Klassenkampf im Ländle? Manifestationen gegen Thron und Altar? Scherz beiseite.
Früher, ja früher, da wurde die Monarchie als Symbol der Klassenherrschaft gesehen. Da wurde am 1. Mai gegen Ausbeutung, Militarismus und Monarchie demonstriert.
Und für die Abschaffung von Privilegien, für Volkssouveränität statt Erbprinzip. Gegen das Geburtsrecht, zu herrschen. Selbst in Staaten, in denen die Monarchen nur noch repräsentative, folkloristische Funktionen haben, werden sie als undemokratisch, erblich privilegiert, teuer und symbolisch antiegalitär kritisiert.
Denn die Monarchie wird als letzter Überrest des Feudalismus gesehen, die Vermögens- und Erbprivilegien werden als nicht mehr zeitgemäss kritisiert, oder wie heisst es so schön: «Keine Herren, keine Fürsten.» Oder gar: «Keine Arbeit für Fürsten – aber Macht für alle.»
Der Arbeiterkampftag 1. Mai ist im Fürstentum tatsächlich ein Feiertag. Allerdings muss die fürstliche Familie in ihrer Trutzburg nicht die Brücke hochziehen und die Zinnen mit Rittern bewehren, während im Innenhof Pecheimer angerührt und erhitzt werden.
Denn es finden im Ländle keinerlei Demonstrationen an diesem Tag statt. Man geniesst, wenn es sich ergibt, ein verlängertes Frühlingswochenende, mancherorts werden Dorffeste ausgerichtet, statt Klassenkampf werden Ausflüge in die Berge geplant.
Also kann man sagen; In Berlin finden Demonstrationen statt, in Zürich versucht der Schwarze Block, möglichst viel Sachschaden anzurichten, in Wien gibt es ebenfalls Aufmärsche. Aber in Liechtenstein wird eher mit Wanderschuhen marschiert.
In Liechtenstein wird eben das Erbprivileg toleriert, akzeptiert, dass die Blaublüter nicht nur in die Politik hineinwirken, sondern schlichtweg absolutistische, unbeschränkte Macht haben. Über alles. Das Parlament, die Regierung und dien Justiz. Und natürlich über ihre Untertanen.
Aber wer würde es wagen, ein Plakat mit dieser Inschrift zu malen: «Keine Privilegien durch Geburt – gleiche Rechte durch Arbeit!»
Oder wie wäre es mit «Verfassung statt Hofordnung«. Hübsch wäre auch: «Keine Nebenämter für Richter, keine Stichentscheide für Monarchen.» Schliesslich, angesichts eines steuerfreien Milliardenvermögens der Fürstenfamilie: «Auch Fürsten leben nicht von eigner Lohnarbeit».
Wo kämen wir da auch hin, würde man kopfschüttelnd in der Trutzburg kommentieren.
oder man stelle sich vor, in der Druckerei des Vaterland würden vaterlandslose Nestbeschmutzer ein Flugblatt vervielfältigen, das ungefähr so tönen würde:
1. MAI – GEGEN THRON, PRIVILEG UND SCHEINRECHT
Arbeiter schaffen Werte — Fürsten erben Macht.
Wenn Richter nur nebenamtlich urteilen,
wenn Fürsten bei ihrer Auswahl Stichentscheide halten,
wenn Geburt politischen Einfluss verleiht —
nennt man das Verfassung? Oder Hofordnung?
Wir sagen:
- Keine Gerechtigkeit unter fürstlichem Vorbehalt.
- Keine unabhängige Justiz an goldenen Fäden.
- Keine Demokratie mit Erbprivileg.
Wer arbeitet, soll entscheiden.
Wer herrscht, soll gewählt sein.
Nicht Krone über Volk —
Volk über Krone.
1. Mai heisst: Gegen feudale Reste, für volle Republik.
Nieder mit Thron und Standesprivileg!
Kein Richter unter Fürstengnade!
Alle Macht dem Volk, nicht den Dynastien!
Hui, da wäre dann aber etwas los im Ländle. Die Verfasser solcher Majestätsbeleidigungen könnten froh sein, wenn sie unbeschädigt die Landesgrenzen erreichen und ins Exil auswandern können.
Obwohl: würde man das Fürstenhaus enteignen und seine Mitglieder ins Exil schicken, ginge es da dem durchschnittlichen Liechtensteiner nicht entschieden besser?




Liechtenstein verfügt über ein systemisch fragwürdiges Finanzsystem, das auf Intransparenz und Vorteilsnahme beruhe.
Solange viele vom System profitieren, wird Kritik leicht als Angriff von außen abgetan – genau das macht echte Reformen so unwahrscheinlich.
Solange ein Geschäftsmodell darauf basiert, Vermögen zu verschleiern oder vor Zugriff zu schützen, sollte man sich nicht wundern, wenn es moralisch und politisch in eine Grauzone kippt.
Selbst der Europarat hat das Zusammenwirken von Justiz und Finanzelite schon erkannt:
Die Antikorruptionsbehörde des Europarats GRECO sieht deutlichen Verbesserungsbedarf bei der institutionellen Absicherung gegen Korruption – insbesondere in der Justiz, Regierungsmitgliedern und sogar beim Staatsoberhaupt, dem Fürsten.
MONEYVAL, der Expertenausschuss des Europarates zur Bewertung von Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung hat festgestellt:
«Wirtschaftskriminalität, insbesondere Anlagebetrug und Unterschlagung, scheint auf nationaler Ebene eine relativ häufige Form der ertragsorientierten Kriminalität zu sein»
Für einen Finanzplatz ist diese Feststellung des Europarats kritisch, da sie Vertrauen in Produkte und Strukturen (Stiftungen, Anlagen) unterminiert und Kunden- und Investorenschutz infrage stellt.
https://rm.coe.int/european-committee-on-crime-problems-cdpc-select-committee-of-experts-/1680716b86
Das eigentlich Beunruhigende ist, wie normalisiert diese Strukturen wirken. Wenn demokratische Defizite als ‘Tradition’ gelten, wird Veränderung fast unmöglich.
Aus zahlreichen übereinstimmenden Schilderungen entsteht in Liechtenstein ein düsteres Bild:
Ein Zusammenspiel von kriminellen Treuhändern mit Richtern und Staatsanwälten soll dafür sorgen, dass Stifter und Begünstigte systematisch entmachtet, ihrer Informationsrechte beraubt und durch fragwürdige Strafanzeigen zermürbt werden sollen. Dann werden die Stiftungen und Trusts durch die Treuhänder geplündert.
Was hier beschrieben wird, sind keine Einzelfälle, sondern ist ein strukturelles Machtkartell, ein System, das Kontrolle ausschaltet und Missbrauch begünstigt. Wenn diese Vorgänge stimmen, kratzt das gefährlich an der Grenze zur schweren und organisierten Kriminalität.
Die Frage ist nicht, ob das Fürstenhaus reich ist, sondern wie viel politische Macht an diesen Reichtum gekoppelt bleibt – und ob das mit moderner Demokratie vereinbar ist.
Wenn eine Branche gleichzeitig von Intransparenz lebt und politisch eng verflochten ist, ist Missbrauch kein Ausrutscher, sondern ein systemisches Risiko.
Liechtenstein is examining tightening control of scores of Russian-linked trusts abandoned by their managers under pressure from Washington, according to several people familiar with the matter.
The country, one of the world’s smallest and richest, is home to thousands of low-tax trusts, hundreds of which have links to Russians, two of the people with direct knowledge of the matter said, putting it in the crosshairs of Western efforts to sanction Moscow.
Since Russia’s invasion of Ukraine, the U.S. Treasury has sanctioned several individuals and trusts, opens new tab in Liechtenstein it said, opens new tab were linked, opens new tab to Russian oligarchs, including Vladimir Potanin, and a long-time ally of Russian President Vladimir Putin, Gennady Timchenko
https://www.reuters.com/business/finance/under-us-pressure-liechtenstein-seeks-fix-stranded-russian-wealth-2025-05-30/
Das eigentliche Problem ist nicht nur, dass Macht konzentriert ist – sondern dass es keine wirksamen Mechanismen gibt, sie zu begrenzen oder zur Rechenschaft zu ziehen.
Ein Staat kann sich nicht ernsthaft demokratisch nennen, wenn eine einzelne Familie im Zweifel Regierung, Parlament und Justiz überstimmen kann. Das ist keine Gewaltenteilung, das ist Fassade.
Das Fürstentum Liechtenstein ist offenbar nicht nur für Steuerflüchtlinge sondern auch für alle Arten von Kriminellen ein Paradies. Eine spanische Zeitung berichtet über Gelder aus Drogengeschäften und Korruption, die in das Land geflossen sind.
Mindestens vier große in Spanien zerschlagene Rauschgift- und Betrügerbanden haben Liechtensteiner Banken einem Pressebericht zufolge zur Geldwäsche genutzt. Die Kriminellen hätten dazu Stiftungen gegründet, die in dem Fürstentum Bankkonten eröffneten, berichtet die Madrider Zeitung «El País». Auch kolumbianische Drogenkartelle, hätten so große Geldmengen vor den Behörden versteckt. Über Liechtensteiner Bankkonten hätten die in den vergangenen Jahren ausgehobenen Banden Schiffe bezahlt, die Kokain von Kolumbien nach Spanien brachten.
Gelder aus spanischem Korruptionsskandal
«El País» berichtet weiter, auch Gelder aus dem großen Betrugs- und Korruptionsskandal im südspanischen Marbella seien in das Fürstentum geflossen. Im Zuge der Affäre waren vor zwei Jahren die gesamte Stadtverwaltung des Nobel-Badeortes abgesetzt und Dutzende Politiker festgenommen worden. Der Schaden durch Bestechung und Veruntreuung im Zusammenhang mit der Vergabe von Baugenehmigungen wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.https://www.tagesspiegel.de/politik/liechtenstein-hort-der-kriminellen-1619899.html
Liechtenstein betreibt intensives Reputationsmanagement durch Suchmaschinenoptimierung («SEO-ORM»), also „Online-Image-Kontrolle“ oder „Suchmaschinenmanipulation“ oder «Narrativsteuerung».
Negative Berichte über den Finanzplatz werden unterdrückt, indem Suchmaschinenbetreiber aufgefordert werden, bestimmte Inhalte nicht mehr anzuzeigen (technisch «De-Indexierung» oder rechtlich nach EU-DSGVO), das Internet wird praktisch gesäubert.
Positive Berichte über Liechtenstein erscheinen prominent weit oben bei Suchen, indem viele neue, positive Inhalte veröffentlicht werden (sog. «Content Flooding»).
So erscheinen bei der Suche über Liechtenstein keine Artikel über die schwere Zombie-Trust Krise, die vielzähligen Skandale oder die Kritik des Europarats betreffend mangelnder Antikorruptionsmassnahmen, aber unzählige Artikel über Märchenhochzeit, Urlaubsparadies Liechtenstein etc..
Auf diese Weise soll die öffentliche Wahrnehmung des Landes gezielt gesteuert und manipuliert werden.
Solange in Liechtenstein Nähe wichtiger ist als Gewaltenteilung, bleibt jeder Skandal kein Ausrutscher, sondern ein logisches Ergebnis des Systems.
Internationale Finanzkriminalität: Liechtensteins weisse Fassade bröckelt
https://www.bazonline.ch/liechtensteins-weisse-fassade-broeckelt-971207461924
Das Problem ist nicht ein Einzelfall, sondern das System: Wenn Macht, Justiz und Finanzplatz im selben kleinen Zirkel hängen, wird Kontrolle zur Illusion – und Verantwortung optional.
In Liechtenstein gibt es keine echte Gewaltenteilung, der Fürst hat überall das letzte Wort. Damit ist Liechtenstein auch weder eine Demokratie, ein Rechtsstaat.
Europe’s Financial Bermuda Triangle: 800Liechtenstein Trusts Abandoned in Sanctions Fallout
The growing crisis is now threatening Liechtenstein’s reputation as a safe and smart place to manage wealth,
https:// regtechtimes .com/panic-in-liechtenstein-zombie-trust-scandal/
Ohne eine schnelle Lösung der «Zombie Trust» Krise, die seit eineinhalb Jahren Liechtensteins Finanzplatz bedroht und als unsicher erweist, kann das Problem auf den breiteren Finanzsektor übergreifen, der das Rückgrat der liechtensteinischen Wirtschaft bildet. Das kann von einer «Zombie Trust» Krise sehr schnell zu einer Finanzkrise in Liechtenstein führen und die Stabilität des Finanzsektors insgesamt stark gefährden.
Liechtenstein gilt als ideale Schutzzone für große Geldsummen. Doch Einzelfälle wecken Zweifel daran: So soll vereinzelt der Zugriff auf gebunkertes Vermögen entzogen worden sein. Für das Versprechen des Finanzstandorts könnten solche Vorwürfe gefährlich werden.
https://www.welt.de/wirtschaft/plus255111372/Kriminelles-System-Die-Vorwuerfe-gegen-das-Geldparadies-der-Superreichen.html
Wir haben in unserer Kanzlei die abenteuerlichsten Liechtensteinischen Gerichtsentscheidungen erlebt, bei denen unsere ausländischen Mandanten so gut wie immer den Liechtensteinischen Treuhändern unterlegen sind. Und das mit haarsträubenden Begründungen. Man erhält fast den Eindruck, als sei die Vorgabe an die Richter, Ausländern nie Recht zu geben, selbst wenn sie im Recht sind. Wir können daher vor den Gerichten in Liechtenstein nur warnen. Liechtensteinische Strukturen wie Trusts und Stiftungen sind daher sehr riskant.
Leidgeplagte liechtensteinische discretionary trusts: nun auch höchstgerichtliche Rechtsschutzverweigerung
Während der beneficiary beim common law trust gemeinhin als ,,equity´s darling”gilt, schlägt das Pendel in Liechtenstein zusehends in eine entgegengesetzte Richtung. Hier zeichnet sich ein massiver Abbau des Begünstigtenrechtsschutzes durch die Gerichtsbarkeit ab. Aufgrund der aktuellen Gesetzesanwendung durch die liechtensteinischen Rechtsfürsorgegerichte ist nun ein nachhaltiger Reputationsverlust des „Truststandorts“ Liechtenstein zu befürchten.
https://kanzleiboesch.com/files/kanzlei-boesch/Publikationen/PDF/Leidge
https://kanzleiboesch.com/files/kanzlei-boesch/Publikationen/PDF/Leidgeplagte%20liechtensteinische%20discretionary%20trusts.pdf
Nothing poisons a financial center faster than zombie trusts and a judiciary investors don’t trust.
Liechtenstein hat ein strukturelles Demokratiedefizit: Eine erbliche Monarchie mit realer Macht, fehlende Gewaltenteilung und eine Justiz, die institutionell nicht unabhängig genug abgesichert ist. Problematisch ist weniger ein Einzelfall als die Normalisierung dieser Machtkonzentration.
Geschäftsmodelle, die darauf abzielen, Vermögen zu verbergen oder dem Zugriff zu entziehen, operieren zwangsläufig in einem ethisch und politisch heiklen Spannungsfeld.
Sie waren die heimlichen Herrscher von Liechtenstein und verwalteten Milliarden: die Treuhänder. Nachdem das Fürstentum das Bankgeheimnis aufgeweicht hat, kommen nun erstaunliche Betrugsfälle ans Licht.
https://www.capital.de/geld-versicherungen/liechtenstein-zu-untreuen-haenden
Wenn am Ende in allen drei Gewalten der Fürst das letzte Wort hat, stellt sich schon die Frage, wie unabhängig Regierung und Justiz tatsächlich sind. Gewaltenteilung lebt von echter Autonomie – nicht davon, dass eine Instanz im Zweifel alles überstimmen kann. So wirkt das System eher wie Fassade als wie gelebte Kontrolle und Balance in Liechtenstein.
Hunderte verwaiste „Zombie-Trusts“ stellen einen erheblichen Offenlegungs- und Reputationsbefund dar. Wenn Strukturen ohne verantwortliche Treuhänder fortbestehen und erhebliche Vermögenswerte faktisch blockiert sind, entsteht der Eindruck eines Finanzplatzes, der nicht nur unter Druck steht, sondern in zentralen Bereichen nicht mehr handlungsfähig ist.
Ein Standort, dessen Stabilität maßgeblich auf Vertrauen basiert, kann sich einen solchen regulatorischen Schwebezustand kaum leisten. Jeder einzelne verwaiste Trust vermittelt dabei ein identisches Signal: Es bestehen Kontrolllücken, Risiken sind nicht abschließend adressiert, und die Governance-Strukturen greifen nicht wirksam. Dies beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in den Finanzplatz Liechtenstein nachhaltig.
Eine Monarchie mit einer Fassade als Demokratie und Rechtsstaat.