Liechtenstein während des Dritten Reichs: kein Ruhmesblatt.
Anfang März 1938 wurde der Fürst Franz Josef II. in Berlin empfangen. Vorausgegangen war dem ein lebhafter Austausch von Glückwünschen zwischen Adolf Hitler und ihm. Dabei überreichte der Liechtensteiner Herrscher dem dicken Nazi Hermann Göring einen Marschallstab, der einstmals Wallenstein gehörte.
Nachdem das Dritte Reich zu Ruinen zerfallen war, beeilte sich die fürstliche Familie zu insinuieren, dass es sich dabei um eine Fälschung gehandelt habe. Typisch.
Das Fürstenhaus, auch so eine Konstante, trennte niemals streng zwischen seinen partikulären Interessen und den Interessen Liechtensteins. So war es sehr bemüht, sich die nach dem Ersten Weltkrieg in der Tschechoslowakei verlorenen Besitztümer wieder anzueignen. Deren Rückgabe strebte der Fürst erfolgreich an.
Aber nicht nur das, es gab auch fürstlichen Zukauf von «arisierten», also zwangsveräussertem jüdischem Besitz. Darüber urteilte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: «Hier gilt als Bewertungskriterium, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt zum eigenen materiellen Vorteil unausgesprochen die Enteignung der Juden seitens des NS-Regimes sanktionierte.»
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging dann das Fürstenhaus seiner östlichen Besitzungen wieder verlustig, Ironie der Geschichte. Nun aber sandte Franz Josef II. Glückwunschtelegramme an den US-Präsidenten Truman, den britischen König George VI. (obwohl der mit der Kriegsführung nichts zu tun hatte) und an Charles de Gaule. Auch der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Eduard Benes, wurde huldvoll bedacht. Schliesslich ging es in Mähren um einen Immobilienbesitz im Wert von damals rund 345 Millionen Franken.
Noch im Januar 1945 waren grosse Teile der fürstlichen Kunstsammlung aus Mähren nach Vaduz geschafft worden. Eine weise Entscheidung, denn die verbliebenen fürstlichen (oder Liechtensteiner, das ist ja das Gleiche) Besitztümer wurden gleich wie Eigentum der Sudetendeutschen behandelt – und konfisziert. Sie sind bis heute im Besitz der Nachfolgestaaten, wogegen das Fürstenhaus zwar nicht mehr lautstark, aber dennoch immer wieder protestiert.
Aber es zeigte sich, dass das Fürstenhaus sehr vorausschauend gehandelt hatte, als es sich nach dem Ersten Weltkrieg von Österreich ab- und der Schweiz zugewandt hatte. So entging es nicht nur dem «Anschluss» Österreichs an Deutsche Reich, sondern wurde von Hitler ähnlich wie die Schweiz behandelt.
Genauso weitsichtig war der Fürst Josef II. beim Antritt seiner Thronfolge von Wien nach Vaduz übergesiedelt. Immerhin überstand das Fürstentum einen 1939 durch die Volksdeutsche Bewegung durchgeführten Putschversuch, den sie mit der Feldkircher SA zusammen vorbereitet hatte.
Dabei hatte als erster Fürst Alois II. erst im Jahr 1842 seinem Liechtenstein einen Besuch abgestattet, 123 Jahre nach der Staatsgründung. Und bis 1938 bevorzugten Ihre Durchlauchten das Leben in ihren prunkvollen Schlössern in der Tschechoslowakei oder in Wien – statt im provinziell kargen Vaduz.
Letztlich belegt eine handschriftlich Notiz des Führers vom 18. März 1938, dass er das kleine Liechtenstein nicht wollte: «Wunsch des Führers … dass wir uns nicht einmischen», notierte er handschriftlich auf einem Dokument des Berliner Auswärtigen Amtes.
So überstand das Ländle den Hitlerfaschismus und den Zweiten Weltkrieg. Es fiel dabei weder durch grosse Courage, noch durch grosse Verbrechen auf. Allerdings bis heute dadurch, dass alle Ereignisse, die in dieser dreiteiligen kleinen Serie dargestellt werden, am liebsten unter den Teppich gekehrt werden.
Besonders die üble Rolle, die der Gründer der weltweit agierenden Werkzeugmaschinenvfabrik Hilti spielte, sein glühender Nationalsozialismus, sein Herzenswunsch, dass sich Liechtenstein dem Dritten Reich anschliessen solle, seine Denunziation von Juden in Liechtenstein, das er natürlich gerne «rassenrein» gesehen hätte: all das zu erwähnen, das wird in Liechtenstein so empfunden, als ob einer während einer Trauerfeier laut lachte.
Tut man nicht.




Ganz Liechtenstein muss wohl mit Teppichen belegt sein, so viel wie dort ständig unter den Teppich gekehrt wird…
Aufarbeiten, nicht vertuschen, werte Durchlauchten!
Das ist so unendlich peinlich, wenn man alles verheimlichen möchte und dabei entdeckt wird. Besser wäre es gewesen, offen darüber zu sein. Aber das passt nicht in das Bild mit den blütenweissen Westen. So scheinheilig!
Die Geschichte vergisst nichts. Auch wenn man sie verdrängen möchte.
Da haben die katholischen Moralapostel im Ländle doch ganz schön braune Flecken auf ihrer Fahne.
Grüne Wiesen, braune Flecken und immer die unbefleckten katholischen Musterschüler spielen.
Liechtenstein ist kein Fürstentum, sondern ein Scheinheiligtum.
VERSCHWEIGEN Der Weltkonzern, der schon 2003 den UN Global Compact unterschrieben hat, der »die Standards in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt und Anti-Korruption festlegt«, tut sich mit den braunen Jugendsünden des Gründers offenbar schwer.
In den Publikationen zum 75. Jahrestag der Firmengründung im Dezember 2016 wird das Verhalten des jungen Martin Hilti nicht thematisiert. Firmensprecherin Jessica Nowak begründet dies damit, dass dieser Teil der Biografie Martin Hiltis mit der »eigentlichen Geschichte des Unternehmens« in keinem direkten Zusammenhang stehen würde: »Wir haben uns deshalb entschieden, die persönliche politische Ori0entierung von Martin Hilti, von der er sich später deutlich distanziert hat, nicht in der Firmenchronik zu beleuchten.«
Zahlreiche Konzerne in Deutschland gehen mit ihrer Geschichte offensiver um.
https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/braune-jugendsuenden/
Mehr Transparenz wäre dringend geboten!
https://www.jta.org/2000/08/30/default/liechtensteins-nazi-connection
Eine der kritischsten Fragen betrifft die Rolle von Liechtensteiner Banken beim Umgang mit Vermögen, das von den Nazis geplündert worden war. Untersuchungen haben gezeigt, dass Vermögenswerte über Liechtensteiner Banken transferiert wurden, was eine ethische und rechtliche Aufarbeitung erforderlich macht.
Die Erinnerungskultur in Liechtenstein ist beschämend.