Schwarzgeldbunker. Anlaufstelle für kriminelle Gelder. Und nun Russenvermögen.

Man kann Liechtenstein nicht unbedingt unterstellen, dass es eine steile Lernkurve habe. Die braune Vergangenheit des Hilti-Gründers und Namensgebers, der glühender Nationalsozialist war? Schlamm drüber.

Stiftungen als Lagerstätten für Schwarzgeld und als Selbstbedienungsladen für Liechtensteiner Treuhänder? Reden wir nicht mehr drüber, Batliner selig ist nicht mehr unter uns.

Gelder aus trüben Quellen, die von willigen Banken weissgewaschen oder aufbewahrt werden? Nun ja, shit happens, man kann nicht alles gleichzeitig kontrollieren, nicht wahr.

Russengelder, Tarnkonstruktionen zwecks Verschleierung der wahren Besitzer von Yachten, Firmen oder Immobilien? Ach was.

Das «Liechtensteiner Vaterland» vermeldete im Oktober 2022 stolz: «In puncto Russland-Sanktionen reagierte Liechtenstein schnell: Keine 24 Stunden nachdem Putins Truppen in die Ukraine einmarschierten, erklärte die Regierung, dass das Land die EU-Sanktionen gegen Russland vollständig übernimmt.»

Aber jetzt, oh Schreck, fordert ein ukrainisches Mitglied des Europarats, dass Liechtenstein der erste Staat sein solle, der die eingefrorenen Russengelder für den Wiederaufbau der Ukraine einsetzen solle. Das verschlug es dem angereisten Erbprinzen die Sprache, und die mitgereiste Aussenministerin Dominique Hasler flüchtete sich in Plattitüden. Liechtenstein stehe in voller Solidarität hinter der Ukraine und werde genau beobachten, was die anderen EU-Staaten täten.

Oder auf Deutsch: verbal sind wir mit euch, faktisch tun wir aber nichts. Denn es gebe da offene rechtliche Fragen, das müsse man sehr «differenziert» betrachten, stimmte das Liechtensteiner Justizministerium zu.

Dabei ist auch hier längst Feuer im Dach. Liechtenstein hat bislang 200 Millionen Franken blockiert. Eher ein Klacks bei Bankvermögen von insgesamt 420 Milliarden Franken, von denen einige Milliarden aus russischen Quellen stammen.

Zudem haben die USA Liechtenstein mal wieder ins Blickfeld genommen. Das kommt nie gut, schliesslich sind die USA immer noch sauer, dass der Whistleblower Birkenfeld nicht nur die Gelder eines US-Milliardärs verstecken half, nicht zuletzt in Liechtenstein. Sondern auch selber versucht hatte, dort seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Aus diesem Grund kann mindestens ein Liechtensteiner Treuhänder das Ländle nicht verlassen, es droht ein Haftbefehl der mächtigsten Macht der Welt.

Ob sich Liechtenstein hier klüger verhalten wird als in den vorherigen Fällen? Immerhin, eine gewisse Gelenkigkeit ist dem Ländle nicht abzusprechen. Zuerst grosse Töne über Vertrauen, Sicherheit, Vertraulichkeit und Schutz der Kunden spucken. Dann aber einknicken und schneller als die Schweiz alles herausrücken, was gefordert wird.

So kann es durchaus sein, dass es diversen reichen Russen nicht besser geht als anderen Besitzern oder Begünstigten einer Stiftung. Allerdings wird denen das Geld oder der Inhalt ihrer Stiftung nicht weggenommen, um damit einen guten Zweck zu erfüllen. Ausser, man betrachtet die Selbstbereicherung der in solche Fälle verwickelten Treuhänder als guten Zweck.

Das sehen die vielleicht selber so, denn bei einigen von ihnen sind die Begriffe Anstand und Ehre nicht sonderlich ausgeprägt. Aber für den Rest der Welt sind sie abschreckende Beispiele, die immer mehr potenzielle Interessenten von der Lagerung durchaus ehrenhaft und seriös erworbener Vermögenswerte in Liechtenstein zurückschrecken lassen.

26 Kommentare
  1. Uncle Sam
    Uncle Sam sagte:

    Das Office of Foreign Assets Control (OFAC), eine Abteilung des US-Finanzministeriums kann nicht nur Sanktionen gegen Einzelpersonen, sondern auch gegen bestimmte Länder und Regierungen durchführen. Vielleicht gibt es bald Sanktionen gegen das Land Liechtenstein, man liest ja überall, dass dort systematisch ausländische Personen von untreuen Treuhändern mit Unterstützung der Justiz beraubt werden.

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  2. Observer
    Observer sagte:

    Es dürfte kein Zufall sein, dass die USA in ihrer Botschaft in Bern, die für die Schweiz und Liechtenstein zuständig ist, über ein «Legal Attache’s Office» verfügt. Diese sind Aussenstellen des US Federal Bureau of Investigation (FBI), also des Ermittlungsbüros des US Justizministeriums. Solche «Legal Attache’s Office» gibt es weltweit nur an 46 der 173 US Botschaften. https://ch.usembassy.gov/embassy/bern/sections-offices/
    Big brother is watching…

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  3. Vertrauen, Sicherheit, Vertraulichkeit
    Vertrauen, Sicherheit, Vertraulichkeit sagte:

    Vertrauen, Sicherheit, Vertraulichkeit, das war einmal in Liechtenstein.

    Das Vertrauen und die Sicherheit sind weg, seit bekannt geworden ist, dass untreue Treuhänder systematisch mit Hilfe bestimmter Richter Trusts und Stiftungen gekapert und geplündert haben.

    Die Vertraulichkeit ist weg, seit bekannt geworden ist, dass die Liechtensteinische Landesbank die gesamte Korrespondenz eines ihrer Kunden an dessen Prozessgegner herausgegeben hat.

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  4. OFAC
    OFAC sagte:

    Das US-amerikanische Office of Foreign Assets Control (OFAC) hat Liechtenstein ins Visier genommen, weil einige Unternehmen und Personen dort in Aktivitäten verwickelt sind, die es russischen Entitäten ermöglichen, internationale Sanktionen zu umgehen. Diese Massnahmen sind Teil der breiteren Bemühungen, Russlands Fähigkeit zur Umgehung von Sanktionen zu unterbinden, die aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Ukraine verhängt wurden.

    Hauptgründe für OFACs Fokus auf Liechtenstein sind unter anderem, dass Liechtenstein aufgrund seiner Rolle im internationalen Finanzsystem und seiner regulatorischen Rahmenbedingungen als ein potenzieller Standort identifiziert wurde, an dem Sanktionen umgangen werden könnten.

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  5. «Das Gefühl der Straflosigkeit bei einigen Treuhändern»
    «Das Gefühl der Straflosigkeit bei einigen Treuhändern» sagte:

    «Trotz gravierender Vertrauensbrüche unterstützen die liechtensteinischen Gerichte auf Kosten der ausländischen Kunden die heimischen Treuhänder. Dies hat bei einigen Treuhändern zu einem Gefühl der Straflosigkeit geführt – und ich habe es miterlebt —, dass sie ungestraft davonkommen können, gedeckt durch die lokalen Gerichte.»
    https://www.finews.ch/news/finanzplatz/44120-steven-kay-liechtenstein-treuhand-system-trust

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  6. Zuschauer
    Zuschauer sagte:

    Wer jetzt noch Geschäfte in Liechtenstein tätigt, obwohl es bei Trusts und Stiftungen regelmässig zu feindlichen Übernahmen gekommen ist und die Justiz bislang eine überaus zweifelhafte Rolle gespielt hat, verschliesst die Augen vor den ganz erheblichen Risiken, die in Liechtenstein lauern.

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  7. Steve Foster
    Steve Foster sagte:

    Our company has business relations with Liechtenstein. Due to recent media reports, significant doubts have arisen regarding the reliability and integrity of Liechtenstein, leading us to cease business dealings in Liechtenstein.

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  8. HaPo
    HaPo sagte:

    Warum sollte noch jemand im Ländle geschäften, wenn die deutlich zuverlässigere Schweiz nebenan ist. Und die ist ein Rechtsstaat.

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  9. Gregor
    Gregor sagte:

    Es fällt auf, dass das Land nicht mehr gegen die ständigen Skandale unternimmt. Und die Skandale, die bekannt werden, sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Es scheint als würde man, also Fürst und Landesregierung nicht mehr unternehmen wollen.

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  10. Anwalt
    Anwalt sagte:

    In den letzten Jahren hat das «Entsorgen» von lästigen ausländischen Familienangehörigen aus Trusts und Stiftungen durch Liechtensteiner Treuhänder in kollusivem Zusammenwirken mit bestimmten Richtern am Land- und am Obergericht groteske Züge angenommen. Die Treuhänder konnten sich blind auf «ihre» Richter verlassen und so die Kontrolle über Trusts und Stiftungen erobern. Das alles gelang unter dem Mantel der Verschwiegenheit, selbst die Liechtensteiner Rechtsanwälte haben ihren Mandanten die Geschichte vom «bedauerlichen Einzelfall» erzählt. Und die Masche ging solange gut, wie es vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden konnte, denn die ausländischen Betroffenen wussten nichts voneinander und hatten kein Sprachrohr. Jetzt, wo dies allgemein bekannt geworden ist, muss Liechtenstein sofort handeln, da es sich ansonsten vorwerfen lassen muss, von kriminellen Raubzügen zu wissen und nicht dagegen vorzugehen.

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  11. Paradigmenwechsel jetzt!
    Paradigmenwechsel jetzt! sagte:

    Im Feudalsystem Liechtenstein ist dringend ein Paradigmenwechsel nötig. Denn die endlose Liste von Skandalen beruht im Wesentlichen auf Nepotismus, also Vetternwirtschaft. «Gefälligkeiten» von Richtern, die unterschiedliches Recht und unterschiedliche Verfahrensdauern anwenden, je nachdem ob es sich um Ausländer oder Einheimische handelt. «Gefälligkeiten» von Bankmitarbeitenden der Liechtensteinischen Landesbank, die das Bankgeheimnis verletzen und vertrauliche Kundenkorrespondenz an Prozessgegner des Kunden herausgeben. «Gefälligkeiten» der Staatsanwaltschaft, wenn Gesetzesverstösse einheimischer Treuhänder nicht aufgegriffen werden, usw., usw. usw.

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    • B. Obachter
      B. Obachter sagte:

      Wegen der «Gefälligkeit» der Verletzung des Bankgeheimnisses durch die Liechtensteinische Landesbank wurde inzwischen Strafanzeige zur Liechtensteinischen Staatsanwaltschaft erstattet. Ob die Staatsanwaltschaft diese wohl aus «Gefälligkeit» einstellt?

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    • Carlo
      Carlo sagte:

      Selbst der Namensgeber der grossen Liechtensteiner Kanzlei Gasser, Johannes Gasser beschwerte sich in einem Artikel in der NZZ darüber, dass Urteile der Fürstengerichte eine Gefahr für die Attraktivität des Stiftungsstandortes Liechtenstein seien:«Die Gerichte schränken die Rechte von Begünstigten zusehends ein. Es gibt eine Ungleichbehandlung zwischen Familienbegünstigten und Berufstreuhändern.»
      Mit Gerichten, die nicht neutral entscheiden, zerstört Liechtenstein seine Glaubwürdigkeit. Hier ist dringend Handlungsbedarf, möchte Liechtenstein seine Zukunft als Finanzplatz nicht selbst zerstören.

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    • Nepotismus
      Nepotismus sagte:

      Der Nepotismus fördert eine Kultur der Ungerechtigkeit und der Korruption und führt dadurch zu einem Verlust des Vertrauens, was den Ruf und die Seriosität langfristig beeinträchtigt.

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  12. Big brother
    Big brother sagte:

    Die USA sollen Liechtenstein mal so richtig unter die Lupe nehmen! Sanktionierte Vermögen, Geldwäsche usw.

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  13. Baron von Münchhausen
    Baron von Münchhausen sagte:

    Sollte Liechtenstein nicht sofort etwas unternehmen, wird es in seinem eigenen selbst geschaffenen Sumpf versinken.

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  14. Abschied von Europas letztem Geld-Paradies
    Abschied von Europas letztem Geld-Paradies sagte:

    Die WELT schreibt in ihrem Artikel «Abschied von Europas letztem Geld-Paradies» vom 2. Mai 2024:

    «Der Name Liechtenstein taucht immer dann auf, wenn es um große Vermögen geht. Denn im Fürstentum scheint Geld sicherer aufgehoben zu sein als anderswo. Doch immer mehr Fälle lassen Zweifel am zentralen Versprechen des Alpenlandes aufkommen.»
    https://www.welt.de/wirtschaft/plus251034324/Geld-Abschied-von-Europas-letztem-Geld-Paradies.html

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  15. Nepotismus & Chorgeist
    Nepotismus & Chorgeist sagte:

    Nepotismus und Chorgeist haben in den letzten Jahren in Liechtenstein dazu geführt, dass manche Treuhänder und möglicherweise auch manche (namentlich bekannten) Richter in Liechtenstein eben dieses Gefühl der Straflosigkeit, der völligen Immunität hatten. Man konnte sich ungestört und ungestraft über Recht und Gesetz hinwegsetzen und alles unter den Teppich kehren, man wurde ja auch nicht vernadert.

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  16. R. Pfister
    R. Pfister sagte:

    Wer heute noch eine Struktur in Liechtenstein gründet oder Geld bei einer Liechtensteinischen Bank anlegt, dürfte kaum mehr aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Denn im hier hat man mitbekommen, dass in Liechtenstein Vertrauenswürdigkeit und Rechtstaatlichkeit verloren gegangen sind.

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  17. Oehri, Giger, Ostrowsky
    Oehri, Giger, Ostrowsky sagte:

    US Department of the Treasury
    Press Release
    Treasury Targets Russian Financial Facilitators and Sanctions Evaders Around the World
    April 12, 2023

    OFAC also designated three individuals associated with Sequoia Treuhand Trust. Liechtenstein and Switzerland national Roland Oehri (Oehri) is the managing director of Sequoia Treuhand Trust. Oehri has personally managed luxury property associated with Usmanov. Switzerland and UK national Markus Jakob Giger (Giger) is a member of the board of Sequoia Treuhand Trust. Austria and Switzerland national Alexander Ostrowsky (Ostrowsky) works as a business introducer for Sequoia Treuhand Trust.

    Oehri and Giger were designated pursuant to E.O. 14024 for being or having been leaders, officials, senior executive officers, or members of the board of directors of Sequoia Treuhand Trust. Ostrowsky was designated pursuant to E.O. 14024 for having materially assisted, sponsored, or provided financial, material, or technological support to, or goods or services to or in support of, Sequoia Treuhand Trust.
    https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy1402

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  18. Markus Giger - Roland Oehri - Aexanderv Ostrowsky
    Markus Giger - Roland Oehri - Aexanderv Ostrowsky sagte:

    Notice of OFAC Sanctions Actions
    A Notice by the Foreign Assets Control Office on 05/19/2023

    3. GIGER, Markus Jakob, Bildgass 30, Schaan 9494, Liechtenstein; Switzerland; DOB 17 Aug 1955; POB St. Gallen, Switzerland; nationality Switzerland; alt. nationality United Kingdom; Gender Male; Passport X0192937 (Switzerland) expires 10 Apr 2026; National ID No. 040002130001 (United Kingdom) (individual) [RUSSIA–EO14024] (Linked To: SEQUOIA TREUHAND TRUST REG).

    Designated pursuant to section 1(a)(iii)(C) of E.O. 14024 for being or having been a leader, official, senior executive officer, or member of the board of directors of Sequoia Treuhand Trust Reg, an entity whose property and interests in property are blocked pursuant to E.O. 14024.

    24. OEHRI, Roland (a.k.a. OHRI, Roland), Liechtenstein; Austria; DOB 19 Mar 1968; POB Liechtenstein; nationality Liechtenstein; alt. nationality Switzerland; Gender Male; Passport R 41277 (Liechtenstein) expires 23 Mar 2030 (individual) [RUSSIA–EO14024] (Linked To: SEQUOIA TREUHAND TRUST REG).

    Designated pursuant to section 1(a)(iii)(C) of E.O. 14024 for being or having been a leader, official, senior executive officer, or member of the board of directors of Sequoia Treuhand Trust Reg, an entity whose property and interests in property are blocked pursuant to E.O. 14024.

    25. OSTROWSKY, Alexander (a.k.a. OSTROUSKY, Alexander), Zurich, Switzerland; DOB 21 Aug 1963; nationality Austria; alt. nationality Switzerland; citizen Austria; Gender Male; Passport X3278664

    (Switzerland) (individual) [RUSSIA–EO14024] (Linked To: SEQUOIA TREUHAND TRUST REG).

    Designated pursuant to section 1(a)(vi)(B) of E.O. 14024 for having materially assisted, sponsored, or provided financial, material, or technological support for, or goods or services to or in support of, Sequoia Treuhand Trust, a person whose property and interests in property are blocked pursuant to E.O. 14024.

    https://www.federalregister.gov/documents/2023/05/19/2023-10698/notice-of-ofac-sanctions-actions

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  19. Verduzt
    Verduzt sagte:

    Kaum zu glauben, was in Liechtenstein alles abgeht. Haben die ganzen Skandale überhaupt Platz in dem kleinen Land?

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