Beratungsresistenter Treuhänder
Sie sollten vorbildlich gesetzestreu sein. Theoretisch.
Ein kurioser Fall aus dem Liechtensteiner Treuhand-Unwesen. Die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht (FMA) hat ein Liechtensteiner Treuhandbüro gebüsst. Und zwar nicht im Peanutsbereich. Die Busse beträgt 100‘000 Franken.
Sie kam auch nicht wegen ein, zwei Kleinigkeiten zustande. Das Treuhandbüro wurde wegen insgesamt 38 (!) Übertretungen gebüsst. Die FMA hatte im Sommer 2021 eine sogenannte Sorgfaltspflichtkontrolle durchgeführt.
Dem Treuhänder wurde laut „Vaterland“ unter anderem vorgeworfen, bei 17 Kundenbeziehungen Geschäftsprofile nicht oder nur unvollständig erstellt zu haben. Ausserdem habe er keine Risikobewertungen bezüglich Geldwäscherei, organisierte Kriminalität oder Terrorismusfinanzierung vorgenommen.
Daraus resultierte eine happige Busse von 100‘000 Franken. Eigentlich sollte man meinen, dass ein so gerügter Treuhänder still und leise in sich geht und die Busse klaglos bezahlt.
Aber doch nicht ein Liechtensteiner Treuhänder. Zunächst reichte er Beschwerde bei der FMA ein. Damit erreichte er immerhin, dass eine Übertretung fallengelassen wurde. Allerdings blieb die Höhe der Busse gleich.
Der Treuhänder ging immer noch nicht in sich, sondern gelangte an den fürstlichen Verwaltungsgerichtshof. Aber auch der sah keinen Grund, an der Busse etwas zu ändern. Das entschied er im Namen von „Fürst und Volk“ im Februar 2024. Wohlgemerkt über einen Vorfall, der 2021 seinen Anfang nahm.
Im Urteil dann immerhin etwas Klartext:
„Die hohe Anzahl von 37 Übertretungen verlangt eine Busse in der Höhe von 100‘000 Franken.“
Dann folgt noch eine interessante Bemerkung des Gerichts: die Busse in der Höhe von 100‘000 Franken entspreche der Finanzkraft einer «durchschnittlichen Ein-Mann-Treuhandgesellschaft“.
Aus diesem Vorfall kann man einige Lehren ziehen.
- Da die FMA sicherlich nicht regelmässig bei alle Treuhändern eine Sorgfaltspflichtkontrolle durchführt, sind ursprünglich 38 Übertretungen eines einzelnen Treuhänders eine happige Anzahl. Man möchte lieber nicht wissen, auf welche Zahl die FMA bei einer Kontrolle aller 132 Treuhänder käme.
- Zumindest in diesem Fall zeigte der Treuhänder eine beachtliche Widerstandskraft. Natürlich ist es ihm unbenommen, den Rechtsweg bis zum Ende zu beschreiten. Aber offensichtlich war an der Tatsache nichts zu rütteln, dass die monierten Übertretungen – mit einer Ausnahme – auch tatsächlich stattgefunden hatten. Dennoch war der Treuhänder offensichtlich uneinsichtig.
- Besonders interessant ist die Bemerkung, dass diese Busse in sechsstelliger Höhe der Finanzkraft eines Treuhänders entspreche, der eine Ein-Mann-Bude betreibt. Mit anderen Worten: ein Abfluss von 100‘000 Franken bringt ihn nicht um und seine Firma nicht an den Rand des Bankrotts. Für einen Normalverdiener mit dem Schweizer Durchschnittseinkommen von rund 70‘000 Franken im Jahr wäre eine solche Busse kaum tragbar, sie entspräche sicherlich nicht seiner Finanzkraft.
Daraus darf man also schliessen, dass alleine arbeitende Treuhänder ein durchschnittliches Jahreseinkommen von sicherlich mehr als 100‘000 Franken haben. Aber dann wäre eine solche Busse immer noch nicht tragbar. Also gehen wir mal von mindestens 200‘000 Franken aus.
Oder rechnen wir nochmals anders. Bei dieser Kontrolle wurde seine Schlampigkeit bei 17 Kundenbeziehungen moniert. Bei der Verwaltung kommen sicherlich im Jahr locker 10‘000 Franken pro Kunde zusammen, wenn auch nur eine Kleinigkeit nicht mit Textbausteinen und Steuererklärungen von der Stange erledigt werden kann, steigert sich das problemlos auf 20‘000 Franken. Nehmen wir zudem an, dass der Treuhänder sicherlich nicht bei all seinen Kunden gepfuscht hat, sondern wohl viel mehr hat. Sagen wir bescheiden doppelt so viele, also 34. Nehmen wir weiter an, dass er bei der Hälfte 10‘000 Franken kassiert, bei der anderen Hälfte 20‘000 im Jahr. Damit wären wir dann bei einem realistischen Jahreseinkommen von schlappen 500‘000 Franken.
Das bedeutet, dass so eine Busse von 100‘000 Franken tatsächlich finanziell problemlos verdaut werden kann. Und der Schaden an der Reputation, dem Image des Treuhänders? Kein Problem, es kennt ja niemand seinen Namen, also müssen das seine Kunden ja auch nicht wissen …










Die Stiftungsaufsichtsbehörde hat 2023 insgesamt 173 nicht eingetragene Stiftungen überprüft. 173 von 7‘662 Stiftungen, also dann doch 2,6 %.
Also eine sehr engmaschige Prüfung…😂
2,6 % kontrollierte Stiftungen, bedeutet, dass 97,4 % Der Stiftungen nicht kontrolliert worden sind. https://www.stifa.li/2023-2/
Das Problem ist nicht die zu geringe Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde. Das Problem ist vielmehr, dass in der Vergangenheit bestimmte Richter immer wieder ausländische Stiftungsräte und sogar Begünstigte aus Stiftungen und Trusts rausgeschmissen haben und damit Liechtensteiner Treuhändern ermöglicht haben, sich völlig unkontrolliert zu bereichern.
Liechtenstein ist ein in sich geschlossenes, korruptes System.
Nur weil die Betroffenen nichts voneinander wussten und ihre FL-Rechtsanwälte ihnen das Märchen vom „bedauerlichen Einzelfall“ erzählt haben, konnten die Raubzüge der untreuen Treuhänder mit Hilfe bestimmter Richter in FL über Jahre hinweg ungestört erfolgen. Niemand hat etwas gesagt, Omertà, Schweigen. Und alle haben fürstlich davon profitiert. Nur ist das System jetzt aufgeflogen. Und nun ist die Glaubwürdigkeit von Liechtenstein zerstört.
Es ist wirklich unglaublich, dass es so etwas mitten in Europa gibt.
Spätestens jetzt muss jeder kapiert haben, dass er mit einer Liechtensteinischen Stiftung riskiert, sein gesamtes Vermögen zu verlieren.