Das Geschäftsprinzip in der Liechtensteiner Räuberhöhle.

Sauereien, Schweinereien, bestohlene Inhaber und Begünstigte von Stiftungen, Banken-Skandale, Russengelder. Schweigen ist Gold im Ländle, wer aufmuckt, wird an seinen Platz verwiesen. Schliesslich kennt fast jeder jeden, ist vernetzt, verbandelt, verpflichtet, abhängig.

Jeder weiss über den anderen Dinge, die der auf keinen Fall in der Öffentlichkeit sehen möchte. Ein Treuhänder hat ein uneheliches Kind mit einer Richterin, mein Gott, das Fleisch ist schwach. Solange der Wille zum Geldscheffeln stark ist, ist doch alles in Ordnung.

Und dann die grossen, braunen Flecke. Das erinnere ihn an dunkle Zeiten in Deutschland, polterte Fürst Hans-Adam II, als der deutsche Fiskus mit einer aus der fürstlichen Bank LGT gestohlenen Kundendatensammlung die Schwarzgeldbunker in die Luft sprengte.

Stattdessen hätte er sich doch an dunkle Zeiten erinnern können, als der Renommier-Unternehmer der heute noch weltweit tätigen Werkzeugschmiede Hilti ein dunkelbrauner, überzeugter Nazi war.

Zusammen mit seinem Bruder hatte Martin Hilti (1915 bis 1997) die Technologiefirma gegründet. Hilti war Mitglied der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein. Sie und er wollten unbedingt den Anschluss ans Dritte Reich. Als «Schriftführer» der Zeitschrift «Der Umbruch» trommelte er dafür.

Juden raus aus Liechtenstein, Geflüchtete wurden namentlich genannt und beschimpft. So auch der Vater des bekannten Theatermanns Werner Wollenberger. O-Ton:

«Jud Wollenberger ist ein Parasit und ein Zwietrachtstifter in der Gemeinde. Die Schaaner fordern eindeutig die Ausweisung des Juden Wollenberger.»

Und nach 1945? Der Jud Wollenberger überlebte und prozessierte gegen Hilti, der bekam eine kleine Geldstrafe aufgebrummt.

Sonst? Nichts, Schweigen, Omertà. Die braune Gesinnung des Gründers kommt in der Firmengeschichte nicht vor, sei seine Privatangelegenheit gewesen. Gelegentliche Publikationen, ja Bücher zum Thema werden in Liechtenstein nicht besprochen, kein Thema.

In Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, dann auch in Spanien fanden Versuche der Bewältigung der braunen Vergangenheit statt. Nicht so in Liechtenstein. Das Ländle will unschuldig und rein glänzen.

Aber wer in der Lage ist, eine solche Schweinerei in der Vergangenheit totzuschweigen, der kann natürlich auch problemlos alle aktuellen Schweinereien übergehen, als wäre nichts passiert.

Treuhandkammer, Parlament, Regierung, der Justizapparat, das Fürstenhaus?

Ausser «bedauerliche Einzelfälle, von der Sensationspresse zum Skandal hochgeschrieben», ist nicht zu hören. Wobei auch das die Ausnahme ist. Geht vorbei, sagen sich die Liechtensteiner, ist nur Neid, weil es uns so gut geht.

Ist doch jeder selber schuld, soll halt mal die Stiftungsurkunde genauer durchlesen; das ist dann nicht mehr sein Vermögen. Wenn der Liechtensteiner Untreuhänder in die Geldtöpfe greift, das ist doch sein Recht. Das bestätigen schliesslich auch die Gerichte. Also was soll der Lärm?

Ab und an wird sogar einer verurteilt, wenn er es zu tollkühn getrieben hat, darunter auch honorige Persönlichkeiten, denen man das nicht zugetraut hätte. Aber wer legt sich auch schon eine brasilianische Geliebte zu. Beim Puffbesuch oder als Escort ist das ja okay. Aber gleich so viel Geld nachschmeissen? Offensichtlich ein Irrer.

Verdrängung und Totschweigen als Existenzprinzip. Das kann lange gutgehen. Aber nicht allzu lange.

31 Kommentare
  1. Johannes G.
    Johannes G. sagte:

    Es ist gängige Praxis in Liechtenstein, bei Finanzskandalen und fragwürdigen Machenschaften wegzusehen. Die Verdrängung und das Totschweigen solcher Themen ist Prinzip. Das mag zwar im Augenblick alles vertuschen, zerstört aber die Reputation Liechtensteins.

    Antworten
  2. Mein Name ist Haase...
    Mein Name ist Haase... sagte:

    Die neue Regierungschefin in Liechtenstein muss sich entscheiden. Weiter wie bisher und alles vertuschen und herunterspielen, unter den Teppich kehren. Oder sich aber gegen massive Widerstände durchsetzen und aufräumen und den Saustall ausmisten. Die Mehrheit im Land will wohl ein Ausmisten, sonst hätte es den Weiter-so-wie bisher-Kandidaten gewählt.

    Antworten
    • Ludwig K.
      Ludwig K. sagte:

      Die Finanzbranche in Liechtenstein ist ein stark verwobenes Netzwerk, welches der neuen Regierungschefin massiven Widerstand leisten wird. Man will weiter seinen Machenschaften nachgehen wie bisher und die neue Regierungschefin müsste diese massiven Widerstände der Finanzbranche und vermutlich selbst von Landtagsabgeordneten überwinden.

      Antworten
    • Good Bunny
      Good Bunny sagte:

      Auch wenn sich Frauen bekanntlich nicht leicht in korrupte Netze einbinden lassen, so müsste Brigitte Haas schon sehr viel Courage aufbringen, um gegen das kriminelle System im Ländle anzugehen. Widerstand auf allen Ebenen ist ihr garantiert.

      Antworten
    • Don Corleone
      Don Corleone sagte:

      Die neue Regierungschefin ist doch nicht blöd und wird wird sich nicht mit der Mafia anlegen. Also was tun? So tun als ob man von nichts wisse.

      Antworten
  3. Korpsgeist
    Korpsgeist sagte:

    Dadurch, dass in Liechtenstein jeder mit jedem verwandt oder verschwägert ist, gibt es eine besonders starke Form des Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der geschlossenen Gruppe. Es gibt eine “Wir-gegen-sie”-Mentalität, bei der Ausländer als minderwertig oder sogar feindlich, jedoch als Ausbeutungsopfer betrachtet werden.

    Die laufenden Skandale, bei denen ausländische Stiftungen mit Hilfe der Justiz gekapert und geplündert werden sind die besten Beispiele. Aufgrund des Korpsgeistes haben manche beteiligten Treuhänder, Staatsanwälte und Richter keine Skrupel, Recht und Gesetz zu brechen. In ihren Augen gehört sich dies innerhalb der Gruppe so. Das Gleiche gilt selbst für die Liechtensteinische Landesbank LLB, die das Bankgeheimnis und den Datenschutz bricht, um einen Treuhänder, Martin Batliner, zu unterstützten. Und für Staatsanwälte, die dies mittragen.

    Liechtenstein ist kein Rechtsstaat (allein schon deswegen, weil eine Monarchie per Definition kein Rechtsstaat sein kann), jeder Ausländer, der sich mit einem Treuhänder und/oder einer Bank einlassen möchte muss wissen, dass er dem Korpsgeist ausgeliefert ist und Recht und Gesetz scheinbar überhaupt keine Geltung haben.

    Es gibt jedoch auch in Liechtenstein aufrichtige, unerschrockene und mutige Politiker*innen und Richter*innen, die ethisch zuverlässig sind, dem äusseren Druck standhalten und sich nicht in korrupte Netzwerke verwickeln lassen. Deren Aufrichtigkeit in einem grundsätzlich korrupten System ist bewundernswert.

    Antworten
    • Peer Baumann
      Peer Baumann sagte:

      Von einem solchen Geklüngel sollte man sich fernhalten. Wenn Liechtenstein nicht neutral verwaltet wird und keine neutrale Gerichtsbarkeit hat, ist es als Finanzstandort nicht wettbewerbsfähig.

      Antworten
  4. Omertà
    Omertà sagte:

    Schon vielen Stiftern und ihren Erben/Begünstigten ist ihr Vermögen im Ländle abhanden gekommen. Die Stiftungsräte, Treuhänder, Richter und Rechtsanwälte sind eine ‹verschworene› Gemeinschaft. Schweigen ist Gold – Omertà. Hände falten, Goschen halten. Alles unter den Augen und dem Schutz der Obrigkeit. Ein äusserst erfolgreiches Geschäftsmodell.

    Antworten
  5. Frederik B. M.
    Frederik B. M. sagte:

    Liechtenstein hat aufgrund der anhaltenden Skandale, der mutmaßlich rechtswidrigen Strukturen und einer offensichtlich nicht unabhängigen Justiz seine Reputation als verlässlicher Finanzstandort eingebüßt.

    Antworten
  6. Die Welt schreibt: «Liechtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies»
    Die Welt schreibt: «Liechtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies» sagte:

    Verdrängen, vertuschen und totschweigen geht nicht auf Dauer gut. Es kommt zu viel an die Oberfläche und die Reputation Liechtensteins als vertrauenswürdig ist nachhaltig zerstört. Und so schreibt die Welt:

    «Liechtenstein: Abschied von Europas letztem Geld-Paradies»

    Der Name Liechtenstein taucht immer dann auf, wenn es um große Vermögen geht. Denn im Fürstentum scheint Geld sicherer aufgehoben zu sein als anderswo. Doch immer mehr Fälle lassen Zweifel am zentralen Versprechen des Alpenlandes aufkommen.

    Antworten
  7. Achtung! Liechtensteiner Trusts höchst riskant!
    Achtung! Liechtensteiner Trusts höchst riskant! sagte:

    Achtung! Liechtensteiner Trusts sind ebenso wie Liechtensteiner Stiftungen höchst riskant!

    Leidgeplagte liechtensteinische discretionary trusts: nun auch höchstgerichtliche Rechtsschutzverweigerung

    Während der beneficiary beim common law trust gemeinhin als ,,equity´s darling”gilt, schlägt das Pendel in Liechtenstein zusehends in eine entgegengesetzte Richtung. Hier zeichnet sich ein massiver Abbau des Begünstigtenrechtsschutzes durch die Gerichtsbarkeit ab. Aufgrund der aktuellen Gesetzesanwendung durch die liechtensteinischen Rechtsfürsorgegerichte ist nun ein nachhaltiger Reputationsverlust des „Truststandorts“ Liechtenstein zu befürchten.
    https://kanzleiboesch.com/files/kanzlei-boesch/Publikationen/PDF/Leidgeplagte%20liechtensteinische%20discretionary%20trusts.pdf

    Antworten
  8. Vorsicht geschlossene Gesellschaft
    Vorsicht geschlossene Gesellschaft sagte:

    Eine parteiische Justiz kann bestehende Netzwerke von Korruption und Vetternwirtschaft weiter verstärken. Entscheidungen werden nicht auf rechtlicher Grundlage, sondern im Interesse einzelner Machtgruppen getroffen. Alle halten zusammen. Man sollte sich genau überlegen, ob man sich darauf einlassen möchte.

    Antworten
  9. Wo bleibt die Transparenz?
    Wo bleibt die Transparenz? sagte:

    Die Kultur des Schweigens und der Vertuschung in Liechtenstein ist bekannt. Sie trägt dazu bei, dass Finanzgeschäfte in Liechtenstein als risikoreich gelten.

    Antworten
  10. Mafiöse Strukturen?
    Mafiöse Strukturen? sagte:

    Die Machenschaften in Liechtenstein werden oft als mafiös beschrieben, weil sie Ähnlichkeiten mit den Methoden und Strukturen der Mafia aufweisen. Es gibt eine starke Vernetzung und Loyalität innerhalb der beteiligten Gruppen, die oft familiär oder durch enge Beziehungen verbunden sind. Es herrscht eine Kultur des Schweigens, auch bekannt als Omertà. Kritiker werden durch Einschüchterungen zum Schweigen gebracht. Zudem wird berichtet, dass rechtliche Verfahren absichtlich in die Länge gezogen werden, um Betroffene zu zermürben.

    Diese Strukturen fördern Korruption und Vetternwirtschaft und untergraben das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit des Landes. Was denkst du über diese Dynamik?

    Antworten
  11. Massimo
    Massimo sagte:

    Das unbedingte Schweigegebot innerhalb der Organisation. Eine Art Ehrenkodex, der Loyalität und Verschwiegenheit fordert. Das Schweigegebot symbolisiert die Macht und den Zusammenhalt in der Organisation.

    Antworten
  12. Michael
    Michael sagte:

    Ständiges Skandale, fehlende Transparenz, eine anscheinend nicht neutrale Justiz und Vertauschung von alldem. Er möchte nicht mit Liechtenstein geschäften.

    Antworten
  13. Schweigen als Strategie
    Schweigen als Strategie sagte:

    In Liechtenstein scheint eine Kultur des Schweigens und der Verdrängung tief verwurzelt zu sein. Diese Haltung wird durch enge soziale und berufliche Netzwerke verstärkt, in denen fast jeder mit jedem verbunden ist. Es herrscht eine Art Korpsgeist, der Loyalität innerhalb der Gruppe fördert und Kritik oder Transparenz unterdrückt

    Antworten
  14. Supermario
    Supermario sagte:

    Bei der Kirche war das genauso. Totschweigen und vertuschen der Skandale hat alles nur noch schlimmer gemacht. Erst als die aktive Aufarbeitung begann, gewann die Kirche wieder Glaubwürdigkeit.

    Antworten
  15. Rolf S.
    Rolf S. sagte:

    Fürst, Regierung und Presse in Liechtenstein schweigen alles tot, da die Kriminalität im Land geschützt und gedeckt werden soll. Anderenfalls würden Skandale ja angeprangert und aufgearbeitet werden.

    Antworten
  16. Tortschweiger
    Tortschweiger sagte:

    Die Presse in Liechtenstein berichtet selten über Skandale, da sie oft mit den gleichen Netzwerken verbunden ist, die diese Kultur des Schweigens unterstützen. Zudem spielen wirtschaftliche und politische Interessen eine Rolle, da negative Berichterstattung den Ruf des Landes und seiner Finanzbranche schädigt.

    Diese Dynamik ermöglicht es, dass Skandale und kriminelle Aktivitäten oft unentdeckt bleiben oder als „bedauerliche Einzelfälle“ abgetan werden. Langfristig zerstört dies jedoch das Vertrauen in Liechtenstein als Finanzstandort und vorgeblicher Rechtsstaat erheblich.

    Antworten
  17. Finger weg von Liechtenstein!
    Finger weg von Liechtenstein! sagte:

    Das erscheint schon alles sehr mafiös in Liechtenstein. Wer sich darauf einlässt ist selber schuld. Ist so ähnlich wie russisches Roulette.

    Antworten
  18. Petrus
    Petrus sagte:

    Soll der Papst mal ran und aufräumen im erzkatholischen Ländle, seine Bewohner anhalten, sich an die 10 Gebote zu halten !

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert