Treuhänder & Stiftungen Liechtenstein
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Schlagwortarchiv für: Birkenstock

Aus, vorbei, Ende Gelände

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Die Treuhänder im Ländle wollen es noch nicht wahrhaben: ihr Geschäftsmodell ist am Ende.

Naturgemäss gibt es nur Schätzungen, wie viel Geld in Konstrukten wie Stiftungen, Trusts, Anstalten etc. im Fürstentum Liechtenstein gebunkert sind.

Darunter gibt es sicherlich einen Prozentsatz von völlig legalen, ordentlich erworbenen (und versteuerten) Vermögen. Die werden hier gelagert, wie beispielsweise in der Stiftung der Birkenstock-Familie, um ein Gefäss zu haben, mit dem komplizierte Finanzverhältnisse in einer verästelten Familie, die in verschiedenen Ländern und Steuersystemen lebt, zusammengefasst und organisiert werden können. Oder zur Nachlassplanung bei grossen Vermögen mit diversen Anspruchsgruppen und speziellen Wünschen des Erblassers.

Das ist der helle Teil. Und dann gibt es den dunklen und schliesslich den rabenschwarzen.

Der dunkle Teil besteht aus Vermögen, die aus welchen Gründen auch immer das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Das kann noch halbwegs ehrenhaft sein, wenn beispielsweise eine reiche Person in der Dritten Welt nicht damit auffallen will, über ein dickes Bankkonto zu verfügen. Denn das steigert die Gefahr einer Entführung mit Lösegelderpressung ungemein. Und diese Gangster arbeiten natürlich mit Bankangestellten zusammen.

Also wird das Geld nach Panama – oder Liechtenstein transferiert. Mit dem hübschen Nebeneffekt, dass keine Steuern fällig sind.

Aber dann gibt es noch den rabenschwarzen Teil. Gelder aus Diktaturen, aus Unrechtsstaaten wie Venezuela oder Iran oder all den Regimes in Afrika, Lateinamerika und Asien. Gelder aus dem Handel mit Blutdiamanten, Gelder von Warlords, Drogenbaronen, Menschenhändlern, Gelder von all dem Abschaum der Menschheit.

Hier ist von gigantischen Beträgen die Rede. Alleine die organisierte Schwerkriminalität ist laut Schätzungen der UNO für 1,5 Prozent des Welt-BIP zuständig. Das wären rund 1,8 Billionen US-Dollar, 1800 Milliarden. Nimmt man sämtliche kriminellen Aktivitäten, sprechen wir von mindestens 2 bis zu 5 Prozent des Welt-BIP. Also von 2,4 bis 6 Billionen.

Von diesen gigantischen Beträgen ist garantiert ein unbekannter Prozentsatz in Liechtenstein gelandet. Allen Schwüren zum Trotz, dass man einen sauberen Finanzplatz wolle und von Gebräuchen der Vergangenheit Abstand genommen hätte.

Denn es gibt einen Faktor, der all das übersteuert, auch das Risiko, erwischt zu werden: reine Geldgier.

Aber hier gibt es ein Problem. Wird der Anwalt oder Treuhänder von einer staatlichen Stelle erwischt, dann gibt es in Liechtenstein von der Fürstenjustiz höchstens einen Klaps auf die Finger. In den letzten 15 Jahren gab es zwischen 10 bis 20 Strafverfahren, eine reine Schätzung. Verurteilungen? Eine niedrige, einstellige Zahl.

Aber: Wie werden schwerkriminelle Begünstigte einer solchen Tarnkonstruktion reagieren, wenn sie erfahren, dass ihre Namen und alle nötigen Merkmale zur Identifikation gestohlen wurden und sich nun ihrerseits in den Händen von Cyber-Kriminellen befinden? Wie werden sie erst reagieren, wenn sie mit einer Erpressung kontaktiert werden? Mit einer Forderung, deren Höhe sich nach dem in ihrer liechtensteinischen Konstruktion lagernden Vermögenswerten richtet.

Wen werden sie dafür verantwortlich machen? Richtig, den Treuhänder oder Anwalt, der ihnen mit heiligen Schwüren versicherte, dass Diskretion in Liechtenstein oberste Maxime ist, der Schutz der Anonymität vollkommen, das alles so sicher und stabil wie die fürstliche Trutzburg ob Vaduz sei.

Und nun das.

Im Weiteren werden sie Behörden, Regierung und schliesslich den absolutistisch regierenden Landesherrn verantwortlich machen. Also den Fürsten und seinen regierenden Erbprinzen Alois.

Eigentlich möchte niemand den Zorn solcher finsterer Gestalten auf sich ziehen. Nicht von einem, und erst recht nicht von Dutzenden, Hunderten.

Die 130 Treuhänder dürften inzwischen schlaflose Nächte haben – und aufschrecken, wenn sie im Garten ein verdächtiges Geräusch hören. Allerdings: Profis machen keine verdächtigen Geräusche. Plötzlich sind sie lautlos da, und dann ist’s zu spät.

6. August 2026/27 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-04-um-12.06.38.png 534 1191 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-06 07:02:312026-08-04 13:13:47Aus, vorbei, Ende Gelände

Die Trutzburg ob Vaduz wackelt

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Der Zombie-Trust-Skandal geht durch die Weltpresse.

Zuerst waren es englischsprachige Medien wie Bloomberg und Reuters, die berichteten. Rund 475 liechtensteinische Trusts sind plötzlich herrenlos. Verwaist, weil ihre ungetreuen Treuhänder fluchtartig das Weite suchten.

Aus Schiss, auf die Sanktionsliste der US-Behörde Ofac zu kommen. Unter dem Verdacht, Beihilfe zum Verstecken von Russengeldern geleistet zu haben.

Zuvor hatte es sogar den Vizepräsidenten der Liechtensteinischen Treuhandkammer erwischt, der von seinem Posten zurücktrat.

Dann legte kürzlich die Financial Times nach. Das Weltblatt berichtet, dass es sich sogar um rund 800 Trusts handelt, in denen Multimilliarden an Cash, Vermögenswerten wie Flugzeuge, Yachten, Luxusimmobilien lagern. Plötzlich dem Zugriff ihrer legalen Besitzer entzogen, blockiert, arrestiert.

Seither überschlagen sich die Berichte weltweit. Vor allem in englischsprachigen Medien.

«US Sanctions Turn Liechtenstein Into a Graveyard of Russian Wealth Vehicles», berichtet United24 Media. «Liechtenstein’s zombie-trust apocalypse», legt FT nach. «US crackdown on Russian assets sparks ‘zombie funds crisis’ in Liechtenstein», vermeldet TVP World. Regtech Times: «Europe’s Financial Bermuda Triangle: 800 Liechtenstein Trusts Abandoned in Sanction Fallout».

Reddit titelt: «Liechtenstein von Russland-verbundener „Zombie-Trust“-Krise getroffen».

Die Berliner Zeitung legt nach: «Geschäftskrise in Liechtenstein: So leidet das Fürstentum unter den Russland-Sanktionen». Und analysiert: «Vom Ausland verhängte Sanktionen schaden der Reputation und haben nun bedeutungsträchtige Folgen für das milliardenschwere Finanzgeschäft im Fürstenstaat.»

Die BZ verfolgt weitere Spuren:

«Liechtenstein pflegt tatsächlich schon lange Beziehungen zu Russland. Der bis 2013 amtierende Regierungschef Klaus Tschütscher nahm ein Jahr nach seinem Ausscheiden die Position als russischer Honorarkonsul in Liechtenstein an und legte diese Funktion erst 2022 ab. Dies verdeutlicht ein überaus enges Verhältnis zwischen Vaduz und Moskau.»

Die Zeitung verfolgt die Spuren, die Anton Wyss, ehemaliger Treuhandkammer-Vize, hinterliess: «Ein besonders prominenter Fall war dabei der Schweizer Anton Wyss, der im vergangenen Jahr auf die SDN-Liste der „besonders benannten Staatsangehörigen und gesperrten Personen“ der Kontrollbehörde des amerikanischen Finanzministeriums OFAC genommen wurde.»

«Wyss soll eine zentrale Rolle in der Schweiz und in Liechtenstein gespielt haben. Über sein in Liechtenstein ansässiges Treuhandunternehmen Audax Consulting Trust Establishment wird gesagt, dass es die wirtschaftlichen Eigentümer russischer Investoren sowie deren Auslandsinvestitionen verschleiert habe. Auch sein Geschäftspartner Alexander Lins soll seine eigene Treuhandfirma LMG Lighthouse Trust Reg. für Sanktionsumgehungen zugunsten russischer Kunden genutzt haben. Die Vorwürfe werden von beiden Unternehmern kategorisch zurückgewiesen.»

Dazu legte der Finanzblog Inside Paradeplatz aus Zürich kräftig nach: «Liechtenstein in Panik, „Zombie-Trusts“ im Kreuzfeuer».

Aus Liechtenstein kommt bisher nur die übliche Reaktion. Ignorieren, negieren, abtischen. Man habe eine «Lenkungsgruppe» eingerichtet, die Lösungen erarbeiten soll.

Nur: wie? Kein Treuhänder im Ländle traut sich, einen solchen Trust auch nur mit der Beisszange anzufassen. Denn er hat berechtigten Angst, dann selbst auch auf die tödliche Sanktionsliste des Ofac zu geraten.

Mit jeder Meldung – und auch die deutschen Medien werden mal aufwachen – vergrössert sich der Reputationsschaden für den Finanzplatz Liechtenstein. Der als sicherer Hafen mit allen rechtsstaatlichen Garantien für grosse und ganz grosse Vermögen gelten will. Darauf fallen auch immer wieder reiche Erben rein, wie zum Beispiel die Familie Birkenstock, die ihr Vermögen in eine liechtensteinische Stiftung goss.

Ohne sich vom Bacardí-Skandal abschrecken zu lassen.

Im Unwissen, dass dort die Eigentumsgarantie im Zweifelsfall keinen Wert hat. Vor allem, wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten.

Das Fürstenhaus tut das, was es in solchen Fällen normalerweise tut. Es verschanzt sich in seiner Trutzburg und schweigt. Dabei wackelt die gerade in ihren Grundfesten.

Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die fürstliche Bank LGT oder sogar der Fürst himself, dazu sein herrschender Erbprinz Alois, auf die Sanktionsliste der Amis geraten.

Dazu sind sowohl Russland wie auch viele reiche Russen stinkwütend auf Liechtenstein. Und die neigen dazu, unfeinere Methoden als Sanktionslisten anzuwenden, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. Da reicht es dann nicht mehr, die Zugbrücke heraufzuziehen und sich hinter dicken Mauern zu verstecken.

10. Juli 2025/42 Kommentare/von Treuhänder
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