Die Treuhänder halten sich offenbar für unkaputtbar.

Wyss & Partner figuriert immer noch auf der ehrbaren Liste der ehrbaren Liechtensteiner Treuhänder. Obwohl Partner Wyss seine Treuhänderlizenz zurückgegeben hat, nachdem er auf die schwarze Liste der US-Behörde Ofac gekommen ist. Und dabei war Wyss auch noch bis vor Kurzem Vizepräsident der Treuhandkammer. Also ein besonders ehrbares Exemplar der Spezies Treuhänder.

Aber gut, der aktuelle Präsident der Treuhandkammer Stefan Wenaweser hat seine Eignung für diese ehrenvolle Position schon damit unter Beweis gestellt, dass er Dokumente aus Gerichtsakten stahl und sie erst Wochen später und nach zwei Hausdurchsuchungen wieder zurückgab.

Offenbar gilt hier das Prinzip: solches Verhalten beweist, dass die Person für höhere Weihen prädestiniert ist.

Der Eintrag von Treuhänder Wyss auf der Ofac-Sanktionsliste.

Allerdings sind sich die Liechtensteiner Treuhänder und Untreuhänder (und auch ihr Fürscht) vielleicht nicht richtig bewusst, was die Ofac ist. Denn es gibt immerhin 23 Personen und Firmen aus Liechtenstein, die auf dieser Sanktionsliste stehen, mit einer Ausnahme alle wegen Verstössen gegen Russland-Sanktionen.

Aber was ist die Ofac? Das steht für Office of Foreign Assets Control. Die Behörde ist Teil des Schatzamtes und dort dem „Untersekretär für Terrorismus und finanzieller Geheimdienst“ unterstellt.

Die hier kontrollierten aktuell 38 Sanktionsprogramme, von „Afghanistan related sanctions“ bis „Yemen sanctions“, werden durch „Anordnung des Präsidenten“ beschlossen.

Dieses Exekutivrecht stammt aus den Zeiten des Trading with the Enemy Act von 1917. Eine Massnahme aus dem Ersten Weltkrieg, mit welcher der Präsident die Möglichkeit bekam, ohne Federlesen US-Bürgern oder -Firmen zu verbieten, mit feindlichen Staaten Geschäftsbeziehungen zu unterhalten.

Der grösste Blattschuss gelang der OFAC gegen die französische Bank BNP Paribas. Eine runde Milliarde musste das Geldhaus abliefern, auch wegen Verstössen gegen Iran-Sanktionen.

Einem gesellschaftlichen Todesurteil gleich kommt ein Eintrag auf die „Specially Designated National List“. Rund 12’000 Firmen und Einzelpersonen stehen auf dieser Liste, 2’482 Seiten umfasst sie im PDF-Format, für jeden einsehbar.

Dass zum Beispiel Dimitri Medwedew auf Seite 1288 draufsteht, ist nachvollziehbar. Wieso aber der Engländer John M. oder der Mexikaner L.M. darauf geraten sind?

Auch in der Schweiz befinden sich ein paar Dutzend Firmen und Personen auf dieser Sanktionsliste. Von der … AG in Zug über B., J. bis zur … in Genf.

Und eben, 23 Einträge spuckt die Liste aus, wenn man nach Liechtenstein sucht. Ziemlich viel für so ein kleines Ländle. Aber wie auch immer: all diesen Unglücklichen ist eines gemein: Sie sind erledigt.

Ist es eine Firma, kann sie sofort die Bücher deponieren. Ihre Bankkonten werden blockiert und gekündigt, sie kann von einem Tag auf den anderen keine Überweisungen mehr ausführen, keine Miete, keine Löhne, keine Darlehenszinsen mehr zahlen.

Sie wird zum Paria, niemand will mehr etwas mit dem Unternehmen zu tun haben – zu gross ist die Angst vor Ansteckungsgefahr.

Genau gleich verhält es sich mit Einzelpersonen, die auf diese Liste geraten. Haben sie nicht Bargeld gehortet, kommen sie in gröbste finanzielle Schwierigkeiten.

Ihre Kreditkarten funktionieren von einem Moment auf den nächsten nicht mehr, Fluggesellschaften akzeptieren sie nicht mehr als Passagier.

Sie sind von einem Augenblick auf den nächsten mitten in Kafkas Prozess geraten. Ähnlich wie dort reagiert die Ofac nicht einmal auf Anschreiben. Es ist kein einziger Fall bekannt, dass es jemals jemand geschafft haben sollte, von dieser Liste wieder runterzukommen. Ausser vielleicht, indem ein „Lösegeld“ in exorbitanter Höhe bezahlt wurde.

Man kann also sagen, dass die Ofac nicht viel anders vorgeht als Liechtensteiner Untreuhänder. Gegen die ist meistens Widerstand auch zwecklos, Liechtensteiner Gerichte vertagen Prozesse, wenn es gegen einen Einheimischen geht, gerne auf das Jahr irgendwann und irgendwo hinter dem Zeithorizont.

Allerdings jaulen Liechtensteiner Treuhänder kräftig auf, wenn sie von dem Ofac gebissen werden. Das empfinden sie dann als furchtbar ungerecht. Aber so ist halt die etwas verschobene Wahrnehmung der Wirklichkeit und der Welt im Fürstenland.

23 Kommentare
  1. Kamingespräch hoch über Vaduz
    Kamingespräch hoch über Vaduz sagte:

    Kamingespräch uf em groosse Anwesen obe über Vaduz. Än älterer, wiishaarige Maa seit zu sim Älteste:

    «Waisch, mein Bueb, da mached mer üs überhaupt kei Sorge. Wenn dä usländische Maa OFAC chunnt, dänn mached mer’s einisch wie immer. Dä Landrichter R. wiesst dä Antrag eifach innerhalb vo änem Tag ab, und die vom eersti Senat vom Obergricht wänken das wie immer durch. Und dä Staatsanwalt Schmiedle stellt wie immer alli Anzeigen vo Usländer ii. Also alles wie immer.» …

    «Was sött das heisse, das geit nöd in dem Fall???»

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  2. Big brother in watching
    Big brother in watching sagte:

    Liechtenstein hat ein Problem mit der OFAC (Office of Foreign Assets Control), weil dies die US-Behörde ist, die internationale Finanztransaktionen überwacht und Sanktionen durchsetzt. Liechtenstein ist ein Finanzplatz, der in der Vergangenheit aufgrund seiner Bankgeheimnisse und seines Steuersystems oft als Ziel für Steuerhinterziehung und Geldwäsche wahrgenommen wurde. Die OFAC verhängt Sanktionen gegen Personen, Unternehmen oder Staaten, die gegen US-Recht oder internationale Sanktionen verstossen, und dies kann auch Liechtenstein treffen.

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    • RuHu
      RuHu sagte:

      Die OFAC kann gegen Institutionen wie Banken vorgehen, die in irgendeiner Weise gegen die von den USA auferlegten Sanktionen verstoßen, was die Finanzinstitute des Landes potenziell in Konflikt bringt, wenn sie mit sanktionierten Ländern oder Organisationen Geschäfte machen. Dies schadet nicht nur dem Ruf Liechtensteins, sondern kann auch zu wirtschaftlichen Konsequenzen führen, da das Land Liechtenstein stark vom Vertrauen in seine Finanzdienstleistungsbranche abhängig ist.

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  3. Liechtensteiner Goldhändler: Jetzt entscheidet der US-Richter
    Liechtensteiner Goldhändler: Jetzt entscheidet der US-Richter sagte:

    Wie gross ist der behördliche Ermessensspielraum des OFAC unter der neuen Doktrin des Supreme Court?

    Gross. Sehr gross. Sehr sehr gross!

    Finews vom 16.10.2024 über die OFAC-sanktionierte Rheingold Edelmetall.
    https://www.finews.ch/news/finanzplatz/64773-rheingold-edelmetall-diegelmann-vaduz-ofac-sdn-liste-prozess-janet-yellen-treasury?start=1

    Vielleicht erhält Liechtenstein jetzt eine Vorahnung von dem, was da noch alles auf die LGT oder das Land zukommen kann.

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  4. Und was meint die FMA?
    Und was meint die FMA? sagte:

    Die Finanzmarktaufsicht erklärt in ihrer Mitteilung vom 04.09.2024 (FMA Mitteilung 2024/2 – Risikomanagement betreffend ausländisches Sanktionsrecht):

    «Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Sanktionsbestimmungen des Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums, nicht zuletzt aufgrund der zentralen Rolle der USA im Rahmen der globalen Finanzmarktinfrastruktur. Letztlich sind jegliche Sanktionen mit einem Bezug zu Liechtenstein auch ein Risiko für den gesamten Finanzmarkt und das Land Liechtenstein.»
    https://www.fma-li.li/de/news/20240904-fma-mitteilung-2024-2-risikomanagement-betreffend-auslandisches-sanktionsrecht.html

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  5. Der Vizepräsident der Treuhandkammer Anton Wyss bekannte sich offen zu Schwarzgeld-Kunden
    Der Vizepräsident der Treuhandkammer Anton Wyss bekannte sich offen zu Schwarzgeld-Kunden sagte:

    Der kürzlich wegen Förderung von Transaktionen von sanktionierten Russengeldern selbst auf die OFAC-Sanktionsliste gekommene Anton Wyss war zuletzt vor über zehn Jahren in der Öffentlichkeit, als Deutschland Druck auf Liechtenstein machte, damit auch dieser Finanzplatz sich einer Weissgeldstrategie verpflichtet und auf die Annahme von unversteuertem Schwarzgeld verzichtet. Wyss sagte damals in einem Interview gegenüber dem «St. Galler Tagblatt»:

    «Man kann nicht von heute auf morgen alle Kunden zur Steuerehrlichkeit zwingen, ausser man baut im grossen Stil Kundenbeziehungen ab. Auch die Protagonisten der Weissgeldstrategie haben nicht alle eine weisse Weste.»

    Trotz dieses klaren und offenen Bekenntnisses zu Schwarzgeld-Kunden wählten die Liechtensteiner Treuhänder Anton Wyss zum Vizepräsidenten der Liechtensteiner Treuhandkammer.

    St. Galler Tagblatt vom 10.01.2011
    https://www.tagblatt.ch/wirtschaft/mit-kanonen-auf-spatzen-ld.192445

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    • Harry
      Harry sagte:

      Wenn Anton Wyss sich offen zu Schwarzgeld-Kunden bekennt und die liechtensteiner Treuhänder wählen ihn trotzdem mit Mehrheit zu ihrem Vizepräsidenten, dann war das ein klares Bekenntnis der Mehrheit der liechtensteiner Treuhänder zu illegalem Verhalten.

      Und da sich noch jemand, wenn kriminelle Treuhänder immer wieder Stiftungen ausrauben?

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    • Stefan
      Stefan sagte:

      Dann war der Präsident der Treuhänderkammer Wenaweser, der ’nur› Unterlagen aus Gerichtsakten gestohlen hatte, unter all den Kandidaten wohl noch die beste Wahl. Der hat sich nicht offen zu illegalem Verhalten bekannt, sondern hatte sich ’nur› illegal verhalten.

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    • E. Bärmlich
      E. Bärmlich sagte:

      Was für ein erbärmliches Bild wirft dies auf die Treuhänder in Liechtenstein! Und nicht nur auf die Treuhänder, sondern auf die gesamte Finanzbranche in Liechtenstein!

      Vizepräsident der Treuhandkammer:
      Spricht sich offen gegen die Weissgeldstrategie Liechtensteins aus, bekennt sich zu Schwarzgeld-Kunden.
      Fördert Transaktionen mit Russengeldern und kommt selbst auf die OFAC-Sanktionsliste.

      Präsident der Treuhandkammer:
      Ist ein überführter Dieb, der Dokumente aus Gerichtsakten gestohlen hat.

      Ein Verein Illegaler und Gesetzesbrecher? Was für eine Bande! Was für ein Land!

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    • Ernst
      Ernst sagte:

      Die dreisteste Ausrede gegen eine Ausweitung von Informationsrechten von Begünstigten brachte der frühere Präsident der Treuhandkammer Ivo Elkuch. Im Hinblick auf die Ausweitung der Informationsrechte bei Trusts gebe es neben einzelnen Befürwortern auch viele, die dies skeptisch sehen, sagt Elkuch.

      «Zu grosszügige Informationsrechte können einen sogenannten Spoiling-Effekt mit sich bringen. Wenn jemand weiss, dass er später einmal 2 Millionen Franken bekommt, besteht die Gefahr, dass er sich in der Schule weniger anstrengt und die Ausbildung vernachlässigt.»

      Das ist geradezu so dummdreist als wenn er erklären würde, ein Plündern der Stiftung würde den Begünstigten doch nur helfen, Negativzinsen bezahlen zu müssen.

      Was für ein durchschaubares dummes Zeug! Für wie blöd hält die Treuhandkammer einen. Denen ist anscheinend auch wirklich nichts zu blöd.

      https://www.tagesanzeiger.ch/neuer-skandal-wirft-schatten-auf-liechtensteiner-finanzplatz-436380113869

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    • Psychologe
      Psychologe sagte:

      Wer bei dem heutigen Wissenstand um die systematisch und kollusiv begangenen Raubzüge in Liechtenstein sein Vermögen noch in eine liechtensteinische Stiftung, einen Trust oder eine andere Struktur überträgt, kann unbesehen entmündigt werden.

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    • Manuela
      Manuela sagte:

      Offenbar gibt es Vorstandsmitglieder der Liechtensteiner Treuhandkammer, die illegale Machenschaften gutheissen, die illegal handeln und die Kunden für Vollidioten halten. Was für eine Bande!

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    • Hells Angels
      Hells Angels sagte:

      Die Liechtensteiner Treuhandkammer erinnert an die Hells Angels. Seit Jahren regelmässig durch Medien in Verbindung mit verschiedenen «Machenschaften» in Verbindung gebracht und immer wieder Verurteilungen einzelner MItglieder.

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  6. Hofmann
    Hofmann sagte:

    Ein zentraler Punkt des Problems Liechtensteins mit der OFAC liegt darin, dass einige Treuhandgesellschaften und Finanzinstitutionen, insbesondere Banken in Liechtenstein möglicherweise mit sanktionierten Parteien in Verbindung gebracht werden könnten. Dadurch geraten sie ins Visier der OFAC, was zu Sanktionen und dem Ausschluss von den internationalen Märkten führen könnte. Skandale und Verstöße von Einzelpersonen oder Unternehmen können weiterhin erhebliche negative Auswirkungen auf den Finanzplatz Liechtenstein haben.

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  7. Schurkenstaat
    Schurkenstaat sagte:

    Treuhänder, die mit Anton Wyss jemanden zu ihrem Vizepräsidenten wählen, der sich zuvor in einem Zeitungsinterview offen gegen die offenbar nur vorgeschobene Weissgeldstrategie des Landes Liechtenstein ausgesprochen hatte. Und der Transaktionen mit sanktionierten Russengeldern fördert und selbst OFAC-sanktioniert wird. Die mit Stefan Wenaweser jemanden als Präsidenten wählen, der des Diebstahls von Dokumenten aus Gerichtsakten überführt worden war.

    Richter, die für eine ihnen nahestehende Rechtsanwaltskanzlei im Blitzempo innerhalb eines Tages entscheiden, wenn es zu Gunsten von Liechtensteinern geht. Die jedoch Abberufungsanträge gegen Liechtensteiner Stiftungsräte über 2 1/2 Jahre lang nicht entscheiden.

    Liechtenstein hält offensichtlich den Rest der Welt für zu blöd, Korruption, den Mangel an Strafverfolgung, fehlende Rechtsstaatlichkeit und kriminelle Verbindungen zu erkennen. Danke dieser Internetseite, die diesen Sumpf aufdeckt.

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  8. Hermann Kofler
    Hermann Kofler sagte:

    Ich bin zufällig beim Surfen auf diese Internetseite gestoßen. Wenn man das alles so liest, dann ist das alles so unglaublich und erhält man den Eindruck, dass In Liechtenstein wirklich alle zusammen helfen, um Ausländer um ihr Vermögen zu bringen.

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  9. Daniel
    Daniel sagte:

    Warum unternehmen die anständigen Treuhänder, Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter in Liechtenstein nichts gegen die schwarzen Schafe? Dürfen die nichts sagen, weil ja sehr viele von den illegalen Praktiken profitieren? Oder haben die Angst unter Druck gesetzt zu werden, weil es so viele schwarze Schafe sind?

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