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Schlagwortarchiv für: Absperrung

Hoch die Flaschen

Allgemein, Fürst von Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, Skandale

Bald ist Mariä Himmelfahrt mit Untertanenbespassung im Ländle. Wir feiern schon voraus.

Staatsfeiertag in der Monarchie am 15. August: Das ist dieses Jahr ein Fest der Volksnähe – hinter Sicherheitsgittern.

Offiziell ist es der Tag der Begegnung zwischen Fürstenhaus und Volk. In der Realität gleicht die Veranstaltung zunehmend einer Mischung aus Hochsicherheitsevent, Hofzeremoniell und politischer Selbstvergewisserung.

Ausgerechnet jenes Land, das sich gerne als familiär, überschaubar und von besonderer Bürgernähe geprägt präsentiert, umgibt seinen wichtigsten Feiertag inzwischen mit Sicherheitsmassnahmen, die man eher bei internationalen Gipfeltreffen erwarten würde. Wer auf die Schlosswiese möchte, braucht ein persönliches Einladungsticket. Kontrollen gehören längst zum Ritual. Natürlich lässt sich das mit der allgemeinen Sicherheitslage erklären. Europa kennt den islamistischen Terror, Attentate auf Politiker und eine angespannte Weltlage.

Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack: Wenn selbst die Begegnung zwischen Fürst und Bevölkerung nur noch hinter Absperrungen und Zugangskontrollen möglich ist, wirkt das Bild der harmonischen Staatsfamilie plötzlich erstaunlich fragil.

Hinzu kommt eine weitere Frage: Wird Fürst Hans-Adam II. überhaupt erscheinen? Seit Jahren hat sich der Monarch weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und überlässt die repräsentativen Aufgaben seinem Sohn, Erbprinz Alois. Das ist verfassungsrechtlich korrekt. Dennoch wäre gerade der Staatsfeiertag jener Anlass, an dem sich das Staatsoberhaupt seinem Volk zeigen könnte. Sein Fernbleiben wäre deshalb mehr als eine Personalie. Es wäre ein weiteres Symbol für eine Monarchie, deren eigentliche Macht zwar unverändert gross ist, deren sichtbarstes Gesicht aber zunehmend verschwindet.

Der Erbprinz dürfte dagegen wie gewohnt auftreten und die bekannten Leitmotive beschwören: Verantwortung, Stabilität, Eigenverantwortung, internationale Unsicherheiten und den aussergewöhnlichen Erfolg Liechtensteins. Man wird hören, wie wichtig Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Vertrauen seien. Alles Begriffe, die in den letzten Jahren zunehmend beschädigt wurden.

Regierungschef Brigitte Haas dürfte den Blick stärker auf Wirtschaft, Staatsfinanzen und internationale Herausforderungen richten. Angesichts weltweiter Krisen, geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten bietet sich reichlich Stoff, um den erfolgreichen Kleinstaat als Insel der Stabilität zu präsentieren.

Nur gibt es Themen, die mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit unerwähnt bleiben dürften.

Zum Beispiel die rund 800 sogenannten Zombie-Trusts. Jene herrenlosen oder führungslosen Vermögensstrukturen, deren Existenz seit Jahren Fragen über die Qualität der Aufsicht und des Stiftungsstandorts aufwirft. Vielleicht entsenden deren wirtschaftlich Berechtigte ja eine Delegation auf die Schlosswiese. Sie hätte Gelegenheit, sich aus erster Hand anzuhören, wie hervorragend der Finanzplatz funktioniere. Sollte jemand fragen, weshalb hunderte solcher Konstrukte überhaupt entstehen konnten, dürfte allerdings rasch betretenes Schweigen einkehren.

Ebenso wenig ist zu erwarten, dass über die zahlreichen Wirtschaftsaffären gesprochen wird, die den Namen Liechtenstein regelmässig in internationale Schlagzeilen bringen. Stiftungen, Trusts, Vermögensstreitigkeiten, langwierige Gerichtsverfahren – all das gehört zwar zur Realität des Finanzplatzes, aber kaum zur Festtagskulisse.

So bleibt der Staatsfeiertag vor allem das, was er seit Jahren ist: ein perfekt inszenierter Anlass mit freundlichen Reden, patriotischer Musik, Apéro und – so es die Waldbrandgefahr zulässt – Feuerwerk. Die kritischen Fragen bleiben ausserhalb der Absperrgitter.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft des Tages. Nicht das Feuerwerk am Abend beeindruckt am meisten, sondern die erstaunliche Fähigkeit des Fürstentums, jedes Jahr aufs Neue eine makellose Fassade zu präsentieren. Dahinter jedoch existiert ein Staat, in dem manche Skandale seit Jahren unerledigt bleiben – und in dem selbst ein Volksfest nur noch mit Einladung und Sicherheitskontrolle funktioniert.

29. Juli 2026/69 Kommentare/von Treuhänder
https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-28-um-13.44.52.png 592 1199 Treuhänder https://untreuhaender.li/wp-content/uploads/2024/06/logoo.png Treuhänder2026-07-29 11:58:162026-07-29 11:58:38Hoch die Flaschen

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