So sollte man es nicht machen; aus einer Polizeimeldung:

«Die Liechtensteinische Landespolizei konnte am vergangenen Wochenende zwei mutmassliche Ladendiebe stellen. Die beiden Diebstähle ereigneten sich am Samstagmittag gegen 11.20 Uhr und am Sonntagmittag gegen 11.30 Uhr in einem Verkaufsgeschäft in Vaduz respektive Schaan. Die Täterschaft habe jeweils Lebensmittel entwendet und in beiden Fällen habe diese noch beim Geschäft von der Polizei zur Rede gestellt und kontrolliert werden können, teilt die Landespolizei mit.»

Es folgt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die mit der ganzen Härte des Gesetzes zuschlagen wird. Lebensmittel entwendet, vermutlich zum Eigengebrauch, möglicherweise aus Hunger. Der Wert des Diebesguts dürfte wohl unter 100 Franken liegen.

Was für Amateure, Versager, Anfänger, Pfeifen. Das geht doch in Liechtenstein ganz anders.

Dazu völlig straffrei, risikolos und ohne dass die Staatsanwaltschaft auch nur den Hauch eines Anfangsverdachts sähe.

Denn es stehen noch ein paar tausend Geldtöpfe herum, in die man nur hineingreifen muss. Wo man sich ungeniert bedienen kann.

Die Voraussetzungen dafür sind überschaubar. Ganz wichtig: man muss ein Treuhänder oder Anwalt sein. Unabdingbar: man muss die Ethik und Moral eines Raubritters haben. Hilfreich: völlige Skrupellosigkeit.

Die Geldtöpfe heissen Stiftungen oder Trusts. Über die verfügen ihre Stiftungsräte, worunter es immer mindestens einen Untreuhänder aus dem Ländle haben muss. Der Stifter, das ist ja der Sinn einer Stiftung, hat zwar das Geld oder die Vermögenswerte in die Stiftung gegeben, sich damit aber seiner Verfügungsgewalt darüber entledigt.

Im Idealfall ist der Stifter verstorben und hat freiwillig zuvor exorbitante Stundenhonorare festgelegt. Zum Beispiel bei der Schweizer Beyeler-Stiftung bezieht der Stiftungsratspräsident für seine Bemühungen einen Stundenlohn von schwindelerregenden 1200 Franken.

Ähnlich Summen greifen sich auch fürstliche Treuhänder ab, wenn das Stiftungsvermögen gross genug ist. Auch einfache Sekretariatsarbeiten werden gerne mit 400 Franken pro Stunde oder mehr in Rechnung gestellt. Und so eine Aktenablage, ein Briefverkehr, der Kontakt mit Ämtern, das kann ungeahnte Stunden, ja Tage verschlingen.

Findet das der noch lebende Stifter oder ein Begünstigter nicht so lustig, dann greift der Stiftungsrat zu Trick 17. Denn selbstverständlich kann er zur Verteidigung seiner Pfründe – Pardon, der Stiftung – nötige Aufwendungen in Rechnung stellen. Die Stiftung bezahlt seine Gegenwehr gegen berechtigte Anliegen des Stifters oder eines Begünstigten. Auf diese Perversion muss man erst mal kommen.

Aber sie geht ja noch weiter. Braucht der liechtensteinische Untreuhänder selbst juristische Unterstützung, kann er selbstverständlich einen Anwalt seiner Wahl hinzuziehen. Der greift dann auch ungeniert ins Stiftungsvermögen, denn dem Untreuhänder ist es herzlich egal, wie viel Geld abfliesst – wenn nur noch genug für ihn übrigbleibt.

Bei gewichtigen Stiftungen gibt es entsprechende Streitwerte, sollte das Ganze vor Gericht gehen. Da kann ein Schriftsatz, gar die Ergänzung eines Schriftsatzes schon mal 30’000 Franken oder mehr kosten – die Stiftung hat’s ja.

Hier kommt dann noch die letzte Stufe der Perversion zum Tragen. Denn der Stifter oder Begünstigte braucht ja seinerseits einen Liechtensteiner Anwalt, um seine Interessen zu verteidigen. Der kassiert dann ebenfalls schwer ab. Und trägt meist auf beiden Schultern.

Und da wären dann noch die Gerichtskosten.

Es ist natürlich ausgeschlossen, dass ein fürstliches Gericht einem fürstlichen Treuhänder, der von einem fürstlichen Anwalt verteidigt wird, nicht Recht geben würde. Um zu diesem von Vornherein festsehenden Urteil zu gelangen, braucht das fürstliche Gericht gerne mal ein, zwei, drei oder mehr Jahre – schon in der ersten Instanz. Und da kommen dann Präsenzstunden, Schriftsätze, Eingaben und Repliken zum Einsatz, für die man einen ganzen Wald in Schweden abholzen musste.

Und Honorarnoten, bei denen es selbst Dagobert Duck ganz anders würde.

Also, liebe Ladendiebe. Lasst das, das ist Amateurkram und peinlich. Nehmt euch ein Beispiel an den richtigen Raubrittern im Fürstentum. Die wissen, wie man’s macht.

23 Kommentare
  1. Liechtensteins Justiz- und Finanzsystem
    Liechtensteins Justiz- und Finanzsystem sagte:

    Die Zahl der ernsthaften und konkreten Vorwürfe gegen das Justiz- und Finanzsystem Liechtensteins nimmt spürbar zu. Zunehmend stellt sich die Frage, ob Liechtenstein weiterhin als verlässlicher Finanzplatz gelten kann. Zahlreiche Betroffene berichten erstmals von Erfahrungen mit einem System, das Merkmale struktureller Korruption aufweist.

    Auf der Gegenseite agieren offenbar eingespielte Netzwerke aus Treuhändern, Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten, die über Jahre hinweg ein routiniertes Vorgehen etabliert haben. Während den Geschädigten häufig die Erzählung vom „bedauerlichen Einzelfall“ präsentiert wird, profitieren die Beteiligten weiterhin von einem System, das grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien unterläuft.

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  2. D. Kantieren
    D. Kantieren sagte:

    In der Stiftung des verstorbenen Dirigenten Herbert von Karajan genehmigt sich der Stiftungsrat Dr. Martin Batliner selbst ein jährliches Stiftungsratshonorar von 100‘000 Franken. Dafür leitet er viermal im Jahr den Bericht des Vermögensverwalters an die Begünstigten weiter. So geht‘s!

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    • Gebrauchsanweisung für Treuhänder – „Made in Liechtenstein“
      Gebrauchsanweisung für Treuhänder – „Made in Liechtenstein“ sagte:

      Dank Martin Batliner und Philipp Wanger wissen wir jetzt, wie Treuhänderei im Fürstentum wirklich funktioniert – oder besser gesagt: wie man sich eine Stiftung einverleibt, ohne mit der Wimper zu zucken.

      Schritt 1:
      Man genehmigt sich aus der Stiftung, die man eigentlich treuhänderisch betreuen sollte, monatlich zwischen 75’000 und 100’000 Franken – pro Nase, versteht sich. Die 25’000 Franken Grundpauschale im Jahr sind da natürlich nur ein symbolisches Trinkgeld.

      Schritt 2:
      Wagt es ein Stiftungsrat oder Begünstigter, gegen dieses Geschäftsmodell juristisch vorzugehen, wird er kurzerhand kaltgestellt. Einfach das gesetzliche Informations- und Kontrollrecht entziehen – und schon ist für drei Jahre Ruhe im Karton. Kontrolle? Transparenz? Nicht im Drehbuch in Liechtenstein vorgesehen.

      Schritt 3:
      Falls der unliebsame Begünstigte danach immer noch nicht aufgibt, wird ihm eben die Begünstigung aberkannt. Problem gelöst – denn ohne Begünstigung kein Antragsrecht. Zack, juristisch aus dem Spiel genommen. Soll er doch jahrelang dagegen klagen!

      Schritt 4:
      Zur Abrundung gibt’s dann noch Strafanzeigen wegen angeblicher Untreue gegen den Begünstigten. Angriff ist die beste Verteidigung – auf Kosten der Stiftung, versteht sich.

      Und das Beste daran:
      Die Kriegskasse für all diese Manöver stammt natürlich direkt aus dem Stiftungsvermögen. Man kämpft also auf fremde Rechnung – gegen die, die man eigentlich schützen sollte. Und auf deren Kosten.

      Wenn das durchgeht – ohne Abberufung durch das Gericht – dann verdienen Batliner und Wanger wahrlich einen Ehrenplatz in der Hall of Fame der liechtensteinischen Treuhänder. Eine Million Franken jährlich als Belohnung für das perfekte Rezept zum Dekantieren, also Ausnehmen einer Stiftung. Und jeder liechtensteiner Treuhänder, der dieses Modell nicht kopiert, wäre dann… naiv. Oder schlicht zu ehrlich für dieses Geschäft.

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    • Treuhänder
      Treuhänder sagte:

      Treuhändersagte:
      6. November 2025 um 11:50
      Dieter Neupert
      Louis Oehri
      Dominik Naeff
      Mario Staggl
      Harry Gstöhl
      Bernhard Lorenz
      Wolfgang Rabanser
      Roland Marxer
      Roland Wyss
      Philipp Wanger
      Martin Batliner
      Norbert Seege

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      • Mann im Mond
        Mann im Mond sagte:

        Das sind sehr heftige Anschuldigungen der Zeitung. Offensichtlich ist Liechtenstein jedoch nicht dagegen vorgegangen, sonst wäre der Artikel nicht mehr im Internet. Vielleicht stimmt Liechtenstein dem ja zu?

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    • Chef
      Chef sagte:

      Diese Treuhänder sind bestimmt der Meinung, dass sie diese Honorare, die sie sich selbst genehmigen, redlich verdient haben. 🤪

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  3. Bermudadreieck Liechtenstein
    Bermudadreieck Liechtenstein sagte:

    In Liechtenstein verschwinden regelmäßig ganze Vermögende durch kriminelle Treuhänder mithilfe bestimmter, namentlich bekannter willfähriger Richter. Dem Fürst, dem Erbprinzen und der Landesregierung ist das selbstverständlich bekannt, sie tun aber so als wüssten sie von nichts und decken diese Machenschaften dadurch. Aber das ist jetzt alles ans Licht gekommen.

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  4. Treuhänderkammer Liechtenstein
    Treuhänderkammer Liechtenstein sagte:

    Die Treuhänder wählen wen zu ihrem Präsidenten? Stefan Wenaweser, von dem jeder weiss, dass er eine Akteneinsicht Dokumente aus Gerichtsakten entwendet hat. Und trotzdem, oder gerade deshalb wählen sie ihn zu ihrem Repräsentanten. Sehr bezeichnend.

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    • Besondere Zuverlässigkeit als Präsident und Vizepräsident der Treuhandkammer
      Besondere Zuverlässigkeit als Präsident und Vizepräsident der Treuhandkammer sagte:

      Als Präsident und Vizepräsident der Liechtensteiner Treuhandkammer muss man offenbar besondere Zuverlässigkeit besitzen.

      Der frühere Vizepräsident der Liechtensteiner Treuhandkammer Anton Wyss wurde von der US-amerikanischen OFAC (Office of Foreign Assets Control) des US-Finanzministeriums sanktioniert, weil er gegen die US-Sanktionen verstossen hatte und Transaktionen mit sanktionierten russischen Geldern gefördert hatte.

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  5. Bernd
    Bernd sagte:

    Wären es welche der untreuen Liechtensteiner Treuhänder gewesen, so hätten sie nicht ein paar Lebensmittel gestohlen, sondern hätten sämtliche Aktien der Lebensmittel-Einzelhandelskette aus der von Ihnen verwalteten Stiftung gestohlen und behauptet, es wären ihre. Und Richter … am Landgericht … und Richter …, …, … am Obergericht hätten ihnen Recht gegeben.

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    • Aktien einfach weg?
      Aktien einfach weg? sagte:

      Aktien aus einer Stiftung einfach verschwunden? Wie so etwas geht kann Ihnen der Liechtensteiner Treuhänder Roland Wyss erklären…

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  6. Briefly-News (South Africa): How U.S. Sanctions Against Russian Oligarchs Paralyzed Liechtenstein’s Trust Industry
    Briefly-News (South Africa): How U.S. Sanctions Against Russian Oligarchs Paralyzed Liechtenstein’s Trust Industry sagte:

    A major crisis has erupted in Liechtenstein, a tiny Alpine principality with a population of about 40,000, as one of the country’s key financial pillars — its trust system — has come under intense pressure. According to Reuters, citing sources familiar with the matter, the government is now considering tightening control over hundreds of Russian-linked trusts after their managers resigned en masse under pressure from Washington.

    A Blow to an Offshore “Haven”

    https://briefly-news.com/en/how-u-s-sanctions-against-russian-oligarchs-paralyzed-liechtensteins-trust-industry/

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  7. Ron Aldo
    Ron Aldo sagte:

    Wer in Liechtenstein nur Lebensmittel klaut, hat sich wohl verfahren. In Liechtenstein werden Millionen geklaut, das weiss doch inzwischen jedes Kind. Und der Fürst schaut zu.

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  8. Der Rolls-Royce unter den Skandalen featuring Dr. Norbert Seeger
    Der Rolls-Royce unter den Skandalen featuring Dr. Norbert Seeger sagte:

    Der nächste bitte…

    Liechtenstein übertrifft sich wieder selbst, indem ein Strafverfahren gegen den Treuhänder Dr. Norbert Seeger eingeleitet worden ist.

    So etwas kann nur im Fürstentum passieren. Die Story ist dermassen unglaublich, dass zunächst versichert werden muss: alles ist wahr, nichts ist erfunden.

    Es geht um den liechtensteinischen Rechtsanwalt, Treuhänder, Honorargeneralkonsul der Republik Nordmazedonien und Träger des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens Norbert Seeger.
    Es geht um den ehemaligen Besitzer der wohl grössten Rolls-Royce-Sammlung der Welt.
    https://untreuhaender.li/2025/10/19/der-rolls-royce-unter-den-skandalen/

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  9. "Domino effect". Zombie trust crisis has spread from Liechtenstein to other offshore jurisdictions
    "Domino effect". Zombie trust crisis has spread from Liechtenstein to other offshore jurisdictions sagte:

    «Domino effect». Zombie trust crisis has spread from Liechtenstein to other offshore jurisdictions
    Paralyzed Liechtenstein trusts managing Russian assets have created problems for subsidiaries in other offshore zones

    Problem russian zombie trusts have spread from Liechtenstein to other offshore locations: British Virgin Islands, the Bahamas and the Cayman Islands, the newspaper reported on Tuesday Financial Times.
    https://finance.liga.net/en/ekonomika/novosti/domino-effect-zombie-trust-crisis-has-spread-from-liechtenstein-to-other-offshore-jurisdictions

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  10. Organisierte Strukturen des Machtmissbrauchs in Liechtenstein
    Organisierte Strukturen des Machtmissbrauchs in Liechtenstein sagte:

    In Liechtenstein besteht ein systemisches Problem im Bereich von Trusts und Stiftungen. Sobald Vermögenswerte in einen liechtensteinischen Trust oder eine Stiftung eingebracht werden, verwandelt sich der zuvor vertrauensvolle Treuhänder mitunter in einen Akteur, der ganz gezielt darauf hinarbeitet, den ursprünglichen Stifter aus der Kontrolle zu drängen – unterstützt durch willfährige Netzwerke in Justiz (Richter und Staatsanwälte) und Verwaltung.

    Ist der Stifter erst entfernt, geht es im nächsten Schritt darum, auch die Begünstigten zu entmachten oder gänzlich auszuschalten. Nicht alle Treuhänder agieren in dieser Weise, doch die Vielzahl an dokumentierten Skandalen weist auf ein strukturelles Problem hin. Es steht der schwerwiegende Verdacht im Raum, dass es sich hier um organisierte, wirtschaftskriminelle Praktiken handelt – bekannt auf höchster Ebene, aber von Fürst und Regierung bislang unbeachtet oder bewusst ignoriert. Nach dem Bericht des Europarats weiss man jetzt auch warum…

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  11. Frederike Hartmann
    Frederike Hartmann sagte:

    In Liechtenstein herrschte ein Klima der Straflosigkeit. Treuhänder und Finanzakteure bewegten sich in einem System, das von Korpsgeist durchzogen war: Richter und Staatsanwälte schützten selbst die fragwürdigsten, wenn nicht sogar kriminellen Praktiken. Wer zur eng vernetzten Finanzelite gehörte, fühlte sich über dem Gesetz. Doch diese Ära ist vorbei. Jetzt richtet sich der Blick der USA auf das Fürstentum – und dort wird man dem schillernden Treiben nicht länger tatenlos zusehen.

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  12. Euroclear to compensate clients for Russian assets / Comment / Forbes
    Euroclear to compensate clients for Russian assets / Comment / Forbes sagte:

    The Belgian authorities have granted Euroclear permission to unblock some of the funds held in the National Settlement Depository (NSD) account. This decision will allow Euroclear to pay compensation to its clients who have suffered losses as a result of Russian court rulings and counter-sanctions.

    The compensation will be paid to Euroclear clients affected by Russian Presidential Decree No. 198 of 19 March 2024, which regulates the payment of funds from “C” type accounts relating to Russian securities in foreign depositories. In August 2024, the NSD wrote off funds from Euroclear’s “C” account in accordance with this decree, but the amount of funds and the number of recipients have not yet been disclosed. Vladimir Putin’s 2024 decree banned the collection of funds from type “C” accounts on the basis of writs of execution, but made an exception for court decisions issued before 3 January that year.

    To date, Russian courts have settled five lawsuits against Euroclear brought by Rosbank, Lider, MTS Bank, Bank Saint Petersburg and former Senator Efim Malkin. The total amount Euroclear has to pay as a result of these decisions is 9.1 billion roubles.

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