Mein Name ist Haas, ich weiss von nichts.
In den irdischen Niederungen geht es in Liechtenstein drunter und drüber. 475 Trusts stehen plötzlich herrenlos in der Gegend rum. Ihnen sind ihre Treuhänder untreu geworden. Aus Schiss, wie einige ihrer Kollegen auf die Sanktionsliste der US-Behörde Ofac zu kommen.
Weggen des Verdachts der Beteiligung am Verstecken von sanktionierten Russengeldern.
Dazu die nicht abreissende Reihe von Skandalen um das Enteignen der Besitzer und Begünstigten von Stiftungen.
Dazu die immer lauter werdende Kritik der Antikorruptionsbehörde GRECO des Europarats wegen fehlender Antikorruptionsregeln und an der Allmacht des Fürsten, der absolutistisch in Strafverfahren eingreifen kann.
Dazu AMLA, die „Anti Money Laundering Authority“ der EU, die in Liechtenstein viel aufzuräumen hat. Das Ländle will ihre Reglemente übernehmen – bis 2027. Oder so oder später.
Aber auch in himmlischen Gefilden über Liechtenstein geht es nicht gerade fromm zu.
1997 war der mehr als umstrittene erzkonservative Erzbischof Wolfgang Haas vom Bistum Chur in seine liechtensteinische Heimat wegbefördert worden. Nachdem es in Chur zu wahren Aufständen gegen seine Amtsführung gekommen war.
Die Regierung des Ländle und fast der gesamte Landtag blieben seiner Amtseinführung fern. Das dürfte der katholische Landesfürst Hans-Adam II. gar nicht gerne gesehen haben. Denn er hatte ausdrücklich die Heimkehr von Haas befürwortet und auch das extra für Haas neu gegründete Erzbistum Vaduz hochwohllöblich befördert und unterstützt.
Die NZZ schreibt:
«Haas weihte rund sechzig Priester, vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – eine sehr grosse Zahl für ein Bistum mit zehn Pfarreien. Unter ihnen sind einige zwielichtige Gestalten, die man in ihren Heimat- bistümern als untauglich für das Priesteramt eingestuft hatte. Manche von ihnen wurden des Kindsmissbrauchs und des Besitzes von Kinderpornografie beschuldigt, verbreiteten rechtsextreme Verschwörungstheorien oder schossen sich wegen dessen Reformagenda auf Papst Franziskus ein.»
Alles völlig normal für Liechtenstein, dessen fürstliche Justiz alles unterstützt, was den dortigen Treuhändern nutzt und dabei rechtsstaatliche Prinzipien mit den Füssen tritt. Wieso also auch nicht so einen Erzbischof dulden.
Nachdem der Protest gegen Haas selbst im Ländle nicht abriss, entzog ihm schliesslich auch der Fürscht seine Huld.
Am 7. August wurde Haas 75 Jahre alt. Normalerweise der Zeitpunkt, an dem ein Erzbischof zurückzutreten hat. Das sah der Hirte allerdings anders: Schon Jesus habe seinen Jüngern erklärt:
«Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.»
Dennoch musste er zähneknirschend sein Rücktrittsgesuch einreichen, das vom damals im Vatikan zuständigen Robert Prevost angenommen wurde. Der auch dem Willen von Haas nicht entsprach, einen Bruder im Geist als dessen Nachfolger einzusetzen.
Der heutige Papst Leo XIV ernannte stattdessen einen apostolischen Administrator für Vaduz. Eine provisorische Lösung. Eine Wiedereingliederung von Vaduz ins Bistum Chur ist keine Option, einen ordentlichen Nachfolger für Haas zu finden, äusserst schwierig.
Also muss sich der Papst höchstpersönlich wohl demnächst um das Seelenheil der rund 30’000 Katholiken in Liechtenstein kümmern.
Ex-Bischof Haas ist grummelnd im Ruhestand. Da gibt es aber eine Regierungschefin namens Brigitte Haas. Trotz Vertuschungsvorwürfen gegen ihren Cousin – im kleinen Ländle kennt jeder jeden und fast jeder ist mit fast jedem verwandt – will die höchste Vertreterin der weltlichen Macht (unter dem herrschenden Erbprinz Alois natürlich) sich weiterhin mit ihrem Cousin gut verstehen und verteidigt ihn gegen jegliche Vorwürfe.
Liechtensteinern halt, was sonst.





