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Schlagwortarchiv für: Drittes Reich

Alles Gute, Herr Fürst

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Versuchen wir uns an einer strafbaren Majestätsbeleidigung.

Die droht schon im Titel. Denn eigentlich handelt es sich um Seine Durchlaucht Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein. Oder kurz Hans-Adam II; seine Durchlaucht feierte ihren hochwohllöblichen 80.

Dafür im Nachhinein alle guten Wünsche. Die braucht der rüstige Fürsten-Rentner eigentlich nicht. So wenig wie die AHV. Er ist Multimilliardär. Und das Tagesgeschäft hat er bereits 2004 seinem Sohn, dem Erbprinzen Alois, überlassen.

Als er selbst 1989 das Amt antrat (einzige Qualifikation: Erstgeborener), versprach er huldvoll:

«Ich gelobe, meinem Land ein gerechter Fürst zu sein, die verfassungsmässigen Freiheiten zu wahren, den Bedrängten und Armen zu helfen und die Rechte treu zu hüten.»

Leider kann man auch Fürstenworten nicht so recht trauen. Wie gerecht er war, sollen höhere Instanzen entscheiden. Aber das mit den verfassungsmässigen Freiheiten war dann schon so eine Sache. Als das Volk etwas aufmuckte, als er sich per Verfassungsreform noch mehr absolutistische Rechte herausnehmen wollte, drohte er mit dem Wegzug ins Exil nach Wien. Das Volk duckte sich, und er musste in der unwirtlichen Trutzburg ob Vaduz bleiben. Auch ein Fürst hat’s nicht immer leicht.

Er musste damals sogar zu harschen Worten greifen und keilte bei seiner Thronrede zur Eröffnung des Parlaments, dass die Kritiker seines Machtzuwachses Ähnlichkeiten mit den Liechtensteiner Anhängern des Dritten Reichs hätten. Obwohl das gar keine absolutistische Monarchie war.

Dieser Vergleich scheint ihm besonders zu gefallen. Denn als ausgerechnet seiner fürstlichen Bank LGT Kontodaten deutscher Steuerflüchtlinge abhanden kamen und der germanische Fiskus mit ihnen das Geschäftsmodell Schwarzgeldbunker im Ländle beerdigte, war er schon wieder an Methoden wie in dunklen deutschen Zeiten erinnert.

Auch die Skepsis seiner Untertanen gegenüber einem Beitritt zur Uno kanzelte er in seiner berüchtigten Rucksackrede ab: «Wenn wir als einzige Möglichkeit wieder den Rucksack mit der Schweiz ins Auge fassen, wird es wahrscheinlich einmal ein unangenehmes Erwachen geben.»

Noch einen Schritt weiter ging er bei der Abstimmung über den Beitritt zum EWR. Er drohte damit, von seinen absolutistischen Rechten Gebrauch zu machen und sowohl Regierung wie auch Parlament zum Teufel zu jagen, falls Liechtenstein nicht vor der Schweiz über diesen Beitritt abstimme.

Zum höchst ungnädigen Erstaunen des Fürsten griffen dann Parlamentarier vor dem Regierungsgebäude anno 1992 zum Megaphon und protestierten. Da mag sich der Fürst nostalgisch an frühere Zeiten erinnert haben, wo man mit solch aufrührerischen Gesellen schnell fertiggeworden wäre. Nun aber musste er sich doch tatsächlich auf einen Kompromiss einlassen. Die Abstimmung fand nach der Schweiz statt, aber die folgsame Regierung und natürlich auch das Parlament forderten zu einem Ja auf. Wie hätten da die untertänigen Stimmbürger nein sagen können. Vielleicht hätte er sie sonst auch zum Teufel gejagt.

Damit sich solche unschönen Szenen nicht mehr wiederholten, legte er höchstselbst 2002 einen Vorschlag zur Verfassungsreform vor, der mit 64,3 Prozent angenommen wurde. So verhinderten die Stimmbürger, dass ihr geliebter Fürscht ins Ausland abschwirrte. Und seither herrschen er, bzw. sein Sohn, über alle pseudo-demokratischen Institutionen, dazu über die Justiz, die nicht umsonst im Namen von «Fürst und Volk» urteilt.

Es war ihm völlig unverständlich, wie man das als Ausbau seiner absolutistischen Macht missverstehen könnte. Schliesslich könne nun das Volk eine Initiative zur Abschaffung der Monarchie starten. Was es aber bis heute wohlweislich unterliess.

«Die Rechte treu hüten», auch dahinter muss man ein Fragezeichen setzen, auch wenn vielleicht Kerker mit Wasser und Brot droht. Was unter seiner Aufsicht und unter Duldung seiner fürstlichen Gerichte in Liechtenstein an Schweinereien im Stiftungswesen passieren, würde kein Rechtsstaat tolerieren. Angesichts der nicht abreissenden Kette von Skandalen macht schon länger das böse Wort der Räuberhöhle die Runde.

Aber eins muss man Seiner Durchlaucht lassen: er hat viel dafür getan, das fürstliche Vermögen zu mehren und nicht nur in seiner LGT gewinnbringend aufzubewahren. Sich selbst und seinem Fürstenhaus hat er also kräftig geholfen, den «Bedrängten und Armen» im Vergleich eher weniger.

Ach, und dann wäre noch sein Hang zu UFOs zu erwähnen, dem er sich dem Vernehmen nach mit Leidenschaft hingibt. Dabei ist doch sein Liechtenstein inzwischen ein UFO mitten in Europa. Weiterhin Aufbewahrungsort für alle Gelder, die anderswo nicht mal mit der Kneifzange angefasst würden. Russland-Sanktionen? Na und, nicht nur sein gescheiterter Kandidat als Regierungschef findet es eine Frechheit, dass die US-Behörde Ofac völlig unschuldige und ehrenwerte Treuhänder auf ihre Sanktionsliste setzt.

Doch nun schwebt er schon lange über den Dingen, darauf ein: hoch die Flaschen!

 

20. Februar 2025/37 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/02/Bildschirmfoto-2025-02-19-um-18.39.11.png 531 997 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-02-20 06:54:532025-02-19 18:44:05Alles Gute, Herr Fürst

Braune Flecken auf roten Werkzeugkoffern

Allgemein

Nicht nur aktuell ist Liechtenstein gut im Totschweigen.

Neben den Treuhändern mit ihren Skandalen ist Liechtenstein nicht nur auf seine Bedeutung als Finanzplatz stolz. Sondern auch auf die Tatsache, dass es über eine gesunde Industrie verfügt.

Eine Firma wird da immer zuvorderst genannt: Hilti, der weltbekannte Werkzeughersteller. Sein roter Koffer ist nicht nur eine geniale Marketing-Idee, der Inhalt ist auch tatsächlich erstklassig. 1941 gründete Martin Hilti gemeinsam mit seinem Bruder Eugen in einer Garage den Konzern. Der beschäftigt heute mehr als 25’000 Mitarbeiter und macht Milliardenumsätze. Grossartig.

Weniger grossartig ist, dass Martin Hilti nicht nur ein begabter Konstrukteur und Unternehmer war, sondern ein glühender Nazi. Er war nicht nur Mitglied der VDBL, der Volksdeutchen Bewegung in Liechtenstein, die nichts lieber als den Anschluss des Fürstentums an Nazi-Deutschland wollte. Er war auch noch «Schriftführer», wie im Nazideutsch ein Chefredaktor hiess, von «Der Umbruch». Da eiferte er der deutschen Pestbeule «Der Stürmer» nach.

Natürlich wollte auch Hilti Liechtenstein «judenrein» sehen. So beschimpfte er Paul Wollenberger (der Vater des bekannten Autors und Theatermanns Werner Wollenberger), der 1939 aus Nazideutschland mit seiner Familie nach Schaan flüchtete: «Jud Wollenberger ist ein Parasit und ein Zwietrachtstifter in  der Gemeinde. Die Schaaner fordern eindeutig die Ausweisung des Juden Wollenberger.» Was höchstwahrscheinlich den Gang in die Gaskammer bedeutet hätte. Glücklicherweise blieb der Familie das Schicksal erspart.

Hilti spionierte darüber hinaus für Nazideutschland und machte gute Geschäfte mit dem Hitler-Faschismus. Als der Konzern 2016 sein 75-jähriges Bestehen feierte, war allgemein Jubellaune im Ländle. Den riesigen braunen Fleck auf dem roten Koffer übersah man aber geflissentlich.

Immerhin, als Liechtenstein 1956 den 150. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feierte, hätte Hilti mit dem Ritterkreuz geehrt werden sollen. Dagegen erhob sich Protest, schliesslich hatte Hilti dafür gekämpft, dass sein Land im «Grossdeutschland» aufgehen solle. Daraufhin wurde sein Ehrung zurückgestuft – er blieb ihr wütend fern. Denn von nachträglichem Bereuen war keine Spur zu entdecken.

Hilti, der 1997 verstarb, war nicht nur radikaler Nationalsozialist, sondern auch freiwilliges Mitglied der Waffen-SS. Für seine Spionagetätigkeit im Dienste des Dritten Reichs wurde er 1945 in St. Gallen zu sieben Jahren Haft und 15 Jahren Landesverweis verurteilt. Allerdings in Abwesenheit. Bis 1968 traute sich Hilti nicht mehr, die Schweiz zu betreten.

Und dann gibt es noch die tragische Geschichte des Versuchs einiger Liechtensteiner Nazis, zwei jüdische Theaterunternehmer, die sich nach Vaduz geflüchtet hatten, zu entführen und den deutschen Schergen auszuliefern. Das endete mit Tod und Leiden, auch so eine Geschichte, die im Ländle zwar zumindest die Älteren noch kennen, aber über die man nicht spricht. Fällt der Name Rotter, herrscht tiefes Schweigen.

Genauso tief ist das Schweigen über die braune Vergangenheit Hiltis. Sie fehlt in der Firmengeschichte, sie wird totgeschwiegen in Liechtenstein.

Darin ist das Ländle wirklich hervorragend gut. Was unangenehm ist, wie aktuell die ständigen Skandale der Treuhänderzunft, wird einfach ignoriert. Geht das nicht, wird über angeblich unqualifizierte und falsche Angriffe aus dem bösen Ausland perseveriert. Nestbeschmutzer wie Franco Ruault, der ein Buch über «Martin Hilti – «Volksdeutscher» Unternehmer im Fürstentum Liechtenstein» geschrieben hat, werden so gut es geht ignoriert. Damit hat er aber noch Schwein gehabt, Alois Büchel ist es noch ganz anders ergangen, aber auch das wäre eine andere Geschichte.

24. Mai 2024/13 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-24-um-16.12.30.png 633 1128 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-05-24 16:20:382024-05-25 11:56:40Braune Flecken auf roten Werkzeugkoffern

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