Was nur im Ländle möglich ist: die durchwachsene Karriere von Stephan Häberle.

Ihn hat es immer wieder aus der Kurve getragen. Häberle war fast überall. Bank Leu, UBS, Mitglied der Generaldirektion der LGT, dann knapp drei Jahre CEO bei der Centrum Bank in Liechtenstein. Etwas mehr als zwei Jahre CEO bei der MediBank AG. Dann CEO bei der Valartis Group, zwei Jahre.

Dann 2 Jahre und acht Monate CEO der Bank Alpinum AG, der Sherkati-Bank, die nach gröberen Problemen mit der Compliance notverkauft wurde, umfirmiert und schliesslich die Bücher deponierte.

Schliesslich Mitglied der Geschäftsleitung der MBaer Merchant Bank AG (3 Jahre 10 Monate bis 2024), die vor Kurzem von der Finma den Stecker gezogen bekam. Sie hatte Gelder aus dubiosen Quellen, vor allem aus dem Osten, angenommen, als ob es keine Geldwäschereigesetze gäbe.

Ein Stehaufmännchen. Inzwischen ist er auch schon mal als strategischer Berater bei der Privatbank Kaleidoskop.

«Inside Paradeplatz» bezeichnete ihn auch schon als den «Zwei-Jahres-CEO», weil viel länger dauerte seine Anstellung meistens nicht.

Wie ist es nur möglich, dass so ein Liechtenstein-Banker immer wieder nicht nur auf die Füsse fällt, sondern nach jedem Abgang wieder in einem Chefsessel landet?

Die Erklärung ist einfach, wenn man Liechtenstein versteht. Denn hier gilt im Banking: wenn es mich nicht in den Knast bringt, mach ich’s.

Dieses Prinzip ist eigentlich universell gültig, also auch in der Schweiz, in Deutschland oder in den USA.

Aber die Besonderheit des Finanzplatzes Liechtenstein ist: die Chance, im Knast zu enden, ist verschwindend gering.

Man denke nur an das Schicksal des Treuhänders Mario Staggl. Der half in seinen besseren Zeiten nicht nur Steuerhinterziehern wie Igor Olenicof, in komplexen Trust-Konstruktionen einen Notgroschen zu verstecken. Blöd allerdings, dass dessen UBS-Banker Bradley Birkenfeld auf seinen Arbeitgeber sauer wurde und beschloss, als Whistleblower die Fronten zu wechseln.

Damit leitete er den Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses ein und sorgte bei der UBS für eine Riesenbusse von 780 Millionen Dollar. Für Birkenfeld lohnte es sich gewaltig. Er kassierte über 100 Millionen Dollar Finderlohn vom US-Justizministerium. Da er allerdings nicht völlig ausgepackt hatte, was Grundlage für den Deal war, musste Birkenfeld eine Weile in den Knast. Konnte er aber verschmerzen.

Für Staggl ging’s bei dieser Gelegenheit ohne Knast ab. Er figurierte zwar auf der Most-Wanted-Liste des FBI, konnte sich aber einfach unter dem fürstlichen Schutzschirm in Liechtenstein verstecken.

Dadurch übermütig geworden, eröffnete er die Bar Esquire, wo sich alles, was Rang und Namen in der Finanzwelt Liechtenstein hatte, ein Stelldichein gab. Und er führte die beiden Treuhandgesellschaften Salamander Trust und New Haven Trust. Die dazugehörenden Konti verwaltete die Neue Bank in Vaduz.

Dass die nebenbei Auszahlungen mit zweifelhafter Begründung und mit der Unterschrift des längst verstorbenen Kompagnons von Staggl versehen, ausführte, nun ja, es ist halt Liechtenstein.

Dass sich Staggl kräftig an ihm anvertrauten Geldern vergriff, auch das ist Liechtenstein.

Dass damals der Anwalt der Bank, der frühere Regierungschef Mario Frick, gleichzeitig Verwaltungsrat in Staggls Familienstiftung war, in der Staggl sein Geld in Sicherheit gebracht hatte – Liechtenstein.

Dass der VR der Bank, der frühere Aussenminister Ernst Walch, gleichzeitig der Verteidiger von Staggl war – Liechtenstein.

Dass Staggl nach der Birkenfeld-Affäre und als von den USA gesuchter Verbrecher immer noch als Treuhänder amtieren durfte – Liechtenstein.

Dass Staggl einen Schaden von rund 30 Millionen Franken bei seinen Kunden anrichtete – Liechtenstein.

Dass am Schluss ein Prozess gegen ihn geführt wurde, das war dann nicht mehr Liechtenstein, sondern die Ausnahme. Ebenso, dass Staggl nicht mal ein Attest rettete, dass er wegen einer schweren Jugend eine narzisstische Persönlichkeitsstörung habe, sondern dass er 2019 zu sechs Jahren Knast verurteilt wurde – auch das war eher ungewöhnlich in Liechtenstein.

Angesichts solcher Zustände ist die wechselhafte Karriere von Häberle. nun wirklich in jeder Beziehung völlig normal – in Liechtenstein.

 

 

 

20 Kommentare
  1. Schwere und organisierte Kriminalität
    Schwere und organisierte Kriminalität sagte:

    Was in Liechtenstein völlig normal ist, ist in anderen Ländern schwere und organisierte Kriminalität.

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  2. Markus
    Markus sagte:

    Man erhält den Eindruck, dass Wirtschaftskriminalität ein wesentlicher Teil des Geschäftsgeschäftsmodells Liechtensteins ist.

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  3. Steuerhinterziehung zu Lasten des Auslands galt in Liechtenstein nicht als Straftat
    Steuerhinterziehung zu Lasten des Auslands galt in Liechtenstein nicht als Straftat sagte:

    Staggl wurde von US-Strafverfolgungsbehörden zur Fahndung ausgeschrieben.

    Er blieb in Liechtenstein und tauchte dort zeitweise unter, bis die Aufmerksamkeit nachließ.

    In Liechtenstein hatte er zunächst wenig zu befürchten, weil Steuerhinterziehung im Ausland damals nicht als Straftat galt

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    • Olenicoff und Staggl
      Olenicoff und Staggl sagte:

      Um seine Strafe zu reduzieren, hatte Olenicoff sich schuldig bekannt, mit dem Gericht kooperiert und die Details der Finanztransaktionen mit der Schweiz und Liechtenstein offengelegt, die ihm seine Banker zwecks Steuerhinterziehung empfohlen hatten. Seine Hausbanker waren Bradley Birkenfeld und der Liechtensteiner Treuhänder und Trust-Spezialist Mario Staggl. Olenicoff bezichtigte Birkenfeld und Staggl der Beihilfe zu Steuerhinterziehung, die beiden hatten ihm geholfen, insgesamt 200 Millionen Dollar am US-Finanzamt vorbeizuschleusen.
      https://www.woz.ch/0823/ubs-in-den-usa/steuerbetrug-via-genf

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  4. Skandale entlarven tiefgreifende Risiken des Stiftungsstandorts Liechtenstein
    Skandale entlarven tiefgreifende Risiken des Stiftungsstandorts Liechtenstein sagte:

    Die Glaubwürdigkeit Liechtensteins als Stiftungs‑ und Vermögensstandort leidet erheblich unter einer Reihe struktureller und systemischer Probleme, die in den vergangenen Jahren öffentlich geworden sind. Die Vielzahl der Skandale beschädigt die Glaubwürdigkeit Liechtensteins deshalb nachhaltig, weil sie keine Einzelfälle, sondern strukturelle Schwächen offenbaren, nämlich
    – mangelhafte Aufsicht
    – schwache Rechtsdurchsetzung
    – Interessenkonflikte in Justiz und Treuhänderwesen
    – internationale Sanktionen
    – ein massiver Vertrauensverlust der Banken und Nutzer

    Solange diese systemischen Probleme nicht wirksam adressiert werden, wird Liechtenstein international als Stiftungsstandort weiter an Reputation verlieren.

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    • Mr. Spock
      Mr. Spock sagte:

      Finanz- und Wirtschaftskriminalität werden in Liechtenstein geduldet, solange „nur“ Ausländer die Opfer sind und dadurch viel Geld ins Land gebracht wird. Fürst und Regierung schauen weg und tun so, als wüssten sie von nichts.

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  5. Ernst Walch und der Diktator Abacha
    Ernst Walch und der Diktator Abacha sagte:

    Der nigerianische Diktator Sani Abacha plünderte nach Schätzungen 2–5 Milliarden US-Dollar aus der Staatskasse Nigerias. Ein Teil dieses Geldes wurde über internationale Finanzplätze – u. a. Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein – in Stiftungen, Trusts und Briefkastenfirmen verschoben.

    Ernst Walch wurde in Medienberichten vorgeworfen, bei Strukturen zur Verwaltung oder Verschleierung von Vermögen autoritärer Herrscher und Oligarchen geholfen zu haben, darunter auch Geld aus dem Umfeld von Abacha. Er selbst hat solche Vorwürfe stets bestritten bzw. darauf verwiesen, dass seine Arbeit juristische und treuhänderische Dienstleistungen im Rahmen des damaligen Rechts gewesen sei.

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  6. Warum lebt der Fürst in einer Burg hoch über Vaduz?
    Warum lebt der Fürst in einer Burg hoch über Vaduz? sagte:

    Weil er sonst Angst haben muss, in dem unendlichen Sumpf in seinem Land zu versinken.

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  7. Stiftungs- und Trustverwaltung und Justiz in Liechtenstein: Zur Systematik der Rechtsverweigerung
    Stiftungs- und Trustverwaltung und Justiz in Liechtenstein: Zur Systematik der Rechtsverweigerung sagte:

    Der Fall der Asturion Stiftung der Witwe und des Sohnes des saudi-arabischen Königs Fahd stellt weder einen Einzelfall noch ein bedauerliches Fehlverhalten dar. Vielmehr handelt es sich um ein exemplarisches Beispiel für ein seit Jahren etabliertes, wiederkehrendes, systematisches Vorgehen innerhalb der liechtensteinischen Stiftungs- und Trustverwaltungspraxis.

    Das Muster ist regelmäßig identisch: Treuhänder entziehen Begünstigten ihre Rechte, indem sie deren Begünstigtenstellung zunächst pauschal bestreiten. Diese Vorgehensweise kommt einer faktischen Rechtsverweigerung gleich. Die Betroffenen sehen sich gezwungen, ihre eigene Berechtigung in langwierigen Verfahren durch sämtliche Instanzen der liechtensteinischen Gerichtsbarkeit feststellen zu lassen. Gerichtliche Sanktionen gegen die verantwortlichen Treuhänder bleiben dabei aus.

    Nach Überwindung dieser ersten Hürde folgt regelmäßig die nächste: die Verweigerung der gesetzlich vorgesehenen Auskunfts- und Rechenschaftsrechte. Erneut bleibt den Begünstigten keine andere Möglichkeit, als jahrelang zu prozessieren – wiederum durch alle Instanzen und wiederum ohne jegliche Konsequenzen für die Treuhänder.

    Auf diese Weise vergehen oftmals Jahre, bis Begünstigte erstmals Kenntnis darüber erlangen, wie mit dem ihnen zugeordneten Stiftungs- oder Trustvermögen verfahren wurde. In diesem Zeitraum agieren Stiftungsräte ohne Kontrolle, können Vermögenswerte verschieben und eigene finanzielle Interessen verfolgen. Das System basiert auf Verzögerung, Zermürbung und der berechtigten Erwartung gerichtlicher Unterstützung.

    Diese Praxis ist kein Zufallsprodukt. Sie wird ermöglicht durch eine Justiz, die Pflichtverletzungen durch einheimische Treuhänder systematisch folgenlos lässt, sowie durch das Ausbleiben wirksamer staatlicher Aufsicht auf höchster Ebene.

    Dieses Vorgehen wird durch die Regierung und das Staatsoberhaupt geduldet, wodurch diese zur Aufrechterhaltung des Systems beitragen.

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  8. Zentrum der Finanzkriminalität
    Zentrum der Finanzkriminalität sagte:

    Liechtenstein ist das europäische Zentrum der Finanzkriminalität. Unter den Augen des Fürsten und des Erbprinzen.

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  9. Tagesspiegel: "Liechtenstein: Hort der Kriminellen"
    Tagesspiegel: "Liechtenstein: Hort der Kriminellen" sagte:

    Das Fürstentum Liechtenstein ist offenbar nicht nur für Steuerflüchtlinge sondern auch für alle Arten von Kriminellen ein Paradies. Eine spanische Zeitung berichtet über Gelder aus Drogengeschäften und Korruption, die in das Land geflossen sind.

    Mindestens vier große in Spanien zerschlagene Rauschgift- und Betrügerbanden haben Liechtensteiner Banken einem Pressebericht zufolge zur Geldwäsche genutzt. Die Kriminellen hätten dazu Stiftungen gegründet, die in dem Fürstentum Bankkonten eröffneten, berichtet die Madrider Zeitung «El País». Auch kolumbianische Drogenkartelle, hätten so große Geldmengen vor den Behörden versteckt. Über Liechtensteiner Bankkonten hätten die in den vergangenen Jahren ausgehobenen Banden Schiffe bezahlt, die Kokain von Kolumbien nach Spanien brachten.
    Gelder aus spanischem Korruptionsskandal

    «El País» berichtet weiter, auch Gelder aus dem großen Betrugs- und Korruptionsskandal im südspanischen Marbella seien in das Fürstentum geflossen. Im Zuge der Affäre waren vor zwei Jahren die gesamte Stadtverwaltung des Nobel-Badeortes abgesetzt und Dutzende Politiker festgenommen worden. Der Schaden durch Bestechung und Veruntreuung im Zusammenhang mit der Vergabe von Baugenehmigungen wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.
    https://www.tagesspiegel.de/politik/liechtenstein-hort-der-kriminellen-1619899.html

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  10. Christoph
    Christoph sagte:

    Das Frappierende ist, dass in Liechtenstein die Wirtschafts- und Finanzkriminalität nicht aufgearbeitet wird, sondern viel mehr vertuscht und verschleiert wird.

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  11. SPIEGEL: „Es ist ein Spinnennetz“
    SPIEGEL: „Es ist ein Spinnennetz“ sagte:

    Längst hat sich auch der BND (Bundesnachrichtendienst) mit dem Fürstentum Liechtenstein befasst. Die Dienstler wissen allzugenau, wer dort sein Geld bunkert: rechtlich versteckt in einer anonymen Stiftung, gebunkert auf einem Schweizer Konto. Liechtenstein und die Schweiz stellen für derlei Zwecke ein einheitliches Geschäftsmodell bereit: Für Drogenbarone und Paramilitärs, gestürzte Tyrannen, Menschenhändler, Waffenschieber und andere Reiche, die sich zuhause im Glanz ihres unbefleckten Ruhmes sonnen wollen.
    https://www.anstageslicht.de/themen/finanzsystem/whistleblower-rudolf-elmer-gegen-bank-julius-baer/vom-ende-des-schweizer-bankgeheimnis

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  12. Capital: „Oft sind die Treuhänder eiskalte Menschen, die nur das Geld sehen.“
    Capital: „Oft sind die Treuhänder eiskalte Menschen, die nur das Geld sehen.“ sagte:

    Aus CAPITAL:

    «Treuhänder: Liechtenstein: zu untreuen Händen»

    „Oft sind die Treuhänder eiskalte Menschen, die nur das Geld sehen.“

    «Er sei mittlerweile davon überzeugt, dass es vereinzelt ein Geschäftsmodell sei, den Kunden als „Selbstbedie­nungsladen“ anzusehen.»

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  13. Homer Simpson
    Homer Simpson sagte:

    Liechtenstein bemüht sich nicht darum, die erhebliche Wirtschaftskriminalität einzudämmen, sondern vielmehr darum, diese zu verschleiern und zu vertuschen. Das Kriminelle darf bleiben.

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