Das kann Bernhard Schild von der Liechtensteinischen Landesbank.
«Anlage-Agenda 2030» heisst die bezahlte Beilage der Süddeutschen Zeitung. Die Gelegenheit, nach Kunden im deutschen Raum zu fischen.
Die lässt sich auch Managing Director Schild von der LLB nicht entgehen. Die halbe Fürstenbank (die andere Hälfte gehört dem Staat, also letztlich auch wieder dem Fürsten) hat einen Ableger in München. Und glaubt wohl, der deutsche Anleger sei dümmer als die Polizei erlaubt.
Beim Anlegen gehe es um «Sicherheit und um den Erhalt des Lebenswerks». Soweit richtig. Mit Hilfe von «erfahrenen Steuerberatern oder Juristen» werde daran gebastelt, «individuell die richtige Struktur zu finden».
Weiter unten im Gefälligkeitsinterview hat er schon vergessen, dass er erfahrene Steuerberater nannte, denn auf die Frage, wie wichtig heute der Aspekt Steuerhinterziehung sei (natürlich netter formuliert), antwortet er: «Nicht sonderlich. Die Stifter möchten das Vermögen vor allem vor willkürlichem Zugriff schützen.»
Ob ihnen das allerdings ausgerechnet in Liechtenstein gelingt? Das Fürstentum ist doch das Zentrum willkürlicher Übergriffe. Ungetreue Treuhänder bedienen sich ungeniert aus dem ihnen anvertrauten Vermögen. Sie stellen unverschämte Honorarrechnungen und behalten Kick-backs und Retrozessionen.
Oder sie dekantieren die Stiftung, giessen den Inhalt in ein neues Gefäss um, auf das nur sie Zugriff haben. Oder sie lassen Stiftungen und Trusts blitzartig im Stich, aus Schiss vor US-Sanktionen der Ofac. So stehen rund 800 Zombie-Trusts herrenlos in der Landschaft, deren legale Besitzer haben keinen Zugriff mehr auf ihr Vermögen.
Auch sonst benützt Schild die Gelegenheit, hemmungslos Süssholz zu raspeln. Auf die entsprechende Frage heuchelt er:
«Liechtenstein steht für Stabilität– schuldenfrei, mit klarem, sicherem Rechtsrahmen.»
Die Stabilität Liechtensteins besteht allerdings darin, stabil ein rechtsfreier Raum zu sein. Schuldenfrei ist das Ländle, Multimilliardär ist das Fürstenhaus nicht aus eigenen Kräften.
Der Rechtsrahmen ist tatsächlich klar und sicher. Klar ist, dass kein liechtensteinischer Treuhänder oder Anwalt von den fürstlichen Gerichten etwas zu befürchten hat. Jeder ausländische Stifter oder Begünstigte kann sicher sein, dass er vor Gericht garantiert unterliegt, wenn er das Gebaren eines Liechtensteiners beklagt.
In diesem Sinne strahlt Schild die typische Eigenschaft jedes Bewohners des Ländle aus: Ich bin Liechtensteiner, mir kann keiner.
Das ist allerdings nicht besonders klug. Denn Schild geht offenbar davon aus, dass seine Leser keinen einzigen der zahlreichen Skandale mitbekommen haben, unter denen das Image und die Reputation des Finanzplatzes Liechtenstein zunehmend leiden.
Wer nur schon der Witwe Bacardí und ihrer Tochter über Jahre hinweg ein Stiftungsvermögen von einer knappen Milliarde Dollar vorenthält – mit fadenscheinigen Gründen und geschützt durch die fürstliche Justiz –, der sollte die Behauptung «sicherer Rechtsrahmen» eher unterlassen.
Auch die Behauptung, hier seien Vermögen vor willkürlichen Zugriffen geschützt, gehört ins Reich der Fantasie.
Wäre Schild etwas schlauer, würde er wenigstens behaupten, dass es nach einigen unschönen Vorfällen nun deutliche Verbesserungen im Anlegerschutz gäbe. Das wäre zwar auch gelogen.
Aber der Leser käme sich wenigstens nicht völlig für dumm verkauft vor.

