Scheine wegen des schönen Scheins ins Fürstentum bringen?

Liechtenstein gilt seit Jahrzehnten als einer der diskretesten und stabilsten Finanzplätze Europas. Banken wie die LGT Group oder die VP Bank verwalten Milliardenvermögen internationaler Kunden. Doch hinter dem Image von Sicherheit und Kontinuität stehen für Vermögensbesitzer auch reale Risiken.

Zunächst ist das regulatorische Risiko zu nennen. Liechtenstein hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark internationalisiert und steht heute unter dem Einfluss globaler Transparenzstandards. Abkommen wie der automatische Informationsaustausch (AIA) – getragen von Organisationen wie der OECD – haben das klassische Bankgeheimnis faktisch beendet. Für Anleger bedeutet das: Vermögen im Fürstentum ist längst nicht mehr „unsichtbar“. Wer steuerlich nicht sauber aufgestellt ist, läuft Gefahr, nachträglich in den Fokus nationaler Steuerbehörden zu geraten.

Eng damit verbunden ist das steuerliche Risiko. Liechtenstein selbst erhebt vergleichsweise moderate Steuern, doch entscheidend ist stets die steuerliche Behandlung im Heimatland des Investors. Doppelbesteuerungsabkommen reduzieren zwar Konflikte, aber sie sind komplex und interpretationsanfällig. Fehler in der Strukturierung – etwa bei Stiftungen oder Trusts – können zu erheblichen Nachforderungen oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen führen.

Ein weiterer Aspekt ist das Reputationsrisiko. Obwohl Liechtenstein heute als „weisse Jurisdiktion“ gilt und internationale Standards erfüllt, haftet dem Finanzplatz historisch ein Ruf als Steueroase an. Für vermögende Privatpersonen oder Unternehmer kann allein die Verbindung zu einem Offshore-Finanzplatz negative öffentliche Wahrnehmung erzeugen – insbesondere in Zeiten wachsender Sensibilität für Steuertransparenz.

Auch das politisch-rechtliche Risiko ist nicht zu vernachlässigen. Liechtenstein ist politisch stabil, eng mit der Schweiz verbunden und Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Dennoch bleibt es ein Kleinstaat. Seine regulatorische Ausrichtung ist stark von externen Entwicklungen abhängig – insbesondere von der Europäischen Union. Änderungen in EU-Richtlinien oder internationalem Druck können sich daher überproportional schnell auf den Finanzplatz auswirken.

Hinzu kommt das klassische Marktrisiko, das unabhängig vom Standort besteht. Vermögen, das über liechtensteinische Banken verwaltet wird, ist häufig global investiert – in Aktien, Anleihen, Immobilien oder alternative Anlagen. Die Risiken dieser Märkte – von Zinsschwankungen bis zu geopolitischen Krisen – bleiben vollständig beim Anleger. Der Standort Liechtenstein bietet keinen Schutz vor Verlusten aus Fehlallokationen oder volatilen Märkten.

Ein oft unterschätzter Punkt ist das Strukturierungsrisiko. Liechtenstein ist bekannt für komplexe Vehikel wie Stiftungen und Anstalten. Diese können erhebliche Vorteile bieten, etwa in der Nachlassplanung oder Vermögenssicherung. Gleichzeitig sind sie juristisch anspruchsvoll. Fehler in der Gestaltung, mangelnde Dokumentation oder unklare Begünstigtenregelungen können zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen – teilweise über mehrere Jurisdiktionen hinweg.

Schließlich bleibt das Bankenrisiko selbst. Auch wenn liechtensteinische Institute als solide gelten und strengen Aufsichtsregeln unterliegen, sind sie nicht immun gegen Krisen. Einlagen sind zwar geschützt, doch große Vermögen überschreiten häufig die Sicherungsgrenzen deutlich.

Liechtenstein ist kein risikofreier Hafen, sondern ein  Finanzplatz ohne Rechtssicherheit und mit systemischen Risiken. Insbesondere die Tatsache, dass alle Richter von fürstlichen Gnaden amtieren und die Gerichte notorisch im Interesse von liechtensteinischen Treuhändern oder Bankern urteilen, macht ein weiteres Risikopotenzial aus.

20 Kommentare
  1. Riskantes Liechtenstein
    Riskantes Liechtenstein sagte:

    Sie können ja mal die nicht-sanktionierten Russen fragen, deren Trusts als verwaiste Zombie Trusts seit über einem Jahr quasi eingefroren sind, ob sie Liechtenstein als Finanzplatz empfehlen würden.

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  2. Liechtenstein
    Liechtenstein sagte:

    Sie können ja mal die nicht-sanktionierten Russen fragen, deren Trusts als verwaiste Zombie Trusts seit über einem Jahr quasi eingefroren sind, ob sie Liechtenstein nochmals als Finanzplatz wählen würden.

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  3. Sanktionsrisiko
    Sanktionsrisiko sagte:

    Nicht erwähnt hat der Artikel das Risiko, dass Liechtensteinische Banken das Risiko haben, von den USA sanktioniert zu werden, wenn sie sanktionierte russische, venezolanische oder iranische Gelder verwalten, was bestimmt bei der einen oder anderen Liechtensteiner Bank der Fall ist.

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    • Gelder aus dubiosen Quellen sind Risiken für FL-Banken
      Gelder aus dubiosen Quellen sind Risiken für FL-Banken sagte:

      Das Verstecken und Verschleiern von Geldern aus dubiosen Quellen ist ein grosses Risiko für FL-Banken.

      Beitrag in der SonntagsZeitung 2013.

      «Die Veröffentlichung der Offshore-Leaks-Daten enthüllte, dass mindestens 120 Personen und Firmen aus Liechtenstein in Steuerparadiesen aktiv waren. Trotz der 2009 eingeführten Weissgeldstrategie gerieten Liechtensteiner Treuhänder immer wieder in dubiose Geschäfte. Ein prominenter Fall ist der kasachische Unternehmer Margulan Seisembayew, dessen Offshore-Konstrukte in Liechtenstein und der Schweiz zur Veruntreuung von 1,1 Milliarden Dollar führten. Weitere Untersuchungen zeigten Verbindungen zu russischen Betrügern und Korruptionsfällen wie dem Magnitski-Skandal. Experten kritisieren die unzureichende Kontrolle der Treuhänder, die oft Risiken unterschätzen und in kriminelle Netzwerke verwickelt sind. Trotz negativer Erfahrungen halten einige Treuhänder an riskanten Geschäftsmodellen fest. Der Umbau des Finanzplatzes Liechtenstein hin zu legalen und transparenten Strukturen ist noch im Gange, wobei die steuerliche Legalisierung aller verwalteten Gelder bis spätestens 2016 abgeschlossen sein soll.»

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    • Korruption in Liechtenstein: GRECO empfiehlt Antikorruptionsreformen für die Justiz, die Regierungsmitglieder und das Staatsoberhaupt in Liechtenstein
      Korruption in Liechtenstein: GRECO empfiehlt Antikorruptionsreformen für die Justiz, die Regierungsmitglieder und das Staatsoberhaupt in Liechtenstein sagte:

      Die Staatengruppe des Europarates gegen Korruption (GRECO) fordert in einem neuen Bericht Liechtenstein auf, seine Maßnahmen zur Verhütung von Korruption unter Personen in hohen Exekutivämtern fortzusetzen, einschließlich der Regierungsmitglieder, des Regierungssekretärs bzw. der Regierungssekretärin, der Generalsekretäre bzw. Generalsekretärinnen und Persönlichen Mitarbeitenden sowie der Mitglieder der Landespolizei. Der Bericht umfasst auch den Fürsten, der gemäß der Verfassung an der Entscheidungsfindung innerhalb der Exekutive mitwirkt.
      https://www.coe.int/de/web/portal/-/greco-recommends-anti-corruption-reforms-for-liechtenstein-s-government-police-and-head-of-state

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      • Big brother
        Big brother sagte:

        Wer bleibt da noch über, dem der Europarat keine Antikorruptionsmaßnahmen verschrieben hat? Der Postler, der Bäcker und der Primarschullehrer?

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  4. Ist der Finanzplatz Liechtenstein noch stabil?
    Ist der Finanzplatz Liechtenstein noch stabil? sagte:

    Ohne eine schnelle Lösung der «Zombie Trust» Krise kann das Problem auf den breiteren Finanzsektor übergreifen, der das Rückgrat der liechtensteinischen Wirtschaft bildet. Das kann von einer «Zombie Trust» Krise sehr schnell zu einer Finanzkrise in Liechtenstein führen und die Stabilität des Finanzsektors insgesamt stark gefährden

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  5. Dieter
    Dieter sagte:

    Eine Anlage in Franken bekommt man in ganz Europa bei jeder Bank. Das Risiko hingegen, dass eine Bank sanktioniert wird, weil sie sanktionierte Gelder verwaltet, ist bei einer Liechtensteinischen Bank vermutlich x-Mal höher als bei jeder anderen europäischen Bank. Man sollte sich dieses Risikos bewusst sein.

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  6. Der Venezuela‑Korruptionsskandal der LGT im Jahr 2020
    Der Venezuela‑Korruptionsskandal der LGT im Jahr 2020 sagte:

    Da fehlt der Venezuela‑Korruptionsskandal 2020 der LGT Bank mit den Verwicklungen mit PDVSA.

    Die LGT war in Geschäfte involviert, die mit dem stark korruptionsbelasteten venezolanischen Staatskonzern PDVSA verbunden waren.

    Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA verhängte Sanktionen gegen die Bank und ordnete interne personelle Maßnahmen an.

    Solche Skandale sind erhebliche Risiken für Liechtensteinische Banken … und in der Folge auch für deren Kunden.

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  7. Stefan
    Stefan sagte:

    Aufgrund der ganzen Skandale und der Zombie Trusts steht doch fest, dass Liechtenstein immer mit besonderen Risiken verbunden ist. Wer sich in Gefahr begibt…

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  8. Financial Times: «Liechtenstein hit by Russia-linked ‘zombie trust’ crisis»
    Financial Times: «Liechtenstein hit by Russia-linked ‘zombie trust’ crisis» sagte:

    «Liechtenstein hit by Russia-linked ‘zombie trust’ crisis»

    Hundreds of entities in legal paralysis in the principality after US sanctions trigger wave of director resignations.

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  9. Warnung vor Liechtensteiner Trusts
    Warnung vor Liechtensteiner Trusts sagte:

    Leidgeplagte liechtensteinische discretionary trusts: nun auch höchstgerichtliche Rechtsschutzverweigerung

    Während der beneficiary beim common law trust gemeinhin als ,,equity´s darling”gilt, schlägt das Pendel in Liechtenstein zusehends in eine entgegengesetzte Richtung. Hier zeichnet sich ein massiver Abbau des Begünstigtenrechtsschutzes durch die Gerichtsbarkeit ab. Aufgrund der aktuellen Gesetzesanwendung durch die liechtensteinischen Rechtsfürsorgegerichte ist nun ein nachhaltiger Reputationsverlust des „Truststandorts“ Liechtenstein zu befürchten.
    https://kanzleiboesch.com/files/kanzlei-boesch/Publikationen/PDF/Leidgeplagte%20liechtensteinische%20discretionary%20trusts.pdf

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  10. Paradies für schmutziges Geld, Risiko für ehrliche Anleger
    Paradies für schmutziges Geld, Risiko für ehrliche Anleger sagte:

    Liechtenstein hat seit Jahren einen zweifelhaften Ruf als Standort für die Verwahrung grosser Vermögen – deutlich schlechter als die Schweiz. Wiederholte Skandale, bei denen ganze Vermögen verschwanden, haben dem Land den wenig schmeichelhaften Ruf „europäisches Bermuda-Dreieck“ eingebracht. Die fürstliche Justiz gilt als „auffällig protektiv“ gegenüber einheimischen Akteuren, was das Vertrauen zusätzlich untergräbt. Heute fliessen deswegen nach Liechtenstein vor allem Gelder, die selbst in der Schweiz nicht mehr angenommen werden – häufig aus höchst problematischen Quellen wie Drogen- und Waffenhandel, Menschenhandel oder Korruption.

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  11. Achtung!
    Achtung! sagte:

    Das Liechtenstein sicher sei, hatten sich die hunderten nicht sanktionierten Russen, die ihre Vermögen in den Zombie Trusts verloren haben und die Opfer der mit Hilfe der liechtensteinischen Justiz gekaperten und ausgeraubten Stiftung und Trusts auch gedacht.

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  12. Der Schein vom Rechtsstaat trügt
    Der Schein vom Rechtsstaat trügt sagte:

    Hinter der Kulisse des Rechtsstaats kommt Korruption und Vetternwirtschaft zum Vorschein, Anleger sind dem schutzlos ausgeliefert. Die Justiz ist befangen und nicht neutral. Man sollte Liechtenstein weiträumig umgehen.

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