Hört sich an wie eine Räuberpistole. Ist aber echt, denn aus Liechtenstein.

Würde das jemand als Drehbuch einreichen, wäre die Antwort: zu absurd, zu unrealistisch, zu unglaubhaft. Allerdings: im Ländle ist so ziemlich alles möglich, was eigentlich unmöglich sein sollte.

Das Vaterland berichtet aus der kriminellen Welt Liechtensteins: «Der Inhalt eines Schliessfachs hätte für 100 Millionen Franken verkauft werden sollen. Dadurch ist ein mutmasslicher Kunstraub aufgefallen.»

Nichts ist erfunden, alles echt. In einem Schliessfach einer Bank im Ländle sollen jahrzehntelang Kunstwerke gelagert worden sein, deren Wert plötzlich auf 100 Millionen Franken geschätzt wurde. Und so ging’s dann weiter:

««Der […] dargelegte Sachverhalt in Bezug auf den Erwerb der zwei Antiquitäten erscheint äusserst unplausibel», stellte die Stabstelle Financial Intelligence Unit (FIU) in ihrer Fallsammlung 2025/1 fest. Diese beschäftigte sich mit dem Fall «Heiliger Gral», nachdem die liechtensteinische Bank ihr Meldung erstattete. Letztere schöpfte Verdacht, als der Treuhänder der Stiftung den Eingang von 100 Millionen Franken ankündigte, weil der Inhalt des Schliess­fachs verkauft werde. Zurecht, denn der «Gral» wurde anschliessend mit einem mutmasslichen Kunstraub in Verbindung gebracht.»

Das Schliessfach war 30 Jahre lang von einer lateinamerikanischen «Gesellschaft» gemietet, die sich ihrerseits vollständig im Besitz einer Liechtensteiner Stiftung befindet. Überall ausserhalb Liechtensteins wären da schon längst die Alarmsirenen erklungen. Aber hier ist das Business as usual.

Die wirtschaftlich Berechtigten der Stiftung sind vier Personen aus dem Ausland. Auch kein Problem hierzulande. Nun kündigte der zuständige Untreuhänder plötzlich an, dass die Stiftung den Eingang von 100 Millionen erwarte. In Cash, versteht sich.

Das war nun selbst für Liechtenstein etwas zu starker Tobak. Zudem wollte es der reine Zufall, dass um diesen Termin herum in dem lateinamerikanischen Land, aus dem das Schliessfach gemietet wurde, diverse Kunstgegenstände beschlagnahmt wurden, die zuvor in Osteuropa geklaut worden waren.

Und weiter, laut Vaterland: «Im Zuge der Beschlagnahmungen der Kunstgegenstände kam es auch zu Verhaftungen. Eine der eingesperrten Personen hatte zuvor versucht, ein Konto bei einer anderen liechtensteinischen Bank zu eröffnen.» Ob erfolgreich oder nicht, das wird allerdings nicht mitgeteilt.

Wir vermuten: wenn dem Kunden nicht gerade eine Kalaschnikow aus dem Mantel fiel bei der Kontoeröffnung, wurde sie durchgeführt. Vielleicht auch dann, zudem wurde möglicherweise darauf hingewiesen, dass man die Kalaschnikow problemlos in einem Schliessfach lagern könne.

Das Vaterland hat noch eine weitere Geschichte mit Schliessfach auf Lager. Hier geht es um ein ziemlich grosses, denn es wurden 35 Koffer voll mit wertvollen Uhren eingelagert. Der Besitzer der Koffer ist ein Betrüger, der zudem den Profit seiner Handlungen auf das Konto seiner Liechtensteiner Stiftung einzahlte. Geldwäschereigesetze? KYC?  Ach was, Geld stinkt nicht.

Aus diesen Fällen schliesst die FIU, die Financial Intelligence Unit, eine Unterorganisation der Finanzmarktaufsicht FMA, messerscharf, «dass Schliessfächer bzw. die sich darin befindlichen Gegenstände ein Reputationsrisiko für Liechtenstein darstellen können».

Können? Ein typisch Liechtensteiner Witz. Nicht nur in dubiosen Scheinkonstruktionen von Stiftungen wird Geld versteckt, gewaschen und transferiert. Noch wilder geht es in den Schliessfächern zu. Denn deren Inhalt muss nicht bekannt gegeben werden.

Erst wenn sich jemand so doof anstellt wie dieser Treuhänder, der plötzlich 100 Millionen als Verkaufserlös erhalten haben will, muss eingegriffen werden.

Aber nur deswegen, weil selbst in Liechtenstein solche Dummheit strafbar ist. Wer’s geschickter macht, muss sich keine Sorgen machen. Diskretion ist im Ländle Unehrensache.

41 Kommentare
  1. Manche Treuhänder sind einfach kriminell
    Manche Treuhänder sind einfach kriminell sagte:

    Die Wirtschaftskriminalität in Liechtenstein ist immens. Es gibt einfach kriminelle Treuhänder. Aber niemand verändert einen anderen, alle halten zusammen. Und der Fürst sieht zu.

    Antworten
  2. Sabine
    Sabine sagte:

    Es vergeht kein Monat, in dem nicht wieder irgendwelche kriminellen Machenschaften in Liechtenstein aufgedeckt werden. Es ist einfach unglaublich, was in dem Land abgeht.

    Antworten
  3. Und der Fürst und der Erbprinz schauen zu
    Und der Fürst und der Erbprinz schauen zu sagte:

    Der Fürst und der Erbprinz, die in dem kleinen Land das letzte Wort haben, wären aufgefordert, Stellung zu der massiven Wirtschaftskriminalität in ihrem Land zu nehmen. Sie schweigen aber alles tot und tun so, als gäbe es diese Wirtschaftskriminalität nicht. Dulden sie sie durch ihr Stillschweigen?

    Antworten
    • Victoria
      Victoria sagte:

      Der Fürst ist der Monarch in seinem Fürstentum, er hat das letzte Wort. Es läge an ihm, zu den Vorgängen in seinem Land Stellung zu beziehen. Bezieht er keine Stellung, so muss man wohl davon ausgehen, dass er die kriminellen Machenschaften in seinem Fürstentum billigt.

      Antworten
    • Wer Kriminalität duldet, macht sich zum Mittäter
      Wer Kriminalität duldet, macht sich zum Mittäter sagte:

      Wer etwas gegen die Kriminalität in einem Land tun könnte, es aber nicht tut, macht sich zum Mittäter.

      Antworten
  4. Lichtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies
    Lichtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies sagte:

    Die WELT hat schon darüber berichtet, dass Liechtenstein in seinem eigenen Sumpf und dem dort existierenden kriminellen System zugrunde geht.

    Lichtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies

    Der Name Liechtenstein taucht immer dann auf, wenn es um große Vermögen geht. Denn im Fürstentum scheint Geld sicherer aufgehoben zu sein als anderswo. Doch immer mehr Fälle lassen Zweifel am zentralen Versprechen des Alpenlandes aufkommen.
    https://www.welt.de/wirtschaft/plus251034324/Geld-Abschied-von-Europas-letztem-Geld-Paradies.html

    Antworten
    • Der kleine Nick
      Der kleine Nick sagte:

      Meinen die in Liechtenstein tatsächlich, dass sie endlos so weitermachen können? Da kommen doch früher oder später die Amerikaner und dann bleibt kein Stein mehr auf dem anderen.

      Antworten
    • Ade Liechtenstein als Finanzplatz
      Ade Liechtenstein als Finanzplatz sagte:

      Bei dem heutigen Wissensstand um die massive Kriminalität in Liechtenstein hat Liechtenstein sich als Finanzplatz disqualifiziert.

      Antworten
  5. Versteckte Kunstsammlung, versteckte Russengelder
    Versteckte Kunstsammlung, versteckte Russengelder sagte:

    Versteckspiel im Ländle: man versteckt geraubte Kunst ebenso wie sanktionierte Russengelder. Hauptsache man macht damit viel Geld.

    Antworten
  6. Ratgeber
    Ratgeber sagte:

    Rat für Betroffene krimineller Aktivitäten in Lichtenstein

    Wir sind eine überregionale Rechtsanwaltskanzlei, haben schon viele Fälle von Wirtschaftskriminalität in Liechtenstein erlebt und raten allen Betroffenen:

    1. Sollten auch Sie Entscheidungen Liechtensteiner Gerichte erhalten haben, die nicht neutral sind, so eskalieren Sie ihren Fall weiter bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Dort ist bekannt, dass Liechtensteiner Gerichtsentscheidungen oftmals nicht neutral sind. Acht von 10 Beschwerden zum EGMR hatten Erfolg. Die Liechtensteiner Gerichte sind an die Entscheidungen des EGMR gebunden.

    2. Melden auch Sie Ihren Fall dem Legal Attache’s Office der U.S.-Botschaft in Bern, einer Aussenstelle des amerikanischen Justizministeriums, welches aufgrund eines besonderen amerikanischen Gesetzes, dem RICO Act weltweite Zuständigkeit im Kampf gegen kriminelle Vereinigungen hat. Mittels des RICO Act erfolgten beispielsweise das Verfahren und die Verurteilungen gegen weltweit verstreute Funktionäre der FIFA.

    U.S. Embassy in Switzerland and Liechtenstein
    Attn Legal Attaché’s Office
    Sulgeneckstrasse 19
    3007 Bern

    Sollten Ihnen Ihre Liechtensteiner Rechtsanwälte davon abraten, wissen Sie, dass diese ihre eigenen Interessen als Liechtensteiner vertreten und nicht Ihre.

    Antworten
    • Justiz nicht neutral
      Justiz nicht neutral sagte:

      Wenn 80 % der Gerichtsurteile Lichtensteiner Gerichte vom Europäischen Gerichtshof aufgehoben we europäischen Gerichtshof aufgehoben werden werden, liegt nahe, dass es in Liechtenstein Richter gibt, die „nicht neutral“ sprich ko…. sind.

      Antworten
  7. Advice
    Advice sagte:

    We are an international law firm with extensive experience in handling cases of white collar crime in Liechtenstein. Based on our experience, we strongly advise the following steps for those affected:

    1. Appeal to the European Court of Human Rights (ECHR):
    If you have received court rulings from Liechtenstein that lack neutrality, it is imperative to escalate your case to the ECHR. It is well-documented that Liechtenstein court decisions are often not impartial. The Liechtenstein judiciary is bound by the decisions of the ECHR.

    2. Report Your Case to the U.S. Embassy’s Legal Attaché Office in Bern:
    Inform the Legal Attaché Office, a branch of the U.S. Department of Justice, about your case. Under the RICO Act (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act), the U.S. has global jurisdiction to combat organized crime. The RICO Act has been used in high-profile cases, such as prosecuting officials associated with FIFA across the globe.

    Contact Information:
    U.S. Embassy in Switzerland and Liechtenstein
    Attn: Legal Attaché’s Office
    Sulgeneckstrasse 19
    3007 Bern

    3. Be cautious of advice from Liechtenstein-based attorneys:
    If your Liechtenstein lawyer advises against taking such actions, be aware that they may prioritize their local interests over yours.

    Antworten
  8. Consejos
    Consejos sagte:

    Somos una firma de abogados internacional con una amplia experiencia en la gestión de casos de delitos de cuello blanco en Liechtenstein. Basándonos en nuestra experiencia, recomendamos encarecidamente los siguientes pasos para quienes se vean afectados:

    1. Apelar al Tribunal Europeo de Derechos Humanos (TEDH):
    Si ha recibido sentencias judiciales de Liechtenstein que carecen de neutralidad, es imperativo escalar su caso al TEDH. Está bien documentado que las decisiones judiciales en Liechtenstein a menudo no son imparciales. El poder judicial de Liechtenstein está vinculado por las decisiones del TEDH.

    2. Denunciar su caso a la Oficina del Agregado Legal de la Embajada de EE. UU. en Berna:
    Informe sobre su caso a la Oficina del Agregado Legal, una rama del Departamento de Justicia de EE. UU. Bajo la Ley RICO (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act), EE. UU. tiene jurisdicción global para combatir el crimen organizado. La Ley RICO se ha utilizado en casos de alto perfil, como el enjuiciamiento de funcionarios vinculados a la FIFA en todo el mundo.

    Información de contacto:
    U.S. Embassy in Switzerland and Liechtenstein
    Attn: Legal Attaché’s Office
    Sulgeneckstrasse 19
    3007 Bern

    3. Sea cauteloso con los consejos de abogados con sede en Liechtenstein:
    Si su abogado en Liechtenstein le aconseja no tomar tales acciones, tenga en cuenta que pueden estar priorizando sus intereses locales por encima de los suyos.

    Antworten
  9. Совет для пострадавших от преступной деятельности в Лихтенштейне!
    Совет для пострадавших от преступной деятельности в Лихтенштейне! sagte:

    Мы — межрегиональная юридическая фирма, имеющая значительный опыт работы с делами о экономических преступлениях в Лихтенштейне. Мы советуем всем пострадавшим предпринять следующие шаги:

    1. Обжалование решений судов Лихтенштейна в Европейском суде по правам человека (ЕСПЧ):
    • Если вы получили решение суда Лихтенштейна, которое считаете несправедливым или предвзятым, подавайте жалобу в ЕСПЧ.
    • Известно, что многие судебные решения в Лихтенштейне могут быть необъективными. Статистика показывает, что 8 из 10 жалоб против Лихтенштейна в ЕСПЧ увенчались успехом.
    • Лихтенштейн обязан соблюдать решения ЕСПЧ, так как является членом Совета Европы и подписантом Европейской конвенции по правам человека (ЕКПЧ).

    2. Сообщите о своём случае в Офис юридического атташе посольства США в Берне:
    • Legal Attaché’s Office является подразделением Министерства юстиции США (FBI) и занимается международным правовым сотрудничеством.
    • В рамках американского закона RICO Act (Закон о борьбе с рэкетом и коррумпированными организациями) можно преследовать преступные организации по всему миру.
    • Закон RICO применялся, например, для привлечения к ответственности высокопоставленных чиновников ФИФА, вовлеченных в коррупционные схемы по всему миру.

    Контактные данные для обращения:
    U.S. Embassy in Switzerland and Liechtenstein
    Attn: Legal Attaché’s Office
    Sulgeneckstrasse 19
    3007 Bern, Швейцария

    3. Осторожно при выборе адвокатов в Лихтенштейне:
    • Имейте в виду, что некоторые местные адвокаты могут защищать интересы лихтенштейнских структур, а не ваши личные интересы.
    • В некоторых случаях может быть полезно привлечь международных адвокатов, которые не зависят от местных органов власти и не подвержены их влиянию.

    Если у вас есть вопросы о подаче жалоб в ЕСПЧ или обращении в Офис юридического атташе США, могу предоставить дополнительную информацию.

    Antworten
    • Das ist alles nicht mehr zu glauben!
      Das ist alles nicht mehr zu glauben! sagte:

      Die Zeitungen schreiben völlig unverblümt über Finanzsumpf in Liechtenstein. Und in Liechtenstein tut man so, als sei eitel Sonnenschein, sei das Land und seine Strukturen wie Trusts und Stiftungen sicher. Was für ein scheinheiliges Land!

      Antworten
    • Liechtenstein = rechtsfreies Gebiet
      Liechtenstein = rechtsfreies Gebiet sagte:

      Liechtenstein ist ein rechtsfreier Raum, Untreuhänder rauben Trusts und Stiftungen mit Duldung von oben aus.

      Antworten
  10. Wenn von einer zypriotischen Gesellschaft mit einem russischen Geschäftsführer Gelder kommen, schöpft niemand in Liechtenstein Verdacht...
    Wenn von einer zypriotischen Gesellschaft mit einem russischen Geschäftsführer Gelder kommen, schöpft niemand in Liechtenstein Verdacht... sagte:

    Komisch, wenn hohe Summen von zypriotischen oder Cayman Gesellschaften kommen, die gegen den Wind nach sanktionierten russischen Geldern stinken, gibt es keinen Verdacht bei den Banken.

    Antworten
  11. Herbert
    Herbert sagte:

    Diese Webseite bringt einen Mafiathriller nach dem anderen. Liechtenstein scheint ein so unseriöses Pflaster zu sein.

    Antworten
  12. Norbert Schramm
    Norbert Schramm sagte:

    Die Enthüllungen in diesem Blog sind erschütternd und zeichnen ein sehr düsteres Bild vom Fürstentum Liechtenstein.

    Antworten
  13. Der Anfang vom Ende eines Finanzplatzes
    Der Anfang vom Ende eines Finanzplatzes sagte:

    „Finanzsumpf“, „Treue Hände – schmutzige Hände“,“Abschied von Europas letztem Geld-Paradies“ usw.
    Ein Finanzstandort braucht Seriösität und Vertrauenswürdigkeit. Liechtenstein scheint beides nicht zu haben.

    Antworten
  14. Peter Hahn
    Peter Hahn sagte:

    Ich habe gerade diesen Blog durchgesehen und bin schockiert über die Vielzahl der Berichte über die Wirtschaftskriminalität in Liechtenstein.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert