Die Liechtensteiner Fürstenknechte werden aufmüpfig.
Die fürstliche Regierung hatte noch gewarnt. Der öffentlich-rechtliche Sender Radio Liechtenstein sei angeblich eine vertrauenswürdige Informationsquelle und diene der Förderung der Medienvielfalt und der Demokratie.
Wie vertrauenswürdig diese Informationsquelle ist, bewies das Fürstenradio vor der Abstimmung darüber, ob ihm die staatlichen Subventionen in der exorbitanten Höhe von vier Millionen Franken zukünftig entzogen werden sollen oder nicht:
«Bei einem NEIN bleibt Radio Liechtenstein ein öffentlich-rechtlicher Sender mit klarem gesetzlichen Auftrag, darunter die Krisenkommunikation im Katastrophenfall.»
Die Kleinpartei «Demokraten pro Liechtenstein» hatte den Aufmupf gewagt und eine Initiative eingereicht, die den Entzug dieser Subventionen fordert. Nicht zuletzt deswegen, weil sie ganze 70 Prozent der staatlichen Medienförderung ausmachen. Da bleibt für anderes nicht viel übrig, und dass Radio Liechtenstein es jemals gewagt haben sollte, in die Hand zu beissen, die es füttert, ist nicht bekannt.
Nun wagten es aber 6786 Liechtensteiner Stimmbürger, der Empfehlung ihrer fürstlichen Regierung zu widersprechen. Nur 5457 Fürstenknechte stimmten gegen diese Initiative. Damit ist sie mit 55,4 Prozent angenommen worden.
Damit wäre in einer Demokratie die Sache eigentlich erledigt. Dem Fürstenfunk wird der Stecker rausgezogen, er hat ausgesendet. Damit ist nun die Informationsquelle nach Gusto des Fürstenhauses weg, ihre heimliche Funktion als Förderin der Medienvielfalt und der Demokratie ist dahin. schlimmer noch: wer kümmert sich nun um die Krisenkommunikation im Katastrophenfall?
Dabei könnte ein solcher Katastrophenfall schneller eintreffen als mancher meint. Denn mit der Demokratie ist es im Ländle so eine Sache. Das Volk hat gesprochen. Aber das Volk hat in Liechtenstein nicht das letzte Wort.
Das letzte Wort hat nämlich der Fürscht himself. Beziehungsweise der herrschende Kronprinz Alois. Es ist seiner Durchlaucht unbenommen, einen solchen Entscheid, sollte er auf seine höchste Missbilligung stossen, einfach nicht in Kraft treten zu lassen.
Nach der Devise: Demokratie ist ja gut und schön. Solange so abgestimmt wird, wie es mir passt. Schon als sich Fürst Senior noch mehr Macht zuschanzte und sich dagegen gelinder Widerstand unter den Fürstenknechten regte, drohte Ihro Hochwohlgeboren damit, ins Exil zu gehen, sollte man ihm diese Machterweiterung nicht zubilligen.
Natürlich kuschten damals seine Untertanen, denn selbst der unerschrockenste Liechtensteiner wollte es nicht verantworten, dass der Fürscht von seiner Trutzburg ob Vaduz heruntersteigen müsste und sich ins ferne Wien zurückziehen.
Aber das bedeutet eben auch, dass Kornprinz Alois nun sagen kann: Ich nehme das Abstimmungsergebnis zur Kenntnis. Wir sind aber nicht amüsiert. Es hat schon so seinen tieferen Sinn, dass das Fürschtenhaus Fehlentscheide seiner Untertanen korrigieren kann und muss. Schliesslich wäre dann zum Beispiel die Frage der Krisenkommunikation im Krisenfall völlig ungeklärt. Und wer weiss, wann ein solcher Fall eintritt.
Dann hätten die Fürstenknechte genau zwei Möglichkeiten, im Rahmen der Demokratie à la Fürst. Sie könnten die Faust im Sack ballen oder es sein lassen. Das Ergebnis wäre das selbe.
Denn man stelle sich nur vor, oh Schreck, oh Graus, ein Privatradio käme auf die Idee, die Liechtensteiner mit Unfürstlichem zu beschallen. Im benachbarten Graubünden ist doch gerade dieser furchtbare Radiopirat Roger Schawinski unterwegs und will nächstes Jahr auf Sendung gehen. Und wenn der dann auch noch über die inneren Angelegenheiten Liechtensteins berichten würde – Himmels willen, das wäre doch völlig inakzeptabel.




Wenn dem Fürstenfunk Radio Liechtenstein der Stecker gezogen wird, bleibt ja immerhin noch die Fürstenpostille Vaterland mit einer Auflage von 8’638 Exemplaren.
Wer soll jetzt die Fürstenpropaganda verbreiten? Das kostenlose Werbe-Wochenblatt Liewo?
Dann soll doch der Fürst selbst seinen Werbefunk bezahlen.
Wenn Roger Schawinski auf Sendung geht und statt Radio Liechtenstein das Ländle beschallt, dann kommen andere Töne. Schawinski war nie Teil des Establishments, Schawinski kann man nicht kaufen. Schawinski berichtet über Sein, nicht über Schein. Das wird dem Fürst nicht gefallen.
Propaganda zur Huldigung des Fürstenhauses muss eben vom Fürstenhaus selbst bezahlt werden, nicht vom Volk, die das mehrheitlich eben nicht bezahlen möchte. Zeitenwende in Liechtenstein.
Al Jazeera
Russia Today
Fox News
Radio Liechtenstein
Medien auf der ganzen Welt spiegeln politische oder nationale Interessen wider, besonders wenn sie staatlich finanziert oder stark von einer Regierung beeinflusst sind.
Fürstenfunk hat Sendeschluss, aber die Fürstenprawda mit dem schönen Namen «Vaterland» kann noch als Sprachrohr des Fürsten dienen und huldigen, wie schön doch alles im Fürstentum ist.
Für den Fürsten läuft es zur Zeit extrem schlecht:
Das Volk hat abgestimmt und sich gegen die Kosten für den staatlichen Propagandasender Radio Liechtenstein abgestimmt. Aber es geht doch nur vordergründig um die Kosten für einen Radiosender. Es geht darum, dass man an einem kleinen Beispiel demonstrieren möchte, dass das Volk aufbegehrt. Für den Fürsten ist dies jetzt brandgefährlich.
Lässt er das Abstimmungsergebnis gegen seinen Willen bestehen, dann beweist er Schwäche und zeigt er, dass er dem Willen des Volkes nachgibt. Das wäre doch dann nur der erste Schritt, die nächste Abstimmung käme doch gleich um die Ecke. Das Volk kann ihm dann auf der Nase herumtanzen, es geht in Richtung Demokratie.
Setzt er sich über das Abstimmungsergebnis hinweg, dann beweist er an einem sehr unwichtigen Beipiel, dass Liechtenstein keine Demokratie ist, sondern eine reine Monarchie. Er würde beweisen, dass ihm der Wille des Volkes nicht im Geringsten juckt. Mit so einem Unsinn wie «Kommunikation im Kriesenfall» braucht er nicht kommen, für so etwas gäbe es auch das Internet, das Argument wäre also lächerlich.
Das Ausland wird dies mit grossem Interesse beobachten. Schlau gemacht «Demokraten für Liechtenstein»!
Das ist ein Machtspiel für den Fürsten. Egal was er macht, er kann nur verlieren.
Der Damm ist gebrochen! Es geht doch nicht um einen Radiosender, das war nur der allererste Schritt. Es geht darum, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in unser Land einzieht!
Demokratie für Kinder erklärt, allerdings mit Zusätzen für Liechtenstein
https://www.hanisauland.de/wissen/lexikon/grosses-lexikon/d/demokratie.html
„Wir leben in einer Demokratie“ hört man oft. Das soll heißen, dass die Menschen in unserem Staat in Freiheit leben. Alle dürfen ihre Meinung frei sagen (ausser in Liechtenstein, da darf man keine herabsetzenden Äusserungen gegen das Staatsoberhaupt, also den Fürsten äussern). Die Gesetze in einer Demokratie gelten für alle Menschen (ausser in Liechtenstein, da gelten sie nicht für den Fürsten). Alle Bürger und auch der Staat müssen sich an die Gesetze halten (ausser in Liechtenstein, da gilt nicht gleiches Recht für alle). In freien Wahlen entscheiden die Menschen, von wem sie regiert werden wollen (ausser in Liechtenstein, da muss der Fürst Mnister und den Regierungspräsidenten absegnen und kann die Regierung jederzeit auflösen). Und wenn sie mit der Regierung nicht zufrieden sind, können sie bei der nächsten Wahl eine andere Regierung wählen (ausser in Liechtenstein, da kann der Fürst die regierung jederzeit entlassen)..
Das war erst der Anfang, die Demokratie ist das Ziel.
Wir sind das Volk und wir wollen eine Demokratie!
Das mit Radio Liechtenstein ist doch nur ein erster Testballon und erst der Anfang. Als nächstes geht es um die Macht im Lande. Nach Wien zu gehen ist doch schön…
Wien ist eine wunderschöne Stadt, da kann und sollte man doch hinziehen…
Es gibt viele Liechtensteiner, die statt einer Monarchie lieber eine Demokratie hätten. Bloss traut sich das kaum einer zu sagen, weil er ja vom Fürst überstimmt werden kann und dann geächtet wird. Das nennt sich dann Meinungsfreiheit in Liechtenstein.