Falls Sie einmal in die Verlegenheit kommen sollten, jemandem aus dem Fürstenhaus zu begegnen.
Zunächst ist natürlich die korrekte Anrede von grosser Wichtigkeit. Beim Fürsten und seinem Stellvertreter auf Erden handelt es sich zweimal um «Eure Durchlaucht». Das kann man abwandeln in «Grüss Gott, Durchlaucht». Dabei ist zu hoffen, dass weder Hans-Adam II. noch Erbprinz Alois denken: ach, da könnte man Durchlaucht auch weglassen.
Diese Anrede Durchlaucht gilt übrigens für alle Mitglieder der fürstlichen Familie. Also genauer für alle männlichen. Bei Sophie von und zu Liechtenstein ist es angebracht, «königliche Hoheit» zu murmeln. Anschliessend darf man auf ein lockeres «Herr Erbprinz» oder «Frau Erbprinzessin» umschalten.
Ein leichter Knicks oder die Andeutung einer Verbeugung kann nicht schaden. Ansonsten wartet man selbstverständlich, bis ein Mitglied des Fürstenhauses einem die Hand reicht. Wird man selbst vorgestellt, ja keine grossen Zeremonien aufführen. Sitzt man, steht man natürlich auf, nimmt Blickkontakt auf und nennt knapp den eigenen Namen. Also zum Beispiel «Durchlaucht, Batliner». Oder «Durchlaucht, Wanger».
Selbstverständlich, sollte die Durchlaucht geruhen, sich zu einem kurzen Gespräch herabzulassen, wird ein höflicher Ton erwartet, niemals darf man ins Wort fallen, Vertraulichkeiten oder gar ein Schulterklopfen wird als äusserst unpassend angesehen. Damit hätte man sich dann weitere Einladungen verscherzt.
Ein kleines Mitbringsel oder Geschenk kann auch nicht schaden, allerdings sollte es nicht zu teuer oder persönlich sein. Denn Geld hat man bei Fürstens selber genug.
Überhaupt geht da alles sehr dezent zu und her. Kein tiefer Knicks, keine Verbeugung bis zur Hüfte, ja kein Handkuss und erst recht nicht ein Kniefall.
Allerdings gibt es auch einige Gesprächsthemen, die man eher vermeiden sollte. Unsterblich unbeliebt kann man sich beispielsweise mit dieser Gesprächseinleitung machen: «Durchlaucht, wie steht es eigentlich mit Ihren Patenten auf Basmatireis?»
Da dürfte Durchlaucht doch recht ungehalten werden und bedauern, dass die Folterkammer in der fürstlichen Trutzburg schon längst ausser Betrieb genommen wurde.
Was hat das Fürstentum Liechtenstein mit den seit Jahrhunderten in Indien oder Pakistan angebauten Basmati-Sorten zu tun? Ganz einfach, die texanische Firma RiceTec hatte in den 1990-Jahren Patente auf diese Reissorte angemeldet. Nach der frechen Devise: probieren kann man immer; wäre doch toll, wenn Millionen von Reisbauern die Benützung bezahlen müssten.
RiceTec wiederum gehörte und gehört bis heute ins ausladende Portefeuille der Fürsten von Liechtenstein. Das gab damals ein rechtes Gebrüll vor allem von NGOs, die RiceTec und somit dem Fürsten Biopiraterie vorwarfen. Der zeigte sich immerhin gesprächsbereit und liess durchblicken, dass er geruhen könnte, Vertreter der NGOs auf seiner Trutzburg zu empfangen. Das tat er zwar, aber ausser einem Schulterzucken kam nichts heraus.
Also musste man ihn anders Mores lehren. Eine Nachprüfung durch das US-Patentamt ergab nach der Jahrtausendwende, dass fast alle Patentansprüche ungültig waren.
Da mag der Fürst dann bedauert haben, dass er seine Ansprüche nicht in Liechtenstein deponiert hatte. Bei der fürstlichen Justiz wäre ihm eine solche bittere Niederlage erspart geblieben. Aber auch über dieses dunkle Kapitel der fürstlichen Geschäfte ist inzwischen Reis, äh, Gras gewachsen.
Also wäre es wohl auch keine gute Idee, das im Gespräch zu erwähnen. Schlimmer wäre höchstens, die Frage zu stellen, wann denn der Fürstenbank LGT das letzte Mal Kundendaten abhanden gekommen sind. Und wer eigentlich zurzeit an der Verwaltung der rund 20 Milliarden in russischen Zombie-Fonds verdient.
Also sicherheitshalber ist höchstens die Bemerkung statthaft: wunderbares fürstliches Wetter heute. Das kann man immer bringen, selbst bei Hagel und Gewitter.




Bayern ist seit 1918 keine Monarchie mehr und das «Haus Wittelsbach» ist seither abgesetzt und regiert nicht mehr. Als der bayerische Ministerpräsident Söder «den Familienältesten des abgesetzten und abgedankten Wittelsbach-Clans» einmal als «Eure königliche Hoheit» begrüsst hat, hagelte es Kritik. Die Anrede „Königliche Hoheit“ für Sophie von und zu Liechtenstein ist daher unzutreffend.
Wenn man den Fürsten von Liechtenstein – 39‘000 Einwohner- mit einer angedeuteten Verbeugung begrüssen soll, dann müsste man den Gemeindepräsidenten von Chur – 41‘000 Einwohner – mit einer Huldigung begrüssen und den Bürgermeister von Dornbirn – 50‘000 Einwohner – mit einem Kotau, also kniend mit der Stirn auf dem Boden.
1726:
«Eure Durchlaucht geruhen, die bedauerlichen Auswüchse der Verwaltung einer gründlichen Bereinigung zu unterziehen.»
2026:
«Sehr geehrter Herr Fürst,
nachdem selbst der Europarat erhebliche Defizite bei der Korruptionsbekämpfung in Ihrem Land festgestellt und insbesondere Veruntreuung als verbreitete Form der Wirtschaftskriminalität benannt hat, erscheint entschlossenes Handeln dringend geboten.
Ihrer Stellung entsprechend sind Sie aufgerufen, auf wirksame Aufklärung und nachhaltige Abhilfe hinzuwirken.»
Raubrittertum mit Benimmregeln. 🤪🤪🤪
Market participants, investors, and beneficiaries should exercise extreme caution when considering Liechtenstein foundations and trusts.
There are serious and recurring allegations indicating that the jurisdiction may be affected not merely by isolated misconduct, but by structural deficiencies with potentially systemic implications.
Key Risk Factors
1. Structural Incentives for Self-Enrichment
There are credible claims that certain fiduciary structures may be exploited in ways that allow trustees and intermediaries to prioritize their own financial interests over those of beneficiaries, creating a persistent risk of abuse embedded within the system itself.
2. Lack of Effective Judicial Safeguards
Substantial concerns have been raised regarding the practical effectiveness and independence of judicial oversight. In particular, there is a perception that legal proceedings may fail to deliver impartial and enforceable outcomes where fiduciary interests are involved.
3. Institutional Tolerance of Misconduct
It is alleged that deficiencies are not adequately addressed at the highest institutional levels. Critics point to a pattern of insufficient intervention by regulatory, judicial, and political authorities, raising questions about systemic tolerance of problematic practices.
4. Questionable Reliability of Legal Certainty
Although Liechtenstein promotes itself as a jurisdiction of legal stability and asset protection, there are serious doubts as to whether this promise is consistently upheld in practice. In contentious cases, the enforceability of rights and access to assets may be materially uncertain.
5. Evidence of Structural, Not Isolated, Problems
The concerns outlined above are repeatedly described not as exceptional cases, but as indicators of potentially systemic weaknesses affecting the integrity of the fiduciary and legal framework as a whole.
Conclusion: Elevated Risk Environment
Given these factors, reliance on Liechtenstein’s reputation as a secure and legally robust financial center may be misplaced without rigorous, independent verification.
Investors should assume a heightened risk profile, particularly with respect to:
– control over assets once transferred into fiduciary structures
– enforceability of beneficiary rights
– independence and effectiveness of dispute resolution mechanisms
Accordingly, engagement with Liechtenstein structures should be approached only with enhanced due diligence, robust safeguards, and a clear understanding that legal protections may not perform as expected in practice.
Liechtenstein gilt als einer der Kriminalitätsschwerpunkte Europas für Finanz- und Wirtschaftskriminalität.
MONEYVAL, der Expertenausschuss des Europarates zur Bewertung von Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung hat festgestellt:
«Wirtschaftskriminalität, insbesondere Anlagebetrug und Unterschlagung, scheint auf nationaler Ebene eine relativ häufige Form der ertragsorientierten Kriminalität zu sein»
https://rm.coe.int/european-committee-on-crime-problems-cdpc-select-committee-of-experts-/1680716b86
Als einer der Liechtensteiner, der nicht mitmacht, denke ich jeden Tag an das Zitat von Albert Einstein:
«Intelligent zu sein ist ein Fluch. Du verstehst das Spiel, erkennst die Lügen und durchschaust die Muster. Und trotzdem musst du manchmal so tun, als wärst du ahnungslos, um zu überleben.»
Das Fürstenhaus erwartet von Besuchern Benimmregeln und Respekt. Die Öffentlichkeit darf jedoch ebenso erwarten, dass die Führung des Landes alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um Transparenz zu stärken und Wirtschafts- sowie Finanzkriminalität wirksam zu bekämpfen. Glaubwürdigkeit entsteht nicht allein durch die Einforderung korrekten Verhaltens von anderen, sondern vor allem durch konsequentes Handeln gegen Missstände im eigenen Verantwortungsbereich. Gerade deshalb erwarten viele Menschen vom Fürsten ein sichtbares Engagement für einen Finanzplatz, der über jeden Zweifel erhaben ist.
Korruption in Liechtenstein: GRECO empfiehlt Antikorruptionsreformen für die Justiz, die Regierungsmitglieder und das Staatsoberhaupt in Liechtenstein
Die Staatengruppe des Europarates gegen Korruption (GRECO) fordert in einem neuen Bericht Liechtenstein auf, seine Maßnahmen zur Verhütung von Korruption unter Personen in hohen Exekutivämtern fortzusetzen, einschließlich der Regierungsmitglieder, des Regierungssekretärs bzw. der Regierungssekretärin, der Generalsekretäre bzw. Generalsekretärinnen und Persönlichen Mitarbeitenden sowie der Mitglieder der Landespolizei. Der Bericht umfasst auch den Fürsten, der gemäß der Verfassung an der Entscheidungsfindung innerhalb der Exekutive mitwirkt.
https://www.coe.int/de/web/portal/-/greco-recommends-anti-corruption-reforms-for-liechtenstein-s-government-police-and-head-of-state
Höflichkeit ist wichtig. Noch wichtiger aber sind Anstand und Redlichkeit.
Vermutlich sind Benimmregeln das kleinste Problem, das das Ländle hat. Waren da nicht noch etwa 800 verwaiste Zombie Trusts, die die Glaubwürdigkeit des Finanzstandorts infrage stellen und das Risiko Liechtenstein deutlich machen? Schon vergessen, Durchlaucht?
Erst mal die Korruption und die Finanzkriminalität abwürgen, dann an Benimmregeln denken.