Verdrängen, verschweigen, vergessen. Eine Liechtensteiner Spezialität.
Landet mal wieder ein Treuhänder im Knast: Schwamm drüber. Macht mal wieder eine Liechtensteiner Bank mit krummen Geschäften und zwielichtigen Kunden von sich reden? Vergessen, so schnell wie möglich. Dienen Liechtensteiner Konstrukte dazu, die Besitzer russischer Vermögenswerte, von Jachten und Immobilien, verschwinden zu lassen, und werden enttarnt? Am besten verdrängen.
So hat es Liechtenstein schon immer gehalten. Einen besonders hässlichen Fleck auf der fürstlich-weissen Weste Liechtensteins ist der Fall Rotter.
Ältere Liechtensteiner senken wenigstens den Blick wenn dieser Name fällt. Jüngere haben sicher keine Ahnung mehr.
Die Gebrüder Rotter waren zwei deutsche Theaterunternehmer, die in ihren besten Zeiten in Berlin 9 Theater gleichzeitig betrieben. Eigentlich hiessen sie Alfred und Fritz Schaie und waren Juden. In Deutschland geboren, liessen sie sich angesichts des aufkommenden Hitler-Faschismus in Deutschland in Liechtenstein einbürgern, um einen vermeintlich sicheren Zufluchtsort zu haben.
Den wollten sie auch benützen, als ihr Imperium nicht zuletzt wegen der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zusammenbrach. Von den geifernden Nazi-Medien wurden sie als typische geldgierige Juden denunziert, die den Bankrott betrügerisch herbeigeführt hätten. Wofür sich aber keinerlei Beweise fanden.
Sie flüchteten nach Liechtenstein. Die deutschen Medien griffen Liechtenstein an und forderten lauthals deren Auslieferung nach Deutschland, wo ihnen der Gang ins KZ gedroht hätte. Die Brüder wurden dann ins Waldhotel Gaflei gelockt.

Historische Aufnahme des Kurhauses Gaflei vor 1930.
Dort versuchten am 5. April 1933 die vier Liechtensteiner Nazis Rudolf Schädler, Franz Roeckle, Peter Rheinsberger und Eugen Frommelt, die Gebrüder nach Deutschland zu entführen. Ein Fanal, um einer nationalsozialistischen Bewegung in Liechtenstein Schub zu geben, die vom glühenden Nazi Martin Hilti angeführt wurde.
Unterstützt von fünf für das Vorhaben gewonnenen Deutschen versuchte die Bande, das Ehepaar Alfred und Gertrud Rotter sowie Fritz Rotter und dessen Begleiterin Julie Wolff zu überwältigen und zu entführen. Das misslang, hatte aber dennoch schreckliche Folgen.
Die zu Fuss flüchtenden Alfred und Gertrud Rotter stürzten (oder wurden gestürzt) zu Tode, Julie Wolff wurde schwer verletzt, ebenso der aus dem Entführerauto gesprungene Fritz Rotter. Die Gangster wurden gefasst, aber in Rücksicht auf Deutschland zu milden Gefängnisstrafen zwischen vier Monaten und einem Jahr verurteilt. Ein jüdischer Rechtsanwalt aus Zürich durfte sein Plädoyer nicht verlesen. In Liechtenstein wurden flugs 700 Unterschriften für die Begnadigung der Kidnapper gesammelt.
Die höchste Strafe kassierte Rudolf Schädler als Wirt und Besitzer des Hotels Gaflei. Er war der Enkel des ersten Landtagspräsidenten und Sohn des Landtagspräsidenten Rudolf Schädler Senior. Junior war Gründungsmitglied der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein und sogar deren Leiter. Für die vom Nazi Hilti geleitete «Stürmer»-Kopie «Der Umbruch» verfasste Schädler Hitler verherrlichende Artikel.
Nach dem Krieg wandte sich Schädler der Holzschnitzerei zu, aus Wurzeln schälte er menschliche Figuren, politisch betätigte er sich nicht mehr.
Immerhin erinnern zwei winzige «Stolpersteine» in Vaduz an das Schicksal der beiden deutschen Juden, die meinten, in Liechtenstein einen sicheren Zufluchtsort gefunden zu haben und stattdessen den Tod fanden. Der überlebende Fritz Rotter flüchtete nach Frankreich und kam in der Haft in Colmar 1939 ums Leben.
So gibt es in Vergangenheit und Gegenwart Liechtensteins viele Stolpersteine, an die sich aber offiziell niemand so gerne erinnern will.




Verdrängen, verniedlichen, unter den Teppich kehren – anstatt aufzuarbeiten. So geht das in Liechtenstein.
Selbst die katholische Kirche hat begonnen ihre Skandale aufzuarbeiten. Nur Liechtenstein tut so als hätte es keine Skandale. Das ist schon sehr scheinheilig.
Anständige Piraten hissen wenigstens die Piratenflagge bei ihren Raubzügen und geben sich nicht wie manche Piraten in Liechtenstein als «Treuhänder» aus.
Im Ländle werden augenscheinlich Plünderungen fremder Vermögen kollusiv organisiert, durchgeführt und werden diese von oben geduldet. Und alles wird gleich vertuscht.
In manchen Ländern gibt es eine Toleranzgrenze von 3 km/h, bevor man ein Verfahren wegen zu schnellen Fahren bekommt.
In Liechtenstein scheint es eine Toleranzgrenze von 30 Millionen Franken zu geben, bevor ein untreuer Liechtensteiner Treuhänder ein Verfahren bekommt.
Es würde der Reputation von Liechtenstein helfen, wenn nicht alles verdrängt und totgeschwiegen werden, sondern aufgedeckt und untersucht werden würde. So käme Liechtenstein aus der Schmuddelecke heraus. Voraussetzung wäre jedoch der Wille dazu, der klar fehlt.
Das alles zu verschweigen und unter den Teppich zu kehren ist feige!