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Schlagwortarchiv für: CYber-Sicherheit Michael Valerie

«Strafanzeige gegen unbekannt»

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale, Stiftungen

Das ist bislang die grösste Tat, die dem Fürstentum im Skandal um gestohlene Daten eingefallen ist.

Betroffene Gesichter machen konnten sie gut, die vier Vertreter der fürstlichen Landesregierung am Sonntag bei der Medienkonferenz, an der sie Ungeheuerliches bekanntgaben.

Die persönlichen Daten aller Besitzer oder Begünstigten von 23’000 aktuellen und sogar von 8000 ehemaligen Stiftungen und Trusts sind in unbefugte Hände gelangt. Ein offenes Einfallstor für alle möglichen Arten von Erpressung. Aus diesem Grund – und vielen anderen – vertraute jeder, der sein Geld nach Liechtenstein brachte, dass sein Name hinter diesen Konstrukten, verwaltet von Treuhändern mit Schweigeglöbnis, verschwindet und nie auftaucht.

Und jetzt das.

Was für ein Amateurverein muss das sein. Es gibt ein Amt für Informatik, zuständig für alle IT-Infrastruktur der gesamten Landesverwaltung. Leiter Fabian Schmid. Darin gibt es die Stabsstelle Chief Information Security Officer. Leiter Michael Somma. Dann gibt es parallel dazu die Stabsstelle Cyber-Sicherheit. Leiter Michael Valerie. Und das Amt für Justiz ist verantwortlich für das gestohlene Register der wirtschaftlich berechtigten Personen. Leiter Martin Alge.

Man wird sich allenthalben in den Hintern beissen, dass man dem Erstellen dieses Verzeichnisses 2021 zugestimmt hat, weil der internationale Druck in der Bekämpfung von Geldwäsche zugenommen hat. Dabei ist Diskretion doch der Verkaufsschlager des Ländle.

Diese Herren dürften einige unangenehme Fragen zu beantworten haben. Dann kommt es wie immer im Ländle darauf an, wie gut sie vernetzt sind und ob das Fürstenhaus seine Huld über ihnen leuchten lässt.

Grosse Aktivitäten hat Liechtenstein bislang nicht entfaltet. Obwohl es in einer Medienmitteilung am Montag, die eine auf Dienstag verschobene Pressekonferenz ersetzte, heisst:

«Hinsichtlich des Tathergangs laufen die Ermittlungen auf Hochtouren.»

Allerdings bislang völlig ergebnislos. Einzig wurde bekanntgegeben, dass es sich um einen gezielten Angriff auf diese Datenbank gehandelt habe, andere IT-Plattformen seien nicht betroffen. Dennoch wurden «aus Sicherheitsgründen» weitere Systeme «vorübergehend» von Netz genommen.

Das dient offensichtlich ausschliesslich dazu, Aktivität zu simulieren. Ansonsten läuft es wie bei den 800 Zombie-Fonds. Problem knirschend einräumen, Aktion vortäuschen, eine Task Force, einen Krisenstab einberufen – und dann die grosse Pause. Nichts passiert, keine Lösung des Problems in Sicht.

Auch bei der nächsten Medienorientierung vom Dienstag wurde zusätzlich zur Hitzewelle mehr heisse Luft produziert. «… potenzielles Einfallstor identifiziert … Strafverfolgungsbehörden ermitteln … verschiedene Massnahmen umgesetzt … gezielter Angriff auf hohem technischem Niveau … arbeiten mit Hochdruck …».

Lustig war einzig, dass die verantwortlichen Behörden die Information der Opfer «den Rechtsträgern» überlassen. Na, viel Spass für die Treuhänder.

Ein begabter IT-Forensiker kann aus der Art des Angriffs viele Schlussfolgerungen ziehen. Wie professionell ist der Hacker? Hat er einen kriminellen Hintergrund? Könnte es sich um einen ausländischen Geheimdienst handeln? Einen Konkurrenten um die Gunst von Superreichen? Oder war es wieder ein unzufriedener Angestellter, wie beim Steuerdatenskandal bei der Fürstenbank LGT?

Auch sechs Tage nach dem Hack ist zumindest das, was die Regierung und der Krisenstab öffentlich sagen, weiterhin in einem knappen Satz zusammenzufassen: wir wissen nichts Genaues. Auch nichts Ungenaues. Ausser: die Daten wurden geklaut, kopiert, abgegriffen. Und warten nun irgendwo bei irgendwem darauf, verwendet zu werden.

Aber wie?

Das könnte über das Schicksal des Finanzplatzes Liechtenstein entscheiden. Aber hier hat man die Fürstenruhe weg, glaubt immer noch zu fest an:

Mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Aber mit Aussitzen und der frommen Hoffnung «es geht vorbei» wird sich dieses Riesenproblem, dieser Super-GAU nicht lösen lassen.

5. August 2026/28 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-04-um-10.52.41.png 547 1198 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-05 07:02:052026-08-04 14:44:50«Strafanzeige gegen unbekannt»

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