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Schlagwortarchiv für: Bacardí-Skandal

Die schwarzen Schafe sind die Herde

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

Liechtenstein hat ein erstaunliches Schafproblem.

Wann immer ein Treuhänder Millionen veruntreut, Begünstigte aus einer Stiftung gedrängt werden, Vermögen verschwinden oder ausländische Behörden einschreiten, trabt zuverlässig das «schwarze Schaf» durchs Fürstentum.

Einzelfall. Bedauerlich. Hat mit dem Finanzplatz nichts zu tun.

Das Problem: Irgendwann besteht die Herde nur noch aus schwarzen Schafen.

Nehmen wir Harry Gstöhl. Treuhänder, Rechtsanwalt, Präsident des Staatsgerichtshofs, Vorsitzender der Treuhänder-Prüfungskommission – näher kann man dem liechtensteinischen Establishment kaum kommen. Dann wurde er wegen schwerer Untreue, schweren gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei zu insgesamt acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Ein schwarzes Schaf mit bemerkenswert guten Beziehungen zum Schäferhund.

Oder Mario Staggl: sechseinhalb Jahre Haft wegen Untreue, gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei. Zuvor dokumentierte bereits der US-Senat seine Rolle bei Offshore-Konstruktionen des amerikanischen Milliardärs Igor Olenicoff.

Zwei schwarze Schafe. Natürlich.

Dann gibt es den Perry-Komplex. Die Familie des verstorbenen israelischen Unternehmers Israel Perry kämpft seit Jahren um ein in Liechtenstein verwaltetes Milliardenvermögen. Im Zentrum stehen Treuhandstrukturen, Kontrolle über Vermögen und Millionen an Gebühren. Hier handelt es sich um umstrittene Vorwürfe, nicht um rechtskräftig festgestellte Straftaten. Genau deshalb wäre eine schnelle, transparente und unabhängige Justiz entscheidend.

Ähnlich im Bacardí-Komplex. Witwe und Tochter von Lord Luis Bacardí werfen Liechtensteiner Treuhändern seit Jahren vor, sie um die Kontrolle über ein Vermögen von Hunderten Millionen gebracht zu haben. Die ZEIT beschrieb 2023 den jahrelangen Kampf um ein mehr als 700 Millionen Dollar schweres Erbe, auf das die Familie keinen Zugriff erhält. Wieder dieselbe Bühne: Trust, Treuhänder, gigantisches Vermögen, liechtensteinische Gerichte.

Und Hartlaub: Ein langjähriger Stiftungsrat wurde wegen des «blossen Anscheins eines möglichen Interessenskonflikts» abberufen. Das Fürstliche Obergericht bestätigte die Entscheidung. Wieder geht es um die Kontrolle eines dreistelligen Millionenvermögens.

Und über diesem Biotop wacht ausgerechnet die Treuhandkammer.

Deren ehemaliger Vizepräsident Anton Wyss landete 2024 auf der amerikanischen Sanktionsliste. Das US-Finanzministerium wirft ihm und Alexander Lins Geschäfte mit sanktionierten Russen vor; beide bestreiten die Anschuldigungen. Besonders hübsch: Die Treuhandkammer selbst erklärt, die Einhaltung gerade der amerikanischen OFAC-Sanktionen sei für Liechtensteins Finanzintermediäre von entscheidender Bedeutung.

An der Spitze der Kammer steht inzwischen Stefan Wenaweser. Und auch da wird es grotesk: 2011 bestätigte der leitende Staatsanwalt, dass ein Liechtensteiner Anwalt bei einer Akteneinsicht Unterlagen ohne Wissen und Zustimmung des zuständigen Richters aus einem Rechtshilfeakt entfernte. Die Dokumente tauchten erst Wochen später wieder auf; es wurde wegen des Verdachts der Urkunden- beziehungsweise Beweismittelunterdrückung ermittelt.

Das alles wäre schon bemerkenswert genug. Aber das System kontrolliert sich auch noch teilweise selbst. Die Treuhandkammer ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, sämtliche zugelassenen Treuhänder gehören ihr an; zu ihren Aufgaben gehört ausdrücklich die Überwachung der Pflichten des Berufsstandes. Sie verfügt über eigene Disziplinarorgane.

Und nun kommt der entscheidende Punkt.

Ein System, in dem dieselben kleinen beruflichen Kreise Vermögen verwalten, sich berufsständisch kontrollieren, vor denselben Gerichten auftreten und sich in immer neuen Millionenskandalen begegnen, produziert nicht bloss Einzelfälle. Es produziert strukturell die Möglichkeit des Missbrauchs.

Selbst die Regierung hat inzwischen Handlungsbedarf erkannt. In ihrer Reform des Treuhändergesetzes begründete sie neue Aufsichtsinstrumente ausdrücklich mit Sanktionsrisiken und der Gefahr von Reputationsschäden für Land und Berufsstand.

Allerdings sorgt die Fürstenjustiz weiterhin mit allen Mitteln dafür, dass fehlbare Untreuhänder nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Das schwarze Schaf ist deshalb die bequemste Legende des Finanzplatzes.

Gstöhl war ein Einzelfall. Staggl war ein Einzelfall. Perry ist ein Einzelfall. Bacardi ist ein Einzelfall. Hartlaub ist ein Einzelfall. Ein sanktionierter ehemaliger Kammer-Vizepräsident ist ein Einzelfall. Der Aktenskandal ist ein Einzelfall.

Natürlich.

Vielleicht sind das tatsächlich alles Einzelfälle.

Aber eben einzelne Fälle desselben Systems.

Und irgendwann ist nicht mehr das schwarze Schaf erklärungsbedürftig.

Sondern die Herde.

18. September 2026/62 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-16.11.01.png 510 1230 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-09-18 07:04:072026-09-16 16:12:13Die schwarzen Schafe sind die Herde

Skandale mit Skandeln zudecken

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Untreuhänder

Ob das eine schlaue Strategie des Fürstentums ist?

Zurzeit beherrscht der Super-GAU die Debatte. Kinderleicht liess sich Liechtenstein das Allerheiligste klauen. Die vollständige und streng geheime Liste aller 31’000 Nutzniesser von Stiftungen, Trusts, Anstalten & Co.

Ade Diskretion und Vertrauen.

Inzwischen wurde sogar noch – neben anderen Plattformen – das Handelsregister abgeschaltet. Offenbar läuft das alles auf der löchrigen IT-Infrastruktur, die eine einheimische KMU gebastelt hat.

Auch mehr als zwei Wochen nach dem Einbruch weiss man weder, wer die Täter gewesen sein könnten, noch, was ihre Absichten sind, was sie mit der Beute anfangen wollen.

Weder die Besitzer noch die liechtensteinischen Treuhänder schlafen gut. Der Krisenstab hingegen schon.

Aber könnte das nicht eine ganz raffinierte Methode sein? Wir lenken vom letzten, noch nicht erledigten Skandal mit einem noch grösseren ab. Schliesslich ist das Problem der rund 800 Zombie-Trusts mit mehrheitlich russischen Begünstigten nicht erledigt.

Die wanken führerlos auch anderthalb Jahre, nachdem sie von ihren treulosen Treuhändern fluchtartig verlassen wurden, handlungsunfähig wie Untote herum. Aber he, sagt sich vielleicht die fürstliche Regierung, wir können noch ganz anders.

Die Zombies hingegen können die Sicht auf die nicht abreissende Kette von Skandalen versperren, in die liechtensteinische Untreuhänder verwickelt sind.

Indem sie methodisch störende Stiftungsräte und Begünstigte aus ihrer eigenen Stiftung Krauskübeln. Wobei die Fürstenjustiz gerne Hand bietet und absurde Begründungen wie den «blossen Anschein einer möglichen Interessenskollision» erfindet. Was das sein soll, weiss niemand. Wozu es nützt, ist hingegen klar: weg sind störende Elemente, der Treuhänder als Stiftungsrat kann sich ungehemmt und ungeniert bereichern. Durch absurd hohe Honorare oder direkt mit dem Griff in die Geldtöpfe.

Es gibt ja niemanden mehr, der ihn kontrollieren kann. Und Selbstkontrolle oder Anstand ist nicht gerade deren starke Seite. Als Sahnehäubchen kommt noch hinzu, dass diese Halunken sich gegen Versuche der wirklich Berechtigten mit skrupellosen Anwälten zur Wehr setzen. Deren exorbitanten Honorare von der Stiftung klaglos bezahlt werden. Ist ja nicht deren Geld.

Der Bacardí-Skandal mottet schon seit Jahren vor sich hin. Ebenso der Skandal um die Hartlaub-Stiftung. Wo der Stiftungsratspräsident, der durch alle Instanzen hindurch innert sieben Wochen aus seinem Amt gekippt wurde, seit inzwischen mehr als vier Jahren vergeblich versucht, zu seinem Recht zu kommen.

Dann gibt es den Skandal um die Witwe eines reichen Scheichs, der ebenfalls mit fadenscheinigen Gründen der Zugang zu ihrer Stiftung verwehrt wird. Oder den Fall eines Schweizer Geschäftsmanns, der sogar schon seit Jahrzehnten darum kämpft, wieder Zugang zu seinem Finanzgefäss zu bekommen.

Gleichzeitig verdienen die wenigen Treuhänder und Treuhandfirmen Jahr für Jahr mindestens 200 Millionen Franken an der Verwaltung dieser Konstrukte. Die Arbeit lässt sich von der Assistentin an einem lockeren Nachmittag erledigen, die Honorarnote beginnt dann bei 10’000 Franken. Mit viel Luft nach oben.

Das ermöglichte sogar einem besonders unverfrorenen Treuhänder, sich die grösste Rolls-Royce-Sammlung der Welt zuzulegen, für die er extra noch ein beeindruckendes Mausoleum baute. Er galt lange Jahre als Zierde der Gesellschaft, bis es ihn dann doch noch erwischte und er in U-Haft wanderte.

Künstlerpech, das passiert sonst kaum einem.

Ist es also Wahnsinn mit Methode, einen Skandal mit einem grösseren zuzudecken? Zumindest ist es ein schlechtes Geschäftsmodell. Denn der Schaden durch den Raubzug ist zurzeit weder in Geld, noch in Reputationsverlust zu ermessen. Er ist schlichtweg gigantisch.

Dann gibt es noch ein zweites Problem: es muss gesteigert werden. Der nächste Skandal muss noch grösser als der letzte sein. Denn «schon wieder eine Stiftung gekapert», das ist ja Business as usual und interessiert nicht gross.

Wie kann man also den aktuellen noch steigern? Schwierig. Ein Mitglied der fürstlichen Familie wird entführt? Die Trutzburg ob Vaduz wird gesprengt?

Oder aber was Kleineres: Der Nationalfeiertag am 15. August fällt aus. Regierung und Erbprinz sind unpässlich.

19. August 2026/47 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-11-um-13.36.47.png 478 1204 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-08-19 07:00:492026-08-16 18:12:37Skandale mit Skandeln zudecken

Massgeschneidert in den Abgrund

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder

Der verstorbene Modegigant Valentino hinterlässt sein Vermögen einer Liechtensteiner Stiftung. Schlechte Idee.

Schon wieder gibt es eine multimillionenschwere Stiftung im Fürstentum. Sie heisst Valentino Garavani – Giancarlo Giammetti Foundation und hat ihren Sitz in Vaduz.

Der mit 93 Jahren verstorbene Valentino hat keine Erben; sein Gesamtvermögen wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Gut, dass der geniale Couturier nicht mehr erleben muss, was mit dieser Stiftung passieren könnte. Wenn in Liechtenstein das passiert, was häufig passiert. Missbrauch, Abzockerei und sogar reiner Diebstahl.

Die Voraussetzungen sind ideal. Der Stifter ist verstorben, es gibt keine bekannten Begünstigten, sondern die Stiftung soll eine Art Sammelgefäss für seine Immobilien, Kunstwerke und sein Vermögen sein.

Wie bei jeder Stiftung ist das beherrschende Organ der Stiftungsrat. In ihm sitzen Giancarlo Giammetti, der langjährige Geschäftspartner Valentinos. Dazu Ronald Feijen, enger Vertrauter Valentinos, Marc André Bonnant, Genfer Anwalt und Testamentsvollstrecker, Grégoire Bordier, Präsident der Vereinigung der Schweizer Privatbanken und Teilhaber von Bordier & Cie. und der Genfer Anwalt Matteo Pedrazzini. Wahrscheinlich deswegen, weil Valentino sein Testament an seinem Wohnsitz in Gstaad abfasste und es somit dem Schweizer Recht unterstellte.

Das nützt aber alles nicht viel, denn in einer liechtensteinischen Stiftung muss obligatorisch ein dazu autorisierter Anwalt oder Treuhänder aus dem Ländle Einsitz nehmen. Das hatte der Fürst schon vor langer Zeit so bestimmt, damit seinen Anwälten und Treuhändern eine lukrative Geldquelle zur Verfügung steht, aus der sie exorbitante Honorarnoten saugen können, die in keinerlei Verhältnis zu ihrer Tätigkeit stehen.

In diesem Fall handelt es sich um den liechtensteinischen Rechtsanwalt Dr. Peter Goop. Er ist einer der vielen im Ländle bestens vernetzten Multistiftungsräte. Da sieht man allerdings nur die Spitze des Eisbergs, weil es dem Fürsten auch beliebte zu verfügen, dass Familienstiftungen und Trusts nicht öffentlich einsehbar sind, also niemand weiss, wer hier im Stiftungsrat sitzt.

Im Fall Goop ist immerhin bekannt, dass er auch Präsident des Stiftungsrats der Maiores Stiftung ist, ausserdem war er Stiftungsrat und dann Liquidator der Valüna Stiftung. Benecare Foundation, Beneficentia Stiftung, Samina Stiftung, wo sich auch Prinz Niklaus von und zu Liechtenstein die Ehre gibt. Sein eigenes Familienvermögen verwaltet er in der Sammlung Adulf Peter Goop Stiftung, benannt nach seinem verstorbenen Vater.

Verbandelt ist Goop unter anderem mit Stefan Wenaweser. Der Partner der bekannt-berüchtigten Kanzlei Marxer & Partner ist zudem öffentlicher Notar und Präsident der Liechtensteinischen Treuhandkammer. Dass ihm vorgeworfen wird, in einem Prozess Akten aus dem Gericht entwendet und sie erst unter Androhung von Zwangsmassnahmen wieder zurückgegeben zu haben, solche Kavaliersdelikte haben im Fürstentum noch niemandem geschadet.

Ob der Sachverstand der fünf Nicht-Liechtensteiner ausreicht, um eine allfällige Usurpation der Stiftung zu verhindern?

Das wäre Business as usual in der Räuberhöhle Liechtenstein. Zunächst einmal könnte Goop in Frage stellen, wer hier Begünstigter ist. Und gleichzeitig sämtliche Informationsrechte kappen. Im sicheren Wissen, dass ein Prozess gegen diese Entscheidung vor den fürstlichen Gerichten Jahre dauern wird.

Sollten nun die übrigen Stiftungsräte protestieren, lassen sich leicht Vorwände finden, um sie ihres Amtes zu entheben. Wären sie auch Begünstigte, was zum teil anzunehmen ist, gibt es den bewährten «blossen Anschein einer möglichen Interessenskollision». Es kommt praktisch nie vor, dass ein fürstliches Gericht einen solchen Antrag eines fürstlichen Treuhänders abweist.

Und schwups, schon wäre Goop zumindest für einige Jahre der nicht mehr rechenschaftspflichtige Alleinherrscher in dieser Stiftung. Und niemand würde erfahren, wie er sich viele Millionen in den eigenen Geldbeutel schaufelt.

Das wäre dann neben dem Bacardí-Skandal, dem Skandal um die Asturion und die Hartlaub Stiftung und neben den verwaisten rund 800 Zombie-Trusts einfach neu der Valentino-Skandal. Na und, sagen da die Liechtensteiner, uns kann keiner.

13. Juli 2026/44 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-15.25.34.png 619 1198 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-13 07:02:182026-07-10 15:28:45Massgeschneidert in den Abgrund

Die Schneckenjustiz

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Untreuhänder

Justiz auf Zeitlupe: Verfahren in Liechtenstein altern wie guter Wein – nur ohne den Genuss.

Es gibt Rechtsstaaten, in denen ein Gerichtsurteil das Ende eines Konflikts markiert. Und es gibt Liechtenstein. Dort scheint die Zeit in gewissen Verfahren einer eigenen Physik zu folgen. Besonders dann, wenn es um Streitigkeiten mit Treuhändern, Stiftungsräten oder die Verwaltung grosser Vermögen geht. Während anderswo Richter urteilen, Gutachter begutachten und Parteien streiten, ist es im Fürstentum so, dass die wichtigste Verfahrenshandlung das geduldige Wartenist.

Natürlich wird niemand offiziell sagen, dass Verfahren verschleppt werden. Die Begründungen klingen stets ehrenwert: komplexe Sachverhalte, internationale Bezüge, notwendige Beweisaufnahmen, sorgfältige Interessenabwägung. Alles juristisch korrekt formuliert. Nur bleibt am Ende oft die Frage: Weshalb dauert etwas drei, fünf oder gar zehn Jahre, was in anderen Ländern längst entschieden wäre?

Gerade im Stiftungswesen zeigt sich das Problem exemplarisch. Begünstigte, die sich gegen Stiftungsräte zur Wehr setzen wollen, sehen sich häufig einem Gegner gegenüber, der über erhebliche finanzielle Mittel verfügt. Der Stiftungsrat, meist ein fürstlicher Untreuhänder,  bezahlt seine Anwälte aus dem Stiftungsvermögen. Die Begünstigten müssen ihre Kosten oft selbst tragen. Je länger ein Verfahren dauert, desto stärker verschiebt sich das Kräfteverhältnis zugunsten derjenigen, die ohnehin am längeren Hebel sitzen.

Die Zeit wird damit zu einer Waffe. Wer jahrelang auf Akteneinsicht wartet, wer gegen Zwischenentscheide Beschwerde einlegen muss, wer immer neue Gutachten und Verfahrensschritte erlebt, verliert irgendwann nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Für ältere Begünstigte wird die Frage sogar existenziell: Erleben sie den Ausgang des Verfahrens überhaupt noch?

Mehrere international beachtete Stiftungsstreitigkeiten wie der Bacardí-Skandal oder der Hartlaub-Skandal haben genau dieses Muster gezeigt. Verfahren zogen sich über Jahre durch sämtliche Instanzen. Währenddessen blieben umstrittene Verwaltungsstrukturen bestehen, Stiftungsräte im Amt und Vermögenswerte ausser Reichweite der Kläger. Ein Sieg nach zehn Jahren gleicht gelegentlich dem Gewinn eines Marathons, bei dem der Zieleinlauf längst abgebaut wurde.

Ein besonderes Problem bei Liechtenstein ist, dass viele Verfahren aufgrund des Stiftungsgeheimnisses und des Persönlichkeitsschutzes nicht unter bekannten Namen öffentlich werden. In den veröffentlichten Urteilen des Staatsgerichtshofs und des Obersten Gerichtshofs finden sich zahlreiche Fälle, in denen Streitigkeiten über:

  • Auskunftsrechte von Begünstigten,
  • Absetzung von Stiftungsräten,
  • Rechnungslegung,
  • Herausgabe von Dokumenten,
  • Änderung von Begünstigtenstellungen,

über viele Jahre geführt wurden.

Dabei kommt es nicht selten zu folgendem Ablauf:

  1. Antrag beim Landgericht.
  2. Beschwerde zum Obergericht.
  3. Revision zum Obersten Gerichtshof.
  4. Verfassungsbeschwerde zum Staatsgerichtshof.
  5. Rückweisung an die Vorinstanz.
  6. Neues Verfahren über einzelne Teilfragen.

So können aus ursprünglich relativ überschaubaren Konflikten Verfahrensketten entstehen, die fünf bis zehn Jahre oder länger dauern.

Besonders unerquicklich wirkt dies in Fällen, in denen Begünstigte ihren eigenen Stiftungsräten Bereicherung, Pflichtverletzungen oder mangelnde Transparenz vorwerfen. Statt rascher Klärung entsteht oft ein juristisches Labyrinth. Jeder neue Verfahrensschritt erzeugt weitere Monate. Jede Beschwerde weitere Jahre. Jeder Rückweisungsentscheid eröffnet eine neue Runde.

Der Vorwurf lautet nicht unbedingt, dass die Gerichte falsch entscheiden. Der Vorwurf lautet, dass sie zu spät entscheiden.

Dabei ist Gerechtigkeit, die erst nach einer halben Ewigkeit eintrifft, häufig keine wirkliche Gerechtigkeit mehr. Schon der englische Jurist William Gladstone wusste:

„Justice delayed is justice denied.“

Verweigerte Gerechtigkeit durch Verzögerung.

Für einen Finanzplatz, der weltweit mit Rechtssicherheit wirbt, ist das ein ernstes Problem. Denn Vertrauen entsteht nicht nur durch gute Gesetze. Vertrauen entsteht auch dadurch, dass Konflikte innert nützlicher Frist entschieden werden.Wenn sich Verfahren endlos dehnen lassen, bedeutet das, dass Zeit im liechtensteinischen Stiftungswesen nicht bloss vergeht – sondern eine der wirksamsten Verteidigungsstrategien und übelsten Waffen überhaupt ist.

24. Juni 2026/64 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-23-um-17.13.18.png 525 1204 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-24 07:08:492026-06-23 17:13:47Die Schneckenjustiz

Vertrauen? Pfeif drauf

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Stiftungen, Treuhänder, Untreuhänder

Statt seriös und anständig: geldgierig und räuberisch.

Im Fürstentum Liechtenstein beginnt für einen betrogenen Stiftungsbegünstigten der Albtraum häufig erst dann richtig, wenn er merkt, dass Geld verschwunden ist. Oder schlimmer: dass er selbst aus der Stiftung entfernt wurde, die eigentlich seinem Schutz dienen sollte. Denn wer glaubt, ein Liechtensteiner Treuhänder sei einfach ein Dienstleister, der irrt gewaltig. In vielen Fällen sitzt er am längeren Hebel – abgesichert durch ein hochkomplexes Stiftungsrecht, enorme finanzielle Ressourcen und eine Justiz, die von Kritikern immer wieder als treuhänderfreundlich beschrieben wird. Wenn die Kritiker ganz sanft gestimmt sind.

Theoretisch hat ein Begünstigter durchaus Rechte. Er kann Auskunft verlangen, Einsicht in Rechnungen fordern, die Absetzung eines Stiftungsrats beantragen oder Schadenersatz einklagen. Das liechtensteinische Personen- und Gesellschaftsrecht kennt entsprechende Instrumente. Auf dem Papier klingt das rechtsstaatlich sauber.

In der Praxis sieht das ganz anders aus.

Denn der erste Schutzwall besteht bereits darin, dass der Begünstigte häufig gar nicht weiss, was innerhalb der Stiftung passiert. Die Informationsrechte sind beschränkt, gestaffelt oder können mit juristischen Spitzfindigkeiten verzögert werden. Der zweite Schutzwall: Die Stiftung bezahlt die Anwälte des Stiftungsrats – also mit dem Geld des Geschädigten selbst. Wer gegen einen ungetreuen Treuhänder kämpft, finanziert oft unfreiwillig dessen Verteidigung gleich mit.

Besonders perfid wird es, wenn Begünstigte schlicht entfernt werden. Genau dieser Vorwurf tauchte in mehreren aufsehenerregenden Fällen der letzten Jahre auf. Im Fall der Hartlaub-Stiftung eskalierte ein Familienkonflikt zu einem exemplarischen Lehrstück darüber, wie schnell ein Begünstigter und Stiftungsrat aus seiner eigenen Struktur gedrängt werden kann. Die Gerichte argumentierten teilweise mit dem

«blossen Anschein einer möglichen Interessenkollision».

Kritiker sprechen von kafkaesker Logik.

Der Fall Thomas Kindler machte international Schlagzeilen. Nachdem er als Stiftungsrat auf mögliche Vermögensverschiebungen hingewiesen hatte, wurde er selbst entfernt. Anschliessend kassierten neu eingesetzte Anwälte laut Berichten hohe Honorare aus dem Stiftungsvermögen. Gleichzeitig wurde sogar seine Stellung als Begünstigter infrage gestellt – womit ihm am Ende auch das Klagerecht hätte entzogen werden können.

Auch die Bacardí-Affäre beschädigte den Ruf des Finanzplatzes massiv. Mitglieder der Bacardí-Familie werfen Liechtensteiner Treuhändern vor, Kontrolle über milliardenschwere Vermögenswerte übernommen und Begünstigtenrechte systematisch unterlaufen zu haben. In öffentlichen Stellungnahmen war gar von einem «kriminellen Netzwerk» die Rede.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Liechtenstein ist winzig. Jeder kennt jeden. Anwälte, Richter, Treuhänder, ehemalige Politiker und Verwaltungsräte bewegen sich oft im selben gesellschaftlichen Biotop. Natürlich bedeutet das nicht automatisch Korruption. Aber es erzeugt einen fatalen Eindruck von Nähe und Abschottung. Kritiker sprechen deshalb regelmässig von einer «fürstlichen Justiz», die eher die Stabilität des Finanzplatzes schützt als die Rechte einzelner Geschädigter.

Und dennoch: Hoffnungslos ist der Kampf nicht. Einzelne Begünstigte gewinnen Prozesse, erzwingen Vergleiche oder bringen Fälle an internationale Öffentlichkeit. Der mediale Druck ist oft wirksamer als die juristische Auseinandersetzung selbst. Denn nichts fürchtet der Finanzplatz mehr als den Verdacht, dass Liechtensteiner Stiftungen nicht Vermögen schützen, sondern deren wahre Eigentümer entrechten könnten.

Genau deshalb sind Fälle wie Hartlaub, Bacardí oder die Debatte um die «Zombie-Trusts» so gefährlich für Vaduz. Sie zerstören das zentrale Geschäftsmodell des Landes: Vertrauen.

1. Juni 2026/31 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-26-um-17.22.28.png 650 1189 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-06-01 07:06:592026-05-26 17:24:09Vertrauen? Pfeif drauf

Wieso tut der Fürst nichts?

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Treuhänder

Sein Stellvertreter auf Erden hätte die absolutistische Macht, dem Treiben der Treuhänder ein Ende zu setzen.

Der Mythos vom allmächtigen Fürsten hält sich hartnäckig – besonders wenn es um Liechtenstein und seine notorisch diskrete Finanzindustrie geht. Wer die Verfassung kennt, weiss: Hans-Adam II. ist kein bloss repräsentativer Monarch. Er kann Gesetze blockieren, Regierungen entlassen und notfalls per Volksabstimmung seine Position zementieren. Kurz: Wenn jemand die Treuhänder an die Kandare nehmen könnte, dann er. Tut er aber nicht. Genauso wenig wie der regierende Erbprinz Alois.Warum?

Die naheliegende Erklärung ist weniger romantisch als der Mythos: Macht ist nicht dasselbe wie Interesse. Der liechtensteinische Staat lebt – direkt und indirekt – vom Finanzplatz. Treuhänder, Stiftungen, Trusts: Sie sind nicht das Problem, sie sind das Geschäftsmodell. Wer hier mit dem Zweihänder aufräumt, riskiert nicht nur ein paar dubiose Konstrukte, sondern gleich eine tragende Säule des Wohlstands. Bacardí, Hartlaub-Stiftung, Zombie-Trusts – das sind Auswüchse. Aber eben Auswüchse eines Systems, das politisch gewollt ist.

Hinzu kommt die strukturelle Nähe zwischen Macht und Branche. In einem Staat mit knapp 40’000 Einwohnern kennt jeder jeden. Die Elite ist überschaubar, personell verflochten und sozial eng verbunden. Treuhänder sitzen in Stiftungsräten, beraten Politik und Wirtschaft – und sind Teil desselben Netzwerks, das auch die staatlichen Institutionen durchzieht. Wer hier hart durchgreift, greift ins eigene Geflecht. Das ist kein autoritärer Entscheidungsakt mehr, sondern ein sozialer Sprengsatz.

Die Judikative als mögliches Kontrollorgan ist inexistent. Ganz einfach, weil die Richter von des Fürsten Gnade abhängig sind und ihre gut bezahlten Posten nicht riskieren wollen. Zudem sind sie nur im Teilamt tätig und verdienen selbst als Anwälte oder Treuhänder mit.

Der Fürst agiert zudem nicht im luftleeren Raum. Liechtenstein ist international exponiert und abhängig von seiner Reputation. Zu viel Druck auf die Branche könnte als Schuldeingeständnis interpretiert werden: Seht her, wir hatten ein Problem. Zu wenig Druck hingegen führt zu genau den Skandalen, die das Image beschädigen. Also wählt man den klassischen Mittelweg: punktuelle Reformen, wohlklingende Compliance-Offensiven, aber keine radikale Säuberung. Symbolpolitik statt Systembruch.

Und schliesslich: Absolutistische Macht ist in der Praxis erstaunlich relativ. Der Fürst kann viel – aber nicht gegen die ökonomische Logik seines Landes regieren, ohne politische Kosten zu riskieren. Auch in Liechtenstein gilt: Legitimität speist sich aus Zustimmung. Und die speist sich aus Wohlstand. Solange der Finanzplatz liefert, wird niemand ernsthaft den Ast absägen, auf dem man sitzt.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, warum der Fürst nicht handelt. Sondern warum man erwartet, dass er gegen die Grundmechanik seines eigenen Systems vorgeht. Liechtenstein ist kein Opfer seiner Treuhänder. Sie sind Opfer des Architekten, des Fürsten. Und Architekten reissen ihre Gebäude selten selbst ein – selbst wenn es in den oberen Stockwerken brennt.

15. Mai 2026/35 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-13-um-18.42.12.png 559 1180 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-05-15 07:02:012026-05-15 09:46:27Wieso tut der Fürst nichts?

Richter im Unrechtsstaat

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Fürstenjustiz, Skandale, Treuhänder

In Liechtenstein kann man sich nicht auf die Justiz verlassen.

Der Rechtsstaat ist ein Bollwerk gegen Willkür, Faustrecht und Barbarei. Wenn er funktioniert, gibt er dem Einzelnen Sicherheit und Schutz.

In Zentraleuropa wird das Wissen, im Streitfall ein Gericht anrufen zu können und meistens ein akzeptables Urteil zu bekommen, als selbstverständlich vorausgesetzt.

Dabei wird übersehen, dass es mitten in diesem Zentraleuropa ein mittelalterlich beherrschtes Fürstentum gibt, in dem sich Richter als willige Erfüllungsgehilfen der Interessen von Mächtigen und Einflussreichen sehen.

Sie wissen auch, dass sie ihre gut bezahlten Stellen einzig und alleine dem absolutistisch herrschenden Fürsten, bzw. seinem Erbprinzen Alois verdanken. Der seine Gunst auch schnell entziehen kann, wenn ein Richter in seinen Augen frech wird.

So hatte ein Verwaltungsrichter in einem Vortrag seine Meinung über die Rolle des Verfassungsgerichts geäussert. Eine falsche Meinung, denn er behauptete doch, dass der Schutz und die Auslegung der Verfassung durch dieses Gericht der Meinung des Fürsten vorgehe.

Schwerer Fehler, dem Richter wurde daraufhin vom Fürsten die Wiederernennung verweigert – auch gegen den Willen des Parlaments. Denn hier ging es ums Prinzip. Was Recht ist und was nicht, das bestimmt im Zweifelsfall nicht das Verfassungsgericht, sondern nur der Fürst.

Dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) darin einen Verstoss gegen die Menschenrechtskonvention sah – was kratzt das das Fürstenhaus.

Der Anti-Korruptions-Fachausschuss der Europarat (GRECO) stellt immer wieder fest, dass in Liechtenstein weitergehende Integritätsstandards für Abgeordnete, Richter und Staatsanwälte notwendig seien. Konkret:

  • Fehlende oder unklare Vorgaben bei Integritätsanforderungen für Richter und Staatsanwälte.

  • Potenzielles Risiko von Interessenkonflikten oder Einflussnahme, wenn Standards nicht ausreichend klar geregelt sind.

  • Die Tatsache, dass Laienrichter mitwirken und Teilzeit- und Ad-hoc-Richter eingesetzt werden, wirft Fragen nach Konsistenz und Kontinuität der Rechtsprechung auf.

In allen Skandalen der jüngeren Vergangenheit (Geldwäscherei, Entgegennahme von kriminellen Geldern, Steuerhinterziehungsskandale) wurden in Liechtenstein Banken, Politiker und auch Justizbehörden kritisiert, mit organisierter Kriminalität zusammengewirkt zu haben.

Der Staatsgerichtshof (Verfassungsgericht) in Liechtenstein hat am 7. Februar 2022 einen „Code of Conduct“ für seine Richter verabschiedet, der Fragen wie Unabhängigkeit, Integrität und Amtsführung behandelt. Wenn ein Gericht ein solches Regelwerk explizit verabschiedet, so deutet das darauf hin, dass entweder bestehende Standards verbessert werden sollen oder es Wahrnehmungs-/Praktikprobleme gab, die adressiert werden müssen.

Eine besonders üble Rolle spielen Liechtensteiner Richter in Auseinandersetzungen zwischen Stiftern und Begünstigten und den die Stiftungen beherrschenden Treuhändern.

Im aktuellen Fall von über 800 Zombie-Trusts, die herrenlos herumstehen, seit ihre Treuhänder untreu und feige Fersengeld gegeben haben, ist es keinem einzigen Besitzer bislang gelungen, via Gericht wieder an seine dort lagernden Vermögenswerte heranzukommen. Obwohl in vielen Fällen diese Besitzer nicht sanktioniert sind und somit völlig legale Eigentümer.

Im Riesenskandalfall Bacardí-Trust urteilte ein Richter Rosenberger, dass die Witwe des Stifters aus dieser Struktur ausgeschlossen werde, sämtliche Rechte inklusive Informationsrecht verliere. Dieses Skandalurteil wurde, wie viele andere auch, von der zweiten Instanz bestätigt.

Ähnliches spielte sich beim Nachlass des saudiarabischen Königs Fahd ab, der 2005 verstarb und dummerweise Teile seines riesigen Vermögens in zwei Stiftungen in Liechtenstein verstaut hatte.

Die Witwe Prinzessin Al Jawharah bint Ibrahim Al Ibrahim macht geltend, dass die Stiftungen bzw. deren Organe ihre Begünstigtenrechte beschneiden oder faktisch kaltstellen. Ein typischer Fall der „Kaperung“ von Stiftungen.

Unter fadenscheinigen Vorwänden werden – meist nach dem Tod des Stifters – die Begünstigten enteignet und ihrer Informationsrechte beraubt.

Daraufhin können die liechtensteinischen Treuhänder sich ungeniert am Stiftungsvermögen bedienen. Klagen die Bestohlenen dagegen, werden sie von der fürstlichen Unrechtsjustiz ins Unrecht gesetzt.

Sie verröcheln in Jahre dauernden Instanzenzügen, bei denen ihnen die Justiz und die einzig klageberechtigten liechtensteinischen Anwälte horrende Kosten aufs Auge drücken.

Die Mär von bedauerlichen Einzelfällen glaubt inzwischen kein Mensch mehr.

24. November 2025/28 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/11/Bildschirmfoto-2025-11-23-um-13.59.50.png 1146 1832 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-11-24 06:52:572025-11-23 14:02:02Richter im Unrechtsstaat

Die Trutzburg ob Vaduz wackelt

Allgemein, Finanzplatz Liechtenstein, Fürst von Liechtenstein, Skandale

Der Zombie-Trust-Skandal geht durch die Weltpresse.

Zuerst waren es englischsprachige Medien wie Bloomberg und Reuters, die berichteten. Rund 475 liechtensteinische Trusts sind plötzlich herrenlos. Verwaist, weil ihre ungetreuen Treuhänder fluchtartig das Weite suchten.

Aus Schiss, auf die Sanktionsliste der US-Behörde Ofac zu kommen. Unter dem Verdacht, Beihilfe zum Verstecken von Russengeldern geleistet zu haben.

Zuvor hatte es sogar den Vizepräsidenten der Liechtensteinischen Treuhandkammer erwischt, der von seinem Posten zurücktrat.

Dann legte kürzlich die Financial Times nach. Das Weltblatt berichtet, dass es sich sogar um rund 800 Trusts handelt, in denen Multimilliarden an Cash, Vermögenswerten wie Flugzeuge, Yachten, Luxusimmobilien lagern. Plötzlich dem Zugriff ihrer legalen Besitzer entzogen, blockiert, arrestiert.

Seither überschlagen sich die Berichte weltweit. Vor allem in englischsprachigen Medien.

«US Sanctions Turn Liechtenstein Into a Graveyard of Russian Wealth Vehicles», berichtet United24 Media. «Liechtenstein’s zombie-trust apocalypse», legt FT nach. «US crackdown on Russian assets sparks ‘zombie funds crisis’ in Liechtenstein», vermeldet TVP World. Regtech Times: «Europe’s Financial Bermuda Triangle: 800 Liechtenstein Trusts Abandoned in Sanction Fallout».

Reddit titelt: «Liechtenstein von Russland-verbundener „Zombie-Trust“-Krise getroffen».

Die Berliner Zeitung legt nach: «Geschäftskrise in Liechtenstein: So leidet das Fürstentum unter den Russland-Sanktionen». Und analysiert: «Vom Ausland verhängte Sanktionen schaden der Reputation und haben nun bedeutungsträchtige Folgen für das milliardenschwere Finanzgeschäft im Fürstenstaat.»

Die BZ verfolgt weitere Spuren:

«Liechtenstein pflegt tatsächlich schon lange Beziehungen zu Russland. Der bis 2013 amtierende Regierungschef Klaus Tschütscher nahm ein Jahr nach seinem Ausscheiden die Position als russischer Honorarkonsul in Liechtenstein an und legte diese Funktion erst 2022 ab. Dies verdeutlicht ein überaus enges Verhältnis zwischen Vaduz und Moskau.»

Die Zeitung verfolgt die Spuren, die Anton Wyss, ehemaliger Treuhandkammer-Vize, hinterliess: «Ein besonders prominenter Fall war dabei der Schweizer Anton Wyss, der im vergangenen Jahr auf die SDN-Liste der „besonders benannten Staatsangehörigen und gesperrten Personen“ der Kontrollbehörde des amerikanischen Finanzministeriums OFAC genommen wurde.»

«Wyss soll eine zentrale Rolle in der Schweiz und in Liechtenstein gespielt haben. Über sein in Liechtenstein ansässiges Treuhandunternehmen Audax Consulting Trust Establishment wird gesagt, dass es die wirtschaftlichen Eigentümer russischer Investoren sowie deren Auslandsinvestitionen verschleiert habe. Auch sein Geschäftspartner Alexander Lins soll seine eigene Treuhandfirma LMG Lighthouse Trust Reg. für Sanktionsumgehungen zugunsten russischer Kunden genutzt haben. Die Vorwürfe werden von beiden Unternehmern kategorisch zurückgewiesen.»

Dazu legte der Finanzblog Inside Paradeplatz aus Zürich kräftig nach: «Liechtenstein in Panik, „Zombie-Trusts“ im Kreuzfeuer».

Aus Liechtenstein kommt bisher nur die übliche Reaktion. Ignorieren, negieren, abtischen. Man habe eine «Lenkungsgruppe» eingerichtet, die Lösungen erarbeiten soll.

Nur: wie? Kein Treuhänder im Ländle traut sich, einen solchen Trust auch nur mit der Beisszange anzufassen. Denn er hat berechtigten Angst, dann selbst auch auf die tödliche Sanktionsliste des Ofac zu geraten.

Mit jeder Meldung – und auch die deutschen Medien werden mal aufwachen – vergrössert sich der Reputationsschaden für den Finanzplatz Liechtenstein. Der als sicherer Hafen mit allen rechtsstaatlichen Garantien für grosse und ganz grosse Vermögen gelten will. Darauf fallen auch immer wieder reiche Erben rein, wie zum Beispiel die Familie Birkenstock, die ihr Vermögen in eine liechtensteinische Stiftung goss.

Ohne sich vom Bacardí-Skandal abschrecken zu lassen.

Im Unwissen, dass dort die Eigentumsgarantie im Zweifelsfall keinen Wert hat. Vor allem, wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten.

Das Fürstenhaus tut das, was es in solchen Fällen normalerweise tut. Es verschanzt sich in seiner Trutzburg und schweigt. Dabei wackelt die gerade in ihren Grundfesten.

Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die fürstliche Bank LGT oder sogar der Fürst himself, dazu sein herrschender Erbprinz Alois, auf die Sanktionsliste der Amis geraten.

Dazu sind sowohl Russland wie auch viele reiche Russen stinkwütend auf Liechtenstein. Und die neigen dazu, unfeinere Methoden als Sanktionslisten anzuwenden, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. Da reicht es dann nicht mehr, die Zugbrücke heraufzuziehen und sich hinter dicken Mauern zu verstecken.

10. Juli 2025/42 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-08-um-21.33.17.png 942 1914 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2025-07-10 06:35:442025-07-08 21:36:45Die Trutzburg ob Vaduz wackelt

Betrügereien so oder so

Allgemein, Untreuhänder

Der Regierungschef von Liechtenstein warnt vor Betrug. Aber nicht vor dem häufigsten.

Es ist langsam eine altbekannte Masche. Betrüger setzen im Internet Inserate ein, in denen Prominente behaupten, sie hätten beispielsweise mit Krypto-Geschäften ein Vermögen gemacht. Wer drauf reinfällt und die Werbung anklickt, wird auf weitere Seiten geleitet, wo am Schluss die ewig gleiche Masche probiert wird.

Zuerst einen Betrag einzahlen, dann gibt’s ganz viel Geld zurück. Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip: den nächsten Dummen findest Du immer.

Nun hat sich sogar der Regierungschef von Liechtenstein zum Thema geäussert: «Da auch mit meiner Person, Bildern von mir und frei erfundenen Interviews zu privaten Krypto-Geschäften immer wieder ‹Werbung› für diese Art von Betrug gemacht wird, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich nie Anlage- oder Finanztipps in dieser Form geben wür­de», schreibt Daniel Risch Anfang November auf den Sozialmedien.

Die Betrüger vergreifen sich an allem: «So wurde die Webseite des «Liechtensteiner Vaterlands» für die betrügerischen Zwecke gefälscht, wie die Zeitung im September berichtete: «Die Fake-Website sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich.» Auch «Wirtschaft regional» reagierte auf das Thema. Bereits im Februar berichteten wir über die Geschichte von Ruth Van de Gaer Sturzenegger, die um eine Million Franken betrogen wurde», schreib ebendieses Vaterland.

Die Liechtensteiner Zeitung fährt fort:

«Man will mit den herkömmlichen Mitteln das Neue bekämpfen. Das ist vorbei.  Die Verbrecher lachen sich darüber kaputt. Eine wichtige Rolle spielen natürlich auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Hier sind oft der Datenschutz und die schiere Menge an Fällen ein Problem.»

Hier gibt es nun Selbsthilfegruppen und andere Hilfsangebote.

Es ist lobenswert, dass sogar der Regierungschef persönlich eingreift und sich zu diesem Problem äussert.

Allerdings: wie steht es denn mit dem viel grösseren Problem des kriminellen Handelns von Untreuhändern? Auch wenn diese Internetbetrüger immer wieder einen Dummen finden und damit hübsch Geld machen: das ist doch nichts im Vergleich zu den Summen, die von ungetreuen Treuhändern in Komplizenschaft mit skrupellosen Anwälten und willfährigen fürstlichen Gerichten abgestaubt werden.

Da geht es nicht um Hunderttausende, sondern um Millionen. Alleine der Skandalfall Bacardí hat ein Volumen von über einer Milliarde Dollar, das sind 1000 Millionen. Und das ist vielleicht der grösste, aber nicht der einzige.

In diesem Zusammenhang würde man sich von Regierungschef Risch wünschen, dass er auch mal klar Stellung bezieht. Und wenn er schon dabei ist, wäre eine Bemerkung von zweithöchster Warte durchaus sinnvoll, wie intelligent denn die unablässigen versuche Liechtensteiner Treuhänder sind, Beihilfe zur Umgehung von US-Handelssanktionen zu leisten.

Denn wenn das Ländle mitsamt seiner fürstlichen Justiz normalerweise mit den Betrogenen von Liechtensteiner Untreuhändern leicht fertig wird: sich mit den USA anlegen, das kann keine gute Idee sein.

16. November 2024/17 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/11/Bildschirmfoto-2024-11-15-um-19.10.51.png 510 910 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2024-11-16 08:07:172024-11-15 19:14:37Betrügereien so oder so

Best of Glasl, Part II

Fürstenjustiz

Eine Rechtsschrift des teuren Medienanwalts ist immer ein Quell der Freude und des Amüsements.

Allerdings es schon verräterisch, welche Stellen RA Glasl unbedingt gelöscht haben möchte. Da fragt man sich, ob er tatsächlich auftrags der Treuhandkammer arbeitet oder ob nicht auch einzelne Mitglieder ihn brieften. Denn in der langen, geldtreibenden Liste von Einzelstellen, die – falls nicht gleich der ganze Blog verschwindet – gelöscht werden müssten, kommt auch dieser Kommentar vor:

Martin Batliner und Philipp Wanger zeigen allen anderen Treuhändern, was man in Liechtenstein als Treuhänder machen kann:

1. Man nehme sich aus der Stiftung, deren Interessen man wahren sollte, 75.000 Franken pro Monat pro Person.

2. Wenn der mithilfe des Gerichts abservierte Stiftungsrat und Begünstigte es tatsächlich wagt, mit einem Abberufungsantrag gegen sie vorzugehen,, dann entzieht man ihm eben dessen gesetzliches Informationsrecht. So ist er kalt gestellt und kann nicht mehr sehen, wie sich die beiden unkontrolliert aus der Stiftung bereichern.

3. Sollte der absolvierte Stiftungsrat und Begünstigte sich immer noch nicht zermürben lassen, dann entzieht man ihm eben dessen Begünstigung und stellt sich auf den Standpunkt, er habe mit der Stiftung nichts mehr zu tun und deswegen falle auch dessen Abberufungsantrag in sich zusammen.

Und als Kriegskasse nimmt man als Treuhänder natürlich das Stiftungsvermögen.

Wenn die beiden damit durchkommen, ohne abberufen zu werden, dann sind sie die besten und erfolgreichsten Treuhänder Liechtensteins aller Zeiten. Sich jeder etwa eine Million Franken im Jahr aus einer Stiftung nehmen und den Begünstigten kalt stellen – das ist ein Meisterwerk!

So geht Treuhänder in Liechtenstein!

Auch dieser Kommentar erzählt eine wahre und gerichtsfeste Geschichte aus dem Treiben Liechtensteiner Untreuhänder. Jede einzelne Aussage kann belegt werden. Was daran Anlass bieten soll, unter Missachtung der Meinungsfreiheit diesen Kommentar zu löschen, weiss wohl nur RA Glasl. Oder die beiden namentlich erwähnten Herren.

Vielleicht ist es auch so, dass im absolutistischen Fürstentum Liechtenstein solche frechen Aussagen nicht geduldet würden. Aber glücklicherweise unterliegt untreuhaender.li nicht der Fürstenjustiz und fürchtet sich vor dem Zorn Seiner Durchlaucht und Seiner herrschenden Durchlaucht und überhaupt aller Durchlauchtigkeiten nicht.

Dann wird’s etwas persönlich, aber auch hier kann problemlos der Wahrheitsbeweis angetreten werden, obwohl Glasl unbedingt löschen will:

«Dass in Liechtenstein Treuhänder mit Richter*innen «unter einer Decke stecken», wie in dem vorhergehenden Kommentar geschrieben wird, trifft wohl genau zu, dabei kommt es wohl auch dazu, dass uneheliche Kinder gezeugt werden,»

Sicherlich ist das im katholischen Liechtenstein mit seinem frommen Fürstenhaus eine peinliche Sache, aber das macht es ja nicht ungeschehen. Auch hier könnte man, aber untreuhaender.li ist gnädig, im wahrsten Sinne des Wortes Ross und Reiter nennen …

Wahrhaft zum Brüllen komisch ist der Antrag, im Artikel «Skandale ohne Ende» diesen Kommentar zu löschen:

 «Wenn man nach den Begriffen «Liechtenstein, Treuhänder, Skandale» sucht, gibt’s reichlich Beute bei Google. Insgesamt über 10’000 Ergebnisse werden aufgelistet, und dabei sind das nur die Resultate auf Deutsch.»

Das ist nun eine Tatsachenbehauptung, deren Wahrheitsgehalt von jedem überprüft werden kann, der Zugang zum Internet hat und diese Begriffe bei Google eingeben kann. Was offenbar weder der Treuhandkammer, noch ihrem teurer Anwalt RA Glasl möglich ist.

Ins gleiche Kapitelgehört der folgende Löschungsantrag: «Das Problem dabei: die paar Handvoll Treuhänder in Liechtenstein sorgen für eine nicht abreissende Kette von Skandalen. Grossen und kleinen, aber meistens geht es um Millionen, nicht zu selten auch um Hunderte von Millionen.»

Himmels willen, RA Glasl, um des Fürsten willen, Treuhandkammer, mit völliger Realitätsblindheit geschlagen? Gibt es denn keine Skandale im Ländle? Gibt es nicht mehr als einen? Sind sie etwa nicht manchmal klein, manchmal gross? Geht es alleine beim Bacardí-Skandal nicht um über eine Milliarde Dollar? In welcher Welt leben die denn?

Und noch ein letztes Schmankerl eines Löschungsantrags, über den ein Gericht nicht einmal lachen würde. Wohlgemerkt ein Zürcher Gericht; in Liechtenstein sähe das vielleicht anders aus. Aber RA Glasl hat halt Rechtsstand Zürich gewählt. Wohl nicht zuletzt deswegen, weil er selbst in Liechtenstein gar nicht prozessieren dürfte. Dazu bräuchte er die Unterstützung eines einheimischen Anwalts. Die bekäme er zwar, aber das könnte sein Honorar schmälern.

Der nächste, aber längst nicht letzte Knaller:

«Wohin denn das Geld verschwunden sei? Tja, sagt da der Liechtensteiner Treuhänder, dazu könne er leider, leider nichts sagen, Anwaltsgeheimnis, nicht wahr. Aber das sind ja nur die kleinen Piranhas, die in den trüben Gewässern Liechtensteins schwimmen.»

Wie lang soll hier die Zeugenliste sein, die das bestätigen?

Allerdings da geht untreuhaender.li ein wenig in sich, natürlich sind die Gewässer im Ländle blitzsauber, so wie alles dort. Aber man kann das vielleicht so retten, dass es sich doch nur um ein Sprachbild, eine Metapher handelt …

4. Oktober 2024/18 Kommentare/von Treuhänder
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