Was geht in Hans-Adam Liechtenstein vor, des Nachts?

Zunächst müssen wir die Majetätsbeleidigung rückgängig machen. Es ist natürlich Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein, und Seine Durchlaucht, bitte.

Der Fürst sitzt alleine in seinem fürstlichen Bett. Der Nachttopf steht bereit, die Dienerschaft hat ihn ausgekleidet und in seine Schlafgewänder gehüllt. Das edle Damastduvet aufgeschlagen, die Kissen zurechtgerückt, die Beleuchtung nach seinen Wünschen adjustiert. Mit dem üblichen «noch einen Wunsch, Ihro Durchlaucht?», haben sie sich mit Kratzfuss zurückgezogen, da er nur mit der Hand huldvoll winkte.

Nun liegt der Notfallknopf neben ihm, das Glas Wasser und die Medikamente stehen bereit, zur Lektüre ist der Fürst zu müde. So schweifen die Gedanken.

Schliesslich lässt man mit 80 das Leben Revue passieren, zieht Bilanz, denkt daran, wie es wohl sein wird, wenn der Herr ihn zu sich gerufen hat.

Mein Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft war eine gute Idee, denkt er zufrieden. Wann war das schon wieder? Ach ja, 1969 war der Abschluss. Vater Franz Josef war nicht sonderlich glücklich damit, schien ihm viel zu bürgerlich, erinnert er sich.

Aber er konnte noch erleben, wie ich das fürstliche Vermögen wieder auf Vordermann brachte, obwohl er immer sagte, dass Blaublüter Geld nicht mal anfassen sollten. 

Das Leben ist Pflicht, seufzt Hans-Adam dann, nicht alles hat gefallen. Meine Ehe mit Marie, Gott habe sie selig. Auch hier die Pflicht erfüllt, zuerst Erbprinz Alois, dann Maximilian, dann Constantin – auch ihn habe Gott selig, wieso er es hienieden nicht mehr ausgehalten hat, werde ich nie verstehen.

Und schliesslich noch Tatjana. Genug Nachkommen habe ich, damit die Linie weitergeht, beruhigt er sich.

20 Jahre lang habe ich die Staatsgeschäfte geführt, mich um meine Untertanen gekümmert, Liechtenstein Wohlstand und Frieden gebracht, uns aus allen Händeln herausgehalten, nickt er.

Aber diese ewigen Zeremonien, das Winken in die Menge, die Empfänge, das Herumsitzen, ständig musste ich mir langweiliges Gewäsch anhören und dazu ein freundliches Gesicht machen, furchtbar.

Was musste ich an Kritik einstecken, aber Liechtenstein hat doch keine natürlichen Ressourcen, ist ein kleiner Fleck. Was bot sich da anderes an, als es zum Finanzplatz zu machen? Die LGT, die Liechtensteinisches Landesbank, beide habe ich geformt, zu, wie heisst da schon wieder der englische Ausdruck, zu Power-Häusern gemacht.

Aber dann dieser Mist mit den Schwarzgeldern. Uns geht doch der steuerliche Zustand uns anvertrauter Gelder nichts an, das hat Herbert Batliner doch ganz richtig gesagt. Aber dann hat er Dinge getan, also wirklich.

Hans-Adam setzt sich im Bett etwas auf und wird energisch. Das waren doch Nazi-Methoden von den Deutschen, einfach von einem Dieb unsere Kundendaten kaufen und gegen uns verwenden. Aber als ich das offen aussprach, meine Güte, das gab dann ein Geschrei. Aber in der Erinnerung lächelt er.

Immer diese Krakeeler, der Pleps, die sensationsgierigen Medien, kein Anstand mehr in der Welt, schüttet er den Kopf. Dabei fällt ihm die Lesebrille hinunter, er bemerkt es nicht.

Blutgelder, Diktatorengelder, kriminelle Gelder, jetzt noch Russengelder, das alles muss ich mir anhören. Und kann mich nicht mehr dagegen wehren. Ob Alois es packen wird? Er konnte ja schon 20 Jahre üben. Nur ein, zwei Mal musste ich ihm sagen, dass Maximilian durchaus geeignet wäre, das Wappen weiterzutragen. Am liebsten wäre mir Constantin gewesen. Aber der war zu unstet, wollte die Bürde meiner Last nicht tragen, ging weg. Und jetzt ist er ganz weg.

Der Fürst wird melancholisch. Und dann wirft man mir vor, ein mittelalterlich-absolutistischer Herrscher zu sein. Soll doch mal einer kommen und es mir nachmachen, verdammt. Der Fürst erschrickt, blickt nach oben und sagt: verzeih.

Pecunia non olet, wieso verstehen das die niederen Stände nicht? Es ist doch offensichtlich, dass ich Gottes Werkzeug bin, seinen Weinberg hege und pflege. So viel Undank, manchmal sogar Spott muss ich ertragen. Das war früher anders, da wären solchen Schreihälsen Mores gelehrt worden. Natürlich waren die Methoden in der Folterkammer unten im Schloss aus heutiger Sicht barbarisch. Aber es herrschte Ruhe, jeder wusste, wo sein Platz ist.

Und jetzt kommen die Amis mit diesem Trump, was für ein ungehobelter Geselle, wie der schon aussieht. Würdelos, ein Emporkömmling, und das sind die Schlimmsten.

Früher war schon alles besser, ist er überzeugt, und unmerklich nicht er ein. Zufrieden mit sich, unzufrieden mit der Welt.

18 Kommentare
  1. Stephan Pfister
    Stephan Pfister sagte:

    Werden Korruption und kriminelle Machenschaften aufgedeckt, ist eine entschlossene, transparente und glaubwürdige Reaktion des Fürsten als Monarchen unerlässlich, um das Vertrauen in das Land wiederherzustellen. Er muss deutlich machen, dass ihm an einer umfassenden Aufklärung gelegen ist. Zögern oder Verschleierung hingegen schaden dem Ansehen des Landes nachhaltig und ziehen wirtschaftliche Folgen nach sich.

    Antworten
    • Elena
      Elena sagte:

      Wo bleiben der Fürst oder der Erbprinz, wenn es um die Bekämpfung der Kriminalität in ihrem Land geht? Oder dulden sie diese etwa stillschweigend?

      Antworten
    • Mike us ZH
      Mike us ZH sagte:

      Häsch’s no immer nöd begriffe? Er wüsst alles, aber er macht nüt dergägen. Wieso? Ja, das cha ja nur dr Untertane z’Guet cho. Und zfrideni Untertane sind brave Untertane.

      Antworten
  2. Diplomat
    Diplomat sagte:

    Der Fürst warf Deutschland unter anderem vor, sich mit Methoden zu bedienen, die an das “Vierte Reich” erinnerten – eine Anspielung auf das nationalsozialistische Dritte Reich. Außerdem verglich er das Vorgehen des Bundesnachrichtendienstes (BND), der gestohlene Kundendaten der LGT gekauft hatte, mit dem Vorgehen der Gestapo (der Geheimpolizei im Dritten Reich).

    Diese Aussagen sorgten für erhebliche diplomatische Spannungen zwischen Deutschland und Liechtenstein.

    Antworten
  3. Werner Hofmann
    Werner Hofmann sagte:

    Warum geht der Fürst nicht gegen die Wirtschaftskriminalität und Korruption in seinem Land vor? Als Monarch könnte er dies. Wenn man bei Google eingibt «Liechtenstein, Treuhänder, Skandale» kommen über 10’000 Treffer. Und das ist nur das Ergebnis auf Deutsch. Hat der Fürst das nötig?

    Antworten
  4. wenn schon der Tagi schreibt: Internationale Finanzkriminalität::Liechtensteins weisse Fassade bröckelt
    wenn schon der Tagi schreibt: Internationale Finanzkriminalität::Liechtensteins weisse Fassade bröckelt sagte:

    Der Tagesanzeiger: Internationale Finanzkriminalität::Liechtensteins weisse Fassade bröckelt

    Das Fürstentum präsentiert sich seit Jahren als sauberen Finanzplatz. Nun erschüttern neue Skandale das Selbstbild. Es geht um Mafia-Geschäfte und veruntreute Staatsgelder aus Venezuela.
    https://www.tagesanzeiger.ch/liechtensteins-weisse-fassade-broeckelt-971207461924

    Sollte man sich nicht einmal Gedanken machen, dass nicht mehr alles vertuscht und verschleiert werden kann, sondern ans Tageslicht kommt? Will der Fürst die Verantwortung dafür tragen, dass die Fassade seines Landes zerbröckelt?

    Antworten
  5. LIECHTENSTEIN „Kriminelles System“? Die heiklen Vorwürfe gegen das Geldparadies der Superreichen
    LIECHTENSTEIN „Kriminelles System“? Die heiklen Vorwürfe gegen das Geldparadies der Superreichen sagte:

    LIECHTENSTEIN
    „Kriminelles System“? Die heiklen Vorwürfe gegen das Geldparadies der Superreichen

    Liechtenstein gilt als ideale Schutzzone für große Geldsummen. Doch Einzelfälle wecken Zweifel daran: So soll vereinzelt der Zugriff auf gebunkertes Vermögen entzogen worden sein. Für das Versprechen des Finanzstandorts könnten solche Vorwürfe gefährlich werden.
    https://www.welt.de/wirtschaft/plus255111372/Kriminelles-System-Die-Vorwuerfe-gegen-das-Geldparadies-der-Superreichen.html

    Antworten
  6. Harry
    Harry sagte:

    Der arme Fürst! Gerade eben erst hatte er das Frauenwahlrecht, welches erst 1984 als letztes Land in Europa eingeführt wurde, verschmerzt, jetzt kam zum 1. Januar 2025 noch die gleichgeschlechtliche Ehe dazu. Er leidet bestimmt sehr.

    Antworten
  7. Bahnwärter Thiel
    Bahnwärter Thiel sagte:

    Liechtenstein: vom Verschiebebahnhof für nicht versteuertes Geld zum Verschiebebahnhof für sanktionierte Russengelder.

    Antworten
  8. «US-Regierung nimmt Liechtenstein ins Visier»
    «US-Regierung nimmt Liechtenstein ins Visier» sagte:

    Das hier würde mir als Fürst wegen der Russenmilliarden schlaflose Nächte bereiten:

    Süddeutsche Zeitung

    «US-Regierung nimmt Liechtenstein ins Visier»
    Treuhänder im Fürstentum tarnten und verwalteten die Vermögen russischer Oligarchen. Auch Wladimir Putin nutzte ihre Dienste. Nun landete der erste Treuhänder auf einer US-Sanktionsliste. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/treuhaender-liechtenstein-unternehmen-sanktionen-vermoegen-russland-ukraine-krieg-1.5804659

    Antworten
  9. Züri Ost: I schänke dir mis Gäld
    Züri Ost: I schänke dir mis Gäld sagte:

    Liechtenstein – Freizeitpark für kriminelle Treuhänder und Trustees und Mekka für kreative Gesetzesinterpretationen. Hier tanzen Treuhänder, Richter und Staatsanwälte fröhlich im Takt eines Systems, das so ausgeklügelt ist, dass selbst James Bond vor Neid erblassen würde. Stiftungen und Trusts? Die werden hier schneller gekapert als man beispielsweise «Rosentaler» sagen kann.

    Das Rezept? Ganz simpel: Jemand gründet vertrauensvoll eine Stiftung. Spätestens nach seinem Ableben übernehmen die Treuhänder das Steuer, zocken erst einmal ein paar Millionen an Honoraren für sich und die von ihnen beauftragten Komplizen ab und starten die grosse Umverteilungs-Show. Drei – zwei – eins – meins! Ehe man sich versieht, gehört das Stiftungsvermögen nicht mehr den Begünstigten, sondern einem exklusiven Club aus Anwälten und alten Bekannten aus dem Ländle.

    Und wenn jemand aufmuckt? Kein Problem – der Staatsanwalt kann nichts Ungewöhnliches erkennen und das Gericht winkt alles mit einem «Alles in bester Ordnung» durch. Ein paar Unterschriften später ist das Vermögen nicht weg, aber woanders. Voilà! Ein Meisterwerk des «Finanzstandorts». Und der Fürst? Luegt zu.

    Antworten
  10. Hans Hartmann
    Hans Hartmann sagte:

    Ein Freund von mir aus Studentenzeiten, dessen engster Freund und Trauzeuge ich war, hatte vor etwa fünfundzwanzig Jahren eine Stiftung in Liechtenstein gegründet, um sein Vermögen sicher für seine Kinder aufzubewahren. Nach seinem Tod gingen die Kinder zu dem Stiftungsverwalter und wollten das Stiftungsgeld von dem Stiftungsverwalter aufgeteilt erhalten. Der Stiftungsverwalter sagte ihnen, er habe keine Stiftung für sie, der Freund von mir sei zwar mal bei ihm gewesen und habe eine Stiftung gegründet, die Stiftung gäbe es aber schon seit Jahren nicht mehr. Er verlangte Unterlagen von den längst erwachsenen Kindern meines Freundes, diese hatten jedoch keine Unterlagen, da mein Freund diese alle bei dem Stiftungsverwalter aufbewahrt hatte. Mein Freund hatte mir öfters von der Stiftung berichtet und dass er damit seine Kinder versorgt wissen wollte. Aber plötzlich nach seinem Tod war angeblich die Stiftung nicht mehr bei dem Stiftungsverwalter.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert