer für alle männlichen. Bei Sophie von und zu Liechtenstein ist es angebracht, «königliche Hoheit» zu murmeln. Anschliessend darf man auf ein lockeres «Herr Erbprinz» oder «Frau Erbprinzessin» umschalten.

Ein leichter Knicks oder die Andeutung einer Verbeugung kann nicht schaden. Ansonsten wartet man selbstverständlich, bis ein Mitglied des Fürstenhauses einem die Hand reicht. Wird man selbst vorgestellt, ja keine grossen Zeremonien aufführen. Sitzt man, steht man natürlich auf, nimmt Blickkontakt auf und nennt knapp den eigenen Namen. Also zum Beispiel «Durchlaucht, Batliner». Oder «Durchlaucht, Wanger».

Selbstverständlich, sollte die Durchlaucht geruhen, sich zu einem kurzen Gespräch herabzulassen, wird ein höflicher Ton erwartet, niemals darf man ins Wort fallen, Vertraulichkeiten oder gar ein Schulterklopfen wird als äusserst unpassend angesehen. Damit hätte man sich dann weitere Einladungen verscherzt.

Ein kleines Mitbringsel oder Geschenk kann auch nicht schaden, allerdings sollte es nicht zu teuer oder persönlich sein. Denn Geld hat man bei Fürstens selber genug.

Überhaupt geht da alles sehr dezent zu und her. Kein tiefer Knicks, keine Verbeugung bis zur Hüfte, ja kein Handkuss und erst recht nicht ein Kniefall.

Allerdings gibt es auch einige Gesprächsthemen, die man eher vermeiden sollte. Unsterblich unbeliebt kann man sich beispielsweise mit dieser Gesprächseinleitung machen: «Durchlaucht, wie steht es eigentlich mit Ihren Patenten auf Basmatireis?»

Da dürfte Durchlaucht doch recht ungehalten werden und bedauern, dass die Folterkammer in der fürstlichen Trutzburg schon längst ausser Betrieb genommen wurde.

Was hat das Fürstentum Liechtenstein mit den seit Jahrhunderten in Indien oder Pakistan angebauten Basmati-Sorten zu tun? Ganz einfach, die texanische Firma RiceTec hatte in den 1990-Jahren Patente auf diese Reissorte angemeldet. Nach der frechen Devise: probieren kann man immer; wäre doch toll, wenn Millionen von Reisbauern die Benützung bezahlen müssten.

RiceTec wiederum gehörte und gehört bis heute ins ausladende Portefeuille der Fürsten von Liechtenstein. Das gab damals ein rechtes Gebrüll vor allem von NGOs, die RiceTec und somit dem Fürsten Biopiraterie vorwarfen. Der zeigte sich immerhin gesprächsbereit und liess durchblicken, dass er geruhen könnte, Vertreter der NGOs auf seiner Trutzburg zu empfangen. Das tat er zwar, aber ausser einem Schulterzucken kam nichts heraus.

Also musste man ihn anders Mores lehren. Eine Nachprüfung durch das US-Patentamt ergab nach der Jahrtausendwende, dass fast alle Patentansprüche ungültig waren.

Da mag der Fürst dann bedauert haben, dass er seine Ansprüche nicht in Liechtenstein deponiert hatte. Bei der fürstlichen Justiz wäre ihm eine solche bittere Niederlage erspart geblieben. Aber auch über dieses dunkle Kapitel der fürstlichen Geschäfte ist inzwischen Reis, äh, Gras gewachsen.

Also wäre es wohl auch keine gute Idee, das im Gespräch zu erwähnen. Schlimmer wäre höchstens, die Frage zu stellen, wann denn der Fürstenbank LGT das letzte Mal Kundendaten abhanden gekommen sind. Und wer eigentlich zurzeit an der Verwaltung der rund 20 Milliarden in russischen Zombie-Fonds verdient.

Also sicherheitshalber ist höchstens die Bemerkung statthaft: wunderbares fürstliches Wetter heute. Das kann man immer bringen, selbst bei Hagel und Gewitter.

 

4. Juni 2026/12 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-02-um-15.23.32.png 590 1171 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-04 07:02:202026-06-02 15:26:12Benimmregeln bei Blaublütern

Der Geldanleger ist ängstlich

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Stiftungen, Treuhänder

Und vielfach – leider – auch dumm.

Zuerst die Zahlen, die jeden Liechtensteiner, der in der Finanzbranche arbeitet, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen:

Die 11 fürstlichen oder von des Fürsten Gnaden abhängenden Banken im Ländle verwalteten Ende 2025 538 Milliarden Franken. Gut, im Vergleich zu den Eidgenossen (rund 10 Billionen, also 10’000 Milliarden) ist das eher ein Klacks. Aber immerhin.

Zudem können sich die Liechtensteiner Gnomen über einen Neugeldzufluss von knapp 18 Milliarden freuen. Das ist ziemlich viel Kohle und bedeutet, dass mindestens einige hundert, wenn nicht tausende von mehr oder minder vermögenden Menschen sich dafür entschieden haben, ihre Guthaben einer liechtensteinischen Bank anzuvertrauen.

Entweder direkt oder rüber einen Finanzintemediär, einen Vermögensverwalter oder gar einen Treuhänder, der als allmächtiger Stiftungsrat über das Geld des Kunden herrscht.

Angelockt wie Fliegen von Fliegenpapier werden die Investoren durch die ewig gleichen Slogans: «Stabilität», «Generationendenken», «Qualität», «Diskretion». Ganz zu schweigen vom Hammer-Werbespruch: Sie geben hier ihr Geld zu treuen Händen einem Treuhänder.

Also ist alles eitel Sonnenschein im Fürstentum, wo ein absolutistischer, milliardenschwerer Herrscher weise und gnädig über seine Untertanen und auch über fremde Gelder wacht, sie notfalls mit Leib und Leben beschützt?

Nun, selten klafft Schein und Sein so weit auseinander wie im Fürstentum im Herzen Europas.

Und zwar überall.

Fangen wir zuoberst an: der eigentliche Fürst, denn der Titel kann zwar vererbt, aber nicht weitergegeben werden, also Fürst Hans-Adam II. regiert gar nicht mehr. Was auch nicht unbedingt schlecht ist, denn er zeigte sich mehrfach als reaktionärer, überheblicher Herrscher, der seinen Untertanen sogar drohte, dass er sie verlassen werde, sollten sie seinen Wünschen nach noch grösserer Machtfülle nicht Folge leisten. Was sie dann taten.

An seiner Statt regiert Erbprinz Alois, dem allerdings bislang keine einzige Antwort auf irgend eine der dringenden Fragen Liechtensteins eingefallen ist.

Liechtensteiner Banken fallen immer wieder dadurch unangenehm auf, indem sie in schmutzige Geldgeschäfte verwickelt sind. Das Ländle ist weiterhin der Anziehungspunkt für so ziemliche alle Arten von kriminellen Geldern. Die nach wie vor am liebsten in verschwiegenen Trusts oder Stiftungen versenkt und versteckt werden.

Auch das traurige Schicksal der russischen Zombie-Fonds – rund 800 Finanzgefässe, die herrenlos vor sich hindümpeln, während die in ihnen gelagerten Werte verlottern – vermag offenbar den einen oder anderen Neuinvestor nicht abzuschrecken.

Genauso wenig wie die nicht abreissende Reihe von Skandalen, wir lassen es beim Stichwort Bacardí-Witwe bewenden.

Auch nicht die Tatsache, dass finanzielle Verflechtungen mit Liechtenstein in den USA und in der EU automatisch Warnsignale aufblinken lassen. Denn trotz aller gegenteiliger Beteuerungen ist der Prozentsatz derjenigen, die aus lauteren und edlen Motiven ihre Gelde in eine liechtensteinische Stiftung oder einen Trust oder eine Anstalt giessen, nicht rasant gewachsen.

Nur der kommune Steuerhinterzieher versucht es nicht länger damit, seit das Fürstentum geschickt dem AIA beigetreten ist. Was aber natürlich nicht heisst, dass in Liechenstein kein Schwarzgeld mehr gelagert würde. Seine Aufbewahrung ist einfach teurer geworden,

Aber am ehesten sollte doch Neuinvestoren eine banale Tatsache abschrecken: Die Zahl der zu betreuenden Stiftungen hat in den letzten Jahren rasant abgenommen – aber die Zahl der Treuhänder und Treuhandgesellschaften ist gleich geblieben.

Und da die Herren (und die wenigen Damen) nichts anderes gelernt haben, als sich durch die verwaltung von Finanzvehikeln möglichst grosse Scheiben abzuschneiden und unverschämte Honorarnoten einzureichen, ist deren Wunsch, ja keine Einschnitte ihn gewohnt luxuriösen Lebenswandel hinzunehmen, nur auf eine einzige Art erfüllbar.

Indem sie nicht etwa noch unverschämtere Honorarnoten schreiben. Sondern indem sie immer ungenierter in die ihnen anvertrauten Geldtöpfe greifen.

Sie sind dabei sicher, dass sie von der Fürstenjustiz dabei beschützt werden – von ganz, ganz wenigen, groben Ausnahmen abgesehen.

Aus all diesen Gründen muss am IQ jedes Neuanlegers in Liechtenstein gezweifelt werden.

26. Mai 2026/38 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-25-um-20.08.08.png 524 1196 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-26 07:08:392026-05-25 20:09:17Der Geldanleger ist ängstlich

Wieso tut der Fürst nichts?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Sein Stellvertreter auf Erden hätte die absolutistische Macht, dem Treiben der Treuhänder ein Ende zu setzen.

Der Mythos vom allmächtigen Fürsten hält sich hartnäckig – besonders wenn es um Liechtenstein und seine notorisch diskrete Finanzindustrie geht. Wer die Verfassung kennt, weiss: Hans-Adam II. ist kein bloss repräsentativer Monarch. Er kann Gesetze blockieren, Regierungen entlassen und notfalls per Volksabstimmung seine Position zementieren. Kurz: Wenn jemand die Treuhänder an die Kandare nehmen könnte, dann er. Tut er aber nicht. Genauso wenig wie der regierende Erbprinz Alois.Warum?

Die naheliegende Erklärung ist weniger romantisch als der Mythos: Macht ist nicht dasselbe wie Interesse. Der liechtensteinische Staat lebt – direkt und indirekt – vom Finanzplatz. Treuhänder, Stiftungen, Trusts: Sie sind nicht das Problem, sie sind das Geschäftsmodell. Wer hier mit dem Zweihänder aufräumt, riskiert nicht nur ein paar dubiose Konstrukte, sondern gleich eine tragende Säule des Wohlstands. Bacardí, Hartlaub-Stiftung, Zombie-Trusts – das sind Auswüchse. Aber eben Auswüchse eines Systems, das politisch gewollt ist.

Hinzu kommt die strukturelle Nähe zwischen Macht und Branche. In einem Staat mit knapp 40’000 Einwohnern kennt jeder jeden. Die Elite ist überschaubar, personell verflochten und sozial eng verbunden. Treuhänder sitzen in Stiftungsräten, beraten Politik und Wirtschaft – und sind Teil desselben Netzwerks, das auch die staatlichen Institutionen durchzieht. Wer hier hart durchgreift, greift ins eigene Geflecht. Das ist kein autoritärer Entscheidungsakt mehr, sondern ein sozialer Sprengsatz.

Die Judikative als mögliches Kontrollorgan ist inexistent. Ganz einfach, weil die Richter von des Fürsten Gnade abhängig sind und ihre gut bezahlten Posten nicht riskieren wollen. Zudem sind sie nur im Teilamt tätig und verdienen selbst als Anwälte oder Treuhänder mit.

Der Fürst agiert zudem nicht im luftleeren Raum. Liechtenstein ist international exponiert und abhängig von seiner Reputation. Zu viel Druck auf die Branche könnte als Schuldeingeständnis interpretiert werden: Seht her, wir hatten ein Problem. Zu wenig Druck hingegen führt zu genau den Skandalen, die das Image beschädigen. Also wählt man den klassischen Mittelweg: punktuelle Reformen, wohlklingende Compliance-Offensiven, aber keine radikale Säuberung. Symbolpolitik statt Systembruch.

Und schliesslich: Absolutistische Macht ist in der Praxis erstaunlich relativ. Der Fürst kann viel – aber nicht gegen die ökonomische Logik seines Landes regieren, ohne politische Kosten zu riskieren. Auch in Liechtenstein gilt: Legitimität speist sich aus Zustimmung. Und die speist sich aus Wohlstand. Solange der Finanzplatz liefert, wird niemand ernsthaft den Ast absägen, auf dem man sitzt.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, warum der Fürst nicht handelt. Sondern warum man erwartet, dass er gegen die Grundmechanik seines eigenen Systems vorgeht. Liechtenstein ist kein Opfer seiner Treuhänder. Sie sind Opfer des Architekten, des Fürsten. Und Architekten reissen ihre Gebäude selten selbst ein – selbst wenn es in den oberen Stockwerken brennt.

15. Mai 2026/35 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-13-um-18.42.12.png 559 1180 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-15 07:02:012026-05-15 09:46:27Wieso tut der Fürst nichts?

Staa-ha-ha-tsgerichtshof

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Der fürstliche Staatsgerichtshof wurde 100. Kein Grund zum Feiern.

Das sieht das oberste Gericht des absolutistischen Staates Liechtenstein natürlich anders. Also feierte er sich mit einer Kleinstaatenkonferenz.

Der Pressemitteilung kann man entnehmen:

«Im Zentrum standen die Verfassungsgerichte von Andorra, Monaco, San Marino und Liechtenstein.»

Also alles ausgewiesene Rechtsstaaten mit einer völlig unabhängigen Justiz.

Weiter im offiziellen Geschwurbel: «Justizminister Emanuel Schädler überbrachte die Grussworte der Regierung. Zudem wurden die Teilnehmenden von S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein zu einem Gedankenaustausch auf Schloss Vaduz empfangen.»

Gedankenaustausch? Das ist eine schöne Formulierung. Befehlsempfang würde es für die liechtensteinischen Verfassungsrichter besser treffen, wenn es der Erbprinz nötig hätte, den Richtern klar zu machen, wo der Hammer hängt. Aber das ist überflüssig.

Denn, gelinde ausgedrückt: Wegen der besonderen konstitutionellen Monarchie Liechtensteins bewegt sich der Gerichtshof in einem Spannungsfeld zwischen Demokratie, richterlicher Kontrolle und den starken Kompetenzen des Fürsten. Dabei hat er sogar die Kompetenz, Entscheidungen des demokratisch gewählten Landtags zu korrigieren oder gar zu blockieren. Sollte der mal etwas tun, was den höchsten Unwillen in der Trutzburg ob Vaduz erregt.

Die Richter des Staatsgerichtshof hingegen sind weder demokratisch, noch sonst wie legitimiert. Denn damit da nichts schiefgehen kann, werden die 5 Richter plus 5 Ersatzrichter von einem Richterauswahlgremium vorgeschlagen. Damit sich der Fürst, bzw. sein Statthalter auf Erden, nicht über untaugliche Vorschläge ärgern muss, sind in diesem Gremium der Landtag und vom Fürsten gestellte Wahlmänner im Verhältnis eins zu eins vertreten.

Damit überhaupt nichts schiefgehen kann, hat der Fürst zudem den Stichentscheid, sollte es der Landtag doch einmal wagen, einen Kandidaten vorzuschlagen, der nicht das allerhöchste Wohlwollen erregte.

Als wäre das der Karikatur eines Rechtsstaats nicht genug, sind sämtliche Richter nur im Nebenamt tätig. Sie haben daneben noch Professuren, andere Richterämter oder gar anwaltliche Tätigkeiten im Ländle selbst oder in Österreich oder der Schweiz.

Denn sie bekommen eine schmale Pauschale und 2800 Franken pro Sitzungstag. Als Anwalt können sie problemlos das Doppelte herausschlagen.

Auch das ist in anderen, normalen Rechtsstaaten, unvorstellbar. Die obersten Richter sind selbstverständlich immer im Vollamt angestellt. Alleine schon, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

Aber da sagt natürlich das Fürstentum: was für Interessenskonflikte wären denn im Ländle denkbar? Die Richter sind doch handverlesen, dass sie die Interessen der Monarchie und des Fürsten im Auge behalten bei all ihren Entscheidungen. Und indem sie auch anwaltlich tätig sind, haben sie vollstes Verständnis für das Wirken von fürstlichen Treuhändern und Stiftungsräten.

Nimmt deren Geldgier mal wieder unerhörte Formen an, wagen es verzweifelte Enteignete gelegentlich, den Rechtsweg einzuschlagen und landen dann früher oder später vor dem fürstlichen Staatsgerichtshof.

Der erstaunlicherweise eigentlich immer zugunsten der eingeklagten Stiftungsräte oder Treuhänder entscheidet. Denn schliesslich wirken die wiederum eng mit den Fürstenbanken LGT und LLB zusammen, und da wäre es doch blöd, diese gedeihliche und für alle Beteiligten sehr profitable Seilschaft zu unterbinden.

Aber all diese Gedanken wurden sicherlich nicht während der Konferenz und auch nicht während des Meinungsaustausches auf dem fürstlichen Schloss gestreift.

Allerdings dürften sich die Gäste aus den anderen Kleinstaaten doch etwas gewundert haben, wie rustikal es in der Justiz des Fürstentums zugeht. Aber als Gast gebietet die Höflichkeit, nicht mit kritischen Bemerkungen unangenehm aufzufallen.

Denn schliesslich soll es in Zukunft regelmässig solche Treffen geben, und wenn man eingeladen ist, wieso soll man das gefährden, indem man ein Stirnrunzeln bei Erbprinz Alois auslöst?

30. April 2026/25 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-27-um-19.06.44.png 580 1181 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-04-30 07:02:232026-04-27 19:10:40Staa-ha-ha-tsgerichtshof
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