Russengelder – eingefroren. Riesenproblem. Und ukrainische Gelder?

Es sieht ganz danach aus, dass die EU sich an rund 200 Milliarden Dollar der russischen Notenbank vergreifen wird. Die lagern im grossen internationalen Player Euroclear in Belgien.

Das ist sozusagen der Notar der Finanzwelt, dem über 40 Billionen Dollar anvertraut sind. Eine Aktiengesellschaft im Besitz von rund 90 Grossbanken der Welt. Wird dieses Geld Russland weggenommen (mit einer Schlaumeierei namens «Sicherheit für einen Reparationskredit an die Ukraine»), wird es ein Riesenschlamassel geben.

Na und, denkt der Fürst, denkt die Regierung denkt der Finanzplatz Liechtenstein. Geht uns doch nichts an, wir sind ja nicht in der EU.

Wie letzthin häufig ist das zu kurz gedacht. Denn Liechtenstein hat auf Druck der USA bereits rund 20 Milliarden an russischen Vermögenswerten beschlagnahmt. Und weiss nicht, was es mit den 800 Zombie-Trusts anstellen soll, die führerlos im Nichts hängen.

Ihre Besitzer sind sanktionierte und nicht-sanktionierte Russen, die nicht mehr an ihr Eigentum herankommen. Immobilien zerfallen, Flugzeuge und Yachten werden nicht gewartet, Ableger dieser Trusts in anderen Ländern werden zahlungsunfähig und können ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Ein Riesenschlamassel. Russland ist sauer, die Besitzer sind stinksauer.

Viele Anleger sind verunsichert: kann mir das auch passieren, plötzlich ist mein im Ländle sicher geglaubtes Geld weg?

Erschwerend kommt hinzu: und ukrainische Gelder in Liechtenstein? Wie nicht nur der jüngste Korruptionsskandal, der ins Vorzimmer des ukrainischen Präsidenten Selenskyj reicht, muss es viele ukrainische Oligarchen geben, die durch Korruption gestohlenes Geld in Sicherheit bringen wollen.

Und wie für russische Oligarchen bot sich doch Liechtenstein für viele Jahre dafür an. Her mit dem Geld, nicht zu viele Fragen stellen, sich am Verwalten dumm und krumm verdienen.

Nun gab es in der Vergangenheit eine wenige Fälle – 27 Millionen gestohlene ukrainische Gelder beschlagnahmt, 13 Millionen eines korrupten ukrainischen Richters –, dass ein solches Vermögen dermassen zum Himmel stank, dass die Fürstenjustiz widerwillig etwas unternehmen musste.

Ansonsten herrscht hier bis heute das Gesetz der Omertà – wie es sich für eine Räuberhöhle gehört.

Ein ehemaliger ukrainischer Premierminister behauptete, dass von etwa 360 Milliarden US-Dollar an ausländischer Hilfe seit 2022 zwischen 15 % und 30 % durch Korruption verloren gegangen sein könnten – was im unteren Fall rund 54 Milliarden USD und im oberen Fall rund 108 Milliarden USD entspräche.

Wir sprechen hier auf jeden Fall nicht von ein paar Millionen, sondern von vielen Milliarden.

Solche Beträge zu stehlen, das ist das eine. Sie sicher ausser Landes zu bringen, das ist das andere. Und sie irgendwo sicher aufzubewahren, das ist das dritte.

Natürlich wanderten nicht alle bis zu 108 Milliarden in diskrete Trusts und Stiftungen in Liechtenstein. Aber die Anwendung reiner Logik gebietet die Schlussfolgerung: wenn das Fürstentum sogar bis vor einem Jahr skrupellos mindestens 20 Milliarden Russengelder verwaltete – um wie viele Milliarden dürfte es sich im Fall der Ukraine handeln?

Während Russland spätestens 2022 zum bösen Buben wurde, ist die Ukraine doch bis heute der grosse Freund des Westens, angeblich der Verteidiger Westeuropas und aller westlichen Werte.

Dass das Land in allen Statistiken über Korruption nicht weit von Russland entfernt ist – nun ja, ist nicht schön. Aber darüber sollte man nicht zu offen sprechen, das schadet doch nur der Landesverteidigung der tapferen Ukrainer und ihres Freiheitshelden als Präsident, der allerdings selbst auch über hübsche Geldanlagen im Ausland verfügt, die er keinesfalls mit seinem Präsidentengehalt erspart haben kann.

Nun sieht es aber ganz danach aus, dass US-Präsident Trump nicht nur seine finanzielle Unterstützung heruntergefahren hat, sondern zunehmend sauer wird, dass die Ukraine seinen Friedensplan nicht akzeptieren will.

Also ist es doch naheliegend, dass die USA anfangen, mit ihrer Sanktionsbehörde Ofac auch auf alle die losgeht, die ukrainisches Korruptionsgeld aufbewahren.

Darunter natürlich Liechtenstein.

Das nennt man zwischen Hammer und Amboss geraten.

Und bislang klammert man sich im Ländle auch hier an den fatalen Satz: mir kann keiner, ich bin Liechtensteiner.

Bis dann mal die Lichter ausgehen.

34 Kommentare
  1. Liechtenstein unter Verdacht: Systematische Kollusion statt Einzelfälle
    Liechtenstein unter Verdacht: Systematische Kollusion statt Einzelfälle sagte:

    Wer die auf dieser Seite präsentierten Fakten liest, kann von „bedauerlichen Einzelfällen“ nicht mehr ernsthaft sprechen. Vielmehr entsteht der Eindruck eines funktionierenden Systems, in dem Treuhänder, Richter, Staatsanwälte und Aufsichtsbehörden in kollusiver Weise agieren. Das Resultat wirkt weniger wie die Arbeit eines rechtsstaatlichen Systems als vielmehr wie das Getriebe einer hochprofessionellen Betrugsmaschine. Umso befremdlicher ist, dass Fürst und Regierung trotz Kenntnis über Jahre hinweg untätig bleiben. Dieses jahrelange Hinnehmen lässt sich kaum anders als bewusste Duldung interpretieren — und bei vielen Beobachtern entsteht der Eindruck, dass hier gezielt eine Struktur geschützt wird, die längst hätte zerschlagen werden müssen.

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    • Organisiertes Ausbeuten von Ausländern in Liechtenstein
      Organisiertes Ausbeuten von Ausländern in Liechtenstein sagte:

      Als Ausländer, als Aussenstehender wird man in Liechtenstein nicht gerecht behandelt und ist Ausbeutungsopfer No. 1 für ein eingespieltes Netzwerk aus kriminellen Treuhändern und nicht neutralen Richtern.

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    • Liechtenstein ist demaskiert
      Liechtenstein ist demaskiert sagte:

      Unzählige Artikel in den Medien haben über ein kriminelles System in Liechtenstein berichtet, durch welches Treuhänder mithilfe von Richtern Stiftungen und Trusts in ihre Gewalt bringen und plündern. Alles unter den fadenscheinigen Behauptungen irgendwelcher Verfehlungen der vom Stifter eingesetzten Verwalter oder selbst der Begünstigten und ebenso fadenscheinigen «neutralen» Gerichtsentscheidungen. Liechtenstein ist demaskiert und die Verantwortlichkeit des Fürsten als Monarchen, der nicht leugnen kann, Kenntnis davon gehabt zu haben, ist von einer tatsächlich neutralen internationalen Stelle zu überprüfen.

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  2. Witkoff
    Witkoff sagte:

    Vielleicht musste der Fürst schon in Washington bei dem Unterhändler Witkoff antanzen, um zu erfahren, für wieviel Hunderte Millionen auf Trumps Privatkonto die USA davon absehen, Liechtenstein platt zu machen.

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  3. Geronimo
    Geronimo sagte:

    In der Zange zwischen den USA mit ihrer Keule OFAC-Sanktionen und Russland – was für ein Horror! Da würde ich anstelle des Fürsten auch untertauchen.

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    • Habermann
      Habermann sagte:

      Der Fürst wurde zuletzt im Februar bei einem 80. Geburtstag in der Öffentlichkeit gesehen. Beim Staatsfeiertag am 15, August ist er nicht erschienen, zum ersten Mal musste man eine Eintrittskarte für die Feier zum Staatsfeiertag besorgen, die es in den Gemeinden gab (nicht für Wolodomyr, Sergej oder Iwan), bei der Hochzeit seiner Enkelin Ende August schlich sich der Fürst heimlich in die Kirche, trat aber nicht in die Öffentlichkeit angeblich wegen eines «Beinleidens».

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  4. Uwe
    Uwe sagte:

    Die in Liechtenstein verstecken Gelder aus der Ukraine? Aus dem korruptesten Land Europas? Echt jetzt? Nein, doch, ohhh! An deren Stelle hätte ich Angst vor den Russen UND den Ukrainskis. Blöde Situation. Ganz blöde Situation.

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  5. "White-collar crime, in particular investment fraud and embezzlement, seems to be a relatively frequent type of proceeds-generating criminality at domestic level."
    "White-collar crime, in particular investment fraud and embezzlement, seems to be a relatively frequent type of proceeds-generating criminality at domestic level." sagte:

    MONEYVAL, der Expertenausschuss des Europarates zur Bewertung von Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung hatte festgestellt:

    «White-collar crime, in particular investment fraud and embezzlement, seems to be a relatively frequent type of proceeds-generating criminality at domestic level.»

    https://rm.coe.int/european-committee-on-crime-problems-cdpc-select-committee-of-experts-/1680716b86

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    • Europarat über Liechtenstein:Wirtschaftskriminalität, namentlich Anlagebetrug und Veruntreuung, erweist sich als eine relativ häufige Quelle kriminell erlangter Vermögenswerte
      Europarat über Liechtenstein:Wirtschaftskriminalität, namentlich Anlagebetrug und Veruntreuung, erweist sich als eine relativ häufige Quelle kriminell erlangter Vermögenswerte sagte:

      Kaum zu glauben, was der Europarat über Liechtenstein gesagt hat:

      „Wirtschaftskriminalität, namentlich Anlagebetrug und Veruntreuung, erweist sich als eine relativ häufige Quelle kriminell erlangter Vermögenswerte.“

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  6. Kletterbimbo - Bruder vom Abseilkönig
    Kletterbimbo - Bruder vom Abseilkönig sagte:

    Ihr vergesst immer, dass es sich bei allen Zahlen (Millarden, Billionen, Billiarden, Trillionen) um binäre und digitale Werte handelt. Auch eine Luxus-Yacht ist nichts anderes als Zahlenreihen …

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  7. Tagesspiegel: «Liechtenstein: Hort der Kriminellen»
    Tagesspiegel: «Liechtenstein: Hort der Kriminellen» sagte:

    Die Zeitungen schreiben doch schon ganz offen und unverblümt über die massive Kriminalität in Liechtenstein, hier der Tagesspiegel:

    Das Fürstentum Liechtenstein ist offenbar nicht nur für Steuerflüchtlinge sondern auch für alle Arten von Kriminellen ein Paradies. Eine spanische Zeitung berichtet über Gelder aus Drogengeschäften und Korruption, die in das Land geflossen sind.
    https://www.tagesspiegel.de/politik/liechtenstein-hort-der-kriminellen-1619899.html

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  8. Schwere und organisierte Kriminalität in Liechtenstein
    Schwere und organisierte Kriminalität in Liechtenstein sagte:

    Aus zahlreichen übereinstimmenden Schilderungen entsteht in Liechtenstein ein düsteres Bild:

    Ein Zusammenspiel von kriminellen Treuhändern mit Richtern und Staatsanwälten soll dafür sorgen, dass Stifter und Begünstigte systematisch entmachtet, ihrer Informationsrechte beraubt und durch fragwürdige Strafanzeigen zermürbt werden sollen. Dann werden die Stiftungen und Trusts durch die Treuhänder geplündert.

    Was hier beschrieben wird, sind keine Einzelfälle, sondern ist ein strukturelles Machtkartell, ein System, das Kontrolle ausschaltet und Missbrauch begünstigt. Wenn diese Vorgänge stimmen, kratzt das gefährlich an der Grenze zur schweren und organisierten Kriminalität.

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  9. Die Welt: Liechtenstein - „Kriminelles System“? Die heiklen Vorwürfe gegen das Geldparadies der Superreichen
    Die Welt: Liechtenstein - „Kriminelles System“? Die heiklen Vorwürfe gegen das Geldparadies der Superreichen sagte:

    Liechtenstein gilt als ideale Schutzzone für große Geldsummen. Doch Einzelfälle wecken Zweifel daran: So soll vereinzelt der Zugriff auf gebunkertes Vermögen entzogen worden sein. Für das Versprechen des Finanzstandorts könnten solche Vorwürfe gefährlich werden.

    https://www.welt.de/wirtschaft/plus255111372/Kriminelles-System-Die-Vorwuerfe-gegen-das-Geldparadies-der-Superreichen.html

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  10. Korruption und Justiz in Liechtenstein
    Korruption und Justiz in Liechtenstein sagte:

    Strafverfahren gegen Richter wegen Fehlurteilen sind in Liechtenstein ausdrücklich ausgeschlossen.

    Damit ist der Wildwest-Justiz in Liechtenstein Tür und Tor geöffnet.

    Questionnaire 2022 of the 1st Study Commission IAJ-IUM “Disciplinary
    proceedings and the judicial independence” (response by the Liechtenstein
    Assocation of Judges [VLR])
    https://www.iaj-uim.org/iuw/documents/report-for-the-1st-study-commission-2022-liechtenstein/?wpdmdl=153177&refresh=6731169ae5e9a1731270298

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  11. "Zombie-Trusts" verursachen Krise für Liechtensteins Finanzplatz
    "Zombie-Trusts" verursachen Krise für Liechtensteins Finanzplatz sagte:

    Liechtenstein hat derzeit ein großes Problem mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten: Rund 800 russlandverbundene Trusts sind durch massenhafte Rücktritte von Treuhändern praktisch handlungsunfähig („Zombie-Trusts“). Das betrifft Milliardenwerte und gefährdet den Finanzplatz, da die Verwaltung dieser Strukturen fehlt und US-Sanktionen drohen. Die Folgen betreffen potenziell den gesamten Finanzplatz, der seine Vertrauenswürdigkeit verloren hat.

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  12. Christina Bartens
    Christina Bartens sagte:

    Das sind schaurige Berichte über Liechtenstein. Ein ehemals ehrwürdiges Land scheint in seinem eigenen Sumpf zu versinken.

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  13. United Nations Convention against Corruption (UNCAC)
    United Nations Convention against Corruption (UNCAC) sagte:

    Liechtenstein ist Vertragsstaat der UNCAC und nahm den multilateralen Review-Mechanismus zur Umsetzung an.
    Im Rahmen dieses Peer-Review-Verfahrens führt die UNODC Länderevaluierungen durch (z. B. Zyklen 2016–2020) – das Ziel ist die Unterstützung bei der Umsetzung von Transparenz- und Rückerstattungsregeln.

    Liechtenstein sollte aufgrund des heutigen Kenntnisstandes zur möglichen Korruption u.a. in der Justiz (siehe GRECO Evaluation) und den Berichten über ein möglicherweise vorherrschendes kriminelles System überprüft werden.

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  14. Insider
    Insider sagte:

    Der Automatische Informationsaustausch (AIA) hat zu einem Rückgang von rund 50.000 Stiftungen in Liechtenstein 2008 auf etwa 8.000 heute und zu massivem Kapitalabfluss und wirtschaftlichem Druck geführt. Dieser Druck hat offenbar einige Treuhänder dazu verleitet, Vermögen zu veruntreuen, was in Liechtenstein nicht so geahndet wird wie in anderen Ländern. Beobachter berichten von korrupten Richtern und Staatsanwälten, welche nicht neutral, sondern zugunsten von Treuhändern mit mehr als fragwürdigen Methoden entscheiden und diese decken würden. Regierung und Fürst wüssten Bescheid, würden aber wegschauen, um den Wohlstand im Land zu halten. Langsam sei die Frage zu stellen, ob dies nicht Züge organisierter Kriminalität aufweisen würde.
    Die Regierung betont, dass Liechtenstein alle internationalen Standards erfüllen würde, was aber nichts beweist. Auch bemängelt der Europarat (GRECO) fehlende Antikorruptionsmassnahmen bei Justiz, Regierungsmitgliedern und dem Staatsoberhaupt, dem Fürsten.

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  15. Insider 2
    Insider 2 sagte:

    AIA Meldungen aus Liechtenstein bei Stiftungen als meldendes Finanzinstitut werden von Untreuhändern absichtlich falsch ausgefüllt …..und von Richter U .und Richterin abgesegnet und gedeckt…….

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