Liechtenstein ist klein und rein. Oder doch nicht?

Es gibt solche Listen und solche. Da gibt es zum Beispiel die «EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete für Steuerzwecke». Darunter figurieren Amerikanisch-Samoa, Anguilla, Guam, Panama, Amerikanische Jungferninseln, Trinidad und Tobago. Unter anderem. Interessant, dass die meisten weiterhin existierenden Steueroasen unter US-Jurisdiktion fallen.

Unter den Ländern, «die mit der EU zusammenarbeiten und keine ausstehenden Verpflichtungen haben», ist auch Liechtenstein aufgeführt.Herausgeber dieser Liste ist der Europäische Rat, also durchaus eine erste Adresse.

Dann ist also alles in Butter für Liechtenstein, den Fürsten, seine Bank und überhaupt alle Finanzintermediäre im Ländle? Nicht ganz.

Denn die EU ist bekanntlich ein kompliziertes Gebilde. Das bedeutet in diesem Fall, dass Liechtenstein immer noch auf schwarzen Listen steht. Zum Beispiel auf der Liste nicht kooperativer Länder von Portugal.

Dazu berichtet Radio Liechtenstein:

«Es sei unklar, wo man zurzeit bei den Verhandlungen stehe, sagt Regierungschef Daniel Risch heute vor dem Landtag: «Auch wenn es im letzten Jahr, insbesondere nach der entsprechenden Anpassung in Spanien, positive Signale aus Portugal gab, kann nicht verlässlich gesagt werden wie lange der Prozess noch dauern wird. Insbesondere auch nach dem kürzlich Regierungswechsel in Portugal. Aber die Priorisierung, dass wir dort einen Schritt weiter kommen, der uns auch signalisiert wurde, weil man uns bestätigt hat, dass sie sehen, dass wir dort nicht mehr drauf sein sollten.»

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Daniel Risch auch bei der Streichung aus der italienischen schwarzen Liste.»

Wenn man das etwas merkwürdige Deutsch richtig versteht: Laut der Liechtensteiner Regierung steht das Ländle noch auf der Schwarzen Liste Portugals, sollte dort aber eigentlich nicht mehr drauf sein, nachdem es Spanien gestrichen hat. Italien sieht das aber ebenfalls anders.

Auch die Financial Action Task Force, eine der vielen EU-Dunkelkammern, gibt Liechtenstein im Wesentlichen ein Rating von LC oder PC, also von weitgehend konform oder teilweise konform mit den Ansprüchen an die Kontrolle von Geldwäscherei oder Terrorfinanzierung.

Spanien wiederum hat Liechtenstein erst im Februar 2023 von seiner eigenen Schwarzen Liste genommen, auf der Länder stehen, die in Steuerangelegenheiten nicht ausreichend zusammenarbeiten.

Grimmiger sieht das allerdings der «Global Organized Crime Index», mit einer durchaus angehobenen Zahl bei Finanzverbrechen.

Auch das Tax Justice Network jubiliert nicht gerade über Liechtenstein Es steht auf Platz 35 weltweit der Steueroasen für Firmen und erfüllt 71 von 100 Punkten im Steuerhafen-Index. Pro Jahr schädige Liechtenstein andere Länder durch den Verlust von 45 Millionen $ vverlorenes Steuersubstrat.

Und die Fair Tax Foundation schliesslich führt Liechtenstein ebenfalls in ihrer aktuellen Liste von Steueroasen.

Man sieht: bei genauerer Analyse erscheinen doch auch hier ein paar schwarze Flecke auf der vermeintlich blütenweissen Weste Liechtensteins.

Und dabei ist das unselige Wirken einiger Untreuhänder noch gar nicht eingepreist …

14 Kommentare
    • Bezoeker
      Bezoeker sagte:

      Keine Bank und kein Rechtsanwalt kann heute noch eine Struktur in Liechtenstein empfehlen, ohne sich der Gefahr von Schadenersatzansprüchen auszusetzen.

      Antworten
    • Berater
      Berater sagte:

      Es geht doch nicht nur um die Banken, sondern allgemein darum, dass Liechtenstein aufgrund der inzwischen allgemeinen Kenntnis, dass Strukturen wie Trusts und Stiftungen immer wieder von untreuen Treuhändern gekapert und ausgebeutet werden, ein für Anleger überaus riskanter Finanzplatz geworden ist.

      Antworten
    • geronimo
      geronimo sagte:

      Das Problem ist, dass die Justiz in Liechtenstein die kriminellen Intrigen nicht verfolgt und ahndet, sondern protegiert.

      Antworten
  1. Bernd
    Bernd sagte:

    Liechtenstein steht auf der Liste nicht kooperativer Länder von Portugal und Italien. Sind deren Ansprüche so hoch oder ist der Standard von Liechtenstein so niedrig?

    Antworten
  2. J.A.
    J.A. sagte:

    Pro Jahr schädige Liechtenstein andere Länder durch den Verlust von 45 Millionen USD verlorenes Steuersubstrat, so das Tax Justice Network. Warum lassen sich das die anderen Staaten gefallen?

    Antworten
  3. Gerd Hofmann
    Gerd Hofmann sagte:

    Selbst wenn Liechtenstein auf keiner einzigen schwarzen Liste mehr aufgeführt werden würde, so haben die ständigen Skandale der Reputation des Landes einen schweren Vertrauensschaden zugefügt.

    Antworten
  4. Robert (ZH)
    Robert (ZH) sagte:

    Liechtenstein gibt sich so ehrwürdig, vertrauenswürdig und seriös – und dabei werden in Liechtenstein Stiftungen mit Hilfe der Gerichte ausgeraubt. Das weiss inzwischen jeder.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert