Nicht nur Treuhänder sorgen in Liechtenstein für Skandale.
Der Umgang mit dem Bankkundengeheimnis wird in Liechtenstein eher locker genommen. Es kommt sozusagen darauf an, wer etwas wissen will. Bleibt’s im Ländle, wäscht da auch mal eine Hand die andere.
Aber natürlich überschlagen sich die Fürstenbank LGT und die anderen grossen darin, seriös, sauber, zuverlässig und hochkompetent zu sein.
Es gibt aber ingesamt 12 Banken im Ländle. Dazu gehörte, gehört, die Bank Alpinum. Hinter dieser Ländle-Bank stand der Clan des iranisch-schweizerischen Geschäftsmanns Yousef Sherkati.
2017 machte sie Schlagzeilen, weil ein offenbar unzufriedener Mitarbeiter von Kundenkonten über 10 Millionen Franken entwendete, um damit seinen Lebensstil und Drogenkonsum zu bezahlen. Das ist in Liechtenstein nicht unüblich; immer mal wieder kann ein Treuhänder zwischen Meins und Deins nicht unterscheiden. So landete der fürstliche Justizrat Harry G. im Knast, weil er für seine brasilianische Freundin mindestens 12 Millionen unterschlagen hatte.
Etwas dümmer für die Bank Alpinum war, dass offenbar auch eine zwielichtige Figur, die Millionen im Darknet gescheffelt hatte, zu ihren Kunden gehörte. Der Kanadier Alexandre Cazes hatte eine Plattform betrieben, wo man im Schutz der Anonymität des Darknets mit Waffen, Drogen und allem Verbotenen handeln konnte. Cazes wähnte sich in Thailand in Sicherheit – bis er 2017 verhaftet und seine Handelsplattform AlphaBay geschlossen wurde. Denn auch das Darknet ist für staatliche Strafverfolgungsbehörden nicht völlig undurchdringlich. Cazes erhängte sich kurz nach seiner Verhaftung in seiner Zelle, mit nur 26 Jahren.
Sein Vermögen von rund 25 Millionen Franken hatte Cazes auf verschiedenen Bankkonten gebunkert, auf den üblichen kleinen Inseln im Meer. Und bei der Bank Alpinum in Liechtenstein.
Was macht man, wenn doch einige Turbulenzen die schöne Selbstdarstellung mit vertrauenserweckenden Bergen beschädigen? Genau, man benennt die Bank einfach um. So wurde aus der Alpinum die Sora Bank. Und einen neuen Besitzer bekam sie auch, ein gewisser Günther Walcher. Das ist auch so ein österreichisches Wunderwuzzi, allerdings immer noch solvent.
Aber mit der Umbenennung und ständigem Wechsel im Management ging’s dann auch nicht bergauf. Dann kamen noch Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses dazu, und im März 2023 war dann Schluss mit Banking. Die Bank Sora stellte die Geschäftstätigkeit ein und gab die Banklizenz zurück. Die Beerdigung fand in aller Stille statt.
Hätte man nicht gedacht, dass es so wild auf dem fürstlichen Bankenplatz Liechtenstein zugeht, nicht war?
Noch im Februar 2023 hatte die Sora Bank Optimismus versprüht: «Neuer CEO und Sprecher der Geschäftsleitung wird Marcos Montero, der umfassende Erfahrung im internationalen Bank- und Finanzwesen vorzuweisen hat. Neuer Präsident des Verwaltungsrats ist Peter Vesco, erfahrener Finance- und FinTech-Manager mit einem Fokus auf Innovations- und Digitalisierungsthemen.»
War dann aber nix.
Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein besiegelte dann das Schicksal der Bank Anfang März dieses Jahres mit einer trockenen «Medienmitteilung»: «Mit Beschluss vom 1. März 2024 hat das Fürstliche Landgericht das Konkursverfahren über das Vermögen der Sora Bank AG in Liquidation (Sora) eröffnet und Deloitte (Liechtenstein) AG zum Bankliquidator bestellt.»
Mit dem Eintritt des Sicherungs- und Entschädigungsfalls prüft die EAS (Einlagesicherungs- und Anlegerentschädigungsstiftung) die Ansprüche der Einleger und Anleger und befriedigt diese bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen bis zu den gesetzlichen Höchstbeträgen.»




Das Bankgeheimnis wird in Liechtenstein nicht sehr ernst genommen.
Die Liechtensteinische Landesbank AG (LLB) hat gegen den ausdrücklichen Willen eines Kunden dessen gesamte interne Korrespondenz eines Jahres mit der Bank an die Liechtensteiner Treuhänder Philipp Wanger und Martin Batliner, die Prozessgegner des ausländischen Bankkunden sind, herausgegeben. Diese haben die Korrespondenz dann in dem laufenden Gerichtsverfahren vorgelegt.
Eine «Gefälligkeit» der LLB auf dem kurzen Dienstweg, um den beiden Treuhändern entgegenzukommen. Diese «Gefälligkeit» dürfte jedoch im Klartext nichts anderes sein als ein vorsätzlicher Verstoss gegen das Bankgeheimnis und den Datenschutz des Kunden.
Ob die LLB damit ihrem eigenen Ruf und dem Ruf des gesamten Banken- und Finanzstandorts einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden.
Wegen dieser Verletzung des Bankgeheimnisses wurde Strafanzeige gegen unbekannte Täter bei der Liechtensteinischen Landesbank erstattet. Das wird interessant.
Das ist ja spannend – bitte unbedingt auf dem Laufenden halten, wie das von der Staatsanwaltschaft behandelt wird.
Wie lautet es in dem Artikel oben:
«Der Umgang mit dem Bankkundengeheimnis wird in Liechtenstein eher locker genommen. Es kommt sozusagen darauf an, wer etwas wissen will. Bleibt’s im Ländle, wäscht da auch mal eine Hand die andere.»
Das wird wirklich interessant, wie damit umgegangen wird, wenn die gesamte Korrespondenz eines ganzen Jahres an einem Prozessgegner herausgegeben wird. 😂
Die FL-Staatsanwaltschaft und die FL-Finanzmarktaufsicht (FMA) unternehmen doch niemals etwas, wenn die LTG oder wie hier die LLB gegen das Bankgeheimnis verstösst. Das ist doch kein Verstoss gegen das Bankgeheimnis, sondern nur eine selbstverständlich nicht zu beanstandende „Gefälligkeit“…
Wetten?
Die LGT gehört dem Fürsten, die LLB dem Volk. Kein Mitarbeiter der FMA und kein Staatsanwalt im Ländle traut sich doch, einen Ton gegen die LLB zu sagen. Dann wäre er doch sofort seinen Job los und würde im Ländle nie mehr einen bekommen. 🥳
Habt ihr das System Liechtenstein nicht kapiert?
Bitte halten Sie uns auf dem Laufenden, wie sich diese Angelegenheit weiter entwickelt, wir haben großes Interesse dies zu erfahren.
Blos weil die Liechtensteiner Landesbank interne Korrespondenz verrät, wird dies in Liechtenstein sicher nicht als Verletzung des Bankgeheimnisses geahndet. Ist doch ganz normal in Liechtenstein. Hahsha!